Copyright: ZDF / Daniela Incoronato
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Matze, Kebab und Sauerkraut

Komödie

Die enge Freundschaft von Noah (Franz Dinda) und Hakim (Omar El-Saeidi) wird einer harten Prüfung unterzogen, als sie sich in dieselbe Frau verknallen die coole Fotografin Charlotte (Christine Eixenberger). Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Männern: ihre Religion. Der eine ist Jude, der andere Muslim. Und Charlotte: bayerische Christin! Um die Traumfrau beginnt ein erbittertes Duell. Auch zwischen den eigentlich befreundeten Familien kommt es zum Streit, denn die junge Frau ist blond, blauäugig, deutsch und katholisch. Ein No-Go für die ach so assimilierten Familien Hirschman und Abu Yazid!

  • ZDF, Donnerstag, 29. Oktober 2020
  • ZDF Mediathek, ab Mittwoch, 28. Oktober 2020, 10.00 Uhr

Texte

Stab und Besetzung

"Matze, Kebab und Sauerkraut"
Komödie

Donnerstag, 29. Oktober 2020, 20.15 Uhr

Stab

Buch_____Timothy Tremper
Regie_____Christoph Schnee
Kamera____Christoph Krauss
Schnitt_____Günter Schultens
Musik_____Richard Ruzicka
Szenenbild_____Olaf Rehahn
Kostüme_____Nicole Stoll
Ton_____Antje Volkmann
Produktions- und
Herstellungsleitung_____Peter Dittberner
Produktion_____CCC Cinema und Television GmbH
Produzentin_____Dr. Alice Brauner
Producer_____Timothy Tremper
Redakteure_____Thorsten Ritsch, Corinna Marx
Länge_____ca. 89 Min

Die Rollen und ihre Darsteller

Noah Hirschmann_____Franz Dinda
Hakim Abu Yazid_____Omar El-Saeidi
Charlotte_____Christine Eixenberger
Rachel Hirschmann_____Andrea Sawatzki
Daniel Hirschmann_____Francis Fulton-Smith
Yussef Abu Yazid_____Adnan Maral
Melek Abu Yazid_____Şiir Eloğlu
Götz Otto_____Götz Otto
Mariella_____Brigitte Grothum
Sandra_____Isabell Polak
Klaus_____Wilson Gonzalez Ochsenknecht
Annuk_____Aby Era
und andere

Inhalt

Seit ihrer Kindheit sind Noah und Akim beste Freunde, und sie haben sich geschworen, dass nichts zwischen sie kommt – schon gar keine Frau. Doch damals wussten sie noch nichts von Charlotte.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als Noah unvermittelt vor Charlottes Auto gerät: Ein Schlag auf den Kopf und Liebe auf den ersten Blick. Doch leider ist Charlotte vergeben. Als Akim die junge Frau auf deren Verlobungsfeier sieht, ist es auch um ihn geschehen.

Trotz ihrer unterschiedlichen Religionen – Noah ist Jude und Akim Moslem – spielte diese bisher nie eine Rolle zwischen den Freunden. Auch ihre Familien sind seit Jahr und Tag befreundet. Doch die Begegnung mit Charlotte ändert alles. Ein erbittertes Duell um die Traumfrau beginnt zwischen den "best Buddys". Dabei zeigt sich, dass Toleranz auch bei den beiden Familien eher eine Einbahnstraße zu sein scheint. Denn die junge Frau ist blond, blauäugig, deutsch und katholisch: ein No-Go für die ach so assimilierten Familien Hirschmann und Abu Yazid. Matze oder Kebab, was schmeckt besser? Vor allem mit Sauerkraut, Charlottes Lieblingsgericht? Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Filme, die der Verständigung dienen
Statement von Produzentin Dr. Alice Brauner

Lustig ist, wenn man mit Klischees arbeitet und diese überzeichnet oder auch bricht, ohne rassistische Vorurteile zu bedienen. Unserem CCC-Produktionsunternehmen und mir persönlich war es schon immer ein Anliegen, Filme zu machen, die der Verständigung dienen. Hier in Berlin lebten wir lange genug ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen, Nationalitäten und Religionen. Das hat sich in der letzten Zeit leider vehement geändert. Daher ist so ein Film wie "Matze, Kebab und Sauerkraut", der das Thema humorvoll und nicht immer politisch korrekt aufs Korn nimmt, aktueller denn je. Mit "Matze, Kebab und Sauerkraut" und dem Genre Culture-Clash-Komödie können wir mehr Toleranz und Verständigung sowie größere Zielgruppen generieren als mit einem Arthouse-Drama, das die gleiche Intention verfolgt.

Eigentlich geht in so einem Genre alles, so lange es nicht ernsthaft beleidigend, ausgrenzend oder unterschwellig rassistisch daherkommt. Der Umgang mit Religion ist da ein gutes Beispiel, denn in manchen Religionen ist sie tatsächlich entscheidend für die Partnerwahl. Ich bin Helikopter- und Gluckenmutter zweier bildschöner und blitzintelligenter jüdischer Söhne. Ich wüsste nicht, ob ich glücklich wäre, wenn sie mit einer nicht-jüdischen Frau nach Hause kommen würden. Nicht, weil ich nicht tolerant genug wäre, sondern weil es 2,26 Milliarden Christen, über 1,8 Milliarden Muslime, 900 Millionen Hinduisten, aber nur circa 14 bis 15 Millionen (!) Juden auf der Welt gibt. Nach dem jüdischen Gesetz, also halachisch, ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat. Wenn also meine Söhne keine Jüdinnen heiraten, und wir uns weiter mit anderen Religionen vermischen, sterben wir irgendwann mal genauso aus wie die Mayas oder die Inkas. Das möchte ich nicht mitverantworten müssen.

"Mehr als je zuvor"
Statement des Autors Timothy Tremper

Produzentin Alice Brauner hatte eine ganz klare Vorstellung, wie der Film auszusehen hat: Wir zeigen ohne den erhobenen Zeigefinger, wie man Juden, Muslime und Christen in einem Film verbindet – aber bitte als Komödie. Kein Drama! Also darf ich alle stereotypischen Vorurteile bedienen, meinte ich. Die Produzentin bestand darauf. Einen besseren Auftrag kann man als Autor nicht bekommen.

Juden und Muslime haben ziemlich viel gemeinsam. Mehr als sie glauben zu wissen. Das war der eine Kern, der in der Storyline bedient werden sollte. Der andere war die Liebesgeschichte zwischen drei jungen Menschen. Diesen Hauptcharakteren muss man ein Umfeld geben, in dem es gut krachen kann. Die jeweiligen Familien eben. Jüdische und muslimische Eltern haben einen ganz einfachen Anspruch an ihre Kinder: Bitte verliebe dich innerhalb deiner Religion. Wenn es aber nicht passiert, aha, dann ist ein Konflikt da. Die treibende Kraft hinter den Männern sind also die konservativen Eltern. Die haben das größte Komödienpotential, weil sie außen vorstehen. Sie kommentieren das Grundthema: "verliebe dich bloß nicht in die falsche Frau."

Es gab für mich keine (filmischen) Vorbilder. Es gab ein Ziel, schnell in der Erzählung zu sein. Zeig alles, sag alles und sei böse. Aber immer mit Respekt. Die Produzentin und ich konnten uns gut die Bälle zuwerfen, weil wir einen ziemlich ähnlichen Humor haben. Der mutigen ZDF-Redaktion ist es geschuldet, dass der Sender nun eine atypische Komödie bekommen hat. Der Film verbindet, unterhält zwischen den Kulturen und hält uns allen komödienhaft die Spiegel der Religionen vor. Und gerade heute brauchen wir das mehr als je zuvor.

Fragen an die Schauspieler
Christine Eixenberger, Franz Dinda und Omar El-Saedi

Was macht Ihre Figur aus?

Christine Eixenberger (Charlotte): Charlotte ist vor allem eine "coole Sau" (Memo an mich: "Christine, Sprache!"). Sorry, aber das trifft es nun einmal. Sie ist selbstständig, unabhängig, tough, sagt gerne ihre Meinung, ist gewieft und humorvoll. In der Liebe sucht sie den Einen, den Richtigen, wie jeder von uns. Und den hat sie auch verdient, denn sie ist echt eine gute Partie. Ich meine, die Frau hat ein Hausboot. Auf dem Wannsee" Und: Witz! Eine unschlagbare Kombination.

Franz Dinda (Noah): Noah Hirschmann ist Jude und betreibt eine Werkstatt für Oldtimer. Im Gegensatz zu seiner Familie hält er es aber nicht so sehr mit den Regeln seines Glaubens. Im Gegenteil.

Omar El-Saedi (Hakim): Hakim Abu Yazid ist ein selbstbewusster Deutschlehrer Anfang 30. Im Grunde steht er mit beiden Beinen auf dem Boden und könnte den nächsten Schritt gehen, eine Familie zu gründen. Gerade er, der ein ausgesprochener Familienmensch ist und großen Wert auf Freundschaft legt, vor allem zu seinem besten Freund, dem jüdischen Automechaniker Noah. Gemeinsam aufgewachsen, sind sie mehr als nur Freunde. Sie sind "Brüder". Doch Hakim ist auch immer noch ein kleiner großer Junge, der es seiner Umwelt, sich selbst und vor allem Noah beweisen muss. Wie Brüder nun mal sind, stehen sie in allem in ständiger Konkurrenz zueinander. Im Eifer des Gefechts kann man da auch mal über die Stränge schlagen.

 

Was hat Sie am Drehbuch gereizt?

Christine Eixenberger: Der Gedanke, dass trotz allem, was uns als Gesellschaft trennt sei es nun das Geschlecht, die Kultur, die Religion, in Coronazeiten der Bezug zu Klopapier und Nudeln etc. – wir doch mehr gemeinsam haben, als wir oft denken. Wir sind in erster Linie eines: Menschen. Allesamt. Ob du nun als Matzeknödel, Kebab oder Sauerkraut auf die Welt kommst Mensch bleibst du. Gut, in dem Fall "Nahrungsmittel". Ich sehe schon, der Vergleich hinkt. Aber ich denke, man versteht, was ich meine.

Franz Dinda: Der Film ist politisch unkorrekt und deswegen sehr erfrischend in der Thematisierung kultureller Unterschiede. Er wird polarisieren und anecken. Und er will ziemlich viele Dinge unter einen Hut bekommen. Das fand ich angenehm verrückt und auch herausfordernd. Dieses Buch funktioniert nur mit dem Stilmittel der Überhöhung. Und darauf hatte ich Lust.

Omar El-Saedi: Vor allem die Freundschaft zwischen Hakim und Noah. Seit ich lebe, sind die Nachrichten voll vom Nahost-Konflikt zwischen Israel und der muslimischen Welt. Eine menschliche Geschichte zu erzählen von einer Freundschaft zwischen einem Juden und einem Muslim, ist mir besonders wichtig, weil es eben auch gelebte Realität ist und viel zu selten mediale Aufmerksamkeit bekommt. Diese Geschichte in eine Komödie zu verpacken war eine Herausforderung und eine Besonderheit. Denn wenn das Thema mal positiv erzählt wird, dann eher in einer Art Gesellschaftsdrama als in dem Genre Komödie.

 

Welche Rolle spielt Religion in Liebesfragen?

Christine Eixenberger: Das kann man meiner Meinung nach so pauschal gar nicht beantworten. Religion sollte allerdings keine Rolle spielen. In der Liebe sollte vor allem Liebe eine Rolle spielen. Und das tut sie bei Paaren unterschiedlicher Religionen bestimmt auch. Nur das Umfeld und die Erwartungshaltung beziehungsweise Restriktionen der jeweiligen Glaubensgemeinschaft, die machen es sicher oft schwierig. Denn im Zweifel wünscht man sich als Paar, dass die Familie hinter einem steht. Tut sie das nicht, ist die Liebe deshalb nicht unmöglich. Aber die Abneigung des Umfelds dieser Liebe gegenüber legt einem schon Steine in den Weg, die es zu überwinden gilt. Dabei hätte man bei Familie und Freunden doch lieber einen Stein im Brett als einen auf dem Weg.

Franz Dinda: Für Noah eigentlich keine, er sucht schlicht und ergreifend nach der wahren Liebe. Und genau das ist es, was seine Familie verzweifeln lässt. Sie wünschen sich nämlich für ihn eine "ordentliche" jüdische Frau, so, wie "es sich gehört".

Omar El-Saedi: Sowohl Noah als auch Hakim sind familiär zwar religiös geprägt, doch leben sie ihre Religion wie viele Menschen ihrer Glaubensgemeinschaften nicht streng aus. Das heißt, sie dürfen sich frei verlieben und auch wenn die Gegenwehr in den Familien gegen die Christin Charlotte anfangs da ist, überwiegt auch bei den Eltern die Menschlichkeit und das Glück ihrer Kinder. Davon lassen sich alle überzeugen, wie eben oft in der Realität auch.

 

Welche Anekdoten sind Ihnen von den Dreharbeiten besonders in Erinnerung geblieben?

Christine Eixenberger: Franz. Omar. Ich. Arschbomben in den Wannsee. Im Oktober. Noch Fragen? (lacht)

Franz Dinda: Der Ferrari, den ich im Film fahre, ist das Privatfahrzeug unserer Produzentin Alice Brauner. In einer Szene musste ich mit quietschenden Reifen von einer Ampel losrasen und das Fahrzeug ordentlich malträtieren. Das blasse Gesicht von Frau Brauner, die während der Szene hinter dem Monitor saß, dieses Gesicht werde ich für lange Zeit nicht vergessen.

Omar El-Saedi: Der Sprung ins kalte Wasser. Das meine ich tatsächlich im wörtlichen Sinne. Wir haben einen "Sommerfilm" im Oktober gemacht und in der ersten Drehwoche hatten wir auch noch annehmbar warme Tage. Im Film gibt es eine Szene, in der Christine, Franz und ich in den Wannsee springen. Die Kamera ging an und Chrissi sprang als erste hinein und spielte wahnsinnig überzeugend, dass sie sich pudelwohl fühlt. Franz und ich sprangen hinterher. Während Franz genauso überzeugend auf Hochsommer spielte und anfing, im Wasser Späßchen zu machen, bekam ich fast einen Herzinfarkt vor Kälte. In der Szene sollte gerade Hakim am längsten im Wasser bleiben. Das war hart.

 

Mussten Sie sich schon einmal zwischen zwei Männern / Frauen entscheiden?

Christine Eixenberger: Gott (oder wem auch immer) sei Dank – bis dato noch nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass das nicht so einfach ist. Wenn man ein einigermaßen empathischer Mensch ist, dann will man eines nicht: etwas kaputt machen, jemanden enttäuschen und verletzen. Man leugnet seine Gefühle sich selbst und anderen gegenüber, ist geplagt von Angst und Unsicherheit, zieht sich zurück, um ja nichts falsch zu machen in Situationen, in denen man normalerweise nach vorne preschen würde, die Worte "Ich will ein 'wir' sein!" auf den Lippen.

Franz Dinda: (lacht) Nein. Glücklicherweise ist dieser Kelch bisher an mir vorübergegangen.

Omar El-Saedi: Nicht wirklich. Als Jugendlicher hatte ich keinen großen Erfolg bei den Mädchen. Ich habe mich eigentlich immer gleich verliebt, wenn ein hübsches Mädchen mal nett zu mir war. Ich war aber viel zu schüchtern, um die Initiative zu ergreifen. Meine Kumpels waren da erfolgreicher, und der eine oder andere hat mich immer wieder gebeten, Liebesbriefe für seine Angebetete zu schreiben. Das waren meine ersten Erfahrungen in Sachen Frauen von Freunden.

 

Wo beginnt Freundschaft, wo hört sie auf?

Christine Eixenberger: Für mich beginnt Freundschaft immer da, wo Menschen sich gegenseitig sein lassen, wie sie sind. Und gleichzeitig das Beste aus dem jeweils anderen herausholen, indem beizeiten auch einmal Kritik am anderen geübt wird, die vielleicht nicht so angenehm ist. Man vertraut sich in einer Freundschaft, man liebt sich. Und Freundschaft endet da, wo all das nicht oder nicht mehr gegeben ist. Alles basiert auf und endet mit Verständnis und Vertrauen. Klingt, als hätte ich das gegoogelt ... hab ich auch. Spaß! Ist von Aristoteles. Bestimmt.

Franz Dinda: Eine wahre Freundschaft beginnt irgendwann und hört dann nie wieder auf. Sie überlebt große Distanzen. Sie braucht keine große Anlaufphase nach einer längeren Trennung. Sie ist wahrscheinlich die vollkommenste Form von Liebe.

Omar El-Saedi: Eine große Frage. Ich versuche es mal mit einem Satz: Eine gute Freundschaft beginnt mit Vertrauen und endet, wenn Vertrauen missbraucht wird.

Die Fragen stellte Felix Neunzerling.

Interview mit Andreas Sawatzki als Audiodatei

Hier finden Sie ein Interview mit Andrea Sawatzki als Audiodatei sowie eine eine pdf-Datei mit der Abschrift des Interviews.

Weitere Informationen

Fotosüber ZDF Presse und Information Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/matzekebab

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