Kommissarin Lucas – Der nette Herr Wong

Der Samstagskrimi

Ulrike Kriener in der Titelrolle klärt ihren 21. Fall, in dem es um Drohentechnologie, Industriespionage und eine Menschenrechtsorganisation geht.

  • ZDF, Samstag, 20. September 2014, 20.15 Uhr
  • ZDF neo, Mittwoch, 17. September 2014, 20.15 Uhr

Texte

Kommissarin Lucas – Der nette Herr Wong
Stab, Besetzung, Inhalt

Der Samstagskrimi
21. Folge der Krimireihe

Buch     Holger Karsten Schmidt
Regie      Tim Trageser
Kamera      Eckhard Jansen
Musik      Andreas Weidinger
Schnitt        Ueli Christen
Szenenbild       Peter Robert Schwab
Produktionsleitung      Sofie Scherz
Producerin       Arbia-Magdalena Said
Produzenten      Molly von Fürstenberg, Harry Kügler
Redaktion      Wolfgang Feindt
Länge      ca. 88'

 

Eine ZDF-Auftragsproduktion der Olga Film GmbH, München

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Ellen Lucas      Ulrike Kriener
Boris Noethen      Michael Roll
Alex Eggert      Anna Brüggemann
Tom Brauer     Lasse Myhr
Rike       Anke Engelke
Max      Tilo Prückner
Claudia Bittner      Christina Große
Leon Kern        Christoph Bach
Jörg Albrecht         Jakob Diehl
Thien Wong         Benito Sambo
Milena Lotha        Kathrin von Steinburg
und viele andere

 

Ein vermeintlich einfacher Einbruch entpuppt sich als Mord: In der Entwicklungsfirma "Al Drones" liegt die Leiche des Inhabers Jian Chien. Jörg Albrecht, der deutsche Geschäftsführer, hat die Ver­mutung, dass aus der Firma sensible Daten entwendet wurden, da sich AI Drones auf die Entwicklung und Produktion von auto­nomen Drohnenschwärmen spezialisiert hat. Noch am Tatort taucht Thien Wong auf, der Onkel des Toten, ranghoher Diplomat, der die naheliegende Vermutung nach chinesischer Industriespio­nage eindeutig von sich weist. Ellen Lucas lässt sich aber nicht einschüchtern und ermittelt weiter in diese Richtung. Claudia Bittner, die leitende Softwareentwicklerin von AI Drones, gerät unter Verdacht, da sich auf deren Rechner die gestohlenen Daten befunden haben. Ihr Lebenspartner Leon Kern gibt ihr jedoch ein wasserdichtes Alibi – und ist kurz darauf selbst im Fokus der Er­mittlungen, da er seit kurzem für eine Menschenrechtsorganisa­tion für chinesische Dissidenten arbeitet, der Jian Chien sein ge­samtes Vermögen vermacht. Was hat es mit der Verbindung zwischen Bittner und Kern auf sich? Was haben die Firma Al Drones und die Men­schenrechtsorganisation miteinander zu tun? Und wollte Jörg Albrecht wirklich nur Drohnen für zivile Zwecke herstellen? Dann verschwindet auch noch Thien Wong. Ellen Lucas und ihr Team durchleuchten die Vertriebsstruktur von Al Drones bis ins letzte Detail und durchdringen immer tiefer die Verbindungen der Men­schenrechtsorganisation.

"Unsere Reihe greift gesellschaftspolitische Themen auf"
Statement von Produzentin Molly von Fürstenberg

Wir streben für unsere Reihe "Kommissarin Lucas" immer einen hohen Erzählanspruch an. Wir greifen gesellschaftspolitische Themen auf, die uns jeden Tag begegnen und mit denen wir uns auseinandersetzen. Wir versuchen, sie fiktiv von verschiedenen Seiten zu beleuchten (Beispiele aus verschiedenen Folgen: Crystal Meth, Zwangsprostitution, Asylproblematik). Auf dieser Grundlage suchen wir unsere Autoren, tauschen uns mit Ihnen aus und brainstormen. So hat Holger Carsten Schmidt das Thema Drohnen eingebracht, mit dem er sich intensiv beschäftigt hatte. Wir haben dann entschieden, nicht nur das in den Medien sehr präsente Thema "militärische Drohnen" zu erzählen, sondern dem Zuschauer den großen Einsatzbereich "zivile Drohnen" näher zu bringen. Mittlerweile stehen Drohnen weltweit im Mittelpunkt aktueller Diskussionen, sei es im zivilen oder militärischen Bereich.

"Das Internet verunsichert mich mehr als Drohnen"
Interview mit Hauptdarstellerin Ulrike Kriener 

Die Ermittlungen in ihrem neuesten Fall führen Ellen Lucas in ein High-Tech-Unternehmen, in dem ganze Drohnen-Schwärme unterwegs sind. Eine beeindruckende Umgebung?

Wir hatten ein großartiges Motiv, eingebaut in ein ehemaliges Straßenbahndepot. Die Ausstattung dort fand ich ganz und gar wunderbar. Und es war natürlich sehr ungewöhnlich, mit diesen Drohnen zu arbeiten, die bei den Dreharbeiten gar nicht vorhan­den waren, sondern erst später per Computer hineinmontiert wur­den. Ich musste mich also vor Dingen erschrecken, die gar nicht da waren.

Regisseur Tim Trageser immerhin war real. Haben Sie sich gefreut über die inzwischen vierte Zusammenarbeit mit ihm für die Lucas-Reihe?

Oh ja, ich schätze ihn sehr. Ich finde er ist ein ganz wunderbarer, einfühlsamer und heiterer Regisseur, der gleichzeitig sehr genau weiß, was er will.

Die gesellschaftsrelevanten Themen bei dieser Folge sind mit Drohnentechnologie, Menschenrechtsverletzungen in China und Industriespionage wieder sehr aktuell. Macht Sie das stolz?

Ja, natürlich ist es ein besonders gutes Gefühl, wenn wir es schaffen, mit unseren Filmen ein aktuelles gesellschaftspoliti­sches Thema mit einem fiktionalen Stoff aufzugreifen. Vorausset­zung ist aber natürlich, dass die Produzenten unserer Filme sehr wach sind und mit einem politischen Blick auf unsere Zeit schauen. Wenn unsere Filme zum Zeitpunkt der Ausstrahlung topaktuell sind, hat das aber auch immer etwas mit Glück zu tun. Denn in der Regel geht es um Themen, in denen wir uns sehr langfristig bewegen, die immer mal wieder in den Vordergrund treten, dann aber auch wieder von anderen Ereignissen verdrängt werden. Nehmen wir beispielsweise das Flüchtlingsthema. Das ist seit vielen Jahren aktuell, und wenn vor Lampedusa ein Schiff sinkt oder wenn ein großes Schiff mit den ersten Palästinensern dort ankommt, dann poppt das Thema wieder hoch, um bald da­rauf leider wieder zu verschwinden.

Das Thema Drohnen wird uns ähnlich immer wieder beschäf­tigen. Vielen Menschen vermitteln die unbemannten Flugob­jekte das Gefühl, dass "Big Brother" nun auch noch fliegen gelernt hat. Fühlen Sie sich persönlich auch beobachtet und ausspioniert?

Weniger durch Drohnen als durch das Internet generell. NSA und Datendiebstähle, gehackte Computer im Bekannten- und Freun­deskreis, Zugangsdaten, die immer mal wieder geändert werden müssen – das verunsichert mich mehr. Drohnen kenne ich durch die Arbeit vor der Kamera, sie werden längst eingesetzt für die großen Totalen von oben, die man früher aufwendig mit Hub­schraubern drehen musste. Heutzutage erledigen so etwas Spe­zialisten, die mit ihren sogenannten Oktokoptern ans Set kom­men. Auf mich wirken zumindest diese Drohnen eher wie Spiel­zeuge für große Jungs.

Im aktuellen Fall wird eine der Protagonistinnen Opfer eines sogenannten "Romeos", eine Spions also, der seinen Infor­mantinnen die große Liebe vorgaukelt. Welche Eigenschaften müsste ein "Romeo" haben, um eine Frau wie Ellen Lucas zu bezirzen?

Der hätte überhaupt nur eine Chance in dem Moment, wo sie sel­ber mit sich in der Krise ist. Ellen ist eine relativ verschlossene Person und so lange die keine Zweifel an sich selber hat, ist sie auf einer tieferen Ebene gar nicht zugänglich für Dinge, die au­ßerhalb ihres Falles liegen. Wenn diese Verunsicherung aber ge­geben wäre, könnte ich mir verschiedene Typen vorstellen. Zum Beispiel einen wirklich erwachsenen, großen, warmen Mann in ihrem Alter mit einer guten Portion Gelassenheit. Oder auch einen jüngeren Mann, der ihre Fähigkeiten und Kompetenzen schätzt und von ihr lernen möchte. Vielleicht schmeichelt ihr so etwas. Vielleicht wäre sie über diesen Weg knackbar.

Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung dieses Filmes stehen Sie unmittelbar vor den Dreharbeiten für zwei neue Fälle von "Kommissarin Lucas". Macht es noch immer Spaß, in diese Rolle zu schlüpfen?

Klares ja, ich freue mich nach wie vor auf diese Arbeit. Ralf Huettner übernimmt wieder die Inszenierung. Er ist ein fantasie­sprühender, sehr schnell denkender Regisseur, der die Ellen Lucas in ihrer Sprödigkeit mag und darüber bin ich sehr glücklich. Und auch die Themen sind wieder brisant und aktuell. Einer unse­rer Filme hat zum Beispiel im weitesten Sinne mit der Kirche zu tun.

Die Fragen stellte Christine Strohm

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