Bitte beachten Sie: Am Dienstag, 12. Juli 2022, finden ganztägig Wartungsarbeiten statt. In dieser Zeit werden die Presseportalinhalte nicht zur Verfügung stehen.

APP

Thriller (NL) mit Second-Screen-Angebot und Dokumentation

Eine App infiziert das Smartphone und beginnt, selbstständig zu agie­ren. Der Thriller "APP" veranschaulicht, wozu eine App fähig ist. Zusammen mit dem Second-Screen-Ange­bot können die Zuschauer dies erleben: Zuvor auf Smartphones heruntergeladen und zu Beginn des Films aktiviert, beginnt die App in der Realität auf dem mobilen Endgerät des Zuschauers zu agieren. Teil des ZDF-Programmakzents "Im Visier der Datenjäger" ist auch die 2-teilige Dokumentation "Verschwörung gegen die Freiheit". ZDF-Terrorismus- und Geheimdienstexperte Elmar Theveßen forscht nach Hintergründen und politischen Folgen der weltweiten Abhör- und Überwachungsprogramme.

  • ZDF, Montag, 26. Mai 2014, 22.15 Uhr; Zweiteilige Dokumentation: Di, 27. Mai 2014, 20.15 Uhr und Mi, 28. Mai 2014, 22.55 Uhr

    Texte

    Mit dem Zweiten sieht man besser

    Es gibt viele Gründe, warum Zuschauer während des Fernseh­konsums einen Second Screen nutzen, vorzugsweise ein Tablet oder ein Smartphone. Es gilt, Leerstellen in der langweiligen Casting-Show zu überbrücken, die Millionen-Euro-Frage schnell im Internet zu googeln, mit den Freundinnen über die neuen Topmodels abzulästern oder im gemeinsamen Chat auf Mörder­suche zu gehen, während der TV-Kommissar auf der Mattscheibe noch im Dunkeln tappt. Die Sender versuchen, über Second-Screen-Angebote ihre Zuschauer zu binden, denn merke: Wer surft, der zappt nicht. Und dass die Werbebranche über zusätzli­che Second-Screen-Angebote gerne die Vorlieben und das Kauf­verhalten der geschätzten Vielseher ausspioniert, ist ein offenes Geheimnis.

    Bis zu 20 Prozent aller Zuschauer greifen laut einer Online-Studie von ARD und ZDF auf einen Second Screen zu, um sich zusätzli­che Informationen zur gerade eingeschalteten Fernsehsendung zu besorgen. Bis zu 50 Prozent sind es sogar, die parallel zur Sendung mit anderen medialen Angeboten beschäftigt sind. Die Zeichen der Zeit sind eindeutig: Fernsehen und Internet werden immer stärker zusammenwachsen. Unser Rezeptionsverhalten wird sich immer mehr verändern.

    Zusätzliche Online-Angebote zum aktuellen Fernsehprogramm sind inzwischen selbstverständlich für alle TV-Anbieter. Der nie­derländische Thriller „APP“ betritt Neuland. Die zusätzliche App zum Film bietet mehr als nur Trailer, Cast-Informationen oder Hintergrundberichterstattung. Die App, die zu Beginn des Films aktiviert werden muss, läuft parallel zur Spielfilmhandlung und besitzt eine dramaturgische Erzählfunktion. Über Zeitungsartikel, SMS-Dialoge, Filmsequenzen und variierte Kameraeinstellungen, die so im Film nicht zu sehen sind, taucht der Fernsehzuschauer nicht nur tiefer in das Geschehen ein. Er gewinnt auch zusätzli­che Informationen, und ist den handelnden Figuren oft ein Stück voraus. Er ist Mittäter, wenn Studenten mit ihren Handys einen Selbstmord filmen oder Nacktbilder der Protagonistin auch auf seinem Second Screen landen. Und der Zuschauer ist zugleich Opfer, muss er doch feststellen, dass er genauso neugierig und experimentierfreudig, aber auch so naiv und sorglos die Möglich­keiten des Internets nutzt wie unsere Filmheldin. "APP" ist ein spannendes Spiel mit Seh- und Rezeptionsgewohnheiten, das in erster Linie Spaß machen soll, aber auch zum Nachdenken anre­gen darf.

    Für die Macher des Montagskinos ist "APP" eine besondere Her­ausforderung, mit der einige Fragen verbunden sind: Werden bis zum Moment der Sendung genug Zuschauer die App herunterge­laden haben? Wie wird das ZDF-Publikum auf ein derartiges An­gebot reagieren? Ein interessantes Experiment ist es allemal!

    Zur Beruhigung der klassischen Fernsehzuschauer sei hier ge­sagt, der Spielfilm "APP" ist auch ohne Nutzung des Second Screens spannende Krimiunterhaltung. Aber wie heißt es so schön im ZDF-Slogan: Mit dem Zweiten sieht man besser!

    Doris Schrenner
    Verantwortliche Redakteurin, Hauptredaktion Spielfilm

    Das Smartphone hört aufs Fernsehen

    Anna, die Heldin des Spielfilms "APP", bekommt eine Nachricht: Auf ihrem Handy ist das Bild eines Revolvers zu sehen. Zur sel­ben Zeit erscheint dasselbe Bild auf den Handys und Tablets der Zuschauer, die den Film sehen. So weit, so gut.

    Das funktioniert aber auch noch unabhängig von der Sendezeit oder wenn der Film auf DVD geschaut wird – wie geht das denn? Im Prinzip ist es ganz einfach: Die App hört über das eingebaute Mikrofon im Smartphone oder Tablet mit und entschlüsselt den Filmton im Hintergrund. Das heißt: Die App "weiß" immer ganz genau, welche Filmsequenz gerade läuft.

    Damit das funktioniert, müssen Film und App aufeinander abge­stimmt werden: Auf Filmseite werden die Tonspuren mit einem für das menschliche Ohr unhörbaren Wasserzeichen versehen. Die App wird entsprechend so programmiert, dass an bestimmten Stellen Inhalte auf dem mobilen Endgerät angezeigt werden. Wenn sich mehrere Zuschauer vor einem Fernseher mit ihren unterschiedlichsten Geräten den Film anschauen, wirkt es fast schon etwas unheimlich, wenn zeitgleich alle Bildschirme an­springen und dasselbe Bild zeigen.

    Um alle weiteren Unwägbarkeiten auszuschließen, die zu Verzö­gerungen bei der Darstellung führen könnten – wie zum Beispiel langsames Internet oder Server-Überlastung – befinden sich alle Inhalte in der App lokal auf jedem Endgerät. Das bedeutet zwar, dass die App an sich sehr groß ist – für die Apple-Variante sind es beispielsweise rund 78 MB – und entsprechend mehr Speicher im Gerät einnimmt, letztlich können die Inhalte so immer verläss­lich und in einer guten Qualität angezeigt werden.

    Befürchtungen, dass mit dem Aktivieren des Mikrofons für diese App nun sämtliche Gespräche im Wohnzimmer auf irgendwelchen fremden Servern landen, muss jedoch niemand haben: "APP" funktioniert auch im "Flugmodus", also ohne jegliche Inter­netver­bindung.

    Die von der Firma Service2Media unter hohem Aufwand entwi­ckelte App ist ein vielversprechender Ansatz, den Second Screen ohne großes Zutun der Zuschauer mit dem Fernsehsignal zu kop­peln, um passgenaue Inhalte zum Programm anbieten zu können. Dieses Verfahren ist unter den derzeit in Entwicklung befindlichen Möglichkeiten der Synchronisierung, die wir selbstverständlich ebenfalls für einen Einsatz prüfen, das aus Zuschauersicht ele­ganteste.

    Andererseits: App und Film über das Tonsignal abzugleichen, ist aktuell sehr arbeitsintensiv – zu umfangreich, um dauerhaft und ständig TV-Sendungen damit zu bespielen. In diesem speziellen Fall standen wir über Wochen in intensivem Austausch mit den Entwicklern der im Rahmen der Kinoproduktion in London und den Niederlanden entstandenen App, um die deutsche Sprach­fassung zu perfektionieren.

    Ein Live-Signal wie eine Nachrichtensendung ließe sich so noch nicht bestücken. Daher wird es sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis eine wirklich smarte Koppelung von Fernseher und Smartphone flächendeckend zum Einsatz kommt. Punktuell, vor allem bei erfolgversprechenden seriellen Formaten, die sich dra­maturgisch auf einen Second Screen abstimmen lassen, kann sich diese Arbeit aber durchaus lohnen. Es gibt also gute Gründe, die Technik im Auge zu behalten.

    Frank Baloch
    Verantwortlicher Redakteur, Hauptredaktion Neue Medien

    Stab, Inhalt

    Montag, 26. Mai 2014, 22.15 Uhr

    APP
    Niederländischer Thriller
    mit Second-Screen-Angebot
    Free-TV-Premiere im ZDF Montagskino

    Regie                               Bobby Boermans
    Drehbuch                         Robert A. Jansen
    Kamera                            Ezra Reverda
    Schnitt                             Brain Ent
    Musik                               Herman Witkam
    Produktion                       2CFilm, Just Bridge Entertainment,  Just Film Distribution

    Cast

    Anna Rijnders                  Hannah Hoekstra
    Sophie Welts                   Isis Cabolet
    Tim Maas                         Robert de Hoog
    Sim                                  Mark van Eeuwen
    Henry                              Patrick Martens
    Dr. Carlo                          Harry van Rijthoven
    Stijn Rijnders                   Alex Hendrickx

    Inhalt

    Nach einer feuchtfröhlichen Studenten-Fete entdeckt Anna (Hannah Hoekstra) auf ihrem Smartphone eine App namens "Iris", die Antworten auf alle Fragen verspricht. Aber "Iris" ist nicht nur allwissend, sondern drängt sich immer stärker in das Leben der Studentin hinein. Plötzlich tauchen intime Videoclips von ihr und ihrer besten Freundin Sophie (Isis Cabolet) im Internet auf. Der Philosophieprofessor wird auf unangenehme Weise vor seinen Studenten geoutet und mysteriöse Anrufe versetzen Anna in Angst und Schrecken. "Iris" hat sich wie ein gefährlicher Virus in das Leben all ihrer Freunde und Bekannten eingeschlichen ... mit tödlichen Folgen.

    Weitere Informationen unter http://appfilm.zdf.de

    Zu den Darstellern

    Hannah Hoekstra
    (Anna)

    Die 1987 geborene Schauspielerin Hannah Hoekstra besuchte vier Jahre die Amsterdamer Schule für Drama und zeitgenössi­sche Musik und arbeitete danach mit verschiedenen Theaterkom­panien zusammen. 2012 wurde sie mit ihrer Rolle des Mädchens "Hemel" in dem gleichnamigen Erotikdrama bekannt. Für ihre Darstellung einer jungen Frau, die anhand zahlreicher nächtlicher Abenteuer die Grenzen zwischen Lust und Liebe erkundet, erhielt sie das "Goldene Kalb", den wichtigsten niederländischen Film­preis. Da­nach trat sie in einigen niederländischen Fernsehserien auf, hatte einen kleinen Auftritt im ersten Teil der Arne-Dahl-Mini­serie, "Arne Dahl: Falsche Opfer", die auch im ZDF zu sehen war. Gerade hat sie den irischen Horrorfilm "The Canal" abgedreht.

    Isis Cabolet
    (Sophie)

    Isis Cabolet machte 2011 ihren Abschluss an der Schauspielaka­demie von Maastricht. Ähnlich wie ihre Schauspielkollegin Hoekstra arbeitete sie zunächst am Theater. Bekannt wurde sie im letzten Jahr mit ihrer Rolle der lebensfreudigen Sophie in dem Second-Screen-Film "APP". Gerade abgedreht hat sie den Psy­chothriller "Lucia de B.", der den wahren Fall einer niederländi­schen Serienmörderin thematisiert.

    Robert de Hoog
    (Tim)

    Robert de Hoog gab sein Debüt in dem TV-Film "Skin", wofür er das "Goldene Kalb" als bester Hauptdarsteller erhielt. Darüber hinaus wurde er für die Rolle eines jüdischen Jungen, der sich den Skinheads anschließt, für einen International Emmy Award nominiert. Danach drehte er in seinem Heimatland zahlreiche Fernsehserien wie "Zeeuws Meisjes", "Keyser & De Boer Advocaten" und "Hof van Joosten en Roes". Sein neuester Kino­film, das Mystery-Drama "Eternal Love", startet im April 2014 in den holländischen Kinos.

    Die App zum Film - Anleitung und technische Voraussetzungen

    Vor Beginn des Films muss die App heruntergeladen werden. Die App ist kostenlos und werbefrei. Sie kann unter dem Begriff "App – Der Film" sowohl im Apple App Store (für iOS-Geräte) als auch im Google Play Store (für Geräte mit dem Android-Betriebssys­tem) heruntergeladen werden.

    Apple: Unterstützt werden alle iOS-Geräte (iPhone, iPad, iPad mini, iPod touch) mit der iOS-Version 5.0 oder höher, die App ist rund 78 MB groß.

    Android: Die App läuft auf allen Geräten mit Android 2.3x oder höher und umfasst rund 151 MB.

    Direkt zu den Stores über folgende Links:

    https://itunes.apple.com/de/app/id600055708

    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.service2media.appthemovie

    Und so geht’s:

    1.   Aktivieren Sie die App zu Beginn oder während des Films durch Antippen von "Start".

    2.   Erlauben Sie gegebenenfalls der App den Zugriff auf das Mikrofon und halten Sie das Mikrofon frei.

    3.   Stellen Sie den Filmton laut genug ein.

    4.   Die Inhalte der App kündigen sich durch ein kurzes zweifa­ches Vibrieren an.

    Die App downloaden

    "Stecken Sie Ihr Handy ins Gefrierfach"

    Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, über Datensicherheit in der digitalen Welt

    Nach Stuxnet und der Causa Snowden haben Sie immer mehr mit Datensicherheit zu tun. Hätten Sie vorher je gedacht, dass die Möglichkeiten des Abhörens so umfangreich sein würden und dass diese auch genutzt werden?

    Ich wusste aufgrund von Medienberichten und eigener Recher­chen, dass die NSA nach 9/11 ihre Kapazitäten massiv ausgebaut hatte. Ich wusste auch, dass sie sich dabei skrupellos über das amerikanische Recht hinwegsetzte. Aber dieses Ausmaß war auch für mich unvorstellbar.

    Hat das Auswirkungen auf Ihre eigene Kommunikation?

    Ich bin deutlich vorsichtiger bei der Nutzung sozialer Netzwerke geworden und nutze für bestimmte Aktivitäten auch einen beson­deren E-Mail-Provider. Außerdem habe ich mich intensiver mit der Verschlüsselung meiner Daten beschäftigt.

    Hat das ZDF aktive und passive Gegenmaßnahmen getroffen, um die eigenen Journalisten und ihre Informanten vor Spio­nage zu schützen?

    Wir haben eine Reihe von Kolleg(inn)en, die mit sensiblen Daten umgehen, im Rahmen eines Workshops geschult und Ihnen auch Verschlüsselungstechniken gezeigt – eine dienstliche "Krypto-Party" gewissermaßen. Darüber hinaus ist unser IT-Bereich da­bei, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.

    Sie haben den Film "APP" schon gesehen. Wie nah ist der Film an der Realität?

    Einiges ist – bei guter Programmierung und entsprechender An­bindung an Datenbanken und Rechenzentren – heute schon mög­lich. Dazu zählt sicher auch die eigene Fortpflanzung der Mal­ware-App in andere Geräte in der Umgebung. Dass eine App alle Fragen beantworten kann, daran arbeitet Google ebenso intensiv wie die NSA. Anderes dagegen ist natürlich pure Science-Fiction, wie ein gezielter Mordanschlag per Ampelschaltung – noch, denn schon jetzt können Hacker fast jede Infrastruktur, die mit dem Internet verbunden ist, manipulieren. Gleiches gilt vermutlich bald schon für jedes mobile Endgerät.

    In dem Film ist "Iris" eine allwissende App, die – so hat es den Anschein – auch in die Zukunft blicken kann. Dieses konkrete Beispiel ist doch aber Dystopie, oder?

    Die NSA entwickelt derzeit einen Quantum-Computer, der aus möglichst vielen Informationen Prognosen entwickeln soll. Ein Programm des britischen GCHQ (Government Communications Headquaters, Anm. d. Red.) trägt den Namen "Access the future". Auch IBM beschäftigt sich mit "Predictive Analytics". Hier liegt der Hauptgrund für die Massenausspähung. Wer möglichst viele Da­ten hat, also möglichst alles weiß, kann daraus Optionen für poli­tisches, militärisches und wirtschaftliches Handeln ableiten. Es geht hier nicht nur um Terrorabwehr oder die Nutzung dieser Da­ten für gezielte Werbung. Das Sammeln von Massendaten hat Geostrategische Bedeutung.

    Das leuchtet ein. Aber welche Schlüsse kann ein Geheim­dienst daraus ziehen wollen, wie ich mich bei "Angry Birds" schlage?

    "Angry Birds" ist vielleicht nur die Eingangstür. Angesichts der hohen Zahl der Nutzer, kann ich mithilfe dieser App Viren in Milli­onen von Geräten einschleusen. Gleichzeitig liefern solche schlecht gesicherten Apps interessante Daten an die Entwickler-Server oder auch die Geheimdienste – Standorte, Kontakte, Ver­haltensweisen. Aus all dem lassen sich Muster ableiten. Ein Bei­spiel: Die Sicherheitsbehörden in einem Polizeistaat könnten so sehr schnell die "Kennverhältnisse", also den Freundeskreis, ei­nes oppositionellen Aktivisten ermitteln und gegen diese vorge­hen. Kein Science Fiction, sondern bereits in einigen Staaten in Anwendung.

    Was ist aus Ihrer Sicht die größte Gefahr an einem Smart­phone hinsichtlich der informellen Selbstbestimmung?

    Die fehlende Transparenz. Wer welche Daten absaugt, öffnet Tür und Tor für beliebige Manipulation. Allein die Ahnung, dass per­sönliche Geheimnisse nicht mehr persönlich sind, hat Auswirkun­gen auf die Entscheidungsfreiheit des Menschen. Deshalb braucht es effektive Regeln und vor allem eine funktionierende parlamentarische Kontrolle über das Treiben der Dienste – beides ist derzeit nicht vorhanden.

    Was raten Sie generell zum Umgang mit der Technik und eigenen Daten?

    Moderne TV-Geräte haben zum Teil eingebaute Kameras und Mikrofone für Skype-Chats, jedes iPad und die meisten Note­books ebenso. Wer nicht überwacht werden will, sollte Geräte möglichst immer ganz ausschalten, Kameraobjektive bei Nichtge­brauch abkleben. Angesichts der Sicherheitslücken bei modernen High-Tech-Haushaltsgeräten mit Embedded Computern kann man sagen: Vertrauen Sie nichts und niemandem, nicht mal Ihrem Kühlschrank – mit einer Ausnahme: Wenn Sie vor dem Ausspä­hen durch ihr Handy sicher sein wollen, stecken Sie es ins Ge­frierfach.

    Die Fragen stellte Frank Baloch

    Dokumentation zum Programmakzent

    Verschwörung gegen die Freiheit

    Film von Elmar Theveßen

    Wir werden überwacht, ausspioniert und abgehört. Beinahe täglich gibt es Meldungen, dass unsere Daten nicht sicher sind. Sind wir zu nachlässig oder Opfer einer großen Plans? Hat eine geheime Verschwörung von Geheimdiensten, Militärs, Wirtschaftsführern und Politikern die gesamte Handy- und Internetkommunikation der Weltbevölkerung im Visier? Überzieht ein engmaschiges Netz der Überwachung den gesamten Planeten außerhalb von Recht und Gesetz? Was zu Zeiten von George Orwell noch eine düstere Zukunftsvision war, scheint heute von der Wirklichkeit eingeholt worden zu sein. Auch Deutschland ist längst großflächig betroffen - und nicht nur das Handy der Kanzlerin. Anfang Juni letzten Jahres erschien der erste Artikel über das geheime Internet-Spähprogramm "Prism". Die Informationen dazu lieferte der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden, der kurz vor der Veröffentlichung aus den USA nach Hong Kong und später nach Russland floh. In seinem Gepäck hatte er 1,7 Millionen hochgeheime Dokumente der US-Regierung über weltweite elektronische Spionageoperationen westlicher Geheimdienste. Snowdens Entscheidung, die Dokumente an Journalisten weiterzugeben und sie damit zu veröffentlichen, war der Beginn der wohl größten Geheimnispreisgabe in der Geschichte - nicht nur der amerikanischen.

    Die NSA-Affäre belegt eine dramatische Schieflage in der amerikanischen Demokratie. Unter Umgehung der parlamentarischen Kontrolle und mit der Schaffung neuer, eigener Rechtsräume hat die staatliche Exekutive in den USA das Ende der Privatsphäre für das Individuum eingeläutet. Sie sammelt Massendaten mit willentlicher oder erzwungener Hilfe der großen Internet- und Kommunikationsunternehmen und rechtfertigt dies mit ihrer Absicht, Stabilität, Sicherheit und wirtschaftlichen Fortschritt zu garantieren. Die technischen Fähigkeiten ermöglichen ein beinahe beliebiges Ausmaß von Kontrolle und Manipulation durch den Staat. Abermillionen Nutzer von Computern und Handys sind dem Netz der Überwachung ausgeliefert, auch und gerade in Deutschland.

    In Zusammenarbeit mit dem US Fernsehsender PBS zeigt der ZDF-Terrorismus- und Geheimdienstexperte Elmar Theveßen ein Jahr nach Snowdens Veröffentlichungen das ganze Ausmaß des Skandals. In der zweiteiligen Dokumentation "Verschwörung gegen die Freiheit" forscht er nach Hintergründen und politischen Folgen der weltweiten Abhör- und Überwachungsprogramme. Wie weit geht das Eindringen der Geheimdienste in die Privatsphäre jedes einzelnen Bürgers wirklich? Welche Schutzmaßnahmen helfen gegen die digitale Schnüffelei? In welchem Umfang kooperieren die großen Anbieter der IT- und Handy-Branche hinter dem Rücken der Nutzer tatsächlich mit den Geheimdiensten? Welche Rolle spielen die deutschen Sicherheitsbehörden? Und warum übt die Bundesregierung zwar lautstarke Kritik an der maßlosen Überwachungspraxis - ergreift aber keine konkreten Maßnahmen dagegen?

    Dienstag, 27. Mai 2014, 20.15 Uhr
    ZDFzeit
    1. Big Brother und seine Helfer

    Google, Yahoo, Facebook und andere versprechen ihren Usern freien Gebrauch ihrer Dienste. Als Gegenleistung schicken sie den Kunden Werbung. Damit diese möglichst zielgenau ist, forschen sie das Verhalten der Surfer im Netz aus. Nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September 2001 versuchte die US-Regierung, Zugriff auf diese Daten der Internetfirmen zu bekommen. Was mit einer 30-tägigen Ausnahmegenehmigung zum Abhören begann, entwickelte sich zu einem weltweiten Überwachungsprogramm der US-Geheimdienste - vornehmlich der NSA. Emails, Textnachrichten, Telefongespräche - alles konnte plötzlich abgehört, gespeichert und zusammengeführt werden. Mit den streng geheimen Mega-Programmen "Prism" und "Muscular" wurde der Internet- und Emailverkehr massenhaft überwacht und ausgewertet. Es war das Ende der Privatsphäre im Netz.

    Der ZDF-Geheimdienstexperte Elmar Theveßen geht der Verschwörung gegen unsere Freiheit auf den Grund. Wie sicher sind die Daten völlig unbescholtener Bürger in Deutschland? Helfen die Verschlüsselungsprogramme, die von der Industrie angeboten werden? Warum beschädigen Computerfirmen ihr eigenes Geschäftsmodell, wenn sie freiwillig und ohne gesetzliche Grundlage dem Staat die ihnen anvertrauten Daten überlassen? Ende 2013 kam es zu einem Treffen im Weißen Haus. Anwesend waren 15 Topvertreter der Computerbranche und der US-Präsident. Der kam ihnen jedoch bei der Bitte um größere Zurückhaltung des Staates beim Ausspähen und Überwachen nicht entgegen. Ausgerechnet jener Präsident, der auch durch massive Unterstützung des Silicon Valley gewählt wurde.

    Die Dokumentation deckt das Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten und den Branchenriesen der Telekommunikations- und Computerbranche auf. Hochrangige Insider legen offen, wie der Pakt zwischen Sicherheitsbehörden und IT-Industrie außerhalb geltender Gesetze zustande kam. Und über allem steht die Frage, welche konkreten Gefahren die Überwachungspraktiken für die Bürger in Deutschland mit sich bringen.

    Mittwoch, 28. Mai 2014, 22.55 Uhr
    ZDFzoom
    2. Big Brother im Weißen Haus

    Barack Obama zog als umjubelter Hoffnungsträger ins Weiße Haus ein. Tatsächlich beendete er den Kampfeinsatz im Irak und leitete den Abzug der NATO aus Afghanistan ein. Doch bei der Inneren Sicherheit knüpfte er nahtlos an seinen Vorgänger an und verschärfte in einigen Bereichen sogar den Kurs der US-Regierung. Vor allem verzichtete Obama darauf, die Macht der Geheimdienste zu beschränken, denen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 deutliche erweiterte Befugnisse eingeräumt worden waren.

    Ausgerüstet mit politischer Rückendeckung, milliardenschweren Etats und immer leistungsfähigerer Technik machten sich die US-Geheimdienste daran, die ganze Welt mit einem digitalen Überwachungsnetz zu überziehen. Der Datenhunger vor allem der NSA - und ihrer amerikanischen und britischen Partnerdienste - erreicht seitdem tatsächlich globale Dimensionen. Das Maximalziel lautet, jede Email, jedes Handy-Gespräch, jede Bewegung im Internet überwachen zu können. Experten schätzen, dass die NSA diesem Ziel bereits sehr nahe gekommen ist.

    Das Aushorchen macht sogar vor Staats- und Regierungschefs befreundeter Staaten nicht halt, wie die Affäre um das Abhören des Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Merkel zeigt. Obama, im Wahlkampf noch Gegner flächendeckender Spionage, hat sich längst zum Befürworter und Förderer entwickelt.

    Elmar Theveßen deckt den Weg der Vereinigten Staaten zum globalen Datenkraken auf und stellt die Frage nach den politischen Konsequenzen. Sind die USA in punkto Innerer Sicherheit überhaupt noch ein "Rechtsstaat"? Wie können Deutschland und die EU politisch gegen die digitale Schnüffelei des Verbündeten vorgehen? Und: Ist die Welt eigentlich sicherer geworden durch das umfassendste Abhörprogramm der Geschichte?

    audio-files

    Für Journalisten, die eine Akkreditierung für den Vorführraum des ZDF-Presseportals haben, stehen folgende audio-files zum Programmakzent "Im Visier der Datenjäger" zur Verfügung:

    Elmar Theveßen im Interview zu den brisanten Erkenntnisse der zweiteiligen ZDF-Dokumentationr "Verschwörung gegen die Freiheit". In Zusammenarbeit mit dem US-Fernsehsender PBS und der Hamburger Wochenzeitung "DIE ZEIT" zeigt der ZDF-Terrorismus- und Geheimdienstexperte ein Jahr nach Snowdens Veröffentlichungen das ganze Ausmaß des Abhör-Skandals und geht insbesondere der Frage nach, wie deutsche Dienste und Unternehmen an den Programmen mitgearbeitet haben.

    Feature zu dem niederländischen Thriller "APP" im ZDF Montagskino mit O-Tönen aus dem Film.

    Bildhinweis, Impressum

    Fotos über die ZDF Presse und Information:
    Telefon: (06131) 70-16100 oder
    über pressefoto.zdf.de/presse/app 

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    (c) ZDF 2014

    Weitere Informationen

    Impressum

    Kontakt

    Name: Magda Huthmann
    E-Mail: huthmann.m@zdf.de
    Telefon: (06131) 70-12149