Timo Christophersen mit seiner Frau Jonna und Sohn Lewis. Copyright: ZDF/Jeannine Apsel
Timo Christophersen mit seiner Frau Jonna und Sohn Lewis. Copyright: ZDF/Jeannine Apsel

Ausgerechnet Neuseeland. Eine Farm am grünen Ende der Welt

Dokumentation

2004 reiste Timo aus Schleswig Holstein als Backpacker nach Neuseeland - und blieb. Heute betreibt er mit seiner Frau Jonna eine Farm am grünen Ende der Welt. Die bildstarke Dokumentation entführt in das Traumland vieler Deutscher. Unterhaltend nimmt sie die Zuschauer mit in die junge Farmerszene. Das Farming in Neuseeland wird weltweit als innovativste Variante der Landwirtschaft gefeiert. In ausdrucksstarken Bildern zeigt der Film die einzigartige Landschaft Neuseelands und stellt die Menschen vor, die hier leben und arbeiten.

  • ZDF, Sonntag, 25. Dezember 2016, 16.40 Uhr

    Texte

    Ausgerechnet Neuseeland!

    Von ZDF-Redakteurin Dr. Susanne Becker

    Am grünen Ende der Welt formen Gletscher, Fjorde und Vulkane eine spektakuläre Landschaft – bei der viele erstmal an Hobbits denken. Neuseeland: Unser Bild von der Doppelinsel ist geprägt von Peter Jacksons überwältigenden Leinwandwelten, aber auch von den schwärmerischen Reiseberichten der gut 80 000 Deutschen, die sich alljährlich um die halbe Erde aufmachen. Vor allem junge Leute zieht es in diese Ferne, und die landwirtschaftlich orientierte Struktur weiter Teile des Landes bietet sich an für jugendliche Saisonarbeiter, die mit work-and-travel-Programmen Abenteuer und Aufgaben suchen und eine neue Welt weit, weit weg von zuhause entdecken wollen. 

    So kam auch Bauernsohn Timo aus Schleswig-Holstein vor zwölf Jahren nach Neuseeland und begann hier bald genau das, wofür er zu seinem Bedauern zuhause keine Lebensgrundlage gefunden hatte: Er erarbeitete sich eine Farm. Sein damals einziger Besitz, sein Motorrad, hat ihm dabei geholfen – wie, das erzählt er in der spannenden Dokumentation am Weihnachtsnachmittag. Der sympathische Jungfarmer erhielt unter über 90 Bewerbern den Zuschlag für eine Maori-Farm auf der Südinsel und betreibt erfolgreich das hier übliche "Share-Milking". Und was für eine weltumspannende Liebesgeschichte: Dass seine Jugendliebe Jonna ihm aus Schleswig-Holstein gefolgt ist, war alles andere als selbstverständlich, denn sie konnte es sich lange nicht vorstellen, ihren mobilen Friseursalon und ihr norddeutsches Leben aufzugeben. Wie es dazu kam, dass sie sich Hals über Kopf auch in Neuseeland verliebte und blieb, was ihr und anderen Farmersfrauen an ihrem Leben gefällt, und wie sie mit Timo und Söhnchen Lewis jetzt als kleine Farmerfamilie die intensiven Wochen des "Abkalbens" im Frühling schafft, auch das erzählt der neue Film vom schönsten Ende der Welt.

    Ausgerechnet Neuseeland! Hier stehen die Bevölkerungszahlen in einem kuriosen Verhältnis zueinander, mit nicht einmal ganz viereinhalb Millionen Menschen – und 30 Millionen Schafen! Der kleine Inselstaat zeigt sich inmitten seiner weiten und berühmten Landschaft voller Energie, uralter Tradition und moderner Ideen – auch für eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit: Woher bekommen wir immer mehr Nahrung für immer mehr Menschen? Das kleine Land am Rand der Welt ist zu einem der größten Nahrungslieferanten auf dem Wetmarkt geworden. Neuseeländisches Lamm, Hirsch, Obst oder Weißwein sind aus Europa schon lange nicht mehr wegzudenken. Und während deutsche Bauern um realistische Milchpreise kämpften, Ställe schließen mußten und aktuell Rettung an der Börse suchen, boomte auch die neuseeländische Milchwirtschaft – das kleine Land auf der anderen Seite des Südpazifik wurde zu einem der größten Milchlieferanten auf dem Weltmarkt. Neuseeland wurde nach dem aktuellen Doing Business' Bericht der Weltbank gerade zum wirtschaftsfreundlichsten Land der Welt erklärt. Mit seiner Bandbreite an Produkten und seinen modernen Methoden gilt es als Bauernland des 21. Jahrhunderts – als größte Farm der Welt.

    "Als Farmer wirst du hier wirklich sehr geschätzt, deine Arbeit, deine Erzeugnisse, deine Leistung, dein Beitrag", erklärt uns Timo. Es ist frühmorgens, gerade hat er die letzten Kälbchen, die in der Nacht geboren wurden, in Sicherheit gebracht, und macht sich nun fertig für die Fahrt nach Christchurch zum Einkaufen für das Oktoberfest, das die neuseeländischen Freunde lieben und das hier jedes Jahr im Frühling eine andere Familie ausrichtet. Wir dürfen dabei sein – in dieser Doku vom grünen Ende der Welt.

    Sendedatum, Stab

    Sonntag, 25. Dezember 2016, 16.40 Uhr

    Ausgerechnet Neuseeland
    Eine Farm am grünen Ende der Welt

    Dokumentation

    Stab

    Buch und Regie: Jeannine Apsel
    Kamera : Florian Kössl
    Ton: Isabel Zürn
    Schnitt: Jana Siegfriedsen
    Grafik: Eike Wichmann
    Komponist: Clemens Winterhalter
    Mitarbeit: Olga Sharow, Petra Staab
    Produktion: Lara Biel, Constanze Balugdzic
    Produktionsleitung Doclights: Andreas Vennewald
    Produzentin: Michaela Hummel
    Produktionsleitung ZDF: Christian Stachel
    Redaktion: Dr. Susanne Becker
    Länge: ca. 43'30

    Inhalt

    2004 reiste Timo (34) aus Schleswig Holstein als Backpacker nach Neuseeland und blieb. Nun hat er eine eine Farm am grünen Ende der Welt. Auch seine große Jugendliebe Jonna (31), die sich lange nicht hatte vorstellen können, ihren Friseurladen in Schleswig-Holstein aufzugeben, ist ihm hierhin gefolgt. Sohn Lewis macht die Familie komplett.

    Timos Karriere als Landwirt auf der Südinsel begann vor neun Jahren. "Ich habe mit nichts angefangen" - inzwischen hat er 690 Milchkühe auf 185 Hektar Land. 100 Bewerber konkurrierten um diese "Sharemilking"-Farm, das eine Maori-Eigentümergesellschaft für den Farmbetrieb zur Verfügung stellt – Timo erhielt den Zuschlag. Warum Timo und seine Frau ihr Leben als Farmer in Neuseeland lieben, zeigt die Dokumentation "Ausgerechnet Neuseeland. Eine Farm am grünen Ende der Welt".

    Das Farming in Neuseeland wird weltweit als innovativste Variante der Landwirtschaft gefeiert. Aus aller Welt kommen junge Menschen zum "Farmstay", um sich abzuschauen, wie man ohne Subventionen kostengünstig und ertragreich Essen produziert. Bei Timo haben sich gerade vier Helfer aus Deutschland eingemietet, die sein Know-how bewundern und ihn unterstützen. Farmer genießen in Neuseeland großen Respekt, nicht nur, weil sie die "Helden" des größten Wirtschaftszweiges, der Landwirtschaft sind, sondern weil sie sich mit einem enormen Arbeitspensum ihre Existenz aufbauen und erhalten.

    Für die Dokumentation begleitet das Kamerateam die intensivste Zeit auf der Farm, die "Abkalbezeit" im September und Oktober. Timo und Jonna müssen sich zusammen mit jugendlicher Verstärkung aus Deutschland um die täglich immer mehr werdenden Kälber kümmern und zwei Mal täglich 620 Kühe melken. Wie sieht ein Arbeitstag auf der riesigen Farm aus, wer ist dabei, wenn bei Sonnenaufgang die neugeborenen Kälbchen draußen auf den Weiden "eingesammelt" werden und wie können Timo und Jonna dennoch so entspannt sein?

    Auch in der Hochsaison lockt der neuseeländische "Spirit", die raue Wildnis des Lake Sumner Forestparks, Spearfishing an der pazifischen Küste nahe Kaikoura oder Einkaufen in Christchurch. Die Stadt galt bis 2011, als ein starkes Erdbeben große Teile zerstörte, als eine der schönsten Städte der Welt. Hier bekommen Timo und Jonna das Nötige für eine besondere Einladung: Sie veranstalten für ihre oktoberfestverrückten "Kiwi"-Freunde ein bayerisches Bierfest im Schafstall.

    God‘s Zone
    Drehbericht von Autorin Jeannine Apsel

    Lake Mason im Sumner National Forestpark auf der Südinsel Neuseelands. Direkt am Ufer des Sees steht eine primitive Hütte, ohne Strom, Wasser, WC oder Handyempfang. Die Hütte wird als Schlafstätte von den sogenannten "sheep musterers" benutzt, so nennt man in Neuseeland die Schafe-Eintreiber. Wenn sie die Tiere aus den Bergen holen und der Weg zu weit und beschwerlich ist, um bei Tageslicht an die Basisstation zu gelangen, nutzen sie diese Hütten. Für eine Nacht haben wir, das Filmteam und die Farmer Jonna und Timo mit ihrem einjährigen Sohn Lewis hier unser Lager aufgeschlagen.

    Timo will uns seinen Rückzugsort zeigen. Hierher zieht es ihn, wenn er eine Auszeit braucht, von seinen 620 Milchkühen und der harten Arbeit auf der Farm. Mehr "am anderen Ende der Welt" kann man nicht sein und das Gefühl, von der Außenwelt für die nächsten 24 Stunden abgeschnitten zu sein, ist beängstigend und befreiend zugleich.

    Für Timo sind der Lake Mason und die umliegenden Berge der "schönste Ort" der Welt. In Neuseeland kann man diese Bezeichnung fast inflationär benutzen, so viele eindrucksvolle Orte sind hier zu finden. Mit seinen Fjorden, Stränden, Gletschern und Vulkanen, die dicht an dicht aufeinanderfolgen, wirkt der Inselstaat down under tatsächlich so, als habe sich der liebe Herrgott beim Erschaffen der Welt ausgetobt. God‘s Zone nennen die  Neuseeländer ihr Land. Sie übertreiben nicht.

    Mit einer Fläche von 269 000 Quadratkilometern ist Neuseeland ein bisschen kleiner als Deutschland, hat aber nur so viele Einwohner wie Berlin. Rückzugsorte, echte Wildnis, Einsamkeit: Vielleicht sind die Neuseeländer deshalb alle so entspannt? Und darf man dauernd von Neuseeland schwärmen, wie Timo und Jonna es tun? Ja darf man. Es geht nämlich gar nicht anders.

    Bei unserer Drehreise waren Wetter und Distanzen die zentralen Themen. Vier Jahreszeiten an nur einem Tag, das kennen wir aus Deutschland nicht. Als wir zum Lake Mason fahren, starten wir bei Wärme und strahlendem Sonnenschein, es geht vorbei an grünen Wiesen. Nach zwei Stunden turbulenter Berg- und Talfahrt  kommen wir in der Hütte inmitten karger Landschaft an.

    Bei unseren Trips durch Neuseeland verkalkulieren wir uns meist in der Zeit, unterschätzen die Entfernungen. Denn auf den Pisten, die zu unseren atemberaubenden Drehorten führen, kann man meist nicht mehr als 50 km/h fahren.

    Besonders beeindruckt haben uns Timo und Jonna. Gut drei Wochen dürfen wir an ihrem Leben teilhaben. Sie betreiben eine von rund 10.000 Milchviehfarmen des Inselstaates. Die besten Landwirte Neuseelands, erfahren wir, findet man im Amuribecken in der Provinz Canterbury. Hier liegt auch Timos Farm. Von einem Landwirtschaftsexperten wissen wir, dass der Norddeutsche zu den erfolgreichsten Bauern Neuseelands gehört. Timo ist viel zu bescheiden und hätte uns dies nicht erzählt.

    In Kaikoura haben wir – das Filmteam – unseren  "schönsten Ort der Welt" gefunden: Neuseeländische Seebären liegen entspannt an der Küste des Pazifiks, die zerklüftete "Seaward Kaikoura Range" wirkt wie eine gemalte Bergkulisse. Die Gipfel sind mit Schnee bedeckt, sie spiegeln sich im azurblauen Meer. Wir können uns an dem Farbenspiel nicht sattsehen.

    Die Frage, warum die Neuseeländer ihr Land so sehr lieben, haben wir in unserer Drehzeit oft gestellt. Hier wirkt sie überflüssig. "Schaut Euch einfach um", sagt Timo, "hier kann man doch einfach nur glücklich sein".

    Kurzbiografie:

    Jeannine Apsel ist Jahrgang 1971. Magisterstudium der Publizistik, Politologie und Linguistik an der FU Berlin. 1990 Volontariat beim Deutschen Fernsehfunk Berlin. Seit 2004 Freie Autorin, Journalistin und Regisseurin.

    Filme:

    "Hagenbecks Eismeer – wo Nord- und Südpol aufeinandertreffen" (ARD, 2012)
    "Der XXL-Ostfriese" (NDR 2008)
    "Neuanfang in Hamburg – vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer" (ZDF/ZDFinfo 2015), Katholischer Medienpreis 2016, Auszeichnung journalistisch WERTvoll
    "Die Büffelranch" (ZDF 2013 – 2015)

    Weitere Informationen

    Impressum

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 - 701 6100
    oder unter https://presseportal.zdf.de/presse/neuseeland

    Copyright: ZDF/Jeannine Apsel

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