Uli Hoeneß (Thomas Thieme) trägt eine Stellungnahme vor. Copyright: ZDF / Janett Kartelmeyer
Uli Hoeneß (Thomas Thieme) trägt eine Stellungnahme vor. Copyright: ZDF / Janett Kartelmeyer

Uli Hoeneß - Der Patriarch

Dokudrama

Von allen wechselvollen Biografien hat die von Uli Hoeneß die Öffentlichkeit in den letzten Jahren am meisten bewegt. Das ZDF-Dokudrama  erzählt von Aufstieg und Fall, von Mäzenatentum und Zockerei, von Top-Management und Steuerbetrug. Unter der Regie von Christian Twente spielt Thomas Thieme die Hauptrolle.

Der 90-minütige Film stützt sich auf Protokolle der Prozesstage, richtet den Blick aber auch in die Vergangenheit und zeigt wesentliche Etappen eines beeindruckenden wie wechselvollen Lebenslaufs. Archivaufnahmen werden mit Szenen aus dem Leben von Uli Hoeneß kombiniert. Freunde und Kritiker erinnern sich an persönliche Begegnungen.

  • ZDF, Donnerstag, 27. August 2015, 20.15 Uhr

Texte

Uli Hoeneß – Ein unwiderstehlicher Filmstoff
von Prof. Peter Arens, Leiter Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft
und Stefan Brauburger, Leiter Redaktion Zeitgeschichte

Wohl keine noch so wechselvolle Biografie hat die deutsche Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren mehr bewegt als die von Uli Hoeneß. Sicher – da gab es das Scheitern des Ministers zu Guttenberg, den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff, den Absturz des Top-Managers Thomas Middelhoff – auch ihre Fälle beherrschten die Schlagzeilen und führten zu heftigen Kontroversen. Doch das Auf und Ab bei Uli Hoeneß, sein Geständnis ("Ja, ich bereue das unendlich") und das rechtskräftige Urteil haben die Öffentlichkeit noch mehr in den Bann gezogen. Kläger wie Verteidiger, Gegner wie Freunde, lieferten sich einen erbitterten Meinungsstreit.

Sein Fall rührt natürlich in erster Linie an der Seele einer Fußballnation, seine Geschichte von Triumph und Tragödie geht vielen Millionen Fans unter die Haut. Auch weil sie ihn seit über 40 Jahren kennen, er in unserem Fußball-Gedächtnis eine elementare Rolle spielt. Aber Uli Hoeneß ist nicht nur Fußball-Weltmeister und Bayern-Präsident, sondern er ist eine Figur von eklatantem zeitgeschichtlichem Interesse. Es ist ein Lebenslauf mit Widersprüchen, an denen sich die Geister wahrlich scheiden: zwischen Spielerleidenschaft und Strippenzieherei, Mäzenatentum und haltlosem Zocken, Top-Management und Steuerbetrug. Sein künftiges Schicksal wird nicht nur die Fußballfans, sondern uns alle weiter beschäftigen. Verurteilung, Haftantritt, Gefängnisstrafe, Freigang, schließlich Entlassung und angekündigte Rückkehr zum FC Bayern ("Das war es noch nicht") – das Drama wird seine Forstsetzung finden. Alle ahnen, schon aufgrund der hochkarätigen, leidenschaftlichen Hoeneß-Verteidiger, dass dieser hochemotionale Top-Manager ein guter Typ ist. Aber welche Grautöne mag es da geben, welche Verführungen, welch überbordende Streitbereitschaft, welches Streben nach unangefochtener Dominanz?

Warum haben wir diese Form gewählt, ein Dokudrama, eine Komposition aus dokumentarischen und szenischen Sequenzen? Wir meinen, dass dieser Ansatz dem Thema am ehesten gerecht wird, weil er den Casus und den Menschen Uli Hoeneß mit belegbaren Fakten und den rekonstruierten Schlüsselmomenten aus seinem Leben zu fassen vermag. Unser Wunsch nach Analyse und Autorität spiegelt sich schon in der Wahl der Autoren. Das Buch schrieben renommierte Journalisten, Biografen und andere kundige Beobachter. Wir freuen uns, dass wir die erfahrene Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger und den Hoeneß-Biografen Juan Moreno für unser Projekt gewinnen konnten.

Die von Regisseur Christian Twente gestalteten Szenen vermögen Vorgänge vor Augen zu führen, zu denen es ansonsten keine Bilder gibt, etwa wichtige Momente der Hausdurchsuchung am 20. März 2013 oder des Prozesses im Saal 134 des Münchener Justizpalastes. Sie folgen den präzisen Angaben der Prozessbeobachter. Hervorragende Schauspieler wie Thomas Thieme in der Titelrolle vermitteln überzeugend, was nur wenige am Schauplatz selbst erleben konnten.

Natürlich verzichtet der Film nicht auf wichtige Archivaufnahmen, die aus mehreren Jahrzehnten das Leben des Uli Hoeneß noch einmal erklärend an uns vorbei ziehen lassen. Sie gehören zwingend in diesen Film, weil sie die Höhe- und Tiefpunkte seiner Spielerkarriere illustrieren: die großen Tage, als er den FC Bayern zum Europapokal der Landesmeister schoss oder bei der EM 1972 und der WM 1974 brillierte, aber auch als eine Knieverletzung ihn viel zu früh zum Fußballinvaliden machte. Flankierend zu den Spielszenen kommen Wegbeleiter zu Wort, Freunde und Kritiker, Schwärmer und Ernüchterte, Beobachter und Zeugen. Darunter adidas-Vorstandschef und FC Bayern-Aufsichtsrat Herbert Hainer, der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude, aber auch ehemalige Mitspieler und Trainer sowie Vertreter der Staatsanwaltschaft. So verbinden sich in dem Dokudrama zeitgenössische Stimmen und Bild-Materialien mit detailreichem Fernsehspiel.

Und warum der Titel "Der Patriarch"? Der Begriff passt irgendwie zu unserer Hauptfigur. Man mag ihn als "Stammesoberhaupt", als "Familienvorstand" oder auch als "Haustyrann" übersetzen. Im Griechischen bedeutet pater Vater und archein der Erste zu sein, herrschen zu wollen. An alledem ist etwas dran. Das macht den Fall beileibe noch nicht zur griechischen Tragödie, doch ist Uli Hoeneß‘ Leben ein bewegendes Stück Zeitgeschichte und ganz bestimmt ein Filmstoff, der unwiderstehlich anzieht.

Stab, Besetzung, Interviewpartner

Donnerstag, 27. August 2015, 20.15 Uhr
Uli Hoeneß – Der Patriarch
Dokudrama

 

Buch                                  Juan Moreno, Annette Ramelsberger, Johanna Behre
Regie                                 Christian Twente
Kamera                              Martin Christ (szenisch), Dirk Heuer (dokumentarisch)
Szenenbild                         Annette Kuhn
Kostüm/Szene                   Ulrike Philippi
Schnitt                                Andrea Schumacher
Musik                                  Rudolf Moser
Produzent                           Walid Nakschbandi, AVE
Produktion                          Stefan Hoffmann, Carola Ulrich
Herstellungsleiter               Stefan Pahlke, AVE
Redaktion                           Stefan Brauburger, Stefan Mausbach
Leitung                                Peter Arens

Die Rollen und ihre Darsteller
Uli Hoeneß                         Thomas Thieme
als Jugendlicher                 Sven Gielnik
als junger Mann                  Robert Stadlober
Susanne Hoeneß               Lisa Kreuzer
Richter Rupert Heindl         Uwe Preuss
RA Hans Feigen                 Hanspeter Müller-Drossaart
Staatsanwalt von Engel      Peter Kremer
u.a.

Interviewpartner (Auswahl)
Rainer Calmund (ehemaliger Manager von Bayer Leverkusen)
Herbert Hainer (Vorstandsvorsitzender adidas AG; stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München)
Werner Hansch (ehemaliger Sportreporter)
Ken Heidenreich (Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München II)
Thilo Komma-Pöllath (Hoeneß-Biograf)
Willi Lemke (ehemaliger Manager von Werder Bremen)
Dietrich Schulze-Marmeling (Autor: "Die Bayern. Die Geschichte des deutschen Rekordmeisters")
Clemens Tönnies (Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04)
Christian Ude (ehem. Oberbürgermeister von München; Mitglied bei 1860 München)
Theo Zwanziger (ehemaliger DFB-Präsident)

Inhalt

Spätestens am frühen Nachmittag des 13. März 2014 gab es für Uli Hoeneß keine Zweifel mehr. Im Münchner Justizpalast erging das Urteil gegen den Präsidenten des FC Bayern München: Der Angeklagte "wird aufgrund von Steuerhinterziehung in sieben eigenständigen Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt." Ein Strafmaß ohne Bewährung. Nach nur vier Prozesstagen war der geachtete und gefeierte Präsident eines der reichsten Fußballklubs ein verurteilter Wirtschaftskrimineller.

Das 90-minütige Dokudrama stützt sich auf Protokolle der Prozesstage, nimmt diese zum Leitfaden. Der Film richtet den Blick aber auch in die Vergangenheit, zeigt die wesentlichen Etappen eines beeindruckenden wie wechselvollen Lebenslaufs. Es ist der Weg vom einfachen Metzgersohn zum weltweit geachteten Fußballer und Fußballmanager und schlussendlich maßlosen Spekulanten, der als Häftling in Landsberg seine Strafe verbüßen muss. Was geschah mit dem Mann, der sich zeitlebens für seine Spieler einsetzte, der von manchen wie ein Vater verehrt wurde, der irgendwann als Zocker und Steuerhinterzieher Millionen auf ein Schweizer Konto schaffte und damit spekulierte und der – laut Anklage – im Zeitraum von 2003 bis 2009 mittels eines kleinen schwarzen Pagers rund 55.000 Transaktionen vollführte?

Ein Team von Rechercheuren hat eine Fülle von Bildern und Fakten zusammengetragen. Freunde und Kritiker, bekannte Fußballer und namhafte Sportfunktionäre, Gesprächspartner aus Politik, Wirtschaft und Society erinnern sich an persönliche Begegnungen mit Uli Hoeneß.

In dem Film werden Originalaufnahmen aus zahlreichen Archiven mit Szenen aus dem Leben von Uli Hoeneß kombiniert – dargestellt von bekannten Schauspielern, mit Thomas Thieme in der Hauptrolle.

Exklusive Gerichtsprotokolle für das Dokudrama
von Walid Nakschbandi, Produzent AVE

Als Produzent war mir lange vor der Eröffnung des spektakulären Gerichtsverfahrens vor dem Münchener Landgericht klar: Uli Hoeneß hat die ideale Biographie für einen Film.

Unabhängig von der großen Aufmerksamkeit, die der Prozess im März 2014 erregte, interessierte es mich zu erfahren: Wer ist dieser Uli Hoeneß, auf den sich spätestens seit den 70erJahren die Blicke richten? Er war zweifelsfrei ein Star der deutschen, ja europäischen Fußballszene, als Spieler in den 70er Jahren fußballerisch vielleicht nicht der eleganteste, dafür aber schnell, laut und kraftvoll. Und er brachte reichlich Ehrgeiz mit – Eigenschaften, die ihn später als Manager des FC Bayern München zu einem Unikat machten und mit denen er den Verein an die Spitze trieb. Uli Hoeneß, eine facettenreiche Persönlichkeit: ein Getriebener, ein Arbeiter, ein Netzwerker, ein Machtmensch, ein engagierter Bürger, ein Helfer, ein Freund, ein erbarmungsloser Gegner, ein harter Verhandler, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein Visionär, ein Steuerhinterzieher, ein Verurteilter und nicht zuletzt – ein Patriarch. Aufstieg und Fall eines deutschen Multitalents, bester Stoff für einen Film, besser: für ein Dokudrama.

Im Zentrum steht der Prozess. Ein Gerichtsverfahren, das nicht nur Schlagzeilen machte und Sondersendungen zur Primetime, Live-Ticker im Netz und Breaking News auf allen Kanälen generierte: Ein Prozess, den die Öffentlichkeit interessiert verfolgte, bei dem Viele sicher auch gern auf der Zuschauerbank gesessen hätten und von dem man in der Rückschau gerne noch mehr wüsste.

Nur wenige Prozessbeobachter wissen, wie sich der Angeklagte im Saal verhalten hat, als die Türen für Kameras verschlossen wurden. Was genau ist in diesen vier Tagen im Saal 134 passiert? Das Dokudrama gibt Antworten. Anhand wörtlicher Gerichtsprotokolle, die der Produktion exklusiv zur Verfügung stehen, zeichnet Regisseur Christian Twente die vier aufreibenden Gerichtstage szenisch nach. Zum ersten Mal haben TV-Zuschauer Gelegenheit zu sehen und mitzuerleben, wie dramatisch diese Tage verliefen und was zwischen dem Angeklagten – in den Inszenierungen brillant dargestellt durch den Schauspieler Thomas Thieme –, seiner Verteidigung, der Staatsanwaltschaft und dem Vorsitzenden Richter passierte und wie am Ende das Urteil von drei Jahren und sechs Monaten Haft zustande kam.

Die Drehbuchautoren Annette Ramelsberger, Juan Moreno und Johanna Behre gehen in dem Dokudrama aber auch über den Gerichtsprozess hinaus und nehmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise durch die deutschen Fußballjahre in den 70ern und 80ern – Jahrzehnte des (fußballerischen) Aufbruchs und Aufbegehrens in Deutschland. So gerät dieser Film zu einer lebendigen Spurensuche.

Besonders freut es mich als Fußballfan und Produzent, dass wir zum ersten Mal bisher unveröffentlichtes Material aus den 70er Jahren mit Uli Hoeneß und Paul Breitner zeigen können und es gelungen ist, zahlreiche Weggefährten für Interviews zu gewinnen. Auch widmet sich das Dokudrama der Frage, wie es weitergehen wird mit diesem "gefallenen Engel" der Fußballgeschichte: Ist der Mythos Uli Hoeneß durch den Prozess zerstört oder wird der Mann wiederkommen? Und wenn ja, zu welchem Preis? Der spektakuläre Absturz des Tausendsassas Uli Hoeneß hat viele Fragen aufgeworfen. Wie gesagt, bester Filmstoff für ein 90-minütiges Fernseherlebnis!

Chronologie der Ereignisse im Prozess gegen Uli Hoeneß

Erster Tag: 10. März 2014

Prozessauftakt im Münchner Landgericht, Saal 134: Seit 2.00 Uhr morgens haben sich die ersten Journalisten vor dem Justizpalast eingefunden, um wenigstens von außen einen guten Blick zu ergattern. Zuvor hatte es einen wahren Run auf die raren Plätze für Prozessbeobachter gegeben. Zwei Tage lief die Akkreditierungsfrist, innerhalb von 27 Sekunden waren alle Plätze vergeben.
Gleich zu Beginn geben Hoeneß' Verteidiger bekannt, dass die Steuerschuld ihres Mandanten weit höher als die bislang kolportierten 3,5 Millionen liegt. Ihre Schätzung: 18,5 Millionen Euro. Im Verlauf gibt Hoeneß eine 14-seitge Erklärung ab. Darin räumt er die ihm zur Last gelegten Steuerstraftaten ein, verspricht Transparenz und bedauert sein Fehlverhalten zutiefst. Unter dem Strich habe sich sein Konto in der Schweiz nicht gelohnt, er habe mit einem Millionenverlust abgeschlossen. Sein Fazit: "Ich habe richtig gezockt, das war der Kick, das pure Adrenalin".
Das ganze Ausmaß dieser "Zockerei" wird deutlich, als Richter Heindl Hoeneß vorhält, dass er Ende 2008 allein an einem Tag 18 Millionen Verlust realisiert habe.
Im weiteren Verlauf dieses Tages erklärt Hoeneß, nicht eher steuerehrlich geworden zu sein, weil er auf Steuerabkommen mit der Schweiz gehofft hatte. Dieses war 2011 zwischen Deutschland und der Alpenrepublik beschlossen worden, aber Ende 2012 im Bundesrat gescheitert. Am 17. Januar 2013 erscheint im "Stern" ein Artikel über "Das geheime Fußballkonto", in dem jedoch der Name Hoeneß noch nicht direkt genannt wird. Am gleichen Tag geht beim Finanzamt die Selbstanzeige des Bayernpräsidenten ein. Vor Gericht sorgt Hoeneß für Aufsehen, als er versucht, die Recherchen des "Stern" als Grund für die Selbstanzeige wegzureden. Sein Anwalt, Hans Feigen, widerspricht: "Erzählen Sie keinen vom Pferd. Da gingen Ihnen die Gäule durch. Sagen Sie doch, welche Rolle die Stern-Recherchen wirklich gespielt haben. Eine große."

Zweiter Tag: 11. März 2014

Eine Steuerfahnderin des Finanzamts Rosenheim präsentiert dem Gericht neue Zahlen und korrigiert die Angaben vom Vortag nochmals nach oben: Jetzt ist von mehr als 27 Millionen Euro hinterzogener Steuergelder die Rede. Dank Ihrer Aussage werden noch einmal wesentliche Daten der Steuersache Hoeneß ersichtlich. Demnach erhielt die Finanzbehörde erst mehr als ein Jahr nach der Selbstanzeige vom 17. Januar 2013 die mehrfach angefragten Unterlagen ausgehändigt. Am 27. Februar 2014 erreichte ein USB-Stick mit 52.000 Seiten Aktenmaterial die Steuerfahnder.
Der Prozess gegen Hoeneß hat nunmehr die mit Abstand größte Dimension aller Prozesse gegen prominente Steuersünder erreicht. Hoeneß' Tag endet im Stadion. Als Zuschauer des Champions League Spiels seiner Bayern gegen Arsenal London.

Dritter Tag: 12. März 2014

Richter Heindl trägt vor, welche Summen das Gericht ins Urteil mit einbeziehen will. Nicht nur die 3,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern, die in der Anklage stehen, sondern weitaus mehr. Jedes einzelne Jahr sind die Richter durchgegangen. Für das Jahr 2003 kommen gut 14 Millionen, für das Jahr 2005 gut zehn Millionen Euro hinzu. Für das Jahr 2009 macht Heindl eine geringe Reduktion aus. Die Bilanz: 27,2 Millionen Euro plus Solidaritätszuschlag ergeben eine Gesamtsumme von 28,5 Millionen Euro. Die Verteidigung kommentiert diese Zahlen: "Da zweifeln wir nicht dran."

Vierter Tag: 13. März 2014

Bereits am vierten Prozesstag kommt es zu den Plädoyers und der Urteilsverkündung im Fall Hoeneß. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind keine strafmildernden Gründe anzuerkennen. Weder die mediale Vorberichterstattung noch die beachtliche Lebensleistung des Angeklagten sollen das Urteil beeinflussen bzw. mit den Straftaten verrechnet werden. Staatsanwalt von Engel spricht von krimineller Energie. Uli Hoeneß habe dieses Konto in der Schweiz eben deshalb angelegt, damit es nicht entdeckt werden könne. Der Staatsanwalt fordert daher fünf Jahre und sechs Monate Haft für ihn.
Aus Sicht der Verteidigung stellt sich der Sachverhalt erwartungsgemäß anders da. Für Anwalt Feigen habe Hoeneß sich durch seinen Schritt zur Selbstanzeige steuerehrlich gemacht, noch bevor gegen ihn ermittelt wurde. Einstellung des Verfahrens, höchstens aber eine Bewährungsstrafe – so sollte das Urteil aus seiner Sicht lauten. Auch den Hinweis, dass bei einer Summe von über einer Millionen Euro hinterzogener Steuern eine Bewährungsstrafe nicht mehr möglich sei, tut der Verteidiger ab. Entscheidend sei doch, dass der Wille, zur Steuerehrlichkeit zurückzukehren, bei Hoeneß gegeben war, bevor seine Tat durch Ermittlungen entdeckt wurde.
Um 14.09 Uhr verkündet Richter Heindl das Urteil: Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

17. März 2014

Auch die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision. Damit erlangt das Urteil Rechtskraft.

2. Juni 2014

Uli Hoeneß tritt seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech an.

 

Zusammengestellt von Stefan Mausbach

Zitate von Interviewpartnern (Auswahl)

Manfred Breuckmann, Kommentator und Autor
"Uli Hoeneß ist ein Patriarch. Er hilft dir, du darfst aber nicht widersprechen. Ich glaube, ganz tief steckt in vielen Deutschen doch noch die Sehnsucht nach einem guten Diktator und Uli Hoeneß, der käme dem schon entgegen. Er ist sehr sozial, rettet Vereine vor dem sicheren Tod, er hilft den Kranken und Schwachen, aber er entscheidet selbst, wann er dem Staat oder anderen Menschen Geld gibt."

Reiner Calmund, ehem. Manager Bayer Leverkusen 04
"Bei allem Streit, bei all der Konkurrenz haben wir am Telefon Ablösesummen vereinbart. Da brauchten wir nichts schriftlich zu machen. Da konnte man sich auf Hoeneß nicht nur 100 Prozent, sondern 1000 Prozent verlassen."

 Stephan Grünewald, Psychologe
"In dem Moment, wo ich zocke, ballt sich die ganze Dramatik des Lebens, die sich normalerweise über Jahre ausspannt, in einem Moment zusammen. Entweder klappt es oder es klappt nicht. Sieg oder Niederlage. Das ist wie beim Fußball. Nach 90 Minuten steht fest, ob ich ganz oben oder ganz unten bin. Ich habe aber diesen ungeheuren Kitzel. Das macht mich lebendig, das erregt mich, das gibt mir in jeder Sekunde das Gefühl, ich bin der Schicksalsdompteur. Das heißt, der Treiber wird mehr und mehr zum Getriebenen und dann ist es am Ende fast schon eine Erlösung, wenn man auffliegt, wenn man scheitert. Das heißt, Menschen, die um Geld spielen, finden erst ihre Ruhe, ihr Ende, wenn sie alles verzockt haben."

Werner Hansch, Kommentator
"Sein Lebenswerk hat er durch die Steuerhinterziehung und den Prozess nicht zerstört. Sein Lebenswerk ist der FC Bayern München."

Waldemar Hartmann, Kommentator und Moderator
"Dass Uli Hoeneß an der Börse agiert, war ein offenes Geheimnis. Stier und Bulle sind bei ihm Zuhause auf dem Boden des Swimmingpools als Mosaik abgebildet. Das hat er nicht versteckt. (…)
Wenn du einen Flugzeugabsturz überlebst, wenn du von einer großen Wirtschaftszeitung zum Manager des Jahres gewählt wirst, wenn Angela Merkel dich anruft und dich um Rat bittet. Da musst du schon sehr stabil sein."

Thilo Komma-Pöllath, Journalist
"Der FC Bayern München ist bis zuletzt davon ausgegangen, dass Uli Hoeneß nie eine Gefängnisstrafe bekommen kann. Diese Sichtweise auf den Prozess kann man nur haben, wenn man in seiner eigenen Welt lebt und keine Verbindung zur realen Welt mehr hat."

Philipp Köster, 11Freunde-Chefredakteur
"1979 war der Verein ja relativ am Boden, in der Krise, zweifelte an sich selbst, war ja auch in der Bundesliga abgehängt vom HSV und vom 1. FC Köln. Und dann ist Hoeneß gekommen und hat gesagt, wenn es etwas gibt, was der FC Bayern sein muss, dann die Nummer Eins. Und er war fest davon überzeugt, dass das nur mit Härte und mit Entschlossenheit und mit Konsequenz geht. In den 80ern und in den 90ern hat er dieses Prinzip, wir verdrängen die anderen, immer wieder mit großer Lust ausgefüllt."

Walter Krause, ehem. Trainer VfB Ulm
"Uli Hoeneß war Spielführer in der Mannschaft, aber aufgrund seiner Unbeherrschtheit musste ich ihm den Posten als Spielführer abnehmen, weil er zu hektisch war und über die Stränge geschlagen hat."

Willi Lemke, ehem. Manager SV Werder Bremen
"Uli Hoeneß hat sich für den Größten gehalten. Der hätte sich leicht zugetraut, irgendwo als Weihbischof aufzutreten oder als Bundeskanzler, da gab es keinen Job, den er nicht hätte machen können, in seiner eigenen Vorstellung."

Corny Littmann, ehem. Präsident FC St. Pauli
"Uli Hoeneß konnte, was den FC Bayern München anbetraf, zumindest offensichtlich sehr gut mit Geld, mit den wirtschaftlichen Umständen dieses Vereins, umgehen, und insofern muss ich sagen, ist er jemand, der sicherlich auch ein guter Banker geworden wäre."

Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung
"Es gab einen Moment, wo mir Hoeneß nicht leidtat, aber wo ich verstehen konnte, wie unwohl er sich dort fühlt. Das war, als seine Verteidiger und die Steuerfahnderin und die Richter alle an der Richterbank waren und er saß ganz allein auf der Anklagebank – wie auf der Reservebank, so vergessen, nicht mehr wichtig. Die anderen verhandeln über das, was Uli Hoeneß etwas bedeutet hat, sein Vermögen, sein Leben. Und er sitzt da und weiß nicht, wie die Regeln gehen und muss zuhören. Das muss der schlimmste Moment für ihn gewesen sein."

Dietrich Schulze-Marmeling, Autor und Fußball-Historiker
"Ich hatte immer den Eindruck, dass Hoeneß ein guter Geschäftsmann ist, aber eine sehr schlichte Fußballphilosophie prägt. Eben die, ich gucke, wo sind gute Spieler, die kaufe ich ein, dann hole ich mir noch einen Trainer und der baut das irgendwie alles zusammen und wie wir spielen ist mir doch egal. Hauptsache am Ende stehen ein paar Pokale im Schrank und ordentliche Einnahmen. Also eine Spielphilosophie wie in Barcelona habe ich da nie entdecken können."

Christian Ude, ehem. Oberbürgermeister München
"Was Uli Hoeneß Antrieb ist? Vier Buchstaben: Gier."

Rainer Voss, ehem. Investmentbanker
"Als Privatanleger mit Devisen zu spekulieren ist so, als würden Sie in einen reißenden Fluss springen. Wenn Sie Glück haben, überleben Sie das. Sie fordern das Schicksal heraus. (…)
Devisenspekulation ist Glücksspiel ohne den moralischen Makel des Glücksspiels. (…)
Als Bankberater einem Alphatier wie Herrn Hoeneß zu sagen, es ist genug, ist extrem schwierig. Das traut sich keiner."

Dr. Theo Zwanziger, ehem. DFB-Präsident
"Bei Uli Hoeneß kann ich vielleicht mal ein Zitat einfließen lassen, das mir vor vielen Jahren der damalige DFB-Präsident Egidius Braun sagte, als wir über ihn sprachen. Braun sagte: "Der Uli Hoeneß, das ist nicht nur ein Top-Fußballer, der hat ein erotisches Verhältnis zum Geld."

"Seriöse Darstellung jenseits vom Stammtisch" Gespräch mit Schauspieler Thomas Thieme

Herr Thieme, Sie spielen im Dokudrama "Uli Hoeneß – Der Patriarch" den Ex-Nationalspieler und Fußballweltmeister. Haben Sie selbst jemals Fußball gespielt?
Ich habe gespielt seit ich 12 Jahre alt bin, verhältnismäßig schlecht. Ich war aber, dank guter Physis, in der damaligen Zeit als linker Verteidiger jemand, der hinten für "Angst und Schrecken" gesorgt hat, insofern nicht ganz unwichtig im Team. Aktiv bin ich noch immer, aktuell als Trainer beim FC Energie Schaubühne 97, mit dem wir bereits fünf Mal das Hallenturnier der Berliner Theatermannschaften gewonnen haben. Einer unserer wichtigsten Spieler ist Lars Eidinger.

Für welche Bundesligamannschaft drücken Sie die Daumen?
Ich habe kein Fanpotential. Ich liebe den Sport, bin aber kein Fanatiker. Traditionell verbunden fühle ich mich mit Eintracht Frankfurt, weil Frankfurt 1984 die erste westdeutsche Stadt war, in der ich gelebt habe. Ich bin kein Bayern-Fan, aber auch kein Feind dieses Clubs. Es liegt nicht in meiner Natur, dass ich in solchen Dingen verbissen wäre.

Erinnern Sie sich persönlich an den Fußballer Uli Hoeneß?
Klar erinnere ich mich an Hoeneß, vor allem an den Elfmeter übers Tor 1976 in Belgrad, den vergisst man nicht. Und an die Tatsache, dass Uli Hoeneß immer unglaublich schnell war. Er war meines Wissens<s>,</s> der schnellste Mittelfeldspieler der ganzen Bundesliga. Diese Dynamik und der Elfmeter – das bleibt im Kopf.

Nun spielen Sie Hoeneß, der zuletzt als verurteilter Steuersünder Schlagzeilen machte. Wie sind Sie an die Figur herangegangen?
Natürlich habe ich den Prozess im Fernsehen verfolgt, aber viel zu sehen von Hoeneß selbst gab es nicht, anders als viele vermuten. Es gibt den berühmten Auftritt im Gerichtssaal mit den Anwälten, ein Bonbon lutschend, sein Blick zwischen selbstbewusst und unsicher, aber viel anderes Material, das ich dazu hätte sichten können, gibt es tatsächlich nicht. Da musste ich mich auf die Berichte der Prozessbeobachter verlassen. Und das ist ja auch das besondere an unserer Produktion: Das Brisante an unserer filmischen Arbeit ist die Tatsache, dass wir mit dem Dokudrama als Erste versucht haben, zu zeigen, was im Gericht tatsächlich passiert ist. Der Film haucht der Szenerie, die wir alle wegen des Kameraverbots im Gerichtssaal nur aus den Berichten der Journalisten kennen, Leben ein. Das Tollste ist jedoch, dass in dem Film jetzt etwas zutage kommt, das bisher niemand gezeigt hat. Darzustellen, was in Hoeneß vorging während des Prozesses, das war die Herausforderung, die mich gereizt hat, einer der Gründe, warum ich die Rolle sehr gern übernommen habe.

Und was hat Sie außerdem gelockt?
Es war eine ungeheuer reizvolle Aufgabe für mich, ein paar Drehtage in die Rolle einer der öffentlichsten Personen in Deutschland zu schlüpfen. Er war ja sozusagen die Nummer Eins in Bayern. An Uli Hoeneß kommt man seit Jahrzehnten nicht vorbei, weder im Fußball noch jetzt durch die aktuelle Thematik rund um den Prozess. Ich habe es sozusagen als meinen persönlichen Forschungsauftrag angesehen herauszufinden, was diesen hochemotionalen Menschen ausmacht.

Wie haben Sie sich der Figur genähert?
Uli Hoeneß selbst habe ich leider nie getroffen, ich konnte mich aber mit Günther Netzer, einem Freund, unterhalten, der mir so manches Atmosphärische erzählt hat. Dann habe ich viel gelesen und mir so manchen Hoeneß-Auftritt noch einmal angeschaut. Zum Beispiel der berühmte Auftritt in der Hauptversammlung des FC Bayern München, als er puterrot im Gesicht im Kampfmodus agierte oder sein Besuch im Aktuellen Sportstudio im Rahmen der Auseinandersetzung mit Daum. Besonders interessant und anrührend fand ich Hoeneß Äußerungen zur Verurteilung des 22jährigen Ex-Bayern-Stars Breno. Er empfand offensichtlich reine Empathie für den jungen Spieler, der als Brandstifter verurteilt wurde, und hat die soziale Härte des Gerichtsurteils öffentlich heftig kritisiert. Ein hemmungsloses Bekenntnis zur Emotion, das manchmal fast peinlich wirkte, aber eben auch absolut berührend. Das ist der Hoeneß, der mich als Schauspieler interessiert.

Ein Sieger, der vor Gericht seine schwerste Niederlage erlebt und dagegen nicht aufbegehrt. Hoeneß‘ Verteidiger hatte kurz nach Urteilsverkündung Revision angekündigt. Sein Mandant hat jedoch verzichtet. Können Sie sich das erklären?
Uli Hoeneß vor Gericht, das war grundsätzlich nicht vorstellbar. Ein gebildeter, nachdenklicher Mensch, ein offensichtlich guter Geschäftsmann und Manager, der Niederlagen nicht umgehen musste. Im Gegenteil einer, der Niederlagen nie gespürt hat. Aber er war auch einer der das Gezocke liebte. Man weiß nicht warum, aber Tatsache ist, dass er die ganze, ich nenne es mal Zockersituation, nicht kontrolliert hat. Er hat sich nicht erkundigt, die Sache laufen lassen und wusste am Ende nicht mehr, wie tief der Karren im Dreck saß. Das ist keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung dafür, dass er nicht in Revision gegangen ist. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass er zu keinem Zeitpunkt wusste, wo er steht.
Ein Sieger, einer der immer gewonnen hat, einen Flugzeugabsturz überlebte, Macht und Einfluss hat, hat die Kontrolle verloren und die drohende Niederlage nicht gespürt. Bis zum Urteil. Das war wie ein Hieb auf den Kopf. Ich vermute, dass danach so etwas einsetzte wie Reue und Vernunft. Natürlich ist das Spekulation, aber ich nehme es ihm ab, wenn er am Ende des Prozesses von Reue spricht und das Urteil akzeptiert.

Der Prozess wurde in Rekordzeit von vier Tagen beendet. Für den Dreh brauchten Sie einen Tag länger. Wie ist es Ihnen bei der Urteilsverkündung ergangen?
Es ist schon so, dass man da sehr weit rein muss. Man muss als Schauspieler den Schlag abkriegen, ihn spüren. Das ist kein nüchterner Vorgang. Uli Hoeneß hat meines Erachtens bis zuletzt nicht mit einer Verurteilung gerechnet. Insofern war dieses wie ein unerwarteter Hieb auf den Kopf, auch für den Darsteller Thieme.

2014 bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern München  kündigte Hoeneß seine Rückkehr an: "Das war’s noch nicht!". Wie schätzen Sie ihn ein?
Ich habe da keine Idee, bin aber ungeheuer gespannt zu erfahren, wie es Uli Hoeneß ergehen wird, was er plant und wie er sich zeigt, wenn er seine Strafe verbüßt hat. Wie positioniert sich der ehemalige Präsident bei den Bayern, die ja eine ganze Zeit ohne ihn auskommen mussten? Das bleibt in der Tat spannend.

Sie haben bereits Helmut Kohl in der ZDF-Verfilmung "Der Mann aus der Pfalz" gespielt. Spüren Sie eine besondere Verantwortung, wenn sie in die Rollen prominenter Persönlichkeiten schlüpfen?
Natürlich spürt man die besondere Verantwortung bei der Darstellung lebender Persönlichkeiten. Ich bemühe mich vor allem um eine absolut seriöse Darstellung, jenseits vom Stammtisch. Klischees, die von den Medien kreiert wurden, erfülle ich nicht. Kurz: Die Aufgabe, die ich mir stelle, ist ein verantwortlicher Umgang mit der Rolle. Mit einem Regisseur wie Christian Twente, der so sensibel mit dem Stoff und uns Schauspielern umgegangen ist, war das ein fantastisches Arbeiten. Er hat eine großartige Atmosphäre am Set geschaffen, die von Präzision und Harmonie geprägt war: Großes Kompliment und Dank an Christian Twente!

Hat sich Ihr Blick auf Uli Hoeneß durch die Beschäftigung mit seiner Person verändert?
Uli Hoeneß ist mir näher gerückt. Ich habe durch die Beschäftigung mit der Person einiges mehr erfahren als ich vorher wusste und dies alles auch besser verstanden. Vor allem das Nonverbale, das, was Hoeneß nicht geäußert hat, wo man auf Blicke und Gesten, auf Bilder und Berichte angewiesen war, hat mich interessiert und mir die Person näher gebracht. Ich habe versucht eine Authentizität zu schaffen aus dem, was ich verstanden habe, und dem, was Hoeneß in der Öffentlichkeit von sich gezeigt hat. Beides habe ich versucht zusammenzuführen zu einer verantwortungsvollen Darstellung. Ich hoffe, es ist mir gelungen.

 

Das Gespräch führte Barbara Gauer

"Offene Rechnung" mit Uli Hoeneß aus 1973
Augenzwinkerndes Bekenntnis von Schauspieler Uwe Preuss, der den Richter im Hoeneß-Prozess spielt

Ich hatte noch eine Rechnung mit Herrn Hoeneß offen.

Einen Großteil meiner Kindheit habe ich in Brasilien verbracht, und damals gehörten Schule, Samba und Fußball zu meinem Alltag. Die Stimmung im Land, nach dem Weltmeistertitel für die Seleção 1970 in Mexico-City, gegen die Italiener, hat sich tief in meinen Erinnerungen verankert. Lebensfreude und Stolz einer unglaublich bunten Nation. Grossartig!

Kurz nach unserer Rückkehr in die DDR kam es im Herbst 1973 zu einem denkwürdigen ersten Aufeinandertreffen zweier deutscher Landesmeister: Bayern München und Dynamo Dresden. Dass wir nicht ins Olympiastadion fahren würden, um unseren Verein im Hinspiel zu unterstützen, war schnell klar. In der Fernsehübertragung sahen wir dann die ausgewählten Genossen mit ihren "Winkelementen". Es war ein großartiges Fußballspiel mit Chancen auf beiden Seiten; die Dresdner gingen überraschend in Führung, unterlagen aber am Ende knapp mit 4:3.
Im Rückspiel brauchte der "Dynamo-Kreisel" also nur ein einziges Tor mehr, bei weniger als 3 Gegentreffern, fürs Weiterkommen. Die Eintrittskarten waren auch in Dresden nur Auserwählten vorbehalten, die Mitarbeiter der Stasi mussten einen Wandertag einlegen. Also stellte ich die schwarz-gelbe Vereinsfahne wieder pünktlich in die kupferne Bodenvase neben dem Fernseher in der Wohnstube, durch das Fenster die Flutlichter des Rudolf-Harbig-Stadions im Blick. Das Spiel begann, die Stimmung war großartig, keiner zweifelte an der Sensation. Dresden erreicht die nächste Runde! Doch schon in der 10. Spielminute fliegt der Ball halbrechts am Anstoßkreis in Richtung Hoeneß und seinen Verteidiger Eduard Geyer, der sich ausspielen lässt, und Uli H. macht das 1:0.
Totenstille, Schock! Nur zwei Minuten später das gleiche Szenario mit den gleichen Spielern. Dieses Mal halblinks. "Ede" Geyer lässt ihn laufen und…. und … der Metzgersohn macht auch das 2:0 für die Bayern! Mir kamen die Tränen, ich weinte und verstand die Welt nicht mehr. Uneinholbar schien dieser Rückstand, doch die Dresdner haben auch hier den Ausgleich und sogar das Führungstor in der 52. Minute gemacht. Alles schien in Richtung Weiterkommen gelaufen. Das Stadion kochte.
Doch eine halbe Stunde vor Spielende "rollt" dann Gerd Müller, der "Bomber der Nation", einen harmlosen Ball ins Tor der Dynamos zum 3:3 und die Bayern-Profis lassen bis zum Spielende nichts mehr zu. Das grandiose Anrennen "meiner" Dynamos verfolgte ich mit einer Mischung aus Hoffnung und Wut auf den Spieler mit den langen blonden Haaren im roten Trikot. Ich heulte immer noch. Uli Hoeneß mit der Nummer 11 hatte mir den Abend gründlich "versaut".

Für meine Rolle als Richter habe  ich in den Berichten der Massenmedien zum Hoeneß-Prozess recherchiert und mir zwischendurch immer wieder alte Fernsehberichte auf YouTube mit den Toren von damals angesehen. Das ist immer noch unbegreiflich.

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