Martin Manz (Albrecht Schuch) mit dem Dorfarzt (Günther Maria Halmer). Copyright: ZDF/Bernd Schuller
Martin Manz (Albrecht Schuch) mit dem Dorfarzt (Günther Maria Halmer). Copyright: ZDF/Bernd Schuller

Der Polizist und das Mädchen

Der Fernsehfilm der Woche

Ein moderner Krimi von Regisseur Rainer Kaufmann in der Tradition des Film noir: Martin Manz (Albrecht Schuch) ist in seinem Dorf beliebt. Er kümmert sich mit dem Dorfarzt (Günther Maria Halmer) um seinen senilen Vater (Friedrich von Thun) und liebt seine schwangere Frau (Aylin Tezel). Doch Martin verschweigt allen, dass er die Tochter seines besten Freundes (Johannes Allmayer) überfahren hat.

  • ZDF, Montag, 24. September 2018, 20.15 Uhr

    Texte

    Abgründe einer Idylle

    Was macht man, wenn man in einem Moment der Unachtsamkeit einen Menschen anfährt und flüchtet, anstatt zu helfen? Bei den meisten Menschen setzen Skrupel und Reue ein, und sie melden sich bei der Polizei. Aber wie ist es, wenn man selbst der Dorfpolizist ist und den Zeitpunkt verpasst, die Wahrheit auszusprechen? So ergeht es dem Protagonisten Martin Manz – faszinierend gespielt von Albrecht Schuch – der sich immer tiefer in ein Lügennetz verstrickt, um seine Fassade zu wahren. In unserem Heimat-Krimi, geschrieben von Nachwuchsautor Frédéric Hambalek und inszeniert von Rainer Kaufmann, begeben wir uns in die Abgründe einer scheinbar so idyllischen bayerischen Dorfgemeinschaft.

    Caroline von Senden und Alexandra Staib, HR Fernsehfilm/Serie

    Stab, Besetzung und Inhalt

    Regie   Rainer Kaufmann
    BuchFrédéric Hambalek
    KameraArmin Golisano
    SchnittMona Bräuer
    MusikRichard Ruzicka
    KostümbildLucie Bates
    MaskenbildTatjana Luckdorf, Annika Rahner
    TonGunnar Voigt, Sebastian Riegel
    ProduktionsleitungHermann Maurer
    HerstellungsleitungJörg Zaremba
    ProduktionWiedemann & Berg Television
    ProduzentenGabriela Sperl, Sophie von Uslar, Quirin Berg, Max Wiedemann
    RedaktionCaroline von Senden, Alexandra Staib
    Längeca. 90 Min.

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Martin Manz   Albrecht Schuch
    Frank EberhardtJohannes Allmayer
    Dr. Walter NachtheimGünther Maria Halmer
    Anja ManzAylin Tezel
    Klaus ManzFriedrich von Thun
    Miriam EberhardtLilli Biedermann
    Thomas GriemeyerLukas Hupfeld
    Gabi BellmJulia Heinze
    Tobi ManzFlorian Burgkart
    Jörg SimianerMichael A. Grimm
    Mechthild HenekaSylvana Krappatsch
    Lea ZeilerEli Wasserscheid
    und andere

     

    Inhalt

    Martin Manz ist in seinem Dorf beliebt und bekannt. Er engagiert sich ehrenamtlich im Handballverein, kümmert sich um seinen senilen Vater Klaus und liebt seine zweite Ehefrau Anja, die gerade hochschwanger ist. Martin weiß, dass er von allen gebraucht wird. Deshalb verschweigt er, dass er angetrunken die Tochter seines besten Freundes Frank überfahren hat. Das Mädchen liegt im Koma. Martin bereut zutiefst und will versuchen, seine Schuld wiedergutzumachen. Doch um sein Geheimnis zu wahren, muss er an seine Grenzen gehen. Martin gerät unter Druck, denn der impulsive Frank will den Täter unbedingt selbst finden, und ein Beweisstück droht Martin zu belasten. Schließlich wird er von einem Zeugen erpresst. Doch er weiß genau, wie man Menschen manipuliert, Beweise verschwinden lässt und widerspenstige Zeugen ausschaltet. Denn Martin Manz ist der Polizist im Dorf. 

    "Der moralische Kompass gerät außer Kontrolle"

    Albrecht Schuch: Das Besondere an "Der Polizist und das Mädchen" ist, dass der Film den Zuschauer dazu anhält, sich sein eigenes Urteil über den Umgang mit der Schuld des Hauptcharakters zu bilden. Dies umso stärker, als dass das Ende des Films – was das TV hierzulande betrifft – vergleichsweise düster ist. Ich kann das Handeln meiner Figur nachvollziehen, aber ich finde es falsch und egoistisch. Man muss für seine Taten geradestehen. Martin fehlt diese Aufrichtigkeit. Er stellt das eigene Wohl über das der anderen und legt verschiedene moralische Maßstäbe an. In der Konsequenz handelt er nicht empathisch. Ein Grundproblem vieler Menschen.

    Rainer Kaufmann: Wir erzählen fast schnörkellos von einem Mann, der sich entschlossen hat, unentdeckt mit einer großen Schuld zu leben – in dem verzweifelten Wunsch, seinen Plan vom Glück nicht aufzugeben. Dieser Film ist kein üblicher Krimi. Kein Whodunit. Wir wissen, wer es getan hat. Die Frage ist: Was tut er als nächstes? Und wir sehen ihm dabei zu. Wann wird aus dem Schweigen eine Lüge, wann aus der Lüge ein Betrug? Die überschaubare Welt, in der die Geschichte passiert, lässt uns die Figuren und ihr Handeln sezierend beobachten. Die Aufgabe, aber auch die besondere Herausforderung für mich als Regisseur bestand darin, einen empathischen Blick auf den Polizisten zuzulassen, und uns alle beim Zusehen so zu verstricken, dass diese Empathie aufrechterhalten bleibt, obwohl er Täter ist. Alle sehen ihm zu, und keiner sieht die Wahrheit. Weil man sie manchmal auch nicht sehen will? Weil auch andere sich genauso verzweifelt an den gleichen Traum vom Glück klammern? Dass der Zuschauer daran teilhaben kann, führt dazu, dass er sich die gleichen Fragen stellen muss.

    Frédéric Hambalek: Die Geschichte um Martin Manz habe ich als "Heimat noir" bezeichnet, weil für mich der Film noir vor allem mit Vergeblichkeit zu tun hat. Alles Handeln der Hauptfigur führt letzten Endes nur zu noch mehr Problemen. Martin sieht sich mit einem existentiellen Dilemma konfrontiert – er kann nur zwischen schlechten und noch schlechteren Optionen wählen. Dies erzeugt ein Stimmungsbild, an dem ich interessiert war. Deshalb sollte der Film kein Lehrstück sein, sondern eine Erfahrung, die universell ist und die jeder Zuschauer im Kleinen schon einmal erlebt hat. So sollte dem Zuschauer ein Protagonist zur Seite gestellt werden, dessen Fehler man nicht gutheißen, aber die man nachvollziehen kann.

    Gabriela Sperl und Sophie von Uslar: In einer Zeit des schnellen Wandels scheint es, dass unsere gesellschaftlichen, aber auch unsere individuellen moralischen Evaluierungsmechanismen diffus werden. "Der Polizist und das Mädchen" ist die Geschichte eines Mannes, dessen moralischer Kompass außer Kontrolle gerät und ihn immer weiter weg führt von simplen Grundwerten, denen er verpflichtet ist. Heute propagieren immer öfter Menschen eine subjektive Wahrheit, die losgelöst von allgemeingültigen ethischen Werten ist, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Dieses "Wer sich selber glaubt, hat immer recht" ist eine der Grundlagen unseres Films. Die Geschichte erzählt unsere Zeit, in der "Alles ist möglich!" ethisch-moralische Grenzen sprengt.

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