Krabbenfischer vor der Küste von Gangneung, dem zweiten Ort der Olympischen Spiele.
Krabbenfischer vor der Küste von Gangneung, dem zweiten Ort der Olympischen Spiele.

Härter, reicher, besser, Südkorea!

Neue Dokus vor Olympia: Südkorea – Erfolg um jeden Preis / Die Spur führt nach Nordkorea / Gold für Kim

Nach jahrelanger Feindschaft mehren sich kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele 2018 die Anzeichen für eine Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea. Ein gemeinsames Eishockey-Team und ein gemeinsamer Auftritt auf der Eröffnungsfeier könnten Bewegung in die politische Feindschaft der Bruderstaaten bringen. Was Süd- und Nordkorea prägt, erkunden vor dem Olympia-Start vier neue Dokus in ZDFinfo. Und im ZDF heißt es am Donnerstag, 8. Februar 2018, 23.15 Uhr: "Härter, reicher, besser, Südkorea!". ZDF-Ostasien-Korrespondent Thomas Reichart stellt das Olympia-Ausrichterland vor.

  • ZDF, Donnerstag, 8. Februar 2018, 23.15 Uhr
  • ZDF info, Mittwoch, 7. Februar 2018, 19.30 bis 21.45 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Mittwoch, 7. Februar 2018

Texte

Sendetermine und Stab

Donnerstag, 8. Februar 2018, 23.15 Uhr, ZDF

Härter, reicher, besser, Südkorea!

Film von Thomas Reichart

Kamera: Ludger Nüschen, Toby Marshall
Produktion: ZDF
Redaktion: Paul Amberg, Markus Wenniges
Länge: ca. 30 Minuten

 

Mittwoch, 7. Februar 2018, 19.30 Uhr, ZDFinfo

Südkorea – Erfolg um jeden Preis

Produktion: JAVA
Redaktion: Beatrix Starke
Länge: ca. 45 Minuten

 

Mittwoch, 7. Februar 2018, 20.15 Uhr, ZDFinfo

Brudermord am Airport – Die Spur führt nach Nordkorea

Produktion: BBC
Redaktion: Natalie Zinkand
Länge: ca. 45 Minuten

 

Mittwoch, 7. Februar 2018, 21.00 Uhr, ZDFinfo

Gold für Kim – Ein Leben für Nordkoreas Führer

Film von Michael Höft

Redaktion: Isabelle Tümena, Wolfgang Aull
Länge: ca. 45 Minuten

 

Mittwoch, 7. Februar 2018, 21.45 Uhr, ZDFinfo

Undercover in Nordkorea – Im Reich des Kim Jong Un

Film von Alexis Breton

Produktion: JAVA
Redaktion: Wolfgang Aull, Imke Meier
Länge: ca. 45 Minuten

Härter, reicher, besser, Südkorea!

Südkorea kurz vor den Olympischen Winterspielen. Ein Land, über das viele wenig wissen, obwohl seine Geschichte von Teilung und Wirtschaftswunder der deutschen sehr ähnlich ist.

Südkorea gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Die Nachrichten aber werden von Kriegsdrohungen des nördlichen Bruderstaates bestimmt. Wie leben die Menschen damit? Und wie gehen sie mit dem starken Erfolgs- und Leistungsdruck in ihrer Gesellschaft um?

Als die Olympischen Winterspiele ins südkoreanische Pyeongchang vergeben wurden, gab es viel ungläubiges Staunen und jede Menge Fragen. Pyeongchang, wo soll das denn sein? Ist das nicht die Hauptstadt von Nordkorea? Gibt es dort überhaupt Schnee, kann man da Skifahren?

Es gibt viel zu entdecken in Südkorea. ZDF-Ostasien-Korrespondent Thomas Reichart reist quer durchs Land und erzählt Geschichten aus dem südkoreanischen Alltag, der häufig so anders ist als der deutsche. Und ja, es gibt Schnee dort. Allerdings haben die Südkoreaner mit dem Skifahren bislang noch gefremdelt. Thomas Reichart schaut dabei zu, wie sie sich damit anfreunden. Angeleitet von Skilehrern, die es selbst erst oft kürzlich gelernt haben.

Die Reise beginnt in Seoul, der brummenden, hektischen Metropole. Über ein Fünftel der südkoreanischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt. Sie ist Sitz der Konzerne, die Südkorea groß gemacht haben. Dort wird der Autor von dem jungen deutsch-koreanischen Architekten Daniel Tändler in die vibrierende Clubszene Seouls mitgenommen. Und Tändler lässt sich über die Schulter schauen, wie er Seouls architektonisches Gedächtnis, die traditionellen "hanok"-Häuser, vor dem Turbowachstum dieser Stadt rettet.

Bballi, bballi – immer schneller und schneller muss es im Arbeitsleben gehen. In Südkorea wird mehr und länger gearbeitet als fast überall sonst auf der Welt. Die südkoreanische Maxime lautet: "Höher, schneller, weiter". Es herrscht ein gnadenloser Erfolgs- und Leistungsdruck. Urlaub wird weniger genommen, als dem Einzelnen zusteht. Das Büro verlassen die Südkoreaner nicht, bevor der Chef gegangen ist. Und die jungen Leute hält man für faul, weil sie nur noch fünf Tage die Woche arbeiten.

Aber wenn dann spätabends die Bürolichter gelöscht werden, geht es in den Amüsiervierteln der Städte für Südkoreaner darum, die Arbeit möglichst schnell zu vergessen. Thomas Reichart zeigt, wie die Menschen in Südkorea nicht nur härter arbeiten, sondern sich dafür auch intensiver amüsieren wollen.

Die Gesellschaft ist angetrieben vom Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden des geteilten Landes, aber auch vom Wettbewerb zwischen den Menschen. "Härter, reicher, besser" – ein bisschen mehr geht immer in Südkorea.

"Olympia ist der Resonanzboden für diesen Film"
Fragen an ZDF-Ostasien-Korrespondent Thomas Reichart

Wie viel Raum nehmen die Olympischen Winterspiele in Ihrer Dokumentation ein?

Olympia ist der Resonanzboden für diesen Film, die Spiele treiben unsere Protagonisten um. Es ist aber kein Film über die Spiele, sondern über Südkorea. Wir wollen thematisch auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Wenn es um Korea geht, dann reden wir in der Regel über Raketen- und Atomtests aus dem Norden, haben Bilder, die uns merkwürdig befremdlich vorkommen, von einem übergewichtigen Diktator und ekstatisch jubelnden Massen. Es war klar, dass diese Olympischen Spiele im Schatten der weltpolitischen Spannungen mit Nordkorea stattfinden werden. Deshalb erschien es uns umso wichtiger, zu zeigen, was das für ein Land ist, in dem die Spiele stattfinden. Über Südkorea wissen wir erstaunlich wenig – umgekehrt wissen die Südkoreaner viel mehr über Deutschland, dessen Wiedervereinigung etwas ist, das sie sich für ihr eigenes Land wünschen.

Welche Orte in Südkorea stellen Sie in ihrer Doku vor?

Die Megametropole Seoul ist allein schon deswegen ein entscheidender Ort, weil dort ungefähr die Hälfte der südkoreanischen Bevölkerung lebt, rund 25 Millionen Einwohner. Im Kontrast dazu zeigen wir den ländlichen Raum, Gangneung, Ort der Hallenwettkämpfe, an der wilden Ostküste Koreas, und die Mittelgebirgslandschaft von Pyeongchang, wo die Wettbewerbe draußen stattfinden werden.

Inwiefern ist Südkorea "härter, reicher, besser"?

Südkorea hat einen Turboaufstieg von einem der ärmsten Länder zu einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften hingelegt. Es gibt hier den Spruch "Bballi, bballi" – "schneller, schneller". Dieses Prinzip begegnet einem in jedem Lebensbereich. Man hat den Eindruck, die Südkoreaner haben so viel vor, dass dafür 24 Stunden kaum reichen. Deshalb haben wir die Dokumentation als 24-Stunden-Tag aufgebaut, begleiten unterschiedliche Protagonisten: Flüchtlinge aus Nordkorea, die uns bei einem gemeinsamen Fußballspiel erzählt haben, wie schwer es ist, in der ultraschnellen, ultramodernen Gesellschaft Südkoreas Fuß zu fassen. Krabbenfischer, die frühmorgens bei Minusgraden aufs Meer fahren. Die machen das jeden Tag – wir wurden allein auf der Fahrt raus seekrank. Was uns auch immer begegnet: die Sehnsucht nach den Wurzeln, nach Tradition. Diesen Spagat zwischen Tradition und Moderne zeigen wir auch im Film: Die Protagonistin Kim Sora zum Beispiel spielt die traditionelle koreanische Trommel und verbindet das nun mit Videoinstallationen. Südkorea ist ein Land, das einen extremen Konkurrenzkampf hat. Dieses "immer mehr" prägt auch die Freizeit, wo man sich extremen Sachen aussetzt. Wir waren beispielsweise mit einer Gruppe junger Berufstätiger in Pyeongchang unterwegs und haben das eigentliche Wintervergnügen der Südkoreaner miterlebt: nicht Skifahren oder Langlauf, was dort immer noch eine Exotensportart ist, sondern ein sogenanntes Eisfestival, wo man am Eisloch steht und Forellen fängt. Wer ganz mutig ist, springt in Unterwäsche in eiskaltes Wasser und fängt die Forellen mit der Hand. Da hat es mich schon beim Zuschauen gefroren.

Wie offen sind die Menschen für politischen Dialog?

Sehr offen. Gerade im Vergleich zu Peking, wo wir es in unserer Arbeit mit ständiger staatlicher Überwachung zu tun haben. In China können unsere Interviewpartner, wenn es politisch wird, nicht wirklich frei reden, weil sie Konsequenzen befürchten müssen. In Südkorea merkt man: Das ist eine gewachsene Demokratie, wo die Leute ein politisches Bewusstsein haben und großen Wert auf ihre Rede- und Meinungsfreiheit legen.

Was erhoffen sich die Südkoreaner von den Olympischen Spielen?

Sie sind stolz darauf, der Welt ihr Land zu präsentieren. Sie wünschen sich friedliche Spiele, bei denen der Sport und das Land im Mittelpunkt stehen. Insofern war es für sie eine sehr gute Nachricht, dass die Nordkoreaner mit einer Delegation kommen, Nord und Süd unter einer gemeinsamen Flagge bei der Eröffnungsfeier einlaufen werden und es beim Eishockey der Frauen sogar ein gemeinsames Team geben wird. Damit verknüpfen die Südkoreaner auch die Hoffnung, dass sich die Lage insgesamt entspannen könnte. Da bin ich allerdings skeptisch, weil die Ziele völlig unterschiedlich sind. Kim Jong-un wird sein Raketen- und Atomprogramm nicht aufgeben und in den USA scheint es zunehmend Befürworter zu geben, die einen begrenzten Militärschlag zur Entwaffnung des Diktators für beherrschbar halten. Ich fürchte deshalb, dass das eine temporäre Entspannung ist und sich nach den Spielen der Konflikt wieder verschärfen wird.

Interview: Barbara Grüssinger

Südkorea – Erfolg um jeden Preis

Mit langen Arbeitszeiten, Arbeitsdisziplin und einem ehrgeizigen Schulsystem hat Südkorea es geschafft, eine der schlagkräftigsten Wirtschaften der Welt aufzubauen. Jeder dort hat dasselbe Ziel: erfolgreich sein und gewinnen. Doch die Zeiten ändern sich, das Limit scheint erreicht: Selbst, wenn die ökonomischen Werte weiterhin stimmen, wachsen auf der anderen Seite doch auch Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit.

Die Dokumentation wirft einen Blick hinter die Kulissen des Landes, in dem vom 9. bis 25. Februar 2018 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden.

Brudermord am Airport – Die Spur führt nach Nordkorea 

Am 13. Februar 2017 hatte Kim Jong Nams Aufenthalt im Flughafen von Kuala Lumpur verheerende Folgen: Der Halbbruder des "Obersten Führers" Nordkoreas wurde von zwei Unbekannten ermordet.

Seit fast 70 Jahren beherrscht die Familiendynastie der Kims die Demokratische Volksrepublik Korea. Die Dokumentation bietet Schilderungen aus Kim Jong Nams nächstem Umfeld und beleuchtet sowohl die Hintergründe des Mordes als auch die des Regimes.

Am 13. Februar 2017 betrat der Halbruder von Kim Jong Un das Flughafengebäude von Kuala Lumpur. Geplant war eine Reise nach Macau, doch dazu sollte es nicht kommen. Denn während seines Aufenthalts im Flughafen wurde Kim Jong Nam ermordet. Tatwaffe war einer der tödlichsten Kampfstoffe der Welt: die Substanz VX. Nur wenige Tage später verhaftete man zwei tatverdächtige Frauen aus Vietnam und Indonesien, doch Aufnahmen der Sicherheitskameras am Flughafen legen den Verdacht nahe, dass nordkoreanische Geheimdienstmitarbeiter beteiligt gewesen sein könnten.

Die preisgekrönte Dokumentation beleuchtet die Hintergründe einer erbitterten Familienfehde, geprägt von Geheimdiensten und internationalen Waffengeschäften. Sie blickt hinter Kulissen, um die Motive für den Mord zu verstehen und Antworten zu finden auf die Frage, wie die Familiendiktatur der Kims seit fast 70 Jahren ein ganzes Land indoktrinieren und unterjochen kann.

Gold für Kim – Ein Leben für Nordkoreas Führer

Aus dem Inneren Nordkoreas dringt wenig nach außen. Wie Mangelwirtschaft und Blockwart-Kultur das Alltagsleben prägen, davon ist in der offiziellen Propaganda nichts zu sehen. Glitzerbauten, riesige Statuen des Vaters und des Großvaters von Kim Jong Un, aufwändige Inszenierungen von Macht und Größe sollen der Erbauung dienen – und über die Niederungen des kommunistischen Alltags hinwegtrösten.

Reporter Michael Höft hat sich im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Südkorea die Erkundung des sportlichen Nordkorea vorgenommen. Stadien, Sporthallen, Reit-Clubs, Bolzplätze und Wintersportresorts sind Orte, die Nordkorea dem Besucher aus dem kapitalistischen Ausland gerne zeigt. Über das Thema Sport findet sich ein leichter und unkomplizierter Zugang zu den Menschen in dem hermetisch abgeriegelten Land. Die Dokumentation begleitet verschiedene Hobby- und Leistungssportler in ihrem Trainingsalltag.

Undercover in Nordkorea – Im Reich des Kim Jong Un

Kim Jong Un, der "Oberste Führer" Nordkoreas, provoziert die internationale Öffentlichkeit regelmäßig mit neuen Raketenabschüssen. Immer wieder warnt Nordkorea mit drastischen Worten vor einer nuklearen Option. Ein Krieg ist nicht mehr ausgeschlossen. Weiß die nordkoreanische Bevölkerung um diese Gefahr?

In der Dokumentation "Undercover in Nordkorea" geht der Reporter Alexis Breton – getarnt als Tourist – auf Spurensuche im geheimnisvollen Land der Welt. Immer unter der Aufsicht der Behörden gelingt es dem Undercover-Journalisten trotzdem, unbemerkt zu filmen und so Einblicke in eine Gesellschaft zu ermöglichen, die täglicher Propaganda und dauernder Kontrolle ausgesetzt ist. Der Hass auf Amerika ist Staatsdoktrin und wird schon den Kleinsten vermittelt. Die Abbildungen von Raketen auf Plakaten und in Fernsehspots sind allgegenwärtig. Angst vor einem Krieg mit den USA scheint in Nordkorea niemand zu haben.

Zur Biografie von Ostasien-Korrespondent Thomas Reichart

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100,
und über https://presseportal.zdf.de/presse/suedkorea
https://presseportal.zdf.de/presse/korea  

Weitere Informationen

Impressum

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
© 2018 by ZDF

Ansprechpartner

Name: Thomas Hagedorn
E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
Telefon: 06131/7013802