50 Jahre "Aktenzeichen XY... ungelöst" - Rudi Cerne und Eduard Zimmermann. Coypright: ZDF/Thomas Nauheimer, Tim Thiel, Renate Schäfer.
50 Jahre "Aktenzeichen XY... ungelöst" - Rudi Cerne und Eduard Zimmermann. Coypright: ZDF/Thomas Nauheimer, Tim Thiel, Renate Schäfer.

50 Jahre "Aktenzeichen XY... ungelöst"

"Aktenzeichen XY… ungelöst" wird 50 Jahre alt: Über 500 Ausstrahlungen mit mehr als 4000 Fällen und eine Aufklärungsquote von 40%. Im Umfeld des Sendungsjubiläums hat das ZDF im Oktober und November 2017 neben einer regulären Ausgabe mit anschließender Dokumentation die Sendungen "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" und "Aktenzeichen XY… gelöst" im Programm.

Video 1: Ausschnitte aus der Dokumentation zur Sendungshistorie (für Radio-O-Töne freigegeben)

Video 2: Interview mit Rudi Cerne

Video 3: Statements von Horst Lichter, Anna Kraft, Mitri Sirin, Michael Kessler, Dirk Steffens und Johannes B. Kerner

  • ZDF, Mittwoch, 25. Oktober 2017 und Mittwoch, 15. November 2017, jeweils 20.15 Uhr

Texte

Fernsehfahndung auf sicherem Fundament
Grußwort von ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut

Ermittlung – Fahndung – Prävention. Diese drei Kernaufgaben polizeilicher Arbeit wurden 1967 auch zum Impetus eines einzig-artigen Formats, mit dem Fernseh- und Kriminalgeschichte geschrieben wurde: "Aktenzeichen XY… ungelöst".

Am 20. Oktober 1967 geht die geniale Idee von Eduard Zimmermann zum ersten Mal auf Sendung. Er war davon überzeugt, dass das Massenmedium Fernsehen mehr als alle anderen dazu geeignet ist, die Ermittlungsbehörden bei einer öffentlichen Fahndung zu unterstützen. Damit hat er Recht behalten. Bis heute hat "Aktenzeichen XY… ungelöst" eine Aufklärungsquote von gut 40 Prozent.

Ein hohes Verantwortungsbewusstsein, ein klarer moralischer Kompass und journalistische Sorgfalt waren die Leitlinien von Eduard Zimmermann und seinem Team. Von Beginn an haben juristisch bindende Regeln und Vorgaben der Fernsehfahndung eine klare Struktur gegeben, die eine missbräuchliche Anwendung ausschließt.

Diese Eckpfeiler gelten bis heute, wenn Rudi Cerne mit großem Engagement die Sendung präsentiert. Sie machen "Aktenzeichen XY… ungelöst" seit 50 Jahren zu einem starken und verlässlichen Partner der Ermittlungsbehörden und zu einem Programmerfolg des ZDF.

Wie bei wenigen anderen Sendungen bedingen sich diese beiden Aspekte ganz unmittelbar: viele Zuschauer führen zu vielen Hinweisen, viele Hinweise zu vielen Fahndungserfolgen. In diesem Sinne wünschen wir "Aktenzeichen XY… ungelöst" zahlreiche weitere erfolgreiche Jahre.

50 Jahre Aktenzeichen XY – 50 Jahre Erfolg im Kampf gegen das Verbrechen
Grußwort von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière

Eine einfache wie brillante Idee revolutionierte 1967 die Verfolgung von Straftaten: Die öffentliche Suche nach Anhaltspunkten in ungeklärten Fällen und Fahndung nach möglichen Straftätern im Fernsehen.

Eduard Zimmermann schuf mit diesem Einfall zusammen mit dem ZDF eine Weltneuheit. Und ein überaus erfolgreiches Fahndungsinstrument für die deutschen Strafverfolgungsbehörden.
Auch ich habe – wie so viele Bürgerinnen und Bürger – an vielen Abenden die Aufrufe verfolgt und mich über jeden gelösten Fall gefreut. Denn Verbrechen dürfen nicht ungesühnt bleiben. Und das war auch der Vorsatz von Eduard Zimmermann mit seinem Lebenswerk.
Es freut mich sehr, dass die Sendung – jetzt mit Rudi Cerne – zu einer Institution im deutschen Fernsehen geworden ist, und unsere Bürgerinnen und Bürger tatkräftig bei der Aufklärung mit helfen. Nur wenn wir als Gesellschaft zusammenhalten, können wir gemeinsam die Stärke unseres Zusammenlebens, unserer friedlichen und freiheitlichen Lebensordnung gegenüber den Tätern zeigen.

Hierfür ist auch Zivilcourage nötig; sie ist ein wichtiger Eckpfeiler unserer Gesellschaft und eines sozial verantwortlichen Handelns. Daher bin ich überaus dankbar, dass sich die Sendung
"Aktenzeichen XY" auch hierfür stark macht. Die Verleihung des XY-Preises, für die ich als Bundesinnenminister sehr gerne die Schirmherrschaft übernommen habe, zählt jedes Jahr für mich zu den schönsten Terminen. Es sind die zahlreichen bekannten wie unbekannten Bürger – Alltagshelden –, die ihren Mitmenschen in einer Notsituation helfen, die mit einem guten Beispiel vorangehen. Für sie alle, ihren Mut und Einsatz ist dieser Preis gedacht.

Deshalb gratuliere ich der Sendung "Aktenzeichen XY" von ganzem Herzen zum 50-jährigen Geburtstag und wünsche ihr auch für die Zukunft weiterhin viel Erfolg im Kampf gegen das Verbrechen. 

Reality-TV mit Anspruch
Grußwort von Reinhold Elschot, stellv. Programmdirektor

Grußwort von Reinhold Elschot, stellvertretender Programmdirektor und Hauptredaktionsleiter Fernsehfilm/Serie I

"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen – das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe  "Aktenzeichen XY… ungelöst". Mit diesen Worten begrüßte Moderator, Produzent und XY-Erfinder Eduard Zimmermann am 20. Oktober 1967 die Zuschauer im ZDF.

Seit nunmehr 50 Jahren unterstützt "XY" die Öffentlichkeitsfahndung der deutschen Ermittlungsbehörden und oft genug auch die anderer Länder: Fälle aus Österreich und der Schweiz waren lange ein fester Bestandteil der Sendung mitsamt den legendär gewordenen Schaltgesprächen mit Peter Nidetzky in Wien und Konrad Toenz in Zürich. Erst vor wenigen Wochen bat die nor-wegische Polizei in einem "Cold Case" um Mithilfe –  bei einem über 20 Jahre zurückliegenden Mordfall, dessen Spur bis nach Deutschland führt: die norwegischen Ermittler erhofften von der Teilnahme an der Sendung wichtige Hinweise und einen Fahndungserfolg. Die Basis dieser Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sender ist ein tiefes Vertrauen, das über Jahrzehnte auf beiden Seiten gewachsen ist: bei den Ermittlungsbehörden wie den Sendungsmachern.

Die Grundlage dafür hat Eduard Zimmermann geschaffen. "Aktenzeichen XY… ungelöst" wurde zum Straßenfeger mit einem enorm hohen Zuschauerzuspruch. 18 Millionen waren es zeitweise – zugegeben in einer Ära mit nur drei Fernsehprogrammen.

"Aktenzeichen XY… ungelöst" war das erste Reality-Format des deutschen Fernsehens, lange bevor dieser Begriff überhaupt Eingang ins deutsche Feuilleton und in die Kritiken fand. Wohl auch wegen der damals ungewöhnlichen hybriden Dramaturgie der Sendung wurde sie in den 70er und 80er Jahren zum Gegenstand eines wahren Kulturkampfes. Ihre Kritiker sahen in "XY" einen Pranger und ein Instrument des Polizeistaats. Diese Debatten sind nicht nur Teil deutscher TV-Geschichte – die deutsche Öffentlichkeit vergewisserte sich in dieser Zeit vielmehr ihres eigenen Selbstverständnisses gegenüber Opfern und Tätern. Der Gegenwind blies heftig, doch Eduard Zimmermann und das ZDF blieben ihrer Idee treu. Bis heute überzeugen die Ernsthaftigkeit, die Angemessenheit im Umgang mit den Verbrechen und die damit einhergehende akribische Recherche und Sensibilität in der Umsetzung die Zuschauer.

Exakt 523 Ausgaben von "Aktenzeichen XY… ungelöst" sind es mittlerweile geworden, die ebenso wie die Sonderausgaben "Wo ist mein Kind?" (seit 2011) und "Vorsicht, Betrug!" (seit 2016) regelmäßig über fünf Millionen Zuschauer erreichen. So konnten über die Jahre mehr als 1800 Verbrechen unter Beteiligung der ZDF-Fahndungssendung aufgeklärt werden.

Für die Ermittler ist die Zusammenarbeit mit XY ein wesentlicher Baustein ihrer Fahndungsarbeit – schon allein durch die schiere Zahl der Zuschauer und damit der potentiellen Hinweisgeber. Daneben zeigt es aus Sicht von Staatsanwaltschaft und Polizei aber auch, dass alle Mittel eingesetzt werden, um den Fall zu lösen: ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit, vor allem aber an die Opfer der Verbrechen und deren Angehörige.

30 Jahre lang, bis 1997, präsentierte Eduard Zimmermann selbst die Fahndungssendung. Sein Impetus war nicht die vorder-gründige Sensation, sondern die Hilfe bei der Aufklärung und die Gerechtigkeit für die Opfer der Verbrechen. Als Co-Moderatorin kam 1987 seine Tochter Sabine hinzu, die dann nach seinem Ausscheiden die Sendung bis 2001 zusammen mit Butz Peters fortführte.

Seit 2002 prägt Rudi Cerne als Moderator die Sendung. Gleicher-maßen souverän wie empathisch führt er die Gespräche mit seinen Gästen, den zuständigen Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft. "Wenn es 'XY' nicht gäbe, dann müsste die Sendung wirklich noch erfunden werden", hat Rudi Cerne einmal selbst zur seit einem halben Jahrhundert andauernden Erfolgsgeschichte des Formats gesagt.

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen – nur, dass wir anlässlich des Jubiläums heute gemeinsam einen Gruß an Eduard Zimmermann schicken, der seit 2009 nicht mehr unter uns weilt.

"Ohne Hinweise können viele Fälle nicht gelöst werden"
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes

Seit nunmehr einem halben Jahrhundert ist die Sendereihe "Aktenzeichen XY… ungelöst" fester Bestandteil der Fernsehlandschaft und "Pflichttermin" vieler Zuschauer in Deutschland, über lange Jahre auch in Österreich und in der Schweiz.

Bereits im Vorfeld und in Vorbereitung der ersten Sendung am 20. Oktober 1967 gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen der Redaktion, seinerzeit unter der Leitung von Herrn Eduard Zimmermann und dem Bundeskriminalamt. Seitdem wird dieses Sendeformat durch das BKA in seiner Funktion als Zentralstelle der deutschen Polizei und seiner Zuständigkeit für die inter-nationale Zusammenarbeit im Fahndungsbereich eng und durchgängig begleitet. 

Der Ansatz, das Fernsehpublikum und damit die breite Öffentlichkeit mit dem Aufruf "Die Kriminalpolizei bittet um Mithilfe" in die Aufklärung von Kriminalfällen bei ausgewählten Fahndungen einzubeziehen, kann für die damalige Zeit zweifellos als bahnbrechende Pionierarbeit bezeichnet werden. Denn ohne Hinweise aus der Bevölkerung können viele Fälle der Schwerkriminalität nicht gelöst werden, gerade auch heute angesichts mittlerweile weitgehend offener Grenzen in Europa und zunehmender Internationalisierung und Digitalisierung von Kriminalität. "Aktenzeichen XY… ungelöst" hat der Nutzung moderner Massenmedien für die polizeiliche Fahndung den Weg bereitet. Dabei ist der sachliche Umgang mit den jeweils ausgestrahlten Fällen hervorzuheben: Diese werden medial dargestellt, ohne die Würde der Beteiligten zu verletzen. Trotz einer sich verändernden Medien- und Kommunikationslandschaft beweist dieses Fernsehformat nach wie vor seine Reichweite und Wirksamkeit, beispielsweise durch die hohe Anzahl eingehender Hinweise – sogar zu teilweise Jahrzehnte zurück liegenden Taten. Oder dadurch, dass Hinweise von XY-Zuschauern bereits während der noch laufenden Sendung zur Festnahme gesuchter Personen führten.

Die Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst" ist daher fester Bestandteil der Öffentlichkeitsfahndung der deutschen Polizei. Informationen zu in der Sendung ausgestrahlten Fahndungsfällen werden polizeiintern bundesweit verbreitet, um eine ausreichende Informationslage für die Entgegennahme von Hinweisen durch die Polizeien von Bund und Ländern zu gewährleisten.

Gerne beteiligt sich das Bundeskriminalamt auch in der Jury zum "XY-Preis". In unserer Gesellschaft sind Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit leider häufig anzutreffen. Mit fadenscheinigen Begründungen rechtfertigen sich viele, wenn sie Zeugen einer Straftat werden, untätig bleiben und hoffen, dass ein anderer schon eingreifen wird. Der "XY-Preis" honoriert Zivilcourage, Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft, die für ein sicheres und friedliches Miteinander unabdingbar sind.

Das Bundeskriminalamt wird seine Unterstützung und Mitarbeit fortsetzen und gemeinsam mit der Redaktion auch nach Weiter-entwicklungsmöglichkeiten, beispielweise in den sozialen Medien, suchen. Wir freuen uns auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit!

Allen aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des XY-Teams möchte ich Dank und Anerkennung aussprechen und zum 50-jährigen Jubiläum gratulieren.

"Mein Vater wäre stolz auf seine Crew"
Statement von Sabine Zimmermann

Oktober 1967. Ich war 16 Jahre und befand mich zum Schüleraustausch in England, als die erste Sendung über den Bildschirm lief. Ich weiß nicht genau, was meine Eltern nervöser machte: dass ihre Tochter für drei Monate im Ausland war, oder die Vorbereitung zur ersten XY-Sendung. Ich erinnere mich, dass das erste Mordopfer (ein Mädchen ungefähr in meinem Alter) das gleiche Kleid anhatte, das auch ich besaß – nur meines hing noch im Schrank zuhause.

Von der allmählich größer werdenden Bekanntheit meines Vaters merkte ich nicht allzu viel, nur wenn wir gemeinsam in den Urlaub zum Skifahren fuhren: Wenn die Leute zu uns an den Tisch kamen, einfach das Essen zur Seite schoben und einen Zettel für ein Autogramm hinlegten.

Oder auch 1969 nach der Ausstrahlung des Falles Lebach (siehe Chronik der Sendung), als man noch nicht einordnen konnte, ob die Täter aus Kreisen der Mafia kamen oder das Verbrechen einen terroristischen Hintergrund hatte. In dem Zusammenhang kamen viele – teilweise recht düstere – Personen zu meinem Vater, um persönlich ihre Hinweise zu geben. Diese Leute wurden vorher von der Polizei auf Waffen abgetastet. Das alles konnte ich aus meinem Zimmer beobachten, das Büro meines Vaters war zu dem Zeitpunkt im Privathaus integriert – das fand ich natürlich sehr spannend.

Was ich an meinem Vater schon immer bewunderte, war seine Beharrlichkeit, Ideen durchzusetzen, von denen er überzeugt war – für sein Umfeld und auch für seine Familie nicht immer ganz einfach. Aber schlussendlich war ja so 1964 "Vorsicht, Falle!" entstanden, 1967 "Aktenzeichen XY", und schließlich 1976 der Weiße Ring. Oder auch, dass er 1997 als Moderator das Zepter abgegeben hat. Er meinte, er sei müde und wolle nicht vom Stuhl gehoben werden müssen, er wollte selbst bestimmen, und das hat er mit seinen Mitarbeitern und "seinem" Sender ZDF sehr genau besprochen und getan. Es gäbe noch viele Dinge und Erinnerungen zu "XY" und meinem Vater zu berichten, aber das würde diesen Rahmen sprengen. Eines weiß ich gewiss, er ist und wäre stolz auf seine Crew und sein Werk und wenn ich bei ihm auf dem Friedhof bin, erzähle ich ihm einiges – auch unsere Einschaltquoten.

ZDF-Programm im Umfeld des Sendungsjubiläums

"Aktenzeichen XY… ungelöst" wird 50 Jahre alt: Über 500 Ausstrahlungen mit mehr als 4000 Fällen. Die Sendung gehört zu den beliebtesten Formaten im deutschsprachigen Europa und ist im Programm des ZDF zu einem Markenzeichen geworden. "Aktenzeichen XY… ungelöst" hat Tradition, doch das Anliegen ist heute mindestens so aktuell wie bei der Erstausstrahlung im Oktober 1967: die Verbrechensbekämpfung zu unterstützen.

Im Umfeld des Sendungsjubiläums hat das ZDF im Oktober und November 2017 neben einer regulären Ausgabe mit anschließender Dokumentation die Sendungen "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" und "Aktenzeichen XY… gelöst" im Programm.

Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!

Mittwoch, 4. Oktober 2017, 20.15 Uhr

StudioregieUtz Weber
ProduktionSecuritel Film + Fernsehproduktions- und Verlagsgesellschaft m.b.H.
ProduzentMartin Groß
Redaktion DKFIna-Maria Reize-Wildemann (Redaktion Eduard Zimmermann – DKF Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH)
Redaktion ZDFRoman Beuler
ModeratorRudi Cerne
Längeca. 88 Minuten

 

Sendungskonzept

Als Spin-off von "Aktenzeichen XY… ungelöst" widmet das ZDF dem Aspekt Prävention bereits zum zweiten Mal eine eigene 90-minütige Live-Sendung. Die Kriminalstatistik zeigt: Fast 900.000 angezeigte Betrugsfälle gab es im Jahr 2016, Betrugsdelikte mit Hilfe des Internets nehmen stetig zu. "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" warnt vor aktuellen Betrugsmaschen und liefert nützliche Vorbeugetipps gegen die immer raffinierter werdenden Handlungsweisen der Täter. In der Spezialsendung erzählen echte Opfer, wie sie von Betrügern reingelegt wurden, und machen deutlich, dass jeder ahnungslos in die Falle tappen kann. Mit Experten erklärt Rudi Cerne im Studio die aktuellen Tricks und deren zahlreiche Varianten, wie man sie erkennen und sich rechtzeitig davor schützen kann.

Aktenzeichen XY… ungelöst

Reguläre Sendung

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 20.15 Uhr

StudioregieUtz Weber
ProduktionSecuritel Film + Fernsehproduktions- und Verlagsgesellschaft m.b.H.
ProduzentMartin Groß
Redaktion DKFIna-Maria Reize-Wildemann (Redaktion Eduard Zimmermann – DKF Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH)
Redaktion ZDFRoman Beuler
ModeratorRudi Cerne
Längeca. 88 Minuten

 

Sendungskonzept

In der monatlichen Live-Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst" können Zuschauer dabei helfen, ungelöste Kriminalfälle auf-zuklären, unbekannte Täter zu identifizieren und flüchtige Verbrecher aufzuspüren. In kurzen Filmen werden Verbrechen von Schauspielern nachgestellt. Danach werden die Zuschauer durch Moderator Rudi Cerne und den für den Fall zuständigen Polizeibeamten einbezogen: Kann jemand sachdienliche Hin-weise zu den gezeigten Personen oder Gegenständen geben?

Themenlieferanten für die Beiträge sind die Strafver-folgungsbehörden – die örtliche Kriminalpolizei, die Staats-anwaltschaften, die Landeskriminalämter und das BKA. Auch ausländische Fälle werden regelmäßig ausgestrahlt, sofern es einen Bezug ins Sendegebiet gibt.

Aktenzeichen XY... ungelöst - Die Dokumentation

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 21.45 Uhr

Redaktion ZDF  Anne Kauth, Roman Beuler
Längeca. 29 Minuten

                

Inhalt

Die Dokumentation wirft einen exklusiven Blick hinter die Kulissen polizeilicher Arbeit und zeigt, wann und nach welchen Kriterien eine öffentliche Fahndung ausgelöst und schließlich bei "Aktenzeichen XY… ungelöst" aufgenommen wird.

Für Millionen von Zuschauern war und ist die Sendung Kult und Gruselfaktor zugleich. "Das liegt daran, dass ja alles der Realität entspricht, der Zuschauer weiß, dass der im Film gezeigte Täter, Mörder, Entführer oder Vergewaltiger immer noch auf freiem Fuß ist", sagt Rudi Cerne. Der heutige Moderator der Sendung er-innert sich an seinen Beginn bei "Aktenzeichen XY ungelöst", seine bewegendsten Fälle, und erzählt, ob er nachts noch schlafen kann.

Etwas ganz besonderes für ein Format ist, wenn es parodiert wird. Von Loriot bis Oliver Welke – viele haben "Aktenzeichen XY… ungelöst" auf die Schippe genommen. Oliver Welke verrät im Interview, warum.

Die Machart der Sendung aus den frühen Jahren ruft im Rückblick das eine oder andere Schmunzeln hervor. Aber der Kern war stets ernster Natur, denn die Sendung befasst sich ausschließlich mit Kapitalverbrechen. So auch im Fall des Mordes an einer Bäcker-Frau in Sehnde. Der entscheidende Hinweis kam von einem Häftling, der die Sendung in seiner Zelle gesehen hatte – wie sich der zuständige Kriminalhauptkommissar Peter Messing in der Dokumentation erinnert.

Aktenzeichen XY… gelöst"

Spezial-Ausgabe zu gelösten Fällen der XY-Geschichte

Mittwoch, 15. November 2017, 20.15 Uhr

StudioregieUtz Weber
ProduktionSecuritel Film + Fernsehproduktions- und Verlagsgesellschaft m.b.H.
ProduzentMartin Groß
Redaktion DKFIna-Maria Reize-Wildemann (Redaktion Eduard Zimmermann – DKF Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH)
Redaktion ZDFRoman Beuler
ModeratorRudi Cerne
Längeca. 88 Minuten

 

Sendungskonzept

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums widmet sich die von Rudi Cerne präsentierte Sonderausgabe "Aktenzeichen XY… gelöst" drei Kriminalfällen, die die Polizei lange Zeit vor Rätsel stellte, bis sie endlich – nach der Ausstrahlung in "XY" gelöst werden konnten. Zwischen den Einspielfilmen ordnet Rudi Cerne gemeinsam mit der renommierten Kriminalpsychologin Lydia Benecke das Geschehene  ein.

Einer von ihnen ist das mysteriöse Verschwinden der 20-jährigen Mareike G. Zunächst sieht alles nach einem gängigen Vermisstenfall aus. Kurz darauf nehmen sich jedoch zwei von Mareikes Freunden das Leben und befeuern so die Fantasie der Medien: Es ist vom "Dorf der todessüchtigen Kinder" die Rede, von okkulten Sekten, von Drogen- und Mädchenhändlern, die Mareike verschleppt haben sollen. Wochenlang arbeitet sich die Kripo Regensburg durch Falschaussagen und Spekulationen. Ohne Ergebnis. Schließlich entscheidet sich der Leiter der 11-köpfigen Soko für die Offensive: Er bittet die Münchner Kollegen der Operativen Fallanalyse (OFA) um Hilfe und wendet sich an "Aktenzeichen XY... ungelöst" – eine Entscheidung, die sich bald als richtig herausstellen wird. Chefermittler Stefan Halder beurteilt die Fahndung im Nachhinein, dass dieser Mord ohne den Einfluss von "Aktenzeichen XY... ungelöst" vielleicht nie aufgeklärt worden wäre. Neben ihm erinnert sich Profiler Alexander Horn in der Sondersendung an den Fall.

Außerdem widmet sich das Spezial der Suche nach einem Serienkiller und einem Mord ohne Leiche, der erst nach vielen Jahren Ermittlungsarbeit geklärt werden konnte.

Rudi Cerne: "Einschaltquote ist wichtig für die Aufklärung"

Auszug aus dem Video-Interview mit Rudi Cerne

 

Beschreiben Sie "Aktenzeichen XY… ungelöst" bitte in drei Worten.

Real, aktuell und spannend.

Die Sendung hat eine lange Tradition, das Zuschauerinteresse ist nach 50 Jahren ungebrochen. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Ich kann das unterstreichen. Wir erleben seit Jahren eine gewisse Renaissance. "Aktenzeichen XY… ungelöst" hat eine außerordentliche Relevanz – ein Flaggschiff in der deutschen Fernsehlandschaft. Wir haben immer wieder an den Stellschrauben gedreht, aber haben den Ursprung der Sendung nie verändert.

Wie bereiten Sie sich in der Regel auf eine Sendung vor?

Wir stehen mit der Redaktion unter Leitung von Ina-Maria
Reize-Wildemann permanent in Kontakt. Ich bin in der Vorwoche der Sendung schon in der Redaktion in Ismaning, dort sprechen wir alles Wort für Wort durch. Wir gehen auf die Interviews ein, und wir überlegen uns die Moderationen. Diese sind von der Redaktion ausgearbeitete Vorlagen, die entsprechend meinem Sprachduktus noch einmal ein wenig geändert werden. Es ist alles extrem detailliert vorbereitet.

Belasten Sie die Fälle persönlich, wie gehen Sie im Alltag damit um?

Ich habe kein Rezept, aber ich habe einen guten Mechanismus, wie ich nach so einer Sendung relativ gut abschalten kann. Das empfehlen mir auch immer wieder die zuständigen Ermittler. Die Kommissarinnen und Kommissare sind natürlich viel näher an den Verbrechen dran. Ich bin da distanzierter. Aber bei den Spezial-Ausgaben, wenn es um vermisste Kinder und Personen geht: Wenn ich dann Angehörige hier im Studio habe, ist das sehr emotional. Ich kann nichtsdestotrotz nach jeder Sendung gut schlafen.

Welche Mitsprache haben Sie bei der Sendungsgestaltung?

Mir lag zum Bespiel viel daran, damals den Fall des umgekommenen HSV-Managers (Timo Kraus) in der Sendung zu bringen. Es konnte ja nicht von vornherein eine Straftat ausgeklammert werden. Ein anderes Beispiel ist der "Holzklotz-Mord" vor vielen Jahren: Ein Täter hatte einen großen Holzklotz von einer Autobahnbrücke geworfen, eine Frau ist dabei ums Leben gekommen. Ich habe den Fall im Radio auf einer Autobahn-Raststätte gehört und habe gleich in der Redaktion angerufen. Da hieß es: "Rudi, das haben wir schon in der Sendung."

Welche Erinnerungen haben Sie an Eduard Zimmermann als Erfinder der Sendung?

Ganz spontan: die große Brille. Über die hatte man sich meiner Meinung nach oft ungerechtfertigt amüsiert. Was mir sehr in Erinnerung geblieben ist, ist, dass Eduard Zimmermann nie reißerisch war. Ich fand immer sehr beeindruckend, wie sachlich und nüchtern, aber informativ er mit all diesen Informationen umgegangen ist. Und mir hat imponiert, wie er den Kommissaren die Nervosität genommen hat.

Eine nachhaltige Begegnung hatte ich mit Eduard Zimmermann bei unserem ersten Gespräch, das in Zürich stattgefunden hat, in einem konspirativen Hotelzimmer. Wir hatten uns dort getroffen, weil alles noch auf der höchsten Geheimhaltungsstufe stattfand – er wusste noch nicht, ob ich einschlagen würde. Eduard Zimmermann war exzellent vorbereitet – danach habe ich zugesagt.

Sie blicken auf 15 Jahre Moderation der Sendung zurück, haben "Aktenzeichen XY… ungelöst" aber viele Jahre vor dem Bildschirm verfolgt. Was ist Ihnen als Zuschauer in besonderer Erinnerung?

Mir sind natürlich die Riffelglas-Blenden in Erinnerung, die fürchterlichen Taten, die Leichen, die man gefunden, deren Bilder man aber nie gesehen hat. Man hat immer nur Teile gesehen, aber hat schon vorher die Decke vor das Gesicht gezogen. Mir sind aber noch viel mehr die Fälle in Erinnerung, die ich miterlebt habe – beispielsweise der Fall von Levke Strassheim, die mit acht Jahren sexuell missbraucht und getötet wurde. Dieser Fall konnte durch einen sehr trickreichen Kommissar geklärt werden, der über die Ausstrahlung bei "XY" Hinweise bekommen hatte. Auch der Fall der Lolita Brieger: 29 Jahre nach der Tat konnte der Täter überführt werden. Oder Sigrid Paulus, die von ihrem eigenen Ehemann erwürgt worden war. Er hatte sie – wie sich später herausstellte – im Keller eingemauert, hinter einem Weinregal und sie konnte nie ausfindig gemacht werden. Aber nach der Ausstrahlung bei "Aktenzeichen XY" gab es den richterlichen Beschluss, Umbaumaßnahmen an dem Haus durchzuführen und tatsächlich konnte der Fall geklärt werden. Das ist dann sehr ergreifend, und das macht uns alle sehr stolz.

Was würden Sie sich für die Zukunft der Sendung wünschen?

Dass wir den Sinn und Zweck der Sendung nie verlassen und wir immer an den Stellschrauben drehen. Eduard Zimmermann hatte mal zu mir gesagt: "Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst spielen wir vor leeren Häusern." Die Einschaltquote ist wichtig für die Aufklärung, und ich hoffe, dass die Aufklärungsquote bei 40 Prozent bleibt – dann sind wir happy.

Das Interview führte Elisa Schultz

Radio-Töne von Rudi Cerne, ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut, Sabine Zimmermann, Barbara Hahlweg

> O-Töne von Rudi Cerne in Audio-Fassung

> O-Töne von Dr. Thomas Bellut, Sabine Zimmermann, Barbara Hahlweg (Moderatorin der Jubiläumsveranstaltung und XY Preis 2017 am 17. Oktober 2017 in Berlin) in Audio-Fassung

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut
O-Ton
Welche Bedeutung hat die 50-jährige Erfolgsgeschichte der Sendung für das ZDF und was wünschen Sie dieser Kultsendung?   
"Ich freue mich hier erst einmal über jeden Fall, der gelöst wird über „Aktenzeichen XY“. Dann ist es wirklich ein Fernsehereignis, immer noch, nach so vielen Jahren. Und ich freue mich jedes Mal nach der Sendung, wie viele Menschen zugesehen haben. Ich wünsche der Sendung, dass sie weiter so gefragt ist. Dass die Themen der Sendung ausgehen, halte ich für sehr unwahrscheinlich." (0:20)

O-Ton
Wie haben Sie als Zuschauer „Aktenzeichen XY... ungelöst“ damals erlebt? Hatten Sie nach der Sendung auch ein bisschen Angst, wenn Sie alleine zu Hause waren?   
Ja, absolut. Das, was andere auch berichten, kann ich bestätigen. Man ging nach den Sendungen durchs Haus und hat alles abgeschlossen. Bei meinen Kindern habe ich auch erlebt, wie sehr das beunruhigen kann, das zu sehen. Allerdings hat es meine Tochter hoffentlich auch vorsichtiger gemacht. (0:16)


Sabine Zimmermann (zeitweise Co-Moderatorin), deren Vater Eduard Zimmermann die Idee zur Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hatte
O-Ton
Ihr Vater ist im Jahr 2009 verstorben. Was glauben Sie,  was würde es für ihn bedeuten, dass seine Sendung jetzt das 50-jährige Jubiläum feiern kann?
"Was er jetzt im Moment sagen würde, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er mit stolz geschwollener Brust dasitzen würde, und ich glaube, er wäre stolz, vor allen Dingen auf seine Crew. Denn wir alle, die Redaktion, die Produktion, hat seine Seriosität, den seriösen Umgang mit dem Thema, wir haben das alle mit der redaktionellen Muttermilch aufgesogen, er war unser Lehrmeister. Wir haben alle ganz viel von ihm gelernt, er hat viel Geduld mit uns gehabt und wir gelegentlich auch mit ihm." (0:36)

O-Ton
Wie lange wird es die Sendung noch im ZDF geben?
"Wir werden keine Zukunft ohne Verbrechen bekommen, das heißt, der Bedarf an einer solchen Sendung wird immer da sein. Wir werden uns auf jeden Fall immer so kooperativ und seriös benehmen wie bisher, ergo könnte das noch ein paar Jahre so weitergehen." (0:16)


ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg
O-Ton
Was wünschen Sie der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ für die Zukunft?     
"Weiterhin so viel Erfolg und weiterhin so viel Sorgfalt bei der Umsetzung der Fälle. Für mich ist das Besondere, dass den Opfern eine Plattform gegeben wird und dass die Aufklärungsquote so hoch ist. Und das hält mich bei der Sendung, obwohl sie mir eigentlich immer eine Qual ist, weil ich das ganz furchtbar finde, was Menschen anderen Menschen antun." (0:18)

Die Interviews führte Mareike Helgert, all4radio

Der "XY-Preis": Logische Konsequenz aus "Aktenzeichen XY... ungelöst"

Von Ina-Maria Reize-Wildemann

Zivilcourage spielt in der Zeit des Terrors und der wachsenden Verunsicherung eine immer bedeutendere Rolle. Dies hat "Aktenzeichen XY... ungelöst" bereits vor mehr als 15 Jahren erkannt und entsprechend darauf reagiert. Vor 2002 gab es in den Medien kaum Berichte über couragierte Bürger, die sich gegen Kriminalität eingesetzt haben. Und schon gar nicht wurden diese stillen Helden öffentlich geehrt. Gemeinsam mit der Polizei, dem Bundeskriminalamt, den Polizeiverbänden und -gewerkschaften und den führenden Gremien für Kriminalitätsprävention entstand der Gedanke, diese Menschen und deren Handeln öffentlich zu würdigen. Die Idee für den "XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen" war geboren. Seit 15 Jahren gehört er zum festen Bestandteil der Fahndungssendung und wird einmal jährlich vom ZDF und der Produktionsfirma Securitel in Berlin vergeben. Bundesinnenminister Otto Schily war 2002 sofort von der Idee begeistert und übernahm, ohne zu zögern, die Schirmherrschaft. Seitdem hatten alle nachfolgenden Bundesinnenminister die Schirmherrschaft inne. 66 Personen konnten inzwischen mit dem "XY-Preis" ausgezeichnet werden; außerdem wurden vier Personen zusätzlich mit dem XY-Sonderpreis gewürdigt – darunter Marcel Gleffe, der 2011 auf der norwegischen Insel Utoya mehr als 20 Menschen das Leben gerettet hat. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble regte 2009 an, den beim Einsatz gegen jugendliche Gewalttäter in einer S-Bahn zu Tode gekommenen Dominik Brunner aus München posthum mit dem XY-Sonderpreis zu würdigen.

Die XY-Redaktion erhält jedes Jahr weit über einhundert Zusendungen mit Vorschlägen für den XY-Preis. Nach gründlicher Recherche und eingehender Diskussion innerhalb der 12-köpfigen Fach-Jury werden Jahr für Jahr die Preisträger ermittelt und mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Der Blick auf die Verbrechensopfer ist eine sinnhafte Ergänzung zu "Aktenzeichen X... ungelöst" und seit der Gründung der Opferschutz-Organisation "Weißer Ring e.V." durch Eduard Zimmermann in den 1970er Jahren untrennbar mit der Fahndungssendung verbunden.

Fahndungsvoraussetzungen

Bereits zur ersten Sendung haben sich das ZDF und die Strafverfolgungsbehörden über die Grenzen der Fahndung verständigt. Es wurden Grundsätze gefasst, die sechs Jahre später von den Justizministern des Bundes und der Länder durch eine Verfügung bestätigt wurden. Diese bildet bis heute die wesentliche rechtliche Grundlage für eine Fahndung in XY. Zu unterscheiden sind dabei zwei Aufträge an die Öffentlichkeitsfahndung:

Ermittlung eines unbekannten Täters
In diesem Fall liegen lediglich die Fakten eines Verbrechens vor, der Täter ist völlig unbekannt. Soll eine solche Straftat den Zuschauern über den Bildschirm geschildert werden, müssen folgende Vorbedingungen erfüllt sein:
- Es handelt sich um eine Straftat von erheblicher krimineller Bedeutung (Kapitalverbrechen wie Mord, Raub, fortgesetzter Betrug, räuberische Erpressung, Geiselnahme, Vergewaltigung und anderes).
- Die Polizei hat alle anderen Möglichkeiten, den Täter zu ermitteln, bereits ausgeschöpft.
- Es liegen konkrete Fragen vor, die ein noch unbekannter Zeuge, in diesem Fall ein XY- Zuschauer, beantworten könnte.

Fahndung nach einem bekannten Tatverdächtigen
In diesem Fall ist ein Tatverdächtiger ermittelt. Die Polizei besitzt ein Foto von ihm und kennt in der Regel auch seinen Namen. Für eine TV-Fahndung müssen dann folgende Voraussetzungen vorliegen:
- Dem Gesuchten wird eine Straftat von erheblicher krimineller Bedeutung vorgeworfen.
- Es liegt ein internationaler Haftbefehl gegen den Gesuchten vor.
- Für den Fall der Festnahme des Gesuchten im Ausland wird von der zuständigen Staatsanwaltschaft dessen Auslieferung be-antragt.
- Die Polizei hat andere, konventionelle Möglichkeiten der Fahndung inzwischen ausgeschöpft.

 

Fallaufnahme

"Aktenzeichen XY... ungelöst" basiert auf einem engen Zusammenwirken der XY-Redaktion mit den Strafverfolgungsbehörden. In "Aktenzeichen XY" werden in der Regel ausschließlich so genannte Kapitaldelikte aufgenommen, das heißt, besonders schwere Verbrechen, deren Aufklärung bei der Polizei höchste Priorität besitzt. Dazu zählen beispielsweise Mord, Sexualdelikte, Raub oder schwere Betrugsfälle. Kommen die Ermittlungsbehörden mit den klassischen Fahndungsmethoden nicht weiter, suchen sie die Zusammenarbeit mit der Fernsehredaktion von "Aktenzeichen XY". Umgekehrt geht die Redaktion auf die zuständigen Behörden zu bei Fällen von großer öffentlicher Bedeutung oder Aufmerksamkeit. Gemeinsam wird dann über die Veröffentlichung und Darstellung des Falles beraten.

"Aktenzeichen XY… ungelöst" unterstützt auch ausländische Polizeidienststellen bei der Aufklärung von Straftaten. Neben Fällen aus Österreich und der Schweiz waren in der Vergangenheit schon mehrfach Kripo-Beamte beispielsweise aus den USA, Frankreich, Dänemark, England, Belgien, Holland, Tschechien und Polen in der Sendung. Wichtig bei diesen Fällen ist, dass sie einen Bezug in den deutschsprachigen Raum Europas haben. Von der Recherche bis zur Realisation des Beitrags sind die Ermittlungsbehörden eng in die Arbeit der Redaktion eingebunden. Dies stellt sicher, dass Filme, Moderationen und Gespräche den genauen Tatablauf und aktuellen Kenntnisstand der Ermittler wiedergeben.

Die Statistik

Stand: 1. August 2017

 

Fälle insgesamt  4586
Fälle insgesamt geklärt1853
Aufklärungsquote insgesamt40,4%
Anzahl Filmfälle1914
geklärte Filmfälle481
Aufklärungsquote Filmfälle25,1%
Anzahl Studiofälle2667
geklärte Studiofälle1372
Aufklärungsquote Studiofälle51,4%
Anzahl Personenfahndungen2127
festgenommene bekannte Täter1342
Aufklärungsquote Personenfahndungen63,1%
Festgenommene Täter insgesamt2319

 

 

Fälle nach Bundesländern
   Anzahl   geklärt   Erfolgsquote
Baden-Württemberg44619744,1%
Bayern54424745,4%
Berlin1284635,7%
Brandenburg501530,0%
Bremen30826,7%
Hamburg1907639,9%
Hessen 50918837,0%
Mecklenburg-Vorpommern28621,4%
Nordrhein-Westfalen817324 39,6%
Niedersachsen314 11937,8%
Rheinland-Pfalz2178438,7%
Saarland371232,4%
Sachsen342470,6%
Sachsen-Anhalt401332,5%
Schleswig-Holstein1274333,9%
Thüringen20630,7%
BKA75 3141,7%

 

 

Fälle nach Staaten
   Anzahl   geklärt   Erfolgsquote
Belgien 500,0%
Dänemark3266,7%
Deutschland3604142539,5%
Frankreich300,0%
Großbritannien7228,6%
Italien2150,0%
Liechtenstein 100,0%
Luxemburg5480,0%
Niederlande15320,0%
Norwegen200,0%
Österreich46919341,1%
Schweden 11100,0%
Schweiz 46322047,5%
Spanien 100,0%
Tschechien2150,0%
Ungarn100,0%
USA2150,0%

 

 

Fälle nach Delikten   Anzahl   geklärt   Erfolgsquote
Tötungsdelikt insgesamt150262341,5%
Vermisstenfall insgesamt1434833,6%
versuchtes Tötungsdelikt insgesamt2309541,4%
Sexualdelikt insgesamt1827641,9%
Raub insgesamt1287401 31,1%
Einbruch26310540,0%
Diebstahl1517348,3%
Betrug insgesamt 58935259,7%

Chronik der Sendung

20. Oktober 1967
Start der Sendereihe "Aktenzeichen XY... ungelöst" aus Halle 1A, ZDF-Studio Wiesbaden, Unter den Eichen.
Idee, Redaktion und Moderation: Eduard Zimmermann.
Film- und Studioregie: Kurt Grimm.

15. März 1968
Der ORF aus Österreich beteiligt sich an "XY". Moderator im
Studio Wien: Teddy Podgorski.

7. Juni 1968
Zum ersten Mal wird ein Mordfall mit Zuschauerhilfe aufgeklärt, der Mord an Dr. Boll. Schon zwölf Stunden nach Ausstrahlung von "XY" erfolgt die Festnahme des bis dahin unbekannten Täters.

24. Januar 1969
Das Fernsehen der Schweiz, SRG (später SF DRS), übernimmt für seinen Sendebereich "Aktenzeichen-XY... ungelöst". Moderator in Zürich: Werner Vetterli. Zum ersten Mal wird "XY" als Eurovisionssendung ausgestrahlt.

11. April 1969
Einer der drei Filmfälle behandelt den vierfachen Soldatenmord von Lebach. Eine Zuschauerin führt die Kripo auf die richtige Spur. Es ist die bekannte Wahrsagerin Madame Buchela, die am verwendeten Falschnamen einen Besucher wieder erkennt. Die beiden Täter werden zwei Wochen nach der Sendung festgenommen.

18. Juli 1969
Das niederländische Fernsehen strahlt versuchsweise
"Aktenzeichen XY... ungelöst" aus. Wegen der Sprachprobleme bleibt es bei diesem einzigen Versuch.

12. September 1969
Umzug von Wiesbaden nach München – erstmalig kommt
"Aktenzeichen XY... ungelöst" aus dem Fernsehstudio München (FSM) in Unterföhring.
Zuschauer-Telefon bis heute: München 95 01 95.

17. April 1970
Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher stattet dem Münchner "XY"-Studio einen Besuch ab.

Mai 1970
Minister Hans-Dietrich Genscher beruft Eduard Zimmermann als einzigen Journalisten in die "Kommission zur Reform der Arbeit des Bundeskriminalamtes".

4. Juni 1971
Das dänische Fernsehen übernimmt einen Filmbeitrag aus der "XY"-Sendung.

10. Dezember 1971
Im Wiener Aufnahmestudio übergibt Teddy Podgorski die Moderation an Peter Nidetzky.

14. Juli 1972
Der amerikanische Soldatensender AF/TV in Deutschland beteiligt sich an "Aktenzeichen XY... ungelöst" durch Übernahme und Live-Übersetzung eines Fahndungsfilms.

12. März 1973
Die Justizminister des Bundes und der Länder beschließen eine "Allgemeine Verfügung über die Inanspruchnahme von Publikationsorganen zur Fahndung nach Personen bei der Straf-verfolgung" – eine Art Gebrauchsanweisung für die Öffentlichkeitsfahndung in den Medien. Die Konferenz der Innenminister beschließt darauf dieselbe Verordnung für die Polizeibehörden. Beide Richtlinien bestätigen die seit Start der Sendereihe praktizierte Zusammenarbeit zwischen "Aktenzeichen XY... ungelöst" und den Ermittlungsbehörden in Deutschland, die bis heute gültig sind.

17. Januar 1975
Erste Sendung in Farbe. Neuer Titel-Vorspann und neue Dekoration.

16. Januar 1976
Im Züricher Studio übergibt Werner Vetterli die Moderation an Konrad Toenz.

Juni 1976
17 Gründungsmitglieder rufen auf Initiative Eduard Zimmermanns den "Weißen Ring" ins Leben. Der Verein setzt sich für Kriminalitätsopfer ein und versucht ihre rechtliche, soziale und wirtschaftliche Lage zu verbessern. Zum Ersten Vorsitzenden wird Zimmermann gewählt.

7. Oktober 1977
100. Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst": Eduard Zimmermann erhält von Bundespräsident Walter Scheel das Bundesverdienstkreuz.

1979
Peter Hohl, Redakteur und Zimmermanns TV-Assistent im "Aktenzeichen XY"-Studio, verlässt die DKF. Kriminalkommissarin Irene Campregher übernimmt seine Nachfolge vor der Kamera.

1982
Das Fernsehen der Niederlande startet eine eigene Fahndungssendung unter dem Titel "Opsporing Verzocht" – konzeptionell nach dem Muster von "Aktenzeichen XY… ungelöst".

15. Juli 1984
Die BBC in London startet mit großem Erfolg die Sendereihe "Crimewatch UK" – ebenso wie "Opsporing Verzocht" nach "XY"-Vorbild. Eine Polizeibeamtin und ein Polizeibeamter in Uniform assistieren den Moderatoren Sue Cook und Nick Ross.

16. Juni 1986
Bundespräsident Richard von Weizsäcker verleiht Eduard
Zimmermann das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

10. November 1986
Das israelische Fernsehen startet in Anlehnung an "Aktenzeichen XY... ungelöst" die Fahndungssendung "Crime Investigation".

28. April 1987
In den USA und Kanada entsteht die Fahndungssendung "Americas most wanted" ebenfalls nach dem Vorbild von Aktenzeichen XY… ungelöst".

6. November 1987
200. Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst": Eduard
Zimmermanns Tochter Sabine tritt die Nachfolge von Irene Campregher an und wird damit Co-Moderatorin.

5. Oktober 1990
Zwei Tage nach der Vereinigung Deutschlands wird beim DFF in Berlin-Adlershof ein eigenes XY-Aufnahmestudio eingerichtet. Moderation: Annette Judt.

8. März 1991
Der DFF wird nach dem Einigungsvertrag im Laufe des Jahres 1991 aufgelöst. Auf dem ehemaligen Defa-Gelände in Potsdam-Babelsberg wird ein Telefon-Aufnahmeplatz (Leitung: Dr. Monika Runge) für die Sendung installiert. Er ist für die Zuschauer aus den neuen Bundesländern unter der Telefonnummer Potsdam 965 31 15 zu erreichen.

November 1992
Der ungarische Fernsehsender MTV geht mit "Az XY Akta Megoldatlan" (die ungarische Übersetzung von "Aktenzeichen XY... ungelöst") auf Sendung.

24. Oktober 1997
300. Sendung "Aktenzeichen": Eduard Zimmermanns letzte Moderation, sein seit langem angekündigter Abschied vom "XY"-Bildschirm. Dr. Butz Peters wird dem Publikum als Nachfolger vorgestellt. Sabine Zimmermann bleibt Co-Moderatorin. Die Sendung erhält eine neue Studiodekoration.

19. Januar 2001
"Aktenzeichen XY… ungelöst" hat einen Stargast, den Boxer Axel Schulz. Er vertritt die Aktion "Kraft gegen Gewalt" des "Weißen Rings" gegen Jugendkriminalität. Zu deren Gunsten versteigert Axel Schulz seine signierten Boxhandschuhe.

18. Januar 2002
Moderatorenwechsel: Rudi Cerne wird neuer "Aktenzeichen XY"-Moderator. Als "Antrittsgeschenk" stellt Rudi Cerne den "XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen" unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministers vor.

3. Mai 2002
Erste Preisverleihung des "XY-Preises – Gemeinsam gegen das Verbrechen" im Bundeskanzleramt in Berlin, unter Würdigung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Die Preisträger sind live in der Sendung.

8. November 2002
350. Sendung: Für den Fall Ursula Hermann tritt Eduard
Zimmermann nach fünf Jahren Pause noch einmal vor die Kamera.

17. Januar 2003
"Aktenzeichen XY… ungelöst" erstmals ohne Beteiligung des ORF. Neue Studiodeko und leicht modifiziertes Format; Filme mit Originalstatements der Angehörigen, Opfer und Kripobeamten unterlegt.

8. Januar 2004
Die erste Sendung auf dem neuen Sendeplatz am Donnerstag, ohne Beteiligung des Schweizer Fernsehens.

29. April 2004
"XY" hat einen weiteren Stargast: Sebastian
Krumbiegel, Sänger der Gruppe "Die Prinzen". Er war selbst Opfer eines Gewaltverbrechens und engagiert sich seitdem für Zivilcourage. ("XY-Preis")

16. Oktober 2004
Sendestart der Präventionssendung "XY-Sicherheitscheck" als Ergänzung zur Fahndungssendung. Zwölf Mal immer samstags im ZDF. Moderation: Rudi Cerne.

27. Oktober 2005
"XY" bekommt eine neue Studiodekoration, eine komplett neue Grafik und wird nun zwölf Mal im Jahr ausgestrahlt. 

10. Mai 2007
400. "Aktenzeichen XY… ungelöst"-Sendung

11. Januar 2012
Rudi Cerne steht seit genau zehn Jahren für die Fahndungssendung der Welt vor der Kamera.

14. Oktober 2015
Die 500. Sendung wird ausgestrahlt.

26. Oktober 2016
Als Spin-off von "Aktenzeichen XY…ungelöst" widmet das ZDF dem Aspekt Prävention mit "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" eine eigene 90-minütige Live-Sendung.

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