Landgericht - Geschichte einer Familie

Historischer Zweiteiler

Die Verfilmung des preisgekrönten Romans „Landgericht" von Ursula Krechel erzählt die wahre Geschichte einer jüdisch-christlichen Familie, die Verfolgung und Exil in der Nazizeit überlebt hat und nach Kriegsende in Westdeutschland einen Neuanfang wagt. Doch die im englischen Exil entfremdeten Kinder und die traumatisierten Eltern finden nur schwer zurück in ein gemeinsames Leben auf deutschem Boden.

  • ZDF, Montag, 30. Januar 2017, und Mittwoch, 1. Februar 2017, jeweils 20.15 Uhr

    Texte

    Öffentlichmachung einer beschwiegenen Schuld

    Der Zweiteiler „Landgericht – Geschichte einer Familie" erzählt von den Kornitzers, die den Holocaust im Exil überle­ben. Die Eltern schicken ihre Kinder 1938 mit dem Kindertrans­port nach England in eine ungewisse Zukunft. Der jüdische Ehe­mann darf nach Kuba ausreisen, die christliche Ehefrau Deutschland jedoch nicht verlassen. Der Preis für das Überleben ist hoch: Die Familie wird in alle Winde zerstreut. Schon bald reißt der Briefkontakt ab. Es ist eine Geschichte der Flucht, deren Wunden auch in der Nachkriegszeit nicht heilen. Beraubt, gede-mütigt und verfolgt müssen Eltern und Kinder ihre Heimat ver-lassen. Sie werden getrennt, verlieren sich aus den Augen und müssen in einer fremden Welt ein neues Zuhause finden.

    Nach der Rückkehr des Vaters erleben wir seinen Kampf um Wie­dergutmachung. Doch auch die eigene Heimat ist ihm in der Zwi­schenzeit fremd geworden. Während er, der jüdische Richter, im Land der Täter um Gerechtigkeit ringt, findet die Mutter in Eng­land nach zehn Jahren endlich die gemeinsamen Kinder wieder. Die Eltern wollen ihre Familie, ihr Recht auf Glück zurück. Doch was ist das Beste für die Kinder, die inzwischen bei einer liebe­vollen Pflegefamilie aufgenommen worden sind? Die ehemaligen Flüchtlinge wollen ihre Familie und das neue Deutschland wort­wörtlich wieder gut machen. Dass dieser Wunsch nicht in Erfül­lung gehen wird, erzählt von einer Schuld, die seit damals be­schwiegen wurde. Ursula Krechel hat dieses Thema in ihrem preisgekrönten Roman öffentlich gemacht.

    Heide Schwochow hat die literarische Vorlage einfühlsam adaptiert. In dem Wissen, dass der Roman auf wahre Schicksale rekurriert, sollte der Zweiteiler, neben dem unermüdlichen Kampf um eine Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen, auch die aufwühlende Familiengeschichte dramatisch fassen. Heide Schwochow hat diese Balance gefunden. Matthias Glasner konnte mit herausra­genden Schauspielern, in den Hauptrollen Johanna Wokalek und Ronald Zehrfeld, der Geschichte Gesicht und Leben verleihen. Die leisen Töne, die kleinen Gesten in diesem Film erzählen von Menschen, die gelernt haben, ihre Gefühle zu kontrollieren – ge­rade weil sie Leid und Verfolgung ertragen mussten. Und doch kann das Schweigen sie nicht gegen die wachsende Trauer um ihre Verluste und vor der glühenden Wut über die Verweigerung von Gerechtigkeit schützen.

    So erzählt „Landgericht – Geschichte einer Familie" die aufstrebende junge Bundesrepublik aus einem anderen, un­gewohnten Blickwinkel und gewinnt mit der Beschreibung von Flucht und Vertreibung eine entsetzliche Aktualität, die wir bei Erscheinen des Romans und der Entscheidung, ihn zu verfilmen, in diesem Ausmaß nicht ahnten. Vor allem aber ist es ein Film nach einer wahren Geschichte, der einen bisher blinden Fleck unserer jüngsten Geschichte sichtbar machen möchte.

    Caroline von Senden und Solveig Cornelise, HR Fernsehfilm/Serie I, Fernsehspiel I

    Stab und Besetzung

    Buch  Heide Schwochow, nach dem Roman „Landgericht" von Ursula Krechel
    RegieMatthias Glasner
    KameraJakub Bejnarowicz
    SchnittHeike Gnida
    MusikLorenz Dangel
    SzenenbildPetra Heim
    KostümWiebke Kratz, Heike Hütt
    MaskeJeanette Latzelsberger, Gregor Eckstein
    TonPatrick Veigel
    CastingNina Haun
    Casting Kinder Patrick Dreikauss
    ProduktionsleitungRolf Wappenschmitt
    HerstellungsleitungTim Greve
    Co-Produzent Michal Pokorný c/o MIA Film
    Ausführende Produzentin    Verena Monssen
    Produktion                        UFA Fiction GmbH
    Produzenten                       Benjamin Benedict, Nico Hofmann, Sebastian Werninger
    Redaktion                          Caroline von Senden, Solveig Cornelisen
    Länge2 x 105 Minuten

     

    Gefördert mit Mitteln des FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), des Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) und dem tschechischen Staatsfonds der Kinematografie-Filmförderung in Zusammenarbeit mit Global Screen.

    Rollen / Darsteller 
    Richard Kornitzer                  Ronald Zehrfeld
    Claire Kornitzer                  Johanna Wokalek
    Mrs. Hales                         Saskia Reeves
    Esther Coen                       Barbara Auer
    Hans Buch                         Felix Klare
    Jonathan Roth                    Christian Berkel
    Martha Pfempfle                 Eva Löbau
    Philipp Singer                     Michael Rotschopf
    Mary                                  Kate Dickie
    William Reverend               Ian McElhinney
    Johannes Lenau                 Alexander Beyer
    Charidad                           Edenys Sanchez
    Rodolfo Santiesteban Cino
    Carlos Leal
    Hilde Richter                      Ulrike Kriener
    Barbara Dreis                     Katharina Wackernagel
    Otto Sieverking                  Aljoscha Stadelmann
    Selma (mit  5 Jahren)         Lisa Marie Trense
    Selma (mit 9 Jahren)          Carlotta von Falkenhayn
    Selma (mit 16 Jahren)           Julia Kranz
    Georg (mit 8 Jahren)          Moritz Hoyer
    Georg (mit 12 Jahren)         Joshio Marlon
    Georg (mit 19 Jahren)         Linus Düwer
    Hermine                              Eszter Tompa
    Elsa                                   Naomi Krauss
    Dr. Kranz                           Ralf Dittrich
    Dr. Pflüger                         Peter Wolf
    und viele andere

    Inhalt

    Teil 1: Abschied

    Berlin 1938. Richard und Claire Kornitzer sind ein elegantes Paar. Als promovierter Jurist hat er schon als junger Mann Aufsehen erregende Fälle als Richter verhandelt. Claire ist eine Frau mit Stil und hat erfolgreich ihre eigene Werbefilmfirma gegründet. Dass Richard Jude ist, hat nie eine Rolle gespielt. Bis vor ein paar Jahren. Richard darf inzwischen nicht mehr als Jurist arbeiten, Claire hat ihre Firma verloren. Die beiden entschließen sich schweren Herzens, ihre Kinder Georg (8) und Selma (5) in Sicherheit zu bringen. Mit einer Hilfsorganisation schicken sie sie nach England.

    Kurz nach dem Abschied von den Kindern erhält Richard ein Visum für Kuba und muss Claire allein in Berlin zurücklassen. Die Gestapo nimmt ihr ihre letzten Wertgegenstände und damit die Chance, ein Visum für sich zu bezahlen. Als Claire schließlich ohne Arbeit, Möbel und Geld ist, ist sie leichte Beute für den Gestapo-Hauptmann. Claire flieht mit nur einem Koffer aus Berlin und landet im Schwäbischen.

    Während Richard mühsam im kubanischen Exil Fuß fasst, nehmen die Kinder in England vor ihrer übergriffigen Gastfamilie Reißaus. In den Kriegswirren landen sie in einem Kinderheim und müssen glauben, dass ihre Mutter tot ist. Georg übersteht nur durch Selmas aufopfernde Pflege eine Gelbsucht. Schließlich nimmt die liebevolle Familie Hales beide Geschwister bei sich auf.

    Der Briefkontakt zwischen den Familienmitgliedern ist schon längst abgerissen, als Richard das Kriegsende in Kuba feiert. Ungewollt, aber leidenschaftlich hat er sich in die junge Lehrerin Charidad verliebt und ist erneut Vater geworden. 1947 hält er dann einen Brief von Claire in Händen – den ersten seit fast zehn Jahren. Er hat diesen Moment herbei gesehnt und gefürchtet –und muss sich entscheiden.

     

    Teil 2: Wiederkehr

    Richard kehrt zu Claire zurück. Er will ein neues Deutschland aufbauen, Recht und Gerechtigkeit wieder herstellen. Doch er muss sich an zahlreichen bürokratischen Hürden abarbeiten, bevor ihm schließlich eine Stelle als Richter in Mainz angeboten wird. Auch hier verstört ihn, wie viele Juristen nahtlos vom NS-Regime auf hohe Posten in der Nachkriegs-Justiz gewechselt sind. Claire sucht währenddessen unermüdlich nach ihren Kindern, die in England verschollen sind. Sie lernt englisch und telefoniert Kinderheime ab, doch ohne Erfolg.

    Aber das Blatt wendet sich. Richards Beharrlichkeit zahlt sich aus: Er übernimmt in Mainz einen spektakulären Prozess und ist voller Zuversicht, im Sinne der NS-Opfer urteilen zu können. Zur selben Zeit findet Claire die Kinder bei Familie Hales. Doch Claires Hoffnung auf eine heile Familie wird enttäuscht: Georg will in England studieren, Selma bei ihren Pflegeeltern bleiben. Den Versuch, Selma für ein Leben in Deutschland zurück zu gewinnen, muss Claire nach nur wenigen Wochen aufgeben.

    Richard endet bei seinem wichtigen Prozess schließlich zwischen den Fronten der Opfer und der Täter des NS-Regimes. Er scheitert daran, seine moralisch hohen Ansprüche mit der Realität der Rechtsprechung in Einklang zu bringen. In hilfloser Ver­zweiflung wendet er sich offen gegen seine Kollegen und ehe-maligen NS-Juristen. Er verbeißt sich in den kommenden Jahren in einen kleinteiligen Kampf um seine Rehabilitation und Wieder­gutmachung und macht sich viele Feinde. Die große Liebe zwischen Richard und Claire droht daran zu zerbrechen.

    „Ein Portrait deutsch-jüdischer Identität im 20. Jahrhundert" - Statement von Benjamin Benedict

    Am Anfang des Filmes steht die eindringliche, inspirierende Lek­türe eines großartigen Romans. Ursula Krechel hat mit ihrem mit dem Buchpreis ausgezeichneten Werk „Landgericht" Kritiker und Leser begeistert – und auch uns. Mit präziser Sprache beschreibt sie die erschütternde und genau recherchierte Geschichte von Richard Kornitzer, der unter den Nationalsozialisten erst seine Arbeit als Richter am Landgericht, dann seine Kinder, seine Frau und schlussendlich auch seine Heimat verliert. Obwohl er Jahre später wieder nach Deutschland zurückkehrt und als Richter um Gerechtigkeit kämpft, bleibt sein Kampf erfolglos und offenbart ein erschreckendes Bild der Bundesrepublik in der direkten Nach­kriegszeit. Es ist ein maßgebliches Portrait deutsch-jüdischer Identität im 20. Jahrhundert.

    Richards große Tragik besteht darin, dass sein Glaube an Recht und Gesetz ihm gleich mehrfach zum Verhängnis wird. Sein Ein­stehen für Werte, die ihre Gültigkeit verloren haben, führt letztlich zum Verlust seiner Familie und lässt ihn auch nach dem Krieg scheitern. Er begreift die Welt anhand seines juristischen Koordi­natensystems und muss sich zwangsläufig darin verirren, denn Gerechtigkeit sowohl im Krieg, als auch im „pragmatischen" Nachkriegsdeutschland ist kein gültiger Richtwert innerhalb einer Gesellschaft, die versucht zu verdrängen, zu vergessen und nach vorne zu blicken. Sein Vertrauen auf eine Justiz, die unfähig ist, allen Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist tragisch, denn es wird zwei Mal enttäuscht, sowohl im nationalsozialisti­schen Deutschland wie in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit. Für das, was Deutschland Richard und seiner Familie angetan hat, gibt es keine Gerechtigkeit und schon gar keine Wiedergut­machung.

    Heide Schwochow ist eine großartige Drehbuchautorin mit einem einzigartigen Gespür für Figuren, die sie in beeindruckender Dif­ferenzierung schreibt. Ihre Lesart des Romans mit Blick auf die Übertragung in eine filmischen Erzählung hat die Adaption erst möglich gemacht. Matthias Glasner teilt mit Heide Schwochow ein sehr feines Gespür für diffizile Charaktere und komplexe Konflikte sowie den Mut und die Kompromisslosigkeit, aus der außerge­wöhnlich starken Vorlage einen ebenso außergewöhnlichen, in­tensiven Film zu machen.

    Ronald Zehrfeld und Johanna Wokalek verkörpern auf eindringli­che Weise das Ehepaar Kornitzer und lassen uns durch ihr inten­sives Spiel am Schicksal dieser Familie teilhaben. Sie erzählen gleichzeitig eine nur wenig aufgearbeitete Zeit in der Geschichte unseres Landes.

    Buch wie Film helfen uns, Mechanismen zu verstehen, wie durch Krieg, Flucht und jahrelange Entfremdung im Exil ein Kreislauf von physischer und psychischer Zerstörung in Gang gehalten wird und soziokulturelle wie emotionale Bindungen – selbst zwischen Eltern und Kindern, Mann und Frau – zerstört werden. Wie diese massiven Traumata sich auch nachfolgenden Generationen ver­erben, ist nur schwer fassbar – aber in diesem Film ist den ein­zigartigen deutsch-jüdischen Schicksalen ein besonderes Denk­mal gesetzt, und ihrem Andenken ist dieser Film gewidmet.

    Vom Roman zum Drehbuch - Statement von Heide Schwochow

    Kannst Du Dir vorstellen, „Landgericht" für einen Film zu adaptie­ren? Wir denken da an einen Zweiteiler. Ehrlich gesagt, die Ent­scheidung fiel mir nicht leicht. Dieser große Roman. Was für ein Reichtum auf fast 500 Seiten. Wie viele Nuancen, Zwischentöne, Reflexionen. Wie akribisch die zugrunde liegende Recherche. Und da ist diese verzweigte, vielschichtige Geschichte, die Zeit und Raum braucht, um sich zu entfalten. Geht das überhaupt?

    Der Roman erzählt vor allem aus der Perspektive des jüdischen Richters Richard Kornitzer. Seine Rückkehr aus dem Exil. Wie einer um Recht und Gerechtigkeit kämpft, wie einer ankommen will in diesem aufstrebenden Nachkriegsdeutschland. Aber er rennt immer wieder gegen Wände, schlägt sich den Kopf blutig. Richard bleibt draußen vor der Tür.

    Während ich unter dem Gesichtspunkt einer Adaption neu las, begann ich Randbemerkungen zu machen, sah eigene Bilder. Die Figuren bekamen ihre Interpretation. Und dann verliebte ich mich in Claire. Was für eine Frau! Sie, die keine Jüdin ist, lässt sich nicht von Richard scheiden, nein, sie hält konsequent zu ihrem Mann. Claire muss Abschiede ertragen. Ihre Kinder Selma und Georg werden mit dem jüdischen Kindertransport nach England geschickt. Sie verabschiedet Richard in die Emigration nach Kuba, weil nur er ein Visum bekommen hat. Claire bleibt allein in Nazideutschland zurück und ist der Willkür ausgesetzt. In ihren Briefen aber macht sie der Familie Mut. Das ist Claire: Sie spielt ihre Verzweiflung herunter, kämpft gegen ihre Emotionen an, sie zeigt Stärke: für ihre Kinder, für ihren Mann, für ihre Familie.

    Mit meiner Neugier, dem Respekt, ja der Liebe zu dieser Figur wuchs der Entschluss, Ursula Krechels Roman zu adaptieren. Mich interessierte immer mehr die Geschichte der Familie Kornitzer als Ganzes. Ich wusste, das würde mich angreifbar machen. Dieser hochpolitische Roman ist nicht vordergründig als Familiengeschichte gedacht. Aber steckt in diesem privaten Drama nicht gerade die hochpolitische Brisanz?

    Die Frage, ob die Familie nach dem Krieg wieder zusammen fin­det, beantwortet Ursula Krechel konsequent mit NEIN. Da ist et­was zerstört worden, was die einzelnen Figuren nicht wieder auf­fangen können, auch wenn sie alles richtig machen wollen. Richard verbeißt sich in den berechtigten Kampf um „Wiedergut­machung", Claire will Normalität herstellen, was nicht möglich ist; die Kinder empfinden England inzwischen als ihr Zuhause. Sie haben eine eigene Familie gefunden. Dem Trauma ihrer Trennung können Richard, Claire, Selma und Georg nicht entkommen. Wenn das nicht auch eine Filmgeschichte ist?!

    Ich sagte zu. Nun begann eine dreijährige Entwicklung. Natürlich kann eine Adaption nicht der Vorlage entsprechen. Drehbuch ist ein eigenes Genre, Film hat seine eigenen Gesetze. Von vielen Dingen musste ich mich trennen, das tat manchmal weh. Dafür konnte ich Neues hinzufügen. Verdichten. Eigenes finden. Es war also ein zugleich schmerzhafter wie schöner Prozess, sich von einem Roman zu emanzipieren, den ich sehr mag. So entstand „Landgericht", das Drehbuch. Die nächste Phase war das Abge­ben meiner Arbeit an den Regisseur Matthias Glasner, an die vielen Schauspieler und an ein großes Team von leidenschaftli­chen Filmleuten. So entstand „Landgericht", unser gemeinsamer Film.

    Eine epische Geschichte mit kammerspielartiger Intimität - Statement von Matthias Glasner

    Die Familie Kornitzer ist nicht am Reißbrett entstanden. Den tra­gischen Verlauf ihres Lebens hat sich niemand für einen Film ausgedacht. Der Roman von Ursula Krechel basiert auf einer wahren Geschichte. Das war das erste, was mir an Heide Schwochows Drehbuch gefallen hat. Wie sehr die feinen Veräs­telungen sich jedem vereinfachenden, dramaturgisch glättenden Zugriff verweigern. Man spürte diese Menschen beim Lesen in einer Komplexität, die selten ist.

    Die furchtbaren Ereignisse der deutschen Geschichte deformieren die Kornitzers bis tief hinein in ihr Seelenleben. Bis sie selbst keine Antworten mehr finden auf die Herausforderungen ihrer Zeit. Es hat mich berührt, dass hier keine Helden, aber auch keine Opfer erzählt werden. Die Kornitzers reagieren in ihrer Überforderung mit Widersprüchen, die sie für mich als Regisseur und auch für die Schauspieler unendlich reich gemacht haben. Roman und Drehbuch sind dabei zwar immer auf ihrer Seite, aber sie glorifizieren sie nicht. Denn die Verletzungen, die ihnen zu­gefügt wurden, haben sie nicht unbedingt zu besseren Menschen gemacht. Im Gegenteil. Sie sind fehlerhaft und hilflos. Stumm dort, wo sie reden müssten. Und manchmal in ihrer Verzweiflung zerstörerisch gegenüber anderen und sich selbst. Weil das Un­recht, das man ihnen angetan hat, ihnen jede Möglichkeit der Großzügigkeit genommen hat.

    Die Kornitzers führen uns vor Augen, was wir aus Menschen ma­chen, wenn wir ihnen Unrecht tun. Und wie sehr das dadurch an­gerichtete Unheil am Ende auf uns zurückfällt. Das Drehbuch konzentriert sich auf diese Familie. Schafft es, eine geradezu kammerspielartige Intimität zu erzeugen. Was erstaunlich ist, denn immerhin handelt es sich bei „Landgericht" um eine epische Geschichte, die Jahrzehnte und Kontinente umspannt. Ich wollte in meiner Inszenierung dieser Intimität gerecht werden und jeden „Historienbombast" vermeiden. Geholfen hat mir dabei, dass Heide Schwochow auch die Fallen des „Nazi-Fetischismus" umschifft, den man manchen Filmen vorwirft, die sich dieser Zeit widmen. Indem sie einfach all das Bekannte in die Leerstellen hinein denkt, die der Film lässt und die der Zuschauer mit seinem eige­nen, historischen Wissen auffüllen muss.

    Roman und Drehbuch erzählen diese Geschichte als Tragödie. Für niemanden in der Familie ist es am Ende gut ausgegangen. Ich war als Regisseur dankbar für die Konsequenz, mit der alle an diesem Projekt Beteiligten bereit waren, diese Geschichte ehrlich zu erzählen. Auch, wenn es weh tut am Ende.

    Mir hat die Geschichte der Kornitzers beim Lesen wehgetan. Sie hat mich wütend gemacht und mich aufgewühlt. Und ich habe es als eine große Verantwortung angesehen, diese Geschichte so zu erzählen, dass sie aufbewahrt bleibt, im Bewusstsein derer, die diesen Film sehen.

    Ich habe versucht, mich als Regisseur in meinen Mitteln zurück­zunehmen und gleichzeitig alles, was ich an Handwerk und Lei­denschaft für diesen Beruf besitze, für diese Familie in die Waag­schale zu werfen. Damit wenigstens im Film das Leben dieser Menschen die Würde erhält, die ihnen in diesem Land genommen wurde.

    „Aus dem Gleichgewicht geschleudert" - Interview mit Ronald Zehrfeld

    „Landgericht" von Ursula Krechel ist ein preisgekrönter Bestseller, der auf einer wahren Geschichte basiert. Verspürt man so etwas wie eine besondere Form der Verantwortung bei einem Projekt wie diesem?

    Ich habe mich natürlich besonders vorbereitet und mich in die Themen wie „Exil" und „Rückkehr aus dem Exil"nach dem Zweiten Weltkrieg aktuell eingelesen. Dies ist ein weiteres Kapitel in unserer Geschichte, das bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Diese Leere und das Gefühl des Unrechts, das die Menschen fühlten, als sie aus dem Exil zurückkamen. Und die Reaktion der Gesellschaft, die hier wenig Verständnis aufbrachte. Auch Gespräche mit Matthias Glasner und der Drehbuchautorin Heide Schwochow haben mir da sehr geholfen. Wenn dann gedreht wird, gebe ich mich in die Hände des Regisseurs.

    Kannten Sie den Roman „Landgericht" schon vorher? Was überzeugte Sie am Drehbuch ?

    Richard Kornitzer ist ein sehr komplexer Charakter, ein Mensch, der durch die Lebensumstände, in die er schleichend und dann aber sehr einschneidend durch die Nazizeit gezwungen wird, völlig aus dem Gleichgewicht geschleudert wird. Und das betrifft dann seine ganze Familie. Die Adaption des Romans von Ursula Krechel durch die Autorin Heide Schwochow, die ich sehr schätze, ist sehr gelungen. Und man kann dieser Figur des Richard Kornitzer folgen und mit ihm fühlen, ihn verstehen – obwohl wir beim Film natürlich nicht so viele Ebenen bespielen können, wie dies bei einem Roman möglich ist.

    Wie würden Sie die Beziehung des Ehepaares Kornitzer beschreiben?

    Die Familie Kornitzer ist vor dem Krieg eine vorbildliche und sehr moderne Familie. Sie stehen für das gebildete Bürgertum. Richard und Claire gehen sehr liebevoll miteinander um. Durch die Trennung, zuerst von den Kindern und dann, als Richard ins Exil geht, von seiner Frau Claire, zerbricht alles. Dieser tiefe Riss ist einfach nicht mehr zu kitten, obwohl beide es versuchen und es sich ja auch sehr wünschen.

    Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Regisseur Matthias Glasner?

    Für mich war es die zweite Zusammenarbeit mit Matthias Glasner, den ich als Regisseur sehr schätze. Er weiß genau, was er von seinen Schauspielern möchte und ist immer konzentriert bei einem. Das hilft sehr, gerade wenn man eine Figur spielt, die einen großen Entwicklungssprung machen muss.

    Das Interview führte Julia Kainz

    „Diese Rolle ist ein Geschenk für eine Schauspielerin" - Interview mit Johanna Wokalek

    „Landgericht" von Ursula Krechel ist ein preisgekrönter Bestseller, der auf einer wahren Geschichte basiert. Wie geht man als Schauspieler mit der Darstellung historisch angelegter Stoffe um? Verspürt man so etwas wie eine besondere Form der Verantwortung?

    Natürlich war mir bewusst, dass Claire in diesem Film mein Gesicht hat, dass durch mich heute viele Menschen an ihrem Leben und Schicksal teilnehmen können. Darum habe ich versucht, mich ganz auf ihre Lebensgeschichte einzulassen und mich rückhaltlos in sie hineinzuversetzen. Ihre Geschichte berührt mich zutiefst, weshalb ich mich bei der Darstellung auch nicht schonen konnte.

    Kannten Sie den Roman „Landgericht" schon vorher? Was fanden Sie an dem Drehbuch überzeugend?

    Nein, ich kannte den Roman vorher nicht. Ich habe ihn allerdings auch noch während des Drehens immer wieder gelesen. Mit Hilfe des Romans konnte ich sehr gut das Vergehen von Zeit nachempfinden. Wir erzählen mit dem Film eine Familiengeschichte über einen langen Zeitraum. Mich hat am meisten berührt, was es bedeutet, in einem Menschenleben immerzu zu hoffen, ohne dass sich die Hoffnung einlöst. Das ist ein unerträglicher, quälender, auch entwürdigender Zustand. Die Kornitzers hoffen ein Leben lang darauf, wieder zueinanderzufinden, eine Familie zu sein. Sie glauben noch daran, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt, darum kämpfen sie unermüdlich. Aber es ist ihnen dadurch nicht möglich, im „Jetzt" zu leben. Sie verpassen ihr Leben. Sie wurden durch den Nationalsozialismus brutal und vollkommen unverschuldet in diesen Zustand gestoßen. Dadurch, dass sich das Drehbuch, eigentlich unspektakulär, auf diese Familie konzentriert, erfährt man aus diesem eigentlich sehr überschaubaren Personenkreis heraus, was die Grundrechte des Menschen sind, und was es bedeutet, wenn diese missachtet werden. Das Drehbuch hat diesen Konflikt überzeugend und manchmal geradezu erschütternd herausgearbeitet.

    Wie würden Sie die Beziehung des Ehepaares Kornitzer beschreiben?

    Schon damals waren sie ein „modernes" Paar. Beide waren voll berufstätig, trotz der Kinder. Ich stelle mir vor, dass sie sich als gleichberechtigte Partner empfunden haben, die sich auf Augenhöhe begegnet sind. Beide sehe ich als sehr starke, unabhängige Charaktere, dafür lieben und schätzen sie sich. Das bringt allerdings auch Schwierigkeiten mit sich, denn jeder beansprucht für sich seinen Freiraum. Nach der 10-jährigen Trennung haben sie Angst davor, wirklich miteinander zu sprechen. Ich verstehe diese Angst sehr gut. Sie haben schon so viel erlebt und verloren bis zu dem Moment, in dem sie sich wieder begegnen. Weil sie beide sehr klug sind, wissen sie, was ein falsches Wort bedeuten kann. Sie haben nicht den Mut, offen miteinander zu sprechen, aus Furcht, sich vollends zu verlieren.

    Als „Die Päpstin" oder Gudrun Ensslin im „Baader Meinhof Komplex" haben Sie bereits besondere Frauenfiguren verkörpert. Wie würden Sie Claire Kornitzer beschreiben? Was zeichnet sie aus? Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

    Claire Kornitzer ist für mich eine kluge, selbstbewusste und starke Frau. So hat sie auch Heide Schwochow im Drehbuch wunderbar von allen Seiten beleuchtet. Diese Rolle ist ein Geschenk für eine Schauspielerin. Claire muss immerzu einem inneren Konflikt standhalten: nämlich, ob es richtig war, die Kinder nach England zu verschicken, um sie zu retten, aber dadurch zu riskieren, den Kontakt zu verlieren und nicht mehr die Mutter ihrer Kinder zu sein? Mit dieser inneren Zerrissenheit muss sie leben.

    Claire Kornitzer zeichnet aus, dass sie ihren Mann Richard in seinem Streben nach Gerechtigkeit versteht und unterstützt. Auch wenn sie räumlich getrennt sind, bleibt sie ihm innerlich immer verbunden. Dabei ist sie klug genug, nicht zu meinen, sie könne ihn ändern. Ich bin überzeugt davon, dass sie ihn liebt. Aber am Ende ihres Lebens ist sie müde und erschöpft. Sie muss feststellen, dass es ihnen nie wieder gelungen ist, nach der langen Trennung das Paar zu sein, das sie vorher waren.
    Ein Leben lang kämpft Claire um die Liebe ihrer Kinder und ihres Mannes. Es ist, als wolle sie die Erinnerung an ihr gemeinsames Familienleben, vor dem Riss durch den Krieg, wieder in der Realität lebendig werden lassen. Davon kann Claire nicht los-kommen. So verfolgen beide, Claire und Richard, unermüdlich ihr eigenes Ziel. Dadurch leben sie nebeneinander, aber nicht mit-einander. Dass sie vollkommen unverschuldet in diese Situation geraten sind, macht die Katastrophe und Tragik ihres Lebens aus. Nachdem ich das Drehbuch und den Roman gelesen hatte, wurde mir klar, dass die Rolle der Claire zu spielen eine große Herausforderung bedeutet: Claire gerät immer wieder in innere Konfliktsituationen, muss aber äußerlich stark sein. Das ist nicht einfach zu spielen. Da muss man sich jeden Drehtag neu in diese oftmals sehr emotionalen Szenen fallen lassen können. Ich habe versucht, so offen und durchlässig wie möglich zu sein, um die Ambiguität und Vielschichtigkeit ihres Charakters aufscheinen zu lassen.

    Wie empfanden Sie Zusammenarbeit mit Regisseur Matthias Glasner?

    Für mich war die Zusammenarbeit mit Matthias Glasner etwas ganz Besonderes, weil ich ihm voll vertrauen konnte. Ich hatte sehr schnell das Gefühl, dass wir die gleiche Geschichte erzählen wollen. Etwas Schöneres kann einem mit einem Regisseur nicht passieren. Matthias ist streng und emphatisch zugleich. Das war sehr hilfreich, weil ich mich doch in gewisser Weise Claire, so wie ich sie sehe, voll überlassen wollte. Außerdem ist er wirklich gut vorbereitet und weiß, was er will. Ich hatte immer das Gefühl, er hat, so wie ich, dafür gekämpft, dass seine innere Vorstellung sichtbar wird.

    Das Interview führte Julia Kainz

    „Wir sehen nicht die Taten, wir sehen nur ihre Folgen" - Statement von Christian Berkel

    Mit der Rolle Jonathan Roth wurde in „Landgericht" ein unge­wöhnlicher Versuch unternommen: Es ist die einzige jüdische Fi­gur, die im nationalsozialistischen Berlin auftaucht. Mit wenigen Strichen wird ein Schicksal exemplarisch erzählt, das, bei aller historischen Bedingtheit, wie jedes Schicksal zugleich für sich allein steht.

    Auf vereinfachende Dramatisierung wurde verzichtet. Wir sehen nicht, wie Jonathan deportiert wird, wie sein Geschäft zerstört wird, was mit seiner Familie geschieht. Wir sehen nur, dass er plötzlich verschwunden ist. Und wir sehen, wie ein „Mann in den besten Jahren", erfolgreich und selbstbewusst, in kürzester Zeit ängstlich, alt und zerbrechlich wird. Es geht dem Zuschauer wie den meisten Deutschen damals: Wir sehen nicht die Taten, wir sehen nur ihre Folgen. Mit Matthias Glasner habe ich danach ge­sucht wie eine Figur sich auflöst. Meine eigene Familienge­schichte war dafür die Grundieru

    „Freudige Genugtuung" - Statement von Ursula Krechel

    Beim Schreiben des Romans „Landgericht" habe ich aufgefun­dene Dokumente mit Fiktionen überblendet. Der Richter Richard Kornitzer verliert am 1. April 1933 durch das Gesetz zur Wieder­herstellung des Berufsbeamtentums seine Arbeit und seine Exis­tenz. Ihm bleibt keine Wahl als die Emigration, die leidvolle Tren­nung von seiner Familie. „Ich bin meiner Ermordung zuvorge­kommen", so erklärt er sich später. Als er zurückkommt in die junge Bundesrepublik, will er dort anfangen, wo sein Leben zu Bruch gegangen ist. Er wehrt sich gegen die Larmoyanz und Selbstgerechtigkeit der Durchschnittsdeutschen und die kalte Amnestie der Täter und Mitläufer. Kornitzer will Gerechtigkeit, kämpft für das Recht in eigener Sache, verbeißt sich und driftet weiter bis zur Selbstgerechtigkeit, zur Selbstjustiz, die ihn krank und blind macht für die Verstörung seiner Frau Claire und die Entfremdung von seinen Kindern. Er verfehlt sie, ohne es zu mer­ken. Der Richter am Landgericht Mainz hält Gericht über sein Land. Dass er jetzt am Ort des Geschehens im ZDF eine Art von Wiedergutmachung erfährt, ist eine freudige Genugtuung ― für die Romanfigur und seine Autorin.

    Ursula Krechel wurde 1947 in Trier geboren. Studium der Germa­nistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. Zahlreiche Auszeichnungen für ihr Werk, insbesondere ihren großen Exil-Roman „Shanghai fern von wo". Für den Roman „Landgericht" wurde sie 2012 mit dem Deutschen Buchpreis aus­gezeichnet. Ursula Krechel lebt in Berlin.

    „Landgericht" – Die Dokumentation

    Montag, 30. Januar 2017, 21.50 Uhr

    Autorin    Annette von der Heyde
    Kamera Anthony R. Miller, Christian Baumann
    SchnittMarc Nordbruch
    RedaktionCarl-Ludwig Paeschke
    Leitung Stefan Brauburger
    Länge  35 Minuten

     

    Es gibt eine reale Vorlage für die Geschichte des jüdischen Rich­ters Richard Kornitzer im ZDF-Zweiteiler „Landgericht – Geschichte einer Familie": Es ist das Leben von Robert Michaelis. Seinem Schicksal widmet sich die begleitende Dokumentation.

    In den frühen 1930er Jahren stand Michaelis am Beginn einer Karriere am Landgericht Berlin. Im April 1933 wurde er Opfer der Willkür der neuen Machthaber. Die Nationalsozialisten warfen ihn aus dem Amt. Verheiratet mit einer „Nicht-Jüdin", entschloss sich der Familienvater zunächst in Deutschland zu bleiben. Erst nach dem Novemberpogrom 1938 sah er nur noch einen Weg: die Aus-reise. Während die Kinder Martin und Ruth, „Halbjuden" in der Diktion der Nazis, im Rahmen von Kindertransporten nach England geschickt wurden, gelangte Robert Michaelis im Juni 1939 auf dem Seeweg nach Shanghai. Die chinesische Hafen-stadt war die letzte Anlaufstelle für schutzsuchende Juden. Fast 30 000 Verfolgte überlebten hier das Dritte Reich.

    Drei Jahre nach Kriegsende kehrte Michaelis zurück in ein Land, das in Trümmern lag, in dem die Menschen nur nach vorn, nicht aber zurück schauen wollten. Er war ein Ausnahmefall - nur einer von zwanzig Exilanten wagte die Rückkehr in die frühere Heimat. Seine Familie hatte überlebt, doch die Kinder waren den Eltern entfremdet. Statt Vergangenheitsbewältigung erlebte er Verdrän­gung und Sprachlosigkeit.

    Die Stadt Mainz bot ihm die Chance auf eine zweite Karriere als Jurist. Als „Opfer des Faschismus" erhielt Michaelis 1949 eine Richterstelle am Landgericht. Der Wiedereinstieg in den Beruf, 16 Jahre nach der demütigenden Entlassung durch die Nazis, schien zu gelingen. Doch dann bekam er die Missgunst und Verachtung vor allem jener Kollegen spüren, die ihre Laufbahn nach der NS-Zeit bruchlos fortsetzen konnten. Michaelis Kampf um Wiedergut­machung und Entschädigung stieß auf wenig Verständnis. Der Geist der NS-Jahre wehte weiter in vielen Institutionen der jungen Bundesrepublik. Die Jahre des Exils, die Trennung von den Kin­dern, die gescheiterte Integration in die Nachkriegsgesellschaft zehrten an der Gesundheit des Richters. Mit 54 Jahren ging Robert Michaelis vorzeitig in den Ruhestand. Zeitlebens fühlte er sich ausgegrenzt.

    Die Dokumentation rekonstruiert dieses bewegende deutsch-jüdische Schicksal, lädt ein zu einer Zeitreise an die Schauplätze der wechselvollen Biografie. Die Tochter des Richters, Ruth Barnett, lebt heute in London. In einem Buch hat sie die Verlet­zungen jener Kinder beschrieben, die in England zwar in Sicher­heit, aber ohne elterlichen Beistand überlebten.

    Die Familie von W. Michael Blumenthal zählte ebenfalls zu den Shanghai-Flüchtlingen. Der Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin berichtet, wie er und seine Angehörigen die Ausgrenzung, die Emigration und die prekären Lebensbedingun­gen im Judenghetto der chinesischen Großstadt erlebten. Histori­ker Götz Aly erklärt die zeitgeschichtlichen Hintergründe jener tra­gischen Schicksale zwischen Verfolgung, Überlebenskampf und Neuanfang.

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