Engel unter Wasser - Ein Nordseekrimi

Der Fernsehfilm der Woche

In einer stürmischen Nacht verschwindet auf einer Nordseeinsel die kleine Anne Kampe. Als die Leiche des Mädchens am nächsten Tag im Bett des Dorftrottels Michael Brandstetter ge­funden wird, scheint der Fall klar zu sein. Brandstetter wird vom Inselpolizisten Ströver inhaftiert. Trotzdem wollen sich die beiden Kommissare Lubosch und Steinhilb ein eigenes Bild machen und befragen die Familie. Doch die beiden Ermittler vom Festland stoßen bald auf Ungereimtheiten.

  • ZDF, Montag, 28. September 2015, 20.15 Uhr

Texte

Stab

BuchJörg von Schlebrügge, Roderick Warich
RegieMichael Schneider
KameraAndreas Zickgraf
MusikDirk Leupholz
KostümPetra Kilian
Maske Maike Heinlein, Markus Hollinger
TonGunnar Voigt
SzenenbildAnke Osterloh
ProduktionNetwork Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Köln
ProduzentenWolfgang Cimera, Bettina Wente
Producerin Nina Güde
ProduktionsleitungFrank W. Mähr
HerstellungsleitungAndreas Breyer
RedaktionDaniel Blum
Länge88'49 Minuten

Besetzung

Judith BordinAnna Maria Mühe
Mark LuboschHanno Koffler
Walter SteinhilbWalter Kreye
Christian StröverMaxim Mehmet
Sybille KampeAnna Schudt
Laura Kampe Emilia Pieske
Alfred BordinGerhard Garbers
Werner KampeSascha Alexander Gersak
Doktor KesslerJan Peter Heyne
Anna KampeJohanna Haberland
TouristinPatricia Aulitzky
Michael BrandstetterHeiko Pinkowski
und andere

Inhalt

Ein totes Mädchen, ein verhaltensauffälliger Verdächtiger, eine verlorene Familie, ein dunkles Geheimnis. Zwei Polizisten und eine junge Mutter auf der Suche nach der Wahrheit.

Auf einer Nordseeinsel verschwindet die kleine Anna Kampe. Als die Leiche des Mädchens am nächsten Tag im Bett des Dorftrottels Michael Brandstetter gefunden wird, scheint der Fall klar zu sein. Brandstetter wird vom Inselpolizisten Ströver inhaftiert. Trotzdem wollen sich die beiden Kommissare vom Festland, Lubosch und Steinhilb, ein eigenes Bild machen und befragen die Familie von Anna nach den Vorkommnissen der Nacht: die Eltern Sibylle und Werner Kampe, Annas kleine Schwester Laura, sowie Sibylles Vater Alfred Bordin. Doch nicht nur die beiden Polizisten stoßen bald auf Ungereimtheiten: Sibylles Schwester Judith Bordin kommt zurück und trifft auf ihre leibliche Tochter Laura, die sie seinerzeit überfordert bei Sibylle zurücklassen hat.

Judith spürt, dass in ihrer Familie etwas nicht stimmt. Laura erzählt Judith, dass Anna immer "Medizin" nehmen musste – und zeigt ihr dabei die Antidepressiva im Nachttisch von Sibylle. Entspringt diese Geschichte nur der kindlichen Fantasie einer Sechsjährigen, oder ist wirklich etwas dran? Judith ist geschockt und konfrontiert zunächst ihren Vater, dann auch ihre Schwester mit der Ungeheuerlichkeit. Sibylle gibt schließlich zu, Anna ab und zu mit den Tabletten "beruhigt" zu haben. Eine tödliche Dosis hat Anna allerdings selbst genommen: der Brief, den sie Sibylle geschrieben hat, liest sich wie ein Abschiedsbrief.

Judith ist geschockt und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Was ist mit der Loyalität gegenüber ihrer Schwester, die engelsgleich und selbstlos für die Familie da ist und sich aufopfert, während sie selbst, Judith, bei den erstbesten Problemen verschwindet? Aber kann sie ihre Tochter Laura wirklich in dieser Obhut lassen?

Düster, still und emotional

Interview mit Hanno Koffler (Kommissar Lubosch)

Herr Koffler, in "Engel unter Wasser" verschwindet ein klei­nes Kind. Sie sind selbst Vater. Schafft man es, das Dreh­buch nur als Schauspieler zu lesen, oder liest man es gleich­zeitig auch aus der Sicht eines Vaters?

Also, der Schauspieler Hanno ist auch immer der Vater Hanno, und der Vater Hanno ist der Schauspieler Hanno. Ich bin, was ich bin, und lebe und lese als ganzer Mensch, mit allem was dazu gehört. Ich versuche, bei der Lektüre eines Drehbuchs sowieso immer unvoreingenommen und offen zu bleiben, mir nichts vorzunehmen und nichts wegzudrücken, ich will mich ja zuerst einmal berühren lassen, damit ich aus dem Bauch entscheiden kann, ob ich etwas machen will oder nicht. Das Buch hat mich beim ersten Lesen in jedem Fall emotional sehr mitgenommen. 

Was hat sie an dem Drehbuch überzeugt?

Ich mag es, wenn man sich bei dem Zuschauer nicht zu sehr an­biedert; der Zuschauer darf auch etwas gefordert werden. Und ich mag es, wenn sich neben den üblichen Fragen nach dem Mörder in einem Krimi auch eine Stimmung überträgt. In unserem Fall ist die Stimmung sehr düster, fast spröde. Manchmal sehr still und dann wieder ausgesprochen emotional. Das hat mir schon beim Lesen gefallen.

Bitte beschreiben Sie "Kommissar Lubosch".

Lubosch ist angelegt als junger Großstadtkommissar, der sich nicht in seine Karten schauen lässt. Es schwingt immer eine leichte Überheblichkeit oder Arroganz mit, die man ja kennt von Großstädtern, die sich in der Provinz aufhalten. Lubosch hat selber eine bewegte Vergangenheit hinter sich, was aber nicht weiter erklärt wird, vielleicht ahnt man es aber, weil es direkt eine Verbindung zu der Figur der jungen Judith gibt, die ein paar Vorstrafen hat und auch aus der Großstadt kommt. Lubosch redet wenig und konzentriert sich ausschließlich auf seine Arbeit. Zu Anfang glaubt er, dass sich die Sache schnell aufklären wird, doch dann gerät ihm der Fall aus den Händen, es läuft nicht so, wie er es sich gedacht hat und er verliert allmählich die Kontrolle. 

Wie geht Lubosch bei seinen Ermittlungen vor?

Lubosch ist, wie gesagt, kein großer Redenschwinger. Er denkt die Dinge für sich durch, er beobachtet, stellt mehr Fragen als dass er Antworten oder Thesen formuliert. Er geht den Sachen still aber sorgfältig auf den Grund. Er versucht, dabei seine Gefühle aus dem Spiel zu lassen, fast so, als hätte er keine, was ihm aber natürlich nicht gelingt. Ich glaube, spätestens wenn Lubosch zurück in der Stadt ist – auf dem Festland – wird ihn der ganze Fall noch mal einholen und ihm sehr zusetzen.

Ihre Filme spielen in sehr unterschiedlichen Genres. Was mögen Sie am Krimigenre? Sind Sie privat ein Krimifan oder eher nicht?

Ganz ehrlich? Ich bin kein großer Krimifan. Zumindest nicht im Deutschen Fernsehen. Ich weiß, dass wir in Deutschland eine unglaublich große Krimifangemeinde haben. Gibt es überhaupt eine Nation, die so viel Krimis sendet, wie wir hier in Deutschland? Mir sind sowohl die Charaktere als auch die Handlung in den meisten deutschen Fernsehkrimis oft zu dünn. Da fehlt mir oft die Stimmung, der Tiefgang, die Konsequenz in der Erzählweise, aber auch der Mut, mal etwas anderes auszuprobieren. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Zeit und Geld gibt für die Entwick­lung von guten Drehbüchern, da sind uns andere Länder weit vo­raus. Dass sich der "Tatort" beispielsweise immer mehr zu einem Fließbandprodukt entwickelt, betrachte ich sehr skeptisch.

Sie haben am Reinhard Seminar in Wien studiert und waren einige Jahre am Burgtheater engagiert. Inzwischen hat sich der Schwerpunkt Ihres Schaffens auf Film und Fernsehen verlagert. Vermissen Sie manchmal das Theater? Würden Sie gerne mal wieder Theater spielen?

Ich vermisse das Theater tatsächlich immer wieder sehr. Aber es ist schwer, alles unter einen Hut zu bekommen und man bekommt ja auch nicht immer die richtigen Angebote. Ich würde gerne wie­der Theater spielen, aber es geht ja auch darum, mit den richti­gen Menschen zusammenzuarbeiten, das muss sich erst wieder ergeben. 

Lubosch sagt im Film, er steht nicht so auf Inseln, vor allem wegen dem Drum rum. Geht es Ihnen ähnlich, wie Lubosch? Wie hat Ihnen die Insel Föhr gefallen? Könnten Sie sich vor­stellen, auf einer Insel zu leben?

Also, die Dreharbeiten auf Föhr waren sehr angenehm. Ich war als Kind oft am Meer und verbinde ein Gefühl von Heilung, Ruhe und Gesundheit mit dem Meer. Ich liebe die Weite, die Luft, die­ses andere Zeitgefühl. Allerdings kann das auch eine Art von Be­klemmung auslösen, die Stille kann manchmal unerträglich laut in einem sein. Immer auf der Insel leben, das wäre für mich nichts, aber im Gegensatz zu Lubosch bin ich persönlich gerne mal eine Zeitlang da!

Das Interview führte Ellen Wirth

Parallelwelten

Interview mit Anna Maria Mühe (Judith)

Frau Mühe, in "Engel unter Wasser" verschwindet ein kleines Kind. Sie sind selbst Mutter. Schafft man es, das Drehbuch nur als Schauspielerin zu lesen, oder liest man es gleichzeitig auch aus der Sicht einer Mutter?

Ja, das schafft man, vor allem weil meine Figur Judith ein merk­würdiges Verhältnis zum Muttersein hat. Dazu kommt noch, dass es nicht ihr Kind ist, welches verschwindet.

Was hat sie an dem Drehbuch überzeugt?

Ich mochte die Atmosphäre, die beiden Parallelwelten – aus Er­mittlersicht und aus der Mitte einer sehr komple­xen Familiengeschichte.

Bitte beschreiben Sie "Judith". Was mögen Sie an ihr? Gibt es Charakterzüge, die Ihnen nah oder gänzlich fremd sind?

Judith hat sich vor zehn Jahren dazu entschieden, die Insel zu verlassen, neu anzufangen. Ich glaube, sie geht mit dem Gefühl zurück, dass sie jetzt an einem Punkt in ihrem Le­ben ist, wo sie erwachsen genug ist, sich der Familie zu stellen. Judith ist eine mutige junge Frau, sie hat ein gutes Gespür für Zwischenmenschliches, das kenne ich von mir auch. Natürlich ist mir gänzlich fremd, wie eine Mutter ihr Baby nach der Geburt weggeben kann.

Warum überlässt Judith ihr Kind nach der Geburt ihrer Schwester Sybille? Was geht in Judith vor, als sie ihrer leib­lichen Tochter wieder begegnet?

Judith war nicht reif genug für ein Kind, um Mutter zu sein, um Verantwortung zu tragen. Sie hätte es abgetrieben, wäre da nicht ihre Schwester gewesen, die ihr versichert hat, dass sie es ihr abnehmen wird. Die erste Begegnung mit der Tochter ist sehr fremd, distanziert, auch körperlich weiß Judith nicht wohin mit sich.

Ihre Filme spielen in sehr unterschiedlichen Genres. Was mögen Sie am Krimigenre? Sind Sie privat auch ein Krimifan oder eher nicht?

Ich schaue sehr gerne Krimis und da gibt es unterschiedliche Dinge, die mich reizen. Das kann zum einen die Spannung sein, die kaum auszuhalten ist, und zum anderen das Atmosphärische, das emotional Geladene zwischen den Figuren.

Im Film ist Judith von der Insel in die Stadt gezogen. Sie le­ben in der Stadt. Könnten Sie sich vorstellen, auf einer Insel zu leben?

Ich liebe das Meer, ich würde es nicht kategorisch ausschließen, aber momentan sollte die Insel nicht zu weit weg sein. Oder man findet eine eigene Insel, wo auch Platz für alle Freunde ist.

Der Film wurde auf der Insel Föhr gedreht. Waren Sie zuvor schon mal auf Föhr? Was hat Ihnen bei Ihrem Aufenthalt auf der Insel besonders gut gefallen?

Ich war zum ersten Mal dort. Ich mochte die Weite, die Einsamkeit der Insel, die Reetdachhäuser. Das hat natürlich auch alles sehr gut in die Stimmung zum Film gepasst.

Das Interview führte Ellen Wirth

Familienbande

Interview mit Anna Schudt (Sybille Kampe)

Frau Schudt, in "Engel unter Wasser" verschwindet ein klei­nes Kind. Sie sind selbst Mutter. Schafft man es, das Dreh­buch nur als Schauspielerin zu lesen, oder liest man es gleichzeitig auch aus der Sicht einer Mutter?

Ich lese ein Drehbuch grundsätzlich als Mensch mit allem Inte­resse an einer Geschichte. Dabei sprechen mich verschiedene Aspekte an oder auch nicht. Ich lasse mich dabei nicht von etwas bestimmtem leiten, eher fängt mich etwas.

Was hat sie an dem Drehbuch überzeugt?

Die unausgesprochenen Familienbande, dieses Gespinst an Ab­hängigkeit, Liebe, Verachtung, Verantwortung und dem Nicht-Re­flektieren, sondern nur Sein, das hat mich sehr gereizt.

Bitte beschreiben Sie "Sybille". Was mögen Sie an ihr? Gibt es Charakterzüge, die Ihnen nah oder gänzlich fremd sind?

Sybille ist mir erst mal sehr fremd. Ich könnte nicht beschreiben, was ich an ihr mag. Ich habe sie eher analysiert und dann ver­sucht, in ihrem Vorgehen eine Logik zu entdecken.

In dem Film geht es unter anderem um Depressionen. Wie empfin­den Sie den Umgang mit diesem Thema in unserer Gesell­schaft?

Unsere Gesellschaft ist zu vereinzelt. Dadurch bleiben Menschen in ihrem Rückzug sehr allein gelassen. Das ist gefährlich. Für alle psychischen "leisen" Krankheiten.

Ihre Filme spielen in sehr unterschiedlichen Genres. Was mögen Sie am Krimigenre? Sind Sie privat auch ein Krimifan oder eher nicht?

Ein guter Krimi ist etwas Großartiges. Ich bin Fan von allem, was außergewöhnlich ist, egal welches Genre.

Sie sind in zahlreichen Film-Produktionen zu sehen, aber auch immer wieder im Theater. Wie wichtig ist es für Sie, so­wohl auf der Bühne als auch vor der Kamera zu stehen?

Bühne und Kamera sind zwei sehr unterschiedliche Geschwister. Ich liebe beide, und beides gehört in mein Leben.

Der Film wurde auf der Insel Föhr gedreht. Waren Sie zuvor schon mal auf Föhr? Was hat Ihnen bei Ihrem Aufenthalt auf der Insel besonders gut gefallen?

An Inseln finde ich die abgeschlossene Welt ein Phänomen. Ich bin immer wieder gerne dort, allerdings pustet mir der Wind meistens zu stark. Die ewige Geräuschkulisse von Wind strengt mich an. Ich brauche immer wieder totale Stille.

Das Interview führte Ellen Wirth

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