Copyright: ZDF / Michael Marhoffer
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Laim und die Zeichen des Todes

Der Fernsehfilm der Woche

Ein persönlicher Fall für Kommissar Lukas Laim (Max Simonischek): Die Leiche eines Mannes hängt von der Brücke auf der Praterinsel. Auf deren Bauch finden sich hebräische Schriftzeichen. Wenig später erfährt Laim von einem Erpresserschreiben an seine Mutter (Gisela Schneeberger), das mit den gleichen Buchstaben unterzeichnet ist. Laim und seine neue Kollegin Johanna Fischer (Lavinia Wilson) suchen nach der Verbindung zwischen diesen Ereignissen. In weiteren Rollen spielen Bibiana Beglau, Fritz Karl, Golo Euler, Katharina Müller-Elmau und Gerhard Wittmann.

  • ZDF, Montag, 3. April 2017, 20.15 Uhr

Texte

Stab, Besetzung und Inhalt

Buch      Lisa van Brakel, Jörg von Schlebrügge
Regie        Michael Schneider
Kamera      Andreas Zickgraf
Musik         Dirk Leupolz
Schnitt       Jörg Kroschel
Szenenbild     Anke Osterloh
Produktionsleitung    Lisa Schmidt
Herstellungsleitung      Andreas Breyer
Produktion    Network Movie, Köln
Produzenten        Bettina Wente, Wolfgang Cimera
Redaktion       Daniel Blum 
Länge      ca. 89 Minuten

       

Die Rollen und ihre Darsteller

Lukas Laim    Max Simonischek
Johanna Fischer      Lavinia Wilson
Anton Simhandl      Gerhard Wittmann
Simone Reichenbach       Katharina Müller-Elmau
Doktor Kammeyer      Fritz Karl
Lea Adler      Bibiana Beglau
Christian Odenthal (Uriel)         Golo Euler
Sonja Stern        Morgane Ferru
Benjamin Schumacher        Rick Okon
Marlene Laim     Gisela Schneeberger
Egon Odenthal   Horst Sachtleben
Luisa Wimmer     Birte Hanusrichter
Paul Wimmer       Jonathan Müller
und andere      

 

Inhalt

Von der Brücke  auf der Praterinsel hängt eine Leiche. Auf deren Bauch findet Kommissar Lukas Laim merkwürdige rote Zeichen.

Bei dem Toten handelt es sich um einen Notar aus Grünwald, der als Förderer jüdischer Kunst stadtbekannt ist. Und die Zeichen auf seinem Bauch sind hebräisch und bedeuten "Vergeltung". Vergeltung wofür? Und warum die hebräische Schrift?

Kurz darauf erfährt Laim von einem Erpresserschreiben an seine Mutter, das mit dem hebräischen Wort "Schilem" unterzeichnet ist. Die Erpresser fordern 80 000 Euro, damit die Öffentlichkeit nicht erfährt, dass Laims Großvater sein Vermögen im Zuge der Arisierung gemacht hat.

Lukas, sein Kollege Simhandl und die neue Kommissarin Johanna Fischer suchen nach einer Verbindung zwischen den Ereignissen. Als weitere Fälle von Erpressung bekannt werden, ist klar, dass hier historisches Wissen zu Geld gemacht werden soll. Doch wer weiß heute noch so genau Bescheid über die Akteure und Profiteure der Enteignung von Juden im "Dritten Reich"? Und sind die Erpresser auch für den Tod des Notars verantwortlich?

Laim ermittelt unter Hochdruck und muss sich zudem seinem ganz persönlichen Groll auf die eigene Familie stellen.

"Ich habe für Lukas Laim gedichtet"

Interview mit Max Simonischek

Nach dem Film "Die Tote ohne Alibi" ist dies der zweite Fall für Kommissar Lukas Laim. Wie hat sich Ihre Figur entwickelt?

Wir haben versucht, Lukas Laims Charaktereigenschaften, im Vergleich zum ersten Teil, zu verstärken. Laim ist immer noch einsam, liebt Statussymbole und versucht, die Last seiner Herkunft mit seiner Polizeiarbeit abzufedern. Er könnte ja auch einfach ein Privatbanker oder Anwalt sein, der sich nicht die Hände schmutzig machen will. Er geht nicht freundlich lächelnd durch den Tag. Irgendetwas lässt ihn an der Welt zweifeln und auch an das Schlechte im Menschen glauben. Er bezahlt im zweiten Teil zwar nicht mehr für sexuelle Dienste, scheint aber mit den Verbindlichkeiten, die ohne Bezahlung in Beziehungen entstehen, auch nicht wirklich glücklich zu werden. Die im ersten Teil nur angerissene Beziehung zu seiner Mutter wird verstärkt und bekommt mehr Raum. Dadurch erfahren wir etwas mehr über ihn als Privatperson.

Was ist das Interessante an seinem zweiten Fall?

Zum einen das Private: Laim wird mit der unschönen Vergangenheit seiner Familie konfrontiert. Sein Reichtum basiert auf einem großen Unrecht. Er möchte sich davon distanzieren, sitzt aber gewissermaßen in einem goldenen Käfig. Zum zweiten ist es die politische Dimension des Falls: Könnte es so etwas wie jüdischen Extremismus in Deutschland geben? Es war für uns spannend, dieser Vermutung nachzugehen. Denn wir begegneten immer wieder der Schuld, die wir Deutschen auf uns geladen haben. Sie ist endlos und durch nichts zu begleichen. Diese Prämisse des Falles fand ich sehr spannend.

Was war für Sie das Besondere bei der Entwicklung und Umsetzung dieses zweiten Films?

Im zweiten "Laim" haben wir, Michael Schneider, Andreas Zickgraf und ich es geschafft, unser Vorhaben, im Vergleich zum ersten Teil, noch konsequenter umzusetzen. Jeder in seinem Fachgebiet und dadurch zusammen. Wir wollten nicht noch einen "Whodunit"-Krimi für das Abendprogramm, sondern einen psychologischen Thriller erzählen. Mit einer fast comic-haften Figur, einem Antihelden, im Zentrum stehend. Dazu hat Andreas Zickgraf eine eigene Bildsprache entwickelt. Für mich ist am zweiten Teil auch besonders, dass ich von Beginn an, im Entstehungsprozess involviert war. Ich habe mich mit den Autoren getroffen und am Buch mitgewirkt. Das alles geht natürlich nur, wenn von Produktions-, Regie- und Senderseite ein offenes Klima herrscht, alle an einem Strang ziehen. In dieser Form habe ich das beim Fernsehen noch nicht erlebt. Das macht Freude, weil man das Projekt wachsen sieht, und es einem sehr ans Herz wächst. Wann wurde um 20.15 Uhr im TV zum letzten Mal im fünffüßigen Jambus gesprochen? Auch eine Besonderheit. Den Jambus habe ich übrigens selbst gedichtet. Abgesehen davon, finde ich den Film auch hochkarätig besetzt. Von durchweg so tollen Kollegen war ich in einem Ensemble noch nie umgeben.

Kommissar Laim ermittelt in der bayerischen Landeshauptstadt. Sie selbst waren lange Zeit Teil des festen Ensembles der Münchner Kammerspiele. Haben Sie eine besondere Beziehung zu München?

Ich hatte in meinen drei Jahren keine besonders gute Zeit in München. Aber dafür kann die Stadt nichts. Auf der einen Seite ist da der grandiose Fußball, den der FC Bayern in meiner Münchner Zeit unter Heynckes und anfangs auch unter Guardiola gespielt hat, und den ich zwei Jahre live und direkt in der Arena erleben durfte. Dann der Eisbach, es gibt die Isar und die Alpen vor der Haustür, zwei tolle Theater und das Bier. Das alles trägt schon entscheidend zu einer hohen Lebensqualität bei, die seines gleichen sucht. Auf der anderen Seite kenne ich keine andere Stadt, die so massiv über Statussymbole funktioniert. Und in der eine so penetrante Polizeipräsenz herrscht. Das Motto "Mia san Mia" strahlt meines Erachtens auch nicht unbedingt Gastfreundlichkeit aus. Insofern ist mein Verhältnis zu München zwiegespalten. Die Zeit während der Dreharbeiten tut dieser Beziehung aber merklich gut.

Sie spielen zwar überwiegend Theater, sind aber inzwischen ebenso erfolgreich in Film und Fernsehen. Welche Bedeutung haben ihre Film- und Fernsehrollen für Sie?

Für mich sind die Begegnungen mit Kollegen von Bedeutung. Von ihnen hängt meine Lust an dem Beruf ab. Sind es Regisseure, Texte, Drehbücher, mit denen ich mich als Schauspieler weiterentwickeln kann, von denen ich lerne, die mich fordern, denen ich etwas geben kann? Ist die Auseinandersetzung bereichernd für beide Seiten? Das sind Fragen, die für mich Bedeutung haben, egal ob am Theater, beim Fernsehen oder beim Film. Ich will eine Arbeit schlauer beenden, als ich sie begonnen habe, und nicht das Gefühl haben, Zeit abzusitzen. Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen, und dazu gehören Begegnungen mit eigenartigen Menschen. Zugegeben, diese habe ich bis jetzt am Theater häufiger angetroffen als beim Fernsehen.

Im letzten Jahr habe Sie erstmalig am Burgtheater in dem Stück "Der Bau" Regie geführt und gleichzeitig die Hauptrolle gespielt. Könnten Sie sich vorstellen, auch mal in einem Kino- oder Fernsehfilm die Regie zu übernehmen?

Ich könnte mir das sehr gut vorstellen. Die Frage wird sein, ob es Produzenten gibt, die sich das auch vorstellen können. Es hängt davon ab, ob ich einen guten Stoff finde, der was hergibt, und für den es sich lohnt, das ein oder andere Jahr damit zu verbringen. Aber warum nicht Kafka verfilmen? Gerade "Der Bau" hat nochmal eine Chance verdient.

Als Jugendlicher wollten Sie Fußballprofi werden. Haben Sie je bereut, dass es nicht geklappt hat?

Von Bereuen kann leider nicht die Rede sein. Ich habe keine Chance verpasst, sondern war einfach zu schlecht, um ein Profi zu werden. Ich habe zwar eine Zeitlang, etwas Geld damit verdient, aber von der ernsthaften Überlegung, alles auf die Karte Fußball zu setzen, war ich meilenweit entfernt.

Spielen Sie heute noch Fußball?

Ja, ich spiele immer noch. Da ich so viel unterwegs bin, habe ich in Zürich, Berlin, München, Wien, in den meisten Städten, in denen ich arbeite, auch meine Fußballrunden. Zu Hause in Berlin spiele ich in der Uni-Liga bei Dynamo Blutgrätsche um die Meisterschaft. So langsam merke ich aber, dass es immer mehr zwickt, und ich Tage brauche, um mich auszukurieren. Deshalb habe ich vor einem Jahr wieder mit dem Tennis angefangen und lasse das Fußballspielen langsam ausschleichen.

Das Interview führte Ellen Wirth.

"Was macht die deutsche Nazi-Geschichte mit uns, Generationen später?"

Interview mit Lavinia Wilson

Frau Wilson, Sie spielen die neue Kollegin von Kommissar Laim. Wie ist das Verhältnis zwischen Johanna und dem Womanizer Laim?

Johanna trifft es einmal ganz passend: "Wir haben uns ja nicht zum Reden getroffen". In ihrer Unabhängigkeit und ihrem Unwillen, es jedem recht machen zu wollen, sind sie sich vielleicht sogar ähnlich. Spannend wird es ab dem Moment, in dem klar wird, dass Johanna als Jüdin das personifizierte Schuldgefühl Laims sein könnte.

Was hat für Sie den Reiz an der Geschichte ausgemacht?

Genau diese Konstellation: Was macht die deutsche Nazi-Geschichte mit uns, Generationen später? Wie wirkt das in uns fort? Wie können wir damit umgehen, ohne uns davon erschlagen zu lassen? Und wie ist es um die Gerechtigkeit bestellt? Wie reagiert unsere Justiz auf vergangenes Unrecht?

Sie ermitteln in der bayerischen Landeshauptstadt und sind im realen Leben gebürtige Münchnerin. Ist es etwas Besonderes in der Heimatstadt zu drehen?

Ich bin aus guten Gründen mit 19 aus München weggezogen, es wurde mir einfach zu eng, zu selbstzufrieden. Je länger ich weg bin, desto lieber komme ich aber zurück, mittlerweile kann ich die Idylle viel besser genießen. Es gibt nichts Schöneres als an einen Sommertag an der Isar oder im Englischen Garten zu sitzen. Ich habe zu so vielen Orten einen Bezug und Erinnerungen, mit den Augen einer Filmfigur diese Orte neu zu entdecken, ist jedes Mal spannend. Außerdem habe ich Familie und Freunde dort.

Womit verknüpfen Sie die Filmstadt München?

Fassbinder, zum Beispiel "Angst essen Seele auf" sollte mal wieder zur besten Sendezeit gezeigt werden. Aktueller geht es kaum. Und goldene Zeiten – lustige, schlaue Geschichten: "Monaco Franze", "Kir Royal", unvergessen: Mario Adorfs "Ich scheiß Dich zu mit meinem Geld! ". Und natürlich "Meister Eder und sein Pumuckl".

Neben Ihrer Arbeit als Schauspielerin haben Sie Philosophie, Geschichte und Soziologie studiert. Warum, wie kam es dazu? Hilft Ihnen das Studium, wenn Sie eine Rolle erarbeiten?

Ich wollte mein Hirn auf eine andere Art fordern. Schauspieler erschließen sich die Welt intuitiv, mit dem Bauch, Philosophen mit dem Kopf. Insofern sind sich die beiden Bereiche erstmal nicht so wohl gesonnen. Allerdings geht es in der Philosophie immer darum, die Welt aus unterschiedlichen, nicht geahnten Perspektiven zu betrachten und zu verstehen – das hilft auch beim Entwickeln einer Figur. Und dass ich historisch ein bisschen Ahnung habe, ist gerade bei einer Figur wie Johanna Fischer ganz praktisch, spart in jedem Fall ein bisschen Recherche.

Das Interview führte Ellen Wirth.

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