Good Kill - Tod aus der Luft

ZDF-Montagskino - Free-TV-Premiere

Kann man aus 7000 Meilen Entfernung beurteilen, ob jemand Lebensmittel anbaut oder den Dünger zum Bombenbau verwendet? Regisseur Andrew Niccol ("Lord of War") zeichnet mit dem Drama ein realitätsnahes Bild von den psychischen Belastungen des Drohnenpiloten Thomas Egan (Ethan Hawke). Egan fliegt von einem Container in Las Vegas aus per Joystick Einsätze in Afghanistan, dabei kommen aber auch Zivilsten ums Leben. Im Anschluss an den Film zeigt das ZDF die Dokumentation "Drohnenkrieg – Tod aus der Luft", in der es unter anderen um die Pläne des Verteidigungsministeriums geht, eigene bewaffnete Drohnen zu beschaffen und entwickeln zu lassen.

  • ZDF, Montag, 27. Juli 2015, 22.15 Uhr (Film) - Montag, 27. Juli 2015, 23.50 Uhr (Dokumentation)

Texte

Abgründe einer Realität - Vorwort von Elmar Theveßen

Es ist ein "grauer Krieg", so nennt ihn am 12. September 2001 ein Journalist der Washington Post, weil dieser Krieg in einer Art Grauzone stattfindet und Eigenschaften aufweist, die so gar nicht dem klassischen Kriegsbegriff entsprechen. Er hat keine klaren Fronten, keine klaren Regeln. Als Waffen kann alles dienen – Menschen, Schiffe, Flugzeuge, Computer für Cyberattacken und Drohnen. Nach Nine Eleven – den Anschläge von New York und Washington – setzte die US-Regierung allein die Standards für den "grauen Krieg", die auch die westlichen Gesellschaft vor eine fast unmögliche Wahl stellen: Soll der Kampf gegen den Terrorismus die Werte einer aufgeklärten, demokratischen und freien Gesellschaft reflektieren oder ist die teilweise Aufgabe dieser Werte unerlässlich, um sie erfolgreich gegen den Angriff zu verteidigen. Die Fragen, wofür wir stehen und zu was wir bereit sind, sollten eigentlich zu einer tiefgreifenden Diskussion in der Gesellschaft führen, aber überall  - auch in Deutschland – flackerte diese nur sporadisch auf, wenn unangenehme Details des "grauen Krieges" an die Öffentlichkeit gelangten. 

Das gilt auch und ganz besonders für die Praxis der gezielten Tötungen durch Drohnenangriffe in verschiedenen Konfliktregionen dieser Welt. 2009 ließ der damals neu gewählte US-Präsident Barack Obama die Zahl der Drohneneinsätze massiv ausweiten. Seitdem fliegen die US-Luftwaffe und die CIA mehrere hunderttausend Missionen pro Jahr. Es werden mehr Piloten für die Steuerung dieser unbemannten Flugobjekte ausgebildet als für klassische Militärflugzeuge. Aber was wie eine gezielte Tötungsmaschinerie wirkt, fordert hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung. Allein in Pakistan kommen auf 20 getötete Terroristen fast 1000 zivile Opfer. Erstmals zeigt ein Spielfilm nun das ganze Ausmaß dieses "grauen Krieges", der teils unbemerkt von der Öffentlichkeit geführt wird.

Es ist ein Krieg ohne eindeutige Regeln für die Entscheidung über Leben und Tod eines Verdächtigen. Und ein Krieg, in dem auch die Piloten zu Opfern werden können. Sie sitzen in Containern mitten in der Wüste Nevadas, töten mit dem Joystick über eine Entfernung von vielen tausend Kilometern. Krieg wird zum 9-to-5-Job – morgens die Kinder zur Schule bringen, dann eine Schicht Töten ohne eigenes Risiko, aber mit direktem Kamerablick auf die Opfer, danach Grillen mit Freunden. 

Hauptdarsteller Ethan Hawke und Regisseur Andrew Niccol lenken den Blick auf die Abgründe einer Realität, von der die meisten lieber nichts wissen wollen. Dabei bezieht der Film keine eindeutige Position, legt nur schonungslos das moralische Dilemma offen, wie viel und welche Art von Gewalt möglicherweise unverzichtbar ist, um noch schlimmere Gewalt zu verhindern, von der aber niemand weiß, ob sie sonst Wirklichkeit würde.

In einer Zeit, in der auch die Bundeswehr die Beschaffung bewaffneter Drohnen fordert und manche Politiker nur zu gern diesen Wunsch erfüllen würden, bedarf es dringend einer gesellschaftlichen Diskussion über die Werkzeuge im Kampf gegen den Terrorismus. "Good Kill" und die großartige Dokumentation von Mona Botros sollten Anlass für eine offene Auseinandersetzung sein um den "grauen Krieg" und die Grenzen, die uns die Achtung der Menschenwürde und des Lebens anderer Menschen ziehen.

 

Elmar Theveßen

Stellvertretender ZDF-Chefredakteur und Terrorismusexperte

Stab und Besetzung

Stab

Drehbuch und Regie: Andrew Niccol

 

Besetzung 

Major Thomas Egan: Ethan Hawke

Lt. Colonel Jack Johns: Bruce Greenwood

Molly Egan: January Jones

Vera Suarez: Zoe Kravitz

Inhalt

Tagsüber steuert Thomas US-Kampfdrohnen von Las Vegas aus, abends sitzt er mit Frau und Kindern am heimischen Grill. Doch immer stärker nagen die Zweifel am Sinn seines Jobs an ihm. Als sich dann auch noch die CIA in die Arbeit des Militärs einmischt und immer skrupelloser agiert, ist für Thomas der Moment zum Handeln gekommen. Er verstößt gegen alle Regeln. Spannendes Polit-Drama mit Ethan Hawke in der Hauptrolle.

Tagsüber den Feind töten, abends die Ehefrau küssen und die Kinder ins Bett bringen. Das Leben des Drohnenpiloten Thomas Egan (Ethan Hawke) spielt sich zwischen extremen Gegensätzen ab. Gerade die eigene Sicherheit, während er wie in einem Videospiel das todbringende Knöpfchen drückt, macht dem Ex-Kampfpiloten schwer zu schaffen. Der wortkarge Mann, der nach Aussagen seiner Frau Molly (January Jones) stiller wird, wenn er wütend ist, zieht sich immer weiter zurück. Die Grenzen zwischen Kriegseinsatz und Privatleben verschwimmen.

Sein Vorgesetzter, Lt. Colonel Jack Johns (Bruce Greenwood), sieht die Nöte, in denen Egan steckt, aber er kann nicht helfen. Dessen Bitten, ihn endlich wieder einen Jet fliegen zu lassen, muss er regelmäßig ablehnen. Auch die neue Kollegin, Vera Suarez (Zoë Kravitz), versteht Thomas' Skrupel. Dann ändert die CIA die Spielregeln: Menschen werden getötet, weil ihr Verhalten einem errechneten Schema entspricht, und nicht, weil man klare Beweise hat, dass sie Terroristen sind. Kollateralschäden? Bedauerlich, aber manchmal unvermeidbar. Und Major Thomas Egan wird immer stiller.

Statement von Regisseur Andrew Niccol

Der Film handelt von der Geschichte eines Kampfpiloten der US Air Force, Major Tommy Egan, der Einsätze im Irak und Afghanistan geflogen ist.

Er ist immer noch im Einsatz in diesem Teil der Welt, aber nun arbeitet er in einer ganz anderen Art von Cockpit. Er ist Drohnenpilot und kämpft an einem Joystick in einem klimatisierten Container von einer Militärbasis am Rande von Las Vegas aus, 7000 Meilen vom Kampfgebiet entfernt.

Es geht um die neue Schizophrenie der Kriegsführung. Nachdem er 12 Stunden am Tag gegen die Taliban kämpft, kehrt Tommy in sein Vorort-Haus zurück, um sich die nächsten 12 Stunden mit Frau und Kindern auseinanderzusetzen.

Angesiedelt auf dem Höhepunkt der US-Drohnen-Einsätze, geht es um die moralischen Konflikte und das grundsätzliche Dilemma beim Einsatz dieser neuen Technologie.

Aber es ist vor allem eine persönliche Geschichte. Tommy wird zum Opfer eines Krieges, der Tausende von Meilen entfernt stattfindet, ohne dass er jemals in Gefahr gerät.

Er ist ein Pilot, der unter einer Kriegsneurose leidet und unter der Trauer um seine getöteten Kameraden im Einsatz. Dazu kommen Schuldgefühle, selbst soweit vom eigentlichen Kriegsschauplatz entfernt zu sein.

Tommy entfernt sich immer stärker von seinem Alltagsleben, von seiner Familie. Er fühlt viel stärker mit den Opfern und deren Familien mit, die er täglich aus der sicheren Distanz beobachtet.

Und am wichtigsten: er beginnt seine Mission zu hinterfragen. Produziert er durch seine Arbeit nicht mehr Terroristen  als er tötet? Ist er nun an einem Krieg beteiligt, für den es kein Ende gibt?

Hintergrundinformationen

Regisseur und Autor Andrew Niccol verzichtet  in "Good Kill - Tod aus der Luft"bewusst auf übermäßige Actionszenen und lässt stattdessen die Zuschauer einer Drohnen-Crew bei der Arbeit über die Schultern sehen. Die Explosionen sieht das Publikum aus der gleichen Perspektive wie die Drohnenpiloten - als bunte Pixel auf dem Bildschirm. So schafft es Niccol, eine beängstigende Nähe aufzubauen, und vermittelt eindrucksvoll die bedingten Entscheidungsmöglichkeiten der Piloten.

"Good Kill - Tod aus der Luft" ist hervorragend besetzt: Ethan Hawke ("Gattaca", "Before Sunset") ist die Rolle des immer mehr an seiner Mission zweifelnden Ex-Piloten auf den Leib geschrieben, January Jones ("Mad Men", "Tatsächlich ... Liebe") verkörpert kongenial die sich immer weiter entfremdende Ehefrau Molly. In weiteren Rollen sind Zoë Kravitz und Bruce Greenwood zu sehen.

Ganz ohne Joystick und technischen Schnickschnack ist Ethan Hawke in nächster Zeit auf der Leinwand zu sehen: Gleich für zwei Western steht der 1970 geborene Schauspieler vor der Kamera. Gerade abgedreht hat Hawke den Film "In a Valley of Violence" an der Seite von John Travolta, in dem ein Mann in einer kleinen Stadt Rache für seinen ermordeten Freund sucht. Für 2017 ist ein Remake von "Die glorreichen Sieben" angekündigt, in dem unter anderen auch Denzel Washington und Chris Pratt zu sehen sind. 

Pressestimmen zu  "Good Kill – Tod aus der Luft"

Nationale Pressestimmen

Andrew Niccols Film ist der Gegenentwurf zu solch einer patriotischen Schmonzette wie "Der Scharfschütze – American Sniper". "Good Kill" ist psychologisches und ideologisches Kammerspiel im fensterlosen Container - mit all der Ödnis, der Langeweile und zermürbenden Routine.

Deutschlandfunk

 

Der Film gibt keine Antwort, was ein guter und schlechter Krieg ist. Er zeigt aber, wie pervers er geworden ist. Die Diskussion, ob Drohnen ein Fortschritt in der Kriegsführung sind, überlässt der Film dem Zuschauer. Und er zeigt, dass hinter jeder Waffe Menschen stecken, die daran zerbrechen zu töten.

ttt

 

Dem israelischen Künstler Omer Fast gebührt das Verdienst, mit seiner Videoarbeit "5000 Feet Is the Best" den ersten wichtigen Film über die neue Kriegsform gedreht zu haben. Doch Niccols Sicht der Dinge ist von einer so ungeheuerlichen Deutlichkeit, dass sie sich einreiht in die großen Antikriegsfilme der Vergangenheit.

DIE WELT

 

 

Internationale Pressestimmen

Obwohl Niccol in "Good Kill" bewusst die Intensität von Anti-Kriegsdramen wie "Tödliches Kommando" oder "Zero Dark Thirty" meidet, ist sein gemessener Ton umso mitreißender, komplexer und beunruhigender.

The Hollywood Reporter

 

"Good Kill" besitzt zwar nicht die Fantasie eines "Gattaca" oder "Die Truman Show", doch dieses kluge und leise pulsierende Kriegsdrama ist sicherlich eines der stärksten Werke in Andrew Niccols Filmografie.

Variety

 

Dies ist "Top Gun" mit dem Daumen des Videospielers: Ethan Hawke glänzt in einer komplexen Charakterstudie, die sich zum Gefechtsthriller wandelt.

Empire UK

Dokumentation "Drohnenkrieg - Tod aus der Luft", Montag, 27. Juli 2015, 23.50 Uhr

"Gezielte Tötungen" durch Kampfdrohnen - gesteuert von Soldaten, die zehntausende Kilometer entfernt sitzen. Auch die Bundesrepublik plant, bewaffnete Drohnen zu beschaffen.

Unter Präsident Obama bauten die USA ein Netz von Stützpunkten aus, von denen Drohnen in Krisengebiete starten und Terrorverdächtige angeblich gezielt töten. Eine Schlüsselfunktion soll dabei auch die US-Airbase im rheinland-pfälzischen Ramstein spielen.

Der Krieg scheint seine Grenzen verloren zu haben. Tödliche Schläge erfolgen auf der vagen Grundlage von Geheimdienstbeobachtungen. In den USA erfährt diese Politik Umfragen zufolge breite Zustimmung. In Deutschland aber ist schon der Einsatz von unbewaffneten Drohnen umstritten. Mit ihren Plänen löst die Bundesregierung eine emotional geführte gesellschaftliche Debatte aus.

Macht es einen Unterschied, ob der Soldat über dem Kampfgebiet im Cockpit sitzt oder zehntausende Kilometer entfernt in der heimischen Kaserne? Lassen Drohnen eine emotionale Distanz zum Kampfgeschehen entstehen, die sich auf Entscheidungen problematisch auswirkt? Wer kontrolliert und legitimiert die Auswahl der Ziele? Und wie genau sind die Bilder und Erkenntnisse, die Grundlage der Entscheidung sind? 

Der ehemalige US-Drohnenpilot Brandon Bryant berichtet von den psychischen Belastungen während seines Einsatzes im vermeintlich friedlichen Container in Nevada: "Irgendwann lässt es Dich nicht mehr los. Du gehst abends nach Hause, aber gedanklich bist Du immer noch in Afghanistan oder im Irak." Für die Betroffenen der Drohneneinsätze, etwa in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan, ist die ständige Bedrohung aus der Luft seit Jahren Alltag. Die Deutsch-Marokkanerin  Chadia Erdogan, die bei einem Drohnenangriff auf ihr Haus Angehörige und Freunde verlor, berichtet: "Die Drohnen kann man immer sehen - und immer hören."

Über die Befehlskette, den sogenannten "Targeting-Prozess", ist nur wenig bekannt. Wie wird eine Person zum Ziel eines Drohnenangriffs? Präsident Obama gibt an, über jeden Einsatz persönlich zu entscheiden. Die Dokumentation zeichnet den Entscheidungsprozess vom Schreibtisch des Präsidenten bis hin zum Abfeuern der Rakete nach - und zeigt die moralischen und rechtlichen Probleme der Drohneneinsätze auf.

 

Buch und Regie: Mona Botros

Redaktion: Christian Deick, Udo Frank

Online-Angebot

Jemen, 2015. Ein Fluggerät zieht seine Bahn am blauen Himmel, unbemerkt von den Männern, die sich unter ihm im Innenhof eines Hauses aufhalten. Was sie tun, bleibt dem Piloten nicht verborgen: Jede Bewegung, jeder Ausdruck in den Gesichtern wird registriert. Doch der Pilot sitzt nicht etwa im Cockpit der Maschine, sondern tausende Kilometer entfernt in der Nähe von Las Vegas vor einem Bildschirm. Vielleicht denkt er zwischendurch daran, was er nachher noch im Supermarkt einkaufen muss, wenn seine Schicht endet, vielleicht an das Football-Match nachher, für das er Karten hat. Dann bekommt er von seinem Vorgesetzten eine Freigabe zum Feuern. Er drückt auf einen Knopf am Joystick. Zwölf Sekunden später schlägt eine Hellfire-Rakete in dem Innenhof im Jemen ein. Die Drohne am Himmel hat den Feuerbefehl aus Las Vegas empfangen.

Was wie Science-Fiction klingt, ist längst Alltag gewordene Realität. Seit Jahren schon setzen vor allem die USA, aber auch andere Länder auf Drohnen: zur Aufklärung und für bewaffnete Einsätze. Doch welche immer ausgefeiltere Technik dahinter steckt, welche Rolle die US Air Base im rheinland-pfälzischen Ramstein für die Infrastruktur spielt und welch großes Ausmaß die Drohneneinsätze bereits angenommen haben, war der Öffentlichkeit bisher unbekannt. Wer tiefer in die Materie eintauchen und mehr über das US-Drohnenprogramm erfahren will, wird ab Montag, 20. Juli 2015, in unserer Webstory zum Thema "Tod aus der Luft" dazu Gelegenheit bekommen und viele wissenswerte Details entdecken sowie eine umfangreiche Wissensgrundlage zum Themenkomplex Kampfdrohnen erhalten.

Fotohinweis

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