Copyright: ZDF / Hans Jakobi
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Terra X: Der große Anfang - 500 Jahre Reformation

Dreiteilige Dokumentation mit Harald Lesch

Das ZDF präsentiert zum Reformationsjubiläum 2017 ein umfangreiches Programmangebot mit zahlreichen Highlights. Den Auftakt macht an Ostern die dreiteilige Dokumentation "Der große Anfang - 500 Jahre Reformation" mit Harald Lesch. Sie ordnet das Ereignis historisch ein und fragt nach seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart. Weitere Informationen zum Programmschwerpunkt Reformationsjubiläum 2017 im ZDF.

  • ZDF, Karfreitag, 14. April, Ostersonntag, 16. April, Ostermontag, 17. April 2017, jeweils 19.30 Uhr

Texte

Sendedatum, Stab, Kurzinhalt

Karfreitag, 14. April, Ostersonntag, 16. April, Ostermontag, 17. April 2017, jeweils 19.30 Uhr

Terra X: Der große Anfang – 500 Jahre Reformation
Dreiteilige Dokumentation mit Harald Lesch

Presenter: Harald Lesch
Buch: Ingo Helm
Regie: Andreas Sawall
Kamera: Hans Jakobi
Animation: Olaf Hoffmann, Cola Rérat (tricky)
Produktion: Cross Media Medienproduktion GmbH
Ausführender Produzent: Christian Drewing, Thorsten Neumann (Eikon), Volker Schmidt (IFAGE)
Produktionsleitung: Mette Gunnar (Eikon), Andrea Haas-Blenske (IFAGE)
Redaktion: Georg Graffe, Dr. Reinold Hartmann, Michaela Pilters
Länge: 3x43 Minuten

Hat Martin Luther Michelangelo getroffen? Was geschah vor 500 Jahren, in einer Epoche tiefgreifenden Wandels? Moderator Harald Lesch beschäftigt sich in der dreiteiligen Dokumentations­reihe "Der große Anfang" mit Martin Luther und den Folgen.

Vor 500 Jahren verändert sich die Welt. Amerika wird entdeckt, der Buchdruck erfunden, Banken gewinnen an Macht, die Renaissance erreicht ihren Höhepunkt – es ist eine Zeit, in der sich der Mensch neu erfindet. Martin Luther findet sich unerwartet auf der großen Bühne der Weltpolitik wieder, bewundert, gefürchtet und verhasst. Denn er bringt das uralte Machtgefüge der Kirche ins Wanken und bereitet den Weg für ein neues Denken. Hinter der Reformation versammeln sich mächtige Protagonisten dieser Zeit. Für sie kommt der rebellische Mönch aus Wittenberg wie gerufen. Luther wird zur Gallionsfigur der Erneuerer und zum Feindbild des Papstes. Denn die Thesen Martin Luthers im Oktober 1517 markieren den Beginn einer Revolution, durch die sich für die Menschen viel mehr änderte als nur das Verhältnis zur Kirche.

Die dreiteilige Reihe mit Moderator Harald Lesch zeigt, wie die Folgen der Reformation unsere Welt bis heute prägen. Warum zum Beispiel gibt es in Deutschland Bundesländer? Ist es Zufall, dass es bis heute nur einen einzigen katholischen US-Präsidenten gab? Und wieso trägt der berühmte Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. den Reformator in seinem Namen? Moderator Harald Lesch taucht in die Welt Martin Luthers ein, in eine Zeit voller Widersprüche, der ungeahnten Zusammenhänge und der Weichenstellungen, die bis heute unser Leben bestimmen.

Teil 1 – Der Funke

Karfreitag, 14. April 2017, 19.30 Uhr

Im ersten Teil "Der Funke" wandert Harald Lesch über die Alpen. Wie der junge Augustinereremit Martin Luther 1510. Der junge Mönch wird in einer wichtigen Ordensangelegenheit nach Rom geschickt. Unterwegs macht er Station in Florenz, damals ein Zentrum der Kreativität. Eine Art Kulturhauptstadt Europas. Michelangelo, Raffael, Botticelli – sie prägen ein neues Bild vom Menschen. Wollen wir nicht auch heute noch aussehen wie eine Skulptur von Michelangelo? Harald Lesch trainiert in einem Fitness-Studio und stellt fest: Diese Art von vernunftbetontem Verhalten, die Vervollkommnung der eigenen Person – das ist ein Erbe des Humanismus vor 500 Jahren.

Als Luther schließlich Rom erreicht, besteht die Ewige Stadt halb aus antikem Schutt, halb aus entstehenden Prunkbauten. Für deren Finanzierung – vor allem für den Petersdom – ziehen die Päpste damals in großem Stil Ablasshandel auf. Das wird Luther später noch beschäftigen. Sein Orden organsiert damals die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle durch Michelangelo. Waren also Martin Luther und Michelangelo zur selben Zeit in Rom? Zwei Giganten der Weltgeschichte an einem Ort. Ohne Folgen? Der Reformator hätte nur durch eine Tür gehen müssen und hätte eines der spektakulärsten Kunstwerke der Weltgeschichte entdecken können. Harald Lesch geht in Rom der Frage nach, ob es ihn vielleicht doch beeinflusst hat?

Als Luther in Rom ist, wächst in Brüssel ein kränkelnder Junge auf, der bald ganz Europa, einschließlich aller Kolonien in Über­see, unter seiner Herrschaft vereinigen will: Mit 19 wird Karl V. Kaiser. Da ist Luther schon Revolutionär wider Willen. Von Papst Leo X. ist er gebannt. Aber Luther erweist sich als trotzig. Der Kampf beginnt.

Teil 2 – Die Explosion

Ostersonntag, 16. April 2017, 19.30 Uhr

Im zweiten Teil "Die Explosion" folgt Harald Lesch der Spur des Geldes zu Luthers Zeiten. Welche Rolle spielen das Streben nach Reichtum, die Macht der Herrschenden, der Kirche und des Papstes? Und woher kommt der ganze Reichtum der Mächtigen? In einem fast vergessenen Bergwerk im heutigen Österreich stößt Harald Lesch auf erstaunliche Zusammenhänge.

Die Lage der Bauern damals verschlechtert sich in weiten Teilen Deutschlands dramatisch – sozialer Zündstoff. Immer wieder flackern Aufstände durchs Land. Und nun kommen die Ideen der Reformation dazu. In vielen Gegenden regiert der Hunger. Hunderte Klöster werden um 1525 von aufgebrachten Bauern geplündert. Wer von den Mönchen nicht rechtzeitig fliehen kann, wird Opfer der zügellosen Gewalt. Die Bauern sind hungrig. Und sie sind empfänglich für neues Denken. Haben sie Luthers Schriften falsch verstanden? Die Bauern haben jedenfalls Luthers Idee ernst genommen, dass jeder selbst die Bibel lesen soll.

Der Prediger Thomas Müntzer verspricht den sozialen Wandel. Ursprünglich war er ein Anhänger Luthers. Aber Müntzer will die Revolution. Am Ende werden die Bauern rücksichtslos von den Truppen der Fürsten niedergemetzelt. In Frankenhausen gibt es über 6.000 Tote. Für das gesamte Aufstandsgebiet liegen die Schätzungen zwischen 70.000 und 100.000 Todesopfern. In Frankenhausen entdeckt Harald Lesch einen Weg, der bis heute "Blutrinne" heißt. Dort soll das Blut in Strömen geflossen sein. Müntzer wird grausam gefoltert und hingerichtet. Zum ersten Mal haben die deutschen Herrscher einen Massenaufstand niederge­schlagen.

Ausgerechnet im Moment ihrer größten Resonanz verliert die Reformation ihre Unschuld und wird zum Anlass für eine Orgie der Gewalt. Und Martin Luther steht eindeutig auf der Seite der Gewaltherrscher. Viele Zeitgenossen haben ihn dafür heftig kriti­siert. Droht die Reformation in der Welt von Wirtschaft, Politik und Krieg zu scheitern?

Teil 3 – Das Feuer

Ostermontag, 17. April 2017, 19.30 Uhr

Die Weltordnung des europäischen Mittelalters vor 500 Jahren ist wie ein Kartenhaus. Ein ausbalanciertes Gebilde, dessen Fundament die Kirche ist. Und das bricht jetzt alles durch die Kritik Martin Luthers in sich zusammen. Prompt nehmen an allen Ecken selbsternannte Prediger die Rolle der Kirche ein und füllen das Vakuum. Ein besonders abschreckendes Beispiel entdeckt Harald Lesch in Münster. Zunächst waren die Täufer eine Bewe­gung von unten. Sie gehorchten keiner Autorität und berufen sich dabei auf Luther. Später aber wollen sie in der westfälischen Stadt ein "neues Jerusalem" begründen. Und sie regieren mit Gewalt. Manche nennen die Täufer heute "die Taliban des 16. Jahrhunderts".

Doch auch andere nutzen damals die Gunst der Stunde. So versuchen die deutschen Landesherren oder zum Beispiel auch der englische König ihre Macht zu festigen. Und in dieser poli­tisch aufgeheizten Stimmung bekommt die Reformation auch noch einen Sexskandal. Warum erlaubt Luther Bigamie und lässt zu, dass Landgraf Philipp von Hessen eine zweite Frau heiratet? Heute bekäme Luther dafür einen Shitstorm.

Der Reformator wird weiterhin verehrt, aber die Reformation ist ihm entglitten. Die Macht seiner Worte hat er überschätzt. Luther hat Entwicklungen angestoßen, deren Folgen er nicht absehen konnte. Er wird verbittert, immer griesgrämiger und immer dicker. In dieser Zeit entstehen die sogenannten "Judenschriften" Luthers. Harald Lesch sucht auch auf die Frage nach dem Antisemitismus des Reformators eine Antwort, spricht mit dem Lutherexperten Thomas Kaufmann und findet an der Stadtkirche zu Wittenberg ein Relief des damaligen Judenhasses.

Die Folgen der Reformation führen bis nach England und Amerika. Der Glaube vieler Menschen verändert sich und mit ihm die Lebensgeschichten und die Landkarte Europas – und weit darüber hinaus.

Martin Luther wird in seinen geschichtlichen Kontext gestellt, mit frischem Blick werden neue Zugänge eröffnet. Autor Ingo Helm zeichnet ein spannendes Panorama vom späten Mittelalter bis zu den Anfängen der USA. In aufwändigen Spielszenen, die eng an authentische Quellen angelehnt sind und gängige Luther-Klischees vermeiden, inszeniert Regisseur Andreas Sawall den Reformator lebendig, so dass er als Person greifbar wird. Und Harald Lesch spricht die Zuschauer auf seine eigene Art ganz direkt an – auch jene, die sich für die Reformationsgeschichte nicht interessieren.

Zwischen uns und Gott braucht es keinen Mittler
Moderator Harald Lesch über seine Begegnung mit dem historischen Luther

Zwischen uns und Gott braucht es keinen Mittler

Ich halte Luther für eine der herausragenden Gestalten der deut­schen Geschichte. Er war ein herausragender Theologe, der am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit stand, und der uns klar gemacht hat: Zwischen uns und Gott braucht es keinen Mittler. Mit diesem Gedanken hat er die Geschichte nachhaltig verändert

Martin Luther war ein Revolutionär

Das Kloster Memleben ist 1525 während der Bauernkriege aus­geräumt worden. Acht Jahre nachdem Luther die 95 Thesen in Wittenberg an die Schlosskirche genagelt haben soll. Und vier Jahre nachdem er in Worms erklärt haben soll: "Hier stehe ich und kann nicht anders – Gott helfe mir. Amen." Das hat er nicht gesagt und die 95 Thesen hat er auch nicht an die Tür genagelt, aber trotzdem: Martin Luther hat die Welt verändert. Ein echter Revolutionär, der sich gegen seine Zeit gestellt hat.

Mit dem Wort die Welt verändern

Martin Luther hat die Bibel ins Hochdeutsche übersetzt, so heißt es. Es gab schon Bibelübersetzungen ins Deutsche, ins Ober­deutsche und ins Niederdeutsche. Aber Luther hat die sächsische Kanzleisprache verwendet und damit das Deutsch, das wir heute sprechen. Dabei hat er unter anderem den ersten Korintherbrief übersetzt, in dem die wunderbare Sentenz steht: "Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Unge­rechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit. Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles." Das ist einer dieser Beispiele für die Wortgewalt von Martin Luther und das fasziniert mich: Dass er dem Wort solch eine Kraft geben kann. Und er hat daran geglaubt, dass man mit dem Wort die Welt verändern kann. Daran glaube ich auch.

Kirche und Reformation

Wieso hat Kirche so an Glaubwürdigkeit verloren? Hat das auch was mit der Reformation zu tun? War die Reformation der Schritt weg von der Kirche zu einem Einzelglauben an Gott? Sicher hat Reformation mit dazu beigetragen, dass Menschen der Meinung sind, dass sie keinen Mittler mehr brauchen zwischen sich und Gott. Und damit hat die Kirche eine wesentliche Funktion verlo­ren. Aber sie ist nach wie vor natürlich von großer Bedeutung für den Zusammenhalt einer Gesellschaft, die einen gemeinsamen Glauben hat. Christ sein heißt ja vor allem, mit anderen zusam­men zu sein und für andere da zu sein. Also ganz alleine kann man nicht Christ sein, auch kein evangelischer Christ.

Orientierungssuche

Religion ist heute wieder ein Thema. Nicht nur wegen der Religionsstreitigkeit, sondern für jeden Einzelnen. Es gibt Angebote für Führungskräfte, gerade Klöster bieten immer mehr Seminare an: "Ziehe dich zurück, finde neue Orientierungen" "Raus aus der Hektik der Zeit, hinein in die Stille der Spiritualität" und so weiter. Wir sind offenbar immer auf der Suche nach Gott. Luther war das auch. Wie ist sein Verhältnis zu Gott gewesen? Die Reformation hat ein ganz neues Bild gezeichnet: Da ist der Mensch, da ist Gott, und dazwischen ist nichts mehr. Das führt dazu, dass eine ganz persönliche Gotteserfahrung möglich ist. Und das macht die Reformation aus, diese Betonung der Freiheit des Christenmenschen auf seine persönliche Gotteserfahrung. Das spüren wir heute mehr denn je. In welcher Welt stehen wir denn? In einer, die wir verändern können, die wir stark verändert haben und in der wir so nicht weitermachen können. Vielleicht suchen wir deshalb die Orientierung und die Rückzugsräume, weil wir wissen: So, wie wir es bis jetzt gemacht haben, so geht es nicht weiter. Vielleicht sollten wir auf den Spuren Luthers schauen, wie wir weitermachen könnten.

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