"Katie Fforde: Ein Haus am Meer". Fotocredit: ZDF/Rick Friedman.
"Katie Fforde: Ein Haus am Meer". Fotocredit: ZDF/Rick Friedman.

Katie Fforde: Ein Haus am Meer

"Herzkino" mit Ulrike Folkerts

So alt hat sich Anwältin Anne Clark (Ulrike Folkerts) noch nie gefühlt: Ihre Kanzlei kündigt ihr aus Altergründen, und als sie ihrer Jugendliebe Joe begegnet, erkennt der sie nicht einmal mehr wieder.

  • ZDF, Sonntag, 23. Februar 2020, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Samstag, 22. Februar 2020, 10.00 Uhr

Texte

Statement aus der Redaktion

Altern Männer anders als Frauen? Nach 40 Jahren – einem Wimpernschlag – sieht sich ein ehemaliges Liebespaar unverhofft wieder. Nun beide 60. Sie erkennt ihn gleich. Er sie nicht. Zumindest nicht sofort. Erst allmählich. Sie eine unfreiwillig früh in den Ruhestand gedrängte Anwältin – quasi auf dem Altenteil. Er Surfbrett-Hersteller, sich mitten im Leben wähnend. Ulrike Folkerts und Götz Schubert spielen das mitreißende Duo Anne Clark und Joe Coleman, das mit dem anderen auch einen Teil von sich vergessen hatte und diesen beim unerwarteten Wiedersehen in einem ramponierten Haus am Meer nun vielleicht wiederentdecken könnte. Mit Romina Küper, Stephan Szász, Esther Esche, Hartmut Volle und Cecil von Renner gelang die Besetzung eines wunderbaren Ensembles für den komödiantischen Liebesfilm aus der Feder von Jörg Tensing. Unter der Regie von Helmut Metzger erzählt die "Katie Fforde"-Verfilmung von der Herausforderung des Älterwerdens – besser gesagt des Jungbleibens – und von der Erfüllung eines Lebenstraums.

Redakteurin Verena von Heereman
Fernsehfilm/Serie II

Stab

Buch                                 Jörg Tensing
Regie                       Helmut Metzger
Kamera                        Meinolf Schmitz
Musik                    Ingo Ludwig Frenzel
Ton     Thomas Thutewohl, Sven Gosselk
Schnitt              Maren Unterburger
Szenenbild           Lars Brockmann
Kostüm             Petra Neumeister
Produktion                Network Movie Hamburg
Junior-Producerin               Jenny Maruhn
Producerin        Nina Tanneberger
Produzentinnen           Jutta Lieck-Klenke, Sabine Jaspers
Redaktion              Verena von Heereman
Länge                    ca. 90 Minuten

Besetzung

Anne Clark       Ulrike Folkerts
Joe Coleman       Götz Schubert
Holly Clark        Romina Küper
Leonard Morris     Stephan Szász 
Mike Birnbaum      Hartmut Volle 
Sophie Birnbaum  Esther Esche
Dr. Steve Bernstein      Cecil von Renner
Umzugsmitarbeiter    Brett Woodford
Miss Darling      Olivia Larsen
Bankangestellter    Daniel Rios 
Junger Anwalt 1    Zack Ignoffo
Junger Anwalt 2      Joffrey Smith 
und andere

Inhalt

Wer 60 Jahre alt wird, fliegt raus – so lautet das Motto der Kanzlei, für die Anwältin Anne 25 Jahre lang gearbeitet hat. Aber genaugenommen scheint der Jugendwahn nur die Frauen zu treffen, denn Annes fast gleichaltriger Kollege Leonard wird parallel zu ihrer Kündigung zum Partner befördert.

Annes unfreiwilliger Ausstieg aus dem Berufsleben stürzt sie in finanzielle Probleme. Offiziell erfüllt sie sich ab jetzt ihren Lebenstraum: ein kleines Haus am Meer. Inoffiziell weiß Anne jedoch nicht, wovon sie die Handwerkerrechnungen für das renovierungsbedürftige Strandhaus "mit Potenzial" bezahlen soll. Auch ihrer Tochter Holly, die gerade ihr Jura-Examen mehr schlecht als recht bestanden hat, wird sie monatlich nichts mehr überweisen können.

Als Leonard Anne trotz ihrer Entlassung in einem Fall um Hilfe bittet, wittert sie jedoch eine Chance, ihrer Tochter auf kurzem Weg zu einem ersten Job zu verhelfen. Beherzt lädt Anne also auch Leonard zu dem bevorstehenden Mutter-Tochter-Wochenende ein. Holly kommt jedoch nicht allein, sondern in irritierender Begleitung: Ihr neuer Freund ist nicht nur so alt wie ihre Mutter, sondern auch Annes auf jugendlich getrimmter Ex-Lover Joe. Der besitzt die Frechheit, Anne nicht wiederzuerkennen und sie damit aufzuziehen, dass sie sich mit 60 bereits auf dem Abstellgleis befindet.

Auf keinen Fall soll Joe, den Anne auch nach 40 Jahren noch in ausgesprochen schlechter Erinnerung hat, an diesem wichtigen Wochenende, an dem es um die berufliche Zukunft ihrer Tochter geht, dazwischenfunken. Joe wäre aber nicht Joe, wenn er nicht genau das täte.

Interview mit Ulrike Folkerts

30 Jahre als Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal – die Figur ist im kollektiven Gedächtnis der deutschen Fernsehnation eingebrannt. Was hat Sie an der so gegensätzlichen Rolle in einem "Katie Fforde"-Film gereizt?

Anne Clark ist eine Frau, die ins Aus geschossen wird – aufgrund ihres Alters, sie wird aussortiert. Ein spannendes Thema, das Älterwerden. Meine Figur geht durch eine schöne emotionale Vielfalt hindurch, um am Ende mit einem gestärkten Selbstbewusstsein ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Solch emotionale Reisen hat Lena, die Kommissarin, selten.  

Anne erkennt ihren alten Freund aus Jugendtagen sofort wieder, er sie aber nicht. Woran liegt das? Gehen Frauen anders mit dem Älterwerden um?

Ich weiß gar nicht, ob Männer und Frauen nicht gleichermaßen mit dem Älterwerden hadern, aber dann unterschiedlich damit umgehen. Altwerden ist in unserer Gesellschaft nicht besonders attraktiv. Dabei finde ich, es gibt so wunderbare Beispiele für tolle Frauen, die ohne Botox etc. herrlich älter werden und so wahnsinnig charmant sind, wie zum Beispiel Fanny Ardant (70), Judi Dench (85) und die beeindruckende Iris Apfel (98). Vorbilder sind immer gut!

Alte Liebe rostet nicht, heißt es. Bleibt also immer eine Verbundenheit mit der ersten großen Liebe?

Ich glaube, da ist was dran. Die erste Liebe oder erste wirklich wichtige Begegnungen und Freundschaften sind verbindend, egal wie lange man sich nicht gesehen hat. Da bleibt etwas!

"Du hast so viel mehr vom Leben gewollt, in einem irrsinnigen Tempo": Anne und Joe rekapitulieren ihr Leben und stellen fest, dass sie gegensätzliche Wege gegangen sind. Kann man sein Leben steuern oder besteht es aus Zufällen?

Beides stimmt. Wir versuchen unser Leben in eine bestimmte Richtung zu lenken, wenn wir wissen, was wir wollen, und gehen diesen Weg. Trotzdem passieren zum Glück unvorhersehbare Dinge, Begegnungen oder eben Zufälle, mit denen wir umgehen müssen, die uns eine andere Tür öffnen, andere Möglichkeiten aufzeigen, uns eine Entscheidung abverlangen, die alles auf den Kopf stellt. Offenbleiben ist die Devise. Es gibt nicht nur die eine Wahrheit, nicht nur den einen Weg im Leben.

"Sixty and out" – in Annes Job droht Frauen ab 60 der Vorruhestand. Was wäre ihr Rat an Frauen, denen Altersdiskriminierung begegnet? Ist das aktuell noch ein Thema?

Das ist ein Riesenthema. Nicht nur ein Altersthema, sondern ein Geschlechterthema. Frauen werden immer noch in manchen Berufssparten schlechter bezahlt als Männer. Sie haben immer noch erhebliche Nachteile, wenn sie im Laufe ihrer Karriere schwanger werden und Kinder bekommen, das wirkt sich meistens auf die Karriere und Bezahlung im Alter aus.

Auch in meiner Branche werden die Jobs weniger für Frauen über 50. Grundsätzlich gibt es auch dort zu wenige Autorinnen, Regisseurinnen und Rollen für meine Altersklasse. Es gibt noch viel zu tun!

Interview mit Götz Schubert

Anne erkennt ihren alten Freund aus Jugendtagen sofort wieder, er sie hingegen nicht. Gehen Frauen anders mit dem Älterwerden um als Männer?

Es gibt ja nicht nur die eine Art, mit dem Älterwerden umzugehen. Die Unterschiede liegen da nicht nur zwischen männlich und weiblich. Ich persönlich betrachte das eher so: Ich bin so alt, wie ich mich fühle. Freund oder Freundin aus Kindertagen würde ich möglicherweise nach 40 Jahren auch nicht unbedingt wiedererkennen. Aber Anne ist beziehungsweise war für Joe die Jugendliebe. Insofern ist es schon bitter, wenn er nicht merkt, wer da vor ihm steht. Dann gibt es aber auch noch das Unbewusste. Möglicherweise erinnert ihn ja die junge Frau, mit der er momentan eine Beziehung hat, auch irgendwie an seine erste große Liebe.

Anne wirft Joe vor, dass Männer nur ungern ihre Schwächen zugäben. Haben sich die Zeiten inzwischen geändert?

Das sind natürlich alte Rollenbilder, die aber nach wie vor aktuell sind – nur werden sie inzwischen häufiger in Frage gestellt. Im Film wie im Leben können wir es nicht so schnell ablegen, in diesen Kategorien zu denken. Mit etwas Gelassenheit betrachtet hat es ja auch was romantisch Märchenhaftes, solche geradezu klassischen Liebesgeschichten zu erzählen. Aber Schwäche nicht zuzugeben, ist längst kein Privileg der männlichen Spezies mehr.

Joe schaut sich Anne an und konstatiert: "Dir ist irgendwie der Spaß am Leben verloren gegangen." Was meint er damit?

Er meint Routine, ausgelatschte Pfade, Hinnehmen und Unglücklichsein. Selbstverständlich kann man das vermeiden, aber dazu muss man es sich selbst eingestehen und sich dann auf den Weg machen, wenn sich der Zustand ändern soll. Aber das funktioniert nicht immer. Es ist ja auch schwer, die Komfortzone zu verlassen, wenn der Leidensdruck noch nicht groß genug ist. Das braucht Mut, Kraft, und manchmal schaffst du es nicht allein. 

Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Welchen Rat würden Sie Ihrer Tochter geben, wenn sie mit Joe bei Ihnen und Ihrer Frau auftauchen würde?

Da würde ich mich mit guten und gutgemeinten Ratschlägen weitestgehend zurückhalten. Wo die Liebe hinfällt. Die Erfahrung muss sie selbst machen. Ich würde mir allerdings bei einer guten Gelegenheit den Joe krallen und ihm gehörig die Meinung geigen.

Können Sie Joes Leidenschaft fürs Motorradfahren nachvollziehen?

Eine Leidenschaft fürs Motorradfahren kann ich durchaus nachvollziehen, wenngleich ich selbst das nie gemacht habe und auch nicht erfreut wäre, wenn jemand aus meinem nächsten Freundes- und Familienkreis auf diese Weise unterwegs wäre. Es ist einfach zu gefährlich, inklusive Temporausch. Und im verkehrstechnischen Alltag habe ich mit dem Fahrverhalten von Motorradfahrern große Probleme. Auf dem Highway No. 1 ist das natürlich nochmal was anderes. Da ist einfach mehr Platz.

Alte Liebe rostet nicht, heißt es. Bleibt immer eine Verbundenheit mit den ersten großen Lieben? Ist das die Faszination von Klassentreffen nach 40 Jahren?

Vor 40 Jahren ist mir die große Liebe noch nicht begegnet. Wenn ich ehrlich bin, ist es rückblickend betrachtet auch bei einer großen Liebe geblieben und diese habe ich glücklicherweise nach zehn Jahren geheiratet.

Klassentreffen sind für mich sehr spannend, weil ich versuche, die Bilder, die ich im Kopf habe, mit der Gegenwart zusammenzukriegen. Dann bin ich überrascht, manchmal fasziniert oder eben auch nicht. Während unsereins weniger Eindruck hinterlässt, da jeder, der sich dafür interessiert, meinen Alterungsprozess via Mattscheibe verfolgen kann.

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/katiefforde

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