Copyright: ZDF/Andreas Wuenschirs
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Der mit dem Schlag

Tragikomödie

Felix (Hinnerk Schönemann) ist besonders. Aber nicht verrückt. Dennoch landet der Starkstrom-Elektriker mit Bio-Spleen nach einer Reihe von Schicksalsschlägen in der Psychiatrie. Zu Unrecht, findet Felix. Und so beginnt sich der charmante Eigenbrötler wieder aus der Psychiatrie herauszukämpfen.

  • ZDF, Mittwoch, 8. November 2017, 20.15 Uhr

    Texte

    Eine zartbittere Komödie
    Von Redakteurin Petra Tilger (Redaktion Fernsehspiel II)

    "Der mit dem Schlag" spielt unterhaltsam und berührend zugleich mit der Frage, wie leicht ein besonderer aber keineswegs gefährlicher Mensch für verrückt erklärt und weggesperrt werden kann. Eine starke Ausgangslage für eine zartbittere Komödie, die Autor Christian Jeltsch mit viel lakonischem Humor und eigenwilligen Charakteren bestückt hat. Lars Becker hat einen ganz außergewöhnlichen "Weihnachtsfilm" mit einem herrlich schrägen Ensemble um Hinnerk Schönemann inszeniert. Die Idee war, ein relevantes Thema, das aus großen Filmen genauso bekannt ist wie aus realen Fällen, hier eben nicht als Sozialdrama, sondern mit erfrischender Leichtigkeit zu erzählen. Dass die vorweihnachtlich verpackte Geschichte so unterhaltsam geworden ist, freut umso mehr, da sie in ihrem ernsten Kern von nicht weniger handelt als einem erschreckenden Schicksal, das viele treffen könnte. Von Menschen, die in keine Schublade passen und gerade deshalb umso liebenswerter und sympathischer sind. Ganz getreu dem Motto des Protagonisten: "Wo kein Strom fließt, kann man auch keinen Schlag kriegen."

    Stab und Besetzung

    Mittwoch, 8. November 2017, 20.15 Uhr
    Der mit dem Schlag
    Tragikomödie

    Stab:
    Buch_____Christian Jeltsch
    Regie_____Lars Becker
    Kamera_____Martin Langer
    Musik_____Hinrich Dageför, Stefan Wulff
    Schnitt_____Sanjeev Hathiramani
    Szenenbild_____Anina Diener
    Produktion_____FFP New Media GmbH
    Produzenten_____Michael Smeaton, Dr. Simone Höller
    Redaktion_____Günther van Endert, Petra Tilger
    Länge_____89 Minuten

    Die Rollen und ihre Darsteller:
    Felix Grünler_____Hinnerk Schönemann
    Melanie Merk_____Lisa Maria Potthoff
    Rufus_____Sahin Eryilmaz
    Ingo Grünler_____Kurt Krömer
    Eddy Amper_____Sascha Reimann
    Karin Grünler_____Marlene Morreis
    Dr. Eva Passlack_____Sophie Rois
    Prof. Paul Bernhardt_____Peter Lohmeyer
    Torsten Klemer_____Armin Rohde
    Schwester Marie_____Barbara Philipp
    Ute Amper_____Marleen Lohse
    Bettie Claudia_____Eisinger
    Sven_____Alexander Scheer
    Ursula Bozener_____Therese Hämer
    und andere

    Inhalt

    Ein miserabler Tag für Felix: Vom Bürgermeister kassiert er zum wiederholten Mal eine Absage für sein revolutionäres Konzept zur Weihnachtsbeleuchtung, seine Freundin Melanie gibt ihm den Laufpass, und schließlich stirbt auch noch seine Mutter. Als zwei Inkasso-Männer Geld für einen falsch gelieferten Toaster eintreiben wollen, endet ein kurzer Wutausbruch des sonst so besonnenen Felix in einer Strafanzeige wegen Körperverletzung. Eine glückliche Fügung für Felix' Schwägerin Karin, die das Geschehen zufällig filmt und für eine Intrige nutzt, um an das Erbe der Mutter zu gelangen. Mit Hilfe ihrer Golfkumpane – eine Richterin und ein psychiatrischer Gutachter, deren leistungsschwache Kinder kurz vor der Abiprüfung bei Gymnasiallehrerin Karin stehen – werden Zeugenaussagen vor Gericht gegen Felix gewendet. Und so wird er aufgrund von "Schuldunfähigkeit wegen einer krankhaften seelischen Störung" in die Psychiatrie eingeliefert. Dort verweigert er sich zunächst allen Maßnahmen. Erst als er durch einen Besuch von Melanie wieder neue Hoffnung schöpft, seinen großen Traum doch noch verwirklichen zu können, beginnt er, sich gegenüber den Mitpatienten zu öffnen – und sich schließlich auch seinem eigenen Trauma zu stellen.

    "Ich mag diese kleinen Antihelden und ich spiele sie gern"
    Ein Gespräch mit Hinnerk Schönemann

    Herr Schönemann, Sie spielen den Starkstromtechniker Felix Grünler, der durch einen Gerichtsbeschluss in eine Psychiatrie eingeliefert wurde und bis auf weiteres nicht mehr heraus darf. Was hat Ihnen an dieser Figur und Geschichte gefallen?
    Ich fand den Plott sehr spannend. Es passiert ja auch im realen Leben schon einmal, dass jemand weggesperrt wird, weil er als auffällig gilt und irgendwie nicht ins System oder in eine Schublade passt. Und Felix Grünler liefert seiner Umwelt genügend Vorlagen, nicht normal zu sein: Seine einzige Leidenschaft ist Strom und Elektrik. Er hat sich in den Kopf gesetzt, seinen Heimatort eines Tages endlich an Weihnachten leuchten zu lassen. Er spricht mit seinem toten Vater, er rastet auch schon einmal aus, wenn er sich im Recht fühlt, wie etwa, nachdem er wieder einmal das falsche Toaster-Modell zugeschickt bekommt. Und in der Klinik wäscht er sich nicht, weil er meint, Seife enthalte krebserregende Substanzen.
    Grünler ist unberechenbar und hat seine Ticks, aber im Grunde seines Herzen will er für alle nur das Schöne und Gute. Er ist nicht der Schlauste und erinnert an ein großes Kind, das nicht so richtig in die Welt der Vernunft hineinpasst und mit Trotz reagiert. Denn Grünler ist es fremd, sich in der Realität des Hauens, des Sich-Wehrens mit allen Mitteln und des Intrigierens zu behaupten. Wie er kämpft, wie er strauchelt, wie er an seinen Träumen festhält, obwohl er von seinen Liebsten – seiner Freundin, seinem Bruder und seiner Schwägerin – nicht mehr verstanden und dann sogar verraten wird, das mochte ich sehr. Kraft seines Herzens siegt er am Ende. Ich mag diese kleinen Antihelden und ich spiele sie gern!

    Vor welcher besonderen Herausforderung standen Sie, diesen höchst eigenwilligen Charakter darzustellen?
    Das Wichtigste war, nicht in Klamauk abzudriften. Man muss seine Figur ernst nehmen und ernst spielen. Erst daraus entstehen die skurrilen, die grotesken Momente, entsteht die Komik überhaupt. Der Zuschauer soll ja lachen, nicht die Figur! Felix Grünler hat man großes Unrecht angetan: Sein Bruder und seine Schwägerin wissen, wie labil er ist und dass ihm der Tod der Mutter zugesetzt hat. Trotzdem scheuen sie sich nicht, ihn wegsperren zu lassen. Das ist bitter für ihn. Aber in der Psychiatrie gewinnt er an Stärke, denn er ist es, der wahrnimmt, was für die Patienten gut ist und was nicht. Und er durchschaut ziemlich schnell auch eine Frau wie Dr. Passlack.

    Waren Sie zur Vorbereitung zu diesem Film zu Besuch in einer Psychiatrie oder haben Sie sich Filme wie "Einer flog über das Kuckucksnest" angeschaut?
    Ich kenne diesen Film natürlich, aber ich habe ihn mir nicht nochmal angeguckt. Und ich habe mich auch nicht in einer psychiatrischen Anstalt umgesehen. Ich habe das Spielen aus mir herausgeholt und es den Situationen angepasst.

    Was muss eine Filmrolle mitbringen, damit Sie ihr den Zuschlag geben?
    Das hängt ganz allein vom Buch ab. Dann schaue ich, wer der Regisseur ist und auch, welche Kollegen dabei sind. Bei diesem Film habe ich mich riesig gefreut, endlich einmal mit Lars Becker zu drehen und zum ersten Mal mit Sophie Rois zu spielen. Das machte riesigen Spaß, weil sie eine starke Spielpartnerin war. Sie in ihrer Rolle der Psychologin war mit Felix Grünler ja fast auf Augenhöhe – bei beiden weiß man nicht so genau, ob oder wie verrückt sie sind…

    Wie lange bleiben nach einem Dreh eine Rolle und eine Geschichte bei Ihnen an den Schuhen haften?
    Gar nicht. Meistens mache ich nach einer anstrengenden Szene einen albernen Spruch, um die vorher aufgebaute Spannung herauszunehmen und um herunterzukommen, aber dann bin ich wieder ich selbst.

    Sie haben soeben für Ihre Darstellung des Felix Grünler den Deutschen Schauspielerpreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
    Da dieser Preis von Schauspielern vergeben wird, die die Arbeit eines Schauspielers bewerten, freut mich diese Auszeichnung besonders. Sie zeigt, dass die Kollegen meine Arbeit mögen und das mochte ich sehr!

    Das Gespräch führte Gitta Deutz

    Stimmen der Schauspieler:
    Lisa Maria Potthoff, Sophie Rois, Peter Lohmeyer, Therese Hämer, Marlene Moreiss, Marleen Lohse, Sahin Eryilmaz, Barbara Philipp

    Lisa Maria Potthoff (Rolle: Felix' Freundin Melanie Merk):
    "Wer einmal mit Lars Becker dreht, will das immer wieder tun. Das heißt, wenn er ruft, komme ich gerne gerannt. Da ich auch Hinnerk Schönemann sehr schätze, war es für mich eine große Freude, an seiner Seite spielen zu dürfen!"

    Sophie Rois (Rolle: Psychologin Dr. Eva Passlack):
    "Ich bitte Sie, wer möchte nicht eine verrückte Psychiaterin spielen?! Am Drehbuch hat mich überzeugt, dass ich wusste, es wird von Lars Becker verfilmt und Hinnerk Schönemann spielt die Hauptrolle!"

    Peter Lohmeyer (Rolle: Prof. Paul Bernhardt):
    "Na, dass nicht nur die Rolle etwas durch geknallt ist, sondern auch das Drehbuch! Da kann man nun mal nicht 'nein' sagen!"

    Therese Hämer (Rolle: Richterin Ursula Bozener):
    "Das Buch war ein toll zu lesendes Ensemblestück: Justiz und Psychiatrie in köstlich böser, absurd sympathischer Verstrickung und dazu noch eine golfspielende, korrupte Richterin – herrlich!

    Marlene Moreiss (Rolle: Felix' Schwägerin Karin Grünler):
    "Ich hatte schon mehrmals das Glück, in Büchern von Christian Jeltsch mitzuspielen und ich schätze seine Bücher sehr. Er schafft es immer, ein wunderbares Sammelsurium an liebenswerten und schrägen Charakteren zum Leben zu erwecken. Karin Grünler zu spielen, war eine große Freude. Ich mag schräge Charaktere. Rollen zu spielen, die von der vermeintlichen Norm abweichen, ist eines der größten Geschenke für mich als Schauspielerin. Zu entdecken, was sie antreibt und wie sie so ticken. Herrlich!"

    Marleen Lohse (Rolle: Ute Amper):
    "Ich habe mich gefreut, dass ich eine so kantige und starke Frau spielen durfte. Eine Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und dabei das Herz am richtigen Fleck hat. Auch habe ich mich für die Herzenswärme dieser Geschichte begeistert. Die Botschaft zu überdenken, wie schnell man Menschen verurteilt, deren Welt man nicht einmal im Ansatz versteht, hat mich sehr berührt – somit ein stets aktuelles Thema. Mit einer solchen Außenseiter-Geschichte bekommt man mich immer."

    Sahin Eryilmaz (Rolle: Rufus, Felix' Freund in der Klinik):
    "Meine Rolle war ein Geschenk. Als Bär einen so gebrochenen, verrückten Mann spielen zu dürfen, der aufgrund des Todes seiner Frau von Schuldgefühlen geplagt ist, der etwas Liebes und Lustiges an sich hat, von dem zugleich aber auch immer etwas Bedrohliches ausgeht – das hat mich sehr berührt! Und ich mochte es vor allem, diesen Rufus nicht aufgesetzt, sondern so minimal wie möglich spielen zu dürfen!"

    Barbara Philipp (Schwester Marie):
    "Ich mag immer gern Drehbücher, in denen ein Sonderling die Opportunisten überführt! Und Hinnerk Schönemann füllt die melancholisch-komische Geschichte in seiner "Buster Keaton"- Art wunderbar aus! Die Klapse ist in der Geschichte der geschützte Raum vor der Niedertracht, Schwester Marie deren bodenständige, offenherzige Hüterin!
    Mir war beim Lesen des Drehbuches klar, dass das eine tolle Ensemblearbeit werden kann und so war es dann auch! Wann hat man sowas noch!?"

    Gesammelt von Gitta Deutz

    Weitere Informationen

    Ausstrahlung auf 3sat: Mittwoch, 28.11.2017, 21.45 Uhr, im Rahmen des Fernsehfilmfestivals Baden-Baden 2017

    Impressum

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