Wenn ein Job nicht reicht: Andrea M. macht den Job im Gemüseladen zusätzlich zu ihrem Hauptjob in einer Arztpraxis. ZDF/Enrico Demurray
Wenn ein Job nicht reicht: Andrea M. macht den Job im Gemüseladen zusätzlich zu ihrem Hauptjob in einer Arztpraxis. ZDF/Enrico Demurray

ZDF.reportage: Armes reiches Deutschland

Vierteilige Reihe

Armes reiches Deutschland: Fast jedes fünfte Kind gilt hierzulande als arm oder armutsgefährdet, vielen Rentnern droht die Altersarmut und der Mittelstand fürchtet den gesellschaftlichen Abstieg – die Schere zwischen Arm und Reich klappt immer weiter auseinander. Und wenn dann selbst der Zweitjob nicht für ein angemessenes Auskommen reicht – bedeutet das: einmal unten, immer unten? An vier Sonntagen in Folge erkundet die "ZDF.reportage" das "arme reiche Deutschland".

  • ZDF, Sonntag, 5. Februar 2017, 18.00 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Sonntag, 15. Januar 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage
    Armes reiches Deutschland
    Kein Geld für Kinder

    Film von Michael Beck

    Produktion: 99pro
    Redaktion: Christian Wilk
    Leitung: Heike Schnaar

     

    Sonntag, 22. Januar 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage
    Armes reiches Deutschland
    Rentner in Not

    Film von Bernd Reufels

    Produktion: kelvinfilm
    Redaktion: Leo Spors
    Leitung: Heike Schnaar

     

    Sonntag, 29. Januar 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage
    Armes reiches Deutschland
    Wohlstand in Gefahr?

    Film von Ralf Wilharm

    Produktion: doclights
    Redaktion: Michael Stagneth
    Leitung: Heike Schnaar

     

    Sonntag, 5. Februar 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage
    Armes reiches Deutschland
    Wenn ein Job nicht reicht

    Film von Enrico Demurray

    Produktion: wilde bilder
    Redaktion: Rita Stingl
    Leitung: Heike Schnaar

    Armes reiches Deutschland

    Kinderarmut trotz geringer Arbeitslosenzahlen. Die Gefahr, trotz jahrzehntelangen Arbeitens im Alter finanziell nicht über die Runden zu kommen. Oder gegebenenfalls schon im aktiven Berufsleben mit nur einem Job nicht mehr über die Runden zu kommen. Und insgesamt die weiter abnehmende Chance, aus unteren oder mittleren Schichten aufzusteigen. Stattdessen ein Wachsen der Ungleichheit in den Vermögensverhältnissen, den auch der fünfte Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung erneut konstatieren wird. Was macht das mit den Menschen in Deutschland? Wie wirkt es sich aus, wenn die Aussicht immer gewisser wird, dass das Leben in schlechten Wohnungen, mit prekären Jobs und ohne Aufstiegschancen selbst für die eigenen Kinder dauerhaft so laufen wird. Zum Start in das Wahljahr 2017 erkundet die "ZDF.reportage" in vier Folgen das "arme reiche Deutschland". Die Reihe widmet sich der sozialen Ungleichheit und der Frage nach sozialer Gerechtigkeit. Sie beschäftigt sich mit dem Armutsrisiko für Kinder, mit der Altersarmut und den zunehmenden Schwierigkeiten der Mittelschicht.

    Kein Geld für Kinder

    Fast jedes fünfte Kind in Deutschland gilt als arm oder armutsgefährdet. Mit am stärksten betroffen sind Kinder Alleinerziehender. Doch wie sieht das Leben und der Alltag dieser Kinder aus?

    Andrea L. wohnt mit ihren sechs Kindern in einem Reihenhaus. Die 44-Jährige würde gern als Hauswirtschafterin arbeiten gehen, aber der dafür erforderliche Kurs an der Volkshochschule kam nicht zustande. Sie leben von Hartz IV, Kindergeld und Unterhaltsvorschuss.

    Im Urlaub war Andrea zuletzt vor drei Jahren. Sie versucht alles, um die Wünsche der Kinder zu erfüllen. Während der Dreharbeiten kommt die neunjährige Matilda mit einem Elternbrief nach Hause. Für das Weihnachtsfrühstück in der Schule soll jedes Kind zehn Euro mitbringen. Aber kurz nach Monatsmitte sind in der Haushaltskasse nur noch etwas mehr als 100 Euro, zu wenig für ungeplante Ausgaben. Andrea muss absagen.

    Zwei Alleinerziehende, eine Familie mit Drillingen und eine Familie mit Migrationshintergrund gewähren Einblicke in ihren Alltag. Wie geraten Familien in diese Notlage? Haben sie sich damit abgefunden oder versuchen sie, ihr zu entkommen? Wie erleben betroffene Kinder ihre Armut? Wie prägt sie das tägliche Leben der Familien? Wie reagiert ihre Umgebung darauf?

    Rentner in Not

    Umsonst geschuftet? Viele Rentner in Deutschland stellen sich diese Frage. Da trotz eines langen Arbeitslebens nur wenig für sie übrig bleibt, kämpfen sie gegen die Altersarmut.

    Mindestens jeder siebte Rentner gilt als armutsgefährdet, rund eine halbe Million erhält schon heute Grundsicherung. Wer nicht von seiner Rente leben kann, sucht einen Nebenjob. Doch die Arbeitsplätze für Ältere sind rar gesät, viele Jobs gehen auf die Knochen. Die "ZDF.reportage" trifft Menschen, die im Alter noch schuften müssen.

    Ob in Berlin, München oder im Ruhrgebiet, Altersarmut trifft fast immer die gleichen: Verkäuferinnen, Putzkräfte, Handwerker, Selbstständige. Die Arbeitsverträge sind kurz, der Verdienst ist gering – für die Rente kommt dadurch nur wenig zusammen.

    Frauen sind besonders häufig von Altersarmut betroffen. So wie Marion Z. aus Berlin. Nach Abzug aller Kosten lebt die 69-Jährige von 4,50 Euro am Tag. Ihr einziger Luxus: eine Monatskarte für den Bus und eine Tageszeitung. Verzweifelt sucht sie einen Minijob. Um ihre Chancen zu erhöhen, verschweigt sie ihre Schwerbehinderung.

    Dieter N. aus Dortmund hat lange Jahre als Schmelzer in der Schwerindustrie gearbeitet, doch auch seine Rente reicht nicht aus. Lebensmittel erhält er von der Tafel, Klamotten von der Kleiderkammer. Mit seinen 75 Jahren nutzt er jede Gelegenheit, um mit handwerklichen Arbeiten zusätzliches Geld zu verdienen.

    Ohne die Rente ihres Mannes wäre Renate R. im teuren München auf Grundsicherung angewiesen. Zusammen packen die beiden 75-Jährigen zweimal in der Woche Werbeprospekte in Zeitungen. Ein Job, der in die Beine und den Rücken geht, aber notwendig ist, um wenigstens ein bisschen Geld zur Seite legen zu können.

    Wohlstand in Gefahr?

    Die "Mitte" der Gesellschaft fürchtet den sozialen Abstieg. Trotz anhaltend hohem Wirtschaftswachstum nähern sich immer mehr Menschen mit ihrem Einkommen der Armutsgrenze. Wie die sechsköpfige Familie E. aus Niedersachsen. Sie hat sich über die Jahre einen bescheidenen Wohlstand aufgebaut. Doch die Fixkosten nahmen mit jedem Kind zu. Jetzt bleibt am Ende des Monats häufig nicht genug übrig, um Lebensmittel einzukaufen.

    Nur mit engen Freunden sprechen sie über ihre Sorge, die Rechnungen irgendwann nicht mehr bezahlen zu können. "Es ist ein gesellschaftliches Tabu. Man möchte einfach nicht als arm dastehen", sagt Mutter Elona. Ein weiteres Beispiel: Denise D., 38 Jahre, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Dresden. Die promovierte Psychologin und Neurowissenschaftlerin arbeitet an der Uni. Alle paar Monate bekommt sie einen neuen Vertrag, manchmal ist sie zwischen Projekten arbeitslos. Auch bei Familie D. wird der Alltag von Abstiegsängsten bestimmt: Die Wissenschaftlerin weiß nie, ob sie einen neuen Vertrag erhält, die Familie kann ihre Zukunft nicht fest an einem Ort planen. Die Einkünfte sind unregelmäßig, die Ausgaben steigen. Es ist fast unmöglich, Vermögen aufzubauen oder Rücklagen fürs Alter zu bilden, sagt Familie D.

    Wenn ein Job nicht reicht

    Morgens um halb vier trägt Andrea M. Zeitungen aus, bei Wind und Wetter. Bis sechs Uhr ist sie unterwegs. Länger darf sie nicht brauchen, um acht Uhr beginnt ihr Hauptjob – in einer Arztpraxis. Der Zustelldienst bringt Andrea 400 Euro im Monat. Geld, das sie dringend braucht, um in München über die Runden zu kommen. Denn für immer mehr Menschen reicht ein Gehalt zum Leben nicht aus. Etwa fünf Prozent aller Erwerbstätigen haben einen angemeldeten Zweitjob.

    Das sind rund zwei Millionen Multijobber, 13 Prozent mehr, als noch 2011. Viele von ihnen arbeiten im Hauptberuf vor allem in schlechter bezahlten Tätigkeiten von Handel und Service.

    Auch Janine Z. aus Duisburg sucht händeringend einen zweiten Job. Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Vater ihres dreijährigen Sohnes Alesandro zu Ende; seitdem ist sie alleinerziehend. Janine arbeitet in Teilzeit als Einzelhandelskauffrau bei Aldi-Süd in Oberhausen. Eine Vollzeitstelle bekommt sie derzeit nicht. Und von der halben Stelle kann sie nicht leben. Sie würde fast alles machen: putzen, als Kurier fahren – egal. Doch die Arbeitssuche gestaltet sich als schwierig, da sie bei Aldi häufig Überstunden leisten muss.

    Als Alleinerziehende ist sie zudem nur begrenzt flexibel, was die Arbeitszeiten betrifft. Der Vater des Sohnes unterstützt sie, wo er kann, doch auch er arbeitet im Schichtdienst. Wenn Janine Spätschicht hat, dann holen entweder der Vater oder Oma und Opa den Kleinen ab. Ein zusätzliches Einkommen ist bitter nötig, aber ihren Jungen wird sie dann noch weniger sehen können.

    Andrea M. lebt bescheiden, für ihre Wohnung muss sie nur 540 Euro Miete zahlen, dank eines alten Mietvertrages. Aber mit dem Verdienst ihrer Halbtagsstelle in der Arztpraxis reicht es selbst für ein bescheidenes Leben in München nicht. Vor kurzem hat sie eine Aushilfsstelle in einem Obstladen gefunden. Mit diesem Verdienst kann sie es sich leisten, im Winter keine Zeitungen zuzustellen. Rund 1400 Euro hat sie jetzt zur Verfügung. Das ist in München nicht viel, aber Andrea kommt klar damit, sie hat keine großen Ansprüche. 

    Infos zur "ZDF.reportage"

    Die "ZDF.reportage" berichtet immer sonntags, 18.00 Uhr, aus der Alltagswirklichkeit der Zuschauer. Sie greift Themen auf, die aktuell und brisant sind und setzt sie spannend und emotional um. Dabei erzählt die "ZDF.reportage" immer aus der Perspektive der Betroffenen, von Menschen, ihren Lebenswegen und Schicksalen, ihren Konflikten, ihren Hoffnungen und Träumen. Die meisten Reportagen spielen in Deutschland, bei Auslandsthemen ist stets ein deutscher Bezug vorhanden. 

    Die Redaktion der "ZDF.reportage" wird geleitet von Heike Schnaar.

    Fotohinweis

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/zdfreportage  

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