Der Mann ohne Schatten

Der Fernsehfilm der Woche

Der dritte Thriller um den Berliner Anwalt und Lebenskünstler Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) führt ihn nach Kuba. Er soll in Havanna nach einem Mann suchen, der vor 30 Jahren spurlos verschwand.
Das Drehbuch stammt von Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann: Sie hat die Episode eigens für das ZDF entwickelt.
Regisseur ist Carlo Rola. Neben Jan Josef Liefers und Stefanie Stappenbeck als Berliner Anwälte spielen Alina Levshin, Gudrun Landgrebe, Henry Hübchen, Hans Uwe Bauer, Leslie Malton, Elisabeth Schwarz, Carmen-Maja Antoni und andere.

  • ZDF, Montag, 12. Januar 2015, 20.15 Uhr

    Texte

    Stab und Besetzung

    Montag, 12. Januar 2015, 20.15 Uhr
    Der Mann ohne Schatten
    Der Fernsehfilm der Woche

     

    Stab

    Drehbuch                                Elisabeth Herrmann

    Regie                                      Carlo Rola

    Kamera                                   Frank Küpper

    Szenenbild                              Jérôme Latour, Marcus A. Berndt

    Kostüm                                   Carola Neutze

    Casting                                   Rebecca Gerling, Anna-Lena Slater

    Schnitt                                    Friederike von Normann

    Musik                                      Christian Brandauer

    Produktionsleitung                  Chris Schmelzer

    Herstellungsleitung                 Roger Daute

    Produzenten                           Jutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge

    Produktion                              Network Movie, Jutta Lieck-Klenke

    Redaktion                               Daniel Blum

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Joachim Vernau                     Jan Josef Liefers

    Marie-Luise Hoffmann            Stefanie Stappenbeck

    Katherina Gebhardt                Gudrun Landgrebe

    Anna-Maria Martinez              Alina Levshin

    Martin Gebhardt                     Henry Hübchen

    Mutter Vernau                         Elisabeth Schwarz

    Hüthchen                                Carmen-Maja Antoni

    Maximilian                              Hans-Uwe Bauer

    Dorothea Fröhlich                   Leslie Malton (als Gast)

    u.a.

    Inhalt

    Kurzfassung:
    Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) wird überraschend von der zurückhaltenden Dame Katherina Gebhardt (Gudrun Landgrebe) aufgesucht. Ihr Auftrag: Vernau soll in Havanna nach ihrem Bruder Martin suchen, der vor dreißig Jahren spurlos verschwand. Erst durch die attraktive und geheimnisvolle Hotelangestellte Anna-Maria Martinez (Alina Levshin) erfährt er auf Kuba, dass Martin Gebhardt (Henry Hübchen) ein "Mann ohne Schatten" ist – ein 'hombre sin sombra'. Sein Name fällt im Zusammenhang mit Korruption und dem mysteriösen Tod eines Mitarbeiters des Innenministeriums. Was exotisch beginnt, wird zum Horrortrip: Denn Vernau ist offensichtlich an jemanden geraten, der die Identität eines Toten angenommen hat und keine Skrupel kennt. Unbequeme Fragen beantwortet er auf seine Art: mit Mord!  

    Langfassung:
    Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) und Marie Luise (Stefanie Stappenbeck) renovieren gerade ihre von einer Gasexplosion arg zerstörte Anwaltskanzlei, als sie überraschend von der zurückhaltenden Dame Katherina Gebhardt (Gudrun Landgrebe) aufgesucht werden. Ihr Auftrag: Vernau soll in Havanna nach ihrem Bruder Martin suchen, der vor dreißig Jahren spurlos verschwand.
    Martin Gebhardt sei 1980 angeblich in die DDR "emigriert", dort aber nie angekommen, hat seine Schwester herausgefunden. Stattdessen würden sie alle Jahre wieder Hinweise erreichen, dass Martin noch lebe, mal in den USA, mal auf Kuba. Da sie nun wegen eines finanziellen Engpasses zum Verkauf ihres Hauses, des gemeinsamen Erbes, gezwungen sei, bittet Katherina Gebhardt die Anwälte, ihren Bruder in Havanna zu finden. Doch Marie-Luise stürzt bei den Renovierungsarbeiten so unglücklich von einer Leiter, dass sie verletzt ins Krankenhaus muss und Vernau sich allein auf den Weg nach Kuba macht.

    In Havanna angekommen, stößt er bei der Suche nach Martin Gebhardt auf eine Mauer des Schweigens. Erst durch die attraktive und geheimnisvolle Hotelangestellte Anna-Maria Martinez (Alina Levshin) erfährt er, dass Gebhardt ein "Mann ohne Schatten" ist – ein 'hombre sin sombra'. Sein Name fällt im Zusammenhang mit Korruption und dem mysteriösen Tod eines Mitarbeiters des Innenministeriums.
    Vernau gelingt es, mit seinem entwaffnenden Charme und großer Hartnäckigkeit bis zu Martin Gebhardt (Henry Hübchen) vorzudringen. Nach anfänglichem Misstrauen unterschreibt dieser die Verkaufsvollmacht. Zum Abschied lädt er Vernau weltmännisch auf seine Tabakplantage ein. Vernau faxt die Unterschrift noch in derselben Nacht nach Berlin zu Katherina Gebhardt. Der schwierige Auftrag scheint nun erfolgreich abgeschlossen zu sein, den Rest der Zeit möchte er in Havanna privat genießen. Schließlich will ja auch die leidenschaftliche Affäre zwischen Anna-Maria und ihm gepflegt sein. Da werden die beiden von Katherinas Anruf gestört: Dieser Mann in Havanna kann definitiv nicht ihr Bruder sein!
    Was so exotisch begann, wird zum Horrortrip: Vernau ist offensichtlich an jemanden geraten, der die Identität eines Toten angenommen hat und keine Skrupel kennt. Unbequeme Fragen beantwortet er auf seine Art: mit Mord!

    Autorin Elisabeth Herrmann zu "Der Mann ohne Schatten"

    Es muss ziemlich kalt gewesen sein in Görlitz, als Jan Josef Liefers und Carlo Rola im Januar 2013 "Die letzte Instanz" drehten. Dort, in einem Weinkeller, soll sie entstanden sein: Die Idee für einen Auslandstrip des Berliner Anwalts Joachim Vernau. Kuba. Lisl, sag mal, was hältst du denn von Kuba?
    Ich kannte Kuba nicht. Eine Diktatur, überzuckert von karibischer Lebensfreude. Nicht mein Ding. Allerdings – ich hatte durch meine Zusammenarbeit mit Prof. Helmut Müller-Enbergs von der Stasiunterlagenbehörde eine Geschichte gehört. So unglaublich, so außergewöhnlich, dass ich sie unbedingt erzählen wollte. Die Geschichte eines Stasi-Agenten, der es mit einem gestohlenen Lebenslauf bis in die Logistikzentrale eines der größten US-amerikanischen Rüstungshersteller geschafft hat. Aufstieg und Fall dieser realen Person sind die Vorlage zu "Der Mann ohne Schatten", entstanden nach einer wahren Begebenheit. Prof. Müller-Enbergs hat zu diesem Film die wissenschaftliche Beratung übernommen, die Zusammenarbeit war wieder einmal großartig. So entstand aus einer Idee eine Story. Und dann kam der Moment, in dem ich wusste: Ich muss nach Kuba.

    Bisher hatte ich "nur" meine eigenen Kriminalromane zu Drehbüchern gemacht. Bei diesem Film war es anders. Ich kann nicht über Dinge schreiben, von denen ich nichts verstehe oder die ich nicht kenne. Ich wollte keine Geschichte aus zweiter Hand erzählen, sondern das echte, authentische Kuba entdecken. Das, das sich jenseits der Touristenhotels und Karibikstrände befindet, abseits der Hemingway-Bars und Folkloreshows. Wir kamen an in strömendem Regen. Wir fuhren morgens los und kamen spät abends zurück. Wie sahen Tabakplantagen und verrottete Häfen. Wir suchten Kuba hinter den hübsch renovierten Fassaden der Innenstadt, auf Hinterhöfen, in dunklen Straßen und noch dunkleren Clubs. Und ich glaube, wir haben es gefunden. Es war eine überwältigende Woche, voller Eindrücke und Begegnungen. Ich bin sehr glücklich, dass "Der Mann ohne Schatten" dieses Kuba zeigt. Ein Land voller Gegensätze, wunderschön, bitterarm.
    "Der Mann ohne Schatten" ist ein vergessener Agent, der gezwungen ist, unter seinem falschen Namen und in seinem falschen Leben weiterzumachen.  25 Jahre nach dem Mauerfall ist sie eine von vielen, vielen Geschichten, die eine Diktatur uns hinterlassen hat. Das letzte Vierteljahrhundert hat unseren Blick vielleicht milder, bei manchen auch müder gemacht – ein wenig wie Henry Hübchen als Gebhardt, der von seiner Vergangenheit nichts mehr hören will. Für mich als Autorin ist das Herz einer Geschichte nicht in erster Linie ihre historische Relevanz, sondern schlicht und ergreifend der Augenblick, in dem sie mich packt und nicht mehr loslässt. Vernau auf der Suche nach Gebhardt, konfrontiert mit der Verführung dieses Landes und seinen gewaltigen Gegensätzen, die ihn in die Vergangenheit von Ost UND West führt –  ein Fall, der zu ihm passt wie sein maßgeschneiderter Anzug, den er sich gleich am ersten Tag in Havanna versaut. Ein Fall, der mich beschäftigt und nicht mehr losgelassen hat, solange, bis diese Geschichte erzählt wurde. Es war ein Abenteuer, eine lange Reise, und ich hoffe, dass viele Menschen uns dabei begleiten werden, wenn das ZDF sie zeigt.  

    Interview mit Schauspieler Jan Josef Liefers

    Der TV-Zuschauer kennt Sie durch Rollen wie Professor Boerne und jetzt auch unseren Anwalt Vernau, die beide einige Parallelen aufweisen. Suchen Sie diese Rollen oder werden Sie Ihnen verstärkt angeboten?

    Letzteres. Manchmal werden aus verschiedenen Ecken auffällig ähnliche Rollentypen geballt angeboten, aber sowas ergibt sich eher zufällig. Joachim Vernau ist rein äußerlich ein Anzugträger, genau wie Prof. Boerne, aber seine Eleganz ist lässiger. Und auch Vernau ist kein Ermittler im klassischen Sinne, der aus der Polizeiperspektive heraus ermittelt. Charakterlich sind beide doch sehr verschieden. Das hat mich interessiert.

    Wie charakterisieren Sie Joachim Vernau?

    Joachim Vernau ist jemand, der als Anwalt seine Nase in Dinge steckt, die ihn eigentlich nichts angehen. Er ist Strafverteidiger – weder Privatdetektiv, noch Kommissar. Und irgendwie gerät er in den Romanen, die sich die Autorin Elisabeth Herrmann ausdenkt, immer in eine etwas unglückselige Frauengeschichte und zugleich in einen Kriminalfall, den er am Anfang gar nicht so überschaut.
    Vernau ist ein netter Mensch, der einfach Leuten einen Gefallen tun will oder an ganz bestimmten Punkten sagt: "Moment, hier bin ich nicht einverstanden, hier stimmt was nicht." Er hat ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und lässt sich auf Dinge ein, die dann plötzlich zum veritablen Kriminalfall werden. Und er ist ein Typ, der das süße Leben zu schätzen weiß und es sich gerne gutgehen lässt. Ja, und weil er eben solch eine Art "Amateur"-Ermittler ist, hat man in der Entwicklung der Rolle etwas mehr Freiheiten als bei einem ausgebildeten Polizisten. Ich mag es, an diesem Punkt das Genre Krimi ein kleines bisschen aufknacken zu können.

    Die Geschichten in der Vernau-Reihe setzen an ähnlichen historischen Stoffen an. Sind das Stoffe, die Sie besonders ansprechen?

    Ja, ich finde das toll, was Elisabeth Herrmann sich als Autorin ausdenkt. Sie koppelt in ihren Büchern das Genre Kriminalroman an Ereignisse aus der deutschen Geschichte. Es entwickelt sich ein Kriminalfall, der hier in der Gegenwart stattfindet und dessen Wurzeln aber weit zurückreichen. "Das Kindermädchen" – mein erster Fall als Joachim Vernau – war so eine Geschichte, die zurückgeht bis ins Dritte Reich. Und in die Zeit der Zwangsarbeit, wo in diesem Fall russische und ukrainische junge Mädchen an deutsche Privathaushalte verkauft wurden, dort eine Art Sklavendienst leisten mussten. Oder sich um die Kinder kümmern mussten, was sie oftmals in erstaunlich hingebungsvoller Weise gemacht haben, obwohl es ja die Kinder des Feindes waren. Elisabeth Herrmann recherchiert ausgesprochen genau. Man erfährt immer etwas Neues.
    Auch in "Der Mann ohne Schatten" geht die Geschichte auf einen wahren Fall zurück: Identitätsdiebstahl durch die Staatssicherheit der DDR, die Leuten Unterschlupf anbot, die im Westen, beispielsweise nach Straßenkämpfen in den 60er Jahren, von der Polizei gesucht wurden. Aber mehr werde ich jetzt nicht verraten!

    Sie möchten nicht klischeehaft auf ostdeutsche Stoffe festgelegt werden, andererseits nutzen Sie ihren biographischen Hintergrund. Ist dieses Themenfeld eine Quelle für Stoffe, die noch nicht auserzählt sind?

    Ich nutze meine Biografie immer dann, wenn es Sinn für eine Rolle macht. Aber ostdeutsche Stoffe sind weder meine schauspielerische Ausrichtung, noch mein Lebensthema. Ich habe in vielen Filmen gespielt, wo es um ganz andere Dinge geht.
    Aber ich glaube schon, dass dieses Themenfeld noch lange nicht auserzählt worden ist. Welches Land hat sowas schon erlebt? Welches Land ist in zwei verschiedene Staatsgebiete geteilt worden, die unabhängig voneinander als eigenständige Staaten funktionierten, wo dann eine unblutige Revolution stattfand und anschließend dieses geteilte Land sich wieder vereinte, ohne dass dabei Blut geflossen wäre? Und dann denken Sie an das Jahrzehnt der Treuhand, von 2000 bis 2010… spannend!

    Wie haben Sie die Dreharbeiten in Kuba erlebt – die politischen und kulturellen Aspekte betreffend?

    Es war sehr schön und gleichzeitig irgendwie schmerzlich. Wir haben so tolle Menschen kennen gelernt, fröhlich, charmant, humorvoll, klug. Gleichzeitig ist deren Lebenslage sehr schwierig. Was von Kubas Wirtschaft nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers übrig ist, kommt den Menschen kaum zugute. Sicher wegen des Embargos, das Kuba nahezu weltweit vom Handel ausschließt, aber auch wegen der Ausrichtung der gesamten Politik auf die Person des "gran líder cubano" Fidel Castro. Was hat Kuba? Den besten Tabak, die phantastischen Zigarren, man weiß von Zucker, ein bisschen Kaffee, ein paar Saftorangen. Früher, als es die Sowjetunion noch gab, wurden den Kubanern ihre Produkte zum vierfachen Weltmarktpreis abgenommen. Das ist alles komplett weggebrochen. Der Sozialismus, der dort im Moment herrscht, ist einer, der es den Menschen extrem schwer macht, zu leben. Die Menschen leben dort zum Teil in sehr beengten Verhältnissen. Überall stehen Ruinen. Man sieht es in unserem Film ja. Wir haben dort Menschen getroffen, die über Leitern und nackte Dachbalken in ihre Wohnungen balanciert sind mit ihren Einkaufstüten, um dann plötzlich in einer riesengroßen wunderschönen Wohnung zu stehen, die aber vollkommen runtergekommen ist und in der sie zu zehnt leben. Aber die meisten Kubaner tragen es mit Würde und Humor. Erstaunlich! Ich war dort sehr gern, wegen der Menschen, denen es deutlich schlechter geht, als uns damals in der DDR, aber auch wegen der vergangenen, unglaublichen Kultur, der man überall begegnet. Ohne jetzt in Klischees verfallen zu wollen, mag das vielleicht auch mit dem tollen Wetter und der tollen Musik zu tun haben. Es hat mich ganz besonders gerührt, dass die Menschen dort so große Probleme haben mit ihrem täglichen Leben klar zu kommen und dabei doch so gut gelaunt sind.

    Joachim Vernau hat manchmal etwas, das an Verschrobenheit grenzt. Wo ist aus Ihrer Sicht die Grenze, dass die Figur nicht überzeichnet wird?

    Ich mag den Satz: "Wenn es sich biegt, ist es komisch, wenn es bricht, ist es nicht mehr komisch". Es gibt sonst keine Regel, die auf alles passt. Ich finde, eine der Aufgaben von Schauspielern ist es, mutig zu sein und sich etwas zu trauen, sich nicht selber zu zensieren. Und dann gibt es den Regisseur, der verantwortlich für die künstlerischen Fragen des ganzen Films ist und Dir zuschaut. In der Einschätzung eines guten Regisseurs wie Carlo Rola liegt im Grunde genommen das Maß.

    Wie wichtig ist Ihnen der Partner "Regisseur" – in diesem Fall Carlo Rola – bei Ihrer Arbeit?

    Wie gesagt, sehr wichtig. Der Mann ohne Schatten ist meine vierte Zusammenarbeit mit Carlo Rola. Inzwischen haben wir eine schöne Direktheit im Umgang miteinander. Die nächste Zusammenarbeit mit ihm für die Vernau-Reihe ist schon wieder in Planung, und darüber freue ich mich. Carlo sieht im Filmemachen nicht nur Arbeit, sondern auch Abenteuer, und das mag ich. Auch die Großzügigkeit und die Lässigkeit, die er in seinen Filmen hat. Das passt auch gut zur Figur Joachim Vernau.

     

    Das Gespräch führte Dagmar Landgrebe.

    Fragen an die Schauspielerinnen Gudrun Landgrebe und Alina Levshin

    Was ist für Sie das Besondere an der Geschichte "Der Mann ohne Schatten"?

    Gudrun Landgrebe: In dieser Filmerzählung ist das Hauptthema die Suche nach dem seit 30 Jahren verschollenen Martin Gebhardt, der sich in der damaligen DDR ein neues Leben aufbauen wollte. Ist er freiwillig 30 Jahre lang untergetaucht oder sind andere Kräfte für sein spurloses Verschwinden verantwortlich? Der Film handelt nicht nur von der Vermisstensuche nach einem Mann, sondern er greift ebenso ein damals bestehendes, menschenverachtendes System an.

    Alina Levshin: Sie ist spannend, unterhaltsam und berührend. Es ist eine deutsche Geschichte, aber der Zuschauer bekommt einen Einblick in das Leben in Kuba. So eine Mischung erlebt man nicht oft im deutschen Fernsehen. Ich finde es höchst interessant, in welchem Widerspruch Kuba steht und welche Aspekte der Politik in der Geschichte gestreift werden.

    Gudrun Landgrebe, was hat Sie gereizt, die Rolle der Katherina Gebhardt anzunehmen?

    Gudrun Landgrebe: Zunächst scheinbar hilflos wirkend, entwickelt Katherina im Verlauf der Geschichte zunehmend die Entschlossenheit, das Rätsel um ihren verschollenen Bruder aufzudecken. Unbeirrbar verfolgt sie alle Spuren, die mehr und mehr darauf hinweisen, dass ihr Bruder nicht identisch ist mit dem Mann, der unter seinem Namen in Havanna lebt. Diese Persönlichkeitsentwicklung hat mich bereits beim Lesen fasziniert.

    Und was hat Sie, Alina Levshin, an der Rolle der Anna-Maria Martinez gereizt?

    Alina Levshin: Ich fand die Mischung Interessant: Einerseits ist Anna-Maria eine Frau, die ihr Land gegen jegliche Korruption und Ungerechtigkeit verteidigen will, andererseits verliebt sie sich ausgerechnet in den Mann, den sie eigentlich beschatten sollte. Eine reizvolle Ambivalenz. – Regisseur Carlo Rola hat mir schon in ganz frühen Jahren meiner Karriere vertraut und als ich gehört habe, wer den Cast noch bereichert, war es nicht schwer, "Ja" zu diesem Projekt zu sagen.

    Wie war es, auf Kuba zu drehen? Kannten Sie das Land bereits, oder war es ihre erste Begegnung mit der Insel?

    Alina Levshin: Für mich war es das erste Mal in Kuba und ich war sehr aufgeregt, dort drehen zu können. Es war sehr warm, was im Januar schon mal ungewöhnlich war für meinen Erfahrungshorizont. Da Kuba noch ein sozialistisches Land ist, war es etwas ungewohnt. Ich habe manchmal einen Hauch von DDR verspürt, obwohl ich nie in der DDR gelebt habe. Es war merkwürdig. Die Menschen sind allerdings sehr herzlich und das Land ist reich an positiver Energie, obwohl sich die Menschen fast nichts leisten können. Eine ungewöhnliche Mentalität, die aber euphorisiert. Wahrscheinlich hat auch der Sonnenschein und der gute Rum damit zu tun.

    Gudrun Landgrebe: Während einer privaten Reise war ich schon einige Jahre zuvor in Havanna und unglaublich beeindruckt von der Stadt. Man sollte sich aber von dem "morbiden Charme", den Havanna ausstrahlt, nicht zu sehr verführen lassen – die Bevölkerung ist arm. Wunderschöne Plätze sind zur Freude der Touristen restauriert worden, ein Einheimischer kann sich dort nicht einmal einen Espresso leisten. Dank der Liebenswürdigkeit der Menschen haben wir uns auf Kuba natürlich sehr wohl gefühlt und auch Dank eines wunderbaren Teams!

     

    Die Fragen stellte Dagmar Landgrebe.

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