Wotan Wilke Möhring, Julia Koschitz, Copyright: ZDF / Volker Roloff
Wotan Wilke Möhring, Julia Koschitz, Copyright: ZDF / Volker Roloff

Am Ruder

Krimi nach der Kurzgeschichte "Das Innere" von Jakob Arjouni

Michael Schröder ist Inhaber eines Fitnessstudios, das nicht läuft. Weil ihm finanziell das Wasser bis zum Hals steht, beschafft seine Frau ihm einen Kredit. Als er in der Bank eintrifft, wird er Zeuge eines Überfalls und als Geisel genommen. Der maskierte Bankräuber entpuppt sich als Bankräuberin. Nina wirkt aggressiv und unberechenbar. Das zermürbende Warten auf Lösegeld und Fluchtwagen lässt aus Geisel und Geiselnehmer schließlich eine Schicksalsgemeinschaft werden. Michael weiß sogar, von wem sie noch mehr Geld einfordern können. Dann läuft alles aus dem Ruder.

  • ZDF, Mittwoch, 7. Juni 2017, 20.15 Uhr

Texte

Stab und Besetzung

BuchAlexandra Maxeiner, Stephan Wagner nach der Kurzgeschichte "Das Innere" von Jakob Arjouni
RegieStephan Wagner
KameraThomas Benesch
TonAchim Strommenger-Reich
MusikAli N. Askin
SchnittSusanne Ocklitz
Szenenbild Annette Lofy
KostümbildPetra Kilian
Produktioncarte blanche Film GmbH & Co. Potsdam KG
Produzent Stephan Wagner
ProducerinCornelia Wecker
ProduktionsleitungSebastian Stürmer
RedaktionKarina Ulitzsch
Länge

88 Minuten

Rollen/Darsteller
Michael Schröder  Wotan Wilke Möhring
Nina Julia Koschitz
Elisabeth Schröder v. H. Inga Birkenfeld
CorneliusGodehard Giese
Marlin Duve Thelma Buabeng
Jens GoedeDirk Borchardt
Timo Hartmann  Rainer Piwek
Dr. Enrico Brunnemeyer Simon Licht
Martin Glasner Hubertus Hartmann
Frau GülcanSelale Gonca Cerit
und andere

Inhalt

Michael Schröder ist Inhaber eines Fitnessstudios, das nicht läuft. Auch seine Ehe mit der adligen und wohlhabenden Rechtsanwäl­tin Elisabeth existiert nur noch auf dem Papier. Sie lebt ihre Lie­besbeziehung mit Lover Cornelius offen aus, eine Scheidung ist aus Renommee-Gründen für Elisabeth allerdings undenkbar.

Weil Michael finanziell das Wasser bis zum Hals steht, beschafft sie ihm einen Kredit. Als er dafür in der Bank eintrifft, wird er bei einem Überfall als Geisel genommen.

Vor der Bank baut sich ein großes Polizeiaufgebot auf. Einsatz­leiter Goede und Staatsanwältin Duve versuchen den Bankräuber hinzuhalten.

Innen beginnt ein Nervenspiel zwischen Geisel und Geisel­nehmer. Der maskierte Bankräuber entpuppt sich als Bankräube­rin. Nina wirkt aggressiv, lebensmüde und unberechenbar. Das zermürbende Warten auf Lösegeld und Fluchtwagen lässt aus Geisel und Geiselnehmer schließlich eine Schicksalsgemein­schaft werden. Michael weiß sogar, von wem sie noch mehr Geld einfordern können. Doch dann läuft alles aus dem Ruder.

"Die Geschichte eines Amoklaufs" - Statement von Stephan Wagner

"Heist-Movies" sind ein fester Bestandteil unserer filmischen Kultur. Sie bieten dem Publikum eine breitgefächerte Projektions­fläche, gibt doch die stille Sehnsucht eines jeden Zuschauers, mit einem Schlag alle finanzielle Sorge hinter sich lassen zu können, genügend Identifikationsgrundlage. Natürlich ist es falsch, unmo­ralisch und gegen das Gesetz, aber man wird doch mal träumen dürfen.

Für das Geschichtenerzählen mit den Mitteln des Traumes ist der Spielfilm zuständig und damit auch das Fernsehen. Wo es Täter gibt, gibt es Opfer, Geiseln, Waffen, Polizei, zwischenmenschli­che Extremsituationen auf engstem Raum – alles Zutaten für des Deutschen liebste Fernsehunterhaltung: den Krimi.

Jakob Arjounis Kurzgeschichte "Das Innere" war Ausgangspunkt für unseren „Heist- Movie“. Der Berliner Autor mit großem Herz für besondere Kriminalgeschichten ("Happy Birthday, Türke!") hatte sich dem Subgenre aus der Sicht einer männlichen Geisel genähert. Gemeinsam mit der Frankfurter Autorin Alexandra Maxeiner habe ich seine Grundgeschichte bearbeitet und die Handlung der Kurzgeschichte auf Spielfilmlänge erweitert.

"Am Ruder" erzählt die Geschichte eines Amoklaufs. Ein Ringen um Kontrolle unter extremen Bedingungen: Wie verhält sich ein Mensch am Rande der Unerträglichkeit? "Michael kann mehr Last auf seinen Schultern tragen, als alle anderen Menschen, die ich kenne", wird der Hausfreund von Familie Schröder von Hagen dem Polizeipsychologen versichern. Und Cornelius weiß genau, wovon er spricht, schließlich gibt er Michaels Frau Elisabeth seit Jahren mehr Halt als Michael lieb ist.

Als Regisseur interessiert es mich, den Zuschauer an einem ver­abredeten Ausgangspunkt abzuholen und auf eine Reise mitzu­nehmen, die unerwartete Richtungen einschlägt und unvorherge­sehene Routen nimmt. Wenn er dann – von Unterhaltung gesät­tigt und Überraschungen erschöpft – so das Ende der Geschichte erreicht, dass er unseren gemeinsamen Ausflug so schnell nicht vergisst, habe ich mein Ziel erreicht.

"Vom Weichei zum Helden" - Interview mit Wotan Wilke Möhring

Michael Schröder war ein erfolgreicher Sportler, hat die Frau geheiratet, die er in den gemeinsamen Studentenzeiten ken­nen und lieben gelernt hat und steht vor den Scherben seines Lebens: Sein Geschäft ist am Boden und seine Frau betrügt ihn. Wie kommt es zu diesem Absturz? Wie hat Sie persönlich dieses Schicksal berührt?

Was mich berührt hat, ist die nachvollziehbare Mischung aus sich Auseinanderleben im Alltag und sich in finanziellen Dingen über­nehmen – und das gleichzeitig. Also Stress als Grund für das Zerwürfnis. Außerdem akzeptiert er sogar den Liebhaber der ei­genen Ehefrau im Haus – soweit ist es mit ihm schon gekommen. Die sportliche, kämpferische Haltung, die er vorher in Wettbewer­ben zeigte, kann er im Privaten nicht umsetzen.

Als Geisel sind Sie einer offensichtlich lebensmüden Frau völlig ausgeliefert und stehen der Situation ohnmächtig ge­genüber. Wie gelingt es Michael, das Vertrauen von Nina zu gewinnen?

Zunächst ist er nur Mittel zum Zweck, weil er zufällig als Einziger in einer Bank als Geisel zur Verfügung steht. Durch die zuneh­mende Wartezeit auf das Lösegeld und den gemeinsamen Alko­holkonsum entsteht tatsächlich eine bizarre Nähe, die fast etwas Erotisches hat, und in der Angst ahnt er, dass es immer besser ist, sich mit dem Geiselnehmer gut zu stellen.

Während der Geiselnahme kommen sich Michael und Nina näher – zwei Verlorene scheinen sich Halt zu geben, bis Michael die Kontrolle über die Situation gewinnt. Wie kommt es zum Bruch der Figur?

Im Ausgeliefertsein und der damit verbundenen besonderen Situ­ation außerhalb des Alltags kann er gleichzeitig seine eigene pri­vate Situation reflektieren und sich durch die sich ihm bietende Gelegenheit von seiner privaten Situation befreien. Er wird vom Weichei zum Helden, ohne es zu ahnen oder zu wollen.

Was hat Sie an der Rolle des Ruderers Michael Schröder gereizt?

Eben genau diese Reise. Dass es einer besonderen Situation be­darf, um all die Schwächen, die er im Alltag zeigt, abzulegen.

Das Interview führte Manuela Mehnert

"Opfer ihrer eigenen Umstände" - Interview mit Julia Koschitz

Ein Schicksalsschlag kann einem Menschen den Boden unter den Füßen wegreißen. Aber es braucht noch etwas mehr, um so ein radikales Vorhaben wie einen Bankraub umzusetzen. Was treibt Nina an?

Nina erlebt ein großes Unglück, das ihr jeglichen Halt in ihrem Leben nimmt. Weder hat sie ein Umfeld, das sie auffängt, noch hat sie die Kapazitäten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Die­ser ohnehin labile Mensch gerät psychisch und dadurch auch existentiell immer mehr in eine Notlage. Die Entscheidung, eine Bank auszurauben, entsteht also aus Verzweiflung, weit entfernt von einem kühl durchdachten Plan. Aus ihrer Sicht scheint dies der letzte Ausweg aus ihrer Situation zu sein.

Zuschauer kennen meist männliche Bankräuber. In diesem Fall spielt eine weibliche Bankräuberin, als Mann verkleidet, ihre Macht aus, bedroht ihre Geisel und erzeugt Angst. Ge­nießt Nina anfangs ihre überlegene Situation?

Nina fühlt sich als Opfer ihrer eigenen Umstände. Insofern ge­nießt sie die Momente, in denen sie die Dinge unter Kontrolle hat, wie zum Beispiel ihre Geisel. Sie genießt den Respekt, der ihr plötzlich entgegengebracht wird. Dass sie eine Waffe braucht, um sich ernst genommen zu fühlen ist natürlich bedenklich, zeigt aber vor allem, wie einsam und haltlos sie eigentlich ist. Es geht ihr nicht primär darum, Macht auszuüben. Es ist vielmehr ein Ve­hikel, um in Beziehung zu gehen – selbst zu ihrer Geisel, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt.

Der Polizeipsychologe geht von einem affektiv-labilen Einzel­täter aus, der eine instabile Persönlichkeit mit Borderline-Typus zu besitzen scheint. Schätzen Sie die Figur Nina auch so ein?

Ja, das trifft es sehr genau. Sie ist unberechenbar, weil sie selbst nicht weiß, was sie im nächsten Moment tun wird. Ihr Handeln folgt keiner Taktik und schon gar keiner Vernunft. Auch wenn sie weit entfernt von einem versierten Bankräuber ist, ist sie tatsäch­lich gefährlich, vor allem aber für sich selbst.

Die Rolle von Nina zeichnet das Bild einer außer Kontrolle geratenen Frau, die zu allem bereit ist. Was hat Sie an dieser Frauenrolle gereizt?

Genau das. Einen Menschen zu spielen, der bei aller Unbere­chenbarkeit in seinem (selbst-)zerstörerischen Weg konsequent ist, trotzdem romantisch verklärt und vor allem rührend und ko­misch zugleich ist.

Ihre Figur bricht mit der zermürbenden Dauer der Geisel­nahme immer mehr zusammen und versucht schließlich, die Geisel dazu zu überreden, gemeinsame Sache zu machen. Glaubt Nina an einen Neuanfang?

Ja, für einen kurzen Moment glaubt sie an diesen verrückten Traum, an den Retter in der Not, auf den sie wahrscheinlich ein Leben lang gewartet hat. Die Bereitschaft, sich selbstvergessen dieser Idee hinzugeben, rührt aus der tiefen Sehnsucht, endlich aufgefangen und erlöst zu werden.

Das Interview führte Manuela Mehnert

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