Marie räumt auf

Herzkino

 

Die bewegende Komödie erzählt die Geschichte einer Putzkraft, die durch die Freundschaft mit einer demenzkranken Grande Dame über sich selbst hinauswächst. Im Video-Interview (unten) spricht Hauptdarstellerin Tanja Wedhorn über ihre außergewöhnliche Rolle als Legasthenikerin, ihre unvergessliche Zusammenarbeit mit Gaby Dohm und wie sehr ihre Familie auch im wirklichen Leben mit dieser Krankheit konfrontiert wurde.

  • ZDF, Sonntag, 21. Februar 2016, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch                                                    Dominique Lorenz         
Regie                                                   Sebastian Grobler          
Kamera                                                Jana Marsik
Musik                                                   Fabrizio Tentoni
Szenenbild                                           Myriande Heller
Produktion                                           Opal Filmproduktion GmbH
Produzenten                                        Rita Serra-Roll, Alexander von Hohenthal
Redaktion                                             Verena von Heereman

Die Rollen und ihre Darsteller              

Marie Wagner                                 Tanja Wedhorn
Greta von Schermann                     Gaby Dohm
Niklas von Schermann                     Marco Girnth
Dirk Wagner                                    Johann von Bülow
Viviane von Schermann                   Carolina Vera
Frau Reisch                                      Dagmar Sachse
Pfarrer Reintaler                              Peter Prager
Dr. Polz                                            Tilman Günther
Rachid                                              Klaus Steinbacher
Junge Verkäuferin                            Sveta Bielievtsova
Dr. Friedrich Bender                         Jörg Biester
Trainer Willi                                      Marek Helsner
und andere

Inhalt

Marie putzt seit kurzem in der Villa der Familie von Schermann. Als das Ehepaar Viviane und Niklas beruflich verreisen muss, und die Pflegerin von Niklas' Mutter Greta fristlos kündigt, wird Marie gebeten, ein paar Tage auf die renitente alte Dame aufzupassen.

Marie hat keine Ahnung von Altenpflege und wie sie mit der leicht verwirrten und gern fluchenden Greta umgehen soll, die bereits eine Pflegekraft in die Flucht geschlagen hat, schwer zu bändigen ist und geblümte Teppiche gießt. Zudem haut Greta gern ab oder sperrt Marie mit Freuden aus dem Haus aus. Bei der Verabreichung der Medikamente steht der Legasthenikerin Marie außerdem ihre Leseschwäche massiv im Weg. Vielleicht hat Maries Ehemann Dirk ja doch recht? Er hatte, erbost von der Eigenwilligkeit seiner Frau, die ihn zum ersten Mal nicht zu einem seiner heiß geliebten Radrennen begleitet und gegen seinen Willen in die Villa übergesiedelt ist, vorausgesagt, dass sie der neuen Aufgabe nicht gewachsen sein würde.

Erst als Marie sich nach großen Anfangsschwierigkeiten mit Herz und Seele auf Greta einlässt, kommen sich die beiden Frauen näher. Gemeinsam erobern sie ein Stück von Gretas Welt und ihren Erinnerungen zurück. In einem lichten Moment erzählt Greta von dem gestörten Verhältnis zu ihrem Sohn Niklas. Marie begibt sich auf Spurensuche in ein bewegtes Leben, beginnt den Blick auf ihr eigenes zu verändern und die Fülle ihrer Möglichkeiten zu erkennen.

Sie genießt die mal kindliche, mal mütterliche Zuneigung der alten Dame und erlebt auf beglückende Weise, dass sie gemocht und gebraucht wird. Und nicht nur das - auch begehrt: Gretas Sohn Niklas, frisch von seiner Frau verlassen, feiert Marie mit all seinem Charme, und beide verbringen eine wunderbare Liebesnacht.

Doch ist Niklas Maries Zukunft? Oder ist es Dirk? Marie beginnt ihr Leben aufzuräumen, um das Glück zu finden, das sich darin versteckt hat.              

Fragen an Tanja Wedhorn

Sie haben schon mehrfach Titelrollen im ZDF-Herzkino übernommen. Was ist für Sie das Entscheidende am Herzkino? Wodurch zeichnet es sich für Sie aus?

Als ich das fantastische Drehbuch zu "Marie räumt auf" zum ersten Mal gelesen habe, musste ich heulen und immer wieder laut auflachen. Das ist Herzkino. Emotional berühren, um die Figuren bangen, für sie hoffen und mit ihnen lachen ...

 

Was hat Sie an der Rolle der Marie besonders gereizt?

Ich mochte von Beginn an Maries Mischung aus Sanftmut, Verletztheit, einem nicht eben ausgeprägten Selbstbewusstsein, ihre Hartnäckigkeit und ihre sehr eigene Ernsthaftigkeit, Menschen und Situationen gegenüber.

 

Die Zuschauer sind eingeladen, die emotionale Reise zu begleiten, auf die Greta und Marie sich begeben. Wohin führt sie diese Reise?

Am Ende des Films ist Marie Dank Greta sehr viel mehr bei sich und noch ganz am Anfang einer Reise, die sie Wochen vorher nie für möglich gehalten hätte.

 

Marie ist ein fröhlicher, lebensbejahender Mensch und überspielt gekonnt ihre Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie). Wie haben Sie sich der Rolle genähert? Was half Ihnen bei der Umsetzung?

Ich habe mich sowohl mit einer Legasthenie-Trainerin als auch mit einem Legastheniker getroffen. Sie haben mir viel erzählt und erklärt. Das war toll und sehr hilfreich. Der Film handelt aber weniger von einer Frau, die als Legasthenikerin versucht, ihren Alltag zu meistern, sondern davon, was das Leben mit dieser Frau bisher gemacht hat. Nämlich ein Leben ohne Bestätigungen, Erfolgserlebnisse und mit dem Gefühl, nicht zu genügen. Und davon, was die Begegnung mit Greta und auch Niklas in ihr auslöst.

 

Langsam und stetig baut Marie Vertrauen zu Greta auf. Wie schafft sie das?

Marie hatte nie vor, Vertrauen zu Greta aufzubauen. Sie hat keine Strategie! Sie hat einfach nur ein echtes Interesse an der Not dieser alten Dame.

 

Die beiden so unterschiedlichen Frauen – Greta und Marie – verbindet eine ganz besondere Frauenfreundschaft. Haben Sie eine ähnlich besondere Freundschaft in Ihrem Leben?

Nein. Leider nicht.

 

Können Sie verstehen, dass der eigene Sohn die Pflege der Mutter aus der Hand gibt? Würden Sie genauso handeln?

Meine Mutter hat zeitgleich sowohl ihre eigene Mutter wie auch ihre Schwiegermutter gepflegt. Sie war damals voll berufstätig und meine Schwester und ich waren Teenager. So großartig das von ihr auch war, es hat sie körperlich und seelisch an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Ich maße mir nicht an, da ein Urteil zu fällen...

 

In der Beziehung mit ihrem Mann Dirk ist Marie die schwächere der beiden Hälften, fühlt sich nicht wahrgenommen, traut sich nichts zu. Was wäre Ihr Rat an Marie, wie könnte sie sich aus dieser Situation zu befreien?

Marie ist ja nicht nur bei ihrem Mann "die Schwächere". Doch durch Greta und Niklas lernt sie, dass sie goldrichtig und durchaus berechtigt ist, eigene Bedürfnisse anzumelden. Nichts anderes würde ich ihr raten!

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Gaby Dohm

ZDF-Herzkino ist ein unbedingtes Ja zum Leben. Was bedeutet das Herzkino für Sie persönlich?

Es ist ein Genre, das mit gefühlvollen Rollen und leidenschaftlichen Figuren verbunden ist. Das sind Rollen, die man gerne spielt.

 

Was hat Sie daran gereizt, diese Figur zu spielen, die an einer Krankheit leidet, von der 1,6 Millionen Deutsche und deren Angehörige betroffen sind?

Dass es ein Leben betrifft, das man Gott sei Dank persönlich nicht kennt, ist ein Schicksal, das man bisher noch nicht gespielt hat. Es erfordert eine ganz andere Vorbereitung auf die Rolle und ein größeres Gefühl der Verantwortung.

Man möchte den Betroffenen Mut vermitteln, Ihnen gleichzeitig aber auch keine falschen Hoffnungen machen. Sie haben, wie in der Geschichte heitere bis traurige Momente. Insofern spielt man das mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Es geht ja auch darum, dass es für diese Kranken auch glückliche Momente geben kann. Es ist schön zu zeigen, wie man durch Heiterkeit helfen kann. Die Begegnung mit Marie hat Greta befreit.

 

Benötigten Sie für die Rolle eine besondere Vorbereitung?

Ja, natürlich. Ich war in zwei Heimen, ich habe mich mit Demenz-Kranken getroffen - auch gemeinsam mit Sebastian Grobler, dem Regisseur - habe entsprechende Literatur gelesen, Filme und Dokumentationen gesehen, medizinische Berichte gelesen und ich hatte Begegnungen mit Betroffenen.

 

Greta von Schermann ist eine echte Dame. Doch ihre Krankheit und das gestörte Verhältnis zu ihrem Sohn bringen sie dazu, Dinge zu tun und zu sagen, die sie sicher früher nicht gesagt hätte, ja sogar zu fluchen. Gingen Ihnen die derben Schimpfwörter leicht über die Lippen?

Man darf die Arbeit des Schauspielers und die Person nicht vermischen. Wenn die Rolle einem einen solchen Text abverlangt, ist das kein Problem. Das ist eine professionelle Arbeit und hat nichts mit mir selbst zu tun.

 

Die Zuschauer sind eingeladen, die emotionale Reise zu begleiten, auf die Greta und Marie sich begeben. Wohin für sie diese Reise?

Auf diese Frage möchte ich nicht antworten, die Antwort würde die Geschichte verraten.

 

Die Freundschaft zwischen Greta und Marie ist generationsübergreifend. Gibt es den sogenannten Dialog der Generationen nur im Film oder funktioniert das wirklich? Kennen Sie Beispiele aus Ihrem eigenen Umfeld?

Ja natürlich funktioniert das im Leben – mit meinem Sohn oder beim Drehen mit jungen Kollegen, zum Beispiel beim gemeinsamen Erarbeiten einer Szene.

 

Die Haltung unserer Gesellschaft hat sich den Themen Demenz und Alzheimer gegenüber sehr gewandelt.  Wie nehmen Sie das wahr und wie ist Ihre Meinung dazu? 

Es ist gut, wenn diese Themen nicht mehr tabuisiert werden. Man darf das aber auch nicht überstrapazieren. Die Menschen könnten sich dann wieder abwenden.

 

Greta trägt ein lange gehütetes Geheimnis mit sich herum, was dazu führt, dass sie nicht zur Ruhe kommt. Sind Sie ein Mensch, der ein Geheimnis gut bewahren kann? Oder sprechen Sie die Dinge lieber aus? Warum?

Mitunter kann ich sehr verschlossen sein und bin nicht bereit, zu viel von mir preiszugeben. Manchmal kann es allerdings sehr befreiend sein, wenn man sich aussprechen kann. Es kommt darauf an, welcher Art das Geheimnis ist.

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Marco Girnth

Sie spielen Niklas, Gretas Sohn. Diese Figur scheint an einem Wendepunkt angekommen zu sein. Irgendetwas fehlt in seinem Leben. Hat Sie das gereizt? Kennen Sie ähnliche Situationen?

Ja, natürlich, das hat mich sehr gereizt. Niklas war bereits über den Wendepunkt hinaus, allerdings war ihm das nicht bewusst. Er brauchte erst einen "Weckruf" um zu erkennen, dass er seinem Leben eine neue Richtung geben muss. In seinem Fall waren das die beruflichen Probleme, die ihn aus seiner Routine gerissen haben.

 Eine ähnliche Situation hatte ich vor 20 Jahren. Ich hatte gerade mein erstes juristisches Staatsexamen beendet, als ich mich adhoc entschieden habe, lieber Schauspieler werden zu wollen. Damals eine sehr irrationale Entscheidung, aber ich wollte das unbedingt so.

 

In der Familie von Schermann bleibt Vieles unausgesprochen und das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn leidet darunter. Gibt es Ihrer Meinung nach ein Erfolgsrezept für ein harmonisches und glückliches Familienleben?

Nein, das gibt es, glaube ich, nicht. Hilfreich sind ganz sicher Toleranz und die Fähigkeit, auch mal zurückstecken zu können. Bei Niklas und Greta ist das natürlich schwierig, da beide vor Jahren die emotionale Tür, durch die man sich hätte annähern können, zugeschlagen haben.

 

Niklas verwendet an einer Stelle des Films das Goethe-Zitat: "Die Sorge verleiht kleinen Dingen einen großen Schatten." Was meint er damit? Können Sie das auch für Ihr Leben bestätigen?

Er meint damit, dass man sich nicht so sehr von den eigenen Ängsten leiten lassen sollte, sondern von dem Grundvertrauen, dass sich alles irgendwie fügen wird.

Ich komme aus der Nähe von Köln und da hieß es immer: "Et hätt noch emmer joot jejange". Das meint in etwa das Gleiche und ich glaube, da ist was dran.

 

Mit dem Versprechen, sich um seine Mutter zu kümmern, hat Niklas eine große Aufgabe übernommen, der er eigentlich nicht gewachsen ist. Darum delegiert er sie an andere. Können Sie sich vorstellen, selbst die Versorgung eines nahen Angehörigen zu übernehmen, sollte es notwendig werden?

Ich habe damals meinen Zivildienst im Krankenhaus auf einer gerontopsychiatrischen Pflegestation verrichtet, so dass ich noch etwas von dem weiß, was zu einer Pflege dazugehört. Allerdings ist mir dadurch auch klar, dass eine solche Aufgabe nicht zu unterschätzen ist. Ich denke, ohne Unterstützung von außen würde ich es kaum schaffen, alles unter einen Hut zu bekommen.

 

Sind Sie ein Familienmensch?

Absoluter Familienmensch. Sonntagmorgens mit der Familie Frühstück im Bett... Besser geht's nicht.

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Carolina Vera

Als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben, hat die Geschichte Sie berührt? Und wenn ja, warum?

Das Drehbuch hat mich gleich beim ersten Mal Lesen für sich eingenommen, da sich die Tragik in der Leichtigkeit und der Absurdität der jeweiligen Momente entwickelt, beinahe unmerklich.  
Das finde ich geschickt und intelligent angelegt. Mit meiner Rolle konnte ich tatsächlich zu Beginn nicht so viel anfangen, denn ich hatte bis dahin kaum Antagonistinnen gespielt und konnte anfänglich mit der ständigen Überforderung von und durch Viviane nicht gut umgehen.  

 

Viviane ist bemüht allen Anforderungen, den geschäftlichen wie den privaten, gerecht zu werden, hat aber eigentlich keine Chance. Wäre sie Ihre Freundin, was würden Sie ihr raten?

Viviane macht es letztendlich genau richtig. Sie versucht alles zu meistern, was ihr Ehemann auf sie abwälzt. Versucht Beruf, Ehe und die familiären Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Doch als der fehlende Beistand ihres Mannes immer deutlicher wird, zieht sie einen klaren Strich und übernimmt Verantwortung für sich und nicht - wie gewohnt - für alle anderen gleich mit. Etwas Besseres hätte ich einer Freundin in der gleichen Situation auch nicht raten können.  

 

Auch das Verhältnis zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter ist in der Familie von Schermann gestört. Wie wäre die ideale Schwiegermutter für Sie?

Die ideale Schwiegermutter ist eine Frau, die einen wunderbaren Mann zum Sohn hat. 

 

Viviane  fühlt sich im Stich gelassen und verlässt ihren Mann mit den verzweifelten Worten: "Werde endlich erwachsen." Können Sie sie verstehen? Hätten Sie eine andere Lösung gesucht?

Das wären sicher nicht meine Worte gewesen. Aber bei so einer zerrütteten Beziehung, puh, keine Ahnung, was mir da für eine Lösung eingefallen wäre. Auf jeden Fall ist ein Strategiewechsel hier durchaus angebracht. 

 

Ist es eine Herausforderung, eine Figur zu verkörpern, die beruflich und privat scheitert? Geht man nach dem Dreh sofort zur Tagesordnung über oder hängt es Ihnen noch in den Kleidern?

Meine Rollen bleiben da, wo sie hingehören – am Set oder auf der Bühne. Diese klare Abgrenzung habe ich mir angeeignet, und sie gehört für mich zu den wichtigsten Grundlagen meiner Arbeit.  

 

Stünden Sie vor der Entscheidung, einen nahen Verwandten aufzunehmen und zu pflegen – würden Sie sich das zutrauen?

Ich denke schon. Ich habe schon viel gemacht, was ich mir anfänglich nicht zugetraut hatte.

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Johann von Bülow

Sie sind dafür bekannt, dass Sie in der Auswahl Ihrer Rollen sehr wählerisch sind. Was hat Sie an der Rolle des Dirk besonders gelockt?

Mich hat vor allem die gute Geschichte gelockt. Diese "romantic tragedy", wie ich unseren Film nennen würde, lebt von der Echtheit ihrer Figuren. Das sind keine Abziehbilder, sondern genau getroffene Menschen. Dirk ist der klassische Tragigkommödiant. Er ist ein bisschen stoffelig, ok ganz schön stoffelig, das hat was komisches, gleichzeitig geht einem ans Herz, was ihm passiert. Das wollte ich gerne spielen.

 

Dirk bestimmt in seinem  gemeinsamen Leben mit Marie alles, kümmert sich um alles. Dabei bekommt er gar nicht mit, was in seiner Frau vorgeht. Mögen Sie die Figur und wenn ja, was mögen Sie an ihr?

Na ja, wie oben gesagt, mögen kann man so jemanden nur schwer. Aber sich in ihn einfühlen und sichtbar zu machen, was ihn bewegt, damit die Zuschauer ihn ein bisschen besser verstehen und vielleicht sogar mögen, das ist doch, worum es beim Spielen solcher Rollen geht.

 

Als sich Marie entschließt, bei Greta zu bleiben, reagiert Dirk völlig verständnislos. Können Sie ihn verstehen? 

Er denkt schon ganz schön viel an sich und wenig an Marie. Es soll ja mehr Männer geben, die so sind… Kann ich also natürlich nicht verstehen.

 

Erst der betrogene Ehemann, dann der Prinz – nicht auf dem weißen Ross, aber auf dem Fahrrad. Wie gelingt es Dirk, seine Frau zurückzugewinnen?

Es gelingt meiner Meinung nach in erster Linie Marie, Dirk für sich zurückzugewinnen, weil sie ahnt, dass der Weg, den die beiden zu gehen haben, noch nicht zu Ende ist. Dirk ist gottseidank klug genug, seinen Stolz hintanzustellen, um seine Frau noch mal neu zu entdecken. Damit hat er bei Marie schon viel gewonnen.

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Dominique Lorenz und Rita Serra-Roll

In "Marie räumt auf" geht es um große Themen wie Liebe, Vertrauen, Familie aber auch um Analphabetismus, Legasthenie und Demenz. Warum haben Sie diese Stoffe gewählt?

Dominique Lorenz: Vor ein paar Jahren hab ich eine Ausstellung besucht, auf der ein Psychologe Fotos von Menschen im Altersheim zeigte, die an Demenz erkrankt waren: Lachende, glückliche, kindlich freudige Gesichter. Der Psychologe wollte mit den Fotos zeigen, wie viel intensive positive Gefühle ein an Demenz erkrankter Mensch haben kann, wenn er sich wohl, geschätzt und wahrgenommen fühlt.

Da der Verstand nicht mehr als kontrollierende Instanz funktioniert, werden Emotionen wieder eher ungebremst wie bei einem Kind wahrgenommen. Wut, Frust, Ärger, Hilflosigkeit, Angst, aber eben auch Freude, Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Glück. Das hat mich sehr beeindruckt, da ich Demenz bisher als etwas einfach nur Tragisches und Schreckliches wahrgenommen habe. Über die andere Sichtweise auf die Krankheit wollte ich schreiben.

Das Buch "Mutti lässt grüßen" über wertschätzende Arbeit und Biographiearbeit in der Pflege von Menschen mit Demenz kann ich jedem ans Herz legen, der in seinem Alltag mit Demenz konfrontiert ist.

 

Was war die größte Schwierigkeit dabei?

Lorenz: Für mich gibt es beim Schreiben immer wieder die gleiche größte Herausforderung. Was ist der Kern, die Essenz der Geschichte? Welches Thema verbindet alle Figuren und wie arbeite ich das am besten heraus? Ein Drehbuch ist aber kein Roman und man ist mit dieser Problematik nicht allein. Im Fall von „Marie räumt auf“ waren wir, Redaktion, Produktion und Regie, ein sehr gutes Team. Wir haben zusammen immer wieder überprüft, ob das Wesentliche erzählt wird.

 

Welche Botschaft hat der Film und wie vermitteln Sie sie uns?

Lorenz: In "Marie räumt auf" geht es um Akzeptanz. Zum einen darum, sich selbst mit allen Fehlern, Defiziten und Schwierigkeiten zu akzeptieren. Zum anderen darum, einen Menschen, der nicht mehr fit, erfolgreich, leistungsfähig ist, zu akzeptieren und in ihm etwas Wertvolles und Einzigartiges zu sehen. Die an Demenz erkrankte Greta verändert mit ihrer Zuneigung Maries Leben, weil Marie die Gabe hat, die alte Dame zu akzeptierten und anzunehmen wie sie ist.

Wenn ein Mensch, eine Situation oder auch die Vergangenheit - sei sie auch noch so schwierig und unperfekt - angenommen wird, so wie sie ist, entsteht eine große Kraft, entstehen Zuneigung und Frieden. Darum soll es in "Marie räumt auf" gehen.

 

Hatten Sie von Anfang an diese Besetzung im Kopf? 

Rita Serra-Roll: Es war von Anfang an klar, dass die Kombination der Frauen eine wichtige Komponente sein wird. Nachdem ich Tanja Wedhorn auf der Bühne gesehen hatte, war mir schnell klar, dass sie die Wärme, die Liebe und die Leichtigkeit hat, die wir bei Marie brauchen. Dass Gaby Dohm sich für die Geschichte und damit auch für Greta entschieden hat, hat uns alle sehr gefreut. Frau Dohm zählt meiner Meinung nach seit Jahren zu den vielschichtigsten und wandelbarsten Darstellerinnen, die wir in Deutschland haben. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir beide Damen sehr frühzeitig für uns gewinnen konnten und somit die Möglichkeit hatten, bei der Buchentwicklung auf sie im Speziellen eingehen zu können.

 

Welches ist Ihre Lieblingsszene?

Lorenz: Die beiden langen Schwimmbadszenen erst zwischen Greta und Marie, später zwischen Marie und Niklas mag ich besonders. Man fragt sich als Autorin natürlich, ob die Szenen von der Emotion und dem Humor her so funktionieren, wie man sie geschrieben hat. Es ist ein gutes Gefühl, wenn dem so ist. Liegt natürlich an der feinfühligen Regie und den wunderbaren Schauspielern.

Sierra-Roll: Es gibt ganz viele "Lieblingsszenen", aber die Szene, in der Marie für Greta das Frühstück vorbereitet, ist schon sehr zauberhaft, genauso wie die wunderbare Gießkannen-Szene, diese strahlt für mich eine Gemeinsamkeit und kindliche Freude aus, welche mich sehr berührt.

Die Fragen stellte Karin Jensen.

Fragen an Regisseur Sebastian Grobler

"Marie räumt auf" ist eine ZDF-"Herzkino"-Produktion. Sie haben schon mehrfach Geschichten unter dieser "Dachmarke" inszeniert. Stellt das "Herzkino" besondere Anforderungen an die Regie?

Wenn ZDF-"Herzkino"-Produktionen für ausgeprägte Feelgood-Momente, Humor und ein positives Ende stehen, so kann ich mich damit als Regisseur sehr gut identifizieren. Wichtig finde ich gleichzeitig, dass der Zuschauer eine Geschichte glauben kann, sich mit den handelnden Figuren identifiziert und sie bei ihm echte Emotionen auslösen.

 

Es gibt unzählige Bücher oder auch Filme zur Thematik, zum Beispiel den Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht" von David Sieveking. Was hat Ihnen bei der Vorbereitung geholfen? Wie haben Sie die besondere Tonalität, die besondere Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor hergestellt?

Es war mir - wie auch der Produzentin Rita Serra-Roll und der Redakteurin Verena von Heereman - von Anfang an sehr wichtig, solch ein ernstes Thema humorvoll zu erzählen. Ich kann so den Zuschauer viel stärker in die Geschichte hineinziehen. Wenn der Zuschauer gut unterhalten wird, kann das schlussendlich auch das Nachdenken über solch ein Thema fördern, da es uns keine Angst mehr macht. Außerdem hat Demenz durchaus ihre komischen Momente.

In der Vorbereitung hat mir tatsächlich auch der Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht" von David Sieveking geholfen. Am wichtigsten waren aber drei Besuche mit Gaby Dohm in Einrichtungen, in denen demente Menschen betreut werden. Wir haben vieles über die Demenz erfahren und erleben können, mit wie viel Verständnis und Hilfe mittlerweile demente Menschen betreut werden. Im Mittelpunkt der Dreharbeiten stand bei Gaby und mir natürlich die ausgesprochen gut geschriebene Figur Greta aus dem Drehbuch von Dominique Lorenz. Wir konnten uns aber in bestimmten Momenten auch reale Menschen vor unser geistiges Auge holen.

 

War das Ihre erste Zusammenarbeit mit Gaby Dohm oder kannten Sie sich schon? War es schwierig, sie dazu zu bringen, zu fluchen und zu schimpfen?

Es war unsere erste Zusammenarbeit: Gaby ist eine sehr glaubwürdige und wandlungsfähige Schauspielerin, deshalb ist die Arbeit mit ihr für einen Regisseur sehr leicht und gegenseitig befruchtend. Was das Fluchen betrifft, so hatte sie da am Anfang schon ein paar ganz kleine Vorbehalte, die aber sofort weg waren, nachdem sie wusste, dass das kein dramaturgischer Kniff war, sondern ganz real vorkommt, wenn sich demente Menschen unverstanden fühlen.

 

Was ist für Sie als Regisseur bei der Umsetzung von "Marie räumt auf" am wichtigsten gewesen?

Eine tief gehende Freundschaft zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen wie Marie und Greta zu erzählen, hat mich sehr gereizt. Dafür große, starke und emotionale Bilder zu finden.

 

Wie war die Stimmung am Set? Gab es besondere Momente, die Sie nicht vergessen und an denen Sie uns teilhaben lassen möchten?

Sehr gut. Wir haben ja mitten in einem wunderbar, nicht enden wollenden warmen Sommer gedreht. Mit Tanja Wedhorn und Gaby Dohm hatten wir zwei starke Schauspielerinnen, die ganz sinnlich und unmittelbar zusammen spielten, und sich auch wirklich mochten, was ja für eine Geschichte über Freundschaft ganz wichtig ist. Ein besonderer Moment, den ich erinnere, war sicherlich die Szene, in der Gaby einsam in der Badewanne steht und nicht mehr weiß, wo sie ist und wer sie eigentlich ist. Da war das ganze Team sehr berührt.

 

Worauf dürfen sich die Zuschauer am 21. Februar freuen? Welche Botschaft soll bei den Zuschauern ankommen?

Der Film macht ganz viel Mut. Durch Greta erfährt Marie, dass das große Glück in ihrem „kleinen“, so unausgegoren Leben bereits versteckt ist. So ist es doch bei uns allen. Wir alle sollten uns auf die Suche nach der Schönheit in unserem eigenen Leben begeben, und mit uns selbst und mit unseren Liebsten etwas daraus machen: Fangt an zu LEBEN!

Die Fragen stellte Karin Jensen.

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