37°: Dance till you break – The Saxonz

Dreiteilige Dokumentation für die ZDFmediathek

Rossi, Lehmi, Kelox, Joanna, Dennis und Anton gehören zu den "Saxonz". Für sie dreht sich alles um die Battles und die Crew das Breaken ist so existentiell für sie wie ihre Freundschaft. Die dreiteilige "37°"-Reportage über die Breakdancegruppe aus Dresden, Leipzig, Chemnitz wurde für die ZDFmediathek entwickelt und ist ab 20. Juni 2021 online abrufbar. Autorin Maike Conway begleitete die Saxonz, dreifache Gewinner beim "Battle of the Year Germany", über ein Jahr lang. In den drei Filmen geht es ums Tanzen, um Freundschaft und Liebe. Es geht aber auch um Trauer und um Schmerzen den Preis des Leistungssports.

  • ZDF Mediathek, ab Sonntag, 20. Juni 2021, 8.00 Uhr

    Texte

    Folge 1: Freundschaft

    Film von Maike Conway
    Redaktion: Brigitte Klos, Uschi Hansen
    Länge: zirka 28'

    Für Lehmi (33) sind das Tanzen und die Beziehungen, die er dadurch aufgebaut hat, das Wichtigste im Leben. Nach seinem Realschulabschluss hatte er keinen Plan, was er außer Tanzen noch machen will. Jetzt ist Tanzen seine Welt. Er kann unglaubliche Breakdancemoves.

    Wie kann man nur so beweglich sein? Auch bei der 21-jährigen Joannaeinziges Breakdancegirl in der Crewkönnte man beim Breaken denken, sie sei ein Schlangenmensch. Seit vier Jahren gehört sie zu den Saxonz. Am Anfang hatte sie oft mit blauen Flecken zu kämpfen, aber das war kein Grund aufzuhören. Rossi (Felix) und Joanna kennen sich seit fünf Jahren und sind ein Paar. Rossi (32) fällt es oft schwer, Arbeit, Tanzen und die Betreuung seiner kleinen Tochter Feenja gut zu organisiert zu bekommen. Da ist er froh, dass Joanna ihm zur Seite steht. Auch wenn Joanna nicht die leibliche Mutter ist, haben sie und Feenja ein sehr enges, liebevolles Verhältnis.

    Joanna wohnt in einer WG mit Lehmi, will aber mit Rossi und Feenja zusammenziehen. Ohnehin ist sie ständig bei den beiden. Nach monatelanger Suche finden die drei endlich ein neues Zuhause. Neben der Wohnungssuche konzentriert Joanna sich auf ihr Studium. Sie möchte sich gerne auf klinische Psychologie spezialisieren. Dafür braucht sie beste Noten. Für ihr Studium gibt sie alles, weil ihre berufliche Zukunft ihr wichtig ist und weil sie ihre Eltern stolz machen möchte.

    Anton (22) ist der Stille in der Gruppe. Für ihn ist Battlen eine Möglichkeit sich auszudrücken, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Auf der Tanzfläche erzählt er mit seinem Körper Geschichten, schafft Situationen, die er mit Worten nicht so ausdrücken könnte. Wenn er tanzt, scheint er sich in einen anderen zu verwandeln. Über die Jahre hat er gelernt, dass er nicht extrovertiert und kein Showman sein muss, um ein guter Tänzer zu sein, und er  arbeitet ständig daran, seinen eigenen Stil auszubauen.

    Dennis (25) hat eine kaufmännische Ausbildung für Marketing und Kommunikation abgeschlossen, lebt aber seit vier Jahren vom Tanzen. Er ist ein Netzwerker und arbeitet bei unterschiedlichen Projekten mit. Besonders gut erinnert er sich an das "Battle of the Year 2014". Er wollte unbedingt mit dabei sein, doch die Crew entschied, dass er an diesem Wettkampf nicht teilnehmen wird. Er war damals gerade in der Ausbildung, war jung Vater geworden und mit dieser Lebenssituation überfordert. Auch wenn ihm das nicht mittanzen dürfen damals schwer zugesetzt hat, war es die richtige Entscheidung, so sieht er es heute. Das Erlebte hat ihn menschlich weitergebracht.

    Für seine Masterarbeit an der Palucca in Dresden hat sich Kelox (31) entschieden, ein Stück zu choreografieren, in dem er auch als Tänzer auftritt. Er war der erste Breakdancer, den die Tanzhochschule aufgenommen hat. Das war etwas ganz Besonderes und ist seinem Können geschuldet. Eine Choreografie für sich selbst zu entwerfen, ist schwierig und ein Wagnis, weil der korrigierende Blick von außen fehlt. Ob er es schafft? Immerhin muss er am Ende zwanzig Minuten performen und all das, was er ausdrücken und erzählen möchte, in Tanz übersetzen.

    Kelox' Freundin Chiara konzipiert gerade ihre Masterarbeit und lässt Lehmi in ihrem Stück auftreten. Diese Art zu tanzen ist besser für seinen geschundenen Körper als das harte Breaken. 2015 hatte Lehmi mehrere Bandscheibenvorfälle und fürchtete längere Zeit, dass er nie mehr würde tanzen können. Seither sucht er nach anderen Bewegungsformen und nach der Antwort auf die Frage: "Was bleibt mir, wenn ich nicht tanzen kann? Und wer bin ich, wenn ich kein Tänzer mehr sein kann?".

    Folge 2: Liebe

    Film von Maike Conway
    Redaktion: Brigitte Klos, Uschi Hansen
    Länge: zirka 28'

    Lehmi muss sich damit abfinden, dass körperlich vieles einfach nicht mehr geht, dass er jeden Tag mit Schmerzen aufwacht. Er hat sich über die Jahre zu viel zugemutet. Das ist ihm schon länger klar. Früher gab es kein Schonen, er hat sich nur über das Tanzen definiert. Jetzt definiert er den Tanz und findet neue Ausdruckformen, die seinen Körper nicht noch weiter schädigen. Es ist ein großer Schritt für ihn, die Dinge so betrachten zu können und das Breaken nicht auf Kosten seiner Gesundheit einfach durchzuziehen. Für ihn ist die Crew Heimat und sein persönlicher "Reichtum". Er liebt es, mit den Menschen zusammen zu sein, die ihm so viel bedeuten. Ohne sie kann er sich sein Leben nicht vorstellen.

    Rossi, Joanna und Rossis Tochter Feenja (5) haben endlich eine Wohnung gefunden, der Umzug ist mit viel Arbeit verbunden. Renovieren, Küche einbauen - alles machen sie selbst. Dabei stehen parallel Joannas Prüfungen an. Ihr ist es wichtig, ihr Psychologiestudium gut zu meistern, nur zu breaken, das ist nichts für sie.

    Kelox' Eltern kommen aus Kasachstan. Vor allem seiner Mutter ist es wichtig, dass ihr Sohn studiert und einen seriösen Beruf ergreift. Er soll es in Deutschland zu etwas bringen. Nach dem Realschulabschluss hat er den Master in Kommunikationsdesign an der Bauhaus-Uni gemacht. Sein Choreografie-Studium sieht die Mutter eher skeptisch. Das sei nichts für die Zukunft, das Tanzen mache den Körper kaputt und davon könne ihr Sohn nicht leben, glaubt sie. Kelox lässt sich nicht abbringen von seiner Liebe zum Tanzen. Bei den Proben zu seiner Masterarbeit zeigt sich aber, dass er körperlich an seine Grenzen kommt.

    Anton war sechs Jahre alt, als er mit dem Breaken angefangen hat. Schon damals war es sein Traum, beim "BC-One" mitzumachen. 2019 hat er es endlich geschafft und muss sich in eins-zu-eins-Battles beweisen. Anton tanzt bei diesem Wettbewerb nicht nur für sich, sondern auch für seine Crew. Wie behauptet er sich gegen die Konkurrenz? Schafft er es vielleicht sogar ins Finale?

    Folge 3: Hoffnung

    Film von Maike Conway
    Redaktion: Brigitte Klos, Uschi Hansen
    Länge: zirka 28'

    Die Tänzer sind stolz darauf, aus dem Osten Deutschlands, aus Sachsen, zu kommen. Sie wollen für ein positives Image sorgen und ihr Bundesland gut vertreten. Bei der "30 Jahre Sachsen"-Feier im Stadion in Aue haben sie einen Liveauftritt. Es ist eine Auszeichnung und gleichzeitig eine Anerkennung ihrer Tanzkunst, dass sie zu diesem Festakt eingeladen sind. Begleitet von Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle tanzen sie zur Musik von Dvorak die Kombination aus modernem Tanz und klassischer Musik ist besonders.

    Rossis Familie, die in einem kleinen Dorf im Osten lebt, kann seine Begeisterung für das Breaken nicht so recht verstehen. Wie will er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten? Die Eltern sind froh, dass Rossi seine Ausbildung als Physiotherapeut hat und in diesem Beruf arbeitet. Sein berufliches Wissen über den Körper hilft ihm auch als Tänzer. Die genauen Kenntnisse von Muskeln, Knochen, Bewegungsabläufen waren wohl auch seine Rettung, als er vor einigen Jahren einen Unfall hatte, der das Ende seiner Karriere hätte bedeuten können. Bei einer England-Tournee 2013 riss ein Muskel in Rossis Schulter. Er tanzte trotzdem erst einmal weiter, weil er die Crew nicht im Stich lassen wollte. Aber plötzlich ging gar nichts mehr. Die Ärzte machten ihm kaum Hoffnung, in der Schulter und im Arm je wieder beweglich zu werden. Durch gezieltes Training hat er es nach vielen Monaten geschafft und kann wieder breaken. Fast ein kleines Wunder. Seit dieser Verletzung gibt es für Rossi aber kein Training und keinen Auftritt mehr ohne starke Schmerzen.

    Kelox absolviert die letzte Probe für seine Masterarbeit. Er ist hoch konzentriert und weiß, dass er in wenigen Tagen vor Zuschauern performen muss. Die Masterarbeit wird als öffentliche Aufführung vor den Professorinnen und Professoren der Palucca, aber auch vor Freundinnen, Freunden und Familie stattfinden. Hoffentlich klappt alles so, wie er es sich erhofft! Er will als Choreograf arbeiten. Die Prüfung soll ihn auf diesem Weg weiterbringen.

    Welche Perspektiven haben die Saxonz für ihre Zukunft? Lehmi, Rossi und Kelox, die älteren Mitglieder der Crew, spüren schon jetzt deutlich ihre Grenzen. Ihre Körper werden die extreme Belastung des Breakens nicht mehr lange mitmachen. Was dann? Auch deshalb bauen die Saxonz in Chemnitz, Dresden und Leipzig Tanzschulen auf. Hier soll der Nachwuchs gezielt gefördert und damit der Fortbestand der Gruppe gesichert werden; die Tanzschulen sind aber auch ihre Chance, als Crew weiter verbunden zu bleiben. Darauf setzen sie ihre ganze Hoffnung.

    "Mit der O-Ton-Reportage ist man noch dichter dran an den Menschen"
    Von Autorin Maike Conway

    Es hat von Anfang an alles gepasst! Als ich von den Redakteurinnen Brigitte Klos und Uschi Hansen erfuhr, dass sie ein "junges" Thema für "37°" suchen, genauer ein Onlineprojekt für die Mediathek, war ich sofort begeistert. Dreimal 30 Minuten ohne Kommentar – das klang für mich als Filmemacherin wunderbar. Seit ich Filme mache, arbeite ich gerne mit jungen Menschen zusammen und versuche, Dokumentation und Reportagen aus dem Themenfeld Musik und Tanz zu verwirklichen. Ich selbst tanze seit ich denken kann und kann Breakdancern stundenlang zusehen. Gerade bei Battles überträgt sich eine besondere Energie und Lebensfreude.

    Schon seit 2016 recherchiere ich in der Breakdance-Szene. So konnte ich den beiden Redakteurinnen mögliche Protagonist*innen der Breakdance Crew The Saxonz direkt vorstellen. Für die Dreharbeiten hatten wir ein Jahr Zeit und haben uns sechs Tänzer*innen ausgesucht, die mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Alter und ihren Geschichten einen Teil der Crew abbilden. Für die ganze Bandbreite der Saxonz hätten wir alle Mitglieder porträtieren müssen, dafür war in unseren drei Filmen leider zu wenig Platz. Wir konnten das Projekt in Ruhe planen, auch wenn durch Corona dann vieles durcheinander geriet und anders lief.

    Im Schneideraum hatten mein Cutter Hauke von Stietencron und ich dann die Chance, das durch den langen Dreh extrem umfangreiche Material freier als im "37°"-Fernsehformat zu nutzen. In unserem Dreiteiler erzählen nur die Protagonist*innen über sich, in reinen O-Ton-Reportagen. Dadurch ist man dichter dran an den Menschen, um die es geht. Meiner Art zu arbeiten kommt das sehr entgegen. Beim Schnitt hatten wir viel Spaß mit dem oft lustigen, über Jahre gesammelten Footage-Material der Saxonz und der authentischen Musik.

    Breakdance ist als Ausdrucksform, als "Körper-Sprache" universell und deshalb überregional. Auch wenn unsere Protagonisten ihre Herkunft, den Namen ihres Bundeslandes Sachsen, im Namen tragen, ist das Battlen mit anderen Tänzer*innen aus dem In– und Ausland eine unverzichtbare Erfahrung, die sie über alle Grenzen hinweg miteinander verbindet. Mein Interesse war immer, das Leben von Breakdancer*innen und damit sie selbst kennenzulernen. Mit den Saxonz wollte ich schon seit fünf Jahren einen Film machen und war lange vor dem Dreh mit ihnen in Kontakt. Sie konnten es dann kaum glauben, als ich 2020 wirklich mit einem Filmteam kam und auch für mich war es unglaublich, endlich mit den Dreharbeiten zu beginnen. Unser Verhältnis war von Anfang an direkt und ehrlich. Kompliziert war manchmal nur, alles unter einen Hut zu bekommen – denn unter Zeitdruck waren wir fast immer. Es galt ja, sechs völlig unterschiedliche Tänzer*innen zu begleiten und ihren Alltag abzubilden.

    Wir waren schnell auf Augenhöhe und haben uns sehr gut verstanden. Denn wenn man sich ernsthaft für die Geschichten der Menschen interessiert, die gleiche Leidenschaft für Tanz und Musik teilt, dann ist es nicht mehr wichtig, woher man kommt oder wie alt man ist.

    Maike Conway, Autorin des "37°"-Dreiteilers

    "37°" bei Social Media

    Neben den drei 30-minütigen Reportagen in der ZDFmediathek wird es Einzelgeschichten über die Protagonisten auf den "37°"-Social-Media-Kanälen geben. Auf Instagram wird der Start der Reihe mit einer Themenwoche begleitet und auch bei Facebook wird es um Breakdance und Hip-Hop gehen. 

    Die Protagonistinnen und Protagonisten bei Social Media

    Alexander bei instagram: kelox_ts bei und Facebook: keloxonfb

    Dennis bei instagram: Denzko_thesaxonz und Facebook: dennis.weyreder.54

    The Saxonz bei instagram: thesaxonz

    Joanna beo instagram: Bgirl_joanna und bei Facebook: joanna.mintcheva

    Felix "Rossi" bei instagram: rossi_thesaxonz und Facebook: felixrossirossberg

    Anton bei instagram: antonsxnz und Facebook: AntonHofmeister

    Lehmi bei Facebook: Lehmi44

    Fotos

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 - 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/37grad

    Weitere Informationen

    37° in der ZDFmediathek: 37grad.zdf.de

    breakdance.zdf.de

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