Unter anderen Umständen - Das verschwundene Kind

Der Fernsehfilm der Woche

Der zehnte Fall für Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner). Der kleine Sascha wird vermisst. Der Junge wächst in schwierigen Verhältnissen bei seiner Mutter auf. Saschas Vater, Jürgen Lohmann (Hinnerk Schönemann) ist vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung an Saschas älterem Bruder. Jana Winter und ihr Team suchen verzweifelt nach Lohmann, der seit seiner Haftentlassung untergetaucht ist. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

  • ZDF, Montag, 13. April 2015, 20:15 Uhr

    Texte

    Unter immer neuen Umständen - eine Krimireihe wird zehn

    Vorwort von Daniel Blum

    Von Woody Allen haben wir zwar gelernt, dass "die Kunst nicht das Leben, sondern das schlechte Fernsehen kopiert". Aber manchmal werden Fernsehmacher eben auch belohnt und das echte, pralle Leben verbindet sich - zumindest in der richtigen kreativen Konstellation - mit der Fiktion zu einem filmischen Glücksfall, den man dann zwar nicht Kunst nennen muss, aber doch mit reinem Gewissen gutes Fernse­hen. In die Entwicklung eines neuen, actionreichen Formates mit Natalia Wörner als verdeckter Ermittlerin vor zehn Jahren, platzte die frohe Botschaft der Schwanger­schaft der Hauptdarstellerin. Doch da man beim Filmemachen auch lernt, dass es kein wirkliches Problem gibt, das sich mit einem guten Drehbuch nicht vermeiden ließe und die Schauspielerin gleichzeitig versicherte, dass sie auch mit "Baby an Bord" noch gerne einen Film drehen möchte, wurde die gemeinschaftliche Sturzge­burt von "Unter anderen Umständen" spontan beschlossen. Der erste Film wurde Natalia Wörner dann nämlich im wahrsten Sinne des Wortes auf den (zu Drehbeginn schließlich im 6. Monat schwangeren) Leib geschrieben, womit die emotionale Ziel­richtung des Films (neben seiner klaren Krimi-Annonce) für das große Montag­abend-Publikum grob umrissen war.

     Der erste Film, der mittlerweile zehn Filme umfassenden Reihe (der elfte wird ge­rade gedreht), der am 23. Oktober 2006 als "Fernsehfilm der Woche" im ZDF auf Sendung ging, erzählte die Geschichte der schwangeren Kommissarin aus dem be­schaulichen Schleswig an der Schlei, die in den dramatischen Fall eines vermeintli­chen Babyraubs verwickelt wird. Der Raub stellte sich freilich im Laufe der Ermitt­lungen als rätselhafter Babymord heraus – und durch ihren eigenen Umstand, eine werdende Mutter zu sein, war die junge Kommissarin plötzlich zugleich die beste und die schlechteste Polizistin für diesen zu Herzen gehenden Fall.

    Den für solch' sensible Fälle notwendigen Spagat in der inszenatorischen Tonart zwischen glaubwürdiger weiblicher Psychologie und spannendem Genre-Handwerk hat, seit dem ersten Film bis heute, die sehr stilsicher erzählende Schweizer Regis­seurin Judith Kennel übernommen. Viele Krimireihen setzen auf wechselnde Regis­seure. Wir hingegen sind von Anfang an glücklich, dass Judith Kennel in genau überlegter, inszenatorischer Vielstimmigkeit den Erzählrahmen der Reihe immer wieder neu auslotet und erweitert. Selbst psychologisch und erzählerisch heikle Sujets und Figuren sind bei ihr - im feinen Zusammenspiel mit Natalia Wörner  und den anderen Hauptdarstellern - in den besten Händen

    Aus den ersten, wirklich 'anderen' Umständen wurden im Verlauf der Fälle immer neue Umstände, mit denen sich die ermittelnde Kommissarin Jana Winter bei der Lösung ihrer Fälle konfrontiert sieht. Aber auch auf der privaten Ebene blieb die Fiktion dem realen Leben der Protagonistin weiterhin auf der Spur und ließ sich – wie es die Kommissarin Winter vorlebte – nicht abschütteln: denn aus der schwan­geren Kommissarin ist, mit allen dazugehörigen Freuden, Besonderheiten und Problemen, längst die stolze Mutter eines Jungen (bis zum achten Film "gespielt" von Natalia Wörners eigenem Kind) geworden, der die Reihe mit Älterwerden in Echtzeit sozusagen weiterhin begleitet.

    Und ähnlich wie der Privatstrang der Figur Jana Winter sich entwickelt hat, so haben sich auch die Fälle, die erzählerischen Tonarten und nicht zuletzt die Figur der Kommissarin selbst immer wieder verändert und erweitert. Gerade weil wir "Unter anderen Umständen" nur einmal im Jahr senden, wirken diese erzählerischen "Jah­resringe" sehr authentisch und lebensnah, ohne freilich einem plumpen Realismus zu frönen.

    Der erste Kinofilm, in dem Natalia Wörner einst zu bewundern war, hieß "Frauen sind was Wunderbares". Diesen Titel kann man getrost als fröhliches Motto über ihre beeindruckende Karriere schreiben, die große Rollen im Fernsehen und im Kino ("Die Kirche bleibt im Dorf") umfasst: Sie ist, und nur so konnte sie sich einen festen Platz im Herzen des großen männlichen und weiblichen Publikums sichern, wirklich etwas ganz Wunderbares - eine extrem kreative, vielfältige Schauspielerin, mit zahllosen Facetten und Talenten. Was natürlich auch und besonders hier zu bewun­dern ist: unter den verschiedensten "anderen Umständen".

    Daniel Blum

    Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie I, Fernsehspiel II

    Stab & Besetzung

    Buch Daniel Schwarz und Thomas Schwebel
    RegieJudith Kennel
    KameraNathalie Wiedemann
    TonThomas Thutewohl
    SzenenbildThorsten Lau
    SchnittJan Henrik Pusch
    KostümPetra Kilian
    MusikNick Glowna und Ludwig Eckmann
    MaskeEdith Paskvalic, Laura Blum und Brigitta Lüttge
    CastingRebecca Gerling
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    HerstellungsleitungRoger Daute
    ProduktionsleitungFrank B. Bosselmann
    RedaktionDaniel Blum
    Länge88'45 Minuten

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Jana WinterNatalia Wörner
    Matthias HammRalph Herforth
    Arne BraunerMartin Brambach
    Ole Jessen Max von Pufendorf
    Leo WinterKian Schmidt
    Frida Friederike Linke
    RechtsmedizinerRalph Misske
    Jürgen LohmannHinnerk Schönemann
    Stefanie WitteMarie Leuenberger
    Marius WitteBjarne Meisel
    Andreas KrohnThomas Loibl
    Britta Krohn Brigitte Zeh
    Hauke Hansen Ingo Naujoks
    Olli WernerBarnaby Metschurat
    Sven CarlssonErik Madsen
    Sascha WitteBenedix Hansen
    TomLinus Düwer
    Lasse BastrupKlaus Tange
    und andere

    Inhalt

    Der zehnte Fall für Kommissarin Jana Winter in Schleswig. Ein kleiner Junge wird vermisst. Verschwundene Kinder sind für Jana und ihr Team nie zur Routine gewor­den, der Fall des 8-jährigen Sascha Witte setzt ihnen auch nach jahrelanger Kripo-Arbeit schwer zu. Sascha wächst in schwierigen Verhältnissen bei seiner labilen Mutter Stefanie auf. Immerhin kümmern sich Stefanies Schwager Andreas und ihre Schwester Britta liebevoll um die Familie. Aber das kann die eigentliche Katastrophe nicht aufwiegen: Saschas Vater Jürgen Lohmann befand sich in Haft -  unter ande­rem auch wegen Körperverletzung an Saschas älterem Bruder Marius. Jana und ihr Team suchen verzweifelt nach Lohmann, machen aber anscheinend Jagd auf ein Phantom: Seit seiner Haftentlassung lebt der Mann eine Art Agentenle­ben und ist einfach nicht greifbar. Weiß sein Sohn Marius mehr? Dann kann Jana den Vater endlich dingfest machen, doch anstatt am Ziel ihrer Ermittlungen zu sein, geht alles wieder von vorn los: Jürgen Lohmann ist nachweislich unschuldig – und Kommissarin Jana Winter entdeckt, dass sich hinter den Problemen der Familie noch ein ganz anderer Abgrund verbirgt.

    "Nichts ist austauschbar oder beliebig"

    Die drei Urheberinnen Jutta Lieck-Klenke, Judith Kennel und Natalia Wörner im Ge­spräch

    Seit 2005 produzieren Sie bereits die Krimireihe "Unter anderen Umständen" und erreichen damit konstant hohe Quoten. Fünf bis sechs Millionen Zuschauer schalten ein, wenn Kommissarin Winter – meistens im Winter – in Schleswig und Umgebung ermittelt. Wo liegt der Grund für die lang anhaltende Begeiste­rung für diese Krimireihe?

    Jutta Lieck-Klenke: Natalia Wörner als hochpopuläre Schauspielerin steht sicher an allererster Stelle für den Erfolg. Aber der Erfolg hängt auch damit zusammen, dass wir alle Filme dieser Reihe als Einzelstücke konzipieren. Da wir nur einen Film pro Jahr produzieren, steht jeder Film für sich und ist unverwechselbar. Ganz wich­tig ist uns auch, außerdem immer das Drama zu erzählen, das hinter jedem Krimi­nalfall steht.

    Wir rücken mit der erzählerischen Art nah an die Machart der skandinavischen Kri­mis. Wir haben dies bei "Unter anderen Umständen" aber schon entwickelt, als die skandinavischen Krimis noch längst nicht so populär waren wie heute. Hinzu kommt: Wir erzählen nicht einfach nur einen spannenden Kriminalfall, sondern wir erzählen ihn auch immer aus der Perspektive unserer Ermittler, allen voran Jana Winter. Kein Charakter ist eindimensional. Und zu guter Letzt haben wir ein Ermitt­lerteam, das die Arbeit liebt, sympathisch ist, sich gegenseitig mag, aber auch Spaß daran hat, sich auseinander zu setzen und keine Angst vor Konflikten hat. Unsere Fälle sind sehr nah an den Menschen dran, die sich in dieses Verbrechen verwickelt haben. Die konkreten Lebensumstände nehmen von Anfang an Einfluss auf unsere Fälle. "Unter anderen Umständen" ist deshalb lebensnah. Und dass die Reihe in Schleswig und Umgebung spielt, ermöglicht uns, eine Nähe zwischen Stadt und Natur zu zeigen. Die norddeutsche Landschaft im Winter und am Meer hat ihren besonderen Reiz.

    "Unter anderen Umständen" geht auf eine gemeinsame Idee zwischen Ihnen als Produzentin, Natalia Wörner und Judith Kennel zurück. Wie kam es zum Titel der Reihe "Unter anderen Umständen"?

    Jutta Lieck-Klenke: Wir hatten ursprünglich vor, mit Natalia Wörner eine Reihe über eine verdeckte Ermittlerin zu produzieren, die action- und risikoreiche Fälle aufzuklären hat. Durch Natalias Schwangerschaft konnte diese Idee nicht verwirk­licht werden. Aber wir haben uns dann im Handumdrehen zu etwas anderem ent­schlossen: eine Krimireihe mit einer schwangeren Kommissarin zu entwickeln. Wir haben das damals in Natalias dritten Schwangerschaftsmonat entschieden und mussten bis zum  siebten Monat abgedreht haben. Die Zeit drängte. Aber das ZDF hat diese “180-Grad-Wende“ sofort mit großer Begeisterung aufgenommen. Dreh­buchautoren und alle anderen Beteiligten haben dann alle an einem Strang gezo­gen, um das Projekt rechtzeitig fertigzustellen. Und dann haben wir den Titel ge­wählt, der zu der besonderen Lebenssituation passte – "Unter anderen Umständen". Der Titel ist Programm und hat sich als unglaublich passend erwiesen.

    Mit einer im siebten Monat schwangeren Darstellerin zu drehen, ist ja eher un­gewöhnlich. Würden Sie sagen, dass Sie als Produzentin damit ein großes Ri­siko eingegangen sind?

    Jutta Lieck-Klenke: Ja klar, das ist ein Risiko. Eine schwangere Schauspielerin im siebten Monat ist nicht mehr versicherungsfähig. Ich hätte das keineswegs mit je­der gemacht, außer mit solch' einer Schauspielerin wie Natalia. Unser Risiko war auch deshalb begrenzt, weil mit der Regisseurin Judith Kennel schon damals ein großes Vertrauensverhältnis bestand. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    Was gefällt Ihnen besonders gut an Jana Winter?

    Jutta Lieck-Klenke: Kommissarin Jana Winter ist intelligent, sehr attraktiv, schlag­fertig und uneitel. Sie ist entschlossen und durchsetzungsstark - aber sie macht auch Fehler und kann diese zugeben. Jana Winter kann sehr humorvoll und empa­thisch sein, Selbstmitleid ist ihr fremd. Sie ist im besten Sinne eine moderne, eman­zipierte Frau. Sie hat ein echtes Interesse an den Menschen, die in Krisensituationen geraten. Sie urteilt nie moralisch, ist menschlich und warmherzig. Das macht sie zur Identifikati­onsfigur und schafft die besten Voraussetzungen für eine Kriminalkommissarin. Das Publikum weiß, sie wird nicht aufgeben, bevor sie den Fall aufgeklärt hat. 

    "Unter anderen Umständen" zeichnet aus, dass sich die Hauptcharaktere im Ermittlerteam im Laufe der Jahre sehr authentisch immer weiter entwickelt ha­ben, das Leben also im Grunde nicht spurlos an Ihnen vorübergeht. Ist das Er­gebnis Ihrer Teamarbeit?

    Jutta Lieck-Klenke: Ja, sicherlich. Zunächst suchen mein Ko-Produzent Dietrich Kluge und ich immer nach Autoren, die besonderes Interesse haben, für diese Reihe und dieses Ermittlerteam zu schreiben, also besonderes Interesse an der Entwick­lung interessanter Charaktere haben. Stoffe, die wir interessant finden, diskutieren wir dann früh mit der Redaktion im ZDF und mit der Regisseurin dieser Reihe, Judith Kennel. Wenn wir ein Stück weiter sind, bei der ersten Drehbuchfassung, kommt dann auch unsere Hauptdarstellerin Natalia Wörner mit ins Boot, bringt ihre Ideen ein und macht Anmerkungen zu ihrer Rolle. Der vielfältige Input ist wichtig, damit die Charaktere lebendig bleiben.

    Judith Kennel: Jeder Film ist in der Entwicklung für mich anders, mal bin ich mehr beteiligt, mal weniger. Das Entscheidende, aber auch Großartige ist, dass es am Ende unwichtig ist, wie viel jeder von uns jeweils eingebracht hat, es entsteht immer eine Symbiose aus unseren Wünschen, Ideen und Vorstellungen, so dass es sich jedes Mal wie ein von Anfang an zusammen entwickelter Film anfühlt. Ein wichtiger Partner dabei ist der Produzent Dietrich Kluge, der auch von Anfang an mit dabei ist.

    Natalia Wörner: Auf einer Ebene, die nur dann entsteht, wenn man sich so gut kennt wie wir drei, schließt jeder Film an die innere Entwicklung der Figuren an und umschließt dabei den tatsächlichen Fall. Ich würde sagen, es ist die Choreographie des Lebens, die unserem eingespielten Team hier entgegenkommt. Ganz konkret ist die Bucharbeit und die Ausfeilung der Figur so etwas wie unser jährliches Ritual ge­worden.

    Frau Kennel, Sie haben seit 2005 bei allen zehn Filmen der Reihe Regie ge­führt. Wie wür­den Sie diese Reihe in ein, zwei Sätzen beschreiben?

    Judith Kennel: Jeder Film ist ein abgeschlossenes Krimidrama. Der besondere Reiz liegt in den menschlichen Hintergründen - sowohl bei den Opfern, Tätern und Er­mittlern, allen voran Jana Winter, die als Kommissarin eine berufstätige Mutter ist.   

    Gibt es filmische Vorbilder, von denen Sie sich in Ihrer Inszenierung inspirieren lassen?

    Judith Kennel: Ich bin eine große Liebhaberin des skandinavischen Films, dessen Schauspielführung, Dramaturgie und Ästhetik mich in meiner Arbeit von Anfang an inspiriert und beflügelt hat. Aber oft sind es auch Fotografen oder Maler, die mich für die einzelnen Filme inspirieren. Manchmal auch ein Musikstück.

    Was bedeutet Ihnen die Reihe persönlich?

    Judith Kennel: "Unter anderen Umständen" bietet die Chance, in der großen Konti­nuität mit den Schauspielern und dem ganzen Team – da gehört Produktion und Re­daktion mit dazu – zusammenzuwachsen und die Geschichten vertiefen zu können. Grundvoraussetzung ist das gegenseitige Vertrauen, das mir, meiner Kamerafrau Nathalie Wiedemann, die seit dem fünften Film mit dabei ist, und uns allen einen kreati­ven Freiraum ermöglicht. Ein Freiraum, der mir in meiner Arbeit als Regisseu­rin im­mer wichtiger und wertvoller wird.

    Gibt es wiederkehrende Thematiken oder eine thematische Klammer für die Kriminalfälle? Und wenn ja: Was ist Ihnen besonders wichtig für die einzelnen Filme?

    Judith Kennel: Ja, viele der Fälle haben etwas mit dem Thema Familiengeheimnis zu tun und den daraus folgenden Konflikten in einer Familie, die sich zum Teil auch im Privatleben der Kommissarin spiegeln oder ihr eine persönliche Haltung abver­langen. Dadurch entsteht eine emotionale Brücke zum Zuschauer.

    Natalia Wörner: Ein besonderes Merkmal ist, dass bei uns oft Kinder im Mittelpunkt stehen und deren Perspektive auf eine Welt -  die sich dem Verständnis eines Kin­des entzieht - erzählt wird, ohne dass die Kinder im Sinne der Dramaturgie instru­mentalisiert werden. Es geht vielmehr darum, in eine Welt einzutauchen, die sich die Erwachsenen erarbeiten müssen.

    Was macht für Sie die Qualität der Filme aus?

    Judith Kennel: Dass sich die Geschichten nicht am Plot orientieren. Die Filme tau­chen ein in die Welt der Figuren und ermöglichen dadurch das Verstehen, wie es zur Katastrophe kommen konnte.

    Natalia Wörner: Ich empfinde die Qualität der Reihe in ihrer Purheit. Es wird auf vieles verzichtet, was in anderen Krimiformaten auf einmal im Vordergrund steht, kriminaltechnisches Equipment und die Flüchtigkeit der Großstadt zum Beispiel. Bei uns stehen die Charaktere im Zentrum und die Fälle werden in ihrer Eigenwilligkeit gewürdigt, nichts ist austauschbar oder beliebig.

    Welcher Fall hat Sie am meisten berührt?

    Judith Kennel: Da halten sich drei Fälle in der Waage, der erste Fall "Unter ande­ren Umständen" der dritte Fall "Böse Mädchen" und der fünfte Fall "Tod im Kloster". Diese Fälle haben etwas mit Pubertät und/oder einem verborgenen Geheimnis in der Fa­milie zu tun. Das sind Themen, die mich nicht loslassen, die mich berühren und um­treiben. Der elfte Fall, "Das Versprechen" (Arbeitstitel), den wir gerade entwi­ckeln und im März 2015 drehen, ist auch auf dem Weg, in diese Liste aufgenommen zu werden.

    Natalia Wörner: Für mich ist auch "Tod im Kloster" ein echtes Highlight der Reihe. Hier wird das Thema, wie man mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgeht, auf so eindringliche Weise erzählt, dass die Grenzen zwischen dem Fall und dem Schicksal von Jana Winter fast verschmolzen sind, aber eben nur fast.

    Sie spielen die Kommissarin nun seit neun Jahren, drehen einmal jährlich in Schleswig und Umgebung. Was ist für Sie das Besondere an der Rolle der Kommissarin Jana Winter?

    Natalia Wörner: Für eine Schauspielerin ist es eine interessante Reise, sich über einen so langen Zeitraum mit einer Figur zu beschäftigen und seine eigene Ent­wicklung und das "damit älter werden" einer Figur zu widmen. Jana Winter hat ja eine sehr klar gesetzte Biographie und Lebensaufgabe und steht voll in ihrer Berufung. Gleichzeitig erleben wir in Echtzeit, wie ihr Sohn älter wird und sich auch Janas Bedürfnisse und Wünsche ans Leben verändern. Das ist in die­sem Sinne evolutionär und revolutionär. Und hier gibt es kein Vertun: Es wird auf alles Unwesentliche verzichtet. Das gefällt mir und inspiriert mich immer wieder, dem Leben dieser Figur auf der Spur zu bleiben.

    Hat sich Jana in den letzten neun Jahren verändert?

    Natalia Wörner: Ganz sicher ist sie erwachsener, reifer geworden und auf eine ei­gene Art offener. Doch im Job ist sie kompromisslos geblieben. Da sie ja die einzige Frau in einem Männerteam ist, ist es auch immer wieder spannend, das Innenver­hältnis zu den Kollegen zu überprüfen, sei es die Kommunikation, die Hierarchie oder die sich verändernden persönlichen Vorlieben - gepaart mit einem mehr oder weniger offenen Konkurrenzverhältnis. Den Mangel an Klischees in diesem Zusam­menhang empfinde ich auch als Gütesiegel unserer Frau Winter.

    Bei der Härte der Fälle, die erzählt werden: Kommt Jana auch manchmal an ihre psychischen oder physischen Grenzen?

    Natalia Wörner: Sicherlich haben wir immer wieder Momente, in denen sie an ihre Grenzen kommt. So gibt es jetzt zum Beispiel in dem aktuellen Fall "Das ver­schwundene Kind" eine Szene, in der sie eine Mutter zu der Identifizierung ihres getöteten Kindes begleitet -  und wir haben uns die zurückgehaltenen Tränen er­laubt. Im Moment des Spielens möchte man aus Empathie zusammenbrechen, als Kommissarin muss ich jedoch ein Gegengewicht halten, damit die Kollegin sich in ihrer Rolle innerlich an meine Figur anlehnen kann. Dennoch fände ich es falsch, das vollkommen abgespalten, amerikanisch-professionell zu spielen und sich aus­schließlich auf die Funktion zu fokussieren. Menschsein heißt eben auch, Gefühle zu bedienen, die nicht immer passend sind.

    Was treibt Jana an – beruflich wie persönlich?

    Natalia Wörner: Ihre Leidenschaft für Gerechtigkeit. Ihre Lust an der Wahrheit und der Dienst an der Sache. Ich würde sagen, eine gute intuitive Menschenkenntnis und die Fähigkeit, Fragen unbeantwortet stehen zu lassen, bis die Antwort schein­bar von alleine kommt.

    Verraten Sie uns abschließend, wohin die Reise für Jana Winter und ihr Team gehen wird?

    Jutta Lieck-Klenke:  So viel darf ich wohl verraten; wir werden Jana Winter einen neuen Arbeitskollegen und einen neuen Lebensgefährten an die Seite geben.

    Judith Kennel: Ja, wir schicken sie Richtung Norden, in ein Internat, zu rebellieren­den Jugendlichen, wo Jana Winter einer neuen Liebe begegnen wird.

    Das Interview führte Dagmar Landgrebe

    Übersicht der Filme 1 – 9

    Unter anderen Umständen (1)

    mit Natalia Wörner, Matthias Brandt, Martin Brambach, Ralph Herforth, Marcus Mittermeier, Stefanie Stappenbeck, Tobias Oertel, Katrin Sass, Michael König und 

    anderen

    BuchPeter Obrist u. Waltraut Ehrhard
    RegieJudith Kennel
    KameraPeter Döttling
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentinJutta Lieck-Klenke
    ProducerDietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    SendeterminMontag, 23. Oktober 2006, 20.15 Uhr
    Einschaltquote6,04 Mio. Zuschauer, MA 17,9%

    Bis das der Tod euch scheidet (2)

    mit Natalia Wörner, Marcus Mittermeier, Matthias Brandt, Jacob Lee Seeliger, Ralph Herforth, Martin Brambach, Diana Staehly, Peter von Strombeck, Lena Stolze,

    Stephanie Japp, Friederike Linke, Carlo Ljubek und anderen

    BuchPeter Obrist u. Waltraut Ehrhard
    RegieJudith Kennel
    KameraGunnar Fuss
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    SendeterminMontag, 5. November 2007, 20.15 Uhr
    Einschaltquote5,73 Mio. Zuschauer, MA 17,01%

    Böse Mädchen (3)

    mit Natalia Wörner, Marcus Mittermeier, Ralph Herforth, Martin Brambach, Jacob Lee Seeliger, Matthias Brandt, Friederike Linke, Jürgen Tarrach, Lena Meckel, Lil

    Oggesen, Louisa Rademacher, Ulrike Grote, Matthias Unger, Falk Rockstroh und anderen

    BuchPeter Obrist u. Waltraut Ehrhard
    RegieJudith Kennel
    KameraGunnar Fuss
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentJutta Lieck-Klenke
    ProducerDietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    SendeterminMontag, 13. Oktober 2008, 20.15 Uhr
    Einschaltquote 3,88 Mio. Zuschauer, MA 11,9%

    Auf Liebe und Tod (4)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Marcus Mittermeier, Jacob-Lee Seliger, Friederike Linke, Uwe Bohm, Stephan Bissmeier, Gesine Cukrowski, Zora Holt, Irshad Panjatan, Mick Heller, Rick Okon und anderen

    Buch Daniel Schwarz und Thomas Schwebel
    RegieJudith Kennel
    KameraManuel Mack
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentinJutta Lieck-Klenke
    Producer Dietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    Sendetermin Montag, 2. November 2009, 20.15 Uhr
    Einschaltquote 5,60 Mio. Zuschauer, MA 16,9%

    Tod im Kloster (5)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Max von Pufendorf, Ralph Misske, Friederike Linke, Jacob-Lee Seliger, Annett Renneberg, Henriette Richter-Röhl, Gudrun Landgrebe, Alexander Beyer, Walter Kreye, Peter Kremer, Angelika Thomas, Katharina Matz, Dorothea Walda und anderen

    Buch Daniel Schwarz, Thomas Schwebel und Jonas Winner
    RegieJudith Kennel
    KameraNathalie Wiedemann
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentinJutta Lieck-Klenke
    ProducerDietrich Kluge 
    RedaktionDaniel Blum
    SendeterminMontag, 8. November 2010, 20.15 Uhr
    Einschaltquote5,96 Mio. Zuschauer, MA 17,7%

    Mord im Watt (6)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Max von Pufendorf, Ralph Misske, Lars Mikkelsen, Erhan Emre, Margarita Broich, Elisa Beyer, Constantin von

    Jascheroff, Peter Kurth, Christine Wilhelmi, Helene Egelund, Roland Schreglmann, Anna Maria Mühe und anderen

    BuchZora Holt
    RegieJudith Kennel
    Kamera Nathalie Wiedemann
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    SendetermineZDFneo: Mittwoch, 2. November 2011, 21.00 Uhr
    ZDF: Montag, 7. November, 2011, 20.15 Uhr
    EinschaltquoteZDF: 5,63 Mio. Zuschauer, MA 16,6%

    Spiel mit dem Feuer (7)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Max von Pufendorf, Ralph Misske, Jacob-Lee Seliger, Lennhardt Krüger, Thorsten Merten, Peter Prager,

    Ursula Karven-Verres, Johann von Bülow, Katharina Lorenz, Tristan Seith und anderen

    BuchSören Hüper und Christian Prettin
    RegieJudith Kennel
    KameraNathalie Wiedemann
    Redaktion Daniel Blum
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    SendeterminMontag, 12. März 2012, 20.15 Uhr
    Einschaltquote 5,90 Mio. Zuschauer, MA 17,4 %

    Der Mörder unter uns (8)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Max von Pufendorf, Jacob Lee Seeliger, Robert Gallinowski, Christine Schorn, Peter Heinrich Brix, Johanna

    Gastdorf, Martin Wissner, Tilo Prückner und anderen

    BuchZora Holt
    RegieJudith Kennel
    KameraNathalie Wiedemann
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    Sendetermine

    ZDFneo: 17. Februar 2013, 21.45 Uhr

    ZDF: Montag, 18. Februar 2013, 20.15 Uhr
    EinschaltquoteZDF: 5,77 Mio. Zuschauer, MA 16,5%

    Falsche Liebe (9)

    mit Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Max von Pufendorf, Kian Parsiani-Schmidt, Ralph Misske, Thomas Sarbacher, Maria Simon, Peter Jordan,

    Daniel Friedrich, Catrin Striebeck, Tanja Schleiff, Sinja Dieks, Dagmar Leesch, Carolin Pohl, Kai Ivo Baulitz und anderen

    BuchStefan Kolditz
    RegieJudith Kennel
    KameraNathalie Wiedemann
    ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
    ProduzentenJutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
    RedaktionDaniel Blum
    SendetermineZDFneo: Mittwoch, 5. Februar 2014, 20.15 Uhr
    ZDF: Montag, 10. Februar 2014, 20.15 Uhr
    EinschaltquoteZDF: 5,24 Mio. Zuschauer, MA 15,5 %

    Bildhinweise / Impressum

    Fotos über ZDF Presse und Information

    Telefon: (06131) 70-16100 oder über http://pressefoto.zdf.de/presse/unteranderenumstaenden

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation

    Presse und Information

    Verantwortlich: Alexander Stock

    E-Mail: pressedesk@zdf.de

    © 2015 ZDF

    Weitere Informationen

    Impressum

    Ansprechpartner

    Name: Christiane Diezemann
    E-Mail: presse.hamburg@zdf.de
    Telefon: (040) 66985 171