Die Insassen

Tragikomödie

Wilhelm Löhring, seines Zeichens Manager eines großen, global agierenden Finanzunternehmens, erleidet einen spektakulären Nervenzusammenbruch. Er wird in die psychiatrische Klinik St.-Emilius eingeliefert. Allerdings versteht der Manager nicht, was er in einer Luxus-Nervenheilanstalt verloren hat. Zunächst versucht Löhring, sich selbst und allen anderen weiszumachen, dass er den Aufenthalt zum "Relaxen und sich mal gründlich durchchecken lassen" nutzt. Doch dann hat er eine geniale Idee.

  • ZDF, Donnerstag, 17. September 2015, 20.15 Uhr

Texte

Eine Herausforderung für Wolfgang Stumph!

Wenn man sich der Herausforderung stellen möchte, einen Film über psychisch kranke Menschen zu machen, dann ist Sensibilität gefragt.  Und wenn es dann auch noch eine Komödie sein soll, lauern Fallstricke und Fettnäpfchen an jeder Ecke. Mit der Ent­scheidung, den Roman "Die Insassen" der Bestsellerautorin Katharina Münk zu verfilmen, haben die Produzentin Kerstin Ramcke und wir uns heran gewagt an dieses Expe­riment.

Von Anfang an war klar, dass Wolfgang Stumph die Rolle des Wilhelm Löhring spielen sollte, dieses Finanzmanagers, der einen mentalen Zu­sammenbruch erleidet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird. Den satirischen Grundton der Romanvorlage beizubehalten war zu­nächst eine Verlockung, doch es kristalli­sierte sich heraus, dass in Zei­ten von Grexit, Bankenkrise und Niedrigzinsen den Menschen vermut­lich nichts ferner ist, als die kalte und mitleidlose Welt der Finanzjong­leure und Wirtschaftsha­sardeure. Doch wir wollten Empathie.

Martin Rauhaus, der die Romanvorlage kannte und schätzte, ist es ge­lungen, in seinem Drehbuch den Charakteren den Platz ein­zuräumen, den sie verdienen: Ja, Wilhelm Löhring ist Manager, Keith Winter ist Analyst, Karin Schlick Chefsekretärin und Hubert Wienkamp Personaler, aber eigentlich sind sie nur Opfer ihres Systems. Sie könnten auch je­den anderen Beruf der Welt ausü­ben und wären vielleicht auch in der Klinik St.-Emilius gelandet. Man verliert nämlich schnell den Boden unter den Füßen, wenn die Arbeit plötzlich zu viel Raum einnimmt im Leben, die Gefühle unterdrückt werden, weil man funktionieren muss und die Fragen nach Sinnhaftigkeit und Erfüllung längst nicht mehr die aus­schlaggebenden Kriterien für den Erfolg sind.

Mit der Entscheidung, sich von der Satire hin zu einer Tragikomödie zu bewegen, war es wichtig, nicht über diese Men­schen zu lachen, sich nicht lustig zu machen über ihre kleinen Neurosen und liebevollen Ticks, sondern mit ihnen zu leiden und zu lachen. Franziska Meyer Price ist in ihrer Inszenierung diesen Balanceakt sehr selbstbewusst angegangen. Mit feinem Humor und leisen Tönen entführt sie uns in die Welt von St. Emilius und seinen Patienten, guckt hinter die Fassade dieser sehr unter­schiedlichen Mitglieder der Projektgruppe "Bad Homburg" und hat trotzdem Spaß am Coup dieser Vier und an Situationen, die uns auch mal laut auflachen lassen.

Mit welch' feiner Akribie und Genauigkeit die Schauspieler, allen voran Maximilian Brückner, Jule Ronstedt und Thomas Kügel ihre Charaktere zeichnen, uns teilhaben lassen an ihrer Verzweiflung, Krankheit und Gesundung, zahlt ein auf die Verantwortung, die man übernimmt, wenn man sich dem Thema Psychische Krank­heiten widmet. Mit Clelia Sarto, Ludger Pistor, Walter Kreye, Leslie Malton, Jan Henrik Stahlberg und vielen anderen haben großartige Schauspieler die zunächst undankbar erscheinende Aufgabe übernommen, als vermeintliche Gegenspieler unserer Protagonisten aufzutreten. Und ihnen gelingen aufrichtige, lus­tige und warmherzige Momente, die "Die Insassen" als unterhaltsa­men Ensemblefilm kennzeichnen.

Die größte Überraschung dieses Films ist aber Wolfgang Stumph: So hat man ihn, den die Zuschauer über 20 Jahre als "Stubbe" kannten und liebten, und der in zahlreichen Komödien und Fern­sehfilmen sein humo­ristisches Talent unter Beweis gestellt hat, noch nicht gesehen. Abgrün­dig, am Anfang fast unsympathisch und ignorant, schafft es Stumph, uns immer mehr in Wilhelm Löhrings Seele blicken zu lassen, seine Verletz­lichkeit heraus zu arbeiten, seinen Drang Menschen zu manipulieren, weil man es halt so macht, ad absurdum zu führen und am Ende zumin­dest die Hoffnung zu verleihen, dass Wilhelm Löhring die Chance, die sich ihm während seiner Therapie bietet, auch nutzt. Der Cha­rakter Löhring war für Wolfgang Stumph eine Herausforderung, der er sich mit großer Sensibilität gewidmet hat und sein Zusam­menspiel mit Maximilian Brückner gehört zu den wahrhaftigsten Momenten dieses Films.

HR Fernsehfilm/Serie II ,  Berit Teschner

Stab

BuchMartin Rauhaus, nach dem gleichnami­gen Roman von Katharina Münk
RegieFranziska Meyer Price
KameraTheo Müller
KostümbildAngelika K. Huhn
TonAndreas Kluge
SzenenbildJörg Prinz
MusikEike Hosenfeld, Moritz Denis, Tim Stanzel
Schnitt Piet Schmelz 
CastingEmrah Ertem
MaskeRuth Ute Wagner, Margrit Baxmann
ProduktionLetterbox Filmproduktion GmbH, Hamburg
ProduzentinKerstin Ramcke
ProduktionsleitungMonika Praefke
HerstellungsleitungSibylle Maddauss
RedaktionBerit Teschner
Länge90 Minuten

Besetzung

Wilhelm LöhringWolfgang Stumph
Keith WinterMaximilian Brückner
Hubert WienkampThomas Kügel
Karin SchlickJule Ronstedt
Dr. Sabine JohansenClelia Sarto
Prof. Dr. FechtnerLudger Pistor
Heinrich von LohsewitzWalter Kreye
Klaus SteinfeldJan Henrik Stahlberg
Gisela LöhringLeslie Malton
Bodo Torsten Hammann
StefanBo Hansen
Frau WahrenMignon Remé
OberarztMartin May
Sekretärin FechtnerFranciska Friede
ChauffeurJens Schäfer
ZugbegleiterAlbrecht Ganskopf
HausmeisterSerkan Cetinkaya
ModeratorNeil Malik Abdullah
und andere

Inhalt

Der Tag, an dem sich Burnout und Paranoia die Hand reichen … ist der Tag, an dem Wilhelm Löhring, seines Zeichens Manager eines großen, global agierenden Finanzunternehmens, vor Publi­kum einen spektakulären Nervenzusammenbruch erleidet.

Löhring wird in die psychiatrische Klinik St.-Emilius eingeliefert. Professor Dr. Fechtner, der ehrgeizige Klinikleiter, sieht in der Heilung seines neuen Patienten die Chance, St.-Emilius' Renom­mee zu verlei­hen. Löhring allerdings versteht die Welt nicht mehr. Was soll er in einer Luxus-Nervenheilanstalt?

Zunächst versucht der körperlich und mental ziemlich Angeschla­gene, sich selbst und allen anderen weiszumachen, dass er den Aufenthalt im idyllisch-abgelegenen St.-Emilius zum "Relaxen und sich mal gründlich durchchecken lassen" nutzt. Doch Löhring erntet damit nur mitleidige Blicke. Schließlich fällt dem Finanzma­nager, dem "Krankheitseinsicht" in den Augen von Psychothera­peutin Dr. Sabine Johansen zunächst kom­plett fehlt, wie Schup­pen vor den Augen, warum er eigentlich hier gelan­det ist: Aus  dem Klinikverbund könnte man mit einem Börsengang ein florie­rendes Soulmanagement-Unternehmen machen.

Löhring, der durch sein fehlgeleitetes Streben nach Erfolg und sein in­tensives Wirken als Workaholic den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben  - wie seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Gisela - schon vor langer Zeit verloren hat, sucht sich für seine verrückte Idee Verbün­dete: Seine Therapiegruppe. Unter dem Namen "Projektgruppe Bad Homburg" haben Keith Winter, genialer Analyst mit autistischen Zügen, Karin Schlick, blitzge­scheite Chefsekretärin mit Depressionen und Hubert Wienkamp, jovialer Personalchef mit Zwangsneurosen, nach anfänglichem Zögern bald Spaß an diesem Coup.

Doch Löhring, bei dem Dr. Johansen in ihrer Einzeltherapie bald die richtigen Knöpfe drückt, spürt langsam aber sicher, dass ihm der Erfolg des Unternehmens gar nicht mehr so wichtig ist. Die Menschen, die we­gen ihm und ihm zuliebe Kopf und Kragen ris­kieren, um St.-Emilius an die Börse zu bringen, sind ihm ans Herz gewachsen, und die Rückbe­sinnung auf Freundschaft und das Eingeständnis von Versäumnissen in seinem bisherigen Leben lassen den sonst so überzeugten Finanzmanager am Sinn seines Schachzugs zweifeln.

Mit genauem Gespür

Statement der Produzentin Kerstin Ramcke

Franziska Meyer Price hat diesen Stoff entdeckt und ihn mir angeboten – ein Volltreffer, wie ich finde! Unter ihrer Regie ist ein temporeicher und vielschichtiger Film entstanden, der sich respektvoll und gleichzeitig mit hohem Unterhaltungswert einem wichtigen Thema nähert. Darüber hin­aus macht es unglaublich viel Freude, mit jemandem wie Wolfgang Stumph zu arbeiten, der sich mit Leidenschaft und gleichzeitig großer Klugheit in seine Rollen begibt und sich selbstlos jeder Herausforderung stellt. Er ist ein wunderbarer Partner in jeder Phase des Films – mit ho­hem Engagement und genauem Gespür für alle Feinheiten. Danke da­für!

Eine Gradwanderung

Interview mit der Regisseurin Franziska Meyer Price

Wie haben Sie es geschafft, die tragisch-komische Annäherung an diese Rolle filmisch umzusetzen? Was waren die Herausforderungen?

Die Romanvorlage war sehr gut, und der Autor Martin Rauhaus hat es zu einem guten Drehbuch umgesetzt. Damit ist schon mal eine Grund­basis geschaffen worden, mit der man gut arbeiten konnte. Dazu kam, dass ich mit meiner Traumbesetzung Wolfgang Stumph, Maximilian Brückner, Jule Ronstedt und Thomas Kügler eine wunderbare und sehr konzentrierte Zusammenarbeit schaffen konnte.

Das Thema Burnout ist ein wirklich ernstzunehmendes Problem, das man im Verlauf des Filmes nicht aus den Augen verlieren darf. Trotz allem soll der Zuschauer auch Spaß haben an der Aktion, die Klinik, in der man eigentlich als Patient eingewiesen ist, an die Börse zu bringen. Eine Tragikomödie, bzw. Satire wie diese ist eben immer eine Gradwan­derung.

Wie war die Zusammenarbeit mit Wolfgang Stumph?

Wir haben ja vor ein paar Jahren die Treuhandkomödie "Stankowskis Millionen" gedreht und fanden beide, dass wir unbedingt wieder zusam­men arbeiten wollen. Außerdem war es sein Wunsch nach der "Stubbe"-Ära auch eine andere Seite von sich zeigen zu können. Dann ergab sich dieses Projekt und er war für die Rolle des Wilhelm Löhring meine Wunschbesetzung.

Für Wolfgang war es sicher nicht einfach, in einer für ihn ungewöhnli­chen Sprache (Börse/Business/Finanzgeschäfte) zu sprechen, aber er hat es wirklich großartig gemeistert und wunderbar tiefsinnig gespielt. Es war eine sehr intensive und befruchtende Zusammenarbeit.

Das Interview führte Alisa Höhle

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