Apropos Glück

Komödien im ZDF

Die Primetime am Donnerstag – das sind erfolgreiche und fest im ZDF-Programm verankerte moderne Berg- und Heimatgeschichten, unterhaltsame Showformate und internationale Sportereignisse. In erster Linie. Doch immer wieder, über das Jahr verstreut, finden sich auch hochwertige Spielfilme, einzeln oder wie im kommenden Herbst, als Block. Spannend ist an diesen Filmen die Tatsache, dass es sich dabei um Komödien handelt. Der Komödien-Oktober im ZDF: "Heiraten ist nichts für Feiglinge", "Apropos Glück", "Zwei verlorene Schafe" und "Hilfe, wir sind offline!" .

  • ZDF, Donnerstag, 6. Oktober 2016, 20.15 Uhr, Donnerstag, 13. Oktober 2016, 20.15 Uhr, Donnerstag, 20. Oktober 2016, 20.15 Uhr, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 20.15 Uhr

Texte

Der Komödien-Oktober im ZDF

Die Primetime am Donnerstag im ZDF – das sind erfolgreiche und fest im ZDF-Programm verankerte moderne Berg- und Heimatge­schichten, unterhaltsame Showformate und internationale Sport­ereignisse. In erster Linie. Doch immer wieder finden sich über das Jahr verstreut auch einzelne Komödie, im kommenden Herbst sogar gleich ein ganzer Block.

Nun lässt sich über Humor trefflich streiten. Da haben es die Kri­mis vermeintlich leichter: ein Mord ist ein Verbrechen, der Ver­brecher/ Mörder muss gefunden und seiner gerechten Strafe zu­geführt werden. Das ist mal spannender, mal weniger - aber in der Regel siegt am Ende die Gerechtigkeit. Ob bei einer Komödie am Ende der Humor siegt, ist ein sehr subjektives Empfinden. Das macht die Komödie zu so einem schweren Genre.

Der Donnerstagabend im Oktober gehört nun der Komödie. An vier Abenden zeigen wir vier sehr unterschiedliche Filme, aber alle vier erzählen relevante Geschichten auf komödiantische Art.

Eröffnet wird der Komödien-Block mit einer fast schon klassi­schen romantischen Komödie mit dem schönen Titel "Heiraten ist nichts für Feiglinge": Als Kathis (Anna Maria Sturm) beste Freun­din heiratet und ihr Ex-Freund mit seiner neuen Traum-Frau auch zur Hochzeit eingeladen ist, heißt es für Single-Kathi, schleunigst einen vorzeigbaren Begleiter zu finden – egal wie! An der Seite der wunderbaren Anna Maria Sturm begeistert Kostja Ullmann als unglücklich verlorener Karriere-BWLer, der doch tief in seinem Herzen nach der großen Liebe sucht - auch wenn er das erstmal falsch angeht.

In der Woche danach bietet "Apropos Glück" beste Familienun­terhaltung liebevoll-böse erzählt, aber mit authentischen Gefühlen und humorvollem Blick auf die "Generation Sandwich". Janna Striebeck, Martin Lindow, Karoline Eichhorn, Joachim Raaf, Katharina Müller-Elmau, Peter Jordan und Nicole Heesters bieten einen temporeichen und realistischen Ensemble-Film.

Andrea Sawatzki gibt eine Woche später in "Zwei verlorene Schafe" eine ambitionierte, aber erfolglose Schauspielerin in der Mitte des Lebens, die einen jungen, kein bisschen ambitionierten und ebenso erfolglosen Pfarrer coachen soll. Mit nicht vorherseh­baren Folgen für Beide. Neben Andrea Sawatzki spielen Franz Hartwig und Sandra von Ruffin – mit größtem Gespür für Authentizität, Humor und Timing. 

Last but not least setzt Nina Kunzendorf ihren Mann (Christoph M. Ohrt) und ihre Familie in "Hilfe, wir sind Offline!" auf eine digi­tale Diät. Auch das mit nicht vorhersehbaren Folgen für die Fami­lie und das Gemeinwesen.

Vier sowohl von den Themen als auch von der Umsetzung und Besetzung unterschiedliche Filme mit dem gleichen Ziel: interes­sante, intelligent-humorvolle Unterhaltung zu bieten, die hier und da zumindest zum Schmunzeln anregen soll. Ob man die Filme am Ende lustig findet, bleibt eine subjektive Entscheidung. Wir tun jedenfalls alles, diese Entscheidung zu beeinflussen.

Thorsten Ritsch, HR Fernsehfilm/Serie II

Donnerstag, 6. Oktober 2016, 20.15 Uhr: "Heiraten ist nichts für Feiglinge" / Stab und Besetzung

BuchArndt Stüwe
Regie Holger Haase
Kamera Uwe Schäfer
KostümIsabella Mirja Hirt
MaskeNica Faas, Yasmin Iqbal
TonKai Nührmann
SzenenbildSonja Strömer
SchnittMarco Baumhoff
MusikAndy Groll
CastingGitta Uhlig
ProduktionRelevant Film Produktionsges. mbH, Hamburg
ProducerinNikola Bock
ProduktionsleitungPeter Nawrotzki
ProduzentinHeike Wiehle-Timm
RedaktionWolfgang Grundmann
Länge ca. 90 Minuten

Rollen / Darsteller

KathiAnna Maria Sturm
Theo Kostja Ullmann
CaroNadja Becker
JanMaximilian Grill
BrithJasmin Schwiers
Markus Bernhard Piesk
MariaBarbara Meier
RalfDaniel Zillmann
HolgerJosef Heynert
NinaMonika Wegener
Real RaoulCem Erzincan
und andere

Inhalt

Eigentlich sollte Kathi glücklich sein: Ihre beste Freundin Caro heiratet und wünscht sich obendrein noch Kathi als Trauzeugin. Wäre da nicht der unsägliche Zufall, dass zur Hochzeit auch Kathis Ex nebst seiner neuen Superfreundin eingeladen ist. Für Kathi, die über die Trennung lange nicht so gut weggekom­men ist, steht der Entschluss fest: Sie muss umgehend einen Be­gleiter für Caros Hochzeit finden! Leichter gesagt als getan: Alle nur vorstellbaren Männer in ihrem Bekanntenkreis sind schon vergeben. So führt Kathis Weg zur Partnerbörse "Datelink". Schon bei den ersten Treffen erhält sie illustre, farbige und ab­surde Einblicke in eine Generation von Männern, auf der Suche nach der Frau fürs Leben. Ein Exemplar, mit dem sich Kathi bes­tens versteht, trägt den Namen "Lotsch". Doch ausgerechnet die­ser Sympathieträger scheint zunächst so überhaupt kein Inte­resse daran zu haben, sich mit Kathi zu treffen. Derweil steckt Kathi mitten in den Vorbereitungen zu Caros Hoch­zeit, die sie gemeinsam mit Theo, dem zweiten Trauzeugen, organisiert. Kathi und Theo sind ein gutes Team und kommen sich durchaus näher, doch leider hat Theo einen anspruchsvollen Job, gleich drei Handys und eine Freundin. So bleibt Kathi nichts übrig, als bei "Lotsch" in die Offensive zu gehen. Doch dann trifft sie leider die Erkenntnis wie ein Donnerschlag.

Zeitlose Sehnsucht nach der großen Liebe - Statement des Regisseurs Holger Haase

"Heiraten ist nichts für Feiglinge", ist ein frisch erzähltes, komödi­antisches Portrait der Mittdreißiger-Generation, die zerrissen ist zwischen der Selbstoptimierung im Zuge der medialen Multiprä­senz und der zeitlosen Sehnsucht nach der großen Liebe."

Die Überraschung kann umso größer sein…

Interview mit Kostja Ullmann

Kathi müht sich im Film ja recht ordentlich mit dem Online-Dating ab, schräge Rendezvous inklusive. Könnten Sie persönlich dieser Beziehungs-Anbahnung etwas abgewinnen?

Es erleichtert einem sicherlich den ersten Schritt des Ansprechens. Dafür kann die Überraschung dann beim ersten Treffen umso größer sein. Wie im Film hat man die Möglichkeit,  sich im Netz eine Identität zu  erschaffen, die sich komplett von der Realität unterscheidet.

Im Film schreiben Sie Kathi im Chat, dass "in 80 Prozent der Fälle Männer schuld daran sind, wenn Frauen schlechte Laune haben." Das klingt niederschmetternd, ist aber völlig aus der Luft gegriffen, oder?

Ich hoffe doch sehr, dass der Drehbuchautor etwas zu viel Fantasie hatte. Andernfalls würde mich interessieren, wie der Wert bei den Männern aussieht.

Als Theo sind Sie relativ entsetzt, dass Ihr Freund Jan, gespielt von Maximilian Grill, mit seiner Zukünftigen einen Ehevertrag aufsetzen will. Sie bezeichnen ihn deswegen als "unromantischen Klotz". Spricht da auch Kostja Ullmann?

Theo sieht es aus dem romantischen Aspekt, und Jan geht alle möglichen Szenarien durch. Am Ende muss das jeder für sich ausmachen. 

Sie kennen sich im Genre der Komödie und auch der Beziehungs-Komödie ziemlich gut aus. Oft kann man lesen, dass Schauspieler die komische Disziplin viel schwieriger finden als die dramatische. Wie ist das bei Ihnen?

Es ist immer wieder eine Herausforderung, sich einer Komödie zu stellen. Aber ich würde nicht behaupten, dass es schwerer oder eben leichter ist, eine zu spielen. Alles braucht eine gute Vorbereitung, und am Ende muss man sich komplett auf die Rolle einlassen.

Das Interview führte Manuela Waberski

Donnerstag, 13. Oktober 2016, 20.15 Uhr: "Apropos Glück" / Stab und Besetzung

Buch Astrid Ruppert
RegieUlrike Grote
Kamera Thomas Vollmar
TonTorsten Többen
Musik Jörn Kux
SchnittJan Ruschke
Szenenbild Anna Alaeddine
KostümAnette Schröder
ProduktionRelevant Film Produktion GmbH, Hamburg
Producerin Nikola Bock
ProduktionsleitungPeter Nawrotzki
ProduzentinHeike Wiehle-Timm
RedaktionNele Willaert, Silvia Hubrich
Längeca. 90 Minuten

Rollen / Darsteller

Maja Janna Striebeck
FlorianMartin Lindow
AngelaKatharina Müller-Elmau
HansPeter Jordan
JuleKaroline Eichhorn
JanJoachim Raaf
Irene von der Hoven Nicole Heesters
und andere

Inhalt

Ausgerechnet bei ihrer Geburtstagsfeier bricht Majas perfekte Familienwelt zusammen: ihr Mann betrügt sie. Majas Leben steht Kopf, und ein ganzer Freundeskreis wird durcheinandergewirbelt. Kurzerhand schmeißt sie ihren Mann raus. Eine Erschütterung der heilen Welt, die auch bei den beiden befreundeten Paaren Dämme brechen lässt. Alte und neue Lebenswünsche kommen hervor und sechs Menschen Mitte 40 stellen sich die Frage: Was ist für mich Glück? Viel zu lange war allen das Glück in der Routine des Alltags flöten gegangen. Maja und ihr Mann Florian, mit den zwei Kindern, dem perfekt dekorierten Reihenhaus, dem eigenen Betrieb. Ihre Be­ziehung - von außen perfekte Fassade und innen morsch. Das wird durch Florians Affäre schlagartig deutlich. Maja will erstmal gar nichts mehr von ihm wissen und befindet sich in einem emoti­onalen, irrationalen, teils hysterischen Chaos, das so eine Erup­tion mit sich bringt. Zum Glück stehen ihr die beiden Freundinnen Jule und Angela bei, feucht-fröhliche Mädelsabende inklusive.

Aber auch bei Jule und ihrem Mann Jan steht das gemeinsame Leben komplett auf dem Prüfstand. Er wollte immer als Pfarrer in einer Gemeinde arbeiten und nicht als Lehrer. Aber Jule kann sich ein Leben als Gattin eines Geistlichen nicht vorstellen. Angela und ihr Mann Hans müssen sich eingestehen, dass sie beide ganz unterschiedliche Prioritäten haben und ihre Lebens­entwürfe immer weiter auseinanderdriften.

Sechs erwachsene Menschen stellen fest, dass sie zu jung sind, um sich mit dem durchorganisierten hohlen Alltag abzufinden und zu alt, um einfach ein halbes Leben wegzuwerfen. Das ist ko­misch und tragisch und ganz normal. Nur nicht für die, die mit­tendrin stecken in ihrem Kampf um ein leuchtenderes Leben.

"Ich bin ein Trüffelschwein" - Interview mit Janna Striebeck

"Apropos Glück“ lebt stark von der Sechser-Konstellation der Protagonisten. Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit den Kollegen?

"Apropos Glück" handelt von Freunden zwischen 40 und 50, die durch verschiedene Umstände, ob gewollt oder ungewollt, ihr Leben, so wie sie es bisher gelebt haben, in Frage stellen. Es gibt einige Szenen, wo wir als ganzes Ensemble miteinander zu tun hatten, und das hat besonders viel Spaß gebracht. Am Set bleibt nie viel Zeit zum Proben, daher hat unsere Regisseurin Ulrike Grote diese Szenen schon vor Drehstart mit uns geprobt und die Chance genutzt, bei Improvisationen auch das einzubringen, was wir als Schauspieler persönlich mitbringen.

Wie würden Sie Ihre Figur im Freundeskreis beschrieben?

Maja glaubt, ihr Leben fest im Griff zu haben. Herrliche Kinder, geliebter Ehemann, schönes Zuhause, keine Geldsorgen, und plötzlich an ihrem Geburtstag platzt die Seifenblase, und sie muss feststellen, dass nichts so ist, wie es schien.

Wer hilft Ihnen, Ihr Glück zu finden?

Ich gehe täglich auf die Suche. Da ich ein Trüffelschwein und eine Genießerin bin, klappt das ziemlich gut. Glück gibt man, und dann bekommt man es hundertfach zurück!

Glauben Sie an die Midlife-Crisis?

Nein, die Auf und Abs kommen und gehen. Ich glaube, jeder von uns hat seinen eigenen Lebenslauf. Wir werden alle so oft im Leben mit Situationen konfrontiert und gezwungen umzudenken - das kann man nicht an einem bestimmten Alter festmachen.

Wie wichtig sind Freundschaften für Sie?

Freundschaften sind wie Familie, es gibt nichts wichtigeres im Leben.

Der Alltag aller sechs Protagonisten wird in "Apropos Glück" über den Haufen geworfen. Haben Sie sich auch schon einmal in der Situation wiedergefunden, ihr Leben neu ordnen zu müssen?

Andauernd. Ich glaube das müssen wir, bis wir von dieser Erde verschwinden.

Maja bereitet zu ihrem Geburtstag ein perfektes Fest für ihre Freunde vor – alles sieht aus wie im Katalog. Können Sie diese Art von Perfektionismus nachvollziehen?

Nein, ich bin das totale Gegenteil. Bei mir ist alles improvisiert, aber das hat auch eine Form der Planung. Dadurch kann auch jederzeit ein Fest spontan stattfinden.

Maja inszeniert sich zu Beginn gemeinsam mit Florian als das perfekte Paar und gibt ihren Freunden Ratschläge für ihre Beziehungen. Haben Sie gute Tipps für den Paaralltag?

Auf jeden Fall Abenteuer! Was Maja und Florian mit dem Einbruch ins Freibad gemacht haben, hat, glaube ich, jeder von uns so ähnlich schon einmal getan. Da gibt es noch Wilderes.

Neben der Trennung von Florian kämpft Maja auch mit ihrer pubertierenden Tochter Lotte. Sie selbst haben einen Sohn. Was raten Sie Eltern pubertierender Teenager?

Ich sehe das wie mit der Midlife-Crisis - jeder hat sein eigenes Tempo. Mein Rat? Die Kinder zu lieben, es ständig zu sagen, zu zeigen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Ich fand jedes Alter meines Sohnes spannend und bereichernd. 

Maja lässt am Ende einen Flamingo-Ballon als Zeichen ihrer neu empfundenen Freiheit in den Himmel steigen. Was bedeutet Freiheit für Sie?

Alles. Ich habe das Glück und Privileg, in die richtige Familie geboren zu sein. Meine Eltern haben mir den Raum und die Zeit gegeben, mich selber zu finden. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar, merke aber auch, dass es trotz unserer Gesellschaft und Regeln, im Alltag nicht immer leicht ist, dies zu leben.

Das Interview führte Wiebke Schuirmann

"Talent zum Glücklichsein muss man trainieren" - Interview mit Martin Lindow

"Apropos Glück“ lebt stark von der Sechser-Konstellation der Protagonisten. Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit den Kollegen?

Die Arbeit mit den Kollegen war klasse! Tolle Schauspieler! Auch hat mich sehr gefreut, dass ich Karoline wiedergetroffen habe. Mit ihr war ich von 1986 bis 1989 auf der Schauspielschule. Ist das schon so lange her?!

Wer hilft Ihnen, Ihr Glück zu finden?

Ich glaube, dass man dafür selbst "zuständig" ist. Man muss sich das "Talent zum Glücklichsein" bewahren oder es trainieren. Das nimmt einem keiner ab.

Glauben Sie an die Midlife-Crisis?

Die Midlife-Crisis gibt es sicherlich. Und ich bin heilfroh, dass ich bisher verschont geblieben bin.

Der Alltag aller sechs Protagonisten wird in "Apropos Glück" über den Haufen geworfen. Haben Sie sich auch schon einmal in der Situation wiedergefunden, ihr Leben neu ordnen zu müssen?

Fast hätte ich geantwortet "unzählige Male", aber ganz so häufig war es dann doch nicht.

Für ihre Freunde wirken Maja und Florian wie das perfekte Paar. Was gehört für Sie zu einer funktionierenden Bezie­hung?

Für eine funktionierende Liebesbeziehung ist eins vor allem An­deren wichtig: die Liebe!

Sie sind ein Familienmensch. Können Sie nachvollziehen, dass ein bisschen Distanz einer Ehe vielleicht auch ganz gut tun kann?

Distanz ist manchmal sicherlich sehr hilfreich. Ein gewisser Ab­stand ermöglicht eine neue Perspektive und damit auch möglich­erweise eine neue Wertschätzung.

Florian verbirgt seine finanziellen Sorgen vor Maja. Wie wichtig ist Ehrlichkeit in einer Beziehung?

Ehrlichkeit ist für eine funktionierende Beziehung sicherlich un­erlässlich. Allerdings heißt das nicht, dass man sich immer alles sagen können muss. Dass Florian über manches nicht sprechen kann, finde ich nicht "unehrlich".

Das Interview führte Wiebke Schuirmann

"Glück fehlt uns nicht, aber Mut" - Interview mit Katharina Müller-Elmau

"Apropos Glück“ lebt stark von der Sechser-Konstellation der Protagonisten. Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit den Kollegen?

Die Produzentin hat es uns ermöglicht, vor Drehbeginn zu proben. Somit hatte ich Gelegenheit, die Kollegen besser kennenzulernen, was eine andere Intensität bei den Dreharbeiten ermöglichte. Ohne Frage war es bei diesem Dreh ein stärkeres Gruppen- und Zusammengehörigkeitsgefühl als bei anderen Produktionen. Auch weil wir alle ungefähr im selben Alter sind und wir uns, ehrlich gesagt, total schätzen und mögen! Hinzu kommt, dass unsere Regisseurin Ulrike Grote großen Wert darauf gelegt hat, dass wir die Beziehungen, die die Rollen zueinander haben, genauer aus­loten. Es hat großen Spaß gemacht, mit so wunderbaren Kollegen auf diese Weise  arbeiten zu können!

Wie würden Sie Ihre Figur im Freundeskreis beschreiben?

Nun, Angela - wie meine Figur heißt - ist die Außenseiterin in die­sem Sechser-Gespann. Eher eine Einzelgängerin, trotz Ehemann und Tochter. Freiheitsliebend - ein Mensch, der neugierig und angstfrei in die Zukunft blickt.

Wer hilft Ihnen, Ihr Glück zu finden?

Letztendlich sind wir selbst dafür verantwortlich. Glück liegt quasi 'überall rum'. Glück fehlt uns nicht, aber Mut.

Glauben Sie an die Midlife-Crisis?

Krisen gibt es dauernd und überall. Wichtige Phasen um die alte Haut abzustreifen.

Wie wichtig sind Freundschaften für Sie?

Sehr wichtig. Freunde sind ja oft lebenslange Begleiter, die besten Ratgeber, Tröster, Kritiker - im guten Sinn.

Der Alltag aller sechs Protagonisten wird in "Apropos Glück" über den Haufen geworfen. Haben Sie sich auch schon einmal in der Situation wiedergefunden, ihr Leben neu ordnen zu müssen?

Sicher. Doch fühlte ich mich nie als Opfer des Schicksals, son­dern nahm es als eine Herausforderung, mit den veränderten Lebensumständen zurechtzukommen.

Angela ist der Freigeist im Freundeskreis. Was unterscheidet sie von den anderen Charakteren?

Vielleicht, dass sie den Lebensabschnitt der Figuren, der in die­sem Film gezeigt wird, nur als eine 'Station' betrachtet und nicht als eine Art endgültiges Ankommen - im Sinne von: Ehe, Kinder, Haus, Rente, Tod.

Während eines aufziehenden Gewitters bleibt Angela als ein­zige gelassen sitzen. Sehen Sie sich selbst manchmal auch als Ruhepol?

Im Gegensatz zu Angela kann ich mich sehr viel mehr über Dinge aufregen, oft sehr leidenschaftlich und temperamentvoll. Wohl eher kein klassischer Ruhepol.

Angela und Hans trennen sich im Einvernehmen, nachdem sie sich eingestanden haben, nicht mehr glücklich zu sein. Glauben Sie an harmonische Trennungen?

Ich habe noch keine gesehen.

Das Interview führte Wiebke Schuirmann

"Die Menschheit leidet an Instinktverlust" - Interview mit Peter Jordan

"Apropos Glück“ lebt stark von der Sechser-Konstellation der Protagonisten. Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit den Kollegen?

Intensiv war vor allem auch das Warten - wie so oft beim Film . Da sind wir uns näher gekommen, haben uns ausgetauscht und konnten das in die Arbeit mit einbringen.

Wie würden Sie Ihre Figur im Freundeskreis beschreiben?

Hans ist still und bedacht - eher der Kumpel-Typ, dem man keine dunkle Seite zutraut.

Wer hilft Ihnen, Ihr Glück zu finden?

Meine Familie natürlich. Und was das Berufliche angeht: meine Agentur.

Glauben Sie an die Midlife-Crisis?

Ich denke, es gibt sie, aber ich hatte noch keine Zeit, mich darum zu kümmern.

Wie wichtig sind Freundschaften für Sie?

Freundschaften sind sehr wichtig - es bleiben nur so wenige übrig.

Der Alltag aller sechs Protagonisten wird in "Apropos Glück" über den Haufen geworfen. Haben Sie sich auch schon ein­mal in der Situation wiedergefunden, ihr Leben neu ordnen zu müssen?

Oh ja, eine solche Situation habe ich schon mehrfach erlebt. Früher habe ich immer über Woody Allen gelacht, weil ich ihn lustig fand. Heute verstehe ich seine Figuren.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen setzt Hans seine Beiß­schiene ein. Was sind für Sie absolute Liebestöter?

Arm-, Bein- und Rumpfschiene.

Anstatt sich nach der Trennung von Angela neu zu orientie­ren und zu hinterfragen, versucht Hans sein Glück bei Maja. Würden Sie Ihrer Figur manchmal etwas mehr Mut wünschen?

Ich finde, das ist ein generelles Problem, denn das Schlimme ist: Die Menschheit leidet durch ihre Entwicklung an Instinktverlust. Dazu gehört auch das Verharren in nicht funktionierenden Syste­men – wie bei Hans.

Das Interview führte Wiebke Schuirmann

"Freundschaften werden im Alter seltener" - Interview mit Joachim Raaf

"Apropos Glück“ lebt stark von der Sechser-Konstellation der Protagonisten. Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit den Kollegen?

Die Zusammenarbeit - besonders im Kreis der sechs Freunde - war intensiv, da besonders in den gemeinsamen Szenen sehr viel Wert auf das Zusammenspiel Seitens der Regie gelegt wurde. Die Gruppenszenen leben vom Tempo und von den direkten An­schlüssen. Die Proben hierfür waren sehr hilfreich.

Wie würden Sie Ihre Figur im Freundeskreis beschreiben?

Sicherlich hat meine Figur, schon beruflich bedingt (Jan ist ja Pfarrer), immer wieder die Funktion, auszugleichen und zu ver­mitteln.

Wer hilft Ihnen, Ihr Glück zu finden?

Meiner Figur im Film hilft auf jeden Fall der Glaube, ihr Glück zu finden. Er ist der Grund für Jan, sein Leben zu verändern - der Glaube gibt ihm die Kraft zur Veränderung.

Glauben Sie an die Midlife-Crisis?

Ja, natürlich glaube ich an die Midlife-Crisis. Ich denke, es ist ganz natürlich, dass, zu welchem Zeitpunkt auch immer, man in seinem Leben an einen Punkt kommt, an dem man den Verlauf seines bisherigen Lebens und den Sinn in Frage stellt. Vor allem, wenn man spürt, dass man sich im letzten Drittel seines Lebens befindet und miteinbezieht, was alles so um einen herum passiert.

Wie wichtig sind Freundschaften für Sie?

Freundschaften werden im Alter immer seltener aber dafür immer wichtiger.

Der Alltag aller sechs Protagonisten wird in "Apropos Glück" über den Haufen geworfen. Haben Sie sich auch schon einmal in der Situation wiedergefunden, ihr Leben neu ordnen zu müssen?

Ja, man könnte sogar sagen, ich hatte meine Midlife-Crisis recht früh. Vor meinem Schauspielstudium absolvierte ich das Studium der Forstwissenschaften. Der Wechsel war für mich und natürlich für meine Eltern ein sehr großer und einschneidender Schritt - auch wenn es in meinem Fall kein Jugendtraum war.

Jan wirkt eher ruhig, Jule ist dafür recht laut. Glauben Sie daran, dass Gegensätze sich anziehen?

Eine schwere Frage. Ich glaube, das funktioniert nur, wenn die Partner die notwendige Toleranz mitbringen und den anderen so nehmen und lieben wie er ist. Der Gegensatz ist auf jeden Fall erst mal reizvoll - wenn er aber im nächsten Schritt umerzogen werden soll, kann das schnell schiefgehen.

Jan erzählt Jule sehr spät von seinen Plänen, Pfarrer zu wer­den. Wie wichtig ist es, in einer Beziehung offen miteinander umzugehen?

Naja, das klingt immer so gut - immer offen miteinander umzuge­hen. Natürlich ist Kommunikation sehr wichtig, nicht nur in einer Beziehung. Manchmal bedarf es wohl auch des richtigen Zeit­punktes, was definitiv nicht einfach ist. Das würde ja auch bei einem Heiratsantrag zutreffen.

Das Interview führte Wiebke Schuirmann

Donnerstag, 20. Oktober 16, 20.15 Uhr: "Zwei verlorene Schafe" / Stab und Besetzung

Buch Edda Leesch
RegieSylke Enders
Kamera Christian Pirjol
TonKai Nicolas Theißen
SzenenbildMarin Brünner
SchnittKatharina Schmidt
MusikBert Wrede
ProduktionsleitungDirk Funke
Producerin Yella Yari Fenner
ProduktionHager Moss Film GmbH, München
ProduzentinnenCarmen Stozek, Kirsten Hager
RedaktionThorsten Ritsch
Länge89 Minuten

Rollen / Darsteller

Rebecca FritzAndrea Sawatzki
Thaddäus Gerlach Franz Hartwig
SinaSteffi Kühnert
Michael GerlachOliver Breite
Isabelle StanewSandra von Ruffin
Agnes MöllerMargit Bendokat
MarcoMarlon Kittel
Max StrehlowChiron Elias Krase
Hans StanewMatthias Brenner
Leo FritzJohannes Heinrichs
Frau StrehlowHeike Schober
Franz FleckensteinFrank Leo Schröd
und andere

Inhalt

Rebecca will einfach nicht verstehen, wieso ihre Karriere als Schauspielerin trotz aller Leidenschaft, Anstrengung und Opfer den Bach runtergegangen ist. Sie hat immer mehr gegeben als alle anderen, hat sich gegen ihre Familie entschieden, um sich voll ihrem Traum zu widmen – doch wo steht sie jetzt? Das Ver­hältnis zwischen ihr und ihrem Sohn ist dermaßen beschädigt, dass sie nicht einmal miteinander reden können. Und chronisch pleite hangelt sie sich von einem Job zum nächsten. Mit umso größerem Enthusiasmus stürzt sie sich daher in ihr neues Engagement: Die Hauptrolle als Pfarrerin in einem kleinen Kellertheater, leider unbezahlt, da keine Fördermittel. Um trotz­dem über die Runden zu kommen und gleichzeitig für ihre Rolle zu recherchieren, übernimmt sie auf Bitten des Bischofs, einem alten Schulfreund, den Job als Coach seines Sohnes Thaddäus. Ein wichtige Aufgabe, denn ausgerechnet der Sohn des Bischofs ist Berlins schlechtester Pfarrer! Rebecca erkennt sofort, dass bei Thaddäus Hopfen und Malz verloren ist. Er hat keinen Draht zu seinen "Schäfchen" und ist absolut unbegabt, was das Predigen betrifft. Doch bis zum Reformationstag muss Thaddäus predigen können wie der Heiland selbst, und dabei soll nun Rebecca helfen – oder sie geht leer aus.

"Als Schauspieler muss man kämpfen können" - Interview mit Andrea Sawatzki

Was hat Sie am Drehbuch überzeugt?

Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich noch nie etwas von Priester-Coaching-Seminaren gehört und fand die Idee ganz großartig. Unser Redakteur Thorsten Ritsch hatte vor vielen Jahren eine VHS-Kassette darüber auf dem Sperrmüll gefunden und sich lange mit dem Gedanken getragen, daraus mal einen Spielfilm zu machen. Zum Glück hat es geklappt.

Was für ein Gefühl ist es, als Schauspielerin eine Schauspielerin zu verkörpern? Konnten Sie manchmal Parallelen entdecken?

Das ist sozusagen "Heimatland". Die Schauspielerei und das ganze Drumherum kenne ich in- und auswendig. Auch die Sorge der Rebecca, irgendwann gar kein Geld mehr mit dem Beruf zu verdienen, ist mir vertraut. Durststrecken gab es früher einige, da muss man dann sehen, wie man seine Miete anderweitig eintreibt.

Was ist der besondere Reiz, eine Frau wie Rebecca zu spielen?

Rebecca ist eine starke Person. Sie ist eine Kämpferin. Und sie kann es nicht leiden, wenn Leute sich gehenlassen und jammern. Das finde ich beeindruckend.

Dieses Kämpferische – können Sie das nachvollziehen?

Als Schauspieler muss man kämpfen können, vor allem mit den eigenen Dämonen, sonst schafft man den Job nicht.

Welches sind Ihre Lieblingsszenen?

Ach, da gibt es viele! Am meisten mag ich aber die Kneipenszene, wo sich Rebecca die Kante gibt, und die Szenen, in denen sie versucht, Thaddäus etwas beizubringen und auf Granit beißt.

Rebecca hat eigentlich kein Privatleben, kann selbst beim Essen mit ihrem Sohn nicht abschalten. Wie gut können Sie abschalten?

Da finde ich Rebecca schon ziemlich fanatisch. Ich denke, wenn sie auch mal loslassen könnte, hätte sie mehr Erfolg in ihrem Beruf.

Im Film mögen sich die beiden "verlorenen Schafe", Rebecca und Thaddäus, anfangs überhaupt nicht. Wie gut haben Sie sich mit Franz Hartwig während der Dreharbeiten verstanden?

Franz und ich hatten sehr viel Spaß miteinander. Da er vom Theater kommt, kann er super improvisieren. Er ist ein großer Komödiant!!!

Bei Rebecca hat das Berufliche oberste Priorität. Sie selbst haben zwei Söhne, Ihr Mann, Christian Berkel, ist ebenfalls Schauspieler. Wie groß ist die Gefahr, dass das Berufliche auch ins Private übergeht?

Bei uns daheim wird wenig über den Beruf gesprochen, wenn die Kinder dabei sind. Das interessiert sie nicht. Und es gibt abends beim Essen interessantere Gesprächsthemen, zum Beispiel über das echte Leben.

Hatten Sie persönlich je Zweifel an Ihrem Schauspieler-Traum?

Ans Aufhören habe ich nie gedacht. Ich liebe meinen Beruf über alles.

Das Interview führte Jutta Bök

"Der Beruf des Pfarrers ist dem des Schauspielers gar nicht so unähnlich" - Interview mit Franz Hartwig

Was hat Sie am Drehbuch überzeugt?

Ich liebe Filme, in denen es darum geht, dass A etwas nicht kann und B ihm dabei hilft, der oder die Beste darin zu werden. So wie bei "Karate Kid" oder "The King’s Speech". Ganz ähnlich ist die Story ja bei uns, nur dass das Ende nicht ganz so absehbar ist. Außerdem hat das Buch Humor, bleibt aber gleichzeitig nicht an der Oberfläche. Am meisten hat mich aber meine Figur Thaddäus überzeugt.

Thaddäus hadert mit sich selbst, seinem Beruf und irgendwie mit der ganzen Welt. Wie haben Sie Zugang zu dieser Rolle gefunden?

Mir fällt es persönlich leichter, Figuren zu spielen und zu kreieren, die möglichst weit von mir selbst weg sind. Soll heißen: So weit die Figur am Anfang meiner Rollenarbeit auch von mir weg zu sein scheint, kommt sie mir am Ende auf einmal erschreckend nahe, bis sie von mir nicht mehr zu unterscheiden ist. Wir sind uns also vielleicht doch gar nicht so unähnlich.

Haben Sie sich näher mit dem Beruf eines Pfarrers beschäftigt und hatten Sie Kontakt zu einem echten Pfarrer?

Ja, ich hatte Kontakte zu einigen Pfarrern. Vor allem habe ich aber verschiedene Kirchen und Gottesdienste besucht, auch um zu lauschen, wie man es eben nicht machen sollte. Was außerdem sehr hilfreich war, ist meine gute Bibelkenntnis, obwohl ich nicht getauft bin. Ich interessiere mich für Religionen. Stolz macht es mich, dass ein Bibelzitat, welches ich in einer Szene für passend hielt, es bis in den fertigen Film geschafft hat. Es lautet: "Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen." (Anmerk.: Neues Testament, Brief des Paulus an die Epheser Kapitel 5 Vers 24).

Was müsste Ihrer Meinung nach ein Pfarrer unternehmen, damit sich die leeren Kirchenbänke wieder füllen?

Ich befürchte, dass es nicht an einem einzelnen Pfarrer liegt, dass die Gottesdienste so spärlich besucht sind. Da gibt es noch weit mehr Gründe. Aber tatsächlich bringt es schon sehr viel, wenn ein Pfarrer weiß, von was er spricht und wie er es vorzutragen hat, damit die "Message" auch vom Rezipienten verstanden wird. Vor allem ist aber Haltung zu dem, was er tut und sagt, das Wichtigste, körperlich als auch mental. Der Beruf des Pfarrers ist nämlich dem des Schauspielers gar nicht so unähnlich – nur, würde ich so spielen, wie Thaddäus am Anfang predigt, hätte ich bald keine Jobs mehr.

War es schwer, so eintönig zu predigen, wie Sie es in Ihrer Rolle als Pfarrer Thaddäus machen?

Das war tatsächlich die größte Herausforderung. Ich selbst bin aus Dresden und habe viel Zeit in Sprecherziehung investieren müssen. Damit habe ich immerhin einen sächselnden Thaddäus vermieden. Ich habe den eintönigen Singsang der Predigt wie ein Lied geübt, denn ich wollte es unbedingt vermeiden, mich als Franz über Thaddäus lustig zu machen. Ich wollte ihm einen ernst gemeinten Dilettantismus verleihen.

Hatten Sie je Zweifel an Ihrem Beruf so wie Thaddäus an seinem?

Sehr oft oder besser gesagt, immer wieder. Aber das sind nur natürliche Phasen, die rasch vorüber gehen. Generell habe ich aber noch nie so substantiell an dem gezweifelt, was ich tue, so wie Thaddäus an der Existenz Gottes zweifelt. Immerhin ist das Theater, an dem ich arbeite, fast immer voll.

Wie waren die Dreharbeiten mit Andrea Sawatzki, wie empfanden Sie die Szenen mit ihr als strengem Coach?

Schon beim Casting war ich erstaunt, wie professionell und freundlich Andrea ist. Sie gab mir schon dort das Gefühl, dass sie sich mit mir als ihrem Gegenspieler wohl fühlt. Mir ging es genauso. Bei den Dreharbeiten hat sich das bestätigt. Es war eine sehr angenehme Atmosphäre, es wurde viel gelacht, auch dank des grandiosen Teams! Nur bei den körperlich etwas aktiveren Coaching-Szenen, Stichwort Seilziehen, musste ich mich etwas zurückhalten, sonst hätte ich Andrea womöglich durch die ganze Kirche geschleift.

"Geht mutig und stark Euren Weg“, predigt Thaddäus am Schluss. Könnte das auch Ihr Lebensmotto sein?

Ich habe kein konkretes Lebensmotto, es gibt aber ein anderes schönes Bibelzitat im Film, welches ich gern mit dieser Arbeit in Verbindung bringe: "Und siehe, es war sehr gut".

Das Interview führte Jutta Bök

"Jeder Drehtag eine Inspiration" - Statement von Sandra von Ruffin

Am Drehbuch und an meiner Rolle hat mir vor allem die Zaghaftigkeit der Annäherung zwischen Thaddäus und Isabell gefallen, die durch viele, sehr feine Zwischentöne erzählt wird. Die Zusammenarbeit mit allen Kollegen am Set – vor allem mit Franz Hartwig und Andrea Sawatzki – war besonders herzlich, vielseitig, humorvoll und unterstützend, dass jeder Drehtag eine Inspiration war. Für mich persönlich war es eine große Ehre und besondere Freude, mit Sylke Enders zusammen zu arbeiten, weil ich ein großer Fan ihrer Filme bin und sie großartig und einzigartig finde.

Donnerstag, 27. Oktober 2016, 20.15 Uhr: "Hilfe, wir sind offline!" / Stab und Besetzung

BuchMartin Rauhaus
RegieIngo Rasper
KameraSönke Hansen
KostümAnne-Gret Oehme
MaskeRomy Meier, Kathrin Droschinsky
TonTill Röllinghoff
MusikMartin Probst, Raffael Holzhauser
SzenenbildOlaf Schiefner
SchnittNicola Undritz, Günter Heinzel
CastingSuse Marquardt Besetzungsbüro
ProduktionAriane Krampe Filmproduktion GmbH
ProduktionsleitungSebastian Stürmer
HerstellungsleitungOliver Lüer
ProduzentinAriane Krampe
RedaktionRita Nasser
Längeca. 90 Minuten

Rollen / Darsteller

HeikeNina Kunzendorf
KlausChristoph M. Ohrt
MarieTara Fischer
BennyLudwig Skuras
BarbaraTina Engel
BerndRudolf Kowalksi
Frau MertensMichaela Caspar
DorisBettina Stucky
TomMatti Schmidt-Schaller
Ralf Moritz Berg
VerkäuferAaron Hitz
JulianJason Maass
KevinLevin Liam
Nina Emilia Bernsdorf
JessieGina Samuel
AlexKnut Berger
und andere

Inhalt

Heike gewinnt als Buchhändlerin dem Anlogen natürlich mehr ab, als dem Digitalen. So ist sie vielleicht auch schneller davon genervt, dass ihr Gatte Klaus und ihre beiden Kinder Marie und Benny 24 Stunden am Tag von Smartphones und Computern abhängig scheinen. Gemeinsame Aktivitäten werden immer wieder durch das Eintreffen von Simsen, Anrufen und Posts unterbrochen. Selbst ein familiäres "Offline"-Frühstück ist nicht mehr möglich. Als Heikes Bankberaterin sie dann auch noch alarmiert, dass das Familienkonto von Poker-Gesellschaften und Flirt-Hotlines geplündert wurde, kassiert Heike kurzerhand Handys, Computer und den Internet-Router ein und verbannt alles unter großem Protest der Familie für einen Monat lang im Heizungskeller.

Heike ist der festen Überzeugung, dass sich ohne die ständige digitale Ablenkung wieder ein normales Familienleben einstellen wird - auch wenn die Kinder und der Gatte anfänglich ziemlich genervt reagieren. Keiner weiß so recht, was er mit sich und der freien Zeit anfangen soll. Den Umfang ihrer Aktion bekommt Heike aber bald auch selbst zu spüren. Nix mehr mit schnellen Nachrichten von Smartphone zu Smartphone. Einfache und vor allem kurzfristige Organisation war einmal. Verabredungen müssten frühzeitig getroffen und dann auch gehalten werden. Für die Freunde von Marie und Benny ein Unding! Die beiden verlieren zum Teil ihre sozialen Kontakte. Klaus gerät beruflich unter Druck, da er als Systemadministrator nicht jederzeit erreichbar ist. Heike sieht das als erste Phase des Entzugs, die schnell vorbei geht. Andererseits muss sie feststellen, dass die Offline-Organisation einer halbwegs sinnvollen familiäre Freizeit in unge-wohnte "Arbeit" ausartet. Und doch scheint sich langsam etwas zu verändern. Auch in ihrer Umgebung trägt der Erfolg von Heikes Aktion Früchte: Am Rande von Berlin entsteht eine Art "gallisches Dorf"!  Die Mütter in der Nachbarschaft verordnen ihren Familien ebenfalls die digitale Diät. Erst als Klaus wegen fehlender Erreichbarkeit seinen Job verliert, lenkt Heike ein. Aber da ist es schon zu spät – Klaus, Marie und Benny sind schon einen Schritt weiter!

Ein ernsthaftes Problem - Statement von Regisseur Ingo Rasper

Es war mir eine große Freude, die Komödie "Hilfe, wir sind offline!" zu inszenieren, in der ich am Beispiel einer Familienkrise die technische Entwicklung von mobiler Kommunikation und die damit verbundenen Herausforderungen unserer Gesellschaft spiegeln konnte. Ich persönlich glaube, dass wir erst am Beginn der digitalen Revolution stehen und dass wir selber noch gar nicht einschätzen können, was es bedeutet, dass wir nicht nur unsere Privatsphäre aufgeben, sondern voll abhängig werden von diesen "Dingern". Die "Dinger", damit meint Heike Grothoff die Smartphones, die so schillernd attraktiv daherkommen und damit scheinbar wichtiger geworden sind, als die engsten Freunde und Familienmitglieder um uns herum. Das ist ein ernsthaftes Problem. Deswegen war es mir wichtig, eine "Heike" zu erzählen, die Ihr Offline-Experiment so kompromisslos und ernsthaft wie möglich durchzieht. Schließlich entstehen komische Situationen nur dann, wenn die Figuren selbst überhaupt keinen Spaß verstehen.

Nina Kunzendorf war die beste Besetzung, die ich mir hätte wünschen können. Durch ihr trockenes und authentisches Spiel hat sie dafür gesorgt, dass der Film bei aller komödiantischer Zuspitzung seine Bodenhaftung nicht verliert. Mit Christoph M. Ohrt hatte ich einen großartigen Komödianten an Bord, der seine Figur Klaus mit so viel Liebe und Harmoniesucht spielt, dass er gegen das Offline-Experiment erst rebelliert, als die Existenz der Familie auf dem Spiel steht. 

Damit sich die "Offline-Euphorie" von Heike auf andere Familien schnell ausbreiten kann, wollte ich ein "Desperate Housewifes"-Setting schaffen. Wir haben nach einer Siedlung gesucht, die sich wie ein Dorf anfühlt und trotzdem mitten in der Stadt liegt. Deswegen haben wir den Film in der Berliner Dreipfuhlsiedlung gedreht, einer hufeisenförmigen Bungalowsiedlung, die aus der Luft wie eine Einheit wirkt, obwohl sie mitten in der Stadt liegt.

Ich bekomme keine Schweißausbrüche - Interview mit Nina Kunzendorf

Wie wirkt sich die ständige Erreichbarkeit auf unser berufliches und privates Leben aus?

Es erleichtert und beschleunigt Kommunikationswege, führt aber auch zu Stress und Überanstrengung. Ständig und überall bimmelnde Smartphones, Horden von Mitmenschen, die auf kleine Bildschirme starren und viel zu viel von sich preisgeben; Teenager, die glauben, dass sie tatsächlich zehntausende "Freunde" haben, laute Privatgespräche in Restaurants - all das ist traurige und allzu oft nerv tötende Realität.

Welche Rolle spielen Smartphone, Tablet und Co. bei Ihnen (in ihrer Familie)?

Ich benutze sie, allerdings sehr bewusst und in Maßen. Mein Smartphone hat seit Monaten eine kaputte Scheibe und einen defekten Ton. Das ist eine zwar unfreiwillige, aber sehr wirksame Strategie, den Spaß- und Suchtfaktor klein zu halten.

Können Sie sich vorstellen, für eine Zeitlang "offline" zu gehen?

Ja, aber ich gehe lieber den Weg eines maßvollen Umgangs. Ich bin ohnehin nicht unentwegt "online" - und wenn ich mein Smartphone einmal Zuhause vergessen habe, bekomme ich keine Schweißausbrüche.

Soziale Kontakte finden gerade bei Kindern und Jugendlichen zunehmend online statt. Heikes Entscheidung, offline zu gehen, hat deshalb Konsequenzen für ihre Kinder, die ihre gesamten sozialen Kontakte verlieren. Welche Botschaft kann eine Komödie wie "Hilfe, wir sind offline!" an Familien mit Kindern und Jugendliche vermitteln?

Heikes "Offline-Experiment" ist sicher eine radikale Art und Weise, der Onlinesucht ihrer Familie zu begegnen. Das ist ein zugespitzter Versuch innerhalb einer Fernsehkomödie, der zwar komisch ist, mir im wirklichen Leben allerdings wenig zielführend zu sein scheint. Um sich jedoch bewusst zu machen, wie online-süchtig die allermeisten von uns sind, wie viel herrlicher ein gemeinsames Abendessen ohne Dauergebimmel und wie viel schöner es ist, sich in die Augen statt auf einen kleinen Bildschirm zu schauen, kann man vielleicht auch im wahren Leben manchmal zu unorthodoxen Mitteln greifen!

Das Interview führte Andrea Klasterer

"Aber wer braucht schon Ruhe?!" - Interview mit Christoph M. Ohrt

Wie wirkt sich die ständige Erreichbarkeit auf unser berufliches und privates Leben aus?

Die ständige Erreichbarkeit macht mich manchmal vollkommen irre. Natürlich ist es wunderbar, immer erreichbar zu sein, aber es gibt Momente, da denke ich: jetzt lasst mich alle mal in Ruhe. Gerade auch beim Drehen ist es oft so, dass man mit den Gedanken nicht 100%ig beim Job ist, weil man gerade eine (nötige) Pause hat..., und dann glotzt man schon wieder auf das IPhone und wundert sich, warum sich niemand in den letzten 20 Minuten gemeldet hat. Ich nehme mir, zumindest beim Arbeiten, meistens vor, nur in der Mittagspause zu checken, ob es irgendwelche Katastrophenmeldungen gibt...

Welche Rolle spielen Smartphone, Tablet und Co. in ihrem Familienleben?

Das Familienleben ist - wenn man teilweise eher altmodisch eingestellt ist, wie ich - eine moderne Kommunikationskatastrophe. Meine Tochter ist 18, mein Sohn 15 - und beide sind halt mit all dem "Irrsinn" aufgewachsen. Aber ich muss sagen, dass ich als Teenager nicht im entferntesten so informiert war, wie die beiden. Was beide aus der heutigen Welt mitbekommen, ist erstaunlich, und ich versuche die meiste Zeit, dieser mehr als modernen Art des Aufwachsens mit relativer Ruhe zu begegnen. Denn es ist auch so, dass beide im sozialen Umgang und in Gesprächen nicht hinter den Berg halten, will sagen: keine kommunikativen Störungen im Umgang mit Freunden und Familie zeigen.

In "Hilfe, wir sind offline!" ist Heike genervt von Cyber Mobbing und der Abhängigkeit ihrer Familie vom Smartphone, das ihr ganzes soziales Leben bestimmt. Inwiefern kann gerade eine Komödie vielleicht helfen, auf die negativen Folgen der zunehmenden Vernetzung hinzuweisen?

Weil unsere Komödie unterhaltsam auf dieses doch sehr große Problem hinweist und es die Familie ja auch schafft, ein Gleichgewicht im Umgang mit sich und den sozialen Netzwerken zu finden. Der Film kommt ja auch letztendlich nicht mit erhobenem Zeigefinger 'rüber, sondern weist nur auf die Probleme hin und bietet eine, vielleicht für andere interessante, Lösung an.

Können Sie sich vorstellen für eine Zeit lang "offline" zu gehen?

Könnte ich mir durchaus vorstellen, da ich es ja auch den größten Teil meines Lebens nicht anders gemacht habe. Da meine Kinder aber auf einem anderen Kontinent leben und ich für sie immer erreichbar sein möchte - und ich auch sie erreichen kann, wenn es sein muss - warte ich noch, bis beide erwachsen sind. Dann werden die Sorgen um sie einfach andere... Und wenn ich jetzt bei meinem nächsten Projekt an einem freien Tag in den Alpen wandern gehen werde, bleibt das IPhone eh im Hotel (oder besser nicht, damit man mich "orten" kann, falls ich nicht wieder auftauche !)....

Was würden Sie vermissen, was könnten Sie dabei gewinnen?  

Vermissen würde ich so manche Emojis von meiner Freundin, gewinnen würde ich vielleicht ein wenig mehr Ruhe. Aber wer braucht schon Ruhe?!

Das Interview führte Andrea Klasterer

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