Copyright: ZDF / Julia Terjung
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Dengler - Die schützende Hand

Thriller nach dem gleichnamigen Bestseller von Wolfgang Schorlau

Ein hochbrisanter Fall vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie:
Ex-BKA-Zielfahnder und Privatermittler Georg Dengler (Ronald Zehrfeld) soll herausfinden wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ums Leben kamen. Georg Dengler nimmt den Auftrag an, obwohl die Antwort für ihn eigentlich klar ist. Mundlos und Böhnhardt haben sich selbst erschossen. So auch die offizielle Version. Aber stimmt die? Und welches Motiv hat der anonyme Auftraggeber?

  • ZDF, Der Fernsehfilm der Woche: Montag, 6. November 2017, 20.15 Uhr

Texte

Statement zum Film von Redakteurin Elke Müller

Als ich den neuen Dengler-Roman von Wolfgang Schorlau in der Hand hielt, dachte ich zuerst: "Müssen wir jetzt auch noch einen Film über den NSU machen?" Als ich dann den Roman gelesen hatte, dachte ich: "Ja, das müssen wir! Unbedingt!" Aber wie kann man das nur alles in einem 90-Minuten-Film erzählen?!
Unser Drehbuchautor und Regisseur Lars Kraume fand eine ganz besondere Form der Fokussierung auf die Ermittlungen in Eisenach-Stregda, die die realen Ereignisse zu einem Politthriller der besonderer Art werden lassen, dass selbst diejenigen, die – wie ich – gegenüber Verschwörungstheorien nicht gerade aufgeschlossen sind, am Ende denken: "…das kann doch alles kein Zufall sein!" Dass Tatortfotos verschwinden, dass ein "Tatort", der Wohnwagen, auf einen Trailer gezogen wird und damit alle Beweise durcheinander kugeln, dass dieser Wohnwagen nicht eingeschlossen und nicht überwacht wird, dass V-Leute des Verfassungsschutzes völlig ahnungslos sind und ein bis an die Zähne bewaffnetes Killer-Duo sich in der Konfrontation mit zwei Streifenpolizisten innerhalb von wenigen Minuten zum gemeinschaftlichen Selbstmord entscheidet. Fragen, die man sich in Anbetracht dieser real-fiktionalen Rekonstruktion stellt und denkt: "...das kann doch alles kein Zufall gewesen sein!"
Für mich ist das öffentlich-rechtliches Fernsehen at it's best! Spannende Unterhaltung, die aufrüttelt und zum Nachdenken anregt! Die Realität gibt uns leider – oder zum Glück – noch genug Stoff für viele weitere empörende politisch-gesellschaftliche Katastrophen und somit Ermittlungen unseres außerordentlich geschätzten Ermittler-Duos Olga Iliescu alias Birgit Minichmayr und Georg Dengler alias Ronald Zehrfeld. Gerade drehen wir den vierten Dengler-Film!

Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 6. November 2017, 20.15 Uhr
Der Fernsehfilm der Woche
Dengler – Die schützende Hand
Thriller nach dem gleichnamigen Bestseller von Wolfgang Schorlau

Buch____Lars Kraume nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Schorlau
Regie_____Lars Kraume
Kamera_____Jens Harant
Musik_____Christoph M. Kaiser, Julian Maas
Schnitt_____Barbara Gies
Szenenbild_____Olaf Schiefner
Produktion_____Bavaria Film GmbH in Zusammenarbeit mit der Cuckoo Clock Entertainment
Produzenten_____ Raoul Reinert, Oliver Vogel
Redaktion_____Elke Müller
Länge_____89 Minuten

Rollen / Darsteller
Georg Dengler____Ronald Zehrfeld
Olga Iliescu_____Birgit Minichmayr
Marius Brauer_____Tom Wlaschiha
Dr. Müller_____Rainer Bock
Schneiderhahn_____Götz Schubert
Harry Jäger_____Leonard Lansink
Dr. Schweikert____Jürgen Prochnow
Prof. Stern_____Hans Uwe Bauer
Irmgard Müller_____Carina Wiese
Tufan Basher_____Aykut Kayacik
Marlies_____Paula Paul
und andere

Inhalt
"Wie kamen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ums Leben?", fragt ein Unbekannter. Privatermittler Georg Dengler nimmt den Auftrag an, obwohl die Antwort für ihn eigentlich klar ist. Mundlos und Böhnhardt haben sich selbst erschossen. So auch die offizielle Version. Absurd, sagen Insider.

Dengler benötigt die in Amsterdam untergetauchte Hacker-Aktivistin Olga Illiescu, um an entscheidende NSU-Akten auf dem Server des Bundeskriminalamtes zu kommen. Olga ist zunächst überzeugt davon, dass nur die „rechte Ecke“ mit so einem Schwachsinns-Auftrag an Dengler herantreten könne. Er habe sich kaufen lassen, um die Täter zu Opfern zu machen. Doch als Dengler und Olga beginnen, sich mit dem NSU-Komplex und den Vorfällen in Eisenach-Stregda zu beschäftigen, tauchen immer mehr Widersprüche auf. Unglaubliche Ermittlungspannen treten zu Tage: Die Polizei vor Ort, der Verfassungsschutz, das BKA – eine Verstrickung verschiedener V-Leute, ein unübersehbares Netz von Abhängigkeiten stülpt sich über die NSU-Thematik.

Beraten von seinem Mentor Dr. Schweikert und mit Hilfe von LKA-Mann Marius Brauer rekonstruieren Dengler und Olga die Vorkommnisse im und um das Wohnmobil in Eisenach-Stregda und stoßen auf Schlampereien, mysteriöse Vorfälle am Tatort, unter anderem auf irritierende Autopsie-Berichte von Böhnhardt und Mundlos. Warum hatte Mundlos keinen erhöhten CO-hb-Wert? Warum sieht man kein Blut an den Wänden? Keine Fingerabdrücke? Wie konnten sich die beiden jahrelang und mit einem Arsenal an Waffen im Untergrund Lebenden von zwei Streifenpolizisten so aus der Ruhe bringen lassen, dass sie umgehend Selbstmord begingen? Warum wurde das Wohnmobil vom Tatort abgeschleppt? Dengler steigert sich hinein in Verschwörungstheorien. Dengler und Brauer sprechen mit involvierten Zeugen: Vermutet man eine Antwort auf eine Frage, taucht schon die nächste Widersprüchlichkeit auf.

Dengler, Olga und Brauer tauchen in die Untiefen des NSU-Komplexes und das Netzwerk von Staatsschützern und Neofaschisten ein. So tief, dass Dengler nicht bemerkt, dass die vermuteten Drahtzieher sie selbst ins Visier genommen haben. Er hat in ein Wespennest gestochen.

Fragen an Romanautor Wolfgang Schorlau

Wie nah liegen bei "Dengler – Die schützende Hand" Realität und Fiktion beieinander?

In meinem Roman stütze ich mich auf die nahezu kompletten Ermittlungsakten, Obduktionsberichte, Vernehmungsprotokolle und Zeugenaussagen – also auf umfangreiche ermittelte Tatsachen. Meine Figuren und ihre Handlungen, insbesondere die des Stuttgarter Privatermittlers Georg Dengler, sind erfunden. Fiktion auf Grundlage von Tatsachen, das ist der Kern meiner Georg Dengler-Storys, und noch nie waren in einem meiner Romane die recherchierten Tatsachen so dramatisch wie in diesem Buch. Das Verblüffende an dem recherchierten Material zum Terror des NSU ist, dass es ganz grundlegend der offiziellen NSU-Story widerspricht, wie sie zum Beispiel im Plädoyer der Bundesanwaltschaft im Münchner Prozess vorgetragen wird. Dort wird allen Ernstes immer noch behauptet, die Inlandsgeheimdienste hätten mit dem Rechtsterrorismus nichts zu schaffen.

Wieviel "Staat" steckt Ihrer Meinung nach im NSU?

Wieviel es exakt ist, wissen wir nicht. Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren. Aber dass die Deutschen Geheimdienste bis zur Halskrause in dieser braunen Brühe drinnen stecken, halte ich nach allem, was ich ans Tageslicht gezerrt habe, für bewiesen.

Wie haben Sie für diesen Fall recherchiert?

Die Recherche für diesen Roman unterschied sich nur im Umfang von meinen anderen Büchern. Es war einfach wahnsinnig viel Arbeit. Doch die Methode war gleich: Lesen von Literatur und Akten, Gespräche mit Personen, die über die Sache mehr wissen als ich. Neu war, dass ich zum ersten Mal mit Ekkehard Sieker, einem Profirechercheur, gearbeitet habe, der mir völlige neue Zugänge eröffnet hat.

Hat es Sie gewundert, dass Sie als Sachverständiger vor den NSU-Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag gerufen wurden?

Ja.

Glauben Sie, dass Fiktion einen Beitrag zur Aufklärung gesellschaftlicher Ungereimtheiten leisten kann?

Unbedingt! Romane und Filme werden daran erinnern, dass die Aufklärung des NSU-Komplexes auch nach einem Urteil gegen Beate Zschäpe noch nicht beendet ist. Fiktion bedeutet Unterhaltung, aber auch Verantwortung, und ich versuche, ihr mit meinen Mitteln gerecht zu werden.

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann

Kurze Statements von Ronald Zehrfeld, Birgit Minichmayr und Tom Wlaschiha

Ronald Zehrfeld:
Ich war wirklich sprachlos, als mir im Zuge der Vorbereitung die Fakten schwarz auf weiß vorlagen. Ich finde es mehr als notwendig, dass wir diesen Film gemacht haben und dass er jetzt auch gezeigt wird. Der Film hat einen direkten Bezug zur Realität. Es ist wichtig, dass mit dem Film gezeigt wird, dass es wirklich eine Farce war, was im Zuge der Ermittlungen passiert ist.
Erschreckend war für mich, wie wenig ich eigentlich von dem wusste, was damals passiert ist, was der Öffentlichkeit als Halbwahrheit verkauft wird, und wie schnell diese Halbwahrheit ins Wanken gerät, wenn man bestimmte Einsichten hat. Wenn man z.B. als Journalist Akteneinsicht erhält und auf Widersprüche stößt, die ganz schnell Fragen aufkommen lassen. Diese schockierende Wahrheit zeigt dann auch der Film.

Birgit Minichmayr:
Es ist natürlich etwas Besonders, einen Film über so ein aktuelles Thema zu machen. Auch wenn die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Strafe für Beate Zschäpe fordert, so ist doch, wenn man sich näher damit beschäftigt, die Einzeltätertheorie, dass also Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe allein verantwortlich sind, nicht ganz eindeutig. Man kann sich diesem Thema nur mit großem Respekt nähern, zumal auch die Opfer immer noch auf ihr Recht klagen.
Wolfgang Schorlaus Romane sind zwar Fiktion, aber mit einem unglaublichen Rechercheumfang, was die realen Vorfälle und Vorgänge betrifft. So ist es auch bei "Dengler – Die schützende Hand". Und natürlich lädt zwar der NSU-Terror auch zu Verschwörungstheorien ein, aber gewisse Unstimmigkeiten, Schlampereien, Merkwürdigkeiten und mutwillige Aktenvernichtungen in der Aufarbeitung lassen sich nicht von der Hand weisen. Und dem nachzugehen, wird in unserem Film versucht.

Tom Wlaschiha:
Ich habe mir vor Drehbeginn die ersten beiden "Dengler"-Folgen angeschaut und war begeistert davon. Vor allem finde ich die Verbindung von Realität und Fiktion unglaublich reizvoll.
Die Bücher von Wolfgang Schorlau sind großartiger investigativer Journalismus zu aktuellen Themen, die viele von uns beschäftigen. Indem er die Handlungen in einen fiktiven Rahmen bringt, hat man die Möglichkeit, angebliche Fakten zu hinterfragen und Zusammenhänge zu verstehen. Als Zuschauer wünscht man sich, dass möglichst wenig Realität in dieser Fiktion steckt, aber man hat die beunruhigende Ahnung, dass dem leider nicht so ist. Das ist spannendes Fernsehen für mündige Zuschauer.

Weitere Informationen

Fotos über: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/dengler

Trailer und Making-of über https://trailer.zdf.de/

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