Copyright: ZDF/Siri Klug
Copyright: ZDF/Siri Klug

Born in Evin - Dokumentarfilm von Maryam Zaree

Das kleine Fernsehspiel

In ihrem Dokumentarfilm "Born in Evin" (Deutschland/Österreich 2019) erzählt Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree von der Suche nach den gewaltvollen Umständen ihrer Geburt in einem der berüchtigtsten Gefängnisse der Welt. Das ZDF sendet den Film zum "Internationalen Tag der Menschenrechte" als Free-TV-Premiere.

  • ZDF, Montag, 13. Dezember 2021, 0.00 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 10. Dezember 2021, 10.00 Uhr

Texte

Stab, Protagonist*innen, Inhalt

Stab

Buch und Regie: Maryam Zaree

Kamera: Siri Klug

Schnitt: Dieter Pichler

Ton: Michael Klöfkorn, Tom Schön

Produktionsfirma: Tondowski Films in Koproduktion mit Golden Girls Film, ZDF/Das kleine Fernsehspiel und ORF Film/Fernseh-Abkommen

Produzent und Produzentin: Alex Tondowski, Ira Tondowski

Koproduzenten und Koproduzentinnen: Arash T. Riahi, Sabine Gruber, Karin C. Berger

Förderer: HessenFilm, ÖFI - Österreichisches Filminstitut, DFFF - Deutscher Filmförderfonds, BKM - Kulturelle Filmförderung des Bundes, Kuratorium Junger Deutscher Film, FISA - Filmstandort Austria

Redaktion: Burkhard Althoff (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Susanne Spellitz (ORF)

 

Protagonist*innen

Maryam Zaree, Nargess Eskandari-Grünberg, Kasra Zareh, Kurt Grünberg, Mira Grünberg, Shadi Amin, Sima Boulanger, Marya Sirous, Chahla Chafiq, Haydeh Ravesh, Farah Zadi, Effat Mahbaz, Soraya Zangbari, Chowra Makaremi, Nina Zandkarimi, Sahar Delijani

 

Inhalt

"Born in Evin" erzählt die Geschichte von Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree, die sich auf die Suche nach den gewaltvollen Umständen ihrer Geburt in einem der berüchtigtsten politischen Gefängnisse der Welt macht. 1979 wurde der Shah und mit ihm die iranische Monarchie gestürzt. Ayatollah Khomeini, der neue religiöse Führer, ließ nach seiner Machtergreifung Zehntausende von politischen Gegnern verhaften und ermorden. Unter den Gefangenen waren auch die Eltern der Filmemacherin, die beide nach Jahren im Gefängnis überlebt haben und nach Deutschland fliehen konnten. Innerhalb der Familie konnte nie über die Verfolgung und das Gefängnis gesprochen werden. Maryam Zaree, heute erfolgreiche Schauspielerin und Autorin, stellt sich dem jahrzehntelangen Schweigen und geht den eigenen Fragen nach dem Ort und den Umständen ihrer Geburt nach. Sie trifft andere Überlebende, spricht mit Expertinnen und sucht nach Kindern, die wie sie im selben Gefängnis geboren wurden. Dabei versucht sie Antworten zu finden auf persönliche wie politische Fragen. Was sind die persönlichen Konsequenzen von Verfolgung und Gewalt? Was bedeutet es politisch, sich innerhalb der Familie dem Schweigen zu nähern? Das Private ist politisch und das Politische privat - nach dieser Überzeugung arbeitet sich Maryam Zaree durch das Dickicht des Verdrängten.

Regiekommentar Maryam Zaree

"Es gibt Menschen, die haben Jokes und es gibt welche, die haben keine."

Das ist vielleicht nicht der beste Satz, der im Zusammenhang mit einer Geschichte über Folter und Gefängnis fallen sollte, aber er erzählt viel über meinen Blick aufs Leben. Er ist auch nicht zynisch. Zynisch ist, dass ich in einem berüchtigten Foltergefängnis, das „Licht“ der Welt erblicken musste. Man könnte jetzt sagen, dumm gelaufen, aber ist doch alles gut gegangen. Meine Eltern haben beide überlebt, ich bin behütet in Deutschland aufgewachsen, bin eine erfolgreiche Schauspielerin geworden und habe trotz allem Jokes. Ende der Geschichte.

In etwa so wurde den ankommenden Flüchtlingen in großen Teilen unserer Gesellschaft begegnet. Sie haben es geschafft, vor Krieg, Armut oder Verfolgung zu fliehen, und jetzt werden sie sich integrieren und schon bald vergessen, was ihnen widerfahren ist. Das entspricht dem Zeitgeist und ist bewährtes Aufstiegsnarrativ. Und dennoch begeben wir uns damit in eine kollektive Verdrängung, die auch Teil deutscher und europäischer Erfahrung ist. Als Gesellschaft müssen wir aber Bedingungen schaffen, in denen über Gewalt, Entrechtung und Misshandlung gesprochen werden kann. Diese Geschichten sind nicht immer schön, sie sind oft brüchig, lückenhaft und unvollständig, aber sie helfen uns, zu verstehen, wie wir miteinander leben wollen und wie eben nicht. Sie sind ein moralischer Kompass in Zeiten, in denen wieder Hand angelegt wird an unseren menschlichen Werten.

Wir müssen also wieder zuhören lernen. Doch die Versehrten können oft nicht sprechen oder erst Jahrzehnte später. Manchmal sind es auch erst ihre Kinder, die berichten können von dem Versehrtsein ihrer Eltern und selbst ihnen hat es oft die Sprache verschlagen. Das bringt uns zurück zum Humor, diesem Schelm und Lebensretter, der eine Annäherung an das Schrecken ermöglicht - ist er doch das Ying für das Yang oder so ähnlich.

Dieser Film ist mein Lebensprojekt, nicht mehr und nicht weniger. Doch das letzte, was ich je wollte, war einen Film über mich selbst zu machen. Als ich mit der Recherche begann, wollte ich eine Geschichte über die Kinder des Evin Gefängnisses erzählen. Ich wollte sie suchen und verstehen, wie die Verfolgung ihrer Familien ihr Leben bestimmt hat. Bei einem Development Programm in Schweden wurde ich von einem Dramaturgen gefragt, wieso ich in meinem Film nicht vorkomme. Ich fand die Frage absurd und sie offenbarte doch eine tiefe Wahrheit. Ich wollte erzählen, aber ich wollte nicht dorthin gehen, wo es wehtut. Ich dachte, indem ich über die anderen erzähle, wird schon deutlich, was mein Anliegen ist und ich kann mir den Vorwurf einer therapeutischen Selbstsuche ersparen. Doch die Wahrheit ist, ich schwieg einfach weiter, wie meine Mutter. Ich spürte, ich muss erzählen, aber ich wusste nicht wie. Wie sollte ich denn auch erzählen über die Dinge, für die es bis heute keine Worte gibt. Mit der Zeit reifte in mir die Erkenntnis, dass in dem Mut, sich den eigenen mikrokosmischen Tabus zu stellen, Universalität verborgen liegt. Dass ich so über das Menschsein erzählen kann und genauso vielleicht Menschlichkeit zurückgewonnen werden kann. Die Kinder von Evin sind natürlich weiter da, sie sind meine Verbündeten auf meiner Reise zu den Geheimnissen der Vergangenheit. Die Vorrausetzung für meine Reise und für einen großen Film ist aber Tapferkeit und die findet sich manchmal eben dort, wo die Angst wohnt.

Ich bin so weit, die Geschichte von Maryam, ihrem Vater Kasra und ihrer Mutter Nargess zu erzählen - drei Überlebende, deren Würde verletzt wurde und die trotzdem "Ja" zum Leben sagen und ihren Humor nicht verloren haben, obwohl manche Wunden nicht heilen können.

Auszeichnungen (Auswahl)

- Deutscher Filmpreis 2020 in der Kategorie Bester Dokumentarfilm

- Kompass Perspektive-Preis in der Sektion Perspektive Deutsches Kino, Berlinale 2019

- Dokumentarfilmpreis, Internationales Fünf Seen Festival 2019

- Newcomer Preis, Hessischer Film- und Kinopreis 2019

- Cineuropa-Publikumspreis in der Kategorie Bester Spielfilm

Biografie Maryam Zaree

Maryam Zaree wurde 1983 im Evin Gefängnis in Teheran geboren. Im Alter von zwei Jahren flüchtete ihre Mutter mit ihr vor politischer Verfolgung nach Deutschland. Maryam Zaree wuchs in Frankfurt am Main auf und studierte Schauspiel an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg. Bekannt ist sie u.a. aus der Serie "4 Blocks", "Undine", "Polizeiruf 110", "Tatort" und "Transit". Für ihre schauspielerische Leistung in "4 Blocks" wurde sie 2018 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Außerdem ist sie als Autorin ("Kluge Gefühle") und Regisseurin tätig. Der Dokumentarfilm "Born in Evin" ist ihr Regiedebüt. Der Film lief in über 40 Ländern und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2021 führte sie Regie bei zwei Folgen der Grimme-Preis nominierten ZDFneo-Serie "Liebe. Jetzt! Christmas Edition" und schrieb für eine Folge das Buch. Zurzeit arbeitet sie, neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit, an dem Drehbuch zu ihrem ersten fiktionalen Kinofilm.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über
https://presseportal.zdf.de/presse/borninevin

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