Alles muss raus – Eine Familie rechnet ab

Eine große Drogeriemarktkette ist pleite. Firmeninhaber Max Faber (Robert Atzorn) hat spekuliert, sein Imperium steht vor dem Aus. Tochter und Geschäftsführerin Kerstin (Lisa Martinek) will die Firma sanieren, Verkäuferin Janine (Josefine Preuß) ihren Job behalten. Schicksale und Interessen gegensätzlicher Welten prallen aufeinander. Der fiktionale Film ist inspiriert von wahren Begebenheiten und diversen realen Firmenzusammenbrüchen.

  • ZDF, Montag, 13. und Mittwoch 15. Oktober, 20.15 Uhr
  • ZDF neo, Sonntag, 19. Oktober 2014, 21.45 Uhr (Teil 1+2)

Texte

Sendetermine, Stab und Besetzung

Montag, 13. Oktober 20.14, 20.15 Uhr (ZDF, 1. Teil)
Mittwoch, 15. Oktober 2014, 20.15 Uhr (ZDF, Teil 2)
Sonntag, 19. Oktober 2014, 21.45 Uhr (ZDFneo, Teil 1+2)

Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab

Zweiteiliger Fernsehfilm

Buch      Kai Hafemeister
RegieDror Zahavi
KameraGero Steffen
MusikStefan Hansen
TonManfred Banach
SzenenbildGabriele Wolff
SchnittFritz Busse
KostümRiccarda Merten-Eicher
MaskeWinnie Mattheus, Babette Bröseke
CastingAnja Dihrberg
ProduktionsleitungRoman Gustke
HerstellungsleitungLutz Weidlich
ProducerinSarah Kirkegaard
ProduzentOliver Berben
Redaktion                                        Caroline von Senden, Katharina Dufner
Länge     2 x 90 Min.

Eine ZDF-Auftragsproduktion von MOOVIE - the art of entertainment

 

Die Rollen und ihre Darsteller:

Max Faber    Robert Atzorn
Kerstin FaberLisa Martinek
Janine Krause Josefine Preuß
Frank Lander Florian Lukas
Henry Bergmann Benjamin Sadler
Ingrid FaberImogen Kogge
Oskar EtschBarry Atsma
MichaStefan Rudolf
Richard WeissgerberAnian Zollner
Marina Heike Hanold-Lynch
Ben LippmannStefan Konarske
Graf von LangmaakRainer Bock
Lotto KarlArmin Rohde
Christine SchwarzBibiana Beglau
und andere

"Die oben" und "die unten"
Von Katharina Dufner und Caroline von Senden (HR Fernsehfilm/Serie I - Fernsehspiel I)

"Alles muss raus" ist die Geschichte einer großen Pleite. Der Zweiteiler ist inspiriert von wahren Begebenheiten und realen Firmenzusammenbrüchen der letzten Jahre. Er erzählt, wie ein Unternehmer den Untergang seines Imperiums aufzuhalten versucht und dabei die gut gemeinten und sinnvollen Erneuerungsbestrebungen seiner Tochter ignoriert. Parallel erleben wir das Schicksal einer seiner zahlreichen Verkäuferinnen, die von der bevorstehenden Insolvenz überrascht und deren Leben sich grundlegend verändern wird.
Worin besteht der Reiz dieses Stoffes? Erwartet man eine läuternde Wirkung beim Betrachten des Untergangs der amoralisch Reichen und der Rettung der unschuldig Armen? Wie erzählt man heutzutage von einem Drama, das Zehntausende, primär Frauen, in die Arbeitslosigkeit stürzt?

Gemeinsam mit unserem Produzenten und mit Autor Kai Hafemeister haben wir uns für eine doppelte Erzählperspektive entschieden, weil wir in Wedel'scher Tradition parallel schildern wollten, wie "die oben" versuchen, den selbstverschuldeten eigenen Untergang mit allen Mitteln abzuwenden, und zugleich "die unten" in den Sog des sinkenden Großunternehmens geraten und diesem nicht entkommen können. Beide Seiten sind bereit, einiges zu tun, um nicht in die Armut zu stürzen - nur dass das Empfinden der eigenen Armut von unterschiedlichen Sichtweisen ausgeht. Für manche beginnt die Angst vor Armut beim Verlust der teuren Armbanduhr, andere wissen nicht mehr, wie sie ihre Wohnung bezahlen sollen. Und diese Gegensätze finden sich oft in ein und derselben Familie. So gibt es in fast jeder Unternehmensdynastie zumindest einen Aussteiger, der versucht, der Gesellschaft das zurückzugeben, was die eigene Familie ihr seiner Meinung nach genommen hat. Es ist schwer herauszufinden, welche Werte Gültigkeit haben, wenn die Familie als primärer moralischer Grundpfeiler ausfällt. Kriminalität ist offenbar immer ein möglicher Ausweg, in beiden Lebenswelten. Aber eben oft ein kurzlebiger.

Die Beschäftigung von Gesellschaft, Wissenschaft und Medien mit Kapital und Moral hat derzeit wieder Hochkonjunktur. Nicht erst seit Thomas Pikettys neuestem Buch fragt man sich wieder verstärkt, ob und inwiefern Reichtum verpflichtet. Wie ist der sozialen und ökonomischen Ungleichheit zu begegnen? Hat nicht jeder ein Anrecht auf gesellschaftlichen Aufstieg?
"Alles muss raus" ist die Geschichte vom Ende eines Familienimperiums, vom Versagen der Eigeninitiative gegenüber global geregelten Investitionen und vom allgemeinen Wunsch nach Wachstum und Wohlstand. Kann es eine große Erkenntnis geben? Vielleicht nur diese: Am Ende verlieren bei einer solchen Pleite fast alle.

Inhalt

Kurzinhalt
Die Drogeriekette Faber steht vor dem Aus: Gründer und Firmenchef Max Faber hat durch Aktienspekulation Millionenbeträge verloren und sieht keinen anderen Ausweg, als durch eine Planinsolvenz einen radikalen Neustart anzugehen. Tausenden von Angestellten, darunter die junge Verkäuferin Janine, droht jetzt die Kündigung. Doch nicht nur die Zukunft von Fabers Firma steht auf dem Spiel, sondern auch der Familienfrieden: Tochter Kerstin, die für eine Position im Faber-Imperium ihren Job im Ausland aufgegeben hat, lässt sich von ihrem Vater nicht länger in die zweite Reihe drängen. Sie will das marode Unternehmen nach ihren eigenen, zeitgemäßen Vorstellungen umstrukturieren – notfalls auch gegen den Willen des "Alten". Vergeblich versucht Ingrid Faber zwischen Mann und Tochter zu vermitteln. Als Kerstin erfährt, dass die Verkäuferin Janine bei einem Überfall auf ihre Filiale angeschossen wurde, nimmt sie Kontakt zu ihr auf und bringt mit Hilfe des Journalisten Henry Bergmann Janines Geschichte in die Presse, um die öffentliche Meinung gegen den ausbeuterischen Firmenchef Max Faber zu lenken. Janine nimmt Kerstins Hilfe gerne an. Sie ist schwanger von ihrem Freund Landers, der auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde, und hat soeben ihre Kündigung erhalten. Unterstützt von Landers‘ Sozialarbeiter Micha  entschließt sich Janine, gegen ihre Entlassung zu klagen – und gewinnt. Auch Kerstins Plan scheint aufzugehen: Sie gewinnt das Vertrauen der Gläubiger und Gewerkschafter zurück, und mit dem einflussreichen Oskar Etsch findet sich sogar ein interessierter Investor. Doch im entscheidenden Moment droht der Machtkampf zwischen Tochter und Vater zu eskalieren.

Inhalt erster Teil
Während die Berliner Drogerieverkäuferin Janine mit ihrem Freund Landers dessen Entlassung aus dem Gefängnis feiert, findet in einer Villa am anderen Ende der Stadt eine aufwändige Geburtstagsparty statt: Max Faber, Gründer der gleichnamigen Drogeriekette, begeht seinen 70. Geburtstag im Kreise von Geschäftspartnern und Verwandten. Darunter seine Tochter Kerstin, die als zweite Geschäftsführerin ins Familienunternehmen einsteigen soll. Doch nur der Firmenchef und seine Banker wissen, wie schlimm es um die Firma steht: Anstatt mithilfe seiner Kredite die laufenden Kosten zu decken, hat Faber bei Aktienspekulationen 200 Millionen Euro verzockt. Damit steht das ohnehin marode Unternehmen endgültig vor dem Aus.

Als Kerstin die Situation erfasst, setzt sie ihrem Vater die Pistole auf die Brust: Wenn er nicht selbst Insolvenz anmeldet, werden es die Gläubiger tun. Faber hat keine Wahl, als dem Rat zu folgen – um dann so weiterzumachen wie bisher: Mit Einsparungen beim Personal und Billigartikeln will er das Unternehmen "verschlanken". Doch auf der Gläubigerversammlung bringt Kerstin ihre eigenen Ideen zur geplanten Sanierung vor. Ihr leidenschaftlicher Appell für einen Neuanfang überzeugt die Gläubiger ebenso wie den Insolvenzverwalter. Ein Generationswechsel in der Firmenleitung könnte der maroden Drogeriekette ein neues Image verleihen, das sie für Kunden und Investoren wieder attraktiv macht. Um dieses Image in der Öffentlichkeit zu stärken, spannt Kerstin ihren Exfreund Henry Bergmann für sich ein, der als Journalist von den schlagzeilenträchtigen Faber-Interna profitiert.

Fabers Frau Ingrid setzt sich für ihre Tochter ein: Schon einmal, vor vielen Jahren, hat Faber sein eigenes Kind aus der Familie vergrault – ein zweites Mal kann er Ingrid das nicht antun. Doch Max Faber klammert sich an die Macht ebenso wie an seine Gewohnheiten. Beim Kontrollbesuch in einer Filiale werden er und Ingrid von der Verkäuferin Janine mit den miserablen Arbeitsbedingungen konfrontiert: nur eine Angestellte pro Schicht, kein Telefon, keine Überwachungskamera. Wie gefährlich das ist, wird klar, als Janine selbst bei einem Überfall auf die Drogerie angeschossen wird. Nur durch Zufall wird sie gerettet – von Landers‘ Sozialarbeiter Micha. Die beiden kommen sich näher. Doch im Krankenhaus erfährt Janine, dass sie von Landers schwanger ist. Als sie ihre Kündigung erhält, beschließt sie zu klagen. Zugleich gelingt es Kerstin Faber, Kontakt zu einem Investor aufzunehmen: Der smarte Oscar Etsch zeigt Interesse, wenn auch kein rein geschäftliches.

Inhalt zweiter Teil
Nachdem Janines Klage stattgegeben wurde, bietet Kerstin Faber ihr eine Zusammenarbeit an: Für die harten Verhandlungen mit Gewerkschaft und Gläubigern ist Janine das perfekte Maskottchen aus den Reihen der "Faber-Frauen", die künftig sogar am Gewinn beteiligt werden sollen. Janine freut sich: Da bald das Baby kommt, braucht sie jeden Cent. Zugleich hofft Janine auf einen Neuanfang mit ihrem Freund, der inzwischen einen Job bei der Müllabfuhr hat. Von dem unterschwelligen Konkurrenzkampf, den Landers hinter ihrem Rücken mit Micha ausficht, bekommt Janine wenig mit.

Kaum hat Kerstin der Firma ein neues Image verpasst und die Verhandlungen erfolgreich zu Ende geführt, als Faber unvermutet das Ruder wieder an sich reißt. Nachdem Kerstin sich mit Oscar Etsch schon einig geworden war, droht der Investor nun abzuspringen: Unter Fabers Führung, meint er, hat das Unternehmen keine Zukunft. Zudem wird Etschs privates Interesse zum Problem, denn Kerstin hat ihre Zuneigung zu Henry Bergmann wieder entdeckt und ist tief getroffen, als sie ihn mit einer anderen Frau und einem Kind sieht. Währenddessen bringt Henrys Zeitung eine neue Schlagzeile: Von Micha hat die Redaktion erfahren, dass ausgerechnet Janines Freund Landers und sein Saufkumpan Lotto-Karl hinter dem Überfall in der Faber-Drogerie steckten. Als Janine davon erfährt, ist sie am Boden zerstört: Nicht nur von Landers, auch von Micha fühlt sie sich verraten.

Erst im Streit mit ihrem Vater erfährt Kerstin, dass ihre Mutter einen Herzanfall erlitten hat. Vom Krankenbett aus versucht Ingrid zwischen Vater und Tochter zu vermitteln – vergeblich. Auf der alles entscheidenden Gläubigerversammlung treten Kerstin und Faber ein letztes Mal gegeneinander an. Doch auch wenn er weiß, dass er damit sein eigenes Lebenswerk endgültig zu zerstören droht: Faber gelingt es nicht, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Die Rollenprofile

Max Faber (Robert Atzorn)
Max Faber hat eine der größten Drogerieketten Deutschlands aufgebaut. Mit Intelligenz, Unerbittlichkeit, Kontrollwahn – und mit unternehmerischer Risikobereitschaft. Als sein Imperium wankt, tut er alles, um den Untergang abzuwenden. Aber seine veralteten Konzepte verschärfen nur noch die ökonomische Abwärtsspirale. Fabers Stolz auf die alten Siege macht ihn blind für die Herausforderungen der Gegenwart. Die versteht er genauso wenig wie den modernen Kunden, denn der will nicht mehr nur billig. Faber müsste erst über seinen Schatten springen und dann ins kalte Wasser. Aber: Wer kann das schon?

Kerstin Faber (Lisa Martinek)
Kerstin Faber wartet auf ihren Moment. Unter der Fuchtel eines Max Faber kann sich niemand entfalten, der genauso intelligent, unerbittlich und kontrollfanatisch ist wie er. In London hat Kerstin Karriere gemacht und als ihr Vater sie zur zweiten Geschäftsführerin machen will, nimmt sie das Angebot an. Natürlich läuft alles auf einen Machtkampf heraus, bei dem nur einer gewinnen kann. Kerstin ist sich sicher, dass ihr die Zukunft gehört. Auch wenn sie dafür vieles opfern muss – ihren Vater, und ihr Privatleben. Aber für Gefühle hat Kerstin ohnehin wenig Zeit. Wer einmal so verletzt worden ist wie sie, will sich nie wieder eine Blöße geben. Erst recht nicht gegenüber Henry Bergmann.

Janine Krause (Josefine Preuß)
Janine Krause ist die Trümmerfrau des 21. Jahrhunderts. Janine beißt sich durch jeden Dreck, den ihr das Schicksal vor die Füße wirft. Und das ist eine ganze Menge. Aber sich davon die Laune verderben lassen? Kein Bock. Besser Ärmel hoch und durchgegraben. Am anderen Ende des Tunnels wartet das Glück. Ganz bestimmt. Aber irgendwie kommt Janine da drüben einfach nicht an. Egal, wie viel sie ackert. Egal, wie viel sie investiert. Naja, dann leistet sie sich wenigstens einen neuen Nagellack. Janine liebt Landers. Ein harter Hund mit Witz und Muckis. Sie weiß, wie sie ihn anpacken muss. Er macht immer, was sie sagt. Naja, fast immer.

Landers (Florian Lukas)
Landers ist der Franz Biberkopf unserer Zeit. Ein hoffnungsloser Fall, von einer unerschütterlichen Hoffnung angetrieben: dass es schon mal klappen wird mit dem großen Geld, dem großen Deal, der großen Liebe. Dass Janine ihn nicht verlassen hat, als er in den Knast ging, das schweißt zusammen. Wenn nur die Eifersucht nicht wäre. Landers sieht Gespenster, wo es keine gibt. Und dann rastet er schon mal aus. Aber trotzdem: Für Janine macht Landers alles. Nur ein Job – das muss nicht sein. Vielleicht sollte er es mal im Lotto versuchen.

Henry Bergmann (Benjamin Sadler)
Henry Bergmann ist ein Journalist mit zu viel Fantasie. Vor ein paar Jahren hat er es übertrieben. Seine Flunker-Geschichten flogen auf und er war unten durch. Beim Berliner Tageblatt schreibt er eine Kolumne unter Pseudonym und wartet auf sein Comeback. Dafür würde er mit jedem paktieren – mit dem Teufel sowieso, aber auch mit der Liebe. Da passt es perfekt, dass Kers-tin Faber in die strauchelnde Firma ihres Vaters eintritt. Kerstin hat er immer rumgekriegt.

Oscar Etsch (Barry Atsma)
Oscar Etsch hat viel geerbt. Und noch mehr selbst verdient. Geld interessiert ihn nicht mehr, wenn kein Risiko dabei ist. Etsch spielt gern. Mit Geld. Und mit Menschen. Er liebt es, nicht berechenbar zu sein. Wenn er die Leute überraschen kann, ist er in seinem Element. Den Faber-Konzern retten, das wäre nach seinem Geschmack. Erst recht, wenn die Geschäftsführung von ihm abhängig ist und wenn sie so gut aussieht wie Kerstin Faber. Sie hat gemacht, was er nie geschafft hat: die Vergangenheit und den Vater hinter sich gelassen. Mit dem Konzern und mit Kerstin – da könnte Zukunft drin stecken. 

Ingrid Faber (Imogen Kogge)
Ingrid Faber guckt nicht nach vorne. Die Vergangenheit ist viel schöner. Damals, als die Kinder klein waren und der große Garten vor der Villa noch unberührt. Ingrid hat ihren Mann Max ein Leben lang unterstützt. Ohne sie wäre die Firma nicht so erfolgreich gewesen. Klar gab es auch mal Streit. Klar, dass sich meist Max durchgesetzt hat. Aber jetzt, wo alles den Bach runter geht, hat Ingrid keine Lust mehr auf Kompromisse. Jetzt wo ihr Körper Schwäche zeigt, wird sie stark. Endlich stellt sie sich ihrem Mann in den Weg. Aber vielleicht ist die Zeit der größten Krise nicht der passende Moment dafür.

Ein hoch dramatisches Spannungsfeld
Von Produzent Oliver Berben und Producerin Sarah Kirkegaard

Die Insolvenz einer bekannten Drogeriekette, die eine der Inspirationsquellen für unseren Film darstellt, gilt als größter Pleite-Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Nicht von ungefähr löste der spektakuläre Einzelfall eine breite Debatte aus, die die Öffentlichkeit bis heute bewegt. Denn er steht exemplarisch für eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, die Tausende von Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Schichten betrifft: Unternehmer, Banker, Politiker und Journalisten ebenso wie Angestellte, Gewerkschafter und künftige Hartz-IV-Empfänger. Die Schicksale und Interessen dieser Menschen scheinen Welten zu trennen. Doch in einer Situation, in der Existenzen auf dem Spiel stehen, drohen sie umso härter aufeinander zu prallen. In einem solchen hoch dramatischen Spannungsfeld eröffnet sich ein faszinierender Querschnitt unserer Gesellschaft, der zugleich aufzeigt, wie diese Gesellschaft (nicht mehr) funktioniert.

"Alles muss raus" nimmt dieses Spannungsfeld als Ausgangspunkt für ein fiktionales Fernsehdrama, das den bissigen Sog und die dynamische Erzählweise US-amerikanischer Serien mit dem oft stark überhöhten "Realismus" britischer oder französischer Sozialkomödien vereint. Mit einer unkonventionellen Dramaturgie und kontrastreichen Bildern erzählt der zweiteilige Film vom persönlichen und wirtschaftlichen Überlebenskampf der Menschen am oberen und unteren Rand unserer Gesellschaft. Auf der einen Seite steht ein eigensinniger alter Mann, der mit aller Härte sein Lebenswerk verteidigt – gegen seine eigene Tochter, die einen überfälligen Generationenwechsel erzwingen will. Auf der anderen Seite steht eine der vielen tausend Angestellten, eine pragmatische junge Frau, die allen Rückschlägen zum Trotz fest entschlossen ist, für ihr Glück zu kämpfen. Auf beiden Seiten gibt es Gewinner und Verlierer – aber selten Gerechtigkeit.

Wirtschaft, Finanzwesen, Medien, Politik, Alltag und Privatleben: All das greift beim "Fall" eines großen Unternehmens auf hochkomplexe Weise ineinander. Durch seinen unorthodoxen seriellen Erzählansatz ist es dem Drehbuchautor Kai Hafemeister gelungen, die unterschiedlichen, oft entgegengesetzten Hintergründe und Perspektiven konfliktreich mit- und gegeneinander ins Spiel zu bringen. Aus dieser vielschichtigen Vorlage ist unter der Regie von Dror Zahavi und unter Mitwirkung eines atemberaubenden Casts ein Film entstanden, der in jeder Hinsicht als außergewöhnlich gelten kann.

Alle Ebenen der Gesellschaftspyramide
Gespräch mit Autor Kai Hafemeister und Regisseur Dror Zahavi

Was hat Sie an dem Stoff "Alles muss raus" gereizt?

Kai Hafemeister: Ich habe schon lange nach einer Geschichte gesucht, die einen breiten Querschnitt unserer Gesellschaft erzählt. Und als Oliver Berben mich gefragt hat, was mir zu der Schlecker-Pleite einfällt, hatten wir einen gemeinsamen Erzählaufhänger. Bei einer großen Insolvenz greifen Wirtschaft, Medien, Politik und Finanzwesen ineinander und ermöglichen breit aufgefächerte Erzählstränge. Da gibt es Geschichten von Verlierern und von Gewinnern. Jede Insolvenz bringt Menschen aus gesellschaftlichen Schichten zusammen, die sonst vollkommen getrennt voneinander leben. Plötzlich entsteht eine Art Fahrstuhl, der alle Ebenen der Gesellschaftspyramide miteinander verbindet. Für ein paar geht es aufwärts, für viele geht es runter. Und für manche endet die Reise im Souterrain, also unter der Erde.

Dror Zahavi: Ja, genau, das Außergewöhnliche an diesem Stoff ist, dass er von krassen Widersprüchen und tiefen Kluften zwischen verschiedenen Welten erzählt: der Welt der Reichen und der Armen, der Welt von selbstgerechten Managern und kühl spekulierenden Bankern und der Welt um ihre Existenz kämpfenden Verkäuferinnen sowie der Welt der öffentlichen Medien, die nach Sensationen giert. Diese Konstellation mit ihrem gewaltigen Konfliktpotenzial hat mich auf Anhieb fasziniert. Als ich das Drehbuch von Kai Hafemeister gelesen habe, fand ich, dass er das Potenzial des Stoffes auf eine außergewöhnliche Art und Weise umgesetzt hat. Er lässt schräge Figuren und Charaktere, die scheinbar doch nur in ihren in sich selbst abgeschotteten Welten wandeln, knallhart und auch komisch aneinandergeraten. Das hat mich sehr gereizt.

Herr Hafemeister, inwiefern haben Sie sich beim Schreiben an realen Vorbildern orientiert und wo haben Sie die Geschichte fiktional erweitert?

Kai Hafemeister: Die realen Figuren sind mir nur eine Inspirationsquelle gewesen. Ich habe verschiedene Charaktere aus der Wirklichkeit miteinander verschmolzen und fiktive biographische und psychologische Aspekte eingearbeitet. Ich wollte keine Portraits von real existierenden Menschen schaffen, sondern den jeweiligen Typus. Deswegen ist "Alles muss raus" auch kein Film über die Schlecker-Pleite. Ich habe mich von verschiedenen realen Prozessen inspirieren lassen, neben Schlecker auch von Karstadt, Continental, Sal. Oppenheim, VEM Vermögensverwaltung und Quelle. Aber es ging mir um mehr. Ich sehe "Alles muss raus" in der Tradition der französischen und russischen Gesellschaftsromane aus dem 19. Jahrhundert. Unser Thema ist die Conditio humana in Zeiten des Neoliberalismus.

Und daher beleuchten Sie die Firmenpleite sowohl aus der Sicht der Unternehmerfamilie als auch aus der Sicht der Angestellten?

Kai Hafemeister: Es gibt viele Perspektiven bei dem Niedergang einer Firma – und jeder Beteiligte hat andere Ziele und Erwartungen. Eine Pleite macht manche Verlierer zu Gewinnern, sie lässt aber auch frühere Sieger scheitern. Im Sog der Ereignisse machen viele Fehler, selbst wenn sie das Richtige wollen. Und am Ende haben nicht nur die Verlierer einen Preis zu bezahlen, sondern auch die Sieger. Der Triumph kostet sie meist ihre morali-sche Integrität.
Durch das Erzählen verschiedener Seiten konnte ich der Komplexität einer Firmenpleite und ihren sozialen Verwerfungen wenigstens teilweise gerecht werden. Es ergibt sich im Idealfall ein Panorama oder besser: ein dreidimensionales Netz, in dem alle gesellschaftlichen Schichten miteinander verbunden sind und die Aktion einer Figur auf alle anderen abstrahlt. Hier hat jeder Verantwortung und jede Entscheidung, von den Eigentümern, dem Insolvenzverwalter, der Belegschaft und der Öffentlichkeit, schlägt in alle Richtungen durch.

Wie haben Sie sich dem Thema angenähert, Herr Zahavi?

Dror Zahavi: Selbstverständlich habe ich viel recherchiert. Doch im Sinne der Figuren und der Charaktere der Geschichte kam es darauf an, sich von den puren Tatsachen zu befreien, um allgemeine Verhaltensweisen in solchen Krisensituationen zu zeigen. Der Film ist eben viel mehr als die Rekonstruktion einer realen Pleite.

Und worauf haben Sie besonders Wert gelegt?

Dror Zahavi: Aufgrund der Farbigkeit und Tiefe der Charaktere und Schicksale und aufgrund der Vielfältigkeit der Erzählstränge habe ich mich bei der Erzählweise für eine Zuspitzung entschieden, die mir sehr viel Spaß bereitet hat.

Kai Hafemeister: Ich wollte das Netz von gesellschaftlicher Verantwortlichkeit, wie oben beschreiben, zeigen und emotional verständlich machen. Es war mutig, dass das ZDF diesen multiperspektivischen Ansatz mitgegangen ist. Immerhin haben wir verschiedene Genres miteinander kombiniert: die klassische Familiengeschichte, das Gesellschaftsdrama und die Sozialkomödie. Ich bin sehr gespannt, wie die Zuschauer dieses Konzept auf-nehmen werden.

Die Fragen stellten Karla Hirsch und Maike Magdanz

Fragen an die Schauspieler
Robert Atzorn, Lisa Martinek, Josefine Preuß, Florian Lukas, Benjamin Sadler, Barry Atsma und Stefan Rudolf

"Alles muss raus" ist inspiriert von wahren Insolvenz-Skandalen. Der Zweiteiler erzählt vom Überlebenskampf der Menschen am oberen und unteren Ende der Gesellschaft. Was hat Sie persönlich an Ihrer Rolle gereizt?

Josefine Preuß: An der Rolle generell hat mich gereizt, mal wieder eine Geschichte zu erzählen, die dem Zuschauer vielleicht die Augen öffnet und an dem Film, dass er auf vielen wahren Begebenheiten beruht. Das ist immer eine riesengroße Herausforderung, weil man ja niemandem mit seiner Rolle zu nahe treten will.

Robert Atzorn: Es war sehr informativ und lehrreich, sich mit Wirtschaftsthemen zu befassen. Themen, mit denen Schauspieler ja nicht unbedingt umgehen, es sei denn, es geht um Arbeitslosengeld oder man heißt Tom Cruise. Ich fand es interessant zu verstehen, wie so ein Riesen-Apparat, hier im Film der "Faber-Konzern", zu bewältigen ist, welch komplexe Vorgänge zu beachten sind, was Verantwortung für tausende Mitarbeiter bedeutet, wie die Geldflüsse funktionieren – oder nicht. Und schließlich, welche ethischen oder kapitalistischen Einstellungen die Entscheidungen beeinflussen. Was macht Geld und Macht mit dem Menschen? Wie geht er damit um? Wie korrumpierbar wird er? Verrät er seine Werte, in wie weit bleibt er sich treu?

Florian Lukas: Der Stärkere setzt sich durch, das fand ich reizvoll.

Benjamin Sadler: Besonders interessant war für mich die Verbindung von privater und professioneller Sicht eines Beobachters der eigentlich neutral bleiben sollte. Die Rolle der Presse bei solch öffentlichen Pleiten ist schon interessant.

Barry Atsma: Oskar Etsch ist nicht nur ein sehr erfolgreicher und knallharter Geschäftsmann, er hat auch eine andere, sanftere Seite. Seine Entwicklung war sehr interessant zu spielen. Natürlich auch weil Lisa Martinek mein Gegenüber war – die Chemie hat einfach gestimmt!

Welche Verantwortung hat man als Schauspieler, Figuren darzustellen, die an reale Begebenheiten angelehnt sind?

Robert Atzorn: Eine große Verantwortung, denn man möchte ja Verständnis für seine Figur erreichen, sie nicht diffamieren. In diesem Fall jedoch war es nicht so schwer, da Name und Person der Figur Max Faber fiktiv sind. Das war zum Beispiel bei meiner Rolle des Wolfgang Daschner in "Der Fall Jakob von Metzler" anders, da war ich viel näher dran.

Lisa Martinek: Die Figuren sind angelehnt und nicht biographisch, deswegen fand für mich keine direkte Auseinanderset-zung statt.

Josefine Preuß: Generell muss ein Schauspieler jede Figur, die er spielt, ernst nehmen. Man hat immer eine große Verantwortung gegenüber seiner Rolle. Der Zuschauer möchte ja die Beweg-gründe der Figur verstehen. Eine Figur darzustellen, die an reale Personen angelehnt ist, stellt eine besondere Schwierigkeit dar. Meine Rolle stellt eine Drogeriemarkt-Angestellte von vielen dar, aber trotzdem will man niemandem auf die Füße treten. An Insol-venzen hängen so viele Schicksale dran, viele leiden unter ihrer Kündigung.

Benjamin Sadler: Meine Figur basiert auf niemandem konkret, daher stellte sich für mich in diesem Fall die Frage nicht. Da war ich ganz "frei".

Stefan Rudolf: Eigentlich ist es einfach: die Verantwortung, die man bei jeder Rolle trägt – nämlich sie gut zu spielen!

Wie haben Sie sich Ihrer Rolle und dem Thema angenähert?

Lisa Martinek: Es gibt ein wunderbares Buch von Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm. Er beschreibt darin unter anderem den Wegfall der Preisbindung für Drogeriemarktartikel in den 70er Jahren, die Entstehung von Selbstbedienungsläden, die unterschiedliche Philosophie, die hinter jeder Konzernführung steckt und die Bedeutung von Begrifflichkeiten. Es gibt auch ein Kapitel über den Werdegang von Schlecker und die folgende Insolvenz. Diese Biographie zu lesen war für mich sehr aufschlussreich.

Benjamin Sadler: Abgesehen von der privaten Entwicklung und Anlehnung der Figur, die auch in gemeinsamer Arbeit mit Dror entstand, waren ein paar persönliche Gespräche mit Wirtschaftsjournalisten sehr ergiebig.

Josefine Preuß: Ich habe viel über das Thema gelesen, mir Interviews und Dokus angeschaut. Es gibt eine tolle Doku über die Schleckerfrauen. Man hat ja damals auch als Privatmensch viel in der Presse mitbekommen, aber trotzdem muss man sich in das Thema reinarbeiten.

Florian Lukas: Wer in Berlin lebt und mit offenen Augen durchs Leben geht, findet genug Inspiration für einen Charakter wie Landers. Eine spezielle Annäherung an die Rolle gab es nicht.

Robert Atzorn: Einkauf in Drogerie-Märkten, Internet-Recherche, die sehr unbefriedigend war, die Biografie von Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm und Vertrauen in das Drehbuch.

Stefan Rudolf: Micha hat eine gelähmte Hand, ein physisches Manko. Ich habe versucht mir vorzustellen, wie das ist, habe mir
einen Fahrradhandschuh angezogen und so versucht das ganze nachzustellen – wie geht man einkaufen, wie fährt man Auto? Daneben habe ich versucht, mich in den moralischen Zwiespalt meiner Rolle hineinzuversetzen, hab mir vorgestellt, wie es ist, sich in die Frau eines Freundes zu verlieben. Und ich habe mir Firmengeschichten etwas näher angeschaut.

Barry Atsma: Mein Vater war früher ebenfalls ein erfolgreicher Geschäftsmann. Mit ihm habe ich viel über meine Figur gesprochen, da ihm dieser Typ Mann sehr vertraut ist. Außerdem habe ich viel über Richard Branson auf youtube recherchiert, weil er ein Prototyp im Hinblick auf die Figur ist. Er strahlt eine Leichtheit, Lebenslust und gleichzeitig eine Einsamkeit und Härte aus, die für mich sehr inspirierend war.
Die Gespräche mit Dror Zahavi und die Arbeit am Kostüm waren ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt in der Vorbereitung. Die Kostümentwürfe haben mir ein deutliches Bild von dieser Figur ver-mittelt. Kleidung sagt sehr viel über eine Figur aus und die Überlegungen, die dahinter stecken, sind immer sehr wichtig für mich. Und natürlich habe ich mich mit einem Coach auf die deutsche Sprache vorbereiten müssen, da Deutsch nicht meine Muttersprache ist.

Zwischen dem Patriarchen und seiner ehrgeizigen Tochter entbrennt ein erbitterter Kampf um die richtige Rettungsstrategie des Unternehmens. Wie fühlt man sich in so einen Charakter hinein
?

Lisa Martinek: Das Drehbuch ist sehr gut geschrieben. Das wunderbare an guten Büchern ist, dass man nur genau lesen muss. Da steht alles drin. Kerstin ist keine kaltherzige Person. Sie versucht mit allen Mitteln den Konzern zu retten. Den Konzern, den ihr Vater aufgebaut hat, den Konzern, der sein Leben war. Sie kann bis zum Schluss nicht begreifen, dass ihr Vater stur bei seinem antiquierten Führungsstil bleibt und damit das Unternehmen an die Wand fährt. Die Art und Weise, wie die beiden miteinander kämpfen, erinnert an ein Gefecht zweier ebenbürtiger Partner – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Robert Atzorn: Ich sehe Max Faber als eine Führungskraft, dessen Credo ist: Es geht nur so, wie ich es will, und sonst geht’s gar nicht! Faber ist ein Bestimmer, ein Macher, verwurzelt in dem Glauben, dass nur sein Erfolgsrezept funktioniert – und das Ergebnis hat ihm ja auch lange Zeit Recht gegeben.
Den wichtigsten Satz dazu sagt der eventuelle Firmenretter Oskar Etsch: Die Firma ist sein Leben; er kann nicht sein Leben verkaufen! Max Faber ist eins mit der Firma, er ist die Firma, Tag und Nacht, Jahr für Jahr. Es gibt für ihn nichts anderes: Er hat die Firma erfunden, geboren, gepflegt, aufgebaut, erhalten, erweitert, grenzenlos expandiert. Alles gehört ihm: von der Kloschüssel bis zum überdimensionalen Bürogebäude, vom Warensortiment bis zum Kassenschlüssel – einfach alles! Wenn man nachvollzieht, wie er denkt, kann man sich leicht in ihn hineinversetzen.

Regisseur Dror Zahavi wurde bereits mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit?

Benjamin Sadler: Ich habe das Glück, schon zum dritten Mal mit Dror zusammen zu arbeiten und schätze seine genaue Beobachtung, die Freude am gemeinsamen Suchen und grundsätzlich sein Spaß am Arbeiten bzw. den Prozess des Filmemachens.

Lisa Martinek: Dror weiß, was er will und dafür kämpft er. Auf direktem Weg. Ich habe selten jemanden erlebt, der so unverblümt sagt, was er denkt. Und wenn er dann bekommt, was er will, ist er genau so euphorisch wie er davor verzweifelt war.

Barry Atsma: Dror ist ein Regisseur, der Dinge immer weiter hinterfragt. Er scheut sich nicht davor weiter zu suchen. Er sucht nicht die definitive Antwort, stellt aber gute Fragen. Er ist am Set sehr entspannt, weil er extrem gut vorbereitet ist. Das gibt ihm die Freiheit, wirklich offen zu sein. Offen für Vorschläge aller Beteiligten am Set, denen dadurch große Freiräume in ihrer Arbeit gegeben werden. So entsteht Kreativität!

Josefine Preuß: Dror Zahavi ist ein ganz genauer Regisseur. Er ist detailverliebt, probiert gerne aus und lässt ausprobieren. Dabei vertraut er seinen Darstellern. Wenn er ans Set kommt, ist er sehr gut vorbereitet. Er hat immer den Überblick, weiß, was er braucht und was er von den Darstellern will. Trotzdem lacht er viel, auch bei einem Dreh wie diesem und schafft damit ein wirklich gutes Arbeitsklima.

Robert Atzorn: Dror Zahavis Film über Marcel Reich-Ranicki hab ich gesehen, war mehr als angetan und zutiefst berührt, wie er diese schwierige biographische Geschichte erzählt hat. Ich war also sehr neugierig auf ihn und habe mich sehr gefreut, in seinem Film so exponiert spielen zu dürfen.
Da wir zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade beide einen Eltern-teil verloren haben, hatten wir sehr tiefe Gespräche über den Tod und ein sinnvolles Leben. Das öffnete den Raum für ein großes Vertrauen zueinander. Dror ist ein überaus genauer Arbeiter, voller Ideen, bis ins kleinste Detail vorbereitet, nie laut. Er gibt sich nur mit dem Besten zufrieden, was manchmal viele Wiederholun-gen bedeutet. Aber ich glaube, wir sind alle mit großer Freude und Intensität mitgegangen, um seinem Anspruch zu genügen.

Florian Lukas: Dror Zahavi habe ich erst beim Casting für dieses Projekt kennengelernt. Er ist unglaublich freundlich, schnell und präzise und immer bereit, sich durch die Ideen anderer inspirieren zu lassen. Seine positive Grundstimmung strahlt auf das gesamte Team aus – deshalb hat der Dreh großen Spaß gemacht. Für mich war es eine perfekte Zusammenarbeit.

Stefan Rudolf: Dror Zahavi ist für mich ein sehr energetischer Mensch, der sehr darauf bedacht ist, dass jede Szene ein Anlie-gen und ein Motiv hat. Er braucht für seinen Dreh Leute, die voll bei der Sache sind, da er sehr stark in Bildern denkt. Es ist ihm wichtig, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Fleck steht, was für uns alle eine große Herausforderung war. Dror Zahavi ist ein willensstarker Mensch mit unglaublichem Mut. Er beharrt auf den Dingen, die er in einer Szene sehen will. Er verlangt von seinen Schauspielern genauso viel wie von sich selber.

Gibt es Momente bei den Dreharbeiten, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Benjamin Sadler: Unser "echter" Drogeriemarkt erfreute sich großer Beliebtheit bei den Anwohnern, bis ihnen gesagt wurde, dass leider alle Produkte echt aber nicht zu verkaufen seien.

Florian Lukas: Grundsätzlich bin ich glücklich, endlich mal mit Josefine Preuß vor der Kamera gestanden zu haben. Sie hat ein großes Talent für Timing, sie ist kraftvoll und fröhlich, jeder einzelne Tag mit ihr war besonders.

Josefine Preuß: Meinen ersten Drehtag habe als Zuckerbrot und Peitsche empfunden. In Janines Wohnung hatte ich gleich die zwei emotionalsten und heftigsten Szenen zu spielen: In der Früh gab es eine Szene, bei der mir fast mein Kind rausgeprügelt wurde und am Nachmittag kam dann eine Liebesszene. Da musste ich dann schon lachen, dass man an einem Drehtag so eine Bandbreite an Gefühlen und Emotionen spielen muss! Das war ein intensiver Einstand, aber gut.

Barry Atsma: Der Nachtdreh mit Lisa Martinek im Auto war wunderbar. Wir saßen die ganze Nacht in einem Taxi, fuhren durch das wunderschöne Berlin und spielten dabei unsere Szenen. Das war eine sehr besondere Art, Berlin besser kennen zu lernen.

Lisa Martinek: Kerstin hält eine flammende Rede vor den Aktionären, um sie davon zu überzeugen, auf ihrer Seite zu sein und gegen ihren Vater zu stimmen. Wir drehten den ganzen Tag diese eine Szene. Irgendwann kam Dror zu mir und sagte: "Du hast die Leute nicht mehr, sie hören dir nicht mehr zu!" Ich sagte: "Die Komparsen hören diese Rede jetzt schon seit sechs Stunden! Die sind einfach müde, die interessiert das nicht mehr!" Dror erwider-te nur: "Spiel so, dass es sie wieder interessiert!"

Stefan Rudolf: Mir ist ein Moment mit Robert Atzorn in Erinnerung geblieben: Wir hatten eine Rangelei, zum Ende des Films, wo er mehrfach in die Fensterscheibe seiner Drogerie fallen musste. Ich musste ihm fast 20 Backpfeifen geben und seine Wange war schon ganz rot, obwohl sie überschminkt war. Er hat mir echt Leid getan und ich glaube, er konnte mich zum Schluss gar nicht mehr leiden.

Robert Atzorn: Die Szene, als Max Faber seine Frau findet, die einen Herzinfarkt erleidet. Diese Szene war mit zwei Einstellungen ohne Wiederholungen erledigt – für mich eine singuläre Erfahrung. Ich fragte mich: War das so gut? Oder so schlecht? Oder nicht wichtig genug?!

Die Fragen stellten Karla Hirsch und Maike Magdanz

Der Online-Auftritt: Firmenpleiten auf www.allesmussraus.zdf.de

Die Insolvenz von Faber ist eine Pleite mit einem selten zuvor erlebten, gesellschaftlichen Echo – so erzählt es der große ZDF-Zweiteiler. Auf der Onlineseite zum Film werden die Zuschauer eingeladen, die Fiktion zu verlassen und auf spielerische Weise die realen Insolvenzen der letzten Jahre in Deutschland zu erforschen. Hat es ähnlich große wirtschaftliche Niederlagen gegeben? Wie sahen die Rettungspläne aus? Welche Zukunftsperspektiven gibt es? Ladenfronten, Werbeplakate oder Einkaufstüten, wie jeder sie aus deutschen Innenstädten kennt, rufen zum Anklicken auf und geben anschließend Informationen zu den Pleiten verschiedener Unternehmen preis. Auf www.allesmussraus.zdf.de (ab 1. Oktober) kann sich der User durch die großen Insolvenzen der deutschen Wirtschaftsgeschichte klicken und reale Hintergründe von deutschen Pleiten kennen lernen.

Eine Dokumentation: Die Schlecker Story – Karriere, Kosmetik und Konkurs

Sendetermin: Montag, 13. Oktober 2014, 21.45 Uhr
ZDF-Auftragsproduktion / Spiegel TV GmbH

Autoren      Ron Boese, Gesine Müller
SchnittBerndt Burghardt
RedaktionClaudia Ruete
Länge 30 Min

Der fiktionale Fernsehfilm "Alles muss raus“ ist durch Patriarchen wie Anton Schlecker und zahlreiche andere deutsche Unternehmerfiguren und ihre Familiengeschichten inspiriert. Deshalb sendet das ZDF eine Dokumentation, die sich – exemplarisch für andere patriarchalisch geführte deutsche Unternehmen – mit der Geschichte des Drogerieimperiums Schlecker beschäftigt.
Der Niedergang des Unternehmens Schlecker gehört zu den größten Insolvenzen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Anton Schlecker formte aus einigen wenigen Metzgereien seines Vaters ein Milliarden-Imperium. In Spitzenzeiten verfügte der Schlecker-Konzern über rund 14.000 Filialen im In- und Ausland. Expansion war das Geschäftsmodell des Anton Schlecker, der sich extrem günstige Konditionen bei seinen Lieferanten sicherte. Legendär waren allerdings die schlechten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und die ständige Bekämpfung ihrer Mitbestimmung. Mehrfach geriet Schlecker deswegen in das Visier von Presse und Justiz. Das Imperium war bis zuletzt eine One-Man-Show des Patriarchen Schlecker. Die mangelnde Fähigkeit, sich den modernen Gepflogenheiten einer modernen Geschäftswelt anzupassen, bedeutete schließlich das Ende des Milliarden-Unternehmens. Anton Schlecker verlor fast sein gesamtes Vermögen und rund 25.000 Menschen ihren Job. Die Autoren Ron Boese und Gesine Müller zeichnen den Aufstieg und den Niedergang des Imperiums mit Hilfe von Zeitzeugen nach.

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Die Dokumentation "Die Schlecker Story - Karriere, Kosmetik und Konkurs" im ZDF am Montag, 13. Oktober 2014, 21.45 Uhr

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