Zum Sterben zu früh

Der Fernsehfilm der Woche

Eine nächtliche Verfolgungsjagd. Die Dealer kommen ins Schwitzen, denn die Kommissare Diller (Nicholas Ofczarek) und Kessel (Fritz Karl) haben sie im Visier. Ein Routineeinsatz für das eingespielte Duo, für die langjährigen Freunde, die einander schon immer halfen. Derzeit hat Kessel Dillers Unterstützung bitter nötig: Seine Tochter ist krank, die Behandlung kostspielig und seine Ehe droht zu zerbrechen. Kessel weiß, er kann auf Diller vertrauen, und er liebt seine Frau. Plötzlich ergibt sich die Chance, dem Schicksal nachzuhelfen.

  • ZDF, Montag, 9. November 2015, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch und RegieLars Becker nach Motiven des Romans "Unter Feinden" von Georg M. Oswald
KameraNgo The Chau
Kostüme Fana Becker
MaskeAdella Selzer und Anja Hoppe
TonBenjamin Schubert
SzenenbildSabine Pawlik
SchnittSanjeev Hathiramani
CastingSandra Köppe
Produktionsleitung Frank W. Mähr und Frank Nitz
HerstellungsleitungAndreas Breyer
ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Köln
ProduzentenWolfgang Cimera, Bettina Wente
RedaktionDaniel Blum
Länge ca. 90 Minuten

Besetzung

Mario DillerNicholas Ofczarek
Erich Kessel Fritz Karl
Claire KesselJessica Schwarz
Jamel MedjoubEdin Hasanovic
Paul EpsteinMartin Brambach
René NovakJuergen Maurer
Emma DillerAnna Loos
MohammedSahin Eryilmaz
Karim MedjoubOmar El-Saeidi
Dalida MedjoubNarges Rashidi
Mandy Bochorn Marleen Lohse
Martin StallbaumCornelius Obonya
Ringo FreeseMark Keller
Kevin DrosteAurel Manthei
Max KesselJann Piet Puddu
und andere

Inhalt

Lars Becker erzählt in seinem neuen Film die Vorgeschichte zu dem erfolgreichen Polizeifilm "Unter Feinden", inspiriert durch den Roman von Georg M. Oswald.

Eine nächtliche Verfolgungsjagd. Die Dealer in ihrem teuren Wagen kommen ins Schwitzen, denn die Kommissare Diller und Kessel haben sie im Visier. Ein Routineeinsatz für das eingespielte Duo, für die langjährigen Freunde, die einander schon immer den Rücken freihalten. Und zurzeit hat Kessel Dillers Unterstützung bitter nötig: Seine Tochter leidet an schwerer Epilepsie, die Behandlung ist kostspielig und seine Ehe droht daran zu zerbrechen. Aber Kessel weiß, er kann auf Diller vertrauen und er liebt seine Frau. Deshalb ist er sich sicher: Alles wird gut. Und plötzlich ergibt sich tatsächlich eine Gelegenheit, dem Schicksal nachzuhelfen. Mit einer Tasche voller Drogen, die Kessel im Auto der geflüchteten Dealer entdeckt. Er zögert nur kurz und lässt sie dann mitgehen. Doch statt seine Probleme zu lösen, stürzt ihn diese Tasche in neue, weitaus größere Konflikte – und reißt seinen Partner Diller und seine Familie mit.

"Vier Figuren auf der hoffnungslosen Suche nach Glück"

Interview mit Lars Becker (Autor und Regisseur)

Der Film startet furios mit einer unglaublich rasanten Verfolgungsjagd, an deren Ende u.a. ein Porsche Cayenne einen Totalschaden hat. Eine Szene, die man in dieser Optik und Machart eher in einem Kinofilm erwartet. War es schwer, diese Szene zu drehen?

Die Form folgt der Story. Ich wollte einen glasharten, schnellen Anfang für den Film. Alleine die Stuntaufnahmen brauchten einen kompletten Drehtag, insofern für einen Fernsehfilm ziemlich aufwendig. Aber es ist immer besser, eine dramaturgisch wichtige Actionszene mit aller Power und hohem Aufwand zu drehen, als viele mit angezogener Handbremse.

"Zum Sterben zu früh" ist das Prequel zu dem Film "Unter Feinden". Wie kam es zu diesem Film? Warum wollten Sie die Vorgeschichte zu "Unter Feinden" erzählen?

Das erzählerische Potenzial von "Unter Feinden" (Roman und Film) war zu stark, um es bei einem Film zu belassen. Zwei Männer, zwei Frauen, ein Haufen Geld. Eine selten günstige Ausgangslage und Konstellation von vier Figuren auf der hoffnungslosen Suche nach Glück.

Eigentlich weiß man ja schon, wie die Geschichte ausgeht, dennoch ist "Zum Sterben zu früh" unglaublich spannend. Wie haben Sie das geschafft, Herr Becker?

Spannung und Dramatik finden ihre Zuschauer im Thriller/Polizeifilm schon lange nicht mehr nur in klassischen Whodunnit-Dreiaktern, also austauschbaren Mordfällen. Die Stories haben sich verändert, die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Kessel baut Scheiße, Diller räumt den Dreck weg. Bis zuletzt fragt man sich: Geht das gut?

"Zum Sterben zu früh" ist ein Polizeifilm. Er erzählt uns aber auch viel über das Thema Freundschaft und Familie. Was war Ihnen dabei wichtig?

Unsere moralischen und ethischen Prinzipien verändern sich. Niemand besitzt eine ewig gültige, felsenfeste Moral oder Wertenorm. Natürlich teilen wir alle generelle gesellschaftliche, humane Wertevorstellungen. In einer tiefen Lebenskrise aber, abhängig von Freundschaft und Liebe, werden wir zu Opfern und Tätern und übertreten die rote Linie. Das "Heiligt-der-Zweck-alle-Mittel"-Dilemma.

Wieder einmal haben Sie es geschafft, ein einerseits sehr hochkarätiges Ensemble zusammenzubringen, andererseits ist es Ihnen gelungen, alle Rollen sehr glaubwürdig zu besetzen. Wann haben Sie sich für diese Besetzung entschieden?

Der Cast stand schon früh in der Drehbuchentwicklung fest, da es ein Prequel zu "Unter Feinden" war.

Können Sie uns bitte etwas zu dem speziellen Look des Films erzählen? Wie sah Ihr visuelles Konzept bzw. das Gesamtkonzept aus?

Sidney Lumet sagt, kein Wort außer Liebe ist so überstrapaziert wie Stil. Zuerst kommt die Story, dann die Form, der Stil, der Look, das visuelle Gesamtkonzept. Wir wollten einen klassischen Film-Noir-Look, wenig Farbe, nicht bunt, aber auch nicht monochrom, keine Ablenkung, keine optischen Reize oder Finessen. 

Man würde diesen Stoff in dieser Umsetzung eher im Kino als im Fernsehen vermuten. Haben sich die Möglichkeiten für die Umsetzung solcher Stoffe im Fernsehen verändert?

Die Übergänge zwischen qualitativ hochwertigem, innovativem Fernsehen und Kino sind fließend, nicht zuletzt auch durch die neuen amerikanischen Serien, die ein neues Publikum erschlossen haben. Das Interesse an interessanten, unkonventionellen, riskanter erzählten Stories im Fernsehen ist deutlich gestiegen – allerdings im selben Verhältnis, wie das Erzählkino, also die Diversifikation von deutschen Kinostoffen in verschiedene Genres/Subgenres (Thriller, Drama, Komödie), leider kaum eine adäquate Finanzierung findet. Der kommerzielle Glaube fehlt. Die lässige Wettbewerbssituation und Tradition des französischen Erzählkinos (von Polizeifilm über Romanverfilmung zum Blockbuster) fehlt leider ebenfalls. Die Lücke zwischen vielen selbstreferentiellen auf der einen, oder hochgradig kommerziellen deutschen Kinofilmen auf der anderen Seite schließt glücklicherweise häufig der anspruchsvolle TV Movie.

Das Interview führte Ellen Wirth

Ihm entgleitet das Leben

Interview mit Fritz Karl (Erich Kessel)

Bitte charakterisieren Sie Ihre Figur Erich Kessel? Was ist für Kessel wichtig im Leben? Ist er Polizist aus Überzeugung?

Ursprünglich war er Polizist aus Überzeugung. Wichtig für ihn im Leben ist eigentlich, so glaubt er zumindest, seine Familie und seine Ehe. Wir treffen Kessel allerdings in einem Zustand an, in dem er sozusagen ums Überleben kämpft. Die Probleme zu Hause, die finanzielle Belastung. Er versucht eigentlich alles, um seine Familie zu retten. Aber wie heißt es so schön: Es gibt nichts Fürchterlicheres als Menschen, die Gutes tun wollen.

Gleich zu Anfang der Geschichte trifft Kessel eine folgenschwere Entscheidung, die sein ganzes weiteres Leben beeinflussen wird. Wie kommt es dazu? Welche Umstände führen zu seiner Entscheidung?

Man kann ihn und seine Beweggründe alle gut verstehen. Er hat ein schwer krankes Kind zu Hause, welches eine kostspielige Operation braucht, und die Familie ist obendrein verschuldet. Das führt zu seiner falschen Entscheidung und dazu, dass er das vermeintlich schnelle Geld mitnimmt.

Sind Kessel die weitreichenden Konsequenzen seiner Handlung klar?

Absolut nicht. Er handelt völlig kopflos. Das zeigt sich, auch in der Szene in der er versucht, den Stoff zu verkaufen, und eigentlich überhaupt keine Ahnung hat, mit wem er sich da anlegt oder wohin das führt. Er sieht den Stoff und sieht darin die Lösung seiner Probleme. Er hat überhaupt keinen Plan. Aber das ist Kessel. Er ist ein impulsiver, triebgesteuerter und kein reflektierender Mensch.

"Zum Sterben zu früh" erzählt auch die Geschichte einer Freundschaft. Was verbindet Kessel und Diller und macht ihre Freundschaft aus?

Der Kern dieser Freundschaft liegt zum größten Teil in der Vergangenheit. Die Beiden sind während ihrer Polizeikarriere mehr oder weniger durch dick und dünn gegangen. Das sind wirklich, wirklich alte Freunde. Sie leben sogar vis-à-vis in der selben Reihenhaussiedlung. Die Ehepaare sind befreundet. Man hat jahrelang zusammen Dienst gemacht, ist im Drogendezernat, wo eigentlich der eine auf den anderen aufpassen und man sich aufeinander verlassen muss. Die Geschichte beginnt, ähnlich wie bei dem Vorgängerfilm "Unter Feinden", damit, dass erste Keile in diese Freundschaft getrieben werden: durch Drogensucht und durch die Verwandlung von Kessel. Irgendwann entgleitet ihm das Leben. Sein Freund Diller hat da immer noch Verständnis für ihn und versucht, ihn zu schützen. Diller sieht immer noch den guten Kern und den guten Menschen in Kessel. Den Teil, der sich bemüht. Aber das kennt man ja auch, dass einem plötzlich Freunde irgendwie abhandenkommen. Das ist hier auch der Fall, obwohl die Freundschaft noch immer hält. Diller ist ein unglaublich treuer Mensch. So könnte man sich umgekehrt auf Kessel nicht verlassen. Kessel ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon kein guter Freund mehr. Das spiegelt sich in der Szene wider, in der Diller sagt, dass er da nicht mitmacht. Kessel hält ihn fest und sagt: "Das wird aber niemand glauben, dass Du da nicht dabei bist". Das ist eine harte Nummer.

Es gibt den Spruch: Wahre Freundschaft gibt es nur unter Männern. Braucht ein Mann einen Freund fürs Leben?

Ich habe zwei Freunde. Einen habe ich 1976 kennengelernt und den anderen mit 20 Jahren. Das sind meine besten Freunde. Auch wenn man sich ein halbes oder ein dreiviertel Jahr nicht sieht, sondern nur sporadisch telefoniert, man ist sich dennoch seiner eingedenk, wie das so schön heißt.

Der Film zeichnet ein sehr gemischtes Bild der Polizei. Denken Sie, dass da teils etwas Wahres dran ist?

Es ist naiv zu glauben, dass es nicht so ist. Wie in jeder Berufsgruppe gibt es auch hier Verfehlungen, Verführungen und schwarze Schafe. Das heißt nicht, dass man das Pauschalisieren muss, aber trotzdem bin ich mir 100 Prozent sicher, dass das vorkommt. Ich weiß das.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Lars Becker?

Es ist ja nicht meine erste Zusammenarbeit mit Lars Becker und es ist immer wieder spannend. Lars Becker ist jemand, der die Münze mehr als umdreht, um zu schauen, was da eingraviert ist oder eingraviert sein könnte. Da ist diese Neugierde und Wachheit. Man wird immer wieder von ihm überrascht, das ist schon sehr einzigartig. Es ist gut zu wissen, dass man einen Regisseur als Partner an seiner Seite hat, auf den man sich verlassen kann. Man weiß, man geht in die Vollen. Dabei kann man auch mal total scheitern. Aber es wird auf gar keinen Fall mittelmäßig.

Das Interview führte Ellen Wirth

Freundschaft

Interview mit Nicholas Ofczarek (Mario Diller)

"Zum Sterben zu früh" erzählt auch die Geschichte einer Freundschaft. Was verbindet Kessel und Diller und macht ihre Freundschaft aus?

Während des Zeitfensters, in dem der Film spielt, würde ich eher von Verstrickung sprechen als von Freundschaft.

Was bedeutet Freundschaft für Sie?

Eine Seele in zwei Körpern... Im Guten wie im Schlechten.

Der Film zeichnet ein sehr gemischtes Bild der Polizei. Denken Sie, dass da teils etwas Wahres dran ist?

Ein Film zeigt immer nur einen kleinen Ausschnitt einer viel größeren und schrecklicheren Realität.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Lars Becker?

Er fördert und fordert eine klare Einfachheit der Darstellung seiner Charaktere und gegenseitiges Vertrauen.

Das Interview führte Ellen Wirth

Charakterstark

Interview mit Jessica Schwarz (Claire Kessel)

Was gab für Sie den Ausschlag die Rolle der Claire anzunehmen?

Als erstes habe ich mich über den Anruf von Lars Becker sehr gefreut. Wir haben 2002 bei dem Film "Einsatz in Hamburg" schon einmal zusammengearbeitet. Lars Becker wollte das immer wieder gerne wiederholen. Aber leider passte es bei mir wegen anderer Projekte nie. Und dieses Mal hat er so früh angerufen, da hat es endlich geklappt. Dann fand ich die Besetzung natürlich sehr interessant. Mit Nicholas Ofczarek und mit Fritz Karl habe ich schon mehrmals gedreht. Daher wusste ich, das wird gut. Und natürlich fand ich die Rolle der Claire und das Thema des Films höchst interessant. Wenn man sich mit dem Thema häusliche Gewalt beschäftigt, denkt man oft zuerst an ein sozial schwächeres Niveau und nicht an die Mittelschicht und an die höhere Einkommensschicht. Aber wie es sich gerade in den letzten Jahren in Studien erwiesen hat, ist häusliche Gewalt gerade in diesen Gesellschaftsschichten auch stark vertreten. Häusliche Gewalt ist selten ein einzelnes Vergehen, sondern ein großes Konfliktthema, von dem auch Freunde und Nachbarn betroffen sind. Das fand ich sehr interessant.

Bitte charakterisieren Sie Ihre Figur Claire. Was ist für sie wichtig? Wie ist ihre Ehe mit Kessel?

Claire ist sehr charakterstark. Sie weiß genau, was sie will. Für sie war klar, sie möchte ein Haus, sie möchte eine Familie, und dass es ihrer Familie gut geht. Sie sagt: "Wir heiraten und stehen zueinander in guten wie in schlechten Zeiten". Und dann merkt sie, das sind jetzt die schlechten Zeiten und sie kämpft dafür, dass es wieder besser wird. Aber eigentlich läuft das alles zu Ungunsten von ihr und ihren Kindern. 

Als Kessel Claire gegenüber gewalttätig wird, warum verlässt sie ihn nicht? Selbst als das Jugendamt vor ihrer Tür steht, nimmt sie ihn noch in Schutz. Warum? Glaubt sie, dass er sich ändert?

Da kommen verschiedene Dinge zusammen. Oft ist es eine gewisse Form der Abhängigkeit. Oft ist aber auch die Hoffnung: "Er wird sich noch ändern. Wir bekommen das schon noch hin. Wir haben bis jetzt noch alles hinbekommen". Und sehr oft fühlen Frauen sich ja auch noch schuldig. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, Claire kämpft ja auch mit Fäusten, Fauchen und Kratzen. Und sie provoziert Kessel in ihrer eigenen Weise. Es gibt ja auch Studien, nach denen Frauen gegen Männer häusliche Gewalt ausüben. Von daher weiß ich gar nicht, wie sehr Claire da wirklich ganz unschuldig ist. Es gibt auch eine Szene, in der sie sich streiten und Claire auf Kessel einschlägt, insofern beruht das Ganze auch auf einer gewissen Gegenseitigkeit. Dennoch, letztlich sitzt Claire mit der blutenden Nase und der aufgeplatzten Lippe da. Spätestens an diesem Punkt muss man aufwachen. Was ihr aber sehr schwer fällt.

Auch wegen des kranken Kindes?

Natürlich. Sie weiß, wie sie in die Situation reingerutscht ist. Und sie weiß auch, was es bedeutet, wenn man einen Polizisten heiratet. Ein Polizist kennt die Gefahren im Alltag. Doch es bedarf ebenso viel Stärke, die Ehefrau eines Polizisten zu sein. Man könnte ihn immer verlieren. Auch dessen ist sich Claire bewusst. Und dann gibt es bei Claire, aber auch genauso bei Kessel, diese große Hilflosigkeit. In dieser Situation spielt die kleine, kranke Tochter natürlich eine große Rolle. Das möchte man nicht alleine schaffen müssen. Was sollte Claire ohne ihren Mann machen? Das ist eine Form der Abhängigkeit. 

Wie schätzen Sie die Hilfsangebote für Frauen in Deutschland ein, denen Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft widerfährt?

Grundsätzlich kann man da nie genug tun. Vereine wie der Weiße Ring oder das Rote Kreuz, die Unterstützung anbieten, sind aber wegen ihres Status' der Gemeinnützigkeit in ihren Werbeaktivitäten beschränkt. Wenn man ins Internet schaut, gibt es schon ein breites Hilfsangebot. Es gibt inzwischen auch viele wirklich gute Kampagnen, auch mit Unterstützung des Staates. Ein Slogan ist zum Beispiel "Wer schlägt, geht". Das heißt, derjenige, der schlägt, wird bestraft und muss aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, und nicht das Opfer. So können die Frauen dann in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, was sehr wichtig ist. Trotzdem, es müsste viel mehr aufgeklärt und auf die zahlreichen Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Und ich denke, jeder sollte auch eingreifen, wenn er so etwas zum Beispiel in der Nachbarschaft mitbekommt. Auch als Freunde und als Familie sollte man eingreifen. Ein jeder sollte versuchen, zu helfen und Verantwortung übernehmen. Und sei es, dass man denjenigen überredet, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Der Film zeichnet ein sehr gemischtes Bild der Polizei. Denken Sie, dass da teils etwas Wahres dran ist?

Egal in welchem Beruf, es liegt in der Natur des Menschen, dass er aus weniger gerne mehr machen möchte. Polizisten, aber auch Lehrer, Kindergärtner, Krankenschwestern und Pfleger, sind in Anbetracht dessen, was sie tagtäglich leisten und manchmal auch riskieren, oft nicht so bezahlt, wie sie bezahlt werden müssten. Polizisten sind jeden Tag nah dran an dem Verbrechen - am Illegalen. So wie der Arzt am Apothekenschrank. Diesen Verführungen ist jeder in der einen oder anderen Weise in seinem Beruf ausgesetzt. Dabei stürzen sich ganz aktuell jeden Tag und jede Nacht Polizisten in den Dienst und in ihre Aufgabe, um uns - und auch Flüchtlinge - zu verteidigen und zu helfen. Dies tun sie auch aus einem ideologischen Hintergrund, denke ich, und leisten dabei unendlich viel Gutes. Aber klar, schwarze Schafe gibt es überall, in jeder Berufssparte. Ich glaube schon, dass da alles möglich ist und es sind ja auch schon viele Delikte aufgeflogen. Wobei es hier in Deutschland im Vergleich zu einigen anderen Ländern sicher sehr vorbildlich zugeht und Korruption doch meist aufgeklärt und entsprechend geahndet wird.

Wie war die Zusammenarbeit mit Lars Becker?

Ich schätze das hohe Maß an Kreativität und des Austausches. Lars ist sehr leidenschaftlich, und immer direkt an der Szene und am Schauspieler. Es wird geschaut und diskutiert, wie kann man die Szene optimieren. Das ist für uns Schauspieler toll. Für das Team allerdings manchmal etwas zum Leidwesen. Er ist sehr offen und lässt Vieles geschehen. Dabei möchte er viel von seinen Schauspielern und fordert uns. Das ist wirklich toll. Ein tolles Miteinander.

"Schwierig, wenn Liebe im Spiel ist"

Interview mit Anna Loos (Emma Diller)

Was gab für Sie den Ausschlag die Rolle der Emma anzunehmen?

Ich bin ein bekennender Lars Becker-Fan. Außerdem hat mir die Geschichte - sprich das Buch - sehr gefallen und die Besetzung war ebenfalls nach meinem Geschmack. Die Produktionsfirma Network Movie und mich verbindet eine langjährige gute Beziehung, der Sender hat auch gestimmt – da war das Paket sehr verlockend.

Bitte charakterisieren Sie Ihre Figur Emma. Wie lebt sie und wie ist ihre Ehe mit Diller?

Das ist ja immer so eine Sache mit der Objektive und der Subjektive. Für mich ist Emma in Diller verliebt und kennt ihn auch von einer Seite, die dem Zuschauer nicht so bekannt ist. Ich halte die Beziehung für innig. Emma ist sich der Probleme die der Beruf von Diller mitbringt, bewusst und würde ihn immer stützen und verteidigen. Ich denke, sie ginge für Diller bis zum Äußersten.

Emma möchte ihrer Freundin und Nachbarin Claire helfen, als sie mitbekommt, dass sie von Kessel geschlagen wird. Wie geht sie das an?

Natürlich möchte Emma ihrer Freundin helfen. Sie ist eine moderne und in gewisser Weise emanzipierte Frau. In unserer Welt darf keine Frau und kein Kind geschlagen werden. Gewalt ist tabu. Wenn jemand wie Kessel beschließt, sein Leben so zu leben, wie er es eben tut, dann muss man entscheiden, ob man mit untergehen oder sich da rausziehen will. Schwierig, wenn Liebe im Spiel ist, aber es gibt eben keinen anderen Weg. Kessel ist ein hoffnungsloser Fall. 

Wie schätzen Sie die Hilfsangebote für Frauen in Deutschland ein, denen Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft widerfährt?

Das kann ich nur aus recherchierten Erfahrungen sagen, nicht aus eigenen. Ich denke schon, dass Frauen bei uns in Deutschland Hilfe finden, wenn ihnen so etwas widerfährt, aber viel wichtiger als ein Amt und ein Büro, das sich um diese Frauen kümmert, ist das Umfeld, der Nachbar, die Familie, die Freunde. Wir alle sind für unsere Gesellschaft verantwortlich und müssen uns einbringen.

Der Film zeichnet ein sehr gemischtes Bild der Polizei. Denken Sie, dass da teils etwas Wahres dran ist?

Ich spiele selbst mit "Helen Dorn" eine Kommissarin und habe mich sehr intensiv mit der Arbeit der Polizei und ihrem Alltag auseinandergesetzt. Dieser Beruf ist von einer ganz besonderen Härte. Man bewegt sich zwischen den Welten. Der einen Welt, in der man das Leben und die Moral schützt und der anderen Welt, in der beides nicht viel wert ist. In Berufen, wie der eines Lehrers oder eines Polizisten, ist es extrem wichtig, psychisch gesund und vor allem belastbar zu sein und ein starkes Werte- und Moralsystem zu besitzen. Ich habe sehr viele Mitarbeiter der Polizei, auf verschiedenen Ebenen, kennengelernt und kann nur sagen, ich stehe diesem Beruf mit großem Respekt gegenüber. Korrupte und psychisch labile Menschen wird es immer geben, auch im Kreis der Polizei. Diese Menschen müssen aufgedeckt und bestraft werden. Denn auch für die, die das Recht in unserem Land vertreten, wie Richter, Staatsanwälte und Polizisten, hat dieses Recht zu gelten.

Das Interview führte Ellen Wirth

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