Die Arier

Was sind Arier und wo findet man sie?

Filmemacherin Mo Asumang und die Aufklärung über Rassismus heute

Was genau versteht man unter Ariern? Und wer verwendet die Bezeichnung für wen? Filmemacherin Mo Asumang, mit „Roots Germania“ und „Road to Rainbow“ schon zweimal – und unterstützt vom Kleinen Fernseh­spiel – im Themenfeld Rassismus unterwegs, hat sich auf die Suche nach einer Antwort begeben. Das Ergebnis ist unter dem Titel "Die Arier" am 5. Mai um 23.55 Uhr im ZDF und am 29. April um 22.15 Uhr auf ARTE zu sehen: eine abenteuerliche Reise zu Neonazis und Ku-Klux-Klan-Mit­gliedern sowie zu den historisch verbürgten Ariern im Iran.

  • ZDF, Montag, 5. Mai 2014, 23.55

    Texte

    Die Arier - Stab und Inhalt

    Buch und Regie

    Mo Asumang
    Kamera

    Susanna Salonen

    Yoliswa Gärtig

    Musik

    Eike Hosenfeldt 

    Moritz Denis 
    SchnittLena Rem 
    TonSilvio Naumann 
    RedaktionClaudia Tronnier (ZDF), Kathrin Brinkmann (ZDF/ARTE)

    Alle 30 Minuten findet in Deutschland eine rechtsextreme Straftat statt. Mehr und mehr rassistische Aktionen werden mit dem Wort Arier oder Aryan in Verbindung gebracht. So erhielt die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang selbst eine Morddrohung von den "White Aryan Rebels", die Unterstützer der NSU-Terrorzelle und Mitherausgeber des Magazins "The Aryan Law & Order" sind. Bei Beate Zschäpe findet man einen Artikel, der die "arische" Rasse erklärt, und in den USA werden unzählige Morde durch "Aryan Hategroups" verübt.

    Mo Asumang findet, es sei an der Zeit, der Sache mit den Ariern auf den Grund zu gehen. Sie begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Arierbegriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten. So besucht sie Propaganda-Veranstaltungen der selbsternannten Arier in Gera, Wismar und Potsdam. Sie forscht in Archiven und reist schließlich in den Iran, wo alte Inschriften den Ursprung des Arierbegriffs bezeugen und ihm eine ganz andere Bedeutung geben. In den USA trifft sie sich mit dem Ku-Klux-Klan und einem Top-Rassisten von schauerlichem Weltruf: Tom Metzger, dem Gründer der "White Aryan Resistance".

    Mo Asumangs Blick und Strategie im Film ist bisweilen entwaffnend einfach: Sie konfrontiert Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen, provoziert und irritiert schon allein durch ihre Anwesenheit und sucht hinter der hasserfüllten rechten Ideologie nach den dahinter stehenden Menschen.

    Mit Esther Bejarano, Felix Wiedemann, Josef Wiesenhöfer, Alireza Askari, Heidi Beirich, Tom Metzger, Klaus Theweleit und anderen. 

    Interview mit Mo Asumang über ihren Film "Die Arier"

    Ein Auslöser, Ihren Debütfilm „Roots Germania“ zu realisieren, war vor Jahren die Morddrohung der Neonazi-Band White Aryan Rebels gegen Sie – und Ihre Wut darüber. In Ihrem neuen Film „Die Arier“ begeben Sie sich zu einem Neonazi-Aufmarsch in Wismar fast schon gelassen und unaufgeregt. Was hat sich geändert?

    Bei „Roots Germania“ war es weniger Wut, als vielmehr Verzweiflung und das Empfinden: Jetzt reicht es, ich muss etwas unternehmen! Ich würde es auch nicht Gelassenheit nennen, mit der ich dem Neonazi-Aufmarsch in Wismar begegne – ich habe mich der Szenerie einfach als normaler Mensch genähert, der etwas beobachtet und Fragen stellt. In „Roots Germania“ musste ich noch mit der Angst ringen, mittlerweile konnte ich sie ablegen.

    Gehen Sie demnach mit einer pro­fessionellen Haltung darüber hin­weg, wenn die Neonazis auf Ihre Fragen beleidigend reagieren?

    Diese Beleidigungen sind etwas an­deres als eine Morddrohung. Und da ich am Ende einen Film realisieren möchte, aus dem Menschen etwas lernen können, empfiehlt es sich, pro­fessionell zu arbeiten. Ich habe die Verpflichtung, durch die ganze Misere durchzugehen. Und die Konfrontation mit meiner Person, ihrem Feindbild, verunsichert die Rassisten. Das war der Ausgangspunkt für den Film „Die Arier“: Ich gebe den Neonazis die Chance, sich zu äußern, dann offen­baren sie selbst ihren Wahnsinn.

    Während Sie in „Roots Germania“ Ihre Familienwurzeln väterlicher­seits auf einer Reise nach Ghana zurückverfolgen, zeigen Sie in „Die Arier“, dass Ihre Großeltern mütter­licherseits in die Nazi-Zeit verstrickt waren. Hat das erst die Filmre­cherche ans Tageslicht gefördert?

    Ich wusste vorher, dass meine Groß­mutter 1a-Schreiberin war, konnte mir aber nichts darunter vorstellen. Meine Mutter hat sich nach „Roots Germa­nia“ in dieser Frage auf Spurensuche begeben und festgestellt, dass meine Großmutter als 1a-Schreiberin bei der SS angestellt war und dort geheime Dokumente für die Waffen-SS geschrieben hat. Dass mein Großva­ter mit drei Hakenkreuzen verziert als Soldat im Krieg war, haben wir in den Details erst während der Entstehung des „Arier“-Films erfahren.

    Wie kam es denn zu der Idee, der Arier-Frage nachzugehen?

    Als Botschafterin für die Initiative Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage habe ich „Roots Ger­mania“ in vielen Schulen vorgeführt und dabei häufig erlebt, wie sowohl Schüler als auch Lehrer unter Ariern immer wieder den blonden Deutschen verstanden. Niemand wusste, dass arisch gar nicht deutsch bedeutet. Der Begriff wird immer noch so ver­standen, wie er in der Nazizeit miss­braucht worden ist. Im Film erzähle ich, was dahintersteckt.

    Sie zeigen es auch ganz konkret, indem Sie Arier im Iran aufsuchen. Wie schwierig war es, die Drehge­nehmigung dafür zu erhalten?

    Ich habe an die iranische Botschaft ganz offen geschrieben, was für einen Film ich drehe und dass es darin um Rassismus und Nazis geht – da sind wohl alle Alarmglocken angegangen. So hat es neun Monate gebraucht. Und erst nachdem ich klar machen konnte, dass ich nicht für den Mossad, die CIA oder die Bundesregierung ar­beite, sondern nur eine persönlich mo­tivierte Filmreise machen will, bekam ich die Erlaubnis.

    Und welchen Eindruck konnten Sie von den Nachfahren des zen­tralasiatischen Hirtenvolkes ge­winnen, denen Sie in den Hochebe­nen des Irans begegneten?

    In dem kleinen Ort Abyaneh haben meine Gesprächspartner deutlich ge­sagt, dass sie sich als Arier verstehen und dass Hitler verrückt gewesen sein müsse. Ich konnte für diese Interviews keine Vorgespräche führen, musste mich mit den abgestempelten und unterschriebenen Erlaubniszetteln durch die Straßen bewegen und war entsprechend angetan, dass ich so klare Aussagen bekam. Nur mit dem Archäologen Alireza Askari war ich an der in Stein gemeißelten Arier-Inschrift in Naqsh-e Rostam verabredet.

    Gleich danach wollten Sie überprü­fen, ob nur die Deutschen dem his­torischen Irrtum mit den Ariern als weißer Herrenrasse unterliegen und flogen in die USA, trafen Tom Metz­ger, den Gründer der White Aryan Resistance, und im Mittleren Wes­ten auch ein Ku-Klux-Klan-Mitglied, War Ihnen bei diesem nächtlichen Treffen in der Einöde nicht ein biss­chen mulmig zumute?

    Es war schon eine bedrohliche Sze­nerie um Mitternacht am Waldesrand, dazu das etwas holprige Gespräch mit dem maskierten Ku-Klux-Klan- Mitglied, gelegentlich waren die Mo­torräder zu hören, mit denen die an­deren Rassisten betrunken von ihrem Klan-Treffen nach Hause fuhren. Ich habe sehr langsam gesprochen und die Fragen spontan auf die jeweils sehr kurzen Antworten gestellt – so entstehen auch witzige Momente.

    Kann über gelegentliche Leichtig­keit das schwere Thema Rassismus besser vermittelt werden?

    Bildung allein schafft es jedenfalls nicht, den Rassismus zu überwinden. Wir müssen Herzblut und Engagement mit­bringen, ansonsten ändert sich nichts. Ich bin in diesem Jahr auch Botschaf­terin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für das Thema Rassismus – da gilt es in der Aufklärungsarbeit statt Wut sich seine emotionale Offenheit zu er­halten. Denn was sagte die Arierin im Iran: „Alle Menschen sind gleich.“ Gilt das nicht auch für Neonazis?

    Das Interview führte Thomas Hagedorn.

    Koproduktion von ZDF-Das kleine Fernsehspiel und ARTE "Die Arier" erhält Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte

    Regisseurin und Autorin Mo Asumang ist beim 19. Filmfestival Türkei/Deutschland 2014 in Nürnberg  für ihren von der ZDF-Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" in Zusammenarbeit mit ARTE koproduzierten Film "Die Arier" mit dem Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte ausgezeichnet worden. Der Preis wurde am 22. März 2014 in Nürnberg verliehen. "Die Arier" ist ein Dokumentarfilm über rechtsextreme Bewegungen weltweit - und ihre falsche Inanspruchnahme des Attributs "Arier". Mo Asumang begibt sich auf eine abenteuerliche Tour und trifft neben deutschen Neo-Nazis auch einen der führenden Rassisten in den USA, den berüchtigten Tom Metzger, sowie Ku Klux Klan Mitglieder im Mittleren Westen. Die Arier" ist eine persönliche Reise in den Wahnsinn des Rassismus. Das Filmfestival Türkei / Deutschland in Nürnberg ist das deutschlandweit wichtigste Festival für den interkulturellen Dialog zwischen dem deutschen und türkischen Kino. Es präsentiert jedes Jahr Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus beiden Ländern, die dem Publikum einen einzigartigen Überblick über das aktuelle Filmschaffen in Deutschland und der Türkei bietet.

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