Der Erlkönig-Jäger

Zweiteilige ZDF.reportage

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" So startet Goethes "Erlkönig"-Ballade, nach der 170 Jahre später die Prototypen der Automobilindustrie benannt wurden, die bevorzugt im Geheimen getestet werden. Deshalb sind nun seit über 60 Jahren Erlkönig-Jäger aktiv, um die ersten Fotos von den neuesten Fahrzeugen zu "schießen". Die "ZDF.reportage" begleitet den Fotografen Andreas Conradt, der sich an den Teststrecken auf die Lauer legt, um als Erster einen neuen Prototypen abzulichten. Am 21. und 28. Februar 2016, 18.00 Uhr, ist im ZDF zu sehen, wie heute ein Erlkönig-Jäger "durch Nacht und Wind" schleicht.

  • ZDF, Sonntag, 21. und 28. Februar 2016, 18.00 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Sonntag, 21. Februar 2016, 18.00 Uhr, ZDF
    ZDF.reportage
    Der Erlkönig-Jäger
    Geheime Autos im Visier

    Sonntag, 28. Februar 2016, 18.00 Uhr, ZDF
    ZDF.reportage
    Der Erlkönig-Jäger
    Mit Vollgas den Prototypen hinterher

    Film von Frank Gensthaler

    Produktion: Spiegel-TV
    Redaktion: Christian Wilk

    Der Erlkönig-Jäger: Geheime Autos im Visier

    Sein Arbeitsgerät: Kameras mit Spezialobjektiven. Seine Opfer: geheime Modelle der Autoindustrie. Sein Revier: die Eiswüste von Schweden. Andreas Conradt ist der "Erlkönig-Jäger". Mit Fotos für Autozeitschriften verdient er sein Geld. Für diesen Job braucht Andreas Conradt Glück und viel Geduld. Das erste Foto eines neuen Prototypen ist sein Ziel. Dafür reist er kreuz und quer durch Europa, legt sich an den Teststrecken auf die Lauer.

    Ein Jahr lang begleitete die "ZDF.reportage" den Fotografen Andreas Conradt. Seit 25 Jahren ist der 50-Jährige im Geschäft und hat sich den Ruf erarbeitet, einer der besten seines Fachs zu sein. Mit seinem Team lauert er den neuesten Erfindungen und Design-Ideen der Automobilbranche auf. Immer auf der Jagd nach dem exklusiven Bild. Denn wer als Erster einen "Erlkönig" mit der Kamera "erlegt", der erntet den meisten Ruhm.

    "Erlkönige" heißen die kurz vor der Serienreife stehenden Prototypen, die sich auf der Straße unter realen Bedingungen von Wind, Regen und Schnee bewähren müssen. Und weil vor der offiziellen Präsentation so wenige Menschen wie nur möglich dieses Modell zu sehen bekommen sollen, testen Techniker die Prototypen gern an den entlegensten Orten der Welt. Möglichst geheim.

    Andreas Conradts Reise beginnt in Arjeplog, ganz im Norden Schwedens. Nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt befindet sich im Winter das Mekka der Autotester. Seine Jagd startet mit einem Helikopterflug. Aus der Luft kundschaftet Conradt die Umgebung aus: Wo ist der beste Platz für die Jagd? Per Schneemobil rast er durch die Wälder Lapplands, hofft so nah wie möglich an die Teststrecken heranzukommen. Doch immer wieder gerät er selbst ins Visier. Für die Security-Männer der Unternehmen sind die Fotografen einfach nur lästig. Schnell wird Conradt vom Jäger zum Gejagten.

    Der Erlkönig-Jäger: Mit Vollgas den Prototypen hinterher

    In dieser Folge führt Andreas Conradts Reise zunächst nach Birmingham in England. Dort legt er sich an einer privaten Teststrecke auf die Lauer. Gerade als er den ersten Prototypen im Fokus hat, entdeckt ihn der Sicherheitsdienst.

    Auch bei seinem Einsatz in Italien bekommt Andreas Conradt ungebetenen Besuch. Diesmal sogar von der Polizei. Sein Plan vom exklusiven ersten Foto eines neuen Geländewagens gerät ins Wanken.

    Was ist ein Erlkönig?

    Als "Erlkönig" bezeichnet man einen Prototypen der Autoindustrie. 1952 veröffentlichte die Zeitschrift "Auto Motor und Sport" das erste Foto eines Prototypen: ein Mercedes 180. Die Leser des Magazins hatten immer häufiger Bilder von Autos an die Redaktion geschickt, die noch nicht auf den Markt waren und von den Autokonzernen heimlich getestet wurden. Die Chefredakteure Heinz-Ulrich Wieselmann und Werner Oswald planten daher, diese zu veröffentlichen. Da sie aber die guten Kontakte zur Automobilindustrie nicht beeinträchtigen wollten, war Vorsicht geboten. Also druckten sie das Foto zusammen mit einer launigen Ballade über den Mercedes 180, frei nach Johann Wolfgang von Goethes "Erlkönig". Deswegen heißen die Prototypen der Automobilindustrie bis heute "Erlkönige" und ihre Fotografen "Erlkönig-Jäger". Die Geschichte kam bei den Lesern gut an und so wurde eine Serie daraus. Immer mehr Fotos wurden gebraucht. Und so mischten seit Anfang der 1960er Jahre auch bald professionelle Fotografen mit, die sich leicht verdientes Geld erhofften. Das Katz- und Mausspiel begann.

    Die Puzzlestücke sammeln und zusammensetzen
    Drehbericht von Filmautor Frank Gensthaler

    Insgesamt fünf Drehreisen standen bei dieser Begleit-Reportage auf dem Programm, jede für sich ein Abenteuer. Anfang des Jahres ging es nach Schweden, in den hohen Norden, nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt. Das bedeute für uns: nur sieben Stunden Tageslicht und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Eine echte Herausforderung für das Team und das Kameraequipment.

    Bis zu sechs Lagen Klamotten können zwar gegen minus 18 Grad helfen, allerdings nicht auf Dauer. Zweistündige Aufenthalte an der frischen Luft können dann schnell zur Qual werden. Vor allem, wenn noch der Fahrtwind auf dem Schneemobil hinzukommt. Aber das Schneemobilfahren war trotzdem eine neue spannende Erfahrung. Im Gelände ist das wie ein Rodeo-Ritt – und auf den zugefrorenen Seen ein Gleiten, was dem Fliegen wohl sehr nahekommt. Nur nicht daran denken, dass sich unter den Kufen eigentlich nur Wasser befindet und dass eigentlich keiner genau weiß, wie dick das Eis wirklich ist. Doch was am meisten in Erinnerung geblieben ist und uns am meisten beeindruckt hat, war die atemberaubende Landschaft Lapplands.

    Neben den extremen Wetterbedingen war das Besondere an den Dreharbeiten, dass nichts geplant werden konnte und eigentlich immer alles anders kam als gedacht: Das zweite Schneemobil sprang nicht an, Schnee und Nebel machten uns einen Strich durch die Rechnung, das Auto, das wir zwei Tage verfolgten, war dann doch schon vorgestellt worden und daher ein Foto davon nichts wert. Am Nürburgring war der erhoffte Hersteller gar nicht vor Ort, in England hat eigentlich auch nichts geklappt und am letzten Drehtag in Italien waren wir kurz davor, alles hinzuschmeißen, als dann doch noch ...

    Um sich darauf vorzubereiten, wenn man das überhaupt konnte, musste man immer äußerst flexibel reagieren und vor allem detektivisch arbeiten. Wie es unser Protagonist immer so schön sagte: die Puzzlestücke sammeln und zusammensetzen! Das war zwar anstrengend, aber sehr spannend, weil man morgens nie wusste, was einen am Abend erwarten würde. Das hat am meisten Spaß gemacht, denn wer spielt nicht gerne mal Jäger. 

    O-Töne von "Erlkönig-Jäger" Andreas Conradt

    "Es ist der Spaß an diesem Katz und Mausspiel, an dem David gegen Goliath, es ist die Jagd, die mich interessiert. Und es ist auch Nervenkitzel und Abenteuer dabei, ganz klarer Fall."

    "Ich packe vor allem dicke Sachen ein, weil ja Kälte unser Hauptproblem in Schweden ist. Davor müssen wir uns gut schützen, um viele Stunden draußen sein zu können. Auch Tarnanzüge packe ich ein. Die sind jetzt nicht besonders warm, die verschleiern aber die Konturen.

    "Man kann schon sagen, dass es ein Traumberuf ist, weil man sehr frei ist in dem, was man tut, und ich viele fremde Länder bereise und abenteuerliche Dinge machen kann."

    "Es passiert immer wieder mal, dass man nicht das erhoffte Foto bekommt. Und klar: Was ich jetzt für einen Aufwand betrieben habe und dann ist es doch nur ein Auto, das uns gar nichts nützt – das ist natürlich ärgerlich!"

    "Dieser erlösende Moment, wenn man das Foto – worauf man gehofft hat – nach langer Wartezeit auch wirklich bekommt. Für solche Momente lebt man und sie entschädigen für die Enttäuschungen, die es die Tage und Stunden vorher gegeben hat."

    "Früher konnten wir ganz bequem Filme im Labor entwickeln lassen und dann der Reihe nach rausschicken. Aber die Zeiten sind vorbei! Heute werden die Bilder sofort verschickt. Meistens am Abend – und wenn es ganz heiße Sachen sind, gleich von der Tankstelle aus."

    "Es ist langweilig, aber man muss ja trotzdem die ganze Zeit aufpassen und dabei sein. Es geht nicht, dass man eine Zeitschrift liest oder mit dem Handy herumspielt, dann verpasst man schnell etwas. Es gibt häufig keine zweite Chance. Man kann ehrlich gesagt froh sein, wenn man überhaupt eine Chance bekommt."

    "Der Erste zu sein und am liebsten der Einzige, der das Foto hat – das wäre natürlich der Idealfall. Dabei geht es vor allem um die Ehre, weil wir so unseren Kunden zeigen: Wir sind die Stars und die anderen nicht!"

    "Das ist dann wahrscheinlich das Adrenalin, ausgelöst durch das Jagdfieber. Wenn da irgendetwas ist, was man nicht sofort erkennt, dann klingeln alle Glocken. Dann juckt der Zeigefinger am Auslöser und dann will man dieses Bild haben."

    "Da muss man schon ein bisschen detektivisch arbeiten. Man findet solche neuen Informationen immer heraus, indem man die Puzzlesteine sammelt und diese dann zusammensetzt. Die Lücke im Sicherheitssystem zu finden, ist spannender, als das pure Abgreifen von Fallobst."

    "Bei meinem ersten Foto bin ich mit der Fähre und den Audi-Jungs zusammen sechs Stunden nachts über die Ostsee gefahren. Ich habe vor lauter Aufregung die ganze Nacht nicht geschlafen, weil ich wusste: Am nächsten Morgen, wenn sie von der Fähre fahren, muss ich dieses Foto machen. Ich hatte keine Ahnung, wie das wirklich funktioniert, aber es hat am Ende geklappt."

    "Ich war Fotolaborant in einem Labor in Hamburg und da war Kunde der einzige Erlkönig-Jäger seinerzeit, der König der Erlkönig-Jäger: Hans Lehmann. Und ich hatte als Lehrling immer mit seinen unscharfen, dunklen Schwarz-weiß-Bildern zu tun. Das habe ich mich immer gefragt: Wer will so etwas sehen? Wofür macht man solche Bilder? Und dann sind wir irgendwann ins Gespräch gekommen."

    "Jetzt ist wieder warten angesagt. Permanent gucken, was da rausfährt, permanent gucken, was sonst hier so quer fährt. Irgendwann spürt man das in den Beinen, dass das anstrengend ist. Aber das ist der einzige Weg, wie es geht. Vor allem ist es tatsächlich dieser Druck, der dann ja da ist, diesen Erfolg haben zu müssen. Und da zweifelt man dann schon, macht man hier gerade alles richtig. Man geht permanent diesen Plan durch: Stehe ich hier wirklich richtig?"

    "Es macht immer noch Spaß, weil es immer noch diesen Kick gibt, wenn dann tatsächlich etwas passiert und man das Bild bekommt und dann der Erste ist. Das ist schon ein spannenderes Leben als von neun bis fünf Uhr im Büro zu sitzen."

    Biografische Angaben zum Filmautor

    Frank Gensthaler, geboren 1975, ist seit 2013 als freier Journalist und Filmemacher tätig. Davor arbeitete der studierte Historiker als Redakteur für Spiegel-TV und das Wissensmagazin "Galileo". Dort realisierte er unter anderem diverse historische Dokumentationen, wie  "Hitlers Hauptstädte – Nazibauten in Berlin und München" mit Michael Kloft, sowie zahlreiche Wissensbeiträge, Reportagen und einige "Galileo"-Spezials. Als freier Autor setzte er gemeinsam mit Stefan Aust die Dokumentation "Bedingt abwehrbereit – Die Geschichte hinter der Spiegel-Affäre" um und zuletzt die ZDFinfo-Doku "Die Kanzlerfrauen und Herr Sauer".

    Infos zur "ZDF.reportage"

    Die "ZDF.reportage" berichtet immer sonntags, 18.00 Uhr, aus der Alltagswirklichkeit der Zuschauer. Sie greift Themen auf, die aktuell und brisant sind und setzt sie spannend und emotional um. Dabei erzählt die "ZDF.reportage" immer aus der Perspektive der Betroffenen, von Menschen, ihren Lebenswegen und Schicksalen, ihren Konflikten, ihren Hoffnungen und Träumen. Die meisten Reportagen spielen in Deutschland, bei Auslandsthemen ist stets ein deutscher Bezug vorhanden.

    Fotohinweis und Impressum

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/zdfreportage

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