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Königliche Dynastien - Die Glücksburger

Dreiteilige ZDFzeit-Dokureihe über die Coburger, Oranier und Glücksburger

Nomen est Omen, so heißt es. Für die Dynastie der Glücksburger mag dies zutreffen. Im Reich der dänischen Königin Margrethe II. und des norwegischen Königs Harald V. lebt – laut Weltglücksbericht von 2017 – die glücklichste Bevölkerung der Erde.  Zum Abschluss der Reihe über royale Familien zeigt das ZDF den Film "Königliche Dynastien: Die Glücksburger" von Annette von der Heyde und Claudia-Ulrike Wolters.

  • ZDF, Dienstag, 27. Juni 2017, 20.15 Uhr

Texte

Im Fokus: "Königliche Dynastien"
Von Stefan Brauburger, Redaktionsleiter Zeitgeschichte

Vor fast einhundert Jahren wurde die Monarchie in Deutschland abgeschafft. Mit der Ausrufung der Republik im November 1918 endete das Zeitalter fürstlicher und königlicher Vorherrschaft. Doch gab es Dynastien mit deutschen Wurzeln, die in der Zeit der Revolutionen auf ihren Thronen bleiben konnten – dort, wo das Volk, anders als in Deutschland, der Souverän war und sich für den Erhalt einer parlamentarischen Monarchie entschieden hatte. Dazu zählen die Coburger in Belgien, die Glücksburger in Dänemark und Norwegen und auch die Oranier in den Niederlanden.

Wem ist schon bewusst, dass die Oranje-Trikots der holländischen Fußballfans auf einen deutschen Adelsspross zurückgehen? Oder dass der "Schwiegervater Europas", Christian IX., ein deutscher Prinz  war, dessen Nachfahren heute an der Spitze Dänemarks und Norwegens stehen? In der nunmehr vierten Staffel setzen wir das Format "Königliche Dynastien" fort – einmal mehr mit dem Anspruch, aus der Perspektive royaler Familien Einblicke in die Geschichte Europas zu vermitteln.

Die Coburger / Sendetermin, Stab und Inhalt

Dienstag, 13. Juni 2017, 20.15 Uhr
Königliche Dynastien – Die Coburger
ZDFzeit-Dokumentation

Stab
Buch und Regie_____Julia Melchior
Regie/Szene_____Oliver Halmburger
Kamera______Tobias Corts, Johannes Imdahl
Kamera/Szene_____Tobias Corts und Richard Koburg
Schnitt_____Lars Roland
Produktion ZDF_____Carola Ulrich, Philipp Müller
Produzent_____Leopold Hoesch, BROADVIEW TV GmbH
Redaktion_____Ursula Nellessen
Leitung_____Stefan Brauburger

 

Inhalt

Die Coburger begründeten die Königshäuser von Belgien und Bulgarien und herrschten in England und Portugal. Sie regierten als sächsische Kurfürsten und Coburger Herzöge. Geschickte Heiratspolitik machte sie zeitweise zur bedeutendsten Herrscherdynastie Europas. Bis heute sitzen Coburger auf den Thronen Europas.

Als König Philippe im Juli 2013 sein Amt antritt, ist es auf den Tag genau 182 Jahre her, dass sein deutscher Vorfahr Leopold I. erster Monarch der Belgier wurde. Der galante Prinz aus Oberfranken war eine gute Wahl für das neu gegründete Königreich, so denkt die Mehrheit der Belgier auch heute noch über ihn. Das Urteil über seinen Sohn sieht anders aus, Leopold II. steht für eines der größten Verbrechen in Zentralafrika: die sogenannten "Kongogräuel". Erst allmählich arbeiten die Belgier dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte auf, das einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg sein Ende fand.

Während dieses Krieges standen sich Coburger an allen Fronten gegenüber. In Großbritannien saß König George V. auf dem Thron, ein Enkel der legendären Königin Victoria und ihres Mannes, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Lange hielt George an seinen deutschen Wurzeln fest. Doch als 1917 in Gotha gebaute deutsche Flugzeuge Bomben über London abwarfen, kappte er die familiären Bande und änderte für sich und seine Nachfahren den Familiennamen "Saxe-Coburg-Gotha" in den Kunstnamen "Windsor".

Unter dem Namen Simeon Sakskoburggotski hat ein Coburger als Bulgariens letzter König Geschichte geschrieben: Von den Kommunisten vom Thron verjagt, kehrte er fünfzig Jahre später, nach dem Ende des Kalten Krieges, aus dem Exil zurück. Als Bürger Bulgariens stellte sich der ehemalige Monarch zur Wahl und wurde 2001 zum Premierminister seines einstigen Königreichs. Er ebnete den Weg für den Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union.

Selbst Schwedens amtierender König Carl XVI. Gustaf stammt mütterlicherseits aus dem Haus Sachsen-Coburg. Doch nur verhalten beruft er sich auf diese Abstammung. Die aktive Nazi-Vergangenheit seines Großvaters Carl Eduard wirft Schatten auf das Ansehen des Königshauses. Die Familie in Coburg stellt sich heute der Vergangenheit. Prinz Hubertus, der designierte Hauschef  der Coburg’schen Stammlande, unterstützt die Aufarbeitung. Im Interview spricht er offen über das Vermächtnis seiner Vorfahren, die familiären Bande und Zerwürfnisse.

ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior ergründet das europäische Familiennetzwerk der Coburger. Bulgariens Ex-König Simeon empfängt sie in seiner Residenz in Sofia. In Belgien öffnet die königliche Familie die Palasttüren, in Großbritannien begibt sich die Autorin auf die Suche nach den Coburg’schen Wurzeln der britischen Königsfamilie. Anekdotenreich und mit beeindruckenden Bildern von royalen Schauplätzen erzählt der Film anhand ausgewählter Biografien die Geschichte der wohl europäischsten unter den Dynastien des Kontinents.

Die Coburger / Statements von Nachkommen und Experten

Über Philippe, König der Belgier seit 2013

Prof. Dr. Vincent Dujardin, Historiker:
"Der 21. Juli 2013 markiert einen Wendepunkt: Belgien bekommt einen neuen König, aber vor allen Dingen auch ein neues Bild von dessen Rolle. Philippe hat sofort die Aufgaben eines Staatschefs übernommen. Er ist angetreten mit einer großen Überzeugung und einer bemerkenswerten Rede, die bewies, dass er um die Befindlichkeiten im Norden und im Süden des Landes weiß und dass er die Regionen respektieren will. König Philippe ist außerdem ein europäischer König. Er hat selbst gesagt: "Ich fühle mich als Europäer in meinen Genen und in meinem Blut."

Über die Entstehung von Belgien

Patrick Weber, Journalist und Autor "La saga des Saxe-Cobourg":
"Als Belgien 1831 entstand, gab es nichts – keine Hymne, keine Fahne, keinen König. Die Verfassung war so demokratisch, dass man gar über eine Republik als Staatsform nachdachte. Aber damals herrschten quasi in ganz Europa Könige, vielleicht mit Ausnahme von der Schweiz und San Marino. Man musste also einen König finden. Der einzige Kandidat, der alle zufriedenstellte, war Prinz Leopold von Sachsen-Coburg. Ein Glücksgriff. Ein Staatsmann. Ein Europäer. Ohne Leopold I. hätte Belgien nicht lange existiert."

Über die Dynastie der Coburger

Patrick Weber, Journalist und Autor "La saga des Saxe-Cobourg":
"Es ist eine intelligente Dynastie. Anstatt Kriege zu führen, haben sie sich lieber aufs Heiraten konzentriert. Den Coburgern ist es gelungen, sich überall in Europa zu platzieren. Wie auf einem Schachbrett. Und sie haben viele siegreiche Züge gespielt. Das ist wirklich eine Meisterleistung der Familienpolitik."

Prof. Dr. Thomas Nicklas, Historiker und Autor "Das Haus Sachsen-Coburg: Europas späte Dynastie":  
"Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Ideologien: Nationalismus, Liberalismus, Sozialismus. Diesen Strömungen mussten sich die Coburger stellen und das haben sie mit erstaunlicher Offenheit und mit großem Erfolg getan. Sie wurden die Verbündeten einer aufstrebenden Schicht, nämlich des Bürgertums. Das gilt für alle europäischen Länder, in denen die Coburger eine Rolle gespielt haben – auch für Bulgarien."

Über den Riss innerhalb der Coburg-Familie

Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha:
"Mit der britischen Königsfamilie gibt es auch heute noch nicht die Anknüpfungspunkte, die wir mit den anderen Königsfamilien wieder haben. Der Erste Weltkrieg hat zum Zerwürfnis geführt. Aber danach haben sich die Familien in Coburg und in Großbritannien wieder angenähert. Aber der Zweite Weltkrieg hat dann durch die Person des Herzogs Carl Eduard einen Riss durch die Familienbande geschlagen."

Prof. Dr. Hubertus Büschel, Historiker und Autor "Hitlers adliger Diplomat":
"Aus einem Verhörprotokoll von 1945 wissen wir, dass Herzog Carl Eduard gesagt hat, es werde Zeit, die Juden zu beseitigen. Das wurde wortwörtlich protokolliert. Dann gab es noch die berühmte Rede von Hitler 1933, in der er den Massenmord an den Juden ankündigte. Die kommentiert Herzog Carl Eduard in seinem Tagebuch auch überschwänglich. Das sind deutliche Hinweise darauf, dass er durchaus die Ideologie des Regimes und den Antisemitismus geteilt hat."

Simeon Sakskoburggotski, ehemaliger König und Premierminister von Bulgarien:

Über seinen Namen
"Einen Namen wie unseren kann man nicht einfach ablegen. Als Geschäftsmann im Exil bin ich aber nie als König Simeon von Bulgarien aufgetreten. Da habe ich ein Pseudonym benutzt. Und als ich dann nach fünf Jahrzehnten nach Bulgarien zurückkehren und meinen Pass beantragen konnte, fragte man mich, was denn darin stehen solle. Ich überlegte kurz und entschied, mein Familienname solle in meinem Pass stehen. Und so wurde ich plötzlich zu Simeon Sakskoburggotski."

Über die Verbundenheit zu Bulgarien
"Vielleicht fühle ich mich diesem Land enger verbunden als jemand, der nicht verjagt wurde und dem nicht verboten wurde, zurückzukehren. Noch dazu bin ich durch meine Vorfahren historisch mit diesem Land tief verwurzelt, so dass ich mich so bulgarisch fühle wie nur irgend möglich, obwohl ich Jahrzehnte im Ausland lebte. Bulgarien war über so lange Zeit ein Tabu für mich. Umso mehr habe ich mich zurückgesehnt. (…) Heute wieder in Sofia in unserer einstigen Residenz zu leben lehrt mich, niemals nie zu sagen. Man weiß nie, was einem widerfahren wird in seinem Leben. Die Rückkehr schien ganz und gar unmöglich. Und – hier bin ich nun."

Die Oranier / Sendetermin, Stab und Inhalt

Dienstag, 20. Juni 2017, 20.15 Uhr
Königliche Dynastien – Die Oranier
ZDFzeit-Dokumentation

Stab
Buch und Regie_____Annette Koehler und Ursula Nellessen
Regie/Szene_____Oliver Halmburger
Kamera_____Anthony Miller und Christian Baumann
Kamera/Szene_____Tobias Corts und Richard Koburg
Schnitt_____Christoph Schuhmacher
Produktionsleitung_____Carola Ulrich und Philipp Müller
Redaktion_____Ursula Nellessen
Leitung_____Stefan Brauburger

 

Inhalt

Die Dokumentation erzählt von den deutschen Wurzeln des Hauses Oranien-Nassau und spiegelt die Wendepunkte der niederländischen Geschichte: vom dramatischen Freiheitskampf gegen die Spanier, über die dynastische Krise im 19. Jahrhundert bis hin zum modernen Selbstverständnis der jungen Königsfamilie.

Vor jedem Spiel ihrer Nationalelf werden die Niederländer daran erinnert: Ihre Königsfamilie stammt aus Deutschland. Denn wenn die Spieler die Nationalhymne anstimmen, singen sie "Wilhelmus von Nassouwe (Nassau), bin ich von deutschem Blut..." Dieser Wilhelm von Oranien, 1533 auf Schloss Dillenburg im Westerwald geboren und nach eigenen Worten "ein waschechter Deutscher", hätte sich zu Lebzeiten nicht träumen lassen, in den Niederlanden einmal als "Vater des Vaterlandes" verehrt zu werden. Voll Stolz beruft sich auch König Willem-Alexander auf den Mann, der den Niederlanden die Freiheit brachte.

Dabei spielte dem Nassauer das Schicksal in die Hände: Mit elf Jahren erbt Wilhelm von einem Cousin das Fürstentum Orange in Frankreich sowie große Ländereien in den Niederlanden. Der dazugehörige Titel macht aus ihm einen der bedeutendsten Adeligen seiner Zeit, den Fürsten von Oranien. Es ist das Ende seiner Kindheit und der Anfang einer beispiellosen Karriere. Doch die hat ihren Preis: Wilhelm muss seine Familie verlassen und an den Hof Kaiser Karls V. ziehen, der damals über die Niederlande herrscht. Der Habsburger macht aus dem Protestanten einen kaisertreuen Katholiken. Karls Sohn und Nachfolger König Philipp II. erhebt den Oranier später sogar zum Statthalter. Wilhelm soll vermitteln zwischen den Niederländern und dem katholischen Monarchen, der die Rechte der Stände beschneiden will und mit brachialer Gewalt gegen aufständische Protestanten vorgehen lässt. "Man hat damals in ganz Europa gesagt: Wenn Spanien sich bewegt, dann zittert der Erdkreis, und gegen diesen Riesen sind die Niederlande aufgestanden", resümiert der Historiker Christoph Driessen. Wilhelm von Oranien muss Position beziehen. Er stellt sich auf die Seite der Rebellen und riskiert für die Freiheit des Landes nicht nur Hab und Gut, sondern auch Kopf und Kragen. Wilhelms Mut ist es zu verdanken, dass am Ende des langen Kampfes eine Bürgerrepublik gegründet wird – die erste ihrer Art.

Als "Statthalter der Niederlande" spielen Wilhelms Nachkommen über Jahrhunderte eine führende Rolle, doch erst 1815 werden die Oranien-Nassauer zu Königen. Seitdem heißen die Kronprinzen durchweg Wilhelm mit Vornamen. Mit den Heldentaten des Stammvaters vermochte sich keiner der Nachfahren zu messen. Und so mancher bringt die Familie durch seinen zweifelhaften Lebenswandel in Verruf. Mit König Wilhelm III., den die Niederländer verächtlich "König Gorilla" nennen, erreicht das Ansehen der Oranier einen Tiefpunkt. "Worauf man da anspielt, ist sein im mehrfachen Wortsinne grenzüberschreitendes Sexualleben", meint der Historiker Olaf Mörke. Erst als ab 1890 mit der Hessin Emma von Waldeck und Pyrmont Frauen das Ruder im Königshaus übernehmen, wird das ramponierte Image der Dynastie wieder aufpoliert. Dass die Niederländer ihren König Willem-Alexander bei seiner Inthronisierung 2013 begeistert feiern, ist nicht zuletzt der Beliebtheit seiner Vorgängerinnen, den drei Königinnen Wilhelmina, Juliana und Beatrix zu verdanken.

Die Dokumentation begleitet das niederländische Königspaar bei seinem Deutschland-Besuch auf der Wartburg und in Weimar, hält Momente von König Willem-Alexanders 50. Geburtstag fest und zeigt für die Dynastie bedeutsame Orte wie Orange, Burg Nassau, Schloss Dillenburg und Breda.

Die Oranier / Statements von Experten

Über den "Vater" der Niederlande, Wilhelm von Oranien (1533-1584), der den Aufstand gegen die Spanier anführte

Christoph Driessen, deutsch-niederländischer Journalist und Historiker, Autor von "Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland.":

"Ohne Wilhelm von Oranien würde es die Niederlande in ihrer heutigen Form mit Sicherheit nicht geben. Und ich glaube aufgrund der Tatsache, dass er sich zeitlebens immer für Toleranz, für Glaubensfreiheit eingesetzt hat, ist er einer der wenigen Nationalhelden, die einem auch heute noch was zu sagen haben."

"Spanien war damals die große Supermacht, das erste Reich, in dem die Sonne nie unterging. Man hat damals in ganz Europa gesagt: Wenn Spanien sich bewegt, dann zittert der Erdkreis, und gegen diesen Riesen sind die Niederlande aufgestanden und haben tatsächlich mit ihrer Rebellion Erfolg gehabt und am Ende ihre Unabhängigkeit errungen. Und das ist ohne Wilhelm von Oranien absolut nicht vorstellbar. (…)

Es gab 1579 nochmal eine große Friedenskonferenz in Köln, die aber gescheitert ist. Daraufhin haben sich dann die Niederlande 1581 vom spanischen König losgesagt. Das war wirklich ein revolutionärer Schritt. So etwas hatte es in der Weltgeschichte noch nicht gegeben. Sie haben gesagt: Ein König muss sich um seine Untertanen kümmern wie ein guter Vater um seine Kinder. Wenn er sich aber als Tyrann verhält, dann haben die Untertanen das Recht, sich von ihm loszusagen. Das hat es eigentlich erst wieder 1776 mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gegeben."

"Das Dokument, mit dem sich die Niederlande von der spanischen Krone lossagten, war dann später das Vorbild für Thomas Jefferson, für die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Darauf haben sich die amerikanischen Revolutionäre eindeutig bezogen. Das war auch der Grund, warum sich der damalige US-Präsident Barack Obama dieses Dokument bei einem Besuch in Amsterdam vor drei Jahren angeschaut hat."

"Noch zu Lebzeiten von Wilhelm von Oranien ist die niederländische Republik gegründet worden, die ihren Einwohnern Glaubensfreiheit, Gewissensfreiheit zugesichert hat. Das war die Grundlage dafür, dass diese Republik im 17. Jahrhundert der Zufluchtsort für Verfolgte aus ganz Europa wurde. Juden haben die größte Synagoge der Welt gebaut und es gab schon keine Hexenverfolgungen mehr, als sie in Deutschland ihren Höhepunkt hatten. Dieses bürgerliche, freiheitliche Element zieht sich durch die gesamte niederländische Geschichte."

Über die Person Wilhelm von Oranien
"Man kann sagen, dass Wilhelm von Oranien ein bisschen der George Clooney seiner Zeit war. Man weiß von Gemälden, dass er sehr gut aussah und aus Dokumenten ist bekannt, dass ihm die Herzen zuflogen. Er hatte sehr viel Charme und konnte die Leute um den Finger wickeln. Das haben auch seine Feinde gesagt. (..) was ich noch bemerkenswerter finde ist, dass er genauso gut einen Draht zu einfachen Leuten fand. Mit denen konnte er auch ins Gespräch kommen und das ist für das 16. Jahrhundert sehr selten."

Über König Wilhelm III. (1817-1890)

Christoph Driessen, Historiker:
"Wilhelm III. war ein Hitzkopf – man muss sich vorstellen ein großer, breitschultriger, vollbärtiger Mann mit einem ganz lauten Organ, der bei der kleinsten Sache explodierte – sehr jähzornig, rachsüchtig auch, launisch. Also eigentlich nicht jemand, dem man unbedingt begegnen wollte."

Prof. Olaf Mörke, Historiker:
"Sein Spitzname war König Gorilla. Aber ich finde, man tut dem Gorilla damit unrecht. Worauf man damit anspielt,  ist sein grenzüberschreitendes, im mehrfachen Wortsinne grenzüberschreitendes Sexualleben. Das hat er wohl heftigst ausgelebt."

Über Königin Wilhelmina (1880-1962)

Christoph Driessen, Historiker:
"Wilhelmina war eine toughe Frau, die sich durchsetzen konnte. Winston Churchill hat mal über sie gesagt: Das ist der einzige Mann in der niederländischen Regierung."

"Für die Niederländer war das zunächst einmal ein Schock, dass sich die Königsfamilie während des Krieges ins Ausland absetzte und nicht bei ihnen blieb. Im Nachhinein betrachtet, hat Wilhelmina die richtige Entscheidung getroffen. Was hätte sie in den Niederlanden ausrichten sollen? Im Londoner Exil ist sie dann ja zu einer geradezu heroischen Gestalt geworden: Sie hat über Radio Oranje in feurigen Reden die Bevölkerung zum Durchhalten aufgerufen und wenn man zum Beispiel das Tagebuch der Anne Frank liest, finden sich Sätze wie: "Dienstag und Mittwoch sprach unsere geliebte Königin". Man spürt, was das für die Menschen damals bedeutet hat."

Über Willem-Alexander, König der Niederlande seit 2013

Christoph Driessen, Historiker:
"Willem Alexander hat nicht so viel übrig für pompöse Staatsbesuche. Er macht eher kurze Stippvisiten, die stehen unter einem bestimmten Thema und er vertritt Handelsinteressen. Seine Botschaft ist: Die Monarchie hat einen Nutzen für jedermann, sie bringt einen Mehrwert für die Gesellschaft."

Die Glücksburger / Sendetermin, Stab und Inhalt

Dienstag, 27. Juni 2017, 20.15 Uhr
Königliche Dynastien – Die Glücksburger
ZDFzeit-Doku

Stab
Buch und Regie_____Annette von der Heyde und Claudia-Ulrike Wolters
Regie/Szene_____Oliver Halmburger
Kamera_____Anthony Miller und Christian Baumann
Kamera/Szene_____Tobias Corts und Richard Koburg
Schnitt_____Walter Freund
Produktionsleitung_____Carola Ulrich und Philipp Müller
Redaktion_____Ursula Nellessen
Leitung____Stefan Brauburger

 

Inhalt

Nomen est Omen, so heißt es. Für die Dynastie der Glücksburger mag dies zutreffen. Im Reich der dänischen Königin Margrethe II. und des norwegischen Königs Harald V. lebt – laut Weltglücksbericht von 2017 – die glücklichste Bevölkerung der Erde.

Die Dokumentation von Annette von der Heyde und Claudia Ulrike Wolters schildert die Erfolgsgeschichte des Hauses Glücksburg, den Aufstieg der einst verarmten deutschen Adelsfamilie auf die Throne von Kopenhagen und Oslo. Namensgeber und Stammvater der Dynastie ist der deutsche Prinz Christian von Schloss Glücksburg bei Flensburg. Dabei war es ein dynastischer Notfall, der den verarmten Prinzen 1863 als König Christian IX. in den regierenden Hochadel aufsteigen ließ. Als in Kopenhagen Mitte des 19. Jahrhunderts ein Thronfolger fehlte, fiel die Wahl auf ihn, einen Neffen der dänischen Königin. Der Deutsche, der Dänisch nur mit Akzent sprach, war anfangs wenig gelitten in Kopenhagen. Als nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt der deutsch-dänische Krieg von 1864 ausbrach, in dessen Folge Dänemark zwei Fünftel seiner Landmasse verlor, musste der König unter Polizeischutz gestellt werden – so groß waren die Anfeindungen gegen ihn aufgrund seiner deutschen Herkunft. Erst Jahre später gewann der König die Zuneigung der Dänen, auch weil es ihm gelang, seine sechs Kinder an die bedeutendsten Höfe Europas zu verheiraten. Als "Schwiegervater Europas" versammelte er jeden Sommer die Monarchen von England, Russland und Schweden in seinem Schloss zum zwanglosen Beisammensein bei Kartenspiel und Fahrradfahren, rückte damit das im Kräftespiel der Mächte weniger bedeutsame Dänemark in den Fokus Europas.

"Hygge" – "gemütlich" war es damals am Königshof der Dänen. "Ein Familienleben, wo man es sich zusammen gemütlich machte, war etwas ganz Neues damals", erklärt die Königshausexpertin Anna von Lowzow. Es war einsympathisches Vorbild für die Bürger, mit denen die Mitglieder der Königsfamilie auf Augenhöhe verkehrten und Teil der positiven Ausstrahlung der dänischen Monarchie, die bis heute von der Mehrheit der Dänen befürwortet wird. "Königin Margrethe ist es geglückt, die Nähe zwischen dem Königshaus und der Bevölkerung zu bewahren", erklärt Journalist Thomas Larsen im Interview.

Auch in Norwegen hatten die Glücksburger Fortune. Als das Land 1905 nach der Unabhängigkeit von Schweden einen eigenen Monarchen suchte, erwählte es einen Enkel von König Christian IX. zum König. Als Haakon VII. regierte der Glücksburger Norwegen bis 1957. Der heutige norwegische König Harald V. ist sein Nachfahre.

Die deutsche Herkunft der Dynastie der Glücksburger ist fast vergessen, nicht aber die dunklen Kapitel der jüngeren Geschichte. 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht über Nacht Dänemark und Norwegen – "Unternehmen Weserübung". Während Christian X., Enkel von Christian IX., im Land blieb und selbstbewusst an seiner Gewohnheit des täglichen Ausritts durch Kopenhagen festhielt, floh sein Bruder Haakon VII. vor der Übermacht der Deutschen und führte von London aus den Widerstand gegen Nazi-Deutschland an. 1945 wurden beide Monarchen in ihren jeweiligen Ländern als Symbolfiguren nationalen Widerstands geehrt.

Der Film zeigt, wie die heutigen Königsfamilien ihr Selbstverständnis noch immer aus dem historischen Erbe schöpfen. Gesucht wird auch eine Erklärung für die Volksnähe und die Zustimmung zu den Glücksburgern. Luftaufnahmen vom Wasserschloss Glücksburg und dem historischen Schlachtfeld von 1864 vermitteln dem Zuschauer Eindrücke von entscheidenden Schauplätzen. Interviews mit Historikern, Journalisten und Königshausexperten zeichnen den Weg einer Dynastie nach, die stets mit der Zeit gegangen ist.

Die Glücksburger / Statements von Experten

Über den Aufstieg der Glücksburger

Anna von Lowzow, Königshaus-Expertin:
"Prinz Christian, der spätere König Christian IX. von Dänemark, stammte aus dem deutschen Fürstenhaus Glücksburg. Er wuchs mit neun Geschwistern auf. Sie lebten sehr bescheiden auf Glücksburg. Von außen sah das Schloss vielleicht eindrucksvoll aus, aber innen war es kalt und es gab nur eine kleine Dienerschaft."

Jes Fabricius Möller, Historiker
"Nach dem preußisch-dänischen Krieg von 1864 musste Christian IX. von vorn anfangen. Aber dann gelang es ihm und seiner Frau, Königin Louise, ihre Töchter sehr vorteilhaft zu verheiraten, nämlich mit dem englischen und dem russischen Thronfolger. Diese im Grunde völlig unbedeutende Fürstenfamilie aus Glücksburg war also plötzlich auf Augenhöhe mit den vornehmsten Dynastien Europas: der britischen Königs- und der russischen Zarenfamilie."

Über König Christian IX. und Königin Louise von Dänemark

Anna von Lowzow, Königshaus-Expertin:
"Ich glaube, dass das dänische Wort ”hygge” (gemütlich) im 19. Jahrhundert in Kopenhagen von König Christian IX. und Königin Louise erfunden wurde. Sie hatten keine Mittel, um einen großen Hof zu führen. Also machten sie es sich mit ihren sechs wohlgeratenen Kindern gemütlich: Sie spielten Karten, gingen spazieren, genossen das Zusammensein. Das war die Grundlage für ihren späteren Erfolg als Königspaar, denn so ein königliches Familienleben, wo man es sich zusammen gemütlich machte, war damals etwas ganz Neues."

Über Haakon XII. und Königin Maud von Norwegen

Jes Fabricius Möller, Historiker:
"Es gab damals, 1905, Diskussionen, ob Norwegen eine Republik werden sollte. Aber in einem Volksreferendum entschied man sich für die Monarchie und wählte den Glücksburger Prinz Carl, einen Enkel von Christian IX., zum König. Er wechselte seinen Namen zum nordischen Haakon XII., wurde der norwegischste aller Könige und war unglaublich beliebt."

Anna von Lowzow, Glücksburg-Expertin:
"Haakon XII. und Königin Maud bereisten Norwegen, um ihr neues Land kennenzulernen. Sie waren bescheiden in ihrem Auftreten – das Glücksburg’sche Haus ist einfach bescheiden – das passte gut."

Über die Brüder Christian X. von Dänemark und Haakon VII. von Norwegen während des Zweiten Weltkriegs

Jes Fabricius Möller, Historiker:
"Trotz der sehr unterschiedlichen Situationen, die nach dem 9. April 1940, also nach dem Einmarsch der Deutschen, in ihren Ländern entstanden, glückte es beiden Königen, den Brüdern Christian X. von Dänemark und Haakon VII. von Norwegen, zu nationalen Symbolfiguren zu werden und damit den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten zu sichern."

Kjeld Hillingsöe, ehem. Generalleutnant und Nato-Chef für die Region Nord:
"Es ist ein Mythos, dass der dänische König Christian X. einen Judenstern trug. Vielmehr  sagte er: Wenn die Juden einen gelben Stern tragen sollen, dann müssen wir anderen es auch tun. Es gab in Dänemark eben keine Judenfrage, darum auch der Widerstand gegen die Judenverfolgung. Fast alle dänischen Juden konnten gerettet werden. Sie entkamen über den Sund nach Schweden mit Hilfe ihrer dänischen Mitbürger."

Jes Fabricius Möller, Historiker:
"Beide Könige waren nach dem Krieg populärer als jemals zuvor. Diese Popularität ist in die nachfolgenden Generationen gesickert und bestimmt eine der Ursachen für die enorme Zustimmung, die die dänische und norwegische Monarchie heute noch erfährt."

Über die heutige Bedeutung und Akzeptanz der Königshäuser

Anna von Lowzow, Glücksburg-Expertin:
"Für uns Dänen sind die Königin und ihre Familie ein fester Haltepunkt. Man ist sich ihrer sicher, und das bedeutet viel. Man denkt nicht täglich darüber nach. Aber das sind unsere Wurzeln. Ebenso in Norwegen. Wir haben unsere Wurzeln und müssen uns nicht jedes vierte, fünfte Jahr für einen neuen Baum entscheiden, der erst wachsen muss. Diese Kontinuität vermittelt uns Ruhe – wir wissen was wir haben, wir wissen, was uns erwartet und das macht uns glücklich."

Jes Fabricius Möller, Historiker:
"Wenn man in sehr turbulenten Zeiten wie heute lebt, braucht man stabile Institutionen. Wir verzichten gerne auf die Legitimität eines gewählten Präsidenten, wenn wir ein Staatsoberhaupt haben, das uns etwas anderes anbieten kann: nämlich Kontinuität."

Weitere Informationen

Pressefotos: über (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/koeniglichedynastien

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