Copyright: ZDF / Tobias Lenz
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Femizid - Wenn Männer Frauen töten

Film von Svaantje Schröder

Jeden dritten Tag bringt ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Ex-Partnerin um. Femizid heißt das Phänomen, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. In den Medien werden die Taten häufig als "Familiendrama" verharmlost. Eine ausführliche Berichterstattung findet vor allem über sogenannte Ehrenmorde als migrantisches Problem statt. Gewalt gegen Frauen betrifft jedoch alle gesellschaftlichen Gruppen. In der Dokumentation kommen Frauen zu Wort, die selbst physische, psychische, ökonomische und strukturelle Gewalt erlebt haben, und Frauen, die Femizide in ihrem unmittelbaren Umfeld erfahren mussten. 

  • ZDF info, Montag, 15. November 2021, 22.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Donnerstag, 11. November 2021, jeweils 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr, für 2 Jahre

Texte

Stab und Inhalt

ZDFinfo: Montag, 15. November 2021, 22.30 Uhr
ZDFmediathek: Ab Donnerstag, 11. November 2021, jeweils 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr, für 2 Jahre
Femizid - Wenn Männer Frauen töten

Film von Svaantje Schröder

Produktion: Bewegte Zeiten Filmproduktion
Redaktion: Michael Scheuch

Inhalt
Jeden dritten Tag bringt ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Ex-Partnerin um. Femizid heißt das Phänomen, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden.
In den Medien werden die Taten häufig als "Familiendrama" verharmlost. Eine ausführliche Berichterstattung findet vor allem über sogenannte Ehrenmorde als migrantisches Problem statt. Gewalt gegen Frauen betrifft jedoch alle gesellschaftlichen Gruppen.
In der Dokumentation kommen Frauen zu Wort, die selbst physische, psychische, ökonomische und strukturelle Gewalt erlebt haben, und Frauen, die Femizide in ihrem unmittelbaren Umfeld erfahren mussten.

Seit 2018 ist Deutschland zur Umsetzung der Istanbul-Konvention verpflichtet – einem Abkommen, das Mädchen und Frauen vor Gewalt schützen soll. Neben dem Ausbau von finanziellen, juristischen und psychologischen Unterstützungsangeboten für Frauen sieht die Istanbul-Konvention auch einen flächendeckenden Ausbau von Gewaltschutzambulanzen, Täterinitiativen und Frauenhäusern vor. Mit der Umsetzung geht es in Deutschland schleppend voran. Es fehlen aktuell 14.200 Frauenhausplätze.

Wie können Frauen in Deutschland vor gewalttätigen Männern geschützt werden?
Eine Antwort findet man möglicherweise in Spanien. 2004 wurde dort ein europaweit bisher einzigartiges Gesetz zur Prävention und Beseitigung von geschlechtsspezifischer Gewalt erlassen. Der Schutz von Frauen gilt in Spanien als "Staatsaufgabe mit hoher Priorität". Der Soziologe und Psychologe Santiago Boria Sarto erklärt im Film, was Deutschland im Kampf gegen Femizide und Frauenhass von Spanien lernen kann.

Fragen an die Autorin und Regisseurin Svaantje Schröder

Was war für Sie die Initialzündung, einen Film über Femizid zu machen?

Gewalt gegen Frauen und Femizide sind kein Randphänomen, es betrifft nicht nur eine soziale Schicht oder einen bestimmten Kulturkreis – diese Tatsache ist in der breiten deutschen Mehrheitsgesellschaft noch nicht angekommen. Wir neigen dazu Gewalt anderen zuzuschreiben, also MigrantInnen oder Menschen aus so genannten sozial schwachen Schichten. Deshalb war die Hauptmotivation für diesen Film, zu zeigen, dass Gewalt gegen Frauen und Femizide in Deutschland 2021 uns alle angehen und jede einzelne treffen kann.

Wie lange haben Sie für den Film recherchiert?

Die Vorrecherche zu diesem Film hat vor mehr als einem Jahr begonnen, im Sommer 2021. Wir – ein Team aus drei Redakteurinnen – haben viele Vorgespräche und Telefonate geführt, haben versucht uns juristische und kriminologische Hintergründe und Fakten drauf zu packen und erst im Winter 2020/21 mit den Dreharbeiten begonnen.

Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Recherche und beim Dreh?

Wir haben mit vielen Frauen in der Recherche gesprochen, die hin- und hergerissen waren, ob sie ihre Gewaltgeschichte mit der breiten Öffentlichkeit teilen wollen oder nicht. Angst und Scham spielte eine große Rolle. Viele Frauen, wie zum Beispiel eine ehemalige Sexarbeiterin, die wir gerne im Film hätten zu Wort kommen lassen, haben uns dann letztendlich eine Absage für den Dreh erteilt, weil sie sich körperlich und psychisch nicht dazu imstande fühlten. Deshalb war es eine langer Rechercheweg bis wir die Frauen, die nun auch in der Doku zu sehen sind, gefunden haben. Wir wollten niemanden überreden. Es war uns wichtig, dass die Frauen ihre Geschichte wirklich erzählen wollen und die Veröffentlichung ihrer Geschichte auch ein Teil des persönlichen Heilungsprozesses sein kann.

Wie leicht oder schwer war es, Frauen zu finden, die bereit waren, über ihre schweren und demütigenden Erfahrungen vor der Kamera zu erzählen?

Wir standen sehr früh in Kontakt zu Frauenhäusern und anderen Vereinen und Initiativen, die mit von Gewalt betroffenen Frauen arbeiten. Besonders das Frauenhaus in Gotha, der Verein Hennamond und die Rechtsanwältin Christina Clemm haben uns sehr geholfen, in Kontakt zu den betroffenen Frauen zu kommen. Wir haben immer erst einmal ohne Kamera ein Vorgespräch geführt und dann die Protagonistin entscheiden lassen, ob sie sich mit einer Aufnahme wohl fühlt oder nicht. Mit Klarnamen und unverfremdetem Gesicht vor die Kamera zu treten, war für alle Frauen ein großer und mutiger Schritt.

Gibt es für Sie unerwartete Erkenntnisse, die Sie durch die Arbeit an dem Film gemacht haben? 

Bevor ich mich für diesen Film intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, war ich davon überzeugt, dass wir hier in Deutschland gut aufgestellt sind, wenn es um Hilfsangebote für Frauen geht. Doch das Gegenteil ist der Fall, wenn es um den Schutz von Frauen vor Gewalt geht. Es gibt nicht genug Frauenhausplätze, keine flächendeckend ausgebauten Angebote für Täter und viel zu wenig präventive Maßnahmen. All das fordert die Istanbul Konvention, zu deren Umsetzung Deutschland seit 2018 verpflichtet ist.

Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs

Biografie von Svaantje Schröder

Svaantje Schröder, Jahrgang 1988, arbeitet als Autorin und Regisseurin bei der Bewegte Zeiten Filmproduktion in Wiesbaden. Sie studierte Politikwissenschaften und Soziologie in Frankfurt. Nach ihrem Masterstudiengang am Journalistischen Seminar in Mainz arbeitete sie für das ZDF heute journal, für ZDFinfo und den SWR. Seit 2015 realisiert sie als Autorin und Regisseurin gesellschaftspolitische Dokumentationen und Reportagen für das ZDF, den SWR, den BR und 3sat. Ihr web-only Debüt "Aschenberg" hat unter anderem den Deutschen Sozialpreis 2021 erhalten.

Liste ausgewählter Arbeiten:
ZDFmediathek: "Aschenberg"
ZDFinfo: "Rechtsrock in Deutschland – Das Netzwerk der Neonazis"
ZDFinfo: "Die 7 größten Tricks der Populisten"

Infos zu ZDFinfo

Die Wissensvermittlung bleibt der Markenkern von ZDFinfo – mit langen Dokumentationsstrecken aus den Bereichen Zeitgeschichte, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft. Wissens-Dokus im "Fernsehen zum Mitreden" sind gefragt: ZDFinfo war auch 2020 der meistgesehene deutsche Dokumentations- und Informationssender mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent beim Gesamtpublikum und 1,7 Prozent Marktanteil bei den Jüngeren. In der ZDFmediathek erzielten die Abrufvideos von ZDFinfo rund 47 Millionen Sichtungen und steigern sich gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent.

Im Monat September 2021 hatte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,8 Prozent beim Gesamtpublikum und 2,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Im gesamten Jahr 2019 erreichte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,5 Prozent bei den Zuschauern gesamt und 1,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Im gesamten Jahr 2018 erreichte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,4 Prozent bei Zuschauer gesamt und in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen.

Zur Entwicklung der Marktanteile 2011 bis 2017:

ZDFinfo erreichte 2017 bei den Zuschauern gesamt einen Marktanteil von 1,2 Prozent – und steigerte seinen Marktanteil in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen auf 1,3 Prozent. 2016 hatte der Digitalsender gegenüber 2015 um 0,2 Prozent zugelegt. Der Sender erreichte sowohl bei den Zuschauern gesamt als auch in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 1,2 Prozent. Im Jahr 2015 erreichte ZDFinfo 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen und 1,0 Prozent bei den Zuschauern gesamt. 2014 lag der Marktanteil beim Gesamtpublikum und in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen bei 0,9 Prozent. Beim Start 2011 hatte ZDFinfo lediglich 0,1 Prozent Marktanteil und ist seitdem kontinuierlich gewachsen.

Weitere Informationen

Fotos über (06131) 70-16100, oder über https://presseportal.zdf.de/presse/femizid

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Telefon: (030) 2099 1096