Unsere geheimen Vorfahren

Doku-Reihe über den Fisch, das Reptil und den Affen in uns

Wie wurde der menschliche Körper zu dieser komplizierten und eigenartigen Maschine, die er heute ist? Die Antworten lassen sich bis zu hunderten von Millionen Jahren zurückverfolgen. Basierend auf dem Buch des führenden Paläontologen Neil Shubin beantwortet die dreiteilige Reihe "Unsere geheimen Vorfahren" ("Der Fisch in uns", "Das Reptil in uns", "Der Affe in uns") die Frage, warum wir so sind, wie wir sind, und was uns dazu machte.

  • ZDF info, Dienstag, 10. März 2015, 13.30 Uhr

    Texte

    Sendetermine

    "Unsere geheimen Vorfahren" - Drei Filme von und mit Neil Shubin

    ZDFinfo

    Dienstag, 10. März 2015,
    13.30 Uhr: Der Fisch in uns
    14.15 Uhr: Das Reptil in uns
    15.45 Uhr: Der Affe in uns

    Wiederholung der drei Folgen am Montag, 16. März 2015, ab 19.30 Uhr in ZDFinfo

    3sat

    Mittwoch, 4. März 2015,
    20.15 Uhr: Der Fisch in uns
    21.00 Uhr: Das Reptil in uns

    Donnerstag, 5. März 2015,
    20.15 Uhr: Der Affe in uns

    Unsere geheimen Vorfahren

    Basierend auf Neil Shubins Buch "Der Fisch in uns" nimmt die Dokumentationsreihe die Zuschauer mit auf eine Reise von Afrika bis zum Nördlichen Polarkreis, um die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Körpers zu erzählen. Als Paläontologe entdeckt Neil Shubin das Tier in uns.

    Der Fisch in uns

    Vor 400 Millionen Jahren schwammen vor allem Fische in den Ozeanen und Flüssen. 40 Millionen Jahre später tauchten die ersten Amphibien an Land auf, anschließend die Reptilien. Vor 200 Millionen Jahren kamen die Säugetiere - und erst sehr viel später die Primaten.

    In der Dokumentation "Unsere geheimen Vorfahren – Der Fisch in uns" zeigt Neil Shubin an fossilen Knochenmustern, aber auch mithilfe moderner Genetik, wie viel Fisch noch in uns steckt. So formt ein einziges Gen – Sonic Hedgehog – nicht nur die Flossen im Urfisch, sondern auch die menschlichen Finger und Zehen. Dieser Vorgang ist in allen Tieren ein Grundmuster. Und er wirkt überall auf die gleiche Weise: Beim Rochen, bei Hai und Huhn, bei der Maus, am Ende sogar bei uns Menschen.

    Dieser Geschichtsverlauf zeigt: Jedes Reptil, jeder Vogel und jedes Säugetier stammt von den Urfischen ab. Auch jeder Mensch trägt diese Entwicklungsgeschichte in sich. Wenn man einen Fischembryo und einen menschlichen Embryo im Frühstadium vergleicht, sieht man: Sie sind beinahe identisch. Beide Embryonen haben einen Kopf, einen Rumpf, einen Schwanz und andere gleiche Merkmale. Doch dies ist eines der größten Geheimnisse der Evolution: Wie konnte sich ein Fisch mit Flossen zu einem Lebewesen mit Armen und Beinen entwickeln? Charles Darwin stellte die Theorie von Urzeitwesen auf, die übergangsweise diese Lücke füllten. Wie jedoch sollten diese Wesen ausgesehen haben? Mit Knochen, mit Flossen oder mit beidem? Eine solche Kreatur ist die entscheidende Schnittstelle zur Entwicklung der menschlichen Hand.

    Der Paläontologe Neil Shubin machte sich mit einem Team auf die Suche in der kanadischen Arktis und wurde nach beinahe zehnjähriger Suche fündig: Sie fanden Fossilien von "Tiktaalik" – das bedeutet "langer Frischwasserfisch". Dies ist das Tier, das Darwin imaginiert hatte, eine echte anatomische Mischung, halb Fisch, halb Amphibie. Mit Eigenschaften eines Fisches, wie Schuppen, Flossen und Kiemen, aber auch mit Lungen zum Atmen. Solche "Brückentiere" sind sehr wichtig, um die Geschichte der Entstehung der Arten erklären zu können. "Jedes Bindeglied, das wir finden, lässt zwei neue Lücken im Fossilienbericht entstehen und wirft neue Fragen auf", sagt Neil Shubin.

    Das Reptil in uns

    In dieser Folge zeigt Neil Shubin, wie Evolution funktioniert. Zudem veranschaulicht er, dass der Mensch mit den Eierlegern verwandt ist.

    Neil Shubin entdeckt das Fossil eines Tieres, das eine einmalige Mischung von Merkmalen aufweist. Dieses 200 Millionen Jahre alte Fossil markiert einen entscheidenden Moment in der Evolutionsgeschichte: den Übergang vom Reptil zum Säugetier. Beim Dottersack denkt man nicht an den Menschen, aber trotzdem hat er am Anfang einen. Er wird immer kleiner, je größer der Embryo wird. Dieses winzige Stück Gewebe steht für etwas, das hunderte Millionen Jahre zurück liegt – ein historischer Moment: Als die ersten Wirbeltiere an Land gingen, mussten sie in einer völlig anderen, sehr gefährlichen Welt zurechtkommen. Wie konnten sie die Eier vor dem Austrocknen schützen? Amphibien lösten das Problem, indem sie die Eier im Wasser ablegten. Reptilien entwickelten eine komplett neue Eiform: Sie hüllten ihre Embryos in eine mit Flüssigkeit gefüllte Fruchtblase – den Dottersack  – und schützten diesen mit einer festen Schale. So konnten sie ihre Eier an Land legen und ihren Eroberungszug starten. Es entwickelten sich Vögel, Schlangen, Krokodile und Schildkröten – schließlich Säugetiere. Wissenschaftler haben das Genom eines Menschen mit dem eines Huhns oder eines Reptils verglichen und gefragt: Was haben sie gemeinsam oder was unterscheidet sie? Sie suchten nach einem Gen, das Dotter im Ei bildet. Sie fanden solche Dotter-Gene, doch sie funktionieren nicht mehr. Unsere Urahnen hörten nämlich irgendwann auf, ihre Nachkommen mit Dotter zu ernähren. Die Dotter-Gene zerfielen. Am Ende wurde kein Dotter mehr produziert. Doch noch immer liegen diese Genschnipsel in unserem Genom vergraben, Fossilien gleich.

    Der Affe in uns

    In dieser Folge reist Neil Shubin nach Afrika, nach Äthiopien, wo zwei der wichtigsten Fossilienfunde erklären, warum die Menschen aufrecht gehen.

    Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als unsere Urahnen noch wie Affen aussahen und Schwänze hatten: das Steißbein. Im menschlichen Körper gibt es sehr viele Belege für ein vergangenes Leben als Primat. Die Art, wie wir die Welt betrachten, uns bewegen und sogar unsere Art zu denken, kann man bis in die Zeit zurückverfolgen, als unsere Vorfahren noch auf Bäumen lebten – es ist der Affe in uns allen. Unsere Vorfahren hatten eine horizontale Wirbelsäule und gingen dann aufrecht. Das heißt, jeder ihrer Knochen musste verändert werden und wurde in eine neue Position gezwungen. Um dabei das Gleichgewicht zu finden, musste sich der Rücken krümmen. Unsere S-förmige Wirbelsäule ist einmalig in der Welt der Säugetiere, aber sie verursacht jede Menge Probleme. Die meisten von uns klagen irgendwann im Leben über Rückenbeschwerden. Der Affe in uns kann erklären, warum.

    Durch "Lucy", eine Vertreterin der Gattung Australopithecus afarensis, weiß man, dass unsere Vorfahren es vor 3,2 Millionen Jahren geschafft haben, auf zwei Beinen zu laufen. Doch wie der aufrechte Gang zustande kam, sieht man an dem Fossil Ardipithecus: Es hat die Vorstellung der Wissenschaft darüber revolutioniert, wie der Mensch aufrecht gehen lernte. Denn "Ardi" gehört zu einer neuen Spezies, die an einem entscheidenden Punkt der Evolution stand – 4,4 Millionen Jahre vor unserer Zeit: "Ardi" lief schon aufrecht, als sie noch im Wald lebte. Ihr Skelett widerlegt die alte Theorie, die besagt, dass der Mensch erst aufrecht zu gehen begann, als das Klima sich änderte und der Wald zur Savanne wurde.

    "Fische sind in der Evolution sehr erfolgreiche Tiere" – Fragen an Neil Shubin

    Was hat Sie dazu bewogen, Biologe beziehungsweise Anatom zu werden?

    Mir gefällt es, neue Dinge über Körper zu entdecken, vor allem in Bezug auf unsere vorzeitliche Vergangenheit. Anatomie ist eine wunderbare Sache, und wenn man gelernt hat, sie zu betrachten, hilft sie uns, etwas über unsere eigene Geschichte in Erfahrung bringen.

    Und was begeistert sie an Fischen besonders?

    In Bezug auf die Evolution sind Fische unglaublich erfolgreiche Tiere; Es gibt tausende Arten, die sich auf ganz unterschiedliche Weise ernähren, die Welt um sich herum wahrnehmen und fortbewegen. Zu verstehen, wie sie sich angepasst haben, verrät uns außerdem eine Menge über den grundlegenden Aufbau des menschlichen Körpers.

    Während Charles Darwin seine Theorie zur Evolution entwickelte, hatte er bedeutende Partner an seiner Seite: den Anatom Richard Owen und Thomas Henry Huxley als seinen Sprecher. Sie sind alles auf einmal, Anatom, Forschungsreisender und prämierter Wissenschaftsjournalist. Ist das nicht ein ziemlicher Spagat in der modernen Welt der Wissenschaft?

    Das bildet für mich alles eine Einheit. Wissenschaft zu vermitteln, zwingt mich dazu, meine Worte und Gedanken klar zu ordnen. Diese Klarheit hilft mir bei meinen Entdeckungen und der Arbeit als Wissenschaftler. Je mehr ich entdeckte, desto mehr kann ich vermitteln. Es gehört also alles zusammen.

    Darwin machte seine größten Entdeckungen im Laufe einer fünfjährigen Reise um die Welt. Sie verbringen ihre Sommer in der Arktis auf der Suche nach Fossilien im Boden. Hilft das Reisen bei wissenschaftlichen Entdeckungen?

    An neue Orte zu reisen und neuen Herausforderungen zu begegnen, belebt meinen Verstand. Auf gewisse Weise hilft es bei den wissenschaftlichen Entdeckungen – wenn auch nur indirekt.

    Spuren und Beweise für die Evolutionstheorie zu finden, scheint ein nie enden wollendes Puzzle zu sein. Sein ganzes Leben lang zögerte Darwin immer wieder mit der Veröffentlichung seiner Schlussfolgerungen. Er wollte sich so sicher wie nur irgend möglich sein. In Ihrem Buch habe ich gelesen, dass jeder Schlüsselfund zwei neue Lücken in den Vermutungen zur Evolution aufweist. Ist es das Schicksal aller Wissenschaftler, die die Evolution erforschen, nach immer neuen und besseren Beweisen zu suchen?

    Ich versuche nicht, die Evolution zu beweisen. Ich versuche zu verstehen, wie sie funktioniert. Jede Entdeckung erklärt das auf ihre eigene Weise.

    Obwohl die ganze Geschichte der Evolution so schwer nachzuvollziehen ist, sind die fundamentalen Regeln ihres Verlaufs recht einfach und leicht zu verstehen. Warum wird um diese Theorie, über 150 Jahre nachdem sie veröffentlicht wurde, immer noch gestritten?

    Es ist schwierig für Menschen, sich mit Milliarden Jahren von Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist wirklich sehr schwer, sich vorzustellen, wie sich die Dinge über so gewaltige Zeiträume verändern. Mein Job ist es, das den Menschen näherzubringen.

    Wissenschaftlich betrachtet war die Evolutionstheorie ein Meilenstein, und doch brachte sie beunruhigende Konsequenzen für die Gesellschaft mit sich. Denken Sie, es kann auch etwas Positives für unser soziales Leben aus der Natur abgeleitet werden?

    Ja, der Respekt für andere Lebewesen. Wir sind mit ihnen allen verbunden.

    Die Fragen stellte Ralf Blasius.

    Biografische Anmerkungen zu Filmautor Neil Shubin

    Neil Shubin, Jahrgang 1960, ist ein US-amerikanischer Paläontologe und Leiter des Instituts für organische Biologie und Anatomie an der University of Chicago. Mit zwei Forscherkollegen entdeckte er das Tiktaalik aus der Gattung amphibienähnlicher Fleischflosser, ein Fossil, das den evolutionären Übergang von Fischen zu Landwirbeltieren belegte. Shubin fasste seine Erkenntnisse auch in dem Buch „Der Fisch in uns“ zusammen.

    Fotohinweis und Impressum

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131/706100 oder unter http://pressefoto.zdf.de/presse/unseregeheimenvorfahren

    Impressum

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    Copyright: ZDF 2015

    Weitere Informationen

    Impressum

    Ansprechpartner

    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
    Telefon: 06131/7013802