Copyright: ZDF / Anne Wilk
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Der Andere - Eine Familiengeschichte

In dem Drama "Der Andere - Eine Familiengeschichte" wird das Schicksal des minderjährigen Flüchtlings Nama (Nama Traore) aus Mali erzählt, der von dem 75-jährigen Willi (Jesper Christensen) in das Haus seines Sohnes Stefan (Milan Peschel) geholt wird. Eine Schuldfrage, die zwischen Vater und Sohn steht, verhindert ein friedvolles Miteinander, doch Nama bringt Bewegung in die durch Sprachlosigkeit erstarrte Beziehung.

Der Fernsehfilm der Woche von Autorin und Regisseurin Feo Aladag läuft am Montag, 21. November 2016, 20.15 Uhr.

  • ZDF, 21. November 2016, 20.15 Uhr

Texte

Stab:

Buch und Regie: Feo Aladag
Schnitt: Andrea Mertens
Kamera: Judith Kaufmann
Musik: Alex Komlew
Szenenbild: Christian Goldbeck
Redaktion: Daniel Blum

Besetzung:

Nama - Nama Traore
Willi - Jesper Christensen
Stefan - Milan Peschel
Susanne - Katja Riemann
Lena - Alwara Höfels
Manuela Waller - Karoline Eichhorn
Sachbearbeiterin Amt - Bettina Stucky
Jens - Jörg Schüttauf
Leiter Seniorenheim - Lars Rudolph
Arzt - Anian Zollner
Erna - Ursula Karusseit
Namas Mutter - Hadiza Oumazou
Namas Schwester - Yousra Siradij
Namas Vater - Idi Maman Siradij
und andere

Inhalt:

In dem Drama "Der Andere - Eine Familiengeschichte" wird das Schicksal des minderjährigen Flüchtlings Nama (Nama Traore) aus Mali erzählt, der von dem 75-jährigen Willi (Jesper Christensen) in das Haus seines Sohnes Stefan (Milan Peschel) geholt wird. Eine Schuldfrage, die zwischen Vater und Sohn steht, verhindert ein friedvolles Miteinander, doch Nama bringt Bewegung in die durch Sprachlosigkeit erstarrte Beziehung. 
Anfänglich voller Wut auf Nama, den er beim Stehlen in einer Kirche erwischt, sieht der vereinsamte Willi in dem jugendlichen Flüchtling einen Spiegel seiner selbst, aber auch einen seines Sohnes Stefan. Wie Nama verlor Willi einst seine Mutter, als er vor Krieg und Zerstörung aus seiner Heimat Deutschland 1945 in das ihm fremde Skandinavien fliehen musste.
Nama wird mit zahlreichen bürokratischen Hürden und mit Ablehnung konfrontiert. Sein sehnlichster Wunsch, seine Mutter nachzuholen, rückt in immer weitere Ferne. Als Willi ohne Rücksprache zusammen mit Nama im Schlepptau aus dem Seniorenheim wieder in das gemeinsame Haus zu Stefan zieht, eskaliert die Beziehung zwischen Willi und Stefan aufgrund einer kaum zu überwindenden Schuldfrage aus der Vergangenheit.
Willi versucht in seiner ihm verbleibenden Lebenszeit zurückzugeben, was er als Kind erfahren hat: Hilfsbereitschaft durch Menschen, die ihn nach seiner Flucht aufgenommen haben; Liebe von Menschen, die ihm ein Zuhause gegeben haben. Stefan, der aufgrund seiner ihn überlastenden Arbeit tagtäglich mit dem kaum zu bewältigenden Flüchtlingsansturm zu tun hat, erfährt die eindeutigen Antipathien seiner unmittelbaren Umgebung und möchte Nama schleunigst wieder aus seinem Leben eliminieren. Die zunehmende Ablehnung entlädt sich und findet ihr Opfer.
Eine Schicksalsgemeinschaft entsteht, die den drei vollkommen unterschiedlichen Männern die Chance bietet, sich aus dem tiefsten Dunkel der eigenen Existenz zu befreien. Darüber entsteht, Bild für Bild, ein großes, existentialistisches Tableau, in dem das eigene Glück in eine direkte Abhängigkeit zum Glück des anderen gesetzt wird.
So viel diese drei Menschen auch trennen mag, so verbindet sie doch etwas zutiefst Universelles: Sie alle suchen nach einem emotionalen Zuhause, in dem die eigenen Wunden - die der Vergangenheit und die der Gegenwart - heilen können. Wie Nama, Stefan und Willi zusammenwachsen, so wachsen auch die drei Schauspieler mit gänzlich unterschiedlichem Hintergrund zu einer Einheit zusammen: der aus Mali nach Deutschland geflüchtete Nama Traore in seiner ersten Rolle, der Theater- und Filmschauspieler Milan Peschel, der seine Figuren lebt statt sie zu spielen, sowie der Däne und Weltstar Jesper Christensen, dessen Rollen immer erscheinen, als würden sie das Leid der Welt tragen, darüber aber nie den Mut verlieren.
Immer mit einer klaren Haltung gegenüber ihren Themen und Figuren ist die Produzentin und Regisseurin Feo Aladag eine Meisterin darin, soziale und politische Konflikte in Einzelschicksalen zu verdichten. Nach eigenem Drehbuch treibt sie die Entwicklung ihrer Figuren in diesem zutiefst emotionalen Familiendrama zwingend, dynamisch, organisch und mit großer Wucht voran. Darüber entfaltet sie eine Tragödie epischer Größe, in dem Familie sich als Gefäß definiert, in dem man nie alleingelassen und immer wieder aufgebaut wird.
"Der Andere - Eine Familiengeschichte" ist nach zwei Kinofilmen der erste Fernsehfilm der Independent Artists, der Filmproduktion von Regisseurin, Autorin und Produzentin Feo Aladag, die mit ihren jeweils bei der Berlinale uraufgeführten Filmen "Die Fremde" und "Zwischen Welten" genau gezeichnete, überzeugende Innenwelten von großer, universeller Bedeutung schuf.

Interview mit Feo Aladag:

Sie haben sich ein kontroverses und komplexes Thema ausgesucht. Wie geht unsere Gesellschaft mit "dem Anderen", dem Fremden um?
Es ist ein komplexes Thema deutscher und europäischer Gegenwart und Zukunft, und ich möchte den verschiedenen Seiten dieses Dramas in der Geschichte emotional eine Stimme geben und Fragen aufwerfen. Einerseits aus der Perspektive eines jungen Flüchtlings, andererseits aus der einer deutschen Familie.

Im Kern erzähle ich ein Drama, in dessen Zentrum als Hoffnungsschimmer die Möglichkeit zur gegenseitigen Annäherung steht, innerhalb einer Familie und als Gesellschaft.
Ein überlasteter Polizist, sein einsamer Vater im Seniorenheim und ein junger Flüchtling - was verbindet diese drei vollkommen unterschiedlichen Figuren?

Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach Familie. Der Polizist Stefan versucht zunächst, seinen Vater und dessen neuen Ziehsohn Nama aus seinem Leben zu verdrängen. Der Vater möchte sich dem Sohn schließlich wieder annähern. Die drei Männer begreifen nach und nach, dass sie sich öffnen und ihre Sprachlosigkeit überwinden müssen. Indem sie sich aufeinander einlassen, in echten, wahrhaftigen Begegnungen, kommen sie über ihr eigenes Schicksal hinweg.
Ihr Film könnte kaum aktueller sein. Wie ist Ihr Film "Der Andere – eine Familiengeschichte" zustande gekommen?

Inhaltlich bin
ich damit schon seit Herbst 2014 beschäftigt. Mir wurde durch mein persönliches Engagement und durch Begegnungen mit Flüchtlingen klar, dass ich einen Film über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erzählen möchte. Dass die Situation sich verschärfen würde, war damals schon absehbar. Als Filmemacherin habe ich das zum Anlass genommen, einen Film über Familie, Zugehörigkeit und Heimat, eine Innenschau in eine gesellschaftliche Keimzelle, eine Familie aus drei Männern, zu inszenieren. Wir haben den Film dann im Frühsommer 2016 in Berlin und Niger gedreht.
"
Der Andere – eine Familiengeschichte" ist nach zwei Kinofilmen der erste Fernsehfilm von Ihnen und Ihrer Filmproduktion Independent Artists. Warum diesmal ein Fernseh- statt eines Kinofilms?
Der Film sollte jetzt an die Öffentlichkeit kommen, nicht erst in zwei, drei Jahren. Die Möglichkeit, einen solchen Spielfilm als Fernsehfilm schnell, frei und unbürokratisch zu realisieren, inspirierte mich zu einer unmittelbaren Art des Geschichtenerzählens. Das hat auch mit der rascheren Umsetzung und der Verlässlichkeit des Partners 
ZDF zu tun. Außerdem hat mich neben den filmformalen Aspekten auch die Möglichkeit gereizt, mit einem breiteren, divergenten Publikum zu kommunizieren. Ich bin enorm dankbar, dass ich meinen ersten Fernsehfilm mit meinen Partnern beim ZDF produzieren und inszenieren konnte und wir somit die Zusammenarbeit nach dem letzten gemeinsamen Kinofilm fortsetzen konnten.
Sie sind die einzige Regisseurin in Deutschland, die ihre Stoffe nicht nur selbst schreibt, sondern auch selbst produziert – was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Es ist für mich absolut wichtig, die volle künstlerische Kontrolle über den eigenen Film zu haben. Sie ist die Grundvoraussetzung, damit ich meinem Team und den Schauspielern das Umfeld bereiten kann, das wir wollen und brauchen.
Neben einem großartigen Ensemble mit Milan Peschel und dem dänischen Kinostar Jesper Christensen arbeiten Sie, wie bei Ihren beiden Kinofilmen auch, wieder mit Laiendarstellern zusammen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem jungen Nama Traore?
Ich habe Nama bei meinem Besuch eines Vereins für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge kennengelernt und wollte von Anfang an mit ihm arbeiten. Nama ist selbst als Jugendlicher unter dramatischen Umständen von Mali nach Deutschland geflüchtet. Wie immer bei meinen Figuren sind sie auch in diesem Film Essenzen aus vielen Schicksalen. Aber in diesem Film hat mich in Bezug auf die Figur Nama sein eigenes Schicksal am meisten beeinflusst und emotional genährt. Was ich suche, sind authentische Momente zwischen Menschen. Mit Milan Peschel und Jesper Christensen treffen sehr erfahrene Schauspieler auf einen jungen Laien und bilden ein großartiges Ensemble, das ist bereichernd für alle im Team.

Können Filme die Welt verändern?
Der Film erzählt vom Glauben an die Möglichkeit eines harmonischen Miteinanders, wenn wir über den Schatten unserer Ängste und Überzeugungen hinauswachsen. Ängste werden nicht dadurch abgebaut, dass man einander ausweicht. Dialog entsteht, wo Sprachlosigkeit endet. Mein Film erzählt davon, dass das eben manchmal Mut erfordert. Letzten Endes kann kein Film den Anspruch erheben, die Welt zu verändern, aber wenn es ihm gelingt, Menschen zu berühren, sie einen Moment innehalten zu lassen - wenn irgendein Moment aus dem Film im Herzen bleibt, dann ist schon viel erreicht.

Nach den Dramen "Die Fremde", "Zwischen Welten" und "Der Andere - Eine Familiengeschichte" - können Sie sich vorstellen, etwas anderes als einen gesellschaftskritischen oder politischen Film zu drehen, eine Komödie etwa?
Ich hätte große Lust auf eine Komödie. Ich glaube aber, eine wirklich pointierte, vielschichtige Komödie ist im Kern auch immer politisch, wie jeder gute Film.

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