F_Conny Klein_M_Arne Ruemmler
F_Conny Klein_M_Arne Ruemmler

Das Unwort

Drama-Komödie / Der Fernsehfilm der Woche

Der Schüler Max (Samuel Benito) wird von seinen Mitschülern an einem Berliner Gymnasium wegen seines jüdischen Glaubens drangsaliert. Nachdem Max einem Mitschüler das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen die Nase gebrochen hat, droht ihm der Schulverweis. Auf einer Schulkonferenz, auf der der Konflikt geschlichtet werden soll, kommt es stattdessen zwischen den überforderten Eltern, der Klassenlehrerin, dem Direktor und der Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde vollends zum Eklat. Dramatisch zugespitzt, aber auch mit einer Prise Humor erzählt der Film eine fiktive Geschichte, die sich an realen Vorfällen orientiert.

  • ZDF, Montag, 9. November 2020, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Montag, 2. November 2020, 10.00 Uhr

Texte

"Eine aktuelle Form des Antisemitismus"
Von Frank Zervos, Hauptredaktionsleiter Fernsehfilm/Serie I

Das ZDF-Fernsehspiel hat eine lange und erfolgreiche Tradition darin, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und an ein möglichst großes Publikum heranzutragen. Und es ist eine vorrangige Aufgabe des ZDF als öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt, den wieder erstarkenden Antisemitismus in seinem fiktionalen Programm aufzugreifen.

Unser Film "Das Unwort" thematisiert eine aktuelle Form des Antisemitismus. Er tut dies in einer sowohl bitterernsten als auch komödiantischen Form, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen und zu bewegen. Die Erinnerung an den Holocaust ist wichtig, der Blick auf die heutige Situation des Judentums in unserem Land ebenfalls. Dem trägt das ZDF mit der Ausstrahlung dieses Films über jüdische Gegenwart am Montag, 9. November 2020, Rechnung.

Wir danken dem Autor und Regisseur Leo Khasin, der Produzentin Sarah Kirkegaard und dem Produzenten Oliver Berben sowie den Schauspielerinnen und Schauspielern, die mit Iris Berben an der Spitze und vielen begabten jungen Talenten den Film publikumsattraktiv tragen.

Es ist einer der letzten von ihm betreuten Filme unseres langjährigen Redaktionsleiters und Redakteurs Günther van Endert. Dieser Film liegt ihm besonders am Herzen. Danke, Günther!

Ein Moment jüdischer Gegenwart
Von Günther van Endert, Redakteur des Films

Der Antisemitismus in Deutschland erstarkt, trotz des Holocaust und aller Anstrengungen von Staat und Gesellschaft, ihm entgegen zu wirken. Judenfeindliche Stereotype werden heute in Teilen der Gesellschaft freimütig geäußert. Es gibt sie in vielen Milieus und in unterschiedlicher Ausprägung. Sie verbergen sich hinter falscher Kritik an Israel oder sind aktuell etwa bei der Denunziation von angeblichen Drahtziehern der Coronapolitik gemeint.

Besonders beunruhigend sind judenfeindliche Haltungen von jungen Deutschen, der Generation der Zukunft, darunter auch von solchen mit muslimischer Herkunft. Nicht nur in Berlin sind einige Fälle aktuell in die Öffentlichkeit gelangt. "Das Unwort" ist von diesen Fällen inspiriert.

Der Film bindet die Erwachsenen mit den Jugendlichen zusammen. Er lässt damit offen, inwieweit die Schülerinnen und Schüler beeinflusst sind oder sich ein eigenes Urteil gebildet haben. Ein jüdischer Junge an einem Berliner Gymnasium wurde gemobbt und hat sich gewehrt. Der Kampf ging über einen gewöhnlichen Streit unter Heranwachsenden weit hinaus. Und so steht im Mittelpunkt des Films eine Schulkonferenz. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer werden dieses Zusammenkommen aus eigener Erfahrung kennen. Standpunkte prallen aufeinander. Aus der gemeinsamen Absicht, ein Problem zu lösen, wird eine Verhärtung, aus Frieden Krieg – und für das Publikum aus Ernst subtiler Humor. Schon die Absurdität des Streites über einen Konflikt, der zunächst einfach verleugnet wird, sorgt für viel Komik.

Der Film erzählt von einem Moment der jüdischen Gegenwart in unserem Land. Er verdeutlicht Antisemitismus und den Umgang damit in aller Schärfe, ist dabei aber überhaupt nicht spröde, sondern sehr unterhaltsam. Und er zeigt einen Weg der Versöhnung: Man muss nichts Gutes voneinander halten, aber sich zumindest so weit respektieren, dass ein Zusammenleben möglich ist.

Stab und Besetzung

Das Unwort
Drama-Komödie
Der Fernsehfilm der Woche

ZDF: Montag, 9. November 2020, 20.15 Uhr
ZDFmediathek: ab Montag, 2. November 2020, 10.00 Uhr

Stab

Buch und Regie_____Leo Khasin
Kamera_____Michael Wiesweg
Schnitt_____Uli Schön, Katharina Schmidt
Ton_____Michael Junge
Musik_____Verena Marisa
Szenenbild_____Olaf Rehahn
Kostüme_____Katja Pothmann
Maske_____Andrea Gotowtschikow, Ines Ransch
Produktionsleitung_____Stefan Hiller
Herstellungsleitung_____Lutz Weidlich
Produktion_____Moovie GmbH
Produzentin/Produzent_____Sarah Kirkegaard, Oliver Berben
Redaktion_____Günther van Endert, Petra Tilger
Länge_____ca. 85 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann_____Iris Berben
Valerie Berlinger_____Ursina Lardi  
Simon Berlinger_____Thomas Sarbacher
Annika Ritter_____Anna Brüggemann
Schuldirektor Stege_____Devid Striesow
Majan Marschner Merizade_____Neda Rahmanian         
Hausmeister Eichmann_____Florian Martens
Max Berlinger_____Samuel Benito
Karim Ansari_____Oskar Redfern
Reza Marschner_____Victor Kadam
Latif Ansari_____Neil Malik Abdullah
Karl Lange_____Noah Adler
Leyla Ansari_____Nour Almahmoud
Obdachloser_____Gode Benedix
Felix Mandelbaum_____Levi Busch
und andere                

Inhalt

Dem fünfzehnjährigen Max Berlinger droht der Schulverweis. Er hat seinem Mitschüler Karim das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen, Reza, die Nase gebrochen. Die Klassenlehrerin, der Direktor, die Eltern sowie die Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde treffen sich in der Schule zum Krisengespräch. Und weil der Vertrauenslehrer angeblich keine Zeit hat, ist auch der Hausmeister dabei. Dann stellt sich heraus, was hinter dem Vorfall steckt: Nachdem Max im Unterricht von seinem jüdischen Glauben erzählt hatte, wurde er von Karim, Reza und anderen Mitschülern über lange Zeit immer wieder verbal und physisch attackiert.

Die Klassenlehrerin und der Schuldirektor haben den Konflikt übersehen wollen, haben halbherzig gehandelt und spielen ihn in der Konferenz zunächst herunter. Doch jetzt hat Max sich gewehrt. Wer trägt für das, was geschehen ist, die Verantwortung? Und welche Konsequenzen soll es geben? Der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt zu lösen, gerät zu einem sich steigernden verbalen Schlagabtausch zwischen Eltern und Eltern, zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Juden und Muslimen. Nur scheinbar weltoffen und fortschrittlich ist die Schulkultur zwischen starren Regeln und dem gesunden Menschenverstand.

Ein harter Abend für die Beteiligten, unterbrochen von Bildern der Kämpfe in der Schulklasse. Alle denkbaren Stereotype kommen auf den Tisch. Doch den Zuschauern bietet dieses Gerangel, das sie in vielleicht ähnlicher Weise aus anderen Zusammenhängen kennen, auch viel Humor. Und zum Schluss leuchtet eine zarte Flamme der Hoffnung. 

"Einen kleinen Schritt in Richtung Happy End"
Statement von Produzentin Sarah Kirkegaard  

Als Günther van Endert mir 2018 vorschlug, einen Film zum Thema Antisemitismus an Schulen zu machen, war ich nicht nur begeistert. Ich war auch ein bisschen beklommen. Wie lässt sich eine solche Problematik in ihrer ganzen Brisanz und mit der erheblichen Polemik, die sie auslöst, in einer individuellen, fiktiven Geschichte fassen? Geht das überhaupt ohne Holzhammer und Sündenböcke, ohne moralischen Zeigefinger und Betroffenheitsduktus?

Dass es antisemitische Übergriffe an deutschen Schulen gibt, und zwar in zunehmender Anzahl und Härte, das war gerade zu der Zeit, als die Idee zu diesem Film entstand, unübersehbar. Aus der Presse erfuhren wir gefühlt täglich von neuen Fällen. Reale Vorlagen für unseren Film, aber auch Mahnung an die Dringlichkeit des Themas und der Herausforderung, Haltung zu zeigen.

Ich wusste, wir können diesem Thema gar nicht ernsthaft gerecht werden. Und egal was wir erzählen – die Fettnäpfe, die Schubladen, die Vorurteile und auch die Hilflosigkeit, die im Umgang mit Antisemitismus (und anderen Formen von rassistischer Diskriminierung) im Alltag entstehen, werden wir nicht ausklammern können. Warum also nicht das Unbehagen und Unvermögen selbst zum Thema machen – in einer Komödie, bei der jede Seite ihr Fett weg kriegt und bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt?

Bei der Idee sind einige erst einmal zusammengezuckt. Aber nicht Leo Khasin. Er hat sich mit Herzblut und Humor darauf eingelassen und mit "Das Unwort" einen ungeheuer präzisen, pointierten Film geschaffen, der unterhält und berührt, der wehtut, wütend macht. Und zuletzt einen kleinen Schritt in Richtung Happy End wagt. Die kongeniale Zusammenarbeit mit Leo Khasin als Autor und Regisseur, mit Günther van Endert als Redakteur und mit dem fantastischen Ensemble rund um Iris Berben haben diesen sehr ungewöhnlichen Fernsehfilm erst möglich gemacht und ich bin sehr, sehr stolz und dankbar dafür.

Über einen neuen Weg
Statement von Autor und Regisseur Leo Khasin 

Antisemitismus und Komödie – geht das überhaupt? Diese Frage stellte sich mir, als mich Sarah Kirkegaard gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte einen Film über antisemitisches Mobbing an Schulen zu machen. Ein heikles Thema, bei dem man sich schnell die Finger verbrennt. Aber ich wollte etwas machen, weil der Hass gegen Juden in Deutschland wächst und wieder salonfähig wird. Gleichzeitig war mir klar: Ich muss einen neuen Weg gehen. Ich muss das Publikum locken und es wachrütteln. Kein Sozialdrama, kein Betroffenheitsfilm. Davon gibt es im deutschen Fernsehen genug. Also wagte ich den Drahtseilakt und verpackte eine tragische Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, in eine Komödie. Denn so absurd, wie mein Genre zu diesem Thema, so absurd ist auch die Realität. Jüdische Jugendliche werden in einer emanzipierten Gesellschaft wegen ihrer Herkunft immer noch gequält? Halt, hier stimmt etwas nicht. Ich dachte, wenn mir der Coup gelingt, werde ich dem Publikum einen Spiegel vorhalten. Denn aus meiner Sicht ist das Problem nicht einfach nur Täter gegen Opfer, sondern die Mehrheit der Gesellschaft, die einfach nur den Mund hält. Daher auch der Titel, der eine Anspielung auf das “Unwort des Jahres” ist. Jude ist nicht nur ein Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen, es ist generell mit Unbehagen verbunden. Mag sein, dass das historisch bedingt ist. Aber wir müssen versuchen diesen Graben zu überwinden. Mein Ziel ist es, mit der Komödie die Beklemmung zu lösen und die Gelegenheit eines unverkrampften Umgangs mit jüdischen Themen zu bieten.

Fragen an die Schauspielerinnen und Schauspieler
Iris Berben, Ursina Lardi, Thomas Sarbacher, Anna Brüggemann,
Devid Striesow, Neda Rahmanian, Florian Martens und Neil Malik Abdullah

Der Film beginnt komödiantisch und wird zunehmend dramatischer. Was war für Sie als Schauspielerin/Schauspieler die spezielle Herausforderung bei diesem Projekt?

Iris Berben (Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann): Der Film setzt mit dem komödiantischen Anfang eine Stimmung, mündet aber in ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Es bedarf hier einer besonderen Sorgfalt, eine Figur in ihrer Komik ernst zu nehmen. Im Leben gibt es ja die merkwürdigsten humoristischen Situationen, die aber keinesfalls die Tiefe eines Problems entschärfen. Diesen Grad muss der Schauspieler finden. Dabei hat uns der Regisseur sehr geholfen, aber auch das sehr gute Drehbuch.

Anna Brüggemann (Annika Ritter): Ich war die ganze Zeit hochkonzentriert, denn ich musste die Figur immer zugleich ernst und nicht ernst nehmen, weil sowohl die Tragik als auch die Komik der Figur immer präsent sein mussten. Jedes Wort, jede Bewegung, jeder Tonfall musste also exakt sitzen. Aber dieses genaue Modulieren hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem, weil Leo Khasin uns da mit feinem Gehör und Humor durchgeführt hat.

Ursina Lardi (Valerie Berlinger): Es ist ein Ensemble-Film. An den meisten Szenen sind sechs oder mehr Personen beteiligt. Das fordert von allen Darstellerinnen und Darstellern eine unglaublich hohe Konzentration und kollegialen Einsatz. Bei Gluthitze im August tagelang in einem abgedunkelten Raum drehen, das war wirklich nicht einfach. Das Changieren zwischen Komik und Dramatik ergab sich da fast von selbst. Alle haben an einem Strang gezogen, es ging immer um die Sache – eine sehr tolle Erfahrung.

Thomas Sarbacher (Simon Berlinger): Die Vorbereitung, die Familiengeschichte von Simon so zu erarbeiten, insbesondere die Geschichte der Eltern zur Zeit des Nationalsozialismus, dass seine Haltung nachvollziehbar wird. Seine Mutter hat Auschwitz überlebt, trotzdem sind seine Eltern in Deutschland geblieben und auch er selbst lebt wieder in Deutschland. 

Devid Striesow (Schuldirektor Stege): Leo Khasin, unser Regisseur und Autor, arbeitet wahnsinnig genau. Das ist gleichzeitig die Herausforderung in Sachen Texttreue, aber macht eben gerade einen solchen Spaß, wenn es funktioniert und der Take gut klappt im Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen. Das Musizieren mit diesem großartigen Ensemble hatte seinen speziellen Reiz.

Florian Martens (Hausmeister Eichmann): Der Film ist feinsinnig, mit leichter Hand erzählt und vom Anfang bis zum Ende eine sehr gelungene Komödie. Im Sommer drehe ich wegen meiner Kinder eigentlich nicht, aber nachdem ich erfahren habe, welche exzellenten Kolleginnen und Kollegen mitspielen, habe ich zugesagt. Und so ein gutes Drehbuch hatte ich seit Jahren nicht mehr in den Händen.

Neda Rahmanian (Majan Marschner Merizade): Gleich mit meinem ersten Auftritt hundertprozentig da zu sein! Majan ist wie eine Rakete, die erst gezündet wird und dann abfliegt.

Neil Malik Abdullah (Latif Ansari): Zu wissen, dass wir mit Humor ein dramatisches Thema erzählen wollen, ist die Herausforderung. Es werden Worte gesagt, es werden Emotionen gezeigt, die echt sind für den Moment und die wir als Personen im realen Leben nicht haben, nicht meinen und kritisieren. Und am Ende soll gelacht werden.

 

Auf eine mitunter komödiantische und satirische Art kombiniert der Film die Themen Antisemitismus und Mobbing. Wie gefällt Ihnen dieser Ansatz?

Iris Berben: Ich glaube, dass wir schon seit längerer Zeit dazu aufgerufen sind, neue Wege zu gehen, um jüdische Identität und Geschichte zu vermitteln. Für viele Menschen ist die Shoa der einzige Berührungspunkt. Wir wissen um die Probleme von Antisemitismus und Mobbing. Dass der Film den Weg gegangen ist, die traurige Realität in eine satirische und komödiantische Situation zu übertragen, finde ich fantastisch. Es ist eine gute Möglichkeit, sich heute in Deutschland mit der Thematik auseinander zu setzen.

Anna Brüggemann: Eine gute Satire zu schreiben ist für mich die hohe Kunst. Dinge nur von ihren ernsten Aspekten her zu beleuchten ist fast einfacher und wird viel öfter gemacht, als einer Situation gleichzeitig das Groteske, das ja auch immer da ist, abzugewinnen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich das Drehbuch das erste Mal gelesen habe, weil derart elegant die verschiedenen Aspekte des Konflikts beleuchtet sind und gleichzeitig alle Erwachsenen auf die ein oder andere Art durch den Kakao gezogen werden. Ich habe damals die antisemitischen Vorfälle an Berliner Oberschulen mit Schrecken verfolgt und habe großen Respekt vor Leo Khasin, wie er – lose angelehnt an die damaligen Ereignisse – es geschafft hat, diese Unfassbarkeiten in eine Satire zu verwandeln, ohne die Gegenseite zu diffamieren.

Ursina Lardi: Ich finde diesen Ansatz richtig, da er ein hohes Maß an Realismus hat. Das Leben ist in seiner ganzen Vertracktheit, in seiner ganzen Abgründigkeit und Tragik auch komisch! 

Thomas Sarbacher: Meines Erachtens ist das der einzig sinnvolle Ansatz. Das Geschehen wird ja erst dann zur Komödie, wenn die Figuren sich in ihrer Hilflosigkeit verrennen und blindlings um sich schlagen, um sich zu retten. Es ist der Verdienst von Leo Khasin, dass er als Autor die Zuspitzung gesucht hat und in seiner Regie konsequent bei der Not der Figuren geblieben ist.

Devid Striesow: Der ist in diesem Film sehr gut gelungen. Ich bin der Meinung, dass man über einen komödiantischen und satirischen Ansatz nochmal mehr Menschen erreicht und auf ein Thema aufmerksam machen kann. Nichts ist schlimmer und unkommunikativer als der sogenannte "Bierernst". 

Neda Rahmanian: Der Ansatz ist ganz wunderbar! Denn er ermöglicht durch eine leichte Ansicht, sich wirklich wichtigen Themen anzunehmen und vielleicht, während man noch lacht, im selben Atemzug zum Nachdenken zu kommen – was gibt es Besseres!

Neil Malik Abdullah: Mir gefällt der Ansatz sehr gut. Wenn ich Synapsen im Gehirn neu verbinden, also dazulernen möchte, kann ich das nur durch emotionale Ereignisse. Wir Menschen lernen und behalten Gelerntes nur langfristig, wenn wir die Ereignisse mit Emotionen verknüpfen können. Die Filmmomente, an die ich mich erinnere, haben starke Emotionen in mir geweckt. Und welche Emotion lieben alle Menschen? Die Fröhlichkeit! Den Humor! So verknüpft der Film wichtige Themen mit einem wichtigen Gefühl. Die Wahrscheinlichkeit daraus zu lernen ist hoch!

Florian Martens: Man bekommt viel zu selten eine gute Komödie angeboten und ist dann immer sehr dankbar. Das Thema Antisemitismus ist aktueller denn je. Dies schreit nach einer Thematisierung. Ich finde den Ansatz gut und den Film sehr gelungen.

 

Erzählen Sie uns von Ihrer Filmfigur? Welche Position nimmt sie ein?

Iris Berben: Die Figur, die ich spiele, ist Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde. Einer solchen Person könnte man Zynismus unterstellen, aber auch eine gewisse Müdigkeit, mit den immer gleichen Themen und Verhaltensweisen konfrontiert zu werden. Dabei ist das oberste Gebot für sie in ihrer Funktion, neutral zu sein. Das ist sie auch bis zu einem gewissen Grad – und dann gehen mit ihr die Pferde durch. Ab wann ist eine gelebte und eingeforderte Toleranz nicht mehr da, wenn dich ein Thema ganz nah berührt? Hier müssen wir uns alle gut beobachten und immer wieder korrigieren.

Anna Brüggemann: Annika Ritter versteht sich selbst als Menschenfreundin. Sie möchte alle Leute verstehen, viel mehr noch, sie glaubt, sanftes Verständnis in alle Richtungen ist die Lösung aller Probleme. Gleichzeitig besitzt sie nicht wirklich natürliche Autorität, und wenn wir ehrlich sind, gefällt sie sich auch ganz gut in dieser für sie moralisch hochwertigen Position. Eine schwierige Mischung, um mit Teenagern umzugehen, die provozieren und anecken wollen.

Ursina Lardi: Valerie ist eine jüdische Konvertitin. Die Juden sind das "auserwählte Volk", von außen da einzutreten ist ein sehr langer Weg, so etwas schult den Willen! Valerie weiß, was sie will und sie weiß sich durchzusetzen. Wenn es um ihren Sohn geht, sowieso! Es liegt in ihrer Natur, dem legendären Ruf der jüdischen Mutter, der Mame, mühelos zu entsprechen. Bei der einen oder anderen ehelichen Auseinandersetzung blitzt ihr verborgenes Stigma auf, ihre Angst, als Konvertitin nur eine Jüdin zweiter Klasse zu sein. Das macht Valerie trotz ihrer Klugheit und Kraft verwundbar.

Thomas Sarbacher: Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt! Simon stand lange Zeit nur davor, ging nie hinein, sah hin, dachte an anderes, blieb dazwischen, war nicht dabei, ließ immer wieder alles fahren, drehte sich um, ging, bis es Abend wurde und er schlafen konnte. Jetzt hat er Familie und ist gefordert, von Valerie, die ihn durchschaut, von den Kindern, für die er mehr tun muss, als für sich selbst.

Neda Rahmanian: Majan ist eine Mutter, die aus der Not heraus reagiert. Kleist würde vom allmählichen "Verfertigen des Gedankens" sprechen und so passiert es Majan, dass sie Wahrheiten ausspricht, die sie sich sonst vielleicht nicht zu sagen getraut hätte. Sie bricht Klischees auf und wagt es, über Grenzen des Ausgesprochen zu gehen. Ihre Wahrheit über den Umgang mit Judentum, mit Ausländern, mit Minderheiten, über das Leben in Deutschland und das Scheitern aller am Versuch der Integration und vor allem der politischen Korrektheit.

Neil Malik Abdullah: Meine Figur ist bis zur Begegnung mit Simon Berlinger tendenziell ein Ablehner. Der muslimische Vater lehnt Andersdenkende und Andersgläubige grundsätzlich ab, weil auch er viel Ablehnung erfahren hat in seinem Leben. Er reflektiert wenig und kann nicht anders als seine erlebte Ablehnung nach außen zu tragen. Das Zusammentreffen mit Simon ermöglicht es ihm, zum ersten Mal die Erfahrung zu machen, dass nicht alle Andersdenkenden, und speziell die Juden, ihn auch ablehnen. In dieser Begegnung zeigt sich das Wesen des Menschen: Wir wollen unseren Nächsten lieben und wir brauchen ihn auch. Wir erlauben uns einfach nicht den ersten Schritt auf ihn zuzumachen. Und wenn der andere den ersten Schritt macht, dann nehmen wir dies gerne an. Würden wir die Geschichte meiner Figur weitererzählen, könnten wir sehen, wie er sich vom Ablehner zum Nächsten-Liebenden entwickelt.

Florian Martens: Mein Hausmeister ist nicht die hellste Kerze auf der Torte und heißt zu allem Überfluss auch noch Eichmann. Obwohl ihm der Kontext gar nicht bewusst ist. Nur durch akuten Lehrermangel kommt er in die Situation, bei der Schulkonferenz dabei zu sein. Ich habe die Figur aus dem Bauch heraus entwickelt. Er hört sich alles an und reagiert auf seine schlichte Art und Weise. Da er von der Eloquenz der anwesenden Akademikerinnen und Akademiker weit entfernt ist, hat er eigentlich in der Runde nichts zu suchen. Aber er hat ein Gerechtigkeitsempfinden und eine pragmatische Art an die Dinge heranzugehen. Und notfalls meldet er sich zu Wort – wenn man ihn lässt.

 

Die Erwachsenen werden ohne Ausnahme nach und nach demaskiert. Die scheinbare Toleranz weicht tiefsitzenden Vorurteilen. Inwiefern sind Sie durch die Arbeit am Film auch mit eigenen Vorurteilen konfrontiert worden?

Iris Berben: Die Frage ist: Wann verletzen wir Menschen, wann nehmen wir ihnen ihr Selbstverständnis, hier zu leben und die Möglichkeit, ihre Identität zu leben? Ich weiß selbst, wie oft ich aus tiefstem Interesse Menschen gefragt habe, wo sie herkommen, wie sie hier behandelt werden und was sie hier machen. Damit bringt man sie aber sofort in die Außenseiterposition. Ich rufe seit 50 Jahren dazu auf, jede Form von Ausgrenzung zu vermeiden. Dennoch muss ich – müssen wir – unser Verhalten immer wieder überprüfen.

Anna Brüggemann: Ich hege mir gegenüber das Vorurteil, durch meine mehr oder minder chaotische Kindheit an vielen verschiedenen Orten und meine schwer körperbehinderte Schwester kaum Vorurteile zu haben. Dieses Vorurteil habe ich beim Dreh bestätigt gefunden. Ein Filmteam ist sowieso ein Biotop von Menschen, die ungefähr ähnliche Ansichten haben. Ich habe mich sehr gefreut, ein paar Drehtage mit den Darstellerinnen und Darstellern der Schülerschaft zu haben. Die Jungs sind sanfter als in meiner Generation, die Mädchen selbstbewusster – mein nicht sehr repräsentativer Eindruck.

Ursina Lardi: Wir leben zwar in einer Zeit des Populismus und des erstarkten Totalitarismus, aber auch in einer Zeit der zunehmenden Sensibilisierung, zum Beispiel für den systemischen Rassismus oder für die nach wie vor bestehende Ungleichbehandlung der Geschlechter. Nicht nur in der Arbeit zu diesem Film, auch in meiner Theaterarbeit wurde ich in den vergangenen Jahren immer wieder mit den eigenen Vorurteilen konfrontiert und so ergeht es hoffentlich auch dem Publikum.

Thomas Sarbacher: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein. Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen." (Goethe) Insofern hat diese Arbeit eher das Bewusstsein geschärft, dass Aufmerksamkeit und Umsicht ständig geübt sein wollen. "There’s no darkness but ignorance." (Shakespeare).

Devid Striesow: Man bemerkt tagtäglich, wie sehr man mit eigenen Vorurteilen belastet ist. Auch wenn man glaubt, man hätte keine. Da wird noch viel Zeit vergehen und viel Arbeit nötig sein, um diese aus dem Kopf zu bekommen. 

Neda Rahmanian: Nicht durch den Film und auch nicht zwangsläufig zu der Thematik. Aber immer wieder im Leben kurz inne zu halten und eigene Vorstellungen in Frage zu stellen, habe ich mir zum Alltag gemacht. Es bereichert mich und lässt mich die Welt und ihre Menschen immer und immer wieder mit neuen Augen sehen. Ich sehe die Welt anders als noch vor zehn Jahren, ich gehe mit Situationen anders um. Das ist einerseits meinen Erfahrungen zu verdanken und andererseits eben auch einem neuen Umgang mit Vorurteilen und Ansichten.

Neil Malik Abdullah: Seit über 15 Jahren konfrontiere ich mich immer wieder selbst mit meinen Vorurteilen. Nur durch meine Selbstreflektion kann meine Persönlichkeit sich weiter entwickeln. "Das Unwort" und viele andere solcher Erlebnisse zeigen mir auf, dass ich den richtigen Weg gehe. Und dass wir Menschen gar nicht so kompliziert sind, wenn es um unsere Gefühle und um unser Wesen geht. Wir wollen alle dasselbe: Lieben und geliebt werden. In allen Facetten der Liebe.

Florian Martens: Ich habe keine Vorurteile. Ich beurteile die Menschen unabhängig von irgendwelchen Kriterien.

 

Kennen Sie reale Fälle dieser Art aus Ihrem Umfeld? Oder wurden Sie selbst in ihrer Schulzeit Opfer von Mobbing?

Iris Berben: Ich habe keine persönliche Erfahrung mit Mobbing. Ich bin ein 68er Kind, ich habe sehr früh gelernt, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Viele hatten und haben nicht diese Möglichkeit. Antisemitismus begegnet mir in meinem Leben, auf der Straße, ebenso wie Witze auf Kosten von anderen Menschen. Ich finde, man sollte dabei Haltung zeigen und Menschen darauf ansprechen: Was meinst du damit? Hast du das verstanden? Weißt du, was das bedeutet? Es ist wichtig, auf Dinge, die man in seinem Umfeld erlebt, zu reagieren. Durch Schweigen macht man sich mitschuldig.

Anna Brüggemann: Im Kindergarten eines meiner Kinder gab es vor ein paar Jahren das Problem, dass ein muslimischer Junge einem jüdischen Jungen erzählte, der Gott der Juden sei dumm, denn er habe sein Volk im Meer ertrinken lassen. Daraufhin hat die Erzieherin mit den Kindern eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche besucht und mehrere Monate verschiedene Religionen zum Thema gemacht. Sie hat die Streitigkeiten dadurch gut in den Griff bekommen, ich habe sie dafür sehr bewundert.

Ursina Lardi: Wissen Sie, ich bin in den Siebzigern in einem Schweizer Bergdorf aufgewachsen. Bei uns hat sehr wenig gereicht, um marginalisiert zu werden. Wenn jemand etwa rote Haare hatte, etwas dicklich war, oder gar unehelich, lief er oder sie Gefahr, ausgestoßen und geplagt zu werden. Kinder sind brutal. Wer anders ist, wird ausgegrenzt. Toleranz und Offenheit gegenüber Fremdem oder Abweichendem ist eine mühsam erworbene Kulturleistung, die Generation für Generation neu vermittelt und erarbeitet werden muss.

Thomas Sarbacher: Auf einer Lesereise mit einem Roman, der das Schicksal eines jüdischen Kaufmanns in Deutschland nach den Novemberpogromen erzählt, bekam ich des Öfteren antisemitische Äußerungen zu hören, unbedacht geäußert und genau so wohl auch nicht gemeint, hilflos und ignorant, wie auch Kommentare aus dem Lager der "Schlussstrich-Fraktion".

Devid Striesow: Mobbing ist ein großes Thema. Manchmal fängt es schon im Kindergarten an. Als Eltern wird man heutzutage durch die Möglichkeiten von Internet und Smartphone vor eine sehr große Herausforderung gestellt. Wichtig ist in jedem Falle eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen Eltern und Kind, um rechtzeitig auf solche Zustände aufmerksam gemacht zu werden. 

Neil Malik Abdullah: Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin nie Opfer von Mobbing gewesen. Durch die Erziehung meiner Eltern, die sehr viel Nächstenliebe beinhaltete, hatte ich oft Freunde, die eher als Außenseiter galten. Klar wollte ich immer mit den Coolen abhängen und es machte mir gleichzeitig nichts aus, die vermeintlich Uncoolen als Freunde zu haben. Ich vermute, aufgrund meiner Offenheit jedem Menschen gegenüber, hatte ich die unterschiedlichsten Freunde um mich herum. Vom Punk zum Streber bis hin zu den Coolen und Verlierern. An einem meiner Geburtstage, den ich größer gefeiert hatte, bildeten sich mehrere unterschiedliche Gruppierungen und es wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie farbenfroh meine Freundschaften waren. Die Gruppen würden so nie zusammenkommen, an meinem Geburtstag kamen sie zusammen.

Florian Martens: Ich habe davon gehört, ist mir aber noch nicht passiert. In meinem Umfeld habe ich keine Erlebnisse dieser Art gehabt.

 

Frau Berben, für Ihr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus wurden Ihnen unter anderem der Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, Am Bande sowie der Verdienstorden des Landes NRW verliehen. Wofür setzen Sie sich hier konkret ein?

Iris Berben: Ich setze mich dafür ein, dass wir uns unserer Verantwortung für die Geschichte bewusst sind. Das bedeutet ja nicht, dass man Schuldgefühle haben muss. Eine Frage, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen ist, in welcher Gegenwart und Zukunft wir leben wollen. Menschen, die sich alleine und nicht mitgenommen fühlen, werden sehr leicht zu Opfern von Menschenfängern. Ich halte Lesungen, ich diskutiere mit Schülerinnen und Schülern, ich engagiere mich öffentlich und gebe Statements zu Vorkommnissen ab, die nicht toleriert werden dürfen. Wir haben das ungeheure Glück in einer Demokratie zu leben, wir können uns frei äußern. Es ist ein großes Geschenk, das wir uns erarbeitet haben. Davon muss man Gebrauch machen!

 

Frau Berben, welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf die Thematik des Films in Deutschland gemacht?

Iris Berben: Die Stimmung hat sich innerhalb der vergangenen Jahre in Deutschland, aber auch im Ausland, verändert. Bei Demonstrationen zu Coronamaßnahmen ist zu beobachten, dass hier Menschen Schulter an Schulter stehen, die unterschiedliche Vorstellungen haben. Die einen rufen nach dem Grundgesetz, andere richten sich dagegen. Wir leben in einer Welt, die sich verändert. Wir haben Ängste und das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Dies öffnet die Schleusen für Populisten. Ich glaube trotzdem: Deutschland ist ein Land, das eine starke Haltung und eine starke Gesellschaft hat. Wir haben es uns allerdings ein bisschen bequem gemacht. Man denkt, man hat sich verortet, man kann sich ausruhen. Es ist Teil unserer Arbeit, die wir als Gesellschaft zu leisten haben, dass wir die Demokratie verteidigen. Mit diesem Wissen haben wir einen leichten Film mit großem Tiefgang gedreht. Er begegnet uns nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, er gibt auch keine klare Antwort, was wir tun sollen. Denn es gibt diese eine richtige Antwort nicht. Der Film lässt einen in einen Mikrokosmos hineinsehen und erkennen, was in Deutschland passiert.

Die Fragen stellte Mirja Bauer.

Interview mit Iris Berben als Audiodatei

Hier finden Sie ein Interview mit Iris Berben als Audiodatei sowie eine pdf Datei mit der Abschrift des Interviews.

Hey, ich bin Jude! Jung. Jüdisch. Deutsch.
Dokumentation

Ein Film von Jan Tenhaven
Montag, 9. November 2020, 21.40 Uhr, im Anschluss an den Film

Buch_____Jan Tenhaven
Kamera_____Jörg Jung und Jasper Engel
Produktion_____Nordend Film (Auftragsproduktion)
Redaktion_____Simone Müller und Markus Wenniges, HR Politik und Zeitgeschehen
Länge_____ca. 44 Minuten

"Wir sind keine Aliens!", sagen sie und wollen als ganz normale junge Menschen gesehen werden. In der Dokumentation, die sich an den Film "Das Unwort" anschließt, erzählen junge Juden, was sie bewegt. Was bedeutet es, der einzige Jude oder die einzige Jüdin auf der ganzen Schule zu sein? Sich mit Klischees oder Stereotypen rumschlagen zu müssen? Ein Film über den Alltag zwischen Sportplatz und Synagoge, Thora und Instagram, Schabbat und Party.

Auf deutschen Schulhöfen ist "Du Jude!" ein gängiges Schimpfwort. Antisemitische Sprüche, geschmacklose Witze und nervige Vorurteile gehören für junge Jüdinnen und Juden in Deutschland zum Alltag. Für sie ist es eine traurige Selbstverständlichkeit, dass sie ihre Kippa oder ihre Davidstern-Kette nicht überall offen tragen können – aus Angst vor Pöbeleien und Übergriffen.

Andererseits wollen sie raus aus der Opferrolle. Ilan (20) sagt: "Für viele sind wir eine Randgruppe, die einfach immer nur erniedrigt wird. Aber es ist falsch, dass wir nur darauf reduziert werden." Und Paula (12) ergänzt: "Ja, das wünsche ich mir, dass man nicht ständig komisch angeguckt wird."

Der Film zeigt, dass es ein lebendiges, junges, jüdisches Leben in Deutschland gibt. So verschieden die jüdischen Jugendlichen sind – religiös, atheistisch, musikalisch, sportlich oder technisch interessiert: Sie alle eint, dass sie nicht nur als "Museumsstück" (Roman, 19) wahrgenommen werden wollen, sondern als aktive junge Menschen, die im Hier und Jetzt leben.

Die Dokumentation verzichtet auf einen Kommentar und besteht ausschließlich aus einfühlsamen Gesprächen mit jüdischen Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren, die der Filmemacher Jan Tenhaven in Berlin, Frankfurt am Main, Osnabrück, Essen, München und Weßling geführt hat. Ergänzt werden diese Gespräche von nüchternen Protokollen antisemitischer Vorfälle, vorgelesen von Iris Berben.

Weitere Informationen

Dokumentation "Hey, ich bin Jude! Jung. Jüdisch. Deutsch." im Anschluss an den Film um 21.40 Uhr.

Fotos über ZDF Presse und Information Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/dasunwort

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