Copyright: ZDF / Oliver Feist
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Der Kriminalist - Die offene Tür

Länge: 90 Minuten

Der Kriminalist" erstmals in Spielfilmlänge: Schumann (Christian Berkel) mag sich nicht damit abfinden, dass der Drogentod eines jungen Junkies unweit des legendären Kottbusser Tors in Berlin-Kreuzberg nur ein weiterer Fall für die Statistik ist. Er begibt sich mitten hinein in das Milieu, um mehr über den Toten und dessen Lebensumstände zu erfahren. Das läuft für ihn nicht ohne Blessuren ab.

  • ZDF, Freitag, 29. Dezember 2017, 20.15 Uhr

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Freitag, 29. Dezember 2017, 20.15 Uhr
Der Kriminalist: Die offene Tür

Buch_____Christoph Darnstädt
Regie_____Züli Aladag
Kamera_____Roland Stuprich
Schnitt_____Boris Gromatzki
Musik_____Michael Kadelbach
Szenenbild_____Ralf Küfner
Produktionsleitung_____Nicole de Haas
Herstellungsleitung_____Thomas Höbbel
Producerin_____Dana Löffelholz
Produzentin_____Claudia Schneider
Produktion_____Monaco Film
Redaktion_____Wolfgang Witt
Sendelänge_____ca. 90 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller:
Hauptkommissar Bruno Schumann_____Christian Berkel
Ulli Grützke_____Ulrich Noethen
Max Weber_____Leonard Kunz
Inken Schott_____Henriette Müller
Siggi Rowitz_____André M. Hennicke
Kommissar Jan Michalski_____Timo Jacobs
Kommissarin Inge Tschernay_____Antonia Holfelder
Polizeiarzt Dr. Hildebrandt_____Nils Nelleßen
Mukthar_____Tamer Yigit
Meik_____Sammy Scheuritzel
Moritz Lehwald____Orhan Kilic
Raid _____Khadar Issa
Tarik _____Rauand Taleb
Trippi_____Bill Becker
Lizzy_____Lili Zahavi
Ahmed_____Alireza Bayram
LKA-Beamter_____Ernest Allan Hausmann
Anna_____Derya Cesur
und andere

Am Berliner Landwehrkanal wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Auf den ersten Blick spricht nichts für ein Fremdverschulden. Ein Drogensüchtiger, gestorben an einer Überdosis, ist in dieser Gegend keine Seltenheit. Doch Kommissar Bruno Schumann lässt das Schicksal des Jungen, den alle in der Drogenszene rund um das Kottbusser Tor nur als Trippi kannten, keine Ruhe. Er will mehr über ihn wissen. Vom jungen Max, einem von Trippis Kumpeln, erfährt er, dass Trippi bis vor ein paar Monaten in einem Stiftungswohnheim gelebt hat, dort aber wegen Dealens rausgeflogen ist. Genauso wie Tofu, Mirko, Meik und auch Max. Tofu und Mirko hat, wie sich bald herausstellt, unlängst der gleiche Drogentod ereilt wie jetzt Trippi: durch eine todbringende Mischung aus Heroin und Crystal Meth.

Je tiefer Schumann in die Welt der Kleindealer und ihre prekären Lebens­verhältnisse eintaucht, desto größer wird sein Verdacht, dass die Jungen einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Seine LKA-Kollegin Inken Schott, die die Strukturen und Hintermänner der Szene kennt, zweifelt jedoch an Schumanns Theorie. Als aber kurz darauf Meik unter den bekannten Umständen ebenfalls tot am Landwehrkanal gefunden wird, ist aus der Gruppe nur noch Max am Leben. Und der befindet sich offenbar in höchster Gefahr. Aber wo lauert diese? Und welches Motiv hat der Täter?

Schumann und seine Kollegen gehen den verschiedenen Spuren innerhalb der Drogenszene nach. Und es gibt noch jemanden, der unauffällig Schumanns Wege rund um das Kottbusser Tor zu kreuzen scheint und der vermutlich engen Kontakt zu den Opfern hatte: der ehemalige LKA-Beamte Uli Grützke. Er ist eine der Schlüsselfiguren in diesem Fall. Aber ist er auch der Täter? Was es bedeutet, der Wahrheit immer näher zu kommen, muss Schumann schmerzlich am eigenen Leib erfahren.

"Der Kriminalist" im Spielfilmformat
Von Redakteur Wolfgang Witt

Die Folge "Die offene Tür", in der "Der Kriminalist" erstmals im Spielfilmformat ermittelt, bildet das Ende und zugleich den Höhepunkt der diesjährigen Staffel.

Bruno Schumann, der sich nun einmal nicht damit abfinden mag, dass der Drogentod eines jungen Junkies unweit des legendären Kottbusser Tors nur ein weiterer Fall für die Statistik ist, begibt sich mitten hinein in das Milieu, um mehr über den Toten und dessen Lebensumstände zu erfahren. Obwohl das Thema auf den ersten Blick wenig dazu angetan zu sein scheint, ist ein Film entstanden, der zutiefst berührt. Allein wie Regisseur Züli Aladag und sein Kameramann Roland Stuprich das nächtliche Kottbusser Tor in Szene gesetzt haben, ist selbst für Ortskundige mehr als eindrucksvoll.

Abgesehen davon, dass sich dieser Fall schnell zu einem wendungsreichen Krimi entwickelt, gibt es noch etwas, das diesen Film zu etwas Besonderem macht: Wie zwischen Bruno Schumann und dem jungen Kleindealer Max behutsam eine Art Nähe, fast eine wie zwischen Vater und Sohn, entsteht, ist ungemein anrührend. Eine gefährdete Nähe allerdings, die jäh beendet sein könnte. Christian Berkel und der junge Leonard Kunz spielen mit einer Intensität, die sich tief einprägt.

Nicht zu vergessen, dass es mit Ulrich Noethen als geheimnisvollem Ex-Kommissar Ulli Grützke noch jemanden gibt, der von diesem Milieu nicht lassen kann. Schumanns und Grützkes Wege werden sich kreuzen, ohne dass der eine zunächst vom anderen weiß. Der Zuschauer ist ausnahmsweise in der Situation, dass er sich gegenüber Schumann im Vorsprung glaubt. Aber ob er daraus auch die richtigen Schlüsse zieht, bleibt abzuwarten.

Regisseur Züli Aladag über den Reiz des Projekts, filmische Ziele und das Kottbusser Tor in Berlin

An "Die offene Tür" fand ich von Anfang an das Milieu und den Ort, an dem die Geschichte überwiegend spielt, sehr spannend – das Kottbusser Tor in Berlin.
Das Milieu der Junkies und Drogendealer, die von Bossen im Hintergrund, von mächtigen Unterweltgrößen gesteuert werden, ist in Berlin seit vielen Jahren Realität. Die Kältetode der Junkies sind genauso Wirklichkeit wie unsere tägliche Ignoranz und unsere Kapitulation gegenüber einem zentralen Konfliktherd mitten in Berlin. In jedem Hauseingang am Platz und um den Platz herum riecht es nach Urin. Partyleute, Touristen, Kreuzberger türkischer, arabischer und schwäbischer Abstammung kreuzen die Wege von Heroinabhängigen, Methadonkonsumenten, Dealern und Junkies aller Couleur. Seit ein paar Jahren übernehmen nordafrikanische Migranten, organisierte Diebesbanden, die auch alle möglichen Drogen verkaufen, nach und nach das Kottbusser Tor. Während unserer Vorbereitungen und während der Dreharbeiten war stets viel Polizei am Platz. Allerdings zeigt deren Präsenz nur wenig grundlegende Wirkung.
Die Bewohner des Kottbusser Tores müssen täglich sehr viel ertragen. Ihre kleinen Kinder passieren auf dem Weg zur Kita oder zur Schule einen Passfotoautomaten mitten am Kreisel am Kottbusser Tor, in dem sich Junkies regelmäßig sichtbar und erkennbar einen Schuss setzen. Spritzen auf den Spielplätzen. An jeder Ecke wird gedealt, gedrückt und geklaut, vor den Augen aller.
Gleichzeitig ist das Kottbusser Tor ein faszinierender Ort. Ein Ort mit vielen Grautönen und Facetten und schrillen Neonfarben. Mich und vermutlich auch andere Berliner verbindet eine Art Hassliebe mit dem Kottbusser Tor. Die Anwohner haben sich an vieles gewöhnt und doch haben sie und ihre Kinder rund um die gescheiterte Sozialbauarchitektur etwas Besseres und eine Perspektive verdient. Der Platz und sein Umfeld mit seinen zahlreichen Verlierern, Obdachlosen, arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern, Halbstarken, Drogendealern und Konsumenten aus den besseren Vierteln Berlins hat trotz all seinem Elend seinen Charme. Der "Kotti" ist auch ein U-Bahn-Knotenpunkt, den viele Berliner kreuzen. Bruno Schumann arbeitet direkt hier. Seit Jahren ist sein Kommissariat hier zuhause. Doch erst jetzt führt ihn der Todesfall eines Junkies in das Zentrum des Kotti und öffnet seinen Blick auf eine Welt, die auch ihm bisher verborgen war.

Ziel: Authentizität und cineastische Umsetzung

Die Authentizität war mir genauso wichtig, wie eine cineastische, visuelle und filmische Umsetzung der Geschichte und des Ortes. Der Ort ist ein Hauptdarsteller dieses Films, mit seinen dunklen Gassen, der Hochbahn, den Hochhäusern, den Unterführungen und Tunneln, der U-Bahn, dem Kreisverkehr, den Hinterhöfen und Hochhäusern, den Neonreklamen der Cafés, Bars und Imbissbuden. Er steht auch für die Heimatlosigkeit der Protagonisten, die Kälte und Einsamkeit in ihrem Leben. Es ist ein geheimnisvoller, lebendiger, aber auch gefährlicher Ort, an dem man nicht hängen bleiben sollte. Ich wollte den Platz und die Protagonisten auch von oben aus der Vogelperspektive ergründen, erfassen und einbinden. Ein cineastischer Ort, der eine Verdichtung ermöglicht. Visuell und atmosphärisch. Starke Kontraste, tiefe Schwärzen, grelles, grünes, rotes und weißes Neonlicht, Spiegelungen und immer wieder die Tilt- und Shift-Optik mit einem spezifischen Fokuseffekt, durch den die Bilder sowohl entrückt, als auch dreidimensional wirken.

Über die Dreharbeiten vor Ort

Die Dreharbeiten am Kottbusser Tor waren sicher eine Herausforderung. Wir haben dort insgesamt fünf Wochen lang gedreht. Tag und Nacht. Mit einer Security-Truppe aus sieben Personen. Alle sind am Kottbusser Tor aufgewachsen. Sie kennen die Strukturen, Ladeninhaber, die Probleme am Platz. Deutschtürken, Deutscharaber, sind sehr zuverlässige und großartige Leute. Die aber auch alle Hände voll zu tun hatten, uns ein ruhiges Arbeiten zu ermöglichen. Die Diebesbanden waren nicht sehr erfreut, dass wir über Wochen ständig überall am Platz waren. Sie hätten gern unser Materiallager ausgeraubt und wollten unseren Security-Mann mit 1000 Euro  bestechen. Vergeblich. Es war aber zu keiner Zeit wirklich ernsthaft gefährlich, und vor Diebstahl müssen sich Filmteams überall in Berlin schützen.
Wir haben permanent mit zwei Kameras gedreht und waren mit mobilen Einheiten unterwegs. Die Lichtsetzung war nicht leicht, da wir den Platz nicht direkt beleuchten durften. Roland Stuprich, mein Kameramann, hat viele Neonlampen an den Unterführungen anbringen lassen und überall, wo es möglich war, haben wir Neonlampen in die Settings integriert. Ich wollte 360 Grad in jede Richtung am Platz schauen können und den Protagonisten an jeden noch so verwinkelten und dunklen Ort am Kottbusser Tor folgen.

"Würden Sie im wahren Leben ebenso handeln?"
Fragen an Christian Berkel

Der 90-Minüter "Der Kriminalist: Die offene Tür" gibt Einblicke in die Drogenszene am Kottbusser Tor. Sie leben in Berlin – wie authentisch wird der "Kotti" im Film aus Ihrer Sicht dargestellt?

Sehr authentisch! Sowohl der Autor als auch der Regisseur, Kameramann und die Schauspieler haben sich mit der Szene genau auseinandergesetzt. Ich verbringe durch die Dreharbeiten für "Der Kriminalist" viel Zeit am Kottbusser Tor und sehe daher vieles, was sich dort abspielt. Der große Reiz in dem Film "Die offene Tür" ist der Mikrokosmos, in den wir da eintauchen. Das spiegelt sich ja in der Außenwelt wider. Und findet eben genau da – am Kottbusser Tor – gebündelt statt und macht die Geschichte so reizvoll.

Bruno Schumann nimmt den jungen, drogenabhängigen Max für kurze Zeit bei sich auf. Würden Sie im wahren Leben ebenso handeln?

Das ist eine schwierige Frage. Das käme ganz auf die Situation an – deshalb kann ich die Frage nicht grundsätzlich bejahen oder verneinen. Jemanden, den man nicht kennt, in so einer Situation aufzunehmen, ist sicher schwierig. Ich bin ja kein ausgebildeter Therapeut und weiß gar nicht, wie man richtig damit umgehen sollte. Daher könnte das dann auch nach hinten losgehen.

Regisseur Züli Aladags Filme beschäftigen sich oft mit gesellschaftskritischen Themen. Was war für Sie das Besondere in der Zusammenarbeit?

 Ich glaube, es ist meine dritte Zusammenarbeit mit Züli Aladag und das Besondere ist, dass er einen sehr präzisen, soziologischen Blick auf die Gesellschaft und die Figuren innerhalb der Gesellschaft hat und diesen Blick mit großer Empathie und viel Einfühlungsvermögen kombiniert. Ihm gelingt genau das, was ich auch versuche und was mich am meisten reizt: Wir müssen eine Mischung aus Distanz und Nähe hinkriegen. Die Distanz ist der Blick von außen auf eine Situation, der empathische Blickwinkel bedeutet, in die Situation hineinzugehen. Beides für sich genommen ist nicht gut – die Mischung macht's, und die erfüllt er auf ganz besondere Weise.

Welche Szene hat Sie am meisten berührt, ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

Eine Szene mit Ulrich Noethen als ehemaliger LKA-Beamter Ulli Grützke, in der er seine persönliche Geschichte mit seinem Sohn erzählt und seine eigene Begrenzung in dem, was er tut, entdeckt. Diese Hilflosigkeit hat mich beim Schauen des Films sehr berührt. Außerdem haben mich auch mehrere Szenen mit Leonard Kunz als Max sehr berührt – diese Ohnmacht und Hilflosigkeit in seinem Gesicht und diese Sehnsucht nach Liebe oder vielmehr nach Akzeptanz. Es ist wahnsinnig traurig, wenn man spürt, dass ein ganz junger Mensch davon so wenig bekommen hat, dass er verzweifelt darum bittet.

Die Fragen stellte Rolf Grabner

Statements von Ulrich Noethen

Über seine Filmfigur

Ulli Grützke ist nicht gebrochen, sondern trotz seines persönlichen Verlusts handlungsfähig und voller Güte. Ein großartiger, absolut uneitler Charakter, der bei aller Tragik auch Stärke, Entschlossenheit und Selbstreflektion ausstrahlt. Ich mochte vor allem die leisen Töne, die kleinen Gesten.

Über die Authentizität der Szenen am Kottbusser Tor

Ich fürchte, die Szenen am Kottbusser Tor sind sehr realistisch. Die Situation dort ist ja bekannt. Berlin hat natürlich auch idyllischere Ecken.

Über berührende Szenen

Es gibt da einige Szenen. Zum Beispiel, als Ulli Grützke den verfrorenen, verzweifelten Junkie in die Arme nimmt. Das mit dem Wackelpudding hat mir auch gefallen (Grützke kocht gerne Götterspeise für die Junkies).

Weitere Informationen

Fotos über: 06131 – 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/derkriminalist

Impressum

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2017 ZDF

Ansprechpartner

Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
E-Mail: presse.berlin@zdf.de
Telefon: (030) 2099 1096