copyright ZDF/Reiner Bajo
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Endlich Witwer

Der Fernsehfilm der Woche

Joachim Weiser (Joachim Król) hat sein ganzes Leben gelernt, Gefühle zu unterdrücken, die Meinungen und Rechte anderer zu ignorieren und seinem Groll freien Lauf zu lassen. Als er seine Frau verliert, scheint es, als sei er nicht besonders betroffen. Doch von nun an wollen sich seine drei Kinder ununterbrochen um ihn kümmern und meinen, er brauche einen Plan. Aber Weiser verweigert sich jeder Neuausrichtung. Bis das Leben dazwischen kommt – in Gestalt von Gisela Rückert (Anneke Kim Sarnau), die auf eine Anzeige seiner Tochter hin ins Haus platzt, um seinen Haushalt auf Vordermann zu bringen.

  • ZDF, Montag, 13. Mai 2019, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch: Martin Rauhaus
Regie: Pia Strietmann
Schnitt: Sandy Saffeels
Kamera: Florian Emmerich
Kostüme: Riccarda Merten-Eicher
Musik: Martina Eisenreich
Szenenbild: Oliver Schiefner
Ton: Uwe Griem
Produktion: Bavaria Fiction, Doris Zander
Redaktion: Pit Rampelt

Besetzung

Georg Weiser - Joachim Król
Gisela Rückert - Anneke Kim Sarnau
Susanne Weiser - Friederike Kempter
Gerd Weiser - Tristan Seith
Uwe Kohlross - Andreas Hoppe
Herr Schulte-Bräucker - Dieter Hallervorden
Richard Jonas - Peter Jordan
Tom - Moritz Hoyer    
Dr. Hagedorn - Hilmar Eichhorn
Heidi Waschke - Anna Böttcher
Ingo Engler - Lutz Blochberger
und andere

Inhalt

Georg Weiser (Joachim Król) hat sein ganzes Leben gelernt, Gefühle nicht zu fühlen, die Meinungen und Rechte anderer zu ignorieren und seinem Groll freien Lauf zu lassen. Als er seine Frau verliert, scheint es, als sei er nicht besonders betroffen. Doch seine Kinder geben keine Ruhe. Während zwischen ihm und seinem Sohn Gerd ein alter Streit neu aufflammt, will sich seine Tochter Susanne um ihn kümmern und meint, er brauche einen Plan. Aber Weiser verweigert sich jeder Neuausrichtung. Bis Gisela Rückert (Anneke Kim Sarnau) in sein Leben tritt, die ihm beibringt, dass dieses Leben vielleicht doch ein klein wenig komplexer ist, als er es wahrhaben möchte.

Kommödiant Król als Witwer Weiser
Die Menschwerdung eines Misanthropen

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei dem ZDF-Fernsehfilm „Der Bankraub“ (2016) gab es den Wunsch, in der gleichen Personenkonstellation mit einem neuen Projekt daran anzuknüpfen. So überlegten die Produzentin Doris Zander, der Autor Martin Rauhaus und der Hauptdarsteller Joachim Król mit der ZDF-Fernsehspielredaktion, welche Geschichte man gemeinsam erzählen wolle. Joachim Król überraschte uns mit der Idee, er könne sich gut vorstellen, eine Figur wie ‚Ekel Alfred‘ wiederzubeleben (in der Kult-Serie „Ein Herz und eine Seele“ 1973 bis 1976 von Heinz Schubert gespielt).
So inspiriert schrieb Martin Rauhaus mit dem Witwer Georg Weiser einen auf Joachim Król zugeschnittenen, gleichermaßen heiteren wie berührenden Charakter. Dabei wird ‚Ekel Alfred‘ auf die heutige Zeit gemünzt variiert und einer Entwicklungs-Dramaturgie unterzogen. Der klassische Topos, die Verwandlung eines mürrisch-egoistischen Griesgrams zu einem freundlich-sympathischen Menschen, erinnert in Króls temperamentvoller und differenzierter Rollengestaltung z.B. an den Wiener Schauspieler Hans Moser und an die Jack Nicholson-Filme „About Schmidt“ und „Besser geht’s nicht“.
Diese seelenvolle Familien-Dramödie über die Menschwerdung eines Misanthropen hat die Regisseurin Pia Strietmann stilbewusst und wunderbar einfallsreich inszeniert. Die Filmkomponistin Martina Eisenreich hat eine Musik beigesteuert, die die Waage zwischen Komik und Tragik treffend und fein ausbalanciert.
Aus dem bis in die Nebenrollen durchweg stimmig besetzten Schauspiel-Ensemble ist neben Króls ebenbürtiger Partnerin Anneke Kim Sarnau, seinen höchst unterschiedlichen, erwachsenen ‚Filmkindern‘ Friederike Kempter und Tristan Seith und dem ehemaligen Tatort-Kommissar Andreas Hoppe der musikalische Gastauftritt von Dieter Hallervorden als Klassenlehrer hervorzuheben. Mit Joachim Król, Anneke Kim Sarnau, Andreas Hoppe und Peter Jordan zeigen gleich mehrere Krimi-Stars hier ihre belebend-komödiantische Seite.
Mit viel Lachen und großem Applaus wurde der Film bei gleich drei Festivalauftritten bedacht: beim Münchner Filmfest, beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen und beim Biberacher Filmfest.

Pit Rampelt, Redaktion

Statement der Produzentin Doris Zander

Weiser ist nicht weise. Weiser weigert sich einfach irgendetwas zu sein. Weiser nimmt kein Blatt vor den Mund und überschreitet regelmäßig die Grenzen anderer. Weiser hat verlernt Rücksicht zu nehmen - und das ist auch gut so, wie er findet. Doch selbst ihn, der sich hartnäckig im Unglück seines Lebens eingerichtet hat, bringt der plötzliche Tod seiner Frau in Bewegung. Denn mit ihm treten neue Menschen, seine Kinder und alte Bekanntschaften vermehrt in sein Leben, denn das Leben findet immer einen Spalt, durch den es hindurchdringen kann.
"Endlich Witwer" ist ein besonders komisches Familiendrama. Am Anfang stand der Wunsch, einen möglichst unverwechselbaren Charakter zu erschaffen, skurril, sentimental und dennoch wahrhaftig. Herausgekommen ist ein berührender, witziger, tragischer Film, der sich nicht vor seiner Eigenart scheut.

Das Drehbuch von Martin Rauhaus überzeugte Regisseurin Pia Strietmann sofort. Eine intensive gemeinsame Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Hauptdarsteller Joachim Król führte zu großem Vertrauen bei Król, sich so zu zeigen - verwahrlost, lost, herzzerreißend einsam. Darüber hinaus holte sich Pia Strietmann, neben anderen,  mit dem Kameramann Florian Emmerich, der Komponistin Martina Eisenreich und dem Szenenbilder Olaf Schiefner, Kolleginnen und Kollegen an ihre Seite, mit denen sie gemeinsam den Film stilsicher durchkomponierte.
Ich freue mich, dass dieser besondere TV-Film die liebevolle Aufmerksamkeit durch viele Festivaleinladungen erfahren hat, die er verdient.

"Leben, lachen, lieben – am Arsch"
Interview mit Joachim Król

Herr Król, was für ein Problem hat denn der Georg Weiser?

Er sieht, dass die Zeit, die ihm noch bleibt, recht übersichtlich wird. Zu Beginn des Films erfahren wir, dass er sich dem Trennungswunsch seiner Frau anschließen möchte. Doch dann kommt der Sensenmann dazwischen und sorgt für Tatsachen. Georg Weiser ist ein Mensch, der glaubt, eine neue Chance verdient zu haben. Und wir dürfen ihm dabei zusehen, wie er sich irrt.

Der Irrtum dauert aber wohl schon länger an. Beliebt scheint er sich nicht gemacht zu haben. Unzufrieden mit sich selbst ist er vielleicht auch?

Wenn man in einer Beziehung lebt, gibt es immer zwei, die am Tisch sitzen. Von seiner Frau erfahren wir nicht all zu viel. Eine der Schlüsselszenen ist, wenn Weiser behauptet: "Wir hatten auch gute Zeiten". Und der Sohn fragt: "Wann denn? Du hast ja gar keine Ahnung." Es ist sicher nicht außergewöhnlich, dass Menschen gemeinsam unglücklich sind und verlernen, miteinander zu sprechen. Man lebt miteinander aneinander vorbei.  In unserer modernen Kommunikationsgesellschaft scheint eher der technische Aspekt im Vordergrund zu stehen. Das Gespräch und das miteinander umgehen sind zu einer Kunst geworden, die kaum noch jemand beherrscht.

Auf seinem gigantischen neuen Fernseher kann Weiser endlich so lange Sportsendungen sehen, wie er will. Aber dazwischen muss er auch immer mal die Werbung von bestimmten Dating-Portalen ertragen – Slogan: "Leben lachen, lieben". Er weiß es besser.

Solche Portale suggerieren den Leuten, es verliebt sich ein schöner Mensch in einen anderen schönen Menschen und alles wird gut. Dabei wird den Leuten nur das Geld aus der Tasche gezogen. Da sind Weisers Instinkte doch sehr wach, daher auch der deftige Kommentar.

Nun bricht in Georg Weisers Welt eine junge Frau ein, gespielt von Anneke Kim Sarnau, noch dazu mit Kind, die bei ihm Ordnung schaffen soll, und nötigt ihn zur Kommunikation.

Das geht erst mal schief, weil er Kommunikation einfach nicht mehr kann. Frau Rückert dringt in seinen Dunstkreis ein, was er ihr und anderen vehement untersagt. Mit ihrer pragmatischen Art und ihrer Stärke steht sie einem Mann gegenüber, der sich unbedingt dieser Situation entziehen möchte. Das finde ich spannend. Schließlich beeindruckt ihn ihre Geschichte. Um ihr zu helfen, wie man sich bei Verabredungen verhält, bietet er sich als Übungspartner an. An ihr hat er eigentlich kein Interesse, sondern eher an dem Spiel.

Was interessiert ihn denn an Gisela Rückerts Geschichte? Empathie würde man Weiser ja zunächst nicht unterstellen.

Georg Weiser hat im Lauf der Zeit den Blick auf die Lebenswirklichkeit anderer Menschen komplett verloren. Dass ihn da eine Frau mit ihrer Realität konfrontiert, eine alleinerziehende Mutter, die eine Tragödie hinter sich und gar keine andere Wahl hat, als ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. In dem Moment erscheint ihm diese Frau so vital und überzeugend, wie er das gar nicht mehr kannte.

Rührt sie an Weisers verschüttete Ideale aus seiner bewegten Jugend?

Ja, genau. Hatten wir nicht  alle Ideale in unserer Jungend? Und jeder hat doch Dinge aufgeben müssen, karrierebedingt, biografisch bedingt, beziehungsbedingt.  Oder aus anderen Gründen. Dass wir aus einer viel wilderen Zeit kommen, erscheint uns allerdings nur individuell so. Mein Sohn würde mir jederzeit erklären, dass die Unterscheide zwischen Gestern und Heute gar nicht so groß sind.
An seine eigene Anarchozeit erinnert sich Weiser durch seinen alten Schulfreund, gespielt von Andreas Hoppe, der dann wie ein Engelsfigur auftaucht, wenn es brenzlig wird. Das ist natürlich ein schönes Pfund für eine Komödie.

Und Gisela Rückert ist letztlich Weiser Rettung?

Alleine hat es meiner Meinung nach noch keiner geschafft, sich aus der Endlosschleife des Alltags zu befreien. Frau Rückert ist in diesem Fall ein Geschenk des Himmels. Sie ist der große Katalysator für Weisers Entwicklung.

Das Interview führte Sabine Dreher.

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