Terra X: Zugvögel

Zweiteilige Dokumentation

Mit "Deutschland von oben" haben Petra Höfer und Freddie Röckenhaus von Colourfield Millionen Zuschauer von der Schönheit Deutschlands aus der Vogelperspektive begeistert. Mit ihrer neuen Produktion "Zugvögel" heben sie nun wieder ab. Für die zweiteilige "Terra X"-Dokumentation begleiten sie Stare, Störche, Waldrappen, Bless- und Nonnenhühner auf ihren Reisen nach Italien, Sibirien und Afrika. Atemberaubende Luftbilder und CGI-Animationen machen die Zugrouten der Vögel weltweit sichtbar. Aber auch die Strapazen der tapferen Vielflieger werden deutlich: Milliarden von Zugvögeln sterben jedes Jahr auf den Reisen in ihre Winterquartiere.

  • ZDF, Sonntag, 6. und 13. November 2016, 19.30 Uhr

Texte

Stab, Kurzinhalt

Ein Film von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus

Realisatoren: Francesca DAmicis
Producer: Susanne Rostosky, Kay Schlasse, Friederike Schmidt-Vogt
Schnitt: Johannes Fritsche
Erste Kamera: Tobias Kaufmann
Helikopter Kamera
Peter ThompsonIrmin Kerck, Stefan Urmann
Weitere Kamera:
Marcus von Kleist, Frank Roos, Markus Ziegler
Highspeed Kamera: S
ebastian Meien
Animationen: 422 South, David Corfield, Liz Elkington, Jim Walters,
Libby Redden, Tav Flett, James Venn, Chris Suddaby, Craig Howarth
Sprecher: Dietmar Wunder
Tonmischung: Alexander Vitt
Digitale Orthophotos: Geobasis DE / BKG 2015
Produktion colourFIELD: Franziska Gößling, Christine Marzi, Svenja Mandel
Produktion ZDF: Cora Szielasko
Redaktion: Friederike Haedecke / ZDF, Katharina Kohl / ZDF, Marita Hübinger / ARTE
Länge: ca. 43'

Inhalt

Zugvögel leben gefährlich. Warum nehmen sie trotzdem Jahr für Jahr die Strapazen eines langen Fluges auf sich? Die zweiteilige Terra X-Dokumentation "Zugvögel" gibt Antworten und liefert neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Zuschauer wird zum "Flugbegleiter" und eine faszinierende Reise auf Augenhöhe mit den Zugvögeln. Von Deutschland aus bis an die arktische Barentssee, über die Alpen, die Sahara, bis nach Tansania. Er besucht mit Forschern die Heimat der Nonnengänse, die russische Insel Kolguev. Wie gefahrvoll die Überquerung des Mittelmeeres bei Gibraltar ist, wird aus der Storchenperspektive bewusst.

Faszinierend und erkenntnisreich sind die Einblicke in die mühevollen Vorbereitungen von Forschungs- und Artenschutzprogrammen, für die Waldrapp- und Graugansküken unter menschlicher Obhut aufwachsen. Und wer hat bis dahin gewusst, dass Graugänse im Dienste der Zugvogelforschung in unserer Region, am Jadebusen, das Fliegen lernen?

Atemberaubende Bilder aus ungewohnter Perspektive, eingefangen von einer Spezialkamera, vom Hubschrauber aus. "Zugvögel" ist das neue Projekt von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus, die schon mit ihrer Erfolgsreihe "Deutschland von oben" Millionen Zuschauer mit Bildern aus der Vogelperspektive begeistert haben.

1. Kundschafter in fernen Welten

Sonntag, 6. November 2016, 19.30 Uhr, ZDF
Montag, 12. Dezember 2016, 19.30 Uhr, ARTE

Terra X: Zugvögel

Zweiteilige Dokumentation

1. Kundschafter in fernen Welten

Ende August werden die Störche im rheinland-pfälzischen Bornheim langsam unruhig. Der Nachwuchs unternimmt immer weitere Ausflüge rund ums elterliche Nest. Und eines Tages sind alle Storchenkinder plötzlich verschwunden. "Terra X - Zugvögel" begleitet Jungstorch Borni auf seiner ersten langen Reise nach Afrika. Allein, lange vor seinen Eltern, zieht Borni mit seinen drei Geschwistern Richtung Süden. Eine gefährliche Reise mit zahlreichen mörderischen Etappen. Den Flug mit Tausenden anderer Störche über die Straße von Gibraltar wurde dabei erstmals mit einer gyrostabilisierten Helikopter-Kamera begleitet. Wenn ein Storch aus Erschöpfung im Wasser notlanden muss, ist er dem Tod geweiht. Selbst Vogelforscher waren erstaunt, dass nicht nur Borni sich auf dieser Horror-Etappe in der Luft übergeben hat.

Vor 150 Jahren mussten Vogelkundler noch Pfeilspitzen analysieren, mit denen Störche aus Afrika nach Europa zurückkehrten, um herauszufinden, wo sie den Winter verbracht hatten. Inzwischen zeichnen möglichst kleine, möglichst leichte Hightech-Sender jede Flugbewegung eines Vogels als GPS-Koordinaten auf und melden dazu Flughöhe und -geschwindigkeit, Luftwiderstand und Energieverbrauch. Künftig sollen diese Sender live per Satellit auszulesen sein – von der Sahara bis nach Sibirien. Für Martin Wikelski, Leiter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell, beginnt damit eine neue Ära. "Über das Flugverhalten der Vögel können wir dann herausfinden, wie die Welt sich an diesem Fleck gerade verändert."

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Mit Graugans-Küken, die sich – wie man seit Konrad Lorenz weiß – leicht auf Menschen prägen lassen, wird gerade die erste Sender-Generation in mühevoller Kleinarbeit kalibriert. Denn nur, wenn die Sender präzise und konstant messen, wird man in Zukunft Erstaunliches per Vogelzug erfassen und vorhersagen können – von lokalen Windverhältnissen bis zu Unwettern, drohenden Erdbeben oder Riesenheuschrecken-Plagen. Denn wenn Vögel ihre Flugroute ändern, hat das immer einen Grund. Mauersegler etwa können Unwetter erspüren, die noch 600 Kilometer entfernt sind. Sie können auch während des Fluges schlafen und so Tage oder Wochen in der Luft verbringen.

Die aufwendig produzierte "Terra X"-Dokumenation fliegt mit umfangreichen CGI-Animationen und atemberaubenden Luftbildern mit unseren Zugvögeln bis nach Afrika. Sie begleitet die Graugans-Küken-Trainingsgruppe beim großen Abenteuer des Fliegenlernens – im Dienste der Wissenschaft. Denn trotz aller bahnbrechender Erkenntnisse der vergangenen Jahre: Selbst wie Vögel navigieren, ist noch immer nicht restlos erforscht. "Es gibt schon noch ein paar Fragen, die uns absolut unter den Nägeln brennen", meint Vogelforscher Peter Berthold, Wikelskis Vorgänger in Radolfzell. "Vielleicht gibt es dafür irgendwann den Nobelpreis."

2. Der Kampf ums Überleben

Sonntag, 13. November 2016, 19.30 Uhr, ZDF
Dienstag, 13. Dezember 2016, 19.30 Uhr, ARTE

Terra X: Zugvögel

Zweiteilige Dokumentation

2. Der Kampf ums Überleben

Der Vogelzug war schon immer eine Frage des Überlebens. Nur wenn es sich lohnt, lernen Tiere im Laufe der Evolution zu wandern – meist auf der Suche nach Nahrung oder besseren Brutrevieren. Doch Zugvögel leben heute gefährlich. Im Anthropozän, im Zeitalter der Menschen, sind die Todesraten unter Langstreckenziehern in schwindelerregende Höhen gestiegen: Biotope verschwinden, Vögel werden gejagt oder verenden in Hochspannungsleitungen. Bei vielen Zugvogel-Arten überleben 80 Prozent der Jungvögel nicht einmal das erste Jahr.

Die Tundra, in der Bless- und Nonnengänse am liebsten brüten, reichte am Ende der letzten Eiszeit noch bis nach Köln. Heute ziehen die Gänse von Westeuropa, wo sie den vergleichsweise milden Winter verbringen, Tausende von Kilometern bis an den Polarkreis – am liebsten auf die Insel Kolgujew in der Barentssee. Die "Terra X"-Dokumentation "Zugvögel" ist mit hochauflösenden Kameras am Boden und in der Luft dabei, wenn sich die Küken in ihren "Daunenmänteln" bei eisigem Wind aus dem Ei pellen und die Eismöwen ihre ersten Raubzüge starten.

Und auch, wenn in der Dämmerung über Rom Hunderttausende von Staren gigantische Wolken und Schläuche bilden, als folgten sie einer unsichtbaren Choreographie, geht es in Wirklichkeit ums Überleben. Mit solch pfeilschnellen Formationsflügen wehren kleinere Vögel in großen Schwärmen Raubvögel ab, die etwa an den Schlafplätzen der Stare am Tiber lauern. Für "Zugvögel" wurde der spektakuläre Überlebenstanz der Stare aus der Luft gedreht.

Genau wie die Winterreise der Waldrappe nach Italien. Den drollig aussehenden Ibis-Vögeln wurde ihre große Zutraulichkeit bereits im 17. Jahrhundert zum Verhängnis. Als leichte Beute für Jäger waren sie bald komplett ausgerottet. Heute wird dieses Manko zum Vorteil: Von Hand aufgezogen, folgen junge Waldrappe ihren menschlichen Zieh-Eltern, selbst wenn die in einen Ultraleicht-Flieger steigen und von der deutsch-österreichischen Grenze in die Toskana reisen – ins Überwinterungsrevier. Schon auf dem Rückweg finden die Waldrappe dann ihren Weg allein – ein Beleg dafür, wie tief das Zugprogramm als Überlebensstrategie eingebrannt ist.

Doch von 20 Milliarden Singvögeln weltweit sterben inzwischen jedes Jahr zehn Milliarden. Die meisten Vögel, die wir aus unseren Gärten kennen, ziehen über unsere Köpfe, wenn wir schlafen. Im Schutz der Dunkelheit entgehen sie am ehesten Raubvögeln und Überanstrengung. Welche Gefahren ihnen dennoch auf der langen Reise drohen, macht eine Animation der nächtlichen Massen-Wanderung sichtbar. Denn was Vögel im Laufe der Evolution gelernt haben, können sie auch wieder verlernen, wenn es dem Überleben dient. Peter Berthold, Deutschlands Guru unter den Vogelforschern, sagt im Film: "Meine persönliche Prognose ist, dass wir, wenn die Klimaerwärmung so weiter geht wie jetzt, in 100 Jahren bei uns keine Zugvögel mehr haben."

Die meisten von uns wissen, dass es mit dem Fliegen für uns Menschen nicht ganz einfach ist. Wir sprechen hier nicht vom industriellen Fliegen, bei dem man an einem Flughafen mit vielen anderen gemeinsam in eine Luke einsteigt und einige Zeit später im Normalfall durch dieselbe Luke wieder an einem völlig anderen Ort herausquillt. Diese Form der Fortbewegung durch die Luft hat mit dem Vogelflug etwa so viel gemeinsam, wie eine moderne Kreuzfahrt mit der christlichen Seefahrt auf einem Dreimaster im Mittelalter.

Die Idee, deutsche Jungstörche vom Rhein aus mit der Kamera zu begleiten, auf ihrem langen Zugweg, vielleicht bis nach Andalusien, vielleicht nach Marokko, vielleicht bis nach Tansania, die vielleicht auch an einem Strommasten in der Nähe von Andorra endet, auf einer Müllkippe bei Empuriabrava oder in der Nachtkälte der Sahara – diese Idee des Fliegens also, mit wilden Zugvögeln ist etwas anderes. Vor allem dann, wenn man glaubt, dass das Fliegen selbst der größte Hinderungsgrund für uns Menschen wäre. Weit gefehlt. Luftfahrtverordnungen der Europäischen Union, aber noch viel mehr die von Spanien, Marokko, dem Vereinigten Königreich sind weit größere Hindernisse. Vor allem wenn bestehende Gesetze in manchen Ländern, wie zum Beispiel in Spanien, vom Militär bei Bedarf außer Kraft gesetzt werden. Manchmal sogar, ohne dass jemand davon weiß. Militär geht eben vor.

Das Vorhaben, einen eigenwilligen Jungstorch wie "Borni" (und alle Störche sind Individualisten!) auf der Flugreise nach Süden mit einer Hubschrauberkamera zu begleiten, ist für sich schon – sagen wir mal: ambitioniert. Am besten ist es für Filmemacher wie uns, wenn wir vorher möglichst nicht bedenken, dass es gute Gründe gibt, warum dies vorher nie jemand gemacht hat.

Schon vor der Abreise in Deutschland aber mussten wir uns bereits mit der ersten spanischen Vorschrift auseinandersetzen, die nämlich vorschreibt, dass man über der Meerenge von Gibraltar nur mit zweimotorigen Hubschraubern unterwegs sein darf. Das ist nicht ganz unvernünftig, obwohl sich die Störche natürlich an diese Vorschrift aus technischen Gründen nicht halten können. Es macht die Reise aber ungefähr doppelt so teuer, weil ein zweimotoriger Hubschrauber in jeder Minute in der Luft etwa doppelt so viel Kraftstoff und damit Geld verbrennt, wie ein einmotoriger, ganz normaler Hubschrauber. Aber das war nur der Vorgeschmack auf Gibraltar.

Unseren Kamera-Hubschrauber konnten wir irgendwie trotzdem mitnehmen, um die Wanderung der Störche zu begleiten – am Rhein hinunter, über Freiburg, am Rheinfall von Schaffhausen vorbei, den Genfer See entlang, das Rhonetal hinab, zur Camargue, dann rechts herum, Costa Brava und Barcelona links liegen lassen, über Sierras und Müllberge hinweg, an denen Störche vermutlich mit ähnlichen Gefühlen Rast machen, wie wir an unseren Autobahn-Raststätten:  Nicht wirklich gerne, aber für die basale Nahrungsaufnahme doch unvermeidbar. Aber wenn es Jungstorch „Borni“ mit seinem GPS-Sender auf dem Rücken schließlich nach Andalusien geschafft hat, in die Nähe von Tarifa, ist das für ihn trotz der Länge der Strecke eine vergleichsweise kleine Übung gewesen.

Hier, an der Straße von Gibraltar, wartet die erste wirkliche Hürde: Störche können, entgegen landläufiger Meinung, nämlich nicht schwimmen. Sie waten ganz gerne im fünf Zentimeter tiefen Wasser, wie Wattwanderer. Aber auch das weniger aus Leidenschaft, sondern weil sich in den Feuchtgebieten Frösche und Gewürm aufhalten, die gut schmecken. Störchen jedenfalls. Schwimmen aber können Störche mit ihren krallenartigen Füßen ganz und gar nicht. Das ist der Grund, warum alle europäischen Störche mit dem genetisch vorprogrammierten Flugziel Afrika an nur zwei Stellen übersetzen, an denen es nicht ganz so weit bis zum anderen Ufer ist: Am Bosporus bei Istanbul und an der Straße von Gibraltar.

Störche brauchen für längere Flüge den Auftrieb der Thermik. Über dem relativ kalten Wasser gibt es aber keine Thermik, so dass sich Störche über Wasser regelrecht abstrampeln müssen, um ihr relativ hohes Körpergewicht in der Luft zu halten. Von Tarifa an der spanischen Südspitze bis zum Hafen von Tanger in Afrika fliegen Störche sprichwörtlich um ihr Leben. Eine Notwasserung führt zum Tode. Störche können auf dem Wasser landen und sie gehen auch nicht unter. Aber sie sind hilflos, wie jemand im Ruderboot, dem die Ruder abhandengekommen sind.

Aber zurück zu unseren Luftfahrtverordnungen und zum Militär. In unserem Film "Zugvögel" ist die Straße von Gibraltar ein Höhepunkt, wie in jedem Storchenleben. Bei den Dreharbeiten mit dem Hubschrauber allerdings erlebt man vor der spanischen und der marokkanischen Küste ganz eigene Abenteuer. Über den Grenzgewässern zwischen Spanien und Marokko (und Gibraltar, was streng genommen so eine Art England ist) liegen Sperrzonen, in denen niemand fliegen darf. Es sei denn, er wäre Militär – von irgendjemandem der Anrainer. Oder das Militär würde, nach eingehender, monatelanger Prüfung zustimmen. Oder man wäre Storch, Geier, Kranich oder Mauersegler. Manchmal, ohne große Ankündigung, erweitert das Militär, vor allem die Luftwaffe Spaniens, die Sperrgebiet über der Straße von Gibraltar auch. Vielleicht, weil eventuell ein Manöver stattfinden könnte. Vielleicht findet es auch nicht statt, aber die Sperrung bleibt für Tage. Vielleicht wollen die Spanier auch nur die Engländer von Gibraltar ärgern und man kommt als deutsch-spanisches Filmteam unabsichtlich zwischen die Fronten.

Ein weiteres Hindernis kommt hinzu: Traditionell gilt die andalusische Küste als Anlandeplatz für Drogen und andere Schmuggelgüter. Spanien glaubt, dass sich illegale Einfuhr verhindern lässt, indem man den Verkehr von Helikoptern fast unmöglich macht. Es gibt deshalb in der Nähe der Meerenge keine Möglichkeit Kerosin nachzutanken. Außerdem ist es verboten, Tanks mit Benzin in die Nähe der Meerenge zu bringen, um zum Beispiel auf der Wiese eines Bauernhofs nachzutanken. Hubschrauber, gerade spritfressende zweimotorige Hubschrauber, haben eine relativ kurze Reichweite. Mit einer Tankfüllung kann der Hubschrauber im günstigsten Fall zweieinhalb Stunden in der Luft bleiben.

Wenn man nun also tatsächlich einen Storchen-Experten wie Alejandro Onrubia gefunden hat, der seit über zwanzig Jahren von Tarifa und Algeciras aus die einschwebenden Storchengruppen beobachtet und den Vogel-Verkehr über der Meerenge dokumentiert, dann hat man eine kleine Chance, eine Gruppe von ein paar hundert Störchen zu erwischen und mit ihr tatsächlich, erstmals mit einer gyro-stabilisierten Kamera, von Spanien nach Marokko überzusetzen. Flügel an Rotor, nebeneinander her, als wären wir einer von ihnen. Vorausgesetzt, dass Militär funkt einem nicht spontan dazwischen.

Außerdem vorausgesetzt, man hat genug Sprit im Tank im entscheidenden Augenblick. Denn die nächste Tankmöglichkeit für uns – von der Meerenge zum nächsten Flughafen in Jerez de la Frontera – ist um die 100 Kilometer weit entfernt. Hin und zurück also 200 Kilometer, was einer Flugzeit von über einer Stunde entspricht. Von der Flugreichweite unseres Hubschraubers bleibt uns also im Normalfall nur etwas über eine Stunde, vielleicht eineinhalb. Eine Storchengruppe aber braucht, je nach Windrichtung, fast eine halbe Stunde für die Überquerung der gut 20 Kilometer breiten Straße von Gibraltar. Während also die Störche damit zu kämpfen haben, dass sie keine Thermik über dem Wasser haben, kämpfen wir mit dem ständigen Blick auf die Tankanzeige unseres zweimotorigen Hubschraubers.

Es müssen also sehr, sehr viele Dinge zusammen passen, wenn man im Dreieck von Spanien, dem britischen Felsen Gibraltar und Marokkos Küstenwache die Störche bei ihrem Flugabenteuer nach Afrika begleiten und beobachten will. Nicht zuletzt muss den Störchen das Wetter geeignet erscheinen. (Wonach genau sie das kollektiv entscheiden, dass es losgeht, kann nicht einmal unser Ornithologe Alejandro von der "Fundacion Migres" immer mit Genauigkeit vorhersagen.) Das erste Mal als gerade eine Gruppe von 2.000 Störchen zum Überflug ansetzte, mussten wir abbrechen, weil wir sonst nicht mehr ausreichend Sprit gehabt hätten, um nach Jerez zur Hubschrauber-Tankstelle zu kommen. Das Militär zeigte sich unterdessen ungewohnt kooperativ und freundlich. Vielleicht, weil unser zweiter Co-Pilot ein Spanier aus Bilbao war, der dort normalerweise für die Polizei fliegt und zur Ordnungsmacht ein besonderes Verhältnis hat. Und dann bekamen wir eine zweite Chance. Sogar das Wetter kooperierte und der tiefhängende Nebel riss auf, als wir mit "Borni" und einer tausend Tiere großen Gruppe bei Tarifa abheben durften.

Alejandro Onrubia, unser Storchen-Experte, saß bei einem der Überflüge mit uns im Hubschrauber-Cockpit. Ich habe selten einen erwachsenen Mann gesehen, der den Tränen so nahe war, nur weil er ein paar Vögeln beim Fliegen zusehen durfte. Alejandro hat die Störche Jahr um Jahr bei ihrem Überflug beobachtet, mit dem Fernglas. Jetzt konnte er mit ihnen fliegen. Fast Schulter an Schulter, umringt von hunderten von diesen großartigen, eleganten, friedlichen Seglern. Alles, was Alejandro die ganze Zeit sagen konnte, war "Oh, oh, oh, oh  this is so beautiful. Oh, oh, oh." Ja, es ist ein Wunder, dass die Störche uns haben mitfliegen lassen. Und dass moderne Kameratechnik das ermöglicht, wenn man ganz, ganz viel Glück hat und ganz, ganz viel Vorbereitungsarbeit geleistet hat. Und viel Geld ausgeben darf.

Die Luftüberwachung des spanischen Militärs hat uns vermutlich für ebenso bescheuert gehalten, wie das marokkanische Militär auf ihren Küsten-Kreuzern. Wir haben aber womöglich davon profitiert, dass sie deutsche und spanische Ornithologen für weniger komische Vögel gehalten hat, als die Briten vom Felsen. Schön, dass wir Deutschen überall so beliebt sind. Und dass wir sogar den Luftraum über dem Niemandsland befliegen durften. Unsere Störche hatten anschließend noch die lebensgefährliche Überquerung der Sahara zu bewältigen. Oder die Wilderer in Tansania. Aber das sind wieder andere Geschichten aus unserem Film über die "Zugvögel".

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