Charlie (Lea Drinda), Copyright: ZDF/[F] Tatiana Vdovenko / [M] Serviceplan
Charlie (Lea Drinda), Copyright: ZDF/[F] Tatiana Vdovenko / [M] Serviceplan

Becoming Charlie

neoriginal/sechsteilige Instant-Dramaserie

"Becoming Charlie" erzählt von Charlies Suche nach Identität. Charlie fühlt sich weder als Frau noch als Mann. Doch was ist Charlie dann? Das Suchen und Finden der eigenen Nicht-Binarität katapultiert dabei nicht nur Charlie, sondern auch Charlies Umfeld aus der Komfortzone und rüttelt an scheinbar unumstößlichen Wahrheiten. Einzig im Rap findet Charlie eine Konstante und ein Ventil für die eigenen Gefühle. 

  • ZDF neo, Dienstag, 24. Mai 2022, ab 20.15 Uhr, alle Folgen / Wiederholung am Dienstag, 31. Mai 2022, ab 22.30 Uhr, alle Folgen
  • ZDF Mediathek, ab Freitag, 20. Mai 2022, 6.00 Uhr, alle Folgen für ein Jahr abrufbar

Texte

Non-binär im Plattenbau

Die Evolution hat uns Menschen beigebracht, unser Gegenüber blitzschnell zu taxieren und in Schubladen einzuteilen. Das hat der Menschheit über Jahrmillionen ihr Überleben gesichert. Dieses Verhalten ist daher so fest in uns verankert, dass es schwerfällt, es zu durchbrechen. Bei jeder Begegnung lesen wir unsere Mitmenschen, bewusst wie unterbewusst, und ordnen sie uns bekannten Kategorien zu: Alter, Geschlecht, Religion, Sexualität – die Liste ist beinahe endlos. Aber was bedeutet es für Menschen, wenn Selbst- und Fremdzuschreibungen nicht übereinstimmen? Mit "Becoming Charlie" erhalten wir einen Einblick in das Gefühlsleben einer non-binären Person und erleben mit ihr, wie zweifelnde Fragen über das eigene Sein den ohnehin schwierigen Alltag im Plattenbau überlagern. Dabei erzählen wir Charlies Reise nicht als krachende Sensationspointe, sondern als allmähliches Sichtbarmachen.

Als wir als Redaktion den Pitch zu dieser Geschichte gelesen haben, war unser Impuls sofort begeisterte Zustimmung. Es ist längst Zeit, einem zu oft unsichtbar gemachten Teil unserer Gesellschaft eine breitere Plattform zu geben. Wer "Becoming Charlie" gesehen hat, versteht vermutlich eher, dass korrektes Gendern mit * sinnvoll ist, um nicht nur alle mitzumeinen sondern ehrlich einzuschließen. Eine Serie über eine non-binäre Figur erfordert ein Höchstmaß an Sensibilität. Wir haben uns daher eng an unsere Kreativen angeschmiegt, die sich in den Lebenswelten der LGBTQI+ Community bestens auskennen. Den Kreator*innen der Serie, Lion H. Lau, Kerstin Polte und Greta Benkelmann, ist eine berührende, dichte und bei aller Dramatik auch unterhaltsam leichte Serie gelungen, in der die wunderbare Lea Drinda voller Energie Charlies Reise nahbar macht. Wir finden: Die Serie ist ein Must-see.

Beate Bramstedt und Jasmin Verkoyen, Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Stab und Besetzung

Buch   Lion H. Lau
RegieKerstin Polte (Folgen 1-3), Greta Benkelmann (Folgen 4-6)
BildgestaltungLotta Kilian (Folgen 1-3), Philip Jestädt (Folgen 4-6)
MontageJulia Wiedwald
MusikPelle Parr, Alice Dee
KostümbildTanja Liebermann
Szenenbild Ann-Kristin Büttner
Produktion U5 Filmproduktion GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main
Produzentin/Produzent Katrin Haase, Oliver Arnold
Redaktion ZDFBeate Bramstedt, Jasmin Verkoyen
Koordination ZDFneoChristiane Meyer zur Capellen
Länge

6 x ca. 15 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen
Charlie Lea Drinda
RowenaBärbel Schwarz
FabiaKatja Bürkle
Maya  Dalila Abdallah
NikolasDanilo Kamperidis
RonjaSira-Anna Faal
AlinaAiken-Stretje Andresen
Enzo Rouven Israel
Mirko Antonije Stankovic
und andere

Inhalt

"Becoming Charlie" erzählt in den jeweils 15-minütigen Folgen von Charlies Suche nach Identität. Charlie fühlt sich weder als Frau noch als Mann, doch was ist Charlie dann? Das Suchen und Finden der eigenen Nicht-Binarität katapultiert dabei nicht nur Charlie, sondern auch Charlies Umfeld aus der Komfortzone und rüttelt an scheinbar unumstößlichen Wahrheiten. Einzig im Rap findet Charlie eine Konstante und ein Ventil für die eigenen Gefühle. 

Charlie, Anfang Zwanzig, kommt aus einem Plattenbau und lebt noch bei Mutter Rowena. Die hat weder ihr eigenes Leben noch die Finanzen der Familie im Griff. Beide hangeln sich von Job zu Job. Zurzeit arbeitet Charlie als Essenlieferant*in und bemerkt immer häufiger, dass die Erwartungshaltungen des Umfeldes nicht damit übereinstimmen, wie Charlie sich fühlt. Zudem gibt es Stress in der Familie. Rowenas Schwester Fabia versucht lange aufgeschobene Schulden einzutreiben und löst damit eine Art Kettenreaktion aus. Immer öfter plagt Charlie die Frage: "Wo gehöre ich hin?"  

Folgenübersicht und Sendetermine in ZDFneo

Folge 1, "Gegen den Strom": Dienstag, 24. Mai 2022, 20.15 Uhr

Offenbach, Platte. Mittendrin Charlie. Chillen mit der Clique, alltäglicher Hustle als Essenslieferant*in, auf Streit mit Mutter Rowena folgt Versöhnung. Alles ist wie immer. Oder? Das Geld ist knapp, dafür der Zusammenhalt in der Clique und in der Familie umso stärker. Die Liebe zum Rappen gibt Charlie Halt und Anker und die Möglichkeit, das eigene Gefühlschaos zu ordnen. Doch Charlie spürt, dass da tief drin noch etwas rumort. Charlie steht unter Druck: Da ist etwas in Charlie, das bisher nicht das Tageslicht erblicken konnte, das Gefühl, nicht zuhause im eigenen Körper zu sein. Für alles andere fehlen Charlie die Worte. Doch das ist nicht alles: Während Charlie mit unerwiderten Gefühlen umgehen muss, wird klar, dass Charlies Mutter einen riesigen Schuldenberg angehäuft hat. Ausgerechnet bei ihrer Schwester Fabia. Die bittet nun zur Kasse und entwendet dabei Charlies mühsam angespartes Geld. Charlie sieht rot und demoliert in einem Wutanfall Fabias Auto. Zu allem Übel wird in der gemeinsamen Wohnung der Strom abgedreht. Charlie und Rowena sitzen im Dunkeln. Während Charlie versucht, zu retten, was zu retten ist, wächst der Druck gewaltig.

 

Folge 2, "Sie und Er": Dienstag, 24. Mai 2022, 20.30 Uhr

Charlies Handeln bleibt nicht ohne Konsequenzen. Fabia sitzt Charlie mit ihren Forderungen im Nacken, und auch die Stromrechnung muss beglichen werden. Eine Lösung muss her, und zwar schnell. In der Not bricht Charlie in eine fremde Wohnung ein und klaut Geld. Dabei lernt Charlie Ronja kennen, die sofort etwas in Charlie erkennt. Unvermittelt fragt sie nach Charlies Pronomen. Das bleibt hängen und wird zum Startschuss für Charlies Suche nach sich selbst.

Charlie ist niemand, der einfach aufgibt. Rowenas Schulden, Fabias Auto, die Stadtwerke, die auf die Bezahlung der Stromrechnung warten – bislang hat Charlie immer einen Weg gefunden, die Probleme des Alltags zu lösen. Aber die Frage, ob Charlie "er" oder "sie" für sich benutzt, stürzt Charlie in heillose Überforderung. Erste Antworten findet Charlie in den sozialen Medien. Sprechen kann Charlie jedoch mit niemandem darüber. Als dann die Freundschaft zwischen Nikolas und Charlie enger wird, fasst Charlie den Mut, sich zu öffnen. Charlie will mit männlichen Pronomen angesprochen werden, aber Nikolas reagiert anders als gedacht. Zuhause eskaliert erneut ein Streit zwischen Charlie und Rowena. Und dann stehen Enzo und Alina vor der Tür. Enzo hat davon erfahren, dass Charlie Alina geküsst hat – und das hat für alle Beteiligten schmerzhafte Folgen.

 

Folge 3, "Was ich nicht bin": Dienstag, 24. Mai 2022, 20.45 Uhr

Maya, Fabias Ehefrau, kümmert sich nach dem Zusammenstoß mit Enzo um Charlie. Ein Moment der Nähe, doch lange hat Charlie keine Ruhe. Vielmehr hat Charlie inzwischen alle Hände voll zu tun. Ronjas Spüle, Fabias Auto, daneben der Lieferjob und das Abarbeiten der Schulden. Und neue Welten: Ronja lebt in einer polyamoren Beziehung – etwas, womit Charlie so rein gar nix anfangen kann. Aber heißt das vielleicht, dass Ronja Bock auf ein Date mit Charlie hat? Während Charlie alle Jobs und Aufgaben erledigt, versucht Charlie gleichzeitig, sich selbst mehr auf die Spur zu kommen. Experimentiert, sucht. Charlie ist keine Frau – das weiß Charlie nun. Aber was heißt das? Ist Charlie ein Mann? Ist Charlie trans? Auf dem Weg zeigt sich auch, auf wen Charlie wirklich zählen kann. Ein kleiner Zwischenerfolg: Nach einem gemeinsamen Arbeitseinsatz mit Fabia hilft diese Charlie finanziell aus. Charlie kann die Stromrechnung zahlen. Endlich! Und feiert das erstmal ausgelassen mit Rowena. Alles ist gut. Alles läuft wieder in geraden Bahnen. Charlie fühlt sich sicher und möchte sich Rowena öffnen, über die eigene Identität sprechen. Doch Rowena blockt brutal ab. Das verletzt Charlie tief. Schluss. Aus. Charlie kann hier nicht bleiben, Charlie muss raus. Doch wohin?

 

Folge 4, "Fehl am Platz": Dienstag, 24. Mai 2022, 21.00 Uhr

Charlie ist zuhause ausgezogen. Bei Fabia und Maya ist es eng, die Couch unbequem. Trotzdem: Überall ist es schöner als zuhause. Aber das nächste Problem wartet schon um die Ecke. Oder besser auf dem Dach – denn da liegt Charlies Fahrrad, vollkommen zerschrottet. Und ohne das Rad kann Charlie nicht arbeiten. In Charlie rattert es. Wie lässt sich der eigene Job retten, wenn man kein Geld für eine Reparatur des Fahrrades hat, das man dringend dafür braucht? Spontan versucht Charlie, die anfallenden Delivery-Service-Dienste wegzutauschen. Und erntet dafür prompt eine Kündigung. Gleichzeitig setzt Fabia Charlie das Messer an die Brust. In vier Tagen muss Charlie eine neue Bleibe gefunden haben. Shit! Beim gemeinsamen Joggen am Main öffnet Fitten-Betreiber Mirko Charlie und Nikolas einen Blick für die Komplexität der Natur und löst dabei viel mehr in Charlie aus als gedacht. Jedoch hat Charlie kaum Zeit, diesen Impulsen nachzufühlen. Denn Rowenas Verhalten reißt in Charlie große Wunden auf. Die Mutter ist tief verzweifelt und versucht krampfhaft, Charlie davon abzuhalten, "sich die Brüste abschneiden zu lassen". Charlie ist fassungslos. Wie kommt sie nur darauf? Charlie hat es selbst nie so gesagt. Das Treffen löst einen dysphorischen Schub bei Charlie aus. Im Versuch, dies zu kompensieren, bindet sich Charlie den Oberkörper mit Frischhaltefolie ab. Eine gefährliche Entscheidung. Als Charlie und Ronja sich näherkommen, entdeckt diese, was Charlie dem eigenen Körper antut – und hilft. Körperlich ist damit erstmal eine Lösung gefunden. Aber innerlich ist Charlie noch immer auf der Suche. Nach einem Streit zwischen Fabia und Maya traut Charlie sich nicht zurück in deren Wohnung. Erneut hat Charlie keinen Platz zum Schlafen. Kurzerhand kriecht Charlie daher in Fabias Auto.

 

Folge 5, "Mehr als Entweder Oder": Dienstag, 24. Mai 2022, 21.15 Uhr

Dröhnender Heavy Metal reißt Charlie unsanft aus dem Schlaf. Charlie hat in Fabias Auto übernachtet, wo diese gerade Dampf ablässt. Auch Fabia steht das Wasser bis zum Hals. Da haben Charlie und Fabia etwas gemeinsam. Aber der neue Job bei Mirko in der Fitte hilft Charlie, ein bisschen Balance im Leben zurückzuerobern. Doch Rowenas unangekündigter Besuch bei Fabia zeigt, wie fragil diese Balance eigentlich ist. Gerade schien alles besser zu werden. Bei der Jobeinführung in der Fitte erklärt Mirko Charlie, wie facettenreich die Vogelwelt ist. Sein Lieblingsvogel, der Rotkardinal, kann beide Geschlechter gleichzeitig haben. Charlie ist fasziniert. Und freut sich für Kumpel Niko, dass er und Mirko offenbar ein Paar sind. Jedenfalls erwischt Charlie die beiden beim Knutschen, was Niko – im Gegensatz zum offen geouteten Mirko – lieber geheim gehalten hätte. Ein Streit mit Ronja bringt neue Wahrheiten ans Licht: Ronjas Beziehung hängt am seidenen Faden, aber Charlie ist nicht die Person, mit der Ronja darüber zu sprechen bereit ist. Daher vermag sie auch nichts damit anzufangen, dass Charlie ihr gerade die eigene Verwirrung offenbart: Charlie ist keine Frau, aber auch kein Mann. Was bedeutet das? Mit diesen Gedanken im Kopf trifft Charlie in Fabias Wohnung auf Rowena, deren Vorwürfe Charlie jetzt erst recht nicht mehr ertragen kann. Charlie flieht in den Putzjob in der Fitte, während die Gedanken weiter kreisen und kreisen.

 

Folge 6, "Sonne, Mond und Erde": Dienstag, 24. Mai 2022, 21.30 Uhr

Charlies Baustellen beginnen sich zu schließen. Mit Nikolas' Hilfe schafft es Charlie endlich, Fabias Auto zu reparieren. Aber auch unabhängig davon zeigt Fabia neue Seiten. Überraschend bietet sie Charlie an, weiterhin bei ihr und Maya zu wohnen. Auch gibt sie Charlie das strittige Geld aus dem Einmachglas zurück. Und mit Ronja bahnt sich für Charlie eine Versöhnung an. Da platzt ein Notfallanruf von Rowena rein. Shit. Gerade schien alles sich zum Guten zu wenden. Aber dem drängenden SOS-Ruf der Mutter kann Charlie sich nicht entziehen. Charlie eilt in Rowenas Wohnung und findet eine vor Energie sprühende Mutter vor, die Freude strahlend verkündet, dass sie die Wohnung renovieren will und dafür Hilfe braucht. Mit ein bisschen neuer Farbe an den Wänden findet Charlie ja vielleicht wieder Gefallen an diesem Zuhause? Charlie rastet aus. Es knallt erneut gehörig zwischen den beiden, doch diesmal kann sich Charlie behaupten und sich endlich von der Mutter lösen, die nach wie vor nicht versteht, was Charlie umtreibt. Bei Mirkos Geburtstagsparty kocht es schließlich hoch: Während Charlie Niko dazu bringt, auch in der Öffentlichkeit zu Mirko zu stehen, gerät Charlies eigene Identitätsfindung erneut in die Krise. Eine Begegnung mit Alina rüttelt alte Ängste wieder auf. Als Charlie auf der Toilette transfeindlich angegriffen wird, bricht Charlies Welt zusammen. Halt bieten Charlie in diesem Moment Nikolas, Ronja und Mirko – Charlies "chosen family" – und der eigene Rap. Hier findet Charlie die Worte, die Charlie so lange gesucht hat, und die Menschen, die Charlie zur Seite stehen.

Die Rollenprofile

Charlie (Lea Drinda)

Charlie wohnt noch bei der Mutter, das Geld ist knapp, die Perspektiven auch. Eine abgebrochene Ausbildung, nun eine Arbeit als Food-Lieferant*in zum Mindestlohn. Cent für Cent, Euro für Euro spart Charlie vom mageren Gehalt. Denn Charlie will irgendwann raus, weg aus der Platte, vielleicht irgendwo neu anfangen. Charlie wächst in einem Umfeld auf, in dem das binäre Weltbild noch sehr festgezurrt ist. Bist du ein Mann, eine Frau? Darauf hat Charlie (noch) keine Antwort. Das innere Wirrwarr versucht Charlie in eigenen Rap-Texten zu verarbeiten. Charlies größte Achillesferse ist Charlies Impulsivität. Pur, ungefiltert purzeln Emotionen aus Charlie heraus, nachgedacht wird erst im zweiten oder dritten Schritt. Und dann ist der Schaden schon angerichtet. Charlies Aufbruch ist ein arbeitsintensiver, teils verworrener, teils befreiender Weg – auf welchem Charlie sich selbst und die eigene Stimme findet.

 

Rowena (Bärbel Schwarz)

Ihr Kind Charlie ist die einzige zuverlässige Konstante für Rowena, deren Leben sich nur in extremen Hochs und Tiefs bewegt. An manchen Tagen scheint alles möglich, und eine schier unendliche Kraft pulsiert in Rowena. Allerdings brechen diese Hochmomente stets so plötzlich ein, wie sie kommen. "Renovier-Leichen" in der Wohnung, sich stapelnde unbezahlte Rechnungen, das stetige Gefühl von Überforderung krallen sich in Rowenas Gemüt. Dann geht nix mehr. Nicht einmal mehr fühlen. Rowenas bisher nicht diagnostizierte Bipolarität bestimmt seit etlichen Jahren viele Aspekte ihres Lebens. Charlies neue Erkenntnisse über Charlies Identität verunsichern und überfordern Rowena komplett.

 

Fabia (Katja Bürkle)

Fabia spricht zu wenig über alles, äußert keine Ängste, Sorgen, behauptet lieber, dass alles in Ordnung sei, obwohl bereits das ganze Haus bebt. Fabia hat eine starre Arbeitsethik nach dem Motto: Von nix kommt nix. Oft ist sie zu streng mit sich selbst. Und die hohen Erwartungen, die sie an sich selbst stellt, stellt sie auch an andere. Für Menschen, die Fabia wichtig sind, ist sie eine absolute Bank. Fabia ist verlässlich und – versteckt hinter dicken Wänden – warmherzig. Sie will ihrer Familie (also Maya, später auch Charlie) ein wohliges Heim bieten, auch wenn es manchmal länger dauert, bis sie die Not der anderen erkennt.

 

Maya (Dalila Abdallah)

Maya ist eine Person, der es leichtfällt, Freundschaften zu knüpfen. Sie ist outgoing, neugierig, interessiert – ein Mensch, den andere gern dabeihaben. In all ihrer Empathie für andere projiziert Maya jedoch auch mal schnell ihren eigenen Struggle auf andere. Fabia ist für Maya ein Fels und die engste emotionale Bezugsperson. Allerdings hat sie sich ausgerechnet damit eine Person ausgesucht, die unfähig ist, ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse zu äußern. Trotz der Gegensätzlichkeiten: Die Beziehung von Maya und Fabia ruht auf festem Fundament. Mayas pandemiebedingtes berufliches Scheitern wiegt für sie schwer. Sie setzt alles daran, zu retten, was zu retten ist. Auch wenn sie dabei übersieht, dass nun die ganze finanzielle Traglast bei Fabia liegt.

 

Nikolas (Danilo Kamperidis)

In Nikolas' Welt ist das Männerbild klar: Der Mann ist der Versorger der Familie, ist stark und schweigsam, rational und hat ein Faible für Karren, Angeln und Alkohol. Nikolas selbst kann sich nur schwer von all dem freimachen. Alle Männer der Familie arbeiten in der Familien-Kfz-Werkstatt, der ganze Stolz des Vaters. Und Nikolas gibt sich alle Mühe, den Erwartungen zu entsprechen. Während alle Brüder bereits in frühen Jahren geheiratet haben, führt Nikolas ein Junggesellenleben. Jedenfalls verkauft Nikolas das so einerseits sich selbst, andererseits seiner Familie. Denn Nikolas ist verliebt in Mirko, fürchtet sich aber vor einem Outing. Aber Charlies Mut und seine noch sehr frische Beziehung mit Mirko helfen Nikolas auf seinem Weg.

 

Ronja (Sira-Anna Faal)

Ronjas Leben ist eng getaktet: Psychologiestudium, nebenbei jobben, dazwischen irgendwie Zeit finden für ihre Partner*innen. Ronja lebt in polyamoren Beziehungsstrukturen – doch derzeit kriselt es, und Ronja kann das Gefühl von Einsamkeit nicht abschütteln. Da ist Charlie eine charmante Ablenkung. Ronja ist ehrgeizig mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Ihrer Umwelt begegnet sie mit permanenter Nachsicht, will niemanden verletzen oder ausgrenzen, was jedoch auch dazu führt, dass sie ihre eigenen Grenzen nicht ganz auf dem Schirm hat. Nach außen hin erscheint sie gern als unbeschwert, doch sie fühlt sich oft einsam, vergessen, überfordert und überrannt.

 

Alina (Aiken-Stretje Andresen)

Alina ist laut und wild, selbstbewusst und eine Kraftnudel. In der Kindheit war Charlie die Person, die ihr am nächsten stand. Sie übten gemeinsam küssen, teilten alle Geheimnisse und lebten in einer Verschworenheit, die bis heute nachhallt. Und dann sind da Gefühle auf beiden Seiten, die über normale Freundschaft hinausgehen. Doch sich diesen Gefühlen stellen, kann Alina nicht. Alinas Ehe mit Enzo ist geprägt von einem permanenten Auf und Ab. Da sind die wunderbaren Momente, in denen sich Enzo ihr gegenüber als einziger Person weich und verletzlich zeigt. Aber gleichzeitig ist da seine Eifersucht, sein immer wieder fehlendes Vertrauen. Zerrissen steht Alina zwischen ihrem Mann und Charlie.

 

Enzo (Rouven Israel)

Früh muss Enzo lernen, "seinen Mann zu stehen". Jetzt ist Alina Enzos Familie und Enzo spürt den gesamten Druck der Welt, Alina und das kommende Kind ernähren zu müssen. Bis heute hat Enzo das Gefühl, sich ständig behaupten zu müssen. Einen zentralen Platz, einen Freund*innenkreis zu haben, ist Enzo wichtig, denn es gibt ihm Sicherheit. Solange niemand an seiner Position rüttelt oder sie in Frage stellt, kann Enzo ein warmherziger und zugewandter Mensch sein. Bruderschaft ist alles. Und wenn du in Enzos Revier pinkelst, dann musst du dich auf was gefasst machen.

 

Mirko (Antonije Stankovic)

Mirko ist ein Fitnessfreak durch und durch und weiß für jedes Training den besten Diätplan. Ein fröhlicher, offenherziger Mensch mit großem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, seit Schulzeiten out and proud. Er hat seinen Platz in der von der Mutter geführten Fitte und stellt diesen auch nicht in Frage. Währenddessen entwickelt sich aus einer langjährigen Freundschaft mit Nikolas Liebe. Aber Nikolas' Angst vor einem Outing beschwert auch Mirko, der gern seine Liebe offen und frei zeigen würde. Mirko hat eine feine Intuition und Menschenkenntnis, ist direkt und geradeaus. Und ein großer Fan von unnützem Wissen.

Drei Fragen an Autor*in Lion H. Lau

Was war Ihre Motivation, das Buch zu schreiben?

Ich hatte nie die Chance, Menschen wie mich im deutschen Fernsehen zu sehen. Das klingt erstmal banal. Aber Film und Fernsehen machen einen großen Teil unserer Erfahrungswelt aus – auch dann, wenn es um fiktionale Geschichten geht. Fernsehen kann dazu beitragen, die Empathie zu schulen. Gleichzeitig schafft es die Möglichkeit, sich selbst in Figuren wiederzuerkennen, sich selbst besser zu verstehen oder sich neue Handlungsräume zu eröffnen. Gerade in Zeiten der Pandemie, wo der öffentliche Raum mehr und mehr beschränkt wurde. Doch am wichtigsten ist: Fernsehen macht sichtbar. Nicht-binäres Leben ist nach wie vor ein blinder Fleck in weiten Teilen unserer Gesellschaft, und das hat auch damit zu tun, wen Fernsehen zeigt (und wen nicht). Die Anfeindungen, die Gewalt, die Aggressionen, die nicht-binäre Menschen und trans* Personen im Alltag aushalten müssen, hat schwerwiegende Folgen. Dagegen will ich mit "Becoming Charlie" anarbeiten. Mir war es wichtig, dass die erste Serie mit einem nicht-binären Hauptcharakter von einer Person geschrieben wird, die selbst nicht-binär ist – also in diesem Fall von mir. Kein Fremdblick, sondern hundertprozentige Authentizität. Ich will Menschen aus dem nicht-binären Spektrum mit "Becoming Charlie" eine Identifikationsfigur schenken. Und ich hoffe, dass Menschen, die bisher keine Berührungspunkte mit nicht-binärem Leben hatten, sich annähern können an das Thema. Wenn ich nur einer Person damit eine Stütze sein kann, dann bin ich glücklich und zufrieden.

Welche Botschaft wollen Sie vermitteln? Was soll das Publikum mitnehmen, wenn es die Serie anschaut?

"Becoming Charlie" ist vor allem eine Serie über Identitätssuche, und das ist etwas, was jeden Menschen beschäftigt. Es ist ein zeit- und altersloses Thema. Wo gehöre ich hin? Was bedeutet Familie? Welchen Weg will ich gehen? Und vor allem: Wer bin ich? Dass Findungsprozesse niemals abgeschlossen sind, dass es aber Mut braucht, sich diesen Fragen zu stellen und dass die Suche sich lohnt, weil es immer etwas zu finden gibt. Es wäre toll, wenn "Becoming Charlie" diese Botschaft nach draußen tragen kann. Auf der einen Seite möchte ich Mauern einreißen und zeigen: Hey, nicht-binäre Menschen sind ein großartiger Teil der Gesellschaft, und das Negieren ihrer Existenz führt nicht zu unserem Verschwinden, sondern fügt uns Schmerzen zu und gräbt gesellschaftliche Gräben tiefer. Also: Seid gut zueinander, auch wenn ihr mal nicht versteht, was das eine oder andere bedeutet. Doch vor allem möchte ich anderen nicht-binären Menschen zeigen: Ihr seid nicht allein, weder im Schmerz noch in den euphorischen Momenten. Eure Existenz ist valide, ihr seid wunderbar. "Becoming Charlie" ist ein Liebesbrief an meine Gemeinschaft der bisher Unsichtbaren.

Die Hauptdarstellerin Lea Drinda ist überaus glaubwürdig in der Rolle von Charlie. Wie hat die Produktion sie gefunden?

Das Casting für "Becoming Charlie" war eine Herausforderung. Denn eine klare Bedingung habe ich im Produktionsprozess gestellt: Unsere Hauptfigur muss von einem Menschen gespielt werden, der Charlies Erfahrungsperspektive teilt – vor allem was das Leben im nicht-binären Spektrum angeht. Die zweite Anforderung war: Unsere Hauptdarsteller*in muss die komplette Serie tragen können. Charlie ist in jeder einzelnen Szene, kein Moment ohne Charlie. Alle Höhen und Tiefen muss die spielende Person herstellen und das Milieu glaubhaft verkörpern können. Die Regisseur*innen Kerstin Polte, Greta Benkelmann und ich haben gemeinsam mit unserer Casterin Karimah El-Giamal sämtliche Castingportale und Karteien durchwühlt. Doch die meisten teilen ihre Schauspieler*innen in männlich und weiblich. Nicht-binäre, genderqueere, agender Schauspieler*innen zu finden, ist das Suchen einer Nadel im Heuhaufen. Wir hatten doppelt Glück: Zum einen hatte Greta Benkelmann Lea Drinda bereits seit einigen Jahren auf dem Schirm und wollte schon länger mit ihr drehen. Zum anderen hat sich ein großes Filmbranchen-Netzwerk vor Kurzem dazu entschieden, neben "männlich" und "weiblich" auch Filmschaffenden die Möglichkeit zu geben "divers" als Geschlechtseintrag zu wählen. Und so kamen wir zu Lea. Nachdem wir Lea im Live-Casting erlebt haben, war klar: Lea muss es werden. Lea bringt alles mit, was wir gesucht haben. Das ist Charlie.

Die Fragen stellte Claudia Burau.

Drei Fragen an Lea Drinda

Was hat Sie am Drehbuch zu "Becoming Charlie" besonders angesprochen?

Zu wissen, dass "Becoming Charlie" sich mit dem Werdegang und der identitären Suche einer non-binären Person befassen würde, war grundsätzlich schon überzeugend. Das Drehbuch konfrontiert und berichtet mit Charme und Witz die Probleme, denen sich Charlie stellen muss, und zwar schamlos ehrlich. Ich ahnte, es würde mich erfüllen, meine Energie diesem Projekt zu widmen, und hatte damit Recht.

Charlie ist verletzlich und fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Sich dem Thema zumindest anzunähern, ist recht simpel. YouTube-Videos, Artikel, Bücher, Podcasts – es gibt viele Möglichkeiten, sich diesbezüglich zu sensibilisieren und zu bilden. "Man lernt nie aus", wie man so schön sagt. Selbst wenn dem einen oder anderen gegenderte Sprache zunächst etwas fremd auf der Zunge liegt, so ist doch die Auseinandersetzung mit dem Thema ein Zeichen des gegenseitigen Respekts. Vorurteile, versteckt in kleinen Worten, die durch etwas Aufmerksamkeit umgangen werden können, zum Wohle der Allgemeinheit und des Individuums.

Was war die größte Herausforderung bei der Serie?

Der Wunsch, Charlie zum Leben zu erwecken, war letztlich wesentlich größer und kraftvoller als jegliche Hindernisse. Aber es gab durchaus Momente, in denen man den Tag gerne um ein paar Stunden in die Länge gezogen hätte. Eigentlich war die einzige Herausforderung, das Sammelsurium an eifrigen Ideen auf einen Rahmen zu komprimieren, der zeitlich stemmbar schien.

Die Fragen stellte Claudia Burau.

Instant-Serien von ZDFneo

"Becoming Charlie" ist in einem beschleunigten Produktionsprozess entstanden – zwischen Konzeption, dem Drehstart im Januar 2022 und der Online-First-Veröffentlichung im Mai lagen nur ein paar Monate. ZDFneo hat seit Frühjahr 2020 in dieser "Instant"-Produktionsweise mehrere Formate produziert, die nah am Zeitgeist und den Lebenswelten der jungen Kernzielgruppe des Senders sind. Darunter Formate wie "Drinnen – Im Internet sind alle gleich" (Grimme Preis Fiktion 2021), "Liebe. Jetzt!" oder "Lehrerin auf Entzug" über die Herausforderungen in der Pandemie, "Schlafschafe" über eine Familie, die durch eine Verschwörungserzählung zu zerbrechen droht, und "Loving Her", die erste lesbische Serie im deutschen Fernsehen.

 

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