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Der große Zampano - Wer war Leo Kirch?

Film von Berthold Baule und Michael Jürgs

Er war reich, mächtig und gefürchtet: Medienzar Leo Kirch (1926-2011). Der Filmhändler scheute die Öffentlichkeit, aber die TV-Serien und Filme, die er ans Fernsehen verkaufte, sahen Millionen. Doch auf den rasanten Aufstieg Kirchs folgte der tiefe Fall. Die Autoren der Dokumentation begeben sich auf Spurensuche.

  • ZDF, Dienstag, 12. Dezember 2017, 22.45 Uhr

    Texte

    Stab

    Dienstag, 12. Dezember 2017, 22.45 Uhr
    Der große Zampano – Wer war Leo Kirch?
    Dokumentation

    Buch und Regie_____Berthold Baule und Michael Jürgs
    Kamera und Schnitt_____Berthold Baule
    2. Kamera_____Kaspar Köpke
    Musik_____Karim Sebastian Elias
    Licht_____Uli Klotz
    Ton_____Felix Heibges
    Animation_____Rino Pelli, Anna-Lena Remme, Ilya Barrett
    Recherche_____Sabine Adler
    Produktionsleitung_____Dusko Pupic-Bakrac, Christian Stachel (ZDF)
    Herstellungsleitung_____Hartmut Köhler
    Produktion_____Ziegler Film
    Produzentinnen_____Regina Ziegler, Barbara Thielen
    Redaktion_____Stefan Brauburger, Carl-Ludwig Paeschke

    Inhalt

    Leo Kirch gründete 1954 seinen Filmhandel, den er bis Anfang der 2000er Jahre zu einem der größten deutschen Medienkonzerne ausbaute. Er selbst scheute die Öffentlichkeit, aber die TV-Serien und Filme, die er ans Fernsehen verkaufte, fanden über Jahrzehnte ein Massenpublikum. Ob "Raumschiff Enterprise", "Bonanza", "Die Straßen von San Francisco" – aus der 50-jährigen Geschichte des Farbfernsehens sind die erfolgreichen Serien-Klassiker, die das ZDF von Kirch erwarb, nicht wegzudenken. Doch auf den rasanten Aufstieg Kirchs folgte der tiefe Fall.

    Der erste Film, den Leo Kirch nach Deutschland "importierte", war Federico Fellinis "La Strada". Anthony Quinn wurde in der Hauptrolle des großen Zampano zur Filmlegende. Leo Kirch schrieb bald als "Zampano" der deutschen Medienbranche Geschichte, auch als Mitbegründer des Privatfernsehens. Sein immer wieder umstrittenes Geschäftsmodell garantierte zunächst hohe Gewinne. Dabei schuf er sich als Strippenzieher in der Medienbranche und vielfacher Firmengründer jenseits der Öffentlichkeit ein Geflecht von Unternehmen und Beteiligungen, das immer schwieriger zu durchschauen war. Konzentration von Medienmacht und politische Einflussnahme hielt man ihm vor. Dank der Unterstützung mächtiger Fürsprecher, vor allem durch seinen Lebensfreund Helmut Kohl, baute Kirch sein Imperium mithilfe von Milliardenkrediten weiter aus. Er verhob sich, als sich die Erwartungen an das Bezahlfernsehen nicht erfüllten, und der Plan, insgeheim die Aktienmehrheit bei Springer zu erlangen, scheiterte. Fast erblindet und völlig überschuldet wurde eine der großen deutschen Unternehmergestalten der Nachkriegszeit Zeuge des eigenen Niedergangs.

    Weggefährten, Freunde und Widersacher erinnern sich an die Erfolge und Niederlagen Leo Kirchs und an ihre Begegnungen mit dem Geschäfts- und Privatmann. Unter ihnen der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, der Kanzleramtsminister von Gerhard Schröder, Bodo Hombach, sowie der Entertainer Harald Schmidt, der lakonisch bekennt: "Leo Kirch war ein sagenumwobener Medienguru, ohne den es vermutlich die Harald-Schmidt-Show nie gegeben hätte."

    Wer war Leo Kirch? – Statements

    Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE:
    "Leo Kirch war einer der eindrucksvollsten Unternehmer, die ich je kennengelernt habe. Ein unglaublich emotional-intuitiver, charismatischer Mensch."

     

    Dieter Stolte, ehemaliger ZDF-Intendant:
    "Leo Kirch war ein großer Visionär und nicht zuletzt ein sehr gläubiger Katholik."

     

    Helmut Thoma, RTL-Chef, zur Verkaufsstrategie Leo Kirchs:
    "Die Belieferung des ZDF mit Zweitrechten von Filmen, das hätte jedem offen gestanden. Er hat es erkannt … Auch mit einer genialen Verkaufsmethode: Er hat immer gesagt, er verkauft Güterzüge. Da war vorne eine tolle Lokomotive, dahinter noch weitere ganz tolle Salonwägen, und am Schluss haben dann schon Waggons gerattert, die sozusagen kaum mehr auf den Schienen zu halten waren. Hat aber alles immer dasselbe gekostet!"

     

    Bodo Hombach, ehemaliger deutscher Politiker (SPD) und Verlagsmanager, zur Einführung des Privatfernsehens:
    "Es hat sich aber sehr schnell herausgestellt, dass Privatfernsehen, das von Werbung leben muss, dem Publikum etwas ganz anderes bieten muss als konservativ-ideologische Berieselung, nämlich Unterhaltung."

     

    Klaus Ott, Süddeutsche Zeitung, zum Kreditgebaren:
    "Es war ja das Bestreben der Regierung Stoiber, Bayern zum Medienstandort auszubauen. Und da hat man sicher auch so jemandem wie Leo Kirch die Wünsche von den Augen abgelesen und hat eilfertig bei der Landesbank dafür gesorgt, dass die Milliarden als Kredit geflossen sind."

     

    Edmund Stoiber, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident, zur Standortpolitik:
    "Als die neuen Medien kamen, war für mich wichtig, dass Sat.1 als einer der kommenden großen Player seinen Platz nicht in Berlin, sondern in München hat. Und dass die bayerische Landesbank als Geschäftsbank auch mit dem Medienunternehmer Kirch Geschäfte machte, das waren keine politischen Geschäfte, das waren ökonomische Geschäfte."

     

    Thomas Haffa, ehemaliger Kirch-Manager und Chef von EM.TV, zum Auftreten Leo Kirchs in seinem Unternehmen:
    "In Konzernen, so kannte ich das von IBM, gilt: je größer das Büro, umso wichtiger der Manager. Leo Kirch hatte immer das kleinste Büro in seinem Unternehmen."

     

    Harald Schmidt, TV-Ikone und Schauspieler, zum Führungsstil von Leo Kirch:
    "Ich kann nur prinzipiell sagen, nie wurde mir bei einem Sender so wenig reingeredet wie zu Zeiten des angeblich so strengen und finsteren Leo Kirch. Ich habe ihn dann später nochmal getroffen, und da sagte er zu mir: 'Das ist erfolgreich, was Sie machen. Vieles gefällt mir nicht, aber …'"

     

    Bodo Scriba, ehemaliger Kirch-Manager, zum Verhältnis von Leo Kirch zu seinen Mitarbeitern:
    "Er hatte eine Fürsorglichkeit, soziale Fürsorglichkeit gegenüber seinem Umfeld, gegenüber Mitarbeitern und zwar insbesondere ganz normalen, einfachen Mitarbeitern."

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