Copyright: ZDF / Hendrik Heiden
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Kinder und andere Baustellen

Komödie

Eine turbulente Familienkomödie mit Julia-Maria Köhler, Valerie Niehaus, Marlene Morreis, Stephan Grossmann, Yasemin Cetinkaya und Sebastian Ströbel im Ensemble. Regisseurin Christina Schiewe inszenierte den Film nach dem Drehbuch von Jens Urban.

  • ZDF, Donnerstag, 5. November 2020, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Mittwoch, 4. November 2020, 10.00 Uhr

Texte

Kind oder Karriere?

Wenn man mit dem Kopf durch die Wand will, handelt man sich Beulen ein. So auch Marlene, die gleich mehrere Baustellen hat, auf denen sie sich blaue Flecken holt: Sie steckt in der klassischen Zwickmühle vieler Mütter, die sich vermeintlich entscheiden müssen: Kind oder Karriere? Marlene will beides. Sie setzt all ihre Energie daran, für sich und ihre kleine Familie eine neue Situation zu schaffen, und geht dabei fast über Leichen. Sie nutzt die Geduld ihrer Physiotherapie-Kollegin unverblümt bis zum Anschlag aus, riskiert Freundschaften und steht am Ende vor einem Trümmerhaufen. Und warum? Liegt es nur daran, dass sie ein Sturkopf ist und den Blick für das Verhältnismäßige verloren hat? 

Dass man in Deutschland immer noch um Betreuungsplätze für seine Kinder hart ringen muss, ist leider traurige Realität. Jeder muss selbst tüfteln, wie er oder sie die gegebenen Möglichkeiten vor Ort zu einem filigranen Modell zusammenbastelt, um Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Ob sich daran je etwas ändern wird? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Beate Bramstedt
Hauptredaktion Fernsehfilm / Serie II

Stab, Besetzung, Inhalt

Buch    Jens Urban
Regie      Christina Schiewe
Kamera        Kay Gauditz
Schnitt      Diana Matous
Ton         Roman Schwartz
Szenenbild       Thorwald Kiefel
Kostüme       Birgitta Lohrer-Horres
Musik     Martina Eisenreich
Produktionsleitung      Uli Hauff
Herstellungsleitung   Sabine Wenath-Merki
Produktion        hager moss film GmbH
Produzentin     Anja Föringer
Redaktion        Beate Bramstedt
Länge     ca. 88 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Marlene      Julia-Maria Köhler
Renate    Valerie Niehaus
Rosi   Marlene Morreis
Tülin    Yasemin Cetinkaya
Karl   Stephan Grossmann
Thorsten    Sebastian Ströbel
Waldemar Brandner    Martin Feifel
Otto Schmidtbauer     Michael Lerchenberg
Kiki         Leslie Seidenberg
Banu   Vanessa Gunka
Hanna    Elina Egger
Frederick  Laurin Donnert
Lilli   Mina Khorasani
Herr Goldbeck    Sandro di Stefano
Marktleiter Baumarkt   Peter Lindhorst
und andere

 

"Geschlossen wegen Asbest": Entsetzt liest Marlene das Schild an der Tür der Kindertagesstätte. Da ein Ersatz nicht zu finden ist, will sie flugs selbst passende Räume herrichten. Aber das ist nicht so einfach. Auch, weil Ehemann Thorsten für einen Job nach Hamburg geht, statt ihr den Rücken freizuhalten. Marlene beißt die Zähne zusammen. Mit anderen Eltern will sie ihr Ziel erreichen, egal wie.

Marlene und ihr Mann Thorsten haben einen Deal: Sie wollen ihr Familienleben neu aufstellen und sich ab sofort gemeinsam um ihre kleine Tochter Kiki kümmern. Dafür muss Thorsten beruflich etwas kürzertreten, sodass Marlene endlich wieder in ihren Beruf als Physiotherapeutin zurückkehren kann. Dafür sind sie extra ins beschauliche Dachau gezogen. Alles ist perfekt organisiert – da kommt plötzlich die Absage von Kikis künftiger Kita. Sie muss wegen Asbestsanierung sofort geschlossen werden. Ersatz? Fehlanzeige.

Als Thorsten kurzfristig ins ferne Hamburg eilt, um dort seiner alten Firma aus der Patsche zu helfen, droht Marlenes berufliches Comeback endgültig zu scheitern. Sie schnaubt vor Enttäuschung, Wut und Energie. Marlene will an ihrem neuen Lebensplan festhalten. Zufällig entdeckt sie passende Räumlichkeiten, die nur noch umgebaut werden müssten. Mitstreiter sind in Rosi, Renate, Tülin und Karl schnell gefunden, denn in Dachau sind Kitaplätze mehr als rar.

Mit großem Enthusiasmus und viel Improvisationskunst machen sich die fünf Hobbyheimwerkerinnen und -heimwerker an den Umbau – und stoßen dabei rasch an ihre Grenzen, zumal ihnen ein enger Terminkalender im Nacken sitzt. Daher verschweigt Marlene lieber, dass sie einen unheilvollen nassen Fleck an der Wand entdeckt hat. Der Wasserrohrbruch folgt auf dem Fuß und droht die ganze Unternehmung kurz vor der Abnahme zum Scheitern zu bringen. Besonders Rosi, eine gestandene Installateurin, die im Baumarkt jobbt, ist tief getroffen. Denn ganz offenbar hat Marlene ihr die Reparatur nicht zugetraut. Aber die vergangenen harten Arbeitstage haben die Gruppe zusammengeschweißt. Mit aller Macht stemmen sie sich gegen das Scheitern in letzter Minute. Ob sich das Blatt doch noch zum Guten wenden lässt?

Beklommen schaut Marlene in die Zukunft. Denn Thorsten hat inzwischen in Hamburg eine äußerst attraktive Stelle angetreten und möchte, dass Marlene und Kiki nachkommen. 

"Noch viel zu tun für die Gleichberechtigung"

Fragen an Julia-Maria Köhler, Valerie Niehaus, Marlene Morreis und Sebastian Ströbel

Was macht für Sie den besonderen Reiz an der Komödie aus?

Julia-Maria Köhler: Die Komödie ist immer eine Herausforderung für alle. Für Schauspieler und Schauspielerinnen, für Regie und natürlich auch für Autoren und Autorinnen. Plumpe Witze verraten dieses Fach oft. Wenn der Film am Ende leicht, situativ, humorvoll ist und dennoch berührt, dann sind die Kriterien einer Komödie in meinen Augen erfüllt.

Marlene Morreis: Ensemble-Spiel ist immer spannend. Es ist für mich essenziell, dass man miteinander gut klarkommt. Natürlich kann Sympathie nicht der ausschlaggebende Punkt dafür sein, ob man gut mit jemandem zusammenspielt oder nicht, aber es hilft schon enorm. Wir hatten viele Szenen zu fünft, wenn da jemand dabei wäre, der immer dezidiert eine andere Meinung hätte, wie man was spielen soll, wäre das nicht hilfreich. In unserem Fall hat es aber sehr gut funktioniert, und das macht dann auch den besonderen Reiz aus. Es entwickelt sich eine Gruppendynamik, und man weiß, wie die anderen Charaktere auf einen reagieren.

Sebastian Ströbel: Komödien sind oftmals Zuspitzungen. Nicht in "Kinder und andere Baustellen". Hier wird eine Lebensphase beschrieben, die in sich schon so viel Zuspitzung und Stress beinhaltet, dass man kaum etwas hinzudichten muss. Familie, Partnerschaft, Ämter, Bauen. Gerade diese unfassbare Hektik birgt unglaublich viel komödiantisches Potenzial.

Ob Cowboy und Indianer im Garten oder bunte Handabdrücke an der Wand – es gibt viele Szenen, in denen Kinder mitspielen. Wie haben Sie die Dreharbeiten mit Ihren jüngsten Kolleginnen und Kollegen empfunden?

Valerie Niehaus: Sie sind natürlich immer verlässliche Partner auf der Suche nach lustigem, spontanem Durcheinander. Beim Drehen mit Kindern entstehen immer wieder ungeplant Dinge, auf die man dann nicht mehr verzichten mag.

Julia-Maria Köhler: Die Arbeit mit den Kindern war toll. Kinder kontrollieren sich nicht, und da kann ich viel von ihnen lernen. Gerade im Schauspiel.

Bis auf Karl sind es die Frauen, die die Sache selbst in die Hand nehmen, als der versprochene Kitaplatz ausfällt. Warum denken Sie, dass Kinderbetreuung noch immer zum großen Teil in der Hand der Frauen liegt?

Marlene Morreis: Frauen verdienen oft einfach weniger im Beruf, das ist die traurige Wahrheit. Da liegt Deutschland im Vergleich auch noch deutlich hinter anderen EU-Ländern zurück. Wenn es einen Partner gibt, dann arbeitet der natürlich weiter, weil er mehr Geld verdient, und die Frau bleibt automatisch zu Hause. Diese Überlegung, ob auch der Mann zu Hause beim Kind bleiben könnte, findet oftmals gar nicht statt, weil sich das meist keine Familie leisten kann. Und die Coronapandemie war für viele Frauen einfach ein Rückschritt, was die Gleichberechtigung in Familie und Beruf angeht, da mache ich mir keine Illusionen.

Julia-Maria Köhler: Gott sei Dank weicht das Rollenbild endlich auf. Auch mehr Männer übernehmen heutzutage die Kinderbetreuung und die Frau geht arbeiten. Aber es bleibt weiterhin noch viel zu tun für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Generell wäre ich für eine kostenfreie Kinderbetreuung.

Valerie Niehaus: Wahrscheinlich brauchen so große Umstrukturierungen innerhalb einer Gesellschaft eben doch etwas länger als uns allen lieb ist. Ich habe aber durchaus den Eindruck, dass die Väter längst nachziehen, und die Situation, in die Marlene und Thorsten geraten, keine geschlechterspezifische, sondern eine elternspezifische ist.

Im Film nehmen die Frauen an einer "Ladies Night" im Baumarkt teil. Sind Sie handwerklich begabt?

Sebastian Ströbel: Ich wusste nie, dass ich handwerkliches Geschick besitze, bis ich an unserem Haus recht viel aus der Not heraus selbst machen musste. Learning by doing – und es ist nicht einmal so kompliziert.

Valerie Niehaus: Ich hatte mich bis zum Dreh im Baumarkt tatsächlich noch nicht mit Fliesenlegen beschäftigt und würde das auch weiterhin dem Fachmann oder der Fachfrau überlassen wollen. Aber ich mache sehr viel selbst im Haus, ich kann gut bohren und streichen.

Gab es ein besonderes Erlebnis während des Drehs, dass Sie so schnell nicht vergessen werden?

Marlene Morreis: Ich erinnere mich gerne an jeden einzelnen Morgen in der Maske, wenn erst mal durch die Fake-Tattoos und mein Haarteil und den Amy Winehouse-Lidstrich und die falschen Wimpern meine Figur entstanden ist. Ich mochte die Rolle der Rosi besonders gern, weil sie mal etwas anders aussehen durfte. Ich bin immer wieder eine große Verfechterin davon, auch mal in Nischen zu gehen, ohne das direkt ansprechen zu müssen.

Julia-Maria Köhler: Der gesamte Dreh war für mich eine nicht zu vergessene Erfahrung. Ich mochte unser Ensemble sehr. Wir hatten unglaublich viel Spaß. Und München ist eine wunderschöne Stadt.

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