Kubanisch für Fortgeschrittene

Herzkino-Komödie

Fünf Deutsche (Uwe Ochsenknecht, Saskia Vester, Gaby Dohm, Jutta Speidel und Peter Sattmann, v. l.) zieht es in den Karibikstaat - eine besonders bunte Herzkino-Komödie (Trailer unten).

  • ZDF, Sonntag, 13. Dezember 2015, 20.15 Uhr

Texte

Vorwort von Redakteurin Beate Bramstedt (Hauptred. Fernsehfilm/Serie II)

Ausgerechnet Kuba - Warum reisen unsere fünf Best-Ager genau auf diese Insel? Weil sie so schön exotisch ist? Weil sie – nach Obamas Händedruck mit Raúl Castro im Frühsommer dieses Jahres – zum neuen Shootingstar aller Pauschalreiseanbieter geworden ist? Vor drei Jahren, als diese Herzkino-Komödie in Form eines schüchternen Exposés auf dem Schreibtisch lag,  war Kuba noch ein Geheimtipp für Nostalgiker, die Spaß an uralten Autos,  Buena Vista Social Club, Zigarren und Rum haben. Kuba war die Insel, deren untergehende politische Idee unverdrossen ihren morbiden Charme versprühte. Ideale Kulisse also für fünf Menschen, die an der Schwelle zur "dritten Lebenshälfte" erleben, dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt. Und dass es im Leben immer darauf ankommt, von welcher Perspektive man es betrachtet.

Was aber Kuba darüber hinaus zu diesem besonderen Handlungsort macht, ist die Mentalität seiner Bewohner. Sie sind fröhlich, egal, wie dick es auch immer kommen mag. Viele scheinen die Gabe zu besitzen, Probleme einfach wegzulachen, sofern sie sie nicht wegimprovisieren können. Unsere beiden Autoren Susanne Beck und Thomas Eifler waren vier Wochen lang mit dem Fahrrad auf Kuba unterwegs und haben viele ihrer Begegnungen in diesen Film einfließen lassen. Deutsche Dichter und Denker treffen auf kubanische Lebenskünstler. Das ruft förmlich nach fröhlichem Cultures-Clash. Dabei geht es jedoch nicht darum, zu beweisen, dass die eine oder andere Lebensweise die "richtige" ist. Natürlich hätte die Ex-Lehrerin Margot, sehr authentisch verkörpert von Gaby Dohm, ihrer jungen Kollegin Shari nur zu gerne die Schulleitung aus der Hand genommen – aber womit sie in Deutschland ein brillante Karriere hingelegt hat, kann sie auf Kuba keinen Stich machen. Sozialistische Planwirtschaft erfordert Langmut, List und Wendigkeit, wenn man ans Ziel kommen will.

Dass die kubanische Mentalität in diesem System zuweilen dazu führt, dass man gar nicht vom Fleck kommt, ist die Kehrseite dieser Medaille. Im Team jedoch sind Kubaner und Deutsche stark und bewirken sogar kleine Wunder, wie etwa den raschen Wiederaufbau der abgebrannten Schule. Am Ende helfen alle mit: der wortkarge Arzt Georg – wunderbar schroff: Uwe Ochsenknecht, Kosmetikerin Rena, deren leicht nervige Redseligkeit von Saskia Vester unglaublich liebenswert in Szene gesetzt wird, und das Weinhändlerpaar Ines und Richard, die fast aneinander scheitern, was Peter Sattmann und Jutta Speidel sehr eindringlich verkörpern. Mit leichter Hand fügt Regisseur Dennis Satin die fünf Schicksale zu einer schwungvollen Ensemble-Komödie zusammen, seine 6. heimliche Hauptdarstellerin Kuba fest im Blick. Adiós amigos, nos vemos en Cuba.

Kubanisch für Fortgeschrittene - Stab, Besetzung, Inhalt

Sonntag, im Dezember 2015, 20.15 Uhr*

Kubanisch für Fortgeschrittene
Herzkino-Komödie

Buch                                Susanne Beck, Thomas Eifler
Regie                               Dennis Satin
Kamera                            Sven Kirsten
Musik                               Warner Poland, Wolfgang Glum
Schnitt                             Biljana Grafwallner-Brezovska
Produzent                        Jochen Zachay
Produktionsfirma              ndF
Redaktion                         Beate Bramstedt

Die Rollen und ihre Darsteller

Ines Reimers                    Jutta Speidel
Richard Reimers               Peter Sattmann
Margot Ottersbach            Gaby Dohm
Rena Helmich                   Saskia Vester
Dr. Georg Winter              Uwe Ochsenknecht
Shari                                Saray Varges Morales
Esperanza                        Mayra Isabel Mazorra Perez
Ruben                              Fernando Spengler Rodriguez
Opa Jesus                        Charles Alden Knight James
und andere                             

Inhalt

Best-Ager oder doch altes Eisen? Fünf "60-Something" reisen in dieser "Herzkino"-Komödie aus unterschiedlichen Motiven nach Kuba, das ihren Blick aufs Leben vehement verändert. In einem munteren Clash der Kulturen trifft deutsche Zielstrebigkeit auf kubanisch-lässige Lebensfreude. Die Visionen der fünf Deutschen, wie das letzte Lebensdrittel aussehen könnte, verändern sich durch den lebendigen Charme der Karibikinsel und ihren munteren Bewohnern.

In der kleinen kubanischen Pension "Esperanza" checken nach und nach fünf deutsche Gäste ein. Der Hamburger Weinhändler Richard hat seine Frau Ines nach Kuba gelotst, weil er hofft, dass sie dort über den Verlust ihres einzigen Sohnes hinwegkommen wird. Er ahnt nicht, dass seine Frau mehr über Simons Unfalltod weiß, als sie ihm gesagt hat.

Während Ines so rasch wie möglich der munteren Insel wieder entfliehen will, träumt die frisch pensionierte Schuldirektorin Margot davon, länger auf Kuba bleiben zu dürfen.

Sie hat sich als Volunteer in die Dorfschule eingeschmuggelt und hofft, dort all ihr Wissen und ihre Erfahrung als Lehrerin einbringen zu dürfen. Da jedoch hat sie die Rechnung ohne die resolute Schulleiterin Shari gemacht, die sich von der älteren nicht vorschreiben lassen will, wie sie ihre Schule führen soll.

Kosmetikerin Rena wiederum will Kuba als Jungbrunnen nutzen. Eine Augen-OP soll die hässliche Brille überflüssig werden lassen. Unglücklicherweise verliebt sie sich in Georg, den einsilbigen Arzt aus Halle, der nach Kuba gekommen ist, um seinen familiären Wurzeln nachzuspüren. Er hat einen kubanischen Vater. Die Quasselstrippe Rena, die sich wie eine Klette an seine Fersen heftet, geht dem zuweilen etwas schroffen Mediziner gehörig auf die Nerven. Aber gleichzeitig kann er ihr auch nicht wirklich böse sein. Ganz im Gegenteil. Ihr gelingt es, sein Herz zu berühren. Wird sie den Suizid-Gedanken, den er in sich trägt, vertreiben können?

Die fünf tauchen ein in das quirlige Leben in Paraiso, dem kleinen Ort in der Nähe von Havanna. Obwohl seine Bewohner um alles Alltägliche kämpfen müssen, zum Beispiel um Benzin, wirken sie dabei dennoch glücklich. Sie nehmen die Engpässe ihres Lebens gelassen. Das Hier und Jetzt ist entscheidend. Dennoch blickt Pensionsinhaberin Esperanza mit ironisch-kritischer Distanz auf das kubanische System, während ihr Vater Jesus noch begeisterter Castro-Anhänger ist. Er liebt sein Land glühend und hat sich bestens arrangiert. Er ist ein Meister des Schwarzmarktes, schlitzohrig und charmant tauscht er alles gegen alles.

Seine Enkelin Shari hat ein bisschen von seinem Patriotismus übernommen. Ihre Mutter Esperanza kann nicht verstehen, dass sie die Chance, sich ins Ausland abzusetzen, nicht nutzt. Aber die junge Lehrerin glaubt an die Zukunft ihres Landes. Als die Dorfschule abbrennt, setzt sie alles daran, sie wieder aufzubauen. Die Tatkraft der deutschen Touristen ist ihr dabei herzlich willkommen. Deutsche Akkuratesse trifft auf kubanische Improvisationskunst - Mentalitäten krachen hier aufeinander, aber alle lernen am Ende dasselbe: für Veränderungen ist es nie zu spät. Man muss sie nur angehen.

Interview mit Regisseur Dennis Satin

Welchen Bezug haben beziehungsweise hatten Sie vor den Dreharbeiten zu Kuba?

Von Kuba kannte ich nur die Klischees, wie sie jeder Europäer kennt: Buena Vista, Musik, Rum und Zigarren, Fidel Castro und Che Guevara. Welche besondere Geschichte diese Insel hat und wie identitätsstiftend der Freiheitskampf für diese Nation ist, das habe ich erst dort gelernt.

Wie liefen die Dreharbeiten vor Ort? Wie verlief die Zusammenarbeit mit den kubanischen Darstellern?

Die Arbeit mit dem kubanischen Team war beeindruckend. Die dortige Filmindustrie ist hoch-professionell und alle Abteilungen verstehen es, trotz der allgegenwärtigen Mangelwirtschaft, ihre Aufgaben mit viel Kreativität und Einsatzbereitschaft zu erfüllen. Die kubanischen Darsteller sind TV-Stars auf der Insel, die oft von Einheimischen erkannt und um Autogramme gebeten wurden. Der Dreh mit ihnen war sehr angenehm und die Zusammenarbeit wirklich entspannt. Teilweise hat uns ihre Bekanntheit Drehgenehmigungen ermöglicht, die wir ohne sie wohl nicht bekommen hätten.

Welche besonderen Erfahrungen machten Sie während der Dreharbeiten?

Die Kubaner haben nichts – und davon leider jede Menge. Aber der Lebensmut der Menschen und ihre Werte, geprägt durch die Revolution und die Entwicklung danach, das hat mich schon sehr beeindruckt. Auch wenn das alles uns Europäern ziemlich fremd erscheinen mag; wenn man mal dort ist und sich ein wenig mit den Leuten unterhält, wird man sehr schnell Verständnis für ihre Lage entwickeln.

Welche Szene hat für Sie eine besondere Bedeutung?

Die Szene, in der das kleine Mädchen beinahe im Meer ertrinkt, wird für mich immer mit einer dramatischen Erinnerung verbunden sein. Denn während wir diese Szene drehten, gerieten nur einige Meter von uns entfernt 2 Jungs in einen Strudel, der sie in die Tiefe zog. Sie konnten dank des beherzten Eingreifens mehrerer Männer gerettet werden. Dieses erschreckende Ereignis führte mir vor Augen, wie realistisch unsere Geschichte ist.

Was macht für Sie das typische Kuba aus?

Ich muss gestehen, seit ich auf Kuba war, widme ich mich mit großer Leidenschaft dem Konsum erlesener handgefertigter Tabakwaren und weiß einen guten Daiquiri sehr zu schätzen.

Das Interview führte Ole Reiss.

Interview mit Peter Sattmann

Was war der Reiz, in Kuba zu drehen?

Ich habe so viele Hotels und fremde Gegenden gesehen, dass ich eigentlich am liebsten in Berlin drehe. Aber bei Kuba wurde ich dann doch hellhörig, weil ich einfach noch nicht dort war. Dann erhielt ich auch gleich die Nachricht, dass mein alter Freund Uwe Ochsenknecht dabei ist. Auch die drei weiblichen Hauptrollen – Gaby Dohm, Saskia Vester und Jutta Speidel – kenne ich gut von vorherigen Rollen. Also war es im Endeffekt auf der einen Seite die Neugier nach Kuba zu kommen und auf der anderen Seite, die alten Kollegen zu treffen. Natürlich hat mir auch das Buch gut gefallen, sonst würde ich generell zurückschrecken.

Was macht für Sie das typische Kuba aus?

Man stellt sich Kuba sehr viel kleiner vor, wenn man auf die Landkarte schaut. Wir wollten mal in den Norden nach Trinidad fahren, aber da ist man sechs Stunden unterwegs und das würde einen ganzen Tag kosten. Dafür hat man nicht die Zeit. Durch die Dreharbeiten haben wir aber sehr viel von Havanna und der Umgebung gesehen. An den freien Tagen habe ich mich auf die Spuren von Hemingway begeben und zwei schöne Filme für meinen Youtube-Kanal aufgenommen. Er hat seinen Ruhm schon zu Lebzeiten genießen können. Ich war mit Uwe Ochsenknecht auf seiner Finca.

Was zeichnet die Kubaner aus?

Die Kubaner sind ein lebenslustiges Volk und ich habe wirklich nie einen schlechtgelaunten Menschen gesehen - weder auf der Straße noch in den Geschäften. Ich empfand es auch nicht als zu viel Polizei vor Ort, obwohl Kubaner gerne den Witz machen: "Havanna hat zwei Millionen Einwohner –  eine Million richtige Einwohner und eine Million Polizisten". Es gibt überhaupt keine Kriminalität und man fühlt sich nirgends unsicher. Auch die Frauen waren nachts alleine unterwegs in allen Vierteln. Natürlich gibt es auch Armut auf Kuba, aber es ist nicht die gleiche wie in Afrika oder Indien. Durch den Sozialismus existiert einfach eine Grenze, wo alle Menschen aufgefangen werden. Das Schul- und das Gesundheitssystem sind vorbildlich.

Welche besonderen Erfahrungen machten Sie während der Dreharbeiten?

Wir hatten bei den Dreharbeiten keinen Tag unter 40°C. Das ist eine Witterung, die ist wunderbar, wenn man am Strand oder Pool liegt. Aber wenn sie mit Jutta Speidel in einem alten Auto auf Ledersitzen sitzen, die so heiß sind, dass man sich daran verbrennt, wird es strapaziös. Wir wurden jedoch wahnsinnig toll von den Kubanern verpflegt. Ein wahnsinniges Lob an die Produktion um Jochen Zachay!

Was war das Lustigste, das bei den Dreharbeiten passiert ist?

Wir hatten ein paar Nachtdrehs, bei denen auch eine Schulkulisse abgebrannt wurde. Das ist immer lustig, wenn man hinter die Kulissen schaut und sieht, wie das hergestellt wird. Da wurden Gasleistungen gelegt, die angezündet wurden und dann standen wir mit Palmwedeln und nassen Lappen davor, um zu löschen. Normalerweise hätten wir alles in Windeseile gelöscht, aber das sollte natürlich laut Drehbuch nicht passieren. Diese Absurdität müsste man eigentlich in einem Making-of zeigen. Dann würde man sehen, mit wie viel Pannen und Slapstick sowas abläuft.

Ihre Figur Richard muss einen schweren Verlust verarbeiten. Wie gehen Sie mit persönlichen Rückschlägen um?

Wenn ich so zurückdenke, waren keine tiefen Rückschläge in meinem bisherigen Leben dabei. Meine Eltern sind zwar beide verstorben, aber das konnte ich irgendwie verarbeiten. Es war traurig und ich denke jeden Tag an die beiden. Das lässt sich auch nicht umgehen, weil ich sie unglaublich in mir spüre. Ich sehe meine Hände und dabei aber auch die Hände meines Vaters. Ich merke, dass ich reagiere wie mein Vater oder Sehnsüchte habe wie meine Mutter. Das würde ich aber als keinen lebensverändernden Rückschlag bezeichnen. Auch beruflich musste ich keine schweren Niederlagen wegstecken. Natürlich gibt es Hochs und Tiefs, und die Rollen werden mit steigendem Alter weniger, aber man kriegt ja inzwischen auch etwas Rente.

Wie lautet ihr persönliches Glückrezept?

Mein Glücksrezept lässt sich am besten durch einen wunderbaren Satz von Albert Schweitzer beschreiben: "Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt". Danach versuche ich zu handeln. Mein Lebensmotto lässt sich nur im Englischen gut wiedergeben: "Pleasure makes sense".

Das Interview führte Ole Reiss.

Interview mit Saskia Vester

Wie fanden Sie das Projekt?

Ich fand das Projekt von Anfang an großartig und dachte, da passt ja einfach alles – die Rolle, die Kollegen und dann auch noch auf Kuba. Ein Rundum-Glücklich-Paket für mich!

Wie liefen die Dreharbeiten mit den kubanischen Darstellern?

Die Zusammenarbeit lief super. Ich glaube, mein Herz ist kubanisch. Obwohl die kubanischen Darsteller zum Teil schlecht oder gar nicht Englisch sprachen, hatten wir einen Mordsspaß miteinander. Wir haben uns dann meist mit Händen und Füßen irgendwie verständigt. Manchmal haben wir auch eine Übersetzerin geholt – gerade, weil ich mal wissen wollte, wie ihre Situation derzeit auf Kuba ist. Die Dreharbeiten selbst waren nicht immer ganz einfach, denn die Darsteller haben in vielen Szenen Spanisch gesprochen und ich Deutsch. Ich beherrsche lediglich ein paar Wörter Spanisch, aber ich konnte mir vereinzelt Stichwörter rausfiltern. Für die Kubaner ist es dagegen doppelt schwer, denn unsere Sprache ist für sie wie Chinesisch und sie können sich gar nichts ableiten. Dennoch hat es funktioniert, denn wir entwickelten ein Gespür füreinander. Es war wie ein gemeinsamer Tanz und Wörter sind gar nicht mehr so wesentlich gewesen. Eine tolle Erfahrung!

Was assoziieren Sie mit Kuba?

Wir haben kleinere Ausflüge gemacht zum Beispiel ins Hemingway-Museum in Havanna. Durch die Motive zum Drehen sind wir natürlich auch ein bisschen rumgekommen und ich habe dadurch schon einen Eindruck bekommen. Havanna ist eine Stadt, die mich über alle Maßen fasziniert hat. Die Kubaner sind schwer damit beschäftigt die Altstadt aufzubauen. Überall wird gewerkelt, in jedem Hinterhof entstehen Bars, Restaurants und Geschäfte. Obwohl es dort halb verfallen ist, ist es nicht deprimierend, sondern unglaublich toll, bereichernd und kreativ. Das hängt aber natürlich von der persönlichen Sichtweise ab. Für mich ist das Glas immer halb voll!

Stichwort Culture Clash: Wo liegen Unterschiede zu den Deutschen?

Für mich gab es überhaupt keinen Culture Clash. Ich fühlte mich so zuhause dort. Die Menschen sind von ihrer Art her unglaublich herzlich und gebefreudig – obwohl sie ja kaum etwas haben. Sie lieben das Leben! Wir sind dagegen so reich und mäkeln dennoch rum. Alden, der Darsteller von Opa Jesus, hat uns alle zu sich nach Hause eingeladen. Er ist ein unglaublich warmherziger Strahlemensch. Vor zwei Jahren hat er einen seiner Söhne an den Krebs verloren. Trotz dieses alptraumhaften Schicksalsschlags ist Alden so unglaublich lebensfreudig. Denn er meint, dass sein Sohn auch nicht wieder lebendig wird, wenn er den ganzen Tag nur weinen würde. Wenn die kubanischen Darsteller nicht drehen, müssen sie sich zudem mit wenig Geld über Wasser halten. Trotzdem hat Alden so eine Lebensbejahung. Von dieser Einstellung können wir uns alle eine Scheibe abschneiden! Diese Erlebnisse sind mir sehr tief gegangen und ich habe sie tief in meinem Herzen mit zurückgenommen nach Deutschland.

Was zeichnet Ihre Filmfigur aus?

Ich fand meine Rolle lustig, weil sie allen auf die Nerven geht. Ich mochte das, denn sie hat es gar nicht gemerkt und nur dem Bauch heraus gehandelt. Rena geht nicht groß intellektuell an die Dinge heran und ist ein bunter Vogel – zumindest hab ich das so gelesen. Sie blüht im Verlauf des Films richtig auf. Ich fand sie in all ihrer "bunten Art" so unglaublich reizvoll zu spielen.

Was nehmen Sie für sich persönlich von den Dreharbeiten mit zurück in den Alltag nach Deutschland?

Ich denke viel an meinen spanischen Kollegen Alden, den Darsteller von Opa Jesus. Er hat mich unglaublich inspiriert. Alden gab mir das Gefühl, dass man sich nicht in irgendwelchen Kleinigkeiten verstricken, sondern zufrieden durchs Leben laufen und die Dinge so annehmen sollte, wie sie sind. Ich bin eigentlich von Natur aus schon so, aber jeder hat ja so kleine Downs. Dann denk ich an Alden und es geht mir wieder gut.

Das Interview führte Ole Reiss.

Interview mit Gaby Dohm

Welchen Bezug haben beziehungsweise hatten Sie vor den Dreharbeiten zu Kuba?

Es war immer mein Wunsch nach Kuba zu reisen, auch wenn man beim Drehen nicht so viel vom Land sieht. Aber ich hatte mich unheimlich darauf gefreut, weil ich von der Lebendigkeit der Menschen wusste und mich auch die politische Situation interessiert hat. Den Umgang mit dem kubanischen Team fand ich auch sehr interessant und reizvoll. Es ist außerdem immer schön Rollen zu spielen, die eher herb als lieblich sind. Margot ist ja am Anfang eine ziemlich spröde Frau, die sich dann entwickelt durch das inspirierende Wesen der Kubaner.

Konnten Sie das Land auch etwas für sich entdecken?

Gerne wollten wir nach Trinidad, aber das haben wir aus zeitlichen Gründen einfach nicht geschafft. Ich habe immer versucht, die Orte zu besuchen, an denen einheimische Musik gemacht wird – natürlich live. Die Musiker fangen allerdings erst kurz nach Mitternacht an, und da ich früh am Morgen drehen musste, hatte ich leider nicht so viele Gelegenheiten. Aber ich habe doch einiges gesehen und ein paar gute Jazz-Clubs gefunden. Die Kubaner machen mit großer Passion Musik. Sie stehen abends auch oft auf der Strandpromenade, weil sie in ihren Wohnungen nicht so laut sein dürfen. Dort üben und improvisieren sie. Das ist sehr faszinierend.

Gab es Hindernisse in der Zusammenarbeit mit den kubanischen Darstellern?

Die Zusammenarbeit lief sehr gut. Hin und wieder konnten die Darsteller etwas Englisch, ansonsten sprachen sie natürlich Spanisch, was ich nicht beherrsche. Ich antwortete in meiner Rolle, also auf Deutsch, und damit hatten die kubanischen Kollegen wiederum ein Problem, zumal die spanische Sprache ein ganz anderes Tempo hat. Am besten kam ich mit dem Darsteller des Opa Jesus zurecht, der mit seiner Rolle gefühlvoller und behutsamer umgehen durfte. Generell haben wir uns aber alle sehr gut verstanden. Wir haben uns auch immer die Sätze vorgesagt, damit man den entsprechenden Rhythmus mitbekommt.

Wie machen sich Ihrer Meinung nach die kulturellen Unterschiede zwischen Kuba und Deutschland am ehesten bemerkbar?

Natürlich sind die Kubaner temperamentvoller als wir. Wenn ich nachts losgefahren bin, dann in irgendwelchen klapprigen Taxen. Diese wurden von sehr fantasievollen Fahrern gesteuert. Wenn sie kein Benzin mehr haben, rasen sie zur nächsten Tankstelle, holen sich etwas in einer Plastikflasche und füllen nach. Es ist wie im Film und so kommt es in unserer Geschichte ja auch vor. Ich habe die Offenheit und die Freundlichkeit als ungeheuer angenehm empfunden.

Ihre Figur Margot möchte auf Kuba vollständig in die fremde Kultur eintauchen. Inwiefern ist ihr das schließlich gelungen?

Margot wird allmählich klar, dass ihre "deutsche Genauigkeit" in einem Land wie Kuba einfach nicht durchzusetzen ist und daher Improvisation angesagt ist. Insofern lernt sie durch die Reise hinzu. Anderseits hilft ihr ihre Fähigkeit, sofort auf eine kritische Situation zu reagieren und konzentriert zu handeln.

Welche besonderen Erfahrungen machten Sie während der Dreharbeiten?

Eine persönliche Einladung des Hauptdarstellers ermöglichte mir, ein Blick auf die private Seite kubanischen Familienlebens zu werfen.

Was nehmen Sie für sich persönlich von den Dreharbeiten mit zurück in den Alltag nach Deutschland?

Die Bescheidenheit, mit dem was man hat, zurechtzukommen. Und bei all dem – ein wenig augenzwinkernd – heiter zu bleiben.

Das Interview führte Ole Reiss.

Interview mit Jutta Speidel

Waren Sie schon mal in Kuba?

Ich war zuvor noch nie auf Kuba und wollte aber immer mal dahin reisen. Allerdings habe ich es nie geschafft, da es ja auch nicht gerade um die Ecke ist. Ich habe mich daher gefreut, dass der Film dort spielt und ich nun die Gelegenheit bekomme. Außerdem war ich natürlich aufgeregt und sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Konnten Sie während der Dreharbeiten die Umgebung erkunden?

Es war schon schön auf Kuba. Ich habe auch ein paar Reisen gemacht, mich in einen öffentlichen Bus gesetzt und bin ins Land reingefahren. Im Gegensatz zu manch anderem bin ich aber nicht vollends begeistert gewesen von Kuba. Natürlich hat Havanna ein gewisses Flair, aber ich schaue auch ein bisschen genauer hin. Wenn man mit kubanischen Teammitgliedern und Schauspielern dreht, dann fällt einem auf, dass es eine andere Welt ist. Ich glaube, dass Kuba noch einen wahnsinnig weiten Weg vor sich hat. Da nützt es auch nicht, wenn man schöne Musik hört, Zigarren raucht und Cuba Libre trinkt.

Welches Erlebnis hat Sie während der Dreharbeiten geprägt?

Ich habe mich einmal mit einem jungen Mann unterhalten, der mich auf der Straße angesprochen hat. Er sprach perfekt Deutsch, das er sich nur durch Bücher selbst angeeignet hatte. Daraufhin zeigte er mir, wie er ins Internet gelangt. In einer Mauer ist er auf das Internetkabel seiner Nachbarn gestoßen, an das er sich drangehängt hat. Immer wenn der Nachbar ins Internet geht, wählt er sich auch ein und erobert so die Welt. Am liebsten wäre er mit nach Deutschland gekommen.

Woran haben sie gemerkt, dass sie "echt deutsch" sind?

Ich weiß gar nicht, was typisch deutsch ist. So bin ich einfach nicht. Durch meine vielen Reisen habe ich zahlreiche unterschiedliche Kulturen kennengelernt. Ich glaube daher nicht, dass ich ein typischer deutsch denkender und handelnder Mensch bin.

Ihre Rolle Ines fühlt sich für den Tod des Sohnes Simon verantwortlich. Wie beeinflusst diese vermeintliche Schuld Ines‘ Leben?

Ines ist eine tragische Figur. Ich finde so eine Depression gehört zum Leben dazu. Sie hat sozusagen ein Coming out und ist dabei, es zu verarbeiten. Es geht ihr sicherlich nach der Reise besser als davor. Sie gewinnt durch den Abstand wieder etwas mehr Klarheit, das ist manchmal nicht schlecht.

Die Fragen stellte Ole Reiss.

Interview mit Uwe Ochsenknecht

Gibt es irgendetwas, was Sie mit Kuba verbinden?

Seit meiner Kindheit liebe ich Salsa-Musik und spiele auch selbst ganz respektabel Congas. Mein Traum war seitdem immer mit einer Original Salsa-Band möglichst in deren Land zu spielen. Den Traum habe ich mir nun erfüllt. Dann war es natürlich toll, Kuba vor der politischen Wende, die ja kurz nach den Dreharbeiten begann, nochmal zu sehen.

Was macht für Sie das typische dieses Landes aus?

Das "typische" Kuba gibt es nur in der Werbung. An manchen Orten in der Altstadt kann man erahnen, wie Havanna in den zwanziger Jahren aussah. Das macht mich eher traurig, da der Rest verfallen ist.

Was können wir Deutschen von den Kubanern lernen?

Unter diesen Lebensbedingungen seit fast 50 Jahren noch so eine Lebensfreude auszustrahlen, ist erstaunlich. Wir sind da ganz schön verwöhnt in Deutschland. Uns geht es im Vergleich verdammt gut.

Woran haben sie gemerkt, dass sie "echt deutsch" sind?

Vor allem daran, dass wir nie Zeit haben.

Wie liefen die Dreharbeiten vor Ort? Wie verlief die Zusammenarbeit mit den kubanischen Darstellern?

Dafür, dass die Bedingungen für Dreharbeiten auf Kuba wirklich äußerst schwierig sind, war der Dreh sehr gut organisiert. Auch die kubanischen Kollegen waren sehr kooperativ. Und immer freundlich und gut gelaunt. Die Stimmung am Set war dadurch äußerst freundschaftlich und lustig.

Welche besonderen Erfahrungen machten Sie während der Dreharbeiten?

Ich machte die Erfahrung, dass die Menschen trotz der bescheidenen Möglichkeiten, die Ihnen da zur Verfügung stehen, wahre Künstler sind und stets das Beste daraus machen.

Welche Szene hat für Sie eine besondere Bedeutung?

Für mich sind das die Momente, wo Georg versteht, dass man im Leben in keiner Situation aufgeben sollte.

Was nehmen Sie für sich persönlich von den Dreharbeiten mit zurück in den Alltag nach Deutschland?

Ich habe mir vorgenommen, nicht immer auf hohem Niveau zu jammern.

Was gibt den Menschen Ihrer Meinung nach Hoffnung, auch in schweren Lebenssituationen wie einer Krankheit?

Meistens ist es irgendeine Religion. Aber warum muss man dazu immer erst in schwere Lebenssituationen kommen. Viele werden dem Leben gegenüber erst demütig, wenn sie wissen, es ist bald vorbei. Darüber könnte man sich ja auch davor immer mal wieder Gedanken machen.

Wie lautet ihr persönliches Glückrezept?

Positiv denken und sein. Gute Leute um mich herum haben. Und das Leben so zu akzeptieren, wie es sich mir bietet.

Das Interview führte Ole Reiss.

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