Copyright: ZDF / Gordon Muehle
Copyright: ZDF / Gordon Muehle

Der Schneegänger

Der Fernsehfilm der Woche

Brandenburg in der Nähe von Berlin: Vor zwei Jahren ist der elfjährige Sohn kroatischer Einwanderer plötzlich verschwunden. Jetzt wird seine Leiche in einem Waldstück gefunden. Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring (Max Riemelt) zieht die junge Polizistin Sanela Beara (Nadja Bobyleva) zu den Ermittlungen hinzu. Sie ist in der kroatischen Exilgemeinde Berlins gut vernetzt.

Das Drehbuch schrieb Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann nach ihrem gleichnamigen Kriminalroman zusammen mit Regisseur Josef Rusnak.

  • ZDF, Montag, 22. Februar, 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 15. Februar 2021, 10.00 Uhr

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

ZDF: Montag, 22. Februar 2021, 20.15 Uhr
ZDFmediathek: ab Montag, 15. Februar 2021, 10.00 Uhr
Der Schneegänger
Der Fernsehfilm der Woche

Drehbuch_____Elisabeth Herrmann und Josef Rusnak nach dem gleichnamigen Roman von Elisabeth Herrmann
Regie_____Josef Rusnak
Kamera_____Cristian Pirjol
Montage_____Dirk Grau
Musik_____Mario Grigorov
Kostüm_____Nana Kolbinger
Ausstattung_____Marcus A. Berndt
Produktion_____Network Movie Film- und Fernsehproduktion
Produzenten_____Jutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge
Redaktion_____Daniel Blum (ZDF), Olaf Grunert (ZDF/ARTE)
Sendelänge_____90 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen
Sanela Beara_____Nadja Bobyleva
Lutz Gehring_____Max Riemelt
Darko Tudor_____Stipe Erceg
Lida Reinartz_____Edita Malovčić
Günter Reinartz_____Bernhard Schir
Darijo Tudor_____Talin Bartholomäus
Siegfried Reinartz_____Emil Belton
Tristan Reinartz_____Lui Eckardt
Tomislaw Beara_____Ralph Herforth
Theodor_____Jörg Pose
und andere

Inhalt

Zwei Jahre nach dem Verschwinden des damals elfjährigen Darijo wird seine Leiche in einem Waldstück nahe Berlin gefunden. Der Sohn kroatischer Eltern hat in der Villa des reichen Unternehmers Reinartz gewohnt, wo seine Mutter Lida Haushälterin war. Inzwischen ist sie mit dem Hausherrn verheiratet und bricht bei der Nachricht des Leichenfunds zusammen.
Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring zieht widerwillig die junge Polizistin Sanela Beara zu den Ermittlungen hinzu, die mit sechs Jahren aus Kroatien nach Deutschland kam und in der Berliner Exilgemeinde gut vernetzt ist. Das ungleiche Ermittlerduo erkennt bei den Beteiligten großen Verlustschmerz und noch größere Enttäuschung. So hegt Darijos Vater Darko, der als Wildhüter die Wolfsbestände rund um Berlin kontrolliert, einen unstillbaren Hass gegen seine Ex-Frau und ihren neuen Mann. Er gerät in Verdacht, Darjo ermordet zu haben, und wird verhaftet.
Nach Darijos Verschwinden ging man davon aus, dass er mit einem der beiden reichen Unternehmersöhne verwechselt und entführt worden sei. Jetzt stellt sich heraus, dass der Junge geraume Zeit vor seinem Tod schwer misshandelt worden war und bereits kurz nach seinem Verschwinden starb. Doch von den Misshandlungen will niemand etwas gewusst haben. Beara und Gehring versuchen mit allen Mitteln, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Beara sieht schließlich keinen anderen Weg, als verdeckt in der Reinartz-Villa zu ermitteln.

"Man muss den Stoff in 90 Minuten packen – das ist hart"
Fragen an Roman- und Drehbuchautorin Elisabeth Herrmann

Frau Herrmann, was hat Sie am Stoff von "Der Schneegänger" gereizt?

Das Berliner Umland gehört zu meinen Romanen einfach dazu. Brandenburg mit seinem weiten Land, den kleinen Dörfern und dieser manchmal großen, gegenseitigen Skepsis, die die Berliner und Brandenburger füreinander empfinden, das war für mich immer ein spannendes Umfeld. "Das Dorf der Mörder" hatte das schon als Thema, und im "Schneegänger" geht es ja nur vordergründig um die Rückkehr der Wölfe. Ich hatte irgendwann einmal "12 Monkeys" vor Augen: die Reconquista der Tiere. Der Mensch ist des Menschen Wolf, und wo könnte das besser spielen als in den rauen, verlassenen Ecken dieses Landes? Da kommen Umfeld und Geschichte einfach ganz großartig zusammen.

Sie sind sowohl die Autorin des Romans "Der Schneegänger" als auch – mit Regisseur Josef Rusnak – Drehbuchautorin des Films. Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei der Transformation von Buch zu Film?

Die größte Herausforderung ist das Kürzen. Das Zurücknehmen, auch der eigenen Eitelkeit. Man muss sich ganz in den Dienst eines "Erzählens in Schranken" stellen, sonst leidet man furchtbar! Also weg mit all den wunderbaren Sidekicks, Blindspuren, eigenwilligen Charakteren. Man muss den Stoff in 90 Minuten packen – das ist hart. Wenn man aber Schauspieler wie Nadja Bobyleva oder Max Riemelt hat, und einen Regisseur wie Josef Rusnak, dann ist das ein echter Glücksfall. Was man glaubt verloren zu haben, gewinnen sie zurück. Wichtig war mir, dass der Geist der Geschichte und eine Ahnung meiner Handschrift erkennbar bleiben. Das ist, glaube ich, ganz hervorragend gelungen.

"Der Schneegänger" ist einer der wenigen deutschen Krimis, der das Schicksal kroatischer Immigranten nach dem jugoslawischen Bürgerkrieg aufgreift. Wie sind Sie auf diese Thematik gekommen?

Während der Jugoslawienkriege waren rund 6.000 kroatische Flüchtlinge in Berlin. Als Journalistin habe ich einige kennengelernt und ihre Wege begleitet. Wahrscheinlich bin ich deshalb bis heute der Überzeugung, dass Flucht und Vertreibung ein Schicksal ist, das uns zu Hilfe und Beistand auffordert. Zudem haben rund ein Drittel der Berliner einen Migrationshintergrund. Mir fehlte das ein wenig in den Büchern, auf den Bühnen, im Fernsehen. Deshalb dachte ich, dass es an der Zeit wäre, eine Hauptfigur ins Rennen um die Leserherzen (und die Fernsehzuschauer) zu schicken, die eben keine urdeutsche Biographie haben. Sanela Beara hat mich dann handstreichartig erobert. Schon im Exposé habe ich sie vor mir gesehen, und beim Schreiben war sie die beste Sparringspartnerin, die man sich vorstellen kann. Vielleicht auch deshalb, weil ich ihr Schicksal nicht in den Vordergrund gestellt habe, sondern weil sie einen Fall lösen muss, der ihr fast das Herz bricht. Da ist es egal, ob man Kroatin oder Berlinerin ist: Dieser Fall ging mir nahe, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich versucht habe, ihn durch Sanelas Augen zu sehen.

Fragen an die Hauptdarsteller Nadja Bobyleva (Sanela Beara) und Max Riemelt (Lutz Gehring)

Was mögen Sie an Ihrer Filmfigur, was ist Ihnen fremd und warum?

Nadja Bobyleva: Ich mag an Sanela, dass sie so reserviert ist und ihre Gefühle nie richtig zum Ausdruck bringt. Sie ist verbissen und stur.

Max Riemelt: Gehring ist ein nüchterner, engagierter, aber nicht allzu emotionaler Polizist. Mir gefällt, dass er vielschichtig ist und dabei undurchschaubar bleibt. Der Polizeialltag und die dadurch entstehende Härte ist mir als Person eher fremd.

Kommissar Lutz Gehring ist ein ganz anderer Typ als seine Kollegin Sanela. Wie würden Sie die Beziehung zwischen den beiden beschreiben?

Max Riemelt: Es ist zunächst eine reine Arbeitsbeziehung. Gehring nutzt Sanela, um in seinem Fall weiterzukommen. Aus der Beobachtung in der Zusammenarbeit entwickelt er zum Ende hin Verständnis für sie und ihre Geschichte. Die entstehende Sympathie verlässt aber nicht die kollegiale Ebene.

Frau Bobyleva, zu Beginn des Films liefert sich Ihre Figur Sanela einen intensiven Fight mit einer Rivalin im Boxclub ihres Vaters. Haben Sie den Kampfsport extra für diesen Film gelernt? Wie stehen Sie persönlich zum Boxen?

Nadja Bobyleva: Ich habe vorher schon ein paar wenige Stunden Boxen ausprobiert, somit war mir das Training nicht fremd. Wir wollten für den Film den richtigen Sport finden. Ich war beim Boxen, Kickboxen und schließlich sind wir bei MMA gelandet, was mir am meisten Spaß gemacht hat, weil es sehr vielseitig ist. Boxkämpfe interessieren mich eher wenig, doch Boxen an sich ist eine besondere Art seine Kraft gezielt einzusetzen und positiv zu lenken, und somit auch eine tolle Therapieform.

Zu Beginn und am Ende des Films trifft Lutz Gehring seine Kollegin Sanela im Boxclub ihres Vaters an. Wie stehen Sie zum Kampfsport?

Max Riemelt: Der Kampfsport begleitet mich seit meiner Jugend und hilft mir bis heute Struktur für mein Leben zu finden. Es ist mehr als ein Sport, eher eine Lebenseinstellung. Die Boxclubszenen haben wir an meiner üblichen Trainingsstätte in Berlin gedreht. Diese Räume sind mir also sehr vertraut.

Frau Bobyleva, Sie sind in Moskau aufgewachsen und im Alter von neun Jahren nach Deutschland gekommen. Was nehmen Sie von der Vergangenheit mit in die Gegenwart?

Nadja Bobyleva: Es ist wichtig, die eigene Vergangenheit ruhen zu lassen und in Erfahrung umzuwandeln. Ich möchte meine Vergangenheit nicht als Ausrede dafür nutzen, nichts in meinem Leben verändern zu müssen. Wir können jedes Mal aufs Neue entscheiden, wer wir sein wollen. Was natürlich leichter gesagt als getan ist. Aber es ist absolut notwendig.

Drei Fragen an Stipe Erceg (Darko Tudor)

Herr Erceg, was halten Sie von Ihrer Filmfigur Darko?

Darko erinnert mich an einen alten Bekannten, der über Nacht Deutschland verlassen hat und in den Krieg zog. Er hieß auch Darko. Als er zurückkam, hat er sich das Leben genommen. Er war ein großherziger Mensch, und er hatte einen großen Sinn für Gerechtigkeit. Er mochte das Leben und blieb doch immer ein Fremder.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle gereizt?

Ich mag Josef Rusnak sehr und dachte: Verrückter Typ, mit dem kann man arbeiten.

Zu Beginn des Films sieht man Ihren Charakter Darko Tudor gemeinsam mit seinem Sohn bei der Wolfsjagd. Wie beurteilen Sie die Vater-Sohn-Beziehung der beiden?

Darko ist natürlich ein verletzter Mensch, und die Beziehung der beiden ist auch nur skizziert. Was sie aber sicherlich erzählen soll, ist wie immer Liebe. Jede Beziehung hat als Grund – Liebe.

Weitere Informationen

Fotos: Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/derschneegaenger

Impressum

 ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2021 ZDF 

Kontakt

Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
E-Mail: presse.berlin@zdf.de
Telefon: (030) 2099 1096