Copyright: ZDF/Felix von Boehm
Copyright: ZDF/Felix von Boehm

#heuldoch – Therapie wie noch nie

Satirische Miniserie / Das kleine Fernsehspiel

Die neue satirische Miniserie "#heuldoch – Therapie wie noch nie" aus dem TV- und Weblabor Quantum ist am Montag, 23. November 2020, 0.00 Uhr, im Kleinen Fernsehspiel des ZDF zu sehen. Die fünf Einzelfolgen stehen ab Freitag, 13. November 2020, in den Mediatheken von ZDF und ARTE zur Verfügung.

  • ZDF, Montag, 23. November 2020, 0.00 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 13. November 2020

Texte

Im Dschungel von #MeToo
Statement von Claudia Tronnier

Die Miniserie "#heuldoch – Therapie wie noch nie" nähert sich mit Humor einem ernsten Thema, das unsere Gesellschaft verändert hat und uns auch in Zukunft noch stark beschäftigen wird.

Seit der öffentlichkeitswirksamen Aufdeckung der ersten prominenten Fälle von sexualisiertem Machtmissbrauch 2017 in der USA, haben sich unter #MeToo in aller Welt Frauen solidarisiert und ihre eigenen Missbrauchserfahrungen öffentlich gemacht.

Auch in Deutschland gab es prominente Fälle, die in der Folge unsere Arbeitswelt verändert haben. Mehr Frauen trauen sich jetzt, über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu sprechen. Demgegenüber wollen mehr Männer – aus Angst vor entsprechenden Vorwürfen – nicht mehr mit Frauen allein zusammenarbeiten. Einige sind irritiert, welches Verhalten noch ein harmloser Flirt ist und welches schon als Übergriff gewertet wird.

Und was wird aus den Männern, die objektiv des sexualisierten Machtmissbrauchs überführt sind? Ist eine Rehabilitation möglich, hilft eine Therapie?

Manchmal erscheint das alles als ein Dschungel, für den uns noch der Kompass fehlt.

Als uns der Vorschlag für die Miniserie "#heuldoch – Therapie wie noch nie“ erreichte, war schnell klar, dass das eine schwierige, aber auch sehr reizvolles Möglichkeit bot, sich mit den verschiedenen Aspekten des Themas auseinanderzusetzen, ohne jederzeit "politisch korrekt" sein zu müssen. Denn schließlich missbrauchen auch die Frauenfiguren in der Serie als falsche Therapeutinnen ihre Macht. Das Mittel der Therapie und der Perspektivwechsel im Rollenspiel boten aber einen willkommenen Vorwand, sich mit #MeToo und den Folgen satirisch auseinanderzusetzen und ein paar Breschen in den Dschungel zu schlagen.

Natürlich existiert keine spezifische Therapie, die überführten Tätern zur Rehabilitation verhilft. Schon allein deshalb nicht, weil Therapie ja immer einen Leidensdruck und Veränderungswillen voraussetzt. Tatsächlich hat sich aber kaum einer der Betroffenen öffentlich für sein Fehlverhalten entschuldigt oder Reue gezeigt. Nicht nur diese Tatsache zeigt, wie wichtig die #MeToo-Debatte in der Öffentlichkeit bleibt – mit "#heuldoch" bieten wir hierzu einen satirischen und im Kern dennoch ernsthaften Beitrag.

Claudia Tronnier, Redaktionsleiterin ZDF/Das kleine Fernsehspiel

#heuldoch – Therapie wie noch nie
Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 23. November 2020, 00.00 Uhr, ZDF
Ab Freitag, 13. November 2020, für ein Jahr in der ZDFmediathek und in der Mediathek von ARTE

#heuldoch – Therapie wie noch nie
Satirische Miniserie

Das kleine Fernsehspiel

 

Stab

RegieIsabell Šuba, Lilli Tautfest
HeadautorFlorian Frei
DrehbuchFlorian Frei, Viktoria So Hee Alz
Co-AutorinnenIsabell Šuba, Lilli Tautfest
KameraSten Mende
SchnittHeike Parplies
SzenenbildBarbara Falkner
TonAntje Volkmann
KostümeJessica Braun
ProduktionLupa Film GmbH in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehsehspiel und in Zusammenarbeit mit ARTE
ProduzentFelix von Boehm
ProducerBenjamin Cantu
FördererMedienboard Berlin-Brandenburg
RedaktionClaudia Tronnier (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Julia Deumling (ZDF/ Das kleine Fernsehsehspiel), Simon Ofenloch (ZDF/ARTE)
Längeca. 73 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

GloriaBärbel Schwarz
LinKarin Hanczewski
Kobe MüllerKarim Ben Mansur
Julian TrottSebastian Brandes
Ferdinand GeigerSteffen C. Jürgens
Ralf KrollNikolaus Kühn
Dipl.-Psych. Charlotte ScharfBelinde Ruth Stieve
und andere

 

Inhalt

Nach einem Gefängnisausbruch verstecken sich die selbsternannte Fahrkartenkontrolleurin Gloria und die feministische Einbrecherin Lin in einem abgelegenen Landhaus in Brandenburg. Dort werden sie von vier Männern überrascht, die sich hier mehr oder weniger freiwillig zu einer Therapie einfinden: Der sehr von sich überzeugte Filmproduzent Ralf Kroll, dessen Übergriffe bei abendlichen Castings im Bademantel seine Karriere gefährden. Der selbstgerechte App-Entwickler Julian Trott, dessen Kleinfamilie nach Vergewaltigungsvorwürfen von alleinstehenden Müttern auseinanderzubrechen droht. Kobe Müller, Jungstar des deutschen Fußballs, der minderjährigen Fans im Netz Bilder seines Penis schickt und dessen Engagement bei den Bayern deshalb auf der Kippe steht. Und schließlich Ferdinand Geiger, angeblich nur im Sinne der Medizin agierender Gynäkologe und Vagina-Fotograf. Im Zuge der #MeToo-Bewegung waren die sexuellen Übergriffe der Männer ans Licht gekommen, und eine Therapie verspricht Strafmilderung oder Rehabilitation.

Um ihr Versteck zu behalten und der Fahndung zu entgehen, müssen Lin und Gloria improvisieren. Sie schlüpfen kurzerhand in die Rollen von Therapeutinnen. Doch die findige, impulsive Gloria und die kompromisslose Lin haben das Ausmaß ihrer neuen Aufgabe unterschätzt. Ihre Patienten sind härtere Nüsse als gedacht. Während die Frauen mit unkonventionellen, teils vom Gefängnis inspirierten Methoden professionelle Therapeutinnen mimen, regt sich – trotz erster Erfolge – bei den Männern zunehmend Widerstand gegen die drastische Behandlung. Es braucht viel Geduld und Experimentierfreude, ehe Gloria und Lin den Dreh raushaben und begreifen, wo bei jedem der Männer tatsächlich der wunde Punkt liegt – und wie sie am besten darin herumbohren können. Je mehr die Männer sich als unschuldige Opfer darstellen, desto ungerührter halten ihnen Lin und Gloria entgegen: #HEULDOCH.

Die Inhalte der einzelnen Folgen

Folge 1:

Die leicht reizbare Lin und die optimistische, quirlige Gloria lernten sich im Frauengefängnis kennen. Als ihnen Hals über Kopf die Flucht gelingt, finden sie in einem Landhaus Schutz vor der Polizei. Beim Erkunden der Räume treffen sie unverhofft auf die Hausherrin, die sich zu Tode erschreckt – wortwörtlich. Und plötzlich stehen vier Männer mit teuren Koffern und noch teureren Uhren im Flur, die nach der Therapeutin fragen. Der Fluchtweg ist verbaut, die Leiche der echten Therapeutin im Keller und die beiden Frauen müssen improvisieren.

Folge 2:

Vom Gefängnisaufenthalt inspiriert, denken sich Lin und Gloria ein Therapieprogramm für die vier Männer aus. Während die Feministin Lin den Männern das Leben schwer macht, versucht Gloria, die endgültige Flucht der beiden zu sichern – indem sie an das Geld der Klienten zu kommen versucht.

Folge 3:

Die Moral der vier Männer ist schlecht: Die Therapie läuft völlig anders als gedacht. Lin und Gloria müssen kreativ werden: Die Männer sollen sich kostümieren, um durch einen Rollentausch ihre innere Frau zu finden. Später beim gemeinsamen Abendessen hauen sich die vier Chauvis allerhand mutmaßlicher Fakten über Frauen um die Ohren, was Gloria – ganz im Gegensatz zu Lin – offenbar höchst amüsant findet. Am Ende des Abends ist Lin verschwunden.

Folge 4:

Am nächsten Morgen hat Gloria ihre Komplizin endlich wiedergefunden, und die beiden Freundinnen versöhnen sich, aber an die Geldgeheimnisse der Männer kommen sie noch immer nicht ran. Da hat Lin einen rettenden Einfall: Hypnose. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert das überraschend gut. Zu gut.

Folge 5:

In Folge der Hypnose kommt ein bisher gut gehütetes Geheimnis von Kobe ans Licht, und Ralf zieht sich beim Billard fast nackt aus, doch an die PIN-Nummern der Männer kommen die beiden Frauen trotzdem nicht. Unverhofft taucht die Polizei auf. Während Lin und Gloria panisch die Leiche der echten Therapeutin entsorgen wollen, verfolgen die Männer ihre eigene Agenda. Und die Polizei verfolgt die Männer.

Sex: Ja. Sexuelle Übergriffe: Nein.
Interview mit den Regisseurinnen Isabell Šuba und Lilli Tautfest

Der Titel "#heuldoch" – auf wen bezieht er sich? Wer heult in eurer Serie?

Lilli Tautfest: Er bezieht sich auf die Männer, die Täter sind und deswegen diese Therapie machen müssen, die dahin kommen und im Grunde nur rumjammern, wie arm sie selbst dran sind. Es ist die Antwort von Gloria und Lin auf das selbstmitleidige Gehabe ihrer Klienten, sich selbst als Opfer darzustellen. Dazu sagen sie: "Ja, dann heul doch!"

Warum hat euch das Thema interessiert? Habt ihr euch vorher mit diesem Thema gedanklich schon beschäftigt, und wie kam es zu den Büchern, die schlussendlich verfilmt wurden? Welchen Zugang habt ihr zu dem Thema gefunden – auch in Bezug auf #MeToo?

Isabell Šuba: Der Beginn von #MeToo mit dem Hashtag-Aufruf der Schauspielerin Alissa Milano in den USA war ja schon lange vor dem Projekt. Als er veröffentlicht wurde, ist erstmal eine Art Aufatmen um die Welt gegangen, da es quasi Status Quo ist, dass Frauen ausgebeutet werden und sexuelle Übergriffe zum Arbeitsalltag gehören. Dass dann diese Grenze aufgemacht wurde und deutlich wurde: bewusste Sexualität hat nichts mit sexuellen Übergriffen zu tun und Macht wird ständig ausgenutzt, war ein Befreiungsschlag. Es gab unglaublich viel Hoffnung, dass sich wirklich radikal etwas verändert und dieKöpfe derer endlich rollen, die Machtpositionen seit Jahrhunderten innehaben und diese ausnutzen. Die daraus entstandene Welle kam auch in Deutschland an. Da wir aber ein etwas anderes System haben, war das nicht so radikal. Die Leute, die hier angeklagt worden sind, konnten sich eher aus der Verantwortung ziehen. Als du (Felix von Boehm) auf mich zugekommen bist mit dem Projekt, initiiert von Viktoria So Hee Alz, fand ich es super wichtig, noch einmal den Faden aufzunehmen, da man gemerkt hat, dass sich wieder Schlupflöcher auftun und die Menschen aufhören, darüber zu reden oder anfangen, davon genervt zu sein. Da es ein sehr heikles und komplexes Thema ist, gab es relativ schnell die Idee, eine zweite Regisseurin dazu zu holen – Lilli, mit der ich mich privat, aber auch beruflich schon sehr viel über feministische Themen und über die Rolle der Frau auseinandergesetzt habe. Da war ganz klar, dass wir Lust auf dieses Projekt haben. Wenn sich einer erlauben darf, darüber Witze zu machen, sind es wir Frauen, die das System kennen und die sich, seitdem wir angefangen haben Filme zu machen, in diesem Dschungel durchschlagen müssen.

Würdet ihr sagen, dass der zeitliche Abstand zu diesen ersten realen Fällen auch ein Grund war, warum es für euch möglich war, das Ganze als Komödie aufzugreifen?

Tautfest: Wie Isabell schon schilderte, hatte man den Eindruck, das Thema droht speziell in Deutschland  zu versanden, ohne dass wirklich viel passiert ist. Jetzt gab es #MeToo, es hatte einen Namen, vorher gab es das natürlich auch schon, aber da hatte es noch keinen Namen. Es war frustrierend. Es hat sich eingefügt in den kulturellen Raum, ohne dass sich irgendetwas verändert hat. Es reicht nicht eine Debatte aufzumachen, um ein Thema wie sexuellen Machtmissbrauch anzugehen. Es geht um Verhaltensweisen, die in unserer kulturellen Praxis tief verwurzelt sind und die sich ändern müssen. Solche Verhaltensweisen kann man gut auf humoristische Weise beleuchten und deutlich machen. Gleichzeitig wollten wir nicht die Bilder wiederholen, die es sowieso schon gibt, von Frauen, die belästigt werden. Wir wollten den Spieß umdrehen und die Männer in eine Situation bringen, in der sie die Kontrolle verlieren und nicht die Macht haben, und wir ziehen daraus dann den Humor.

Was hat euch dazu bewogen, die Therapeutinnen nicht echte Therapeutinnen sein zu lassen, sondern welche, die sich mit sehr eigenen Methoden als solche ausgeben?

Tautfest: Zunächst waren sie als richtige Therapeutinnen angelegt, doch da hatten wir immer das Problem, dass wir in eine "Gut und Böse"-Erzählung gerieten. Dass die Frauen wissen, wie es funktioniert, und den Männern mit einer seltsamen moralischen Überlegenheit begegnen. Das macht die Frauen aber zu den viel uninteressanteren Figuren im Film. Moralpredigten haltende Frauen, die versuchen, Männer zu ändern und Männern zu helfen, die es noch nicht ganz verstanden haben. Das hat uns nicht gefallen. Wir wollten spannende Frauencharaktere erzählen, die nicht perfekt sind, selber mit  Problemen kämpfen und sich nicht immer richtig verhalten. Weil es viel spannender ist und viel mehr Spaß macht, solchen Figuren zuzugucken, als nur den Männern die Bühne zu geben, die über die Stränge schlagen können.

Šuba: Genau, es ging uns darum, Machtstrukturen zu untersuchen, die von allen Geschlechtern mitgetragen werden und sehr komplex sind, die tief in die gesellschaftlichen Strukturen und das generelle Verständnis von Mann und Frau gehen, bis in die Erziehung von Kindern hinein. Dadurch, dass wir dem Therapie-Aspekt ein Schnippchen geschlagen haben und unsere Frauen auch Dreck am Stecken haben und sich eben nur als Therapeutinnen ausgeben, konnten wir in alle Richtungen mit dem Thema Machtmissbrauch experimentieren.

Geht es also auch darum dass Menschlichkeit komplexer ist und Einzelsituationen deutlich mehr Grauzonen haben?

Tautfest: Das kann man schon so sagen. Natürlich gibt es Dinge, die klar als Übergriffe zu definieren sind. Aber das war nicht das, was uns interessiert hat. Ich denke, 2020 muss nicht mehr gesagt werden "Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind ein Verbrechen." Uns haben die Mechanismen, die dahinterstecken, interessiert.

Šuba: Die Aussage unserer Serie ist, dass sexuelle Übergriffe aufhören müssen, dass diesen vorrangig Frauen ausgesetzt sind und Frauen sich weiter dagegen wehren sollen, sich nicht von Tabuthemen einschüchtern lassen, sich nicht klein machen lassen vom System, in dem sexuelle Gewalt überleben kann und gedeckt wird. Der #metoo war ein Anfang, wir machen weiter.

Ihr entsexualisiert die beiden Frauen trotzdem nicht, im Gegenteil – Sexualität spielt für beide Figuren eine Rolle. Es gibt zwei Szenen der Übergriffigkeit, die ganz unterschiedlich konnotiert sind. Wie gehen die beiden Figuren Gloria und Lin in dieser Situation mit der eigenen Sexualität und dem anderen Geschlecht um?

Tautfest: Wir hatten Spaß daran, mit Gloria eine Figur zu erzählen, die eine sehr sinnliche und hedonistische Person ist, die nach den Jahren im Knast Lust auf Leben und Genuss hat und da gehört für sie auf jeden Fall auch Sex dazu. Insofern empfindet sie die Männer als durchaus reizvoll – vor allen Dingen Ralf.

Tautfest: Sie empfindet die Situation als tolle Gelegenheit, ihren Gelüsten nachzugehen. Wir wollten nicht sagen, unsere Frauen interessieren sich nicht für Sex – was für ein Blödsinn, natürlich interessieren sie sich für Sex. Wir fanden es spannend zu sagen, eine unserer Hauptfiguren verurteilt diese Männer nicht moralisch, sondern würde trotz der Taten mit einem ins Bett gehen.

Šuba: Dafür haben wir dann die andere Figur, ihre Mitstreiterin Lin, die tief feministisch ist und es überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie Libido über Solidarität stehen kann – da kommt es dann auch zum Konflikt zwischen den beiden.

Tautfest: Die beiden durchwandern eine entgegengesetzte Entwicklung. Gloria stellt fest, dass es doch eine Rolle spielt, was die Typen vorher gemacht haben, und dass Solidarität unter Frauen sehr wichtig ist. Deshalb führen wir die Figur auch an den Punkt, an dem sie begreift, wie verachtend die vier Männer mit Frauen umgehen und dass sie als "Therapeutin" daran nichts ändern kann. Sie solidarisiert sich mit den missbrauchten Frauen und mit Lin. Lin durchschreitet den anderen Bogen. Sie merkt, dass jemand nicht grundsätzlich schlecht ist, nur, weil er mal Scheiße gebaut hat. Sie schafft es dann auch zumindest in einem der Männer, in Kobe, mehr zu sehen, als nur das, was er getan hat.

Diese Serie leistet ihren Beitrag zu einem feministischen Diskurs in einem relativ grellen und ungewöhnlichen Gewand. Warum habt ihr diese Form gewählt?

Tautfest: Ein Grund, warum wir diese Form gewählt haben, war, dass wir nicht behaupten wollten, dass wir eins zu eins Realität erzählen. Wir überhöhen, um damit einen gewissen Freiraum zu schaffen. Wir wollten mit dem Thema extremer umgehen und political correctness zum Teil hinter uns lassen. Auf die Art konnten wir den Sexismus der Männer ein bisschen stärker herauskitzeln, der sonst durchaus subtiler versteckt ist, und die Frauen extremer darauf antworten lassen.

Lilli hat das Wort "überhöht" genannt – wie würdest du, Isabell, diesen Stil bezeichnen?

Šuba: Laut, angebracht und deutlich. Das Wort Feminismus leidet immer noch unter dem wordshaming, dem es seit dem 19. Jahrhundert ausgesetzt ist. Darum war es uns wichtig die Gestaltungsebene zu nutzen, um diese alten Denkweisen und Sehgewohnheiten aufzubrechen. Wir erlauben uns bunt zu sein, und wir überhöhen.

Das Interview führte Produzent Felix von Boehm

Biografien

Isabell Šuba

Neben ihrer Arbeit als Spielfilmregisseurin von Filmen wie "Der Barcelona Krimi: Blutiger Beton", "Hanni & Nanni: Mehr als beste Freunde" und "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" hat Isabell Šuba das Mentoring-Programm INTO THE WILD ins Leben gerufen, ist als künstlerische Beratung für die Schauspielagentur Agenten & Komplizen tätig und erfand das Schauspiellabor Whatever Works. Mit ihrem Abschlussfilm "Jetzt aber Ballett!" beendete Šuba 2011 den ersten Teil des Studiums, wurde dann Stipendiatin des Begabtenförderprogramms der Konrad-Adenauer-Stiftung. Nach der Einladung zum Filmfestival in Cannes, entstand 2013 ihr Debutspielfilm "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste", für den sie unter anderem mit dem Max Ophüls Preis der Jugendjury und dem Preis für den besten gesellschaftlich relevanten Film ausgezeichnet wurde.

Lilli Tautfest

Lilli Tautfest studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit den Schwerpunkten Filmregie und Drehbuch. Sie schloss mit dem preisgekrönten Diplomfilm "Arielle" ab. Ihre Kurzfilme und ihr mittellanger Spielfilm "Mama Told Me Not To Look Into The Sun" wurden auf internationalen Festivals gezeigt. Wie die Filmemacherin selbst geben sich Lillis komplexe und unkonventionelle Heldinnen nicht mit den gängigen Rollenbildern zufrieden, sondern brechen aus und überschreiten gesellschaftliche Grenzen. Lilli ist Mitbegründerin des feministischen Filmkollektivs r.O.K.S und Stipendiatin des Mentoring-Programms INTO THE WILD. Aktuell bereitet sie ihren Kinofilm "Tochter der Erde" vor, ein Räuberinnen-Roadmovie, angesiedelt auf den glühenden Straßen Portugals. Ihr Drehbuch ist nominiert für den Sehsüchte-Preis.

Fotos

Fotos sind erhältlich über die ZDF Presse und Information Telefon: 06131 - 70-16100 und über https://presseportal.zdf.de/presse/heuldoch 

Weitere Informationen

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