Böser Wolf - Ein Taunuskrimi

Der Fernsehfilm der Woche - Nach dem gleichnamigen Roman von Nele Neuhaus

Ein totes Mädchen, das keiner vermisst, wird aus dem Main geborgen. Ein dunkles Geheimnis hat sie mit in die Fluten genommen. Ein Geheimnis, das es jetzt aufzuklären gilt. Das beliebte Ermittler-Duo Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) und Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität, bevor der Fall auch noch persönlich wird. "Böser Wolf" ist ein Taunuskrimi nach dem gleichnamigen Roman von Nele Nehaus, erschienen im Ullstein Verlag, Berlin.

  • ZDF, Montag, 11. Januar 2016, 20.15 Uhr (Teil 1) - Dienstag, 12. Januar 2016, 20.15 Uhr (Teil 2)

Texte

Wer hat Angst vorm "Böser Wolf"?
Vorwort von ZDF-Redaketur Daniel Blum

Die Erfolgsgeschichte der Romanautorin Nele Neuhaus geht weiter. Mittlerweile wurden weit über 6 Millionen Exemplare ihrer bislang sieben Bände umfassenden Taunusreihe verkauft, und die Fangemeinde wächst stetig weiter. Mit ihrem sechsten Roman der Taunuskrimi-Reihe rund um das sympathische Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ist Nele Neuhaus ein packender, realitätsnaher Krimi-Thriller mit Hochspannung gelungen. Der Roman schoss direkt nach seiner Veröffentlichung auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste – bis dato wurden bereits rund 1 Million Exemplare verkauft.

Aber auch die Verfilmungen der Romane gehören zu den erfolgreichsten Krimi-Adaptionen im ZDF-Programm – aus dem "Taunuskrimi" ist ein richtiges Label für Zuschauerzuspruch geworden. Für die Verfilmung von "Böser Wolf" konnte erneut Marcus O. Rosenmüller als Regisseur gewonnen werden. Das Publikum erwartet eine spannende Adaption als Zweiteiler mit hochkarätiger Besetzung und eine Geschichte, die unter die Haut geht. Nele Neuhaus gelingt es in "Böser Wolf", ein hochspannendes Puzzle zu konstruieren, das erst bei einem großen Showdown kurz vor Schluss aufgelöst wird. Denn der böse Wolf, der diesem Film den Titel gibt, hat viele Gesichter und Identitäten.

Stab

Nach dem gleichnamigen Roman von Nele Neuhaus erschienen im Ullstein Verlag, Berlin

 

Buch  Anna Tebbe
RegieMarcus O. Rosenmüller
Kamera Stefan Spreer
Schnitt Claudia Klook
Szenenbild Benedikt Herré
Ton    Eckhard Kuchenbecker
Licht   Michael Schäfer
Musik  Florian Tessloff
Kostüm  Susanne Roggendorf
ProduktionsleitungArmin Mahr
AufnahmeleitungMaximilian Renneisen
Produktion all in production, München
Producerin Caroline Daube
ProduzentinAnnette Reeker, Zeljko Karajica
RedaktionDaniel Blum

Besetzung

Oliver von BodensteinTim Bergmann
Pia Kirchhoff Felicitas Woll
Henning Kirchhoff Kai Scheve
Kai Ostermann  Michael Schenk
Oberstaatsanwalt
Markus Maria Frey
Harald Schrott
Florian Finkbeiner  David Rott
Louisa Finkbeiner  Bella Bading
Josef Finkbeiner Michael Mendl
Corinna Wiesner Alexandra Finder
Bernd Prinzler Jürgen Tarrach
Michaela Prinzler  Karin Hanczewski
Leonie Verges  Natalia Wörner
Kilian Rothemund Alex Brendemühl
Chiara Rothemund  Emma Bading
Hanna Herzmann Jenny Elvers
Meike Herzmann Jennifer Ulrich
Rosie Stiehler Teresa Harder
Evelyn  Natalia Avelon
Dr. Aylin Baydar Ilknur Boyraz
Lutz Altmüller  Hans-Martin Stier
Hartmut Matern   Walter Kreye
Frank BehnkeJens Schäfer
und andere  

Allgemeiner Inhalt

Eines Morgens entdecken Jugendliche die Leiche eines 15-jährigen Mädchens am Mainufer. Die Leiche trieb schon seit einiger Zeit im Fluss, aber niemand hat die Tote als vermisst gemeldet. Die Obduktion ergibt, dass das Mädchen jahrelang brutal misshandelt und vergewaltigt wurde. Der bislang einzige Anhaltspunkt bei den Ermittlungen ist die Ähnlichkeit zu einem neun Jahre zurückliegenden Fall, der nie aufgeklärt werden konnte.

Der Fund der mysteriösen Mädchenleiche ist der Auftakt einer Reihe von Ereignissen. Nur wenige Tage später wird die bekannte Fernsehmoderatorin Hanna Herzmann brutal vergewaltigt und schwer verletzt aufgefunden. Die Ermittler verdächtigen aufgrund einer Zeugenaussage Dr. Kilian Rothemund, dem ehemaligen Verteidiger der Road Kings, einer kriminellen Organisation aus dem Frankfurter Rotlicht- und Drogenmilieu. Rothemund wurde vor einigen Jahren als Kinderschänder überführt und lebt seit seiner Freilassung auf einem heruntergekommen Campingplatz unweit des Fundortes der Mädchenleiche.

Bei ihren Ermittlungen finden Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein heraus, dass Hanna Herzmann an einer hochbrisanten Enthüllungsstory gearbeitet hat. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie die Machenschaften eines skrupellosen Kinderpornorings an die Öffentlichkeit bringen wollte.

Als wenige Tage später die Leiche einer anderen Frau gefunden wird, müssen Kirchhoff und von Bodenstein feststellen, dass sich hinter den Funden mehr verbirgt, als anfangs gedacht.  

Ein Zweiteiler, der starke Emotionen provoziert
Statement von Producerin Caroline Daube

Die Taunuskrimis von Nele Neuhaus sind eine Sensation auf dem deutschen Buchmarkt. Was im Selbstverlag begann, feiert inzwischen auf den Bestsellerlisten triumphale Erfolge.

Über 6 Millionen verkaufte deutsche Exemplare haben die Autorin zum Star gemacht. Aber nicht nur ihre Bücher sind ein Riesenerfolg: die Taunuskrimi- Verfilmungen bescheren dem ZDF seit 2012 traumhafte Einschaltquoten.

Die Geschichten von Nele Neuhaus leben stark von der Verortung im scheinbar friedlichen, idyllischen Taunus und den dort lebenden Menschen. Die Vermischung mit gesellschaftlich relevanten Themen und modernen Thriller Elementen trifft den Nerv der Zeit. "Böser Wolf" ist bereits die sechste Verfilmung der Taunuskrimi-Reihe, zum ersten Mal als Event-Zweiteiler.

Für die Adaption von "Böser Wolf" haben uns die 2 x 90 Minuten einen idealen Freiraum offeriert, den besonders atmosphärisch-düsteren und bedrückenden Kosmos des Romans und die verschiedenen Erzählebenen auszuschöpfen. Denn "Böser Wolf" sprengt mit seinem berührenden und relevanten Thema Kindesmissbrauch den üblichen Krimi-Rahmen und provoziert starke Emotionen mit eindringlichen Bildern. Besonders glücklich sind wir über den außergewöhnlichen Cast, den wir rund um unsere charismatischen Ermittler Felicitas Woll und Tim Bergmann sammeln konnten.

"Die furchtbarste Recherche, die ich jemals gemacht habe"
Interview mit Nele Neuhaus

Der Stil von "Böser Wolf" ist so ganz anders als in Ihren vorigen Büchern. Empfinden Sie das auch so?

Ja, das empfinde ich auch so und das habe ich absichtlich so gemacht. Es ist dem ernsten Thema meines Buches geschuldet, dass "Böser Wolf" eher ein Thriller als ein klassischer Kriminalroman geworden ist, wobei es natürlich auch diesmal um die Tätersuche, das "Whodunit" geht. Im Gegensatz zu meinen anderen Taunuskrimis ist die düstere Geschichte eher "plot-driven", wie der Fachmann sagt. Und meinen Erzählstil habe ich in diesem Buch bewusst knapp gehalten, fast ein bisschen amerikanisch.

An "Böser Wolf" habe ich in einer für mich sehr schwierigen privaten Situation geschrieben, das Schreiben musste ich zwischendurch wegen einer Herzklappen-OP unterbrechen. Die existenziellen Ängste, die meine Charaktere durchleben, habe ich vielleicht deshalb so gut nachempfinden können. Und wie immer, wenn ich an einem Buch schreibe, läuft in meinem Kopf ein Film ab. Dieser Film war besonders böse und düster und so habe ich dann auch versucht, dem gerecht zu werden. Abgesehen davon ließ sich das Thema - Kindesmissbrauch, organisierte Kriminalität gegen Kinder - eben nicht so erzählen wie das bei den vorherigen Taunuskrimis möglich war. Es war für mich als Autorin ein Entwicklungsschritt, eine Herausforderung.

 

Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

Wie fast immer kam das Thema zu mir, ich habe nicht danach gesucht. In den Zeitungen und Medien wurde damals viel über Fälle wie Dutroux in Belgien oder Fritzl in Österreich berichtet, außerdem sind die Zeitungen bedauerlicherweise immer wieder voll von Berichten über missbrauchte Kinder, die oft erst im Erwachsenenalter den Mut finden, darüber zu sprechen. Meistens tun sie das nicht und leben mit diesem Trauma. Zufällig wurde ich damals vom FeM Mädchenhaus in Frankfurt gefragt, ob ich eine Patenschaft für die Weihnachtsaktion "Schutzengel gesucht" übernehmen wollte.

Beim Gespräch mit der Leiterin und den Therapeutinnen des Mädchenhauses wurde mir bewusst, dass Missbrauch nicht nur in den Randgruppen unserer Gesellschaft stattfindet, sondern quer durch alle sozialen Schichten geht. Auch im wohlhabenden Vordertaunus passiert das viel häufiger als man sich vorstellen mag. Zusätzlich dazu hat mich ein realer und bis heute noch immer unaufgeklärter Fall aus dem Jahr 2001 inspiriert: der Fund einer misshandelten Mädchenleiche im Main bei Frankfurt.

 

Wie investigativ recherchieren Sie? Sind Sie mit der Geschichte nah an realen Fällen?

Die Geschichte von "Böser Wolf" habe ich mir ausgedacht, aber ich fürchte, dass Vieles von dem, was ich beschreibe und erzähle, sich genau so und ähnlich in der Realität abspielt. Ich habe Bücher gelesen, in denen Frauen erzählen, die als Kinder von Vater, Mutter, Verwandten und anderen Vertrauenspersonen missbraucht und Opfer ritueller Gewalt wurden, manchmal über Jahre hinweg. Es sind menschliche Tragödien von Ausmaßen, die man sich kaum vorstellen kann. Oft leiden diese Menschen ihr ganzes Leben lang unter diesen entsetzlichen Erlebnissen, ihre ganze Persönlichkeit ist in der Entwicklung gestört, nicht selten kommt es zu Persönlichkeitsspaltungen, einer Schutzreaktion der Seele. Die dissoziative Identitätsstörung ist auch ein Thema in "Böser Wolf".

Auch wenn ich für meine Recherche nicht persönlich mit Betroffenen gesprochen habe, so befürchte ich, dass ich mit meiner Geschichte sehr nah an realen Fällen bin. Ich habe viele Bücher zu den Themen Missbrauch, Inzest, Pädophilie, bipolaren Störungen gelesen, im Internet ausgiebig recherchiert. Es war die furchtbarste Recherche, die ich jemals gemacht habe und ich war froh, als die Arbeit an dem Manuskript beendet war. Es deprimiert mich zutiefst, dass dieses Thema so totgeschwiegen wird.

Bis heute engagiere ich mich für das FeM Mädchenhaus, wo Mädchen anonym therapeutische Hilfe bekommen können und in schlimmen Fällen sogar Zuflucht finden vor gewalttätigen Familienmitgliedern. Und immer wieder merke ich, wie betroffen die Leute reagieren, wenn ich um eine Spende oder Unterstützung bitte, sich dann aber ganz schnell abwenden. Das ganze Thema ist ihnen zu schmuddelig und zu unangenehm. Dieses Abwenden und Augenverschließen ist eine ebenso große Tragödie, denn es könnte vielen Kindern und Mädchen geholfen werden, wenn ihr Umfeld aufmerksamer und mutiger wäre.

 

Was ist für Sie das Besondere an diesem Buch?

"Böser Wolf" war mein schwierigstes Buch und das, was ich in der wohl schwersten und dunkelsten Phase meines Lebens geschrieben habe. Von den Umständen, unter denen ich es geschrieben habe, abgesehen, war es mein allererstes Hardcover und damit ein Experiment, denn meine Leser waren daran gewöhnt, dass es meine Bücher als Taschenbücher gibt.

Ich war sehr gegen den Schritt in das Hardcover-Segment, denn allein der Preis schreckt viele Leser ab. Dennoch war ich stolz, denn ein Hardcover ist wohl für jeden Autor die Königsklasse. Und als es "Böser Wolf" dann auch gleich von Null auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste schaffte und dort einige Wochen unangefochten blieb, war das schon etwas ganz Besonderes für mich. Ein Jahr später schaffte es das Buch auch auf Platz 1 der Taschenbuch-Bestsellerliste des Spiegels. Außerdem habe ich für "Böser Wolf" die Krimi-Mimi bekommen, einen Leserpreis, der auf der Leipziger Buchmesse verliehen wird. Was Kritiker und Feuilletons über meine Bücher sagen ist mir schon lange gleichgültig - wichtig sind mir einzig und allein meine Leser. Sie sind es schließlich, für die ich schreibe. Und meine Leser haben "Böser Wolf" für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.

 

Die Fragen stellte Malte Weber.

Stringentes visuelles Konzept
Kurzinterview mit Regisseur Marcus O. Rosenmüller

Sie haben bereits die Taunuskrimis "Mordsfreunde", "Tiefe Wunden" und "Wer Wind sät" gedreht. Was unterscheidet diesen sechsten Krimi bildsprachlich von den anderen?

Mein Kameramann Stefan Spreer und ich haben im Vorfeld ein stringentes visuelles Konzept entwickelt. Denn stärker als bei den anderen Taunuskrimi prallen hier sehr gegensätzliche soziale Welten aufeinander. Und wir haben die Szenen im Polizeirevier auf eine neue Ebene gestellt: Motiv, Beleuchtung, Inszenierung - all das wurde komplett überarbeitet und in eine zeitgemäße Bildsprache übersetzt.

 

Mit welchen Mitteln erzählen Sie die Geschichte?

Mit verschiedenen Erzählebenen, die teilweise auch horizontal angelegt sind und erst im Laufe der Geschichte ihre ganze Tragweite entfalten. Bei einem Zweiteiler hat man diese Möglichkeit sehr viel stärker als bei einem 90-minütigen Film. Vorteil ist vor allem, dass man den Figuren mehr Raum geben kann und somit auch eine differenziertere Charakterisierung.

 

Was ist die besondere Herausforderung bei diesem Zweiteiler gewesen?

Das sehr sensible Thema Kindesmissbrauch.

 

Wie weit geht man als Regisseur bei der Umsetzung eines so erschütternden Themas?

Man darf nichts beschönigen. Aber es ist auch das schlimmste Thema, das es in unserer Gesellschaft gibt. Daher waren mir Ernsthaftigkeit und Authentizität besonders wichtig. Aus diesem Grund haben wir diesmal auf private Szenen mit den Ermittlern, die in den bisherigen Taunuskrimis für eine gewisse Auflockerung gesorgt haben, weitgehend verzichtet.

 

Wie nah liegt Ihre Inszenierung an der Romanvorlage?

Das wichtigste ist, die Kernaussage des Romans zu treffen. Verfilmungen können aber nicht den Erzählrhythmus und die Figurendichte eines Romans übernehmen. Innere Monologe zum Beispiel oder die Beschreibung einer Figur, die man im Roman mysteriös hält, indem man ihren Namen nicht verrät, funktionieren in Filmen nicht. Man muss dafür eigene erzählerische und visuelle Konzepte entwickeln.

 

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

"Manchmal nur schwer verdauliche Bilder"
Kurzinterview mit Felicitas Woll

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Wie es mir beim ersten Lesen ging, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen. Dieses Thema ist so schrecklich. Aber es ist auch hier sehr wichtig und mehr als dringlich, immer wieder drüber zu sprechen. Wir neigen dazu, über schlimme Ereignisse nicht zu reden. Kinderpornographie ist schon lange kein Ereignis mehr, sondern ein großes Geschäft. Und diese Menschen, die diese Geschäfte machen, kommen aus allen Schichten unserer Gesellschaft. Mir ist es schwer gefallen, mich mit dem Thema filmisch zu beschäftigen, weil es mir als Mensch einfach nur den Atem nimmt.

 

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an dem Zweiteiler "Böser Wolf"?

Dass es ein Zweiteiler ist. Und dass er sich mit einem Thema beschäftigt, welches man einfach nicht Worte fassen kann. Aber Markus O. Rosenmüller, der Regisseur, hat eine sehr bewusste Sprache für diese Geschichte.

 

Welche Entwicklung ist Pia Kirchhoff innerhalb der Reihe gegangen?

Als Ermittlerin muss man versuchen, sich emotional soweit es geht, zurück zu halten. Pia hat durch eine persönliche Verbindung plötzlich eine ganz andere Beziehung zu dem Fall. Und sie kommt mit sich selbst in Konflikt, da sie sich selber oder anderen in ihrem näheren Umfeld nicht mehr traut.

 

Worin liegt für Sie als Schauspielerin der Unterschied zwischen 90-Minüter und einer Reihe?

Bei einer Reihe kann sich die Figur entwickeln über einen längeren Zeitraum. Bei einem 90-minütigen Film muss die Wandlung schneller gehen.

 

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Taunuskrimis?

Das Geheimnis ist, dass wir zwei tolle Kommissare haben. (lacht)

 

Die Fragen stellte Malte Weber.

"Alles andere als einfach"
Kurzinterview mit Tim Bergmann

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Auch, wenn ich darauf vorbereitet war, ist ein Thema wie Kindesmissbrauch und Kinderpornographie nicht einfach und auch innerhalb einer Krimireihe etwas Besonderes. Aber als Schauspieler bin ich bereit, mich mit allen Themen auseinanderzusetzen, vor allem wenn sie leider Teil unserer Realität sind.

 

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an dem Zweiteiler "Böser Wolf"?

Zum einen ist es innerhalb unserer Reihe zum ersten Mal ein Zweiteiler, und kein 90-Minüter, zum anderen ist die Auseinandersetzung mit einem so relevanten und brisanten Thema etwas Außergewöhnliches. So war es sicher auch schon für die Leser/innen der Nele Neuhaus Krimis. Sowohl im Roman, als auch im Film geht es um deutlich mehr als um die Aufrechterhaltung eines reinen Spannungsbogens.

 

Welche Entwicklung ist Oliver von Bodenstein innerhalb der Reihe gegangen?

Es gab bei der Entwicklung zum "Bösen Wolf" die Entscheidung vor allem dem Fall Raum zu geben. Daher ist die persönliche Entwicklung, sprich das Privatleben der beiden Kommissare, im Gegensatz zu den bisherigen Filmen in den Hintergrund getreten. Oliver von Bodenstein ist aber nicht nur aufgrund des Falls, der ihn allein schon als Vater mehr als sonst mitnimmt, in keiner besonders guten Phase seines Lebens. Er hat sich immer eine glückliche Ehe und vor allem auch eine glückliche Familie gewünscht. Davon ist nicht viel geblieben.

 

Worin liegt für Sie als Schauspieler der Unterschied zwischen 90-Minüter und Reihe?

Es liegt in der Natur einer Reihe, dass darin Figuren über einen längeren Zeitraum erzählt werden. Zum einen begleiten sie mich als Schauspieler dadurch länger und zum anderen besteht die Möglichkeit, wesentlich mehr über eine Figur zu erzählen und diese im besten Fall zu entwickeln.

 

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Taunuskrimis?

Sicherlich ist ein Teil des Erfolgs der große Erfolg der Romane. Nichts desto trotz haben wir natürlich auch Zuschauer, die die Romane nicht gelesen haben. Warum wer einschaltet, oder nicht, kann ich weder prophezeien, noch allgemein gültig erklären. Ich für meinen Teil kann nur meinen Beitrag dazu leisten, dass der Film so gut wird, wie möglich.

 

Die Fragen stellte Malte Weber.

 Drei Fragen an ...

... Harald Schrott 

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Beim ersten Lesen hatte ich durchaus Probleme, der Geschichte in allen Details zu folgen, da die Handlung auf mehreren Zeitebenen spielt und es eine Vielzahl an Figuren gibt. Das Thema des Filmes ist verstörend, brutal, und verlangt einen sensiblen Umgang damit. Aber auch wenn hier berührende, erschreckende Dinge erzählt werden, bleibt es unterm Strich natürlich ein Krimi, der spannende Unterhaltung bieten möchte.

 

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele Oberstaatsanwalt Markus Maria Frey, einen Mann mit sprichwörtlich zwei Gesichtern. (Die Autorin hat ihn nicht umsonst im Roman mit zwei unterschiedlichen Namen ausgestattet.) Ein intelligenter, ehrgeiziger Emporkömmling aus einfachen Verhältnissen, geschmeidig, manipulativ, tritt er heute als leidenschaftlicher Kämpfer für das Recht auf. Unter dem Deckmantel des Saubermannes und Familienmenschen lauert der Abgrund.

 

Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der Taunuskrimis von Nele Neuhaus aus?

"Böser Wolf" ist dramaturgisch geschickt gebaut und wirklich spannend. Nele Neuhaus nutzt die Möglichkeit, einer Figur verschiedene Namen zu geben, gekonnt, und löst das Rätsel dieser Identitäten erst sehr spät und überraschend. Es gibt jede Menge Verdächtige und auch eine gehörige Prise Lokalkolorit. Die Leser lieben es wohl, in diese düsteren Geschichten einzutauchen – wohlwissend, dass am Ende die Gerechtigkeit siegt und die Täter geschnappt werden. Zumindest meistens.

Die Fragen zu dieser Rubrik stellte Malte Weber.

... Jürgen Tarrach

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Ungeheure Personnage, viele Handlungsstränge, das bedeutet für meine Rolle, dass man sehr klar zeichnen muss, damit sie im Gedächtnis bleibt.

 

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele eine ehemalige Frankfurter Kiezgröße, einen ehemaligen Rockerchef der Frankfurt Road Kings. Zuhälter, halbwegs geläutert mit einem überraschenden privaten Hintergrund. Mehr möchte ich nicht verraten, sonst verliert die Rolle an Spannung.

 

Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der Taunuskrimis von Nele Neuhaus aus?

Durch den Titel nimmt die Autorin Bezug auf die deutschen Märchen der Gebrüder Grimm, hier spielt der mythische deutsche Wald eine zentrale Rolle als Sinnbild der dunklen Seelenmächte der Menschen. So sehen wir hinter den Fassaden einer großbürgerlichen Ordnung ein Dickicht aus seelischen Abgründen. Diese archetypischen Charaktere nehmen den Zuschauer in seinen Bann. Zudem ist die konkrete lokale Verortung sicherlich eine wichtige Komponente. 

... Natalia Wörner

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Ich war über die Brisanz und die Härte des Drehbuchs überrascht und gleichermaßen erfreut, dass das ZDF sich traut, ein derart heikles Thema so frontal anzugehen.

 

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele die Psychotherapeutin Leonie Verges, die in ihrer beruflichen Ausrichtung sicher einen sehr modernen Ansatz hat. Ihre Art und Weise zu praktizieren und auf Klienten einzugehen ist, so kann man sagen, fast schon avantgardistisch und am Puls der Zeit.

 

Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der Taunuskrimis von Nele Neuhaus aus? 

Dass die Taunuskrimis von Nele Neuhaus eine solche Sensation gerade auf dem deutschen Buchmarkt sind, liegt meines Erachtens auch daran, dass ein örtlicher Bezug es dem Leser leichter macht, und dass der Taunus mit den vielen kleinen Dörfern und seiner Nähe zu Frankfurt einen tollen Hintergrund bietet. Und sie trifft die Themen der Zeit: Eifersucht, Liebe, die Klüngelei, Gier und Verschwiegenheit in der Gemeinschaft, und sie erschafft Figuren, die Menschen zu kennen glauben, die berühren und mit denen man sich identifizieren kann.

... David Rott

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Beim ersten Lesen des Drehbuchs ging es mir ganz gut. Ich hatte gerade eine Erkältung hinter mir und war ehrlich gesagt froh, wieder gesund zu sein. Denn "Kinderpornografie", puh, das ist ja nichts für schwache Nerven.

 

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele Florian Finkbeiner, den Bruder der verschwundenen Michaela. Florian ist Arzt und lebt mit seiner Tochter auf Haiti. Mit seiner Frau ist gerade alles aus und er kommt ungern zum Geburtstag seines Vaters, da ihm seine ganze Familie, ohne dass er von den eigentlichen Verbrechen weiß, zum Hals heraushängt. Er befindet sich im freien Fall, weiß nicht, wie es mit ihm weitergehen soll und trinkt zu viel. Seine Tochter benimmt sich seit der Ankunft bei den Finkbeiners seltsam und die ermittelnde Kommisssarin hegt einen üblen Verdacht gegen ihn.

 

Was macht nach Ihrer Meinung nach den Erfolg der Taunuskrimis von Nele Neuhaus aus?

Der Erfolg ihrer Bücher kommt, da bin ich mir sicher, daher, dass so viele Leute sie lesen. Und es werden, nachdem dieser Zweiteiler im Fernsehen zu sehen sein wird, bestimmt noch mehr.

... Jennifer Ulrich

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Das Thema Kinderpornografie geht einem natürlich sofort an die Nieren. So ging es mir dann auch beim Lesen des Drehbuchs. Es ist verstörend zu wissen, dass es gut vernetzte Kinder- und Jugendpornografie-Ringe gibt, dessen Drahtzieher und Konsumenten sich teilweise bis in hohe gesellschaftliche Kreise ziehen und wie Menschen mit den pädophilen Fantasien Anderer Geschäfte machen und Geld verdienen. Mich wühlt das Thema sehr auf und es macht mich ohnmächtig zu sehen, dass dieses organisierte Verbrechen nicht vollständig von uns bekämpft werden kann, weil diese Pornoringe bis ins weite Ausland so sehr vernetzt sind. Kinder sind unser wichtigstes Gut, unsere Zukunft und sie müssen geschützt werden.

 

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele Meike Herzmann, die Tochter einer berühmten Fernsehmoderatorin zu der sie kein sonderlich gutes Verhältnis hat. Meike möchte gern in die Fußstapfen ihrer Mutter treten, auf ihre eigene rebellische Art und Weise. Sie wird selbst investigativ tätig, als ihre Mutter bei einem Angriff durch einen Unbekannten schwer verletzt wird und gerät dadurch selbst ins Visier des organisierten Verbrechens. Sie ist eine neugierige, selbstsichere, junge Frau, die sich etwas naiv in die Höhle des Löwen begibt, ohne es zu ahnen. Der Strang meiner Figur eröffnet dem Zuschauer einen etwas anderen Einblick in die Ermittlungsarbeit dieses Falles, fernab vom üblichen Kommissaren-Team. Das fand ich sehr spannend, da die Figur der Meike ganz unabhängig von den anderen Figuren im Film ihre eigene Reise durchmacht und auf sich allein gestellt ist. Unvorsichtig und ehrgeizig, mit etwas Selbstüberschätzung, bringt sie sich in Gefahr. Eine spannende Episode dieses komplexen Falles.

 

Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der Taunuskrimis von Nele Neuhaus aus?

Nele Neuhaus' Taunuskrimis sind immer sehr komplex aufgebaut. Viele Figuren, viele Geschichten, clever vernetzte Stränge, die dann am Ende ein großes Ganzes ergeben. Ich glaube, dass der Zuschauer durch die Komplexität und auch die Aktualität der Themen dran bleibt und bis zum Schluss schwer durchschauen kann, wer Täter und Opfer sind. Das erzeugt Spannung bis zum Schluss. Außerdem finde ich, dass das Ermittlerteam ausgesprochen sympathisch und menschlich in eine oft düstere, geheimnisvolle Stimmung eingebettet wird. Das ist eine tolle Mischung, der man gerne zuschaut.

Zwei Fragen an Michael Mendl

Welche Rolle haben Sie in diesem Zweiteiler gespielt?

Ich spiele mit Josef Finkbeiner – einen Mann mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite ist er der nette, charmante Arzt, Großvater und Wohltäter – auf der anderen Seite der skrupellose Kopf eines organisierten Pädophilen-Rings.

 

Wie ging es Ihnen beim ersten Lesen des Drehbuchs?

Als ich dieses Drehbuch gelesen hatte, fand ich das Verhalten der darin handelnden Verbrecher zum Kotzen. Und mit dem Angebot Josef Finkbeiner darstellen zu sollen fragte ich mich, warum soll ich so einen Kotzbrocken spielen und kam zu dem Schluss, dass wir als darstellende Künstler des Öfteren über unseren Schatten springen müssen, um per Aufklärung über diesen Stoff das Publikum zum Kotzen zu bringen. Und wenn uns diese Absicht gelingt könnte es dazu beitragen, dass sich in der Gesellschaft – durch ein geschärftes Bewusstsein – solche Untaten ausmerzen lassen.

Die Fragen stellte Malte Weber.

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