Copyright: ZDF/Joscha Seehausen
Copyright: ZDF/Joscha Seehausen

In bester Verfassung

Neue achtteilige Web- und TV-Serie

Die Web- und TV-Serie "In bester Verfassung" ist eine bissig-böse Politsatire, die zeigt, wie schnell Rassismus und Medienhysterie entstehen und Populismus befeuern können.

  • ZDF, Montag, 17. Juni 2019, 23.55 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Donnerstag, 6. Juni 2019, 16.00 Uhr, in der ZDFmediathek und auf YouTube

    Texte

    Statement der Redaktion

    Die satirische Web- und TV-Serie "In bester Verfassung" wurde im TV-Labor Quantum der ZDF-Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel entwickelt. Hier können ungewöhnliche neue Fernsehformate entstehen, so wie die 2017 mit dem International Emmy Award ausgezeichnete Web- und TV-Serie "Familie Braun".

    Über die TV-Ausstrahlung hinaus bietet die zusätzliche Verbreitung der Serie in der ZDFmediathek und bei YouTube die Möglichkeit, mit kürzeren Einzelfolgen auch ein jüngeres Publikum zu erreichen, das die Videos auf seinen Smartphones und Tablets schauen sowie im Internet kommentieren und weiterempfehlen kann. Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass mit "In bester Verfassung" ein gesellschaftlicher Austausch angeregt wird, gerade auch zu den wichtigen politischen Themen dieser Serie.

    Die Macher Joseph Bolz und Fabian Siegismund, aber auch verschiedene Darsteller und Darstellerinnen und andere Beteiligte der Serie, bringen vielfältige Erfahrungen als Gesichter und Produzenten von Internet-Formaten mit. Eine gute Voraussetzung, um auf eine unterhaltsame, für die Bedürfnisse des jungen Netzpublikums dicht und temporeich erzählte Serie wie "In bester Verfassung" aufmerksam zu machen – und damit auf brisante Entwicklungen unserer Zeit.

    Christian Cloos und Max Schäffer, Redaktion Das kleine Fernsehspiel

    Stab, Besetzung, Inhalt

    Montag, 17. Juni 2019, 23.55 Uhr, ZDF
    Ab Donnerstag, 6. Juni 2019, in der ZDFmediathek und auf YouTube

    In bester Verfassung
    Neue achtteilige Web- und TV-Serie

    Das kleine Fernsehspiel

    Stab

    Buch 
    Joseph Bolz, Fabian Siegismund, Martin Brindöpke
    RegieJoseph Bolz
    KameraJoscha Seehausen
    Schnitt Joseph Bolz
    TonAchim Strommenger-Reich
    SounddesignMichael Newiger
    SzenenbildOliver Koch
    KostümKristina Drcic
    ProduzentenRené Jamm, Gabriele Meyer, Bernd von Fehrn
    ProduktionWarner Bros. ITVP in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel
    RedaktionChristian Cloos, Max Schäffer, Lucas Schmidt
    LängeGesamtfilm 65 Minuten
    Länge 
    Einzelfolgen jeweils 7 bis 8 Minuten

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Mechthild Dombrowski 
    Gudrun Landgrebe
    Paul HornerUke Bosse
    Matthias FringsFabian Siegismund
    Bürgermeister Rösgen-SchmidtOliver Kleinfeld
    Dietmar SenkfußFrank Schneider
    LisaAlina Mehrens
    Jonas VierhausJakob Schmidt
    Karsten GreyerKlaus Lawrenz
    und andere

     

    Inhalt
    Um die Schließung ihrer Abteilung zu verhindern, erfinden zwei Verfassungsschützer eine islamistische Terrorzelle in ihrem kleinen Dorf.

    Niederlützel, ein abgelegenes Kaff in Nordrhein-Westfalen, beheimatet wegen einer unbedeutenden, kurzen RAF-Historie seit Jahrzehnten eine kleine, verschlafene Verfassungsschutz-Dienststelle. Deren zwei Beamte, Mechthild Dombrowski und Paul Horner, haben den ganzen Tag nichts zu tun. Da beschließt die Zentrale, den Standort wegen Unterbeschäftigung zu schließen und seine Beamten weit weg nach Rostock zu versetzen. Eine Katastrophe für Dombrowski und Horner.Die beiden beschließen, eine islamistische Terrorzelle zu erfinden, die in der Region operiert, um so ihrer Dienststelle eine neue Existenzberechtigung zu verschaffen. Der Plan geht zunächst auf, doch dann gerät die Situation zusehends außer Kontrolle.

    Autor und Regisseur Joseph Bolz sowie sein Ko-Autor und DarstellerFabian Siegismund sind bisher vor allem als Videoproduzenten im Internet präsent. Ihre erste gemeinsame Web- und TV-Serie ist eine bissig-böse Polit-Satire, die zeigt, wie schnell Rassismus und Medienhysterie entstehen und Populismus befeuern können. Sie hatte ihre Premiere beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2019 in Saarbrücken.

    Die einzelnen Folgen

    Folge 1: In bester Verfassung?
    Die beiden unterbeschäftigten Verfassungsschützer Dombrowski und Horner genießen ihren Arbeitstrott im verschlafenen Niederlützel. Da erhalten sie nach Jahren wieder Besuch aus der Zentrale Referatsleiter Frings schockiert die beiden Schreibtischhelden: Die Dienststelle Niederlützel soll geschlossen werden. Horner und Dombrowski droht eine Versetzung ins ferne Rostock. Das wollen die beiden um jeden Preis verhindern. Sie inszenieren ein islamistisches Terrorvideo.

    Folge 2: Anschlag auf Jesus
    Das Terrorvideo ist gedreht, aber reicht das aus? Um die angeblichen Terroristen glaubwürdiger zu machen, planen Dombrowski und Horner einen Sprengstoffanschlag auf ein Jesuskreuz. Doch kaum tickt die Bombe, kommt alles anders. Ein Schwein hält den Sprengkörper für etwas Essbares und läuft damit davon. Trotz eines dramatischen Wettlaufs kann Horner das Schwein nicht mehr einholen. Es kommt zur Katastrophe: Ein Schweinemastbetrieb fliegt in die Luft.

    Folge 3: Explosion im Dorf
    Aufregung in Niederlützel nach der großen Explosion. Horner möchte das Terrorvideo nicht mehr veröffentlichen, da alles aus dem Ruder läuft. Doch Dombrowski hat das Video schon ins Internet gestellt. Nachdem der ganze Ort von der Explosion und dem Terrorvideo erfahren hat, sind die Bewohner alarmiert. Bei einer Dorfversammlung werden erste Verdächtigungen gegen den türkischen Imbissbesitzer Akbulut laut. Verfassungsschutz-Referatsleiter Frings versucht, die Dorfbewohner zur Räson zu bringen.

    Folge 4: Ein Dorf wehrt sich
    Der geschädigte Schweine-Bauer Senkfuß versucht, mit rechts-populistischen Parolen die Bürger für sich zu gewinnen. Der Feind ist bereits erkannt: Ausländer und "die da oben". Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Forensik, dass praktisch jeder die Bombe gebaut haben könnte. Horner und Dombrowski sollen ermitteln, wer in Frage kommt. Horner plagen derweil Zweifel: Hat Frings bemerkt, dass die alte RAF-Rohrbombe in der Bürovitrine fehlt?

    Folge 5: Besorgte Bürger
    Frings weist Dombrowski und Horner an, die Steinwand, die im Terrorvideo zu sehen ist, zu finden. Also ziehen die beiden von Tür zu Tür und schauen sich in den Kellern der Dorfbewohner um. Dabei stoßen sie auf Abgründe. Jeder Keller bietet ein gut gehütetes Geheimnis, das die beiden Verfassungsschützer nun zufällig lüften. Zur gleichen Zeit formiert sich ein Mob, der den Täter bereits gefunden haben will: den türkischen Imbissbesitzer Vedat Akbulut.

    Folge 6: Alles eskaliert
    Die regionale Presse hat von dem "Terroranschlag" Wind bekommen und fällt über den kleinen Ort her. Bürgermeister Rösgen-Schmidt nutzt das Medienaufgebot für Wahlkampf-Zwecke. Seine Parolen appellieren an die "besorgten Bürger": "Niederlützel wehrt sich". Bauer Senkfuß hetzt derweil gegen "die Lügenpresse". Währenddessen versuchen Horner und Dombrowski, die Ermittlungen von sich abzulenken. Da taucht plötzlich ein zweites Terrorvideo auf.

    Folge 7: In schlechter Verfassung
    Die Wand, die in dem neuen Terrorvideo zu sehen ist, wird gefunden. Gemeinsam mit Horner und Dombrowski stürmt Frings den Keller der Familie Hertel. Der Kessel ist ihm von einem missglückten Schäferstündchen zu gut bekannt. Als die mutmaßlichen Täter des zweiten Terrorvideos gefunden zu sein scheinen, ergibt sich für Horner und Dombrowski ein neues Problem. Eine unbemerkte Kleinigkeit lässt bei Frings einen ungeheuerlichen Verdacht aufkeimen.

    Folge 8: Die letzte Bombe
    Die Katze ist aus dem Sack: Frings weiß von Dombrowskis und Horners Terrorvideo. Nach ihrer Kündigung entdecken sie jedoch den Traktor von Bauer Senkfuß vor dem Rathaus. In ihm findet sich eine Bombe, die Frings' geplanter Pressekonferenz gilt. Nach einem misslungenen Entschärfungsversuch bleiben nur noch wenige Minuten bis zur Explosion. Mit vereinten Kräften versuchen die drei nun, das Schlimmste zu verhindern und Niederlützel zu retten.

    Joseph Bolz (Buch und Regie) über "In bester Verfassung"

    "In bester Verfassung" behandelt ein aktuelles Thema von akuter Dringlichkeit. Der gesellschaftliche Rechtsruck ist nicht nur auf bundesweiter und europäischer Ebene zu spüren, sondern man trifft ihn bereits auf  lokaler Ebene an. Die Serie ist aus dem Bedürfnis entstanden, diese bedrohliche Entwicklung zu thematisieren. Dazu erzählen wir die Geschichte im Mikrokosmos eines Dorfes als Spiegel der Gesellschaft. Um die Darstellung pointiert auf die Spitze zu treiben, ohne zu moralisch zu wirken, wird sie in einem satirisch unterhaltsamen Kontext erzählt. So soll klar aufgezeigt werden, wie schnell Rassismus und Medienhysterie entstehen.

    "In bester Verfassung" zeigt, wie auf einfache Weise Fake-News entstehen und wie diese für populistische Zwecke eingesetzt werden können. Man sieht, wie schnell das ganze Dorf bereitwillig demjenigen glaubt, der am lautesten schreit, ohne sich selbst ein Bild zu machen oder Informationen zu hinterfragen. Das ist die Gefahr, der wir uns in Zeiten von alternativen Fakten, rechtspopulistischen Parteien und gefühlten Wahrheiten, die über soziale Netzwerke verbreitet werden, gegenübersehen. Es sind eben nicht nur die anderen, sondern es betrifft jeden, sich da nicht mitreißen zu lassen.

    Die Besetzung der Rollen war aufgrund der Kurzfristigkeit unseres Drehstarts eine große Herausforderung. Daher bin ich umso glücklicher, dass wir einen solch tollen Cast aus Profis und jungen Schauspielern gefunden haben, von denen viele sich ganz anders zeigen konnten als bisher. Allen voran Gudrun Landgrebe, die hier eine Rolle spielt, in der man sie noch nie gesehen hat. Ich hatte als junger Regisseur natürlich Respekt vor der ersten Zusammenarbeit mit einer Legende wie ihr und traf auf eine spielfreudige Schauspielerin, die ein wahnsinniges Interesse daran hatte, diese Figur für sich zu entdecken und lebendig werden zu lassen.

    Da ich mit Uke Bosse und Fabian Siegismund gute Erfahrungen bei meinen bisherigen Drehs gemacht hatte und fest davon überzeugt war, dass noch viele weitere Facetten in ihnen stecken, war mir sehr früh klar, dass ich mit beiden wieder drehen möchte. Gerade Ukes großes Talent für Lakonie in Timing und Körperlichkeit geht bei "In bester Verfassung" sehr gut auf. Fabians klare Spielart von Verletzlichkeit hinter einer kühlen Fassade fand ich ebenfalls sehr spannend für die Figur Frings: Ein Mann, der ständig auf der Innenseite seiner Wange kaut und versucht, dem Druck standzuhalten. Nach vielen kleineren Produktionen reizte es mich sehr, eine größere Welt voller Leben zu erzählen, auch wenn sie in einem kleinen Dorf spielt. Das eng verbundene Netzwerk und die teils verknöcherten Strukturen in Dörfern bieten viele Möglichkeiten, große Politik im Kleinen zu erzählen. "In bester Verfassung" ist meine bisher längste Regiearbeit und bot die Möglichkeit, bisherige Beschränkungen auf wenige Drehorte und Schauspieler zu durchbrechen.

    Biografie von Joseph Bolz (Buch und Regie)

    Joseph Bolz arbeitet als Regisseur und Autor für verschiedene Produzenten. Außerdem betreibt er seit 2012 einen YouTube-Kanal unter dem Namen De Changeman, auf dem er verschiedenste Formate und Webserien veröffentlicht. Neben einigen anderen selbst produzierten Kurzfilmen entwickelte Bolz 2010 während seines Filmstudiums unter anderem das Format "Lotte TV". Dabei war er für Konzeption, Regie, Kamera und Postproduktion zuständig. Die Web-Serie "Das Netzwerk", die Bolz für Studio71 und Pro7 produzierte, wurde 2016 mit dem Webvideopreis in der Kategorie Comedy ausgezeichnet. Dort war er verantwortlich für Drehbuch und Regie. Die Drehbücher für "In bester Verfassung" schrieb Bolz gemeinsam mit Fabian Siegismund.

    "Leider sehr aktuell"
    Interview mit Gudrun Landgrebe

    Frau Landgrebe, was hat Sie an der Rolle der doch sehr ungewöhnlichen und schrägen Verfassungsschützerin Mechthild Dombrowski gereizt?

    Eben wirklich diese Ungewöhnlichkeit. Einmal war für mich das Genre Politsatire neu, das habe ich noch nie angeboten bekommen. Dann ist diese Frau natürlich eine sehr aus jeglichem Rahmen fallende. Sie ist völlig unangepasst, sie ist unhöflich, sie ist einfach unmotiviert – ab 14 Uhr muss man nichts mehr tun, weil man sowieso seit 35 Jahren nichts zu tun hat. Das einzige, was ihr nicht in den Kram passt ist, nach Rostock gehen zu müssen. Das kommt gar nicht in Frage, und daraus entwickelt sich diese Idee: Wir erfinden jetzt eine islamistische Terrorzelle, dann werden wir hier was zu tun haben und dürfen hier bleiben. Was die Dombrowski aber in diesem Moment nicht überlegt, weil sie sowieso nie überlegt, ist, dass sie damit die Initialzündung setzt für all das ganze Unheil, das sich dann mit der Zeit entwickelt.

    Denn auf einmal verwandelt sich das brave und biedere Niederlützel in eine Hochburg der Fremdenfeindlichkeit. Sollte uns diese – wenn auch im Film überzeichnete – Entwicklung nicht auch Sorgen machen?

    Ich würde sagen ja. Und ausgerechnet der absolute Sympathieträger, der türkischstämmige Dönerbudenbesitzer, dem alle Herzen zugewandt sind, der mit jedem nett und freundlich umgeht, wird verdächtigt. Plötzlich wendet sich das Blatt, und es eskaliert bis hin zu diesem brutalen Zusammenschlagen.

    In der Politsatire bekommen ja im Grunde alle ihr Fett weg, die Wutbürger, die Ermittler, die Medien und der Bürgermeister von Niederlützel…

    Der Politiker, der nichts auslässt, um seine Schäflein aufzuhetzen und auf die böseste Art und Weise zu manipulieren. Und der sich zum Schluss der Geschichte dann wieder völlig umwandelt. Leider sehr aktuell in dieser Art und Weise. In dieser Erzählweise bringt uns das oft zum Lachen. In der Realität ist das natürlich gar nicht amüsant.

    Wie groß ist denn aus Ihrer Sicht die Gefahr, sich von rechten Strömungen anstecken zu lassen? Steckt in jedem von uns ein Wutbürger?

    Das glaube ich nicht. Ich bin der Überzeugung, das hat auch damit zu tun, wie sehr man selber bereit und fähig ist, zu reflektieren und sich nicht zu einem Wutbürger machen zu lassen, einfach in dem man Parolen übernimmt. Es gilt einfach, zu hinterfragen und nicht pauschal zu verdammen. Und das ist ja in Niederlützel der Fall: Jeder brüllt mit dem anderen mit, und man glaubt natürlich, dass der Dönerbudenbesitzer ein Übeltäter ist. Warum plötzlich? Der ist bestimmt seit 30 Jahren oder so in Deutschland und jedermanns Liebling. Auf einmal dreht sich das um. Weil diese Menge sich manipulieren lässt.

    "In bester Verfassung" ist eine Web- und TV-Serie, soll also insbesondere auch junge Zuschauer ansprechen. Warum ist es so wichtig, gerade das junge Publikum auf die Gefahr von Rechts aufmerksam zu machen?

    Für die jungen Leute ist es vielleicht sehr wichtig, auf eine zum Teil unterhaltsame Weise darauf angestoßen zu werden. Weil wir durch die Informationen, die wir ständig über die Medien bekommen, wahrscheinlich gar nicht mehr genau hin schauen und abstumpfen gegenüber dem, wie gebrüllt wird und wie aggressiv Hetze ist.

    Mit Gudrun Landgrebe sprach Hannes Brühl

    Fotos

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über
    http://presseportal.zdf.de/presse/daskleinefernsehspiel

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