Leben mit Passion

Collien Ulmen-Fernandes in Oberammergau

Mehr als 2000 Männer, Frauen und Kinder machen mit bei den Passionsspielen in Oberammergau. Collien Ulmen-Fernandes ist unterwegs in dem südbayerischen Ort, trifft "Jesus", "Maria" und andere Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller und erfährt, wer die Menschen hinter den Rollen sind. Sie berichten, dass das Spiel ihr Leben verändert. Collien Ulmen-Fernandes will wissen, wie. Einige Mitwirkende laden die Moderatorin in ihr Zuhause ein, zeigen ihr Leben und lassen sie an ihren Gefühlen und Gedanken zur Passion teilhaben.

  • ZDF, Pfingstmontag, 6. Juni 2022, 18.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Montag, 6. Juni 2022, 8.00 Uhr

Texte

Stab, Inhalt

Buch und Regie: Babette Urban

Moderation: Collien Ulmen-Fernandes

Kamera: Alexander Hein, Ralf Gemmecke, Alessandro Leonardi

Ton: Hardy Hergt

Schnitt: Judith Plickert, Dirk Oetelshoven

Aufnahmeleitung: Faek Falak

Maskenbildnerin: Sarah Marx

Produktionsleitung ifage: Andrea Haas-Blenske

Producer ifage: Katharina Bork, Melanie Weiss

Produzent ifage: Volker Schmidt-Sondermann

Produktionsleitung ZDF: Petra Ziegler

Redaktion ZDF: Harald Hamm

Redaktionelle Mitarbeit: Enza Ober

Leitung der Sendung: Jürgen Erbacher

Länge: ca. 43'30

 

Als Schauspielerin interessiert Collien Ulmen-Fernandes besonders, wie diese spektakulären Passionsspiele in Oberammergau auf die Beine gestellt werden. Sie spricht mit Regisseur Christian Stückl über Tradition und Aktualität des christlichen Schauspiels.

Außerdem lernt sie den ältesten und den jüngsten Hauptdarsteller kennen, Peter Stückl und David Bender, sie schaut Holzschnitzerin Katrin Mangold bei der Entstehung eines neuen Werkes über die Schulter, befragt Maria-Darstellerin Eva-Maria Reiser zu ihrem Frauenbild und begleitet Bibo Farman, der als jüdische Tempelwache, als Rottler, mitspielt, zu dem Kinderheim, in das er nach seiner Flucht aus dem Irak aufgenommen wurde. Außerdem erfährt Collien Ulmen-Fernandes von Claudia Hans, einer Hotelinhaberin in dritter Generation, wie sich die Coronapandemie auf ihr Geschäft ausgewirkt hat.

Die letzten Wochen kurz vor der Premiere sind immer sehr stressig für alle Beteiligten. Diesmal ist die emotionale Herausforderung besonders groß, weil die Aufführung wegen Corona vor zwei Jahren verschoben werden musste und das Warten spürbar an den Nerven zehrte. Alle fiebern dem Moment entgegen, den Besuchern aus dem In- und Ausland endlich die neu konzipierte Version präsentieren zu können.

Seit 1634 bringen die Oberammergauer die letzten Tage Jesu auf die Bühne. Der Brauch entstand in einer Zeit, die Parallelen zur Coronapandemie heute hat. Um 1630 wütete in Oberammergau die Pest, 84 Einwohner starben innerhalb kurzer Zeit. Damit Gott Krankheit und Tod ein Ende bereite, gelobten die Oberammergauer und Oberammergauerinnen, alle zehn Jahre die Passion Jesu aufzuführen. Und das funktioniert: 1634 gab es die ersten Passionsspiele und seitdem verstarb – der Legende nach – niemand mehr an der Pesterkrankung.

"Ein unglaubliches Gemeinschaftserlebnis für alle Beteiligten"
Interview mit Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes

Sie sind wieder im Einsatz für eine ZDF-Feiertagsdokumentation, diesmal bei den Passionsspielen in Oberammergau. Was reizt Sie persönlich daran?

Die meisten von uns wissen sicherlich noch, wie es ist, bei einem Schultheaterstück mitzuspielen. Das Lampenfieber, die Angst davor, den Text zu vergessen oder zur falschen Zeit auf der falschen Position zu stehen. So war es bei mir auch und ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl und auch daran, wie es ist, für seine Darbietung Applaus zu bekommen. Also, wenn's gut läuft. Wie muss das sein, wenn man mit 2000 Menschen – jung und alt – aus einem Ort an so einem Megaevent wie den Passionsspielen beteiligt ist? Das stelle ich mir unglaublich aufregend vor. Daher bin ich sehr neugierig, was mir die Protagonistinnen und Protagonisten erzählen, die ich treffen werde.

Oberammergau hat das Gelübde abgelegt, alle zehn Jahre die Passion Jesu aufzuführen. Wie finden Sie diese Tradition, die an diesem Ort seit fast 400 Jahren lebendig ist?

Wahnsinn! Das ist tatsächlich sehr eindrucksvoll, wenn man sich vor Augen führt, welche Zeiten diese Tradition überlebt hat. Trotz Widerständen aus der bayerischen Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts oder trotz erstem und zweitem Weltkrieg beispielsweise wurden die Passionsspiele bis heute immer wieder aufgeführt. Das ist eine beeindruckende Leistung aller Oberammergauerinnen und Oberammergauer von damals bis heute. Das zeugt von einem kompromisslosen und unerschütterlichen Willen der Menschen, die hier leben. Und natürlich spielt auch der christliche Glaube eine große Rolle und ist vermutlich der Motor und Antrieb für das Durchhaltevermögen der Menschen, denke ich. Ob das tatsächlich so ist, will ich unsere Protagonistinnen und Protagonisten fragen.

Das Theaterstück stellt die letzten Tage von Jesus vor seiner Kreuzigung und Auferstehung dar. Wenn man als Mitwirkender immer wieder bei der Messiasgeschichte mitspielt – glauben Sie, das prägt das eigene Leben?

Genau das ist eine der zentralen Fragen, die wir uns stellen. Was macht die kontinuierliche Teilnahme an diesem Event mit einem? Auch das will ich vor Ort thematisieren. Welche Fragen wirft das auf? Ich kann mir vorstellen, dass man sich dadurch noch mal ganz anders und sehr viel intensiver mit der Thematik und den zentralen Fragen des Glaubens befasst. Ich bin sehr gespannt, was mir die Laiendarstellerinnen und -darsteller, die Jesus oder Maria spielen, erzählen. Von Eva-Maria Reiser wissen wir, dass ihr die Teilnahme an den Spielen durch eine persönliche Krise geholfen hat. Auch ihr persönlicher Blick auf Maria interessiert mich. Davon unabhängig ist es natürlich ein unglaubliches Gemeinschaftserlebnis für alle Beteiligten, das spürt man schon deutlich.

Sie sind selbst Schauspielerin und haben bereits in zahlreichen Fernsehfilmen mitgespielt, für das ZDF zum Beispiel spielen Sie eine Ärztin auf dem Traumschiff. Würde es Sie reizen, bei so einem Theaterevent mitzuspielen?

Tja, das geht leider nicht, denn nur, wer in Oberammergau geboren ist, darf mitwirken. Es gibt Ausnahmen, wie wir in der Dokumentation erfahren, aber eigentlich ist das eine eiserne Regel. Ich frag mal ganz nett, glaube aber nicht, dass sie für mich eine Ausnahme machen. Vor allem würde mich interessieren, welche Rolle mir der Regisseur Christian Stückl zuteilen würde. Vielleicht darf ich ja einen Komparsen-Ochsen spielen, der im Hintergrund herumsteht. (lacht)

Es ist bereits die dritte ZDF-Feiertagsdokumentation, für die Sie unterwegs sind. Wie gefällt Ihnen diese Aufgabe?

Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass ich das machen darf. Es sind wirklich hochinteressante Themen, die mir die zuständigen Redaktionen ans Herz legen. Verbunden mit besonderen journalistischen Herausforderungen. Ich finde diese Arbeit sehr spannend, weil es um Menschen geht und die Werte, die sie prägen. Es geht darum, wo sie Orientierung finden. Das regt mich immer wieder zum Nachdenken über mein eigenes Leben an. Und letztlich hoffe ich, dass es unseren Zuschauerinnen und Zuschauern genau so geht.

Die Fragen stellte Harald Hamm.

Kurzbiografie Collien Ulmen-Fernandes

Collien Ulmen-Fernandes, geboren 1981 in Hamburg, ist seit mehr als 20 Jahren als Moderatorin, Schauspielerin und Autorin tätig.

Begonnen hat ihre Karriere 2001 mit BravoTV auf RTL2. Es folgten viele weitere Formate unter anderem bei Viva, ProSieben, Sat.1, VOX, Kabel1, ZDF, ZDFneo, sky, MDR, ORF und 3sat aus unterschiedlichen Genres wie Magazin, Reportage, Comedy und Show.

Als Schauspielerin spielte Collien Ulmen-Fernandes in über 50 Fernseh- und Kinofilmen sowie Serien, darunter waren viele Hauptrollen.

Für das ZDF steht sie derzeit für "Das Traumschiff" vor der Kamera.

Für ihre Tätigkeit als Jurorin bei der ProSieben-Show "The Masked Singer" gewann sie im Jahr 2019 den Deutschen Fernsehpreis.

Als Bestsellerautorin für die Kinderbuchreihe "Lotti&Otto" und als Kolumnistin für die Zeitschrift ELTERN und die Süddeutsche Zeitung sowie als Moderatorin von Social-Factuals bei ZDFneo setzt sie sich intensiv mit Familienthemen auseinander.

Collien Ulmen-Fernandes ist mit Christian Ulmen verheiratet und Mutter einer Tochter.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information Telefon: 06131 - 70-16100, und unter https://presseportal.zdf.de/presse/lebenmitpassion 

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