Bloß kein Stress

Familienkomödie

Ein Umzug bietet jede Menge Chancen. Finden jedenfalls Jens und Eva Heller (Fritz Karl, Katharina Wackernagel), als sie mit ihren drei Kindern in die neue Doppelhaushälfte ne­ben der "Bilderbuchfamilie" Trimmborn (Oliver Wnuk, Rike Schmid) in die Provinz ziehen. War die anonyme Großstadt zwar Grund für viele Probleme, schafft das "Hier-kennt-jeder-jeden"-Klima der überschaubaren Neubausiedlung den ide­alen Nährboden für jede Form von Wettbewerb. Und so bestimmt der Leistungs- und Konkurrenzdruck, dem die Familie ausgesetzt wird und dem sie sich aussetzt, bald ihr gesamtes Leben.

  • ZDF, Donnerstag, 30. April 2015, 20.15 Uhr

Texte

Stab und Besetzung

Buch   Stefan Rogall
RegieLars Jessen
KameraMichael Tötter
MusikStefan Wulff, Hinrich Dageför
SchnittSebastian Schultz
SzenenbildDorle Bahlburg
KostümeElisabeth Schelte
ProduktionZieglerfilm Köln GmbH
ProduzentenElke Ried, Thorsten Flassnöcker
ProducerinNina Altrogge
ProduktionsleitungSabine Schild
RedaktionMartin R. Neumann
Länge88'07 Minuten
Rollen/Darsteller
Eva Heller   Katharina Wackernagel
Jens Heller Fritz Karl
Thilo Trimmborn Oliver Wnuk
Peggy Trimmborn Rike Schmid
Oskar HellerRobert Köhler
Klara HellerSina Knecht
Felix Heller Silva-Hugo Scheer
Birger Trimmborn Vincent Grages
Cosima TrimmbornAntonia Tranziska
Ado von MecklenbeckRiccardo Campione
Wiebke Hedi Kriegeskotte
Chef RupprechtMichael Prelle
Frau Uhlenhorst  Meike Droste
Michelle Woczinski Pia Koch
und andere

Inhalt

"Bloß kein Stress" ist eine Komödie um gemeinsame Lebensent­würfe und den sozialen Druck, den eine Mittelstandsfamilie er­fährt, als sie aus der anonymen Großstadt in die Provinz zieht. Der Leistungs- und Konkurrenzdruck, dem die Familie ausgesetzt wird und dem sie sich aussetzt - beschränkt sich nicht allein auf den Arbeitsplatz, sondern trifft die Kinder in Schule und Freun­deskreis genauso und bestimmt bald das gesamte Leben der Fa­milie.

Ein Umzug bietet jede Menge Chancen. Finden jedenfalls Jens und Eva Heller (Fritz Karl, Katharina Wackernagel), als sie mit ihren drei Kindern aus der Großstadt in die Kleinstadt ziehen. Jens freut sich über die neue, an seine Versetzung gebundene bessere Position und ein höheres Gehalt. Eva, Cellistin, verfolgt wiederum die Chance, in ihrer Geburtsstadt mit Hilfe ihres frühe­ren Orchesterleiters in das Ensemble zurückzukehren.

Natürlich bedeutet der Umzug auch den Abschied von Freunden, aber Tochter Klara (Sina Knecht) hatte in ihrer Grundschulklasse Mobbing-Probleme, so dass hier ein frischer neuer Anfang wei­tere Hoffnung birgt. Das wünschen sich Jens und Eva auch für ihren Ältesten, Sohn Oskar (Robert Köhler). Der ist wegen seines extrem rebellischen und lernunwilligen Verhaltens sogar von sei­ner alten Schule geflogen.

Schon kurz nachdem die Hellers die neue Doppelhaushälfte ne­ben der "Bilderbuchfamilie" Trimmborn (Oliver Wnuk, Rike Schmid) bezogen haben, müssen sie erleben, dass Oskars frühe­rer Pubertätsblues ihr geringstes Problem ist. War die anonyme Großstadt zwar Grund für viele Probleme, schafft das "Hier-kennt-jeder-jeden"-Klima der überschaubaren Neubausiedlung den ide­alen Nährboden für jede Form von Wettbewerb. Zwar geben sich die Nachbarsfamilien zunächst überschwänglich freundlich, doch dahinter steckt erst einmal die Absicht, die Neuankömmlinge aus­zuhorchen - um sie dann umso besser "einzunorden". Denn wer hier bestehen will, hat sich an Regeln zu halten. Durch den Kon­kurrenzdruck der Nachbarn verbessern sich die Probleme der Kinder erstaunlicherweise erstmal. Doch die guten Noten und die intensive Förderung münden bald in Überforderung. Was wollen die Hellers wirklich? Muss jeder immer der Beste in allen Fächern sein? Im Sport? Im Beruf? Im Haushalt? Jeder wird am Ende des Films eine Lösung für sich gefunden haben. Und fast nie mit der Strategie, mit der er anfangs angetreten ist.

Drei Fragen an die Hauptdarsteller

Was hat Sie an dieser Geschichte gereizt, was an der Figur, die Sie darstellen?

Oliver Wnuk: Lars Jessen sage ich meistens blind zu. Ich habe schon oft mit ihm gearbeitet, und was er gut findet, trifft auch meinen Geschmack. Bei Lars Jessen bin ich in der Darstellung sehr frei, und so reizte mich die Psyche dieses Schlags Mensch, den ich spielte. Böse, zynisch, einsam, aber all das schimmert erst durch die zweite oder dritte Hautschicht. Komik durch nicht zu viel und nicht zu wenig.

Rike Schmid: Peggy ist eine Frau, die eigentlich keinen eigenen inneren Boden hat, das hat mich interessiert. Ihre Unsicherheit überspielt sie mit einer perfekten Oberfläche. Sie ist eine Person, die sich sehr am Außen orientiert. Ich habe mich gefragt, warum sie derart abhängig ist von äußerer Anerkennung, um ihren eige­nen Wert definieren zu können. Eigentlich ist sie ein sehr hilfloser Mensch, der sich an vermeintlich konventionellen Strukturen fest­zuhalten versucht. Auch ich kämpfe zuweilen mit der Diskrepanz zwischen dem Ausdruck meiner Individualität und meinem gesell­schaftlichen Anpassungsbedürfnis, würde dabei aber nie so ins Extrem kippen wie Peggy. Aber genau das komödiantisch auszu­loten, wie eine Figur funktioniert, die keinerlei unsortiertes Selbst zulässt, habe ich als sehr spannend empfunden. Die Figurenkon­stellation ist außerdem sehr reizvoll, die Charaktere von Katharina Wackernagel und mir spiegeln sich ja in ihren Eigen­heiten als Frauen und Mütter ineinander, und beide hantieren wiederum mit ihren Männern und deren Bildern von Männlichkeit oder vom Vatersein. Sich darüber spielerisch mit den Kollegen während des Drehs und darum herum auszutauschen und das mit unseren eigenen Erfahrungen abzugleichen, war ein schönes Er­lebnis.

Fritz Karl: An der Geschichte hat mir gefallen, dass sie so alltäg­lich beginnt: Familie, Umzug, pubertierender Sohn, Probleme mit dem Job und so weiter, und wie sie sich im Verlauf in eine fast aberwitzige Richtung entwickelt. Der Reiz sind natürlich die Nöte, aus denen die Charaktere heraus reagieren und die sie in komi­sche Situationen werfen.

Katharina Wackernagel: Der Kontrast zu meiner Lebenseinstel­lung hat mich gereizt. Meine Filmfigur lässt sich nach ihrem Um­zug von der Stadt aufs Land sehr unter Druck setzen, sich an Statussymbolen messen und nach der Erziehung ihrer Kinder be­urteilen. Für mich sind solche Konkurrenzsituationen unbedeu­tend, dafür bin ich zu sehr geerdet und habe eine Meinung, die ich sehr gut vertreten kann.

In dem Film geht es auch um die Versagensängste von Eltern. Ist der Druck auf Eltern, ein perfektes Kind zu haben, Ihrer Meinung nach heutzutage größer als der Druck, mit dem die Kinder selbst zurechtkommen müssen?

Oliver Wnuk: Was ist denn ein perfektes Kind? In dieser Frage­stellung liegt schon das Problem. Es gibt heutzutage einfach auch mehr Angebote für Kinder und die verschiedensten Ansätze der Pädagogik. Wer die Wahl hat, hat die Qual und kann dadurch natürlich auch öfters in die Sch… greifen.

Rike Schmid: Ich habe keine eigenen Kinder, vermute aber, jeder Druck, den Eltern empfinden, wird sich auch auf das Kind über­tragen. Kinder sind extrem durchlässige Wesen, und gestresste oder gar zwanghafte Eltern werden mit ziemlicher Sicherheit auch gestresste Kinder hervorbringen. Daher denke ich, das kann man nicht getrennt voneinander betrachten. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, woher diese Maßgabe kommt, ein "perfektes Kind" haben zu wollen oder zu müssen. So wie ich das in meinem Um­feld erlebe, will das eigentlich niemand. Viel eher empfinde ich bei mir bekannten Eltern das Bedürfnis, der kindlichen Neugier und Unangepasstheit Raum geben zu können, denn das ist ja auch etwas sehr Inspirierendes. Aber in unserer von Wettbewerb bestimmten Gesellschaft scheint dennoch ein implizierter Aufruf zur Konkurrenzfähigkeit und Perfektion Eltern unter Druck zu set­zen, den sie an ihre Kinder weitergeben. Das zeigt meines Er­achtens auch, dass in unserem Bildungs- und Erziehungssystem etwas schief hängt.

Fritz Karl: Früher war der Druck sowohl auf die Eltern als auch auf die Kinder nicht so groß. Man hatte mehr Eigenverantwortung, und die Kinder sind selbstständiger aufgewachsen. Helikopter-Eltern gab es nicht. Heutzutage haben sowohl Eltern wie auch Kinder mehr Druck. Der Druck auf die Eltern überträgt sich auch auf die Kinder, ist ja klar.

Katharina Wackernagel: Ich denke, der Druck ist auf beide Sei­ten verteilt. Eltern, die alles richtig machen wollen, Kinder, die alles richtig machen müssen. Da muss jeder sein Maß finden, was er sich und seinen Kindern zumutet.

Hat der Film eine Botschaft?

Oliver Wnuk: Bestimmt. Aber da müssen sie den Dichter fragen und nicht den Interpreten.

Rike Schmid: Mich würde es freuen, wenn der Film ein Gespräch darüber anregt, was Erziehung heutzutage bedeutet und wie wir eigentlich mit der Kinderperspektive in unserer Gesellschaft um­gehen. "Bloß kein Stress" heißt sicherlich nicht, ein Kind quasi tiefenentspannt in die Welt hinaus spazieren zu lassen und ihm keine Grenzen zu setzen. Kinder zu bekommen, bedeutet Ver­antwortung für ein anderes Leben zu übernehmen und dafür, wie sich ein kleiner Mensch in der Gesellschaft orientieren lernt. Das ist sicher alles andere als eine stressfreie Aufgabe. Durch die satirische Überhöhung von sogenannten Erziehungsmethoden zeigt unser Film aber, dass es vielleicht nicht unbedingt der beste Weg ist, einem Kind die Welt in jeglicher Hinsicht "vorzuerklären" oder "vorzuorganisieren". Vielmehr können wir von Kindern ler­nen, wie sehr das, was dem Kind innewohnt, nämlich das neugie­rig Unfertige, die urteilsfreien Zwischenräume, das Widersprüchli­che und Prozesshafte, unser Leben eigentlich lebenswert macht und bereichert. Und das gilt es zu pflegen und zu schützen. 

Fritz Karl: Wenn man so will, eine ganze Reihe, angefangen von sich unabhängig machen von sozialen und gesellschaftlichen Zwängen bis zur Kindererziehung. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern wie ich finde, mit einer charmant witzigen Note.

Katharina Wackernagel: Der Film zeigt ja sehr schön überspitzt, wie albern es wirkt, wenn Eltern von ihren Kindern alles fordern, um selber ein perfektes Bild abzugeben. Vielleicht kann man dies im Umkehrschluss als ein Plädoyer für mehr Entspannung hin­sichtlich der eigenen Erwartungen ansehen.

Das Interview führte Gitta Deutz

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