Am 8. November 2016 gewann Donald Trump die Wahl zum 45. US-Präsidenten. Foto: ZDF/Reuters/Mario Anzuoni
Am 8. November 2016 gewann Donald Trump die Wahl zum 45. US-Präsidenten. Foto: ZDF/Reuters/Mario Anzuoni

Trachten, Tradition und Trump

Dokus zu "Ein Jahr Wahl von US-Präsident Donald Trump"

Ein Jahr nach Trumps Wahlsieg beleuchten mehrere Dokumentationen in ZDF und ZDFinfo die bisherige Amtszeit des 45. US-Präsidenten. Zum Abschluss des Themenschwerpunkt besucht m Sonntag, 19. November 2017, 18.00 Uhr die "ZDF.reportage: Trachten, Tradition und Trump" deutsche Auswanderer in den USA, die im südlichen Texas deutsche Traditionen hochhalten und mit überwiegender Mehrheit Trump gewählt haben.

  • ZDF, Sonntag, 19. November 2017, 18.00 Uhr

    Texte

    Sendetermine von Dokumentationen in ZDF und ZDFinfo
    zu "Ein Jahr Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten"

    Dienstag, 7. November 2017, 20.15 Uhr, ZDF

    ZDFzeit: Mensch Trump!
    Provokateur, Populist, Präsident

    Film von Philipp Müller und Ines Trams

    Kamera: Zeljko Pehar
    Produktion: ZDF
    Redaktion: Caroline Reiher
    Redaktionsleitung: Ursula Schmidt
    Länge: ca. 45 Minuten

     

    Mittwoch, 8. November 2017, 0.45 Uhr, ZDF

    Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus

    Film von Paul Berczeller

    Kamera: Adam Vardy, Anton Jeffes, Greg Davis
    Produktion: Films Limited
    Redaktion: Paul Amberg
    Länge: ca. 45 Minuten

     

    Donnerstag, 9. November 2017, 23.15 Uhr, ZDF

    Markus Lanz – Amerika ungeschminkt
    Gespräche ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump

    Autorin: Silke Gondolf
    Produktion: Gruppe 5
    Redaktion: Susanne Krummacher
    Länge: ca. 75 Minuten

     

    Dienstag, 14. November 2017, 23.40 Uhr, ZDF

    Stars gegen Trump – Amerikas neuer Widerstand

    Film von Susanne Becker und Daniel Pontzen

    Kamera: Jan Prillwitz
    Schnitt: Sabrina Degenhardt
    Produktion: ZDF
    Redaktion: Anne Reidt
    Länge: ca. 45 Minuten

    Diese Dokumentation ist in zwei Teilen zudem in 3sat zu sehen:
    Samstag, 25. November 2017, 19.30 Uhr, Teil 1: Der Osten
    Samstag, 02. Dezember 2017, 19.30 Uhr, Teil 2: Der Westen

     

    Sonntag, 19. November 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage: Trachten, Tradition und Trump
    Deutsche Auswanderer in den USA

    Film von Albert Knechtel

    Produktion: Rilana Film GmbH
    Redaktion: Heike Schnaar
    Länge: ca. 30 Minuten

     

     

    ZDFinfo:
    Zwei Doku-Strecken zu "Ein Jahr Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten"

     

    Mittwoch, 1. November 2017

    18.00 Uhr: Die ungleichen Staaten von Amerika – Im Schatten der Armut

    18.45 Uhr: Die ungleichen Staaten von Amerika – Im Licht des Reichtums

    19.30 Uhr: Armut, Politik und Profit – Wohnungsnot in den USA

    20.15 Uhr: American Patriot – Aufstand gegen den Staat

    21.00 Uhr: Die Rückkehr des Ku-Klux-Klan – Rassisten in den Südstaaten

    21.45 Uhr: Steve Bannon – Der Trump-Flüsterer

    22.30 Uhr: Trumps Weg an die Macht

    23.15 Uhr: Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus

    24.00 Uhr: Gefährliche Verbindungen – Trump und seine Geschäftspartner

     

    Dienstag, 7. November 2017

    01.15 Uhr: Mensch Trump! – Provokateur, Populist, Präsident

    02.00 Uhr: Steve Bannon – Der Trump-Flüsterer

    02.45 Uhr: American Patriot – Aufstand gegen den Staat

    03.30 Uhr: Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus

    04.15 Uhr: Gefährliche Verbindungen – Trump und seine Geschäftspartner

    04.45 Uhr: Trumps Weg an die Macht

    Mensch Trump! – Provokateur, Populist, Präsident

    Dienstag, 7. November 2017, 20.15 Uhr, ZDF

    ZDFzeit: Mensch Trump!
    Provokateur, Populist, Präsident

    Film von Philipp Müller und Ines Trams

    Kamera: Zeljko Pehar
    Produktion: ZDF
    Redaktion: Caroline Reiher
    Redaktionsleitung: Ursula Schmidt
    Länge: ca. 45 Minuten

    Bei jedem seiner Auftritte hält die Welt den Atem an: Wen wird Donald Trump als nächstes beleidigen, bedrohen oder feuern? Er regiert im Alleingang. Doch wie tickt der mächtigste Mann der Welt?

    "ZDFzeit" nähert sich dem Menschen hinter der Medienfassade: Was treibt Trump persönlich an? Welche Menschen haben ihn geprägt? Welche Wendepunkte haben ihn zu dem Mann gemacht, den wir heute kennen – und der in Washington und international gleichermaßen irritiert.

    Ein Jahr nach Donald Trumps Wahlsieg: Bei manchen herrscht noch immer Aufbruchstimmung. Für andere dauert die Amtszeit des 45. US-Präsidenten schon jetzt zu lang. Was ist geblieben von seinem vollmundigen Versprechen, Amerika "wieder groß" zu machen? Was hat er erreicht, wo ist er gescheitert? Und: Was lässt sich aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres für die Zukunft ableiten? In seinem Umfeld tummeln sich Lobbyisten, Verschwörungstheoretiker, Evangelikale und Ultrarechte. Er regiert per Twitter und Dekreten. Auf Kritik reagiert er dünnhäutig. Die Verantwortung für politische Fehlschläge sieht er niemals bei sich selbst.

    Im Präsidentschafts-Wahlkampf punktete Trump mit rassistischen und sexistischen Anschauungen und Äußerungen. Damals dachten viele, Donald Trump werde als Präsident gemäßigter auftreten. Doch als in Charlottesville Ultra-Rechte aufmarschierten und einer von ihnen mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten fuhr, zögerte Donald Trump damit, sich von Neo-Nazis in seinem Land zu distanzieren. Versteht er sich überhaupt als Präsident aller Amerikaner? Wie vorurteilsbeladen ist der – behütet und im Wohlstand aufgewachsene – Spross ehemals deutscher Einwanderer?

    Als Oberkommandant der größten Militärmacht der Erde steht der Polit-Neuling vor der Aufgabe, große Konflikte zu meistern. Sein Beraterstab strotzt nur so vor hochrangigen Ex-Militärs, doch Trump setzt sich gern über Ratschläge seiner Berater hinweg. Ein Sicherheitsrisiko? Er bombardierte Syrien und droht, Nordkorea auszulöschen. Wie gefährlich ist dieser Präsident – und wie fällt er seine Entscheidungen?

    Was sagen Anhänger, Weggefährten und Gegner heute zu ihrem Präsidenten? In der Dokumentation von Philipp Müller und Ines Trams kommen auch Menschen zu Wort, die sich bereits im Vorfeld von Trumps Wahl vor der Kamera äußerten: Welche ihrer Erwartungen sind seitdem erfüllt worden, welche ihrer Befürchtungen sind wahr geworden?

    Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus

    Mittwoch, 8. November 2017, 0.45 Uhr, ZDF

    Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus

    Film von Paul Berczeller

    Kamera: Adam Vardy, Anton Jeffes, Greg Davis
    Produktion: Films Limited
    Redaktion: Paul Amberg
    Länge: ca. 45 Minuten

    Die Wurzeln der Familie Trump liegen im heutigen Rheinland-Pfalz. Der Großvater des 45. US-Präsidenten, Friedrich, wanderte 1885 von Kallstadt nach Amerika aus und gründete dort ein Imperium.

    Mit der Bewirtung von Goldsuchern machte Friedrich Trump ein kleines Vermögen, baute das erste Trump-Hotel. Sohn Fred, Donald Trumps Vater, nutzte jede Chance, um den Reichtum zu mehren. Offenbar gehören Rastlosigkeit und Risikobereitschaft zum Charakter der Trumps.

    Fred Trump ging bei seinen Geschäften an die Grenzen des Gesetzes. Er nutzte staatlich geförderte Wohnbauprogramme und wirtschaftete Gelder in die eigene Tasche. Mit aggressivem Marketing warb er für seine Objekte, und der Erfolg schien ihm recht zu geben: Bis 1938 baute er im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein Immobilien-Imperium auf. Die Presse nannte ihn "den Henry Ford des Wohnungsbaus". Die Familie Trump ist überzeugt, etwas Besonderes zu sein, und erklärt ihren Erfolg mit den Genen, die sie zu Siegern machten.

    Mit 28 übernahm Donald J. Trump, der heutige US-Präsident, das Familien-Geschäft und wollte Manhattan erobern. Dort konnte er wegen der schlechten Wirtschaftslage erhebliche Steuervorteile nutzen. Von dort aus expandierte er zudem in die Welt. Doch es ging nicht nur bergauf, sondern immer wieder auch steil bergab, vor allem als seine drei Casinos pleitegingen und er Konkurs anmelden musste.

    Aber Donald Trump feierte auf anderen Feldern Erfolge: Erst wird er zum Fernsehstar und schließlich im November 2016 zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

    Markus Lanz – Amerika ungeschminkt:
    Gespräche ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump

    Donnerstag, 9. November 2017, 23.15 Uhr, ZDF

    Markus Lanz – Amerika ungeschminkt
    Gespräche ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump

    Autorin: Silke Gondolf
    Produktion: Gruppe 5
    Redaktion: Susanne Krummacher
    Länge: ca. 75 Minuten

    Nach der Bestandsaufnahme im ersten Teil seiner Amerika-Dokumentation 2016, geht Markus Lanz diesmal der Frage nach, wie es den Menschen in den USA ein Jahr nach der Wahl geht.

    "Make America great again!" Für wen erfüllt sich dieses Versprechen? Wer profitiert bislang davon – und wer nicht? Bleibt das Land gespalten? Wo keimt Hoffnung?

    Donald Trump hat die schlechtesten Umfragewerte seit seinem Amtsantritt. Der Präsident hat große Versprechungen gemacht – wie neue Arbeitsplätze und eine Mauer zu Mexiko.

    Markus Lanz besucht diesmal den Swing State Ohio, der klar an Trump ging. Er fragt dort in klassischen Arbeiterstädten wie Warren im Trumbull County nach, wie es den Menschen geht. Er besucht Ranger und Rancher an der Grenze von Arizona zu Mexiko, und er sieht sich in Charlottesville um, dem Ort, der zum unfreiwilligen Symbol der "Alt-Right" Bewegung geworden ist. Was denken die Menschen – knapp ein Jahr nach der Wahl – über den Zustand ihres Landes?

    Stars gegen Trump – Amerikas neuer Widerstand

    Dienstag, 14. November 2017, 23.40 Uhr, ZDF

    Stars gegen Trump – Amerikas neuer Widerstand

    Film von Susanne Becker und Daniel Pontzen

    Kamera: Jan Prillwitz
    Schnitt: Sabrina Degenhardt
    Produktion: ZDF
    Redaktion: Anne Reidt
    Länge: ca. 45 Minuten

    Am Tag, an dem Donald Trump als US-Präsident vereidigt wurde, verkündete Rockstar Bruce Springsteen, dass das kulturelle Amerika diesen Präsidenten nicht akzeptieren wird: "Wir sind der neue amerikanische Widerstand!" Die ZDF-Dokumentation geht dem nach und erzählt die Entwicklung Amerikas und der Trump-Präsidentschaft aus Sicht der Stars und Kulturschaffenden in den USA.

    Die Filmautoren Susanne Becker und Daniel Pontzen reisen von New York aus quer durch die USA und treffen Musiker, Schriftsteller und Hollywood-Stars, die den Widerstand leben, aber auch solche, die Trump lieben. Dabei entdecken und dokumentieren die beiden ZDF-Reporter ein aktuelles Panorama des kulturellen Amerika.

    Der Film bietet Begegnungen mit literarischen Eminenzen wie Jonathan Franzen und T.C. Boyle, mit Hollywood-Stars wie Robert Redford und Arnold Schwarzenegger, mit Musikern wie John Legend, Jack Johnson und Placido Domingo sowie mit jungen Musikern, YouTubern und Filmemachern, die bei Festivals oder in Clubs Stimmung machen. Die deutsche Erfolgsautorin Cornelia Funke, die im Falle eines Trump-Sieges eigentlich ihre Wahlheimat Kalifornien verlassen und nach Kanada auswandern wollte, will stattdessen Amerikanerin werden, um mit ihren Bürgerrechten Flagge zu zeigen.

    Trump will Amerika ändern – ändert sich das Land? Und wenn ja – wie? Im Verlauf mehrerer Monate zwischen April (100 Tage Trump im Weißen Haus) und November (ein Jahr nach der Wahl) spürt die Dokumentation Stimmungen und Reaktionen nicht nur an den Küsten, sondern auch im "Rust Belt" und in den "Flyover-States" nach, wo Stars wie John Legend und Beyoncé mit Projekten motivieren, die nur wenig bekannt sind. Am Ende steht der Besuch im rebellischen Hollywood, wo manche meinen, sie hätten schon früher ihre Prominenz im Sinne der Demokratie nutzen sollen. Und wo andere mit bösartigen Pro-Trump-Tweets provozieren.

    Was auch immer bis November in Washington geschieht – einige glaubten ja noch im Frühling, dass Trump niemals so lange regieren werde – mit kreativen und klugen Köpfen Amerikas wird diese herausfordernde Zeit direkt diskutiert und neu kommentiert. Dabei entsteht ein überraschendes Bild der Träume und Abgründe im heutigen Amerika.

    Stars zu Trump (Eine Auswahl)

    Jack Johnson, Sänger:

    "Was ist denn mit dem los?", fragte mein Sohn mich im Wahlkampf, "warum mobbt der alle?" Und ich: "Der macht nur Entertainment." Als dieser aus meiner Sicht nicht sehr qualifizierte Kandidat dann vorn lag, hab ich erst versucht, es erst mir zu erklären und dann meinem Sohn. Aus solchen Gedankenprozessen entstehen viele meiner Songs.

    Man sagt, niemals in der Geschichte der Menschheit wäre es einfacher gewesen als heute, die Wahrheit zu finden. Allerdings ist es auch eine Zeit, in der es nicht schwer fällt, Lügen zu verbreiten. Welchen Nachrichten sollen wir vertrauen, im Zeitalter von Begriffen wie "Fake News" und "Reality TV"? Diese Verwirrung spiegelt mein Song "My mind is for sale". Jeder Satz beginnt mit "Ich habe gehört …" das habe ich eines Morgens einfach so runter geschrieben. Ich musste mir wohl selbst darüber klar werden, dass Politik und Entertainment eins geworden sind. Du schaust in deine Nachrichten – was hat Trump jetzt wieder gemacht? Was er tut, sollte Grundlage unserer Gesellschaft sein – stattdessen unterhält er die Nation auf zweifelhafte Weise. Dabei passiert es dann zum Beispiel, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Das ist vielleicht gute Unterhaltung, aber es wird zu viel zerstört! Im Refrain des Liedes heißt es ganz deutlich: "Diese Art der Unterhaltung will ich nicht".

    Andrew Solomon, PEN Amerika Präsident:

    Der Präsident ist eine Katastrophe für Journalisten. Er sagt, dass die Presse der Feind des amerikanischen Volkes ist – um sie zu zerstören. Das kommt direkt aus dem Handbuch für Diktatoren, Mao, Stalin, sogar Hitler: erstmal die Presse diskreditieren, dann kann alles andere folgen. Ich glaube, dahinter steckt die Strategie, ein Chaos zu entwickeln, in dem alle so müde davon werden, "Fake News" von der Realität zu unterscheiden, dass sie aufhören, überhaupt auf die Nachrichten aufzupassen.

    Es gibt bereits eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung: Wut, Hass und Vorurteile sind von der Leine. Jeder, der in diese Richtung tickt, darf sie einfach rauslassen. In den drei Wochen nach der Wahl wurden mehr als 1000 Hass-Taten vermerkt, körperliche Attacken, Hakenkreuze, Hass-Graffitti. Alle, die bisher dachten, sie müssten ihre Vorurteile für sich behalten, spüren jetzt: Es ist erlaubt!

    TC Boyle, Schriftsteller:

    Es ist mir peinlich, Amerikaner zu sein. Der Präsident sollte doch ein Mann von Würde und Respekt sein. Jemand, den man verehren kann. Nicht so ein Fernseh-Typ der absolut unqualifiziert ist, ein wütender Psychopath. Wie kann irgendjemand Respekt vor ihm haben? Es würdigt das Präsidentenamt herab. Es ist ein Witz. Wir sind das Gespött der Welt. Und es könnte absolut lächerlich sein – aber Achtung: Er hat den Finger auf den Nuklearwaffen!

    Paul Auster, Star-Schriftsteller:

    Das liberale Amerika hat nicht aufgepasst. Man war einfach faul, keiner dachte dass es passieren könnte, und deswegen ist es passiert. Aber jetzt spüre ich, zum ersten Mal seit meiner Zeit als Student – also seit 50 Jahren, der Zeit des Vietnamkriegs – dass ein neuer Geist herrscht und eine Welle des politischen Aktivismus auf das Land zurollt.

    Wenn Trump sagt, die Presse ist der Feind des amerikanischen Volkes, dann meint er eigentlich, sie ist der Feind von Donald Trump. Und genau dieses Gefühl, angegriffen zu werden, kann ihn zu einer großen Gefahr werden lassen. Allerdings ist im Moment weniger Ideologie dahinter, als sein großer Narzissmus.

    John Legend, Sänger:

    Seit er im Amt ist, regiert Trump für die Reichen. Aber davor hatte er all den frustrierten Amerikanern, besonders im Mittleren Westen das Gefühl gegeben, dass er für sie kämpfe. Menschen, die einst im produzierenden Gewerbe die Basis für unsere Wirtschaft gelegt haben und sich jetzt von ihr zurück­gelassen fühlen. Ich denke, wir können durch den Widerstand der Künstler inspirieren, aber kommen muss der Widerstand aus dem Volk, von den Menschen.

    Trotzig in Trumperica
    ZDF-Autorin Susanne Becker über Drehs in New York und Nevada 

    In New York beginnt unsere Reise in das kulturelle Amerika zur Zeit einer Präsidentschaft, die der Welt wieder einmal ein neues Gesicht der USA zeigt. Wie sehen das die Intellektuellen und Kreativen des Landes? Die Schriftsteller, Musiker, Künstler, von denen viele vor der Wahl überhaupt nicht über den Kandidaten Trump sprechen wollten?

    New York im April, Trump ist 100 Tage im Amt. Den großen Zeitungen ist das keine Headline wert, sie haben ihre Bilanz "100 Tage Chaos" (NYT) und seine aggressiven Tweets auf Seite 3 verbannt, wo er sich austoben soll, auch gegen sie, die "Fake News". "Es ist die gefährliche Strategie eines Diktators – wie Mao oder Hitler" sagt Andrew Solomon, der amtierende PEN-Präsident Amerikas, der bekannt ist für seine geschliffenen verbalen Scharfschüsse gegen jegliche Bedrohung der Meinungsfreiheit. "Wir sollen ganz schnell gar nicht mehr wissen, was wahr ist, was Journalismus und was Propaganda, so dass wir uns irgendwann gar nicht mehr um die Nachrichten kümmern“.

    Der amerikanische PEN setzt dem aktuellen präsidialen "Travel Ban" für arabische Länder Aktionen entgegen, die die kulturelle Vielfalt feiern, die – wie Solomon nicht müde wird zu wiederholen – Amerika groß gemacht hat. Warum erst jetzt? Warum hat das liberale Amerika nicht schon vor der Wahl so laut und deutlich Stimmung gemacht?

    Die klare Antwort kommt von Star-Schriftsteller Paul Auster. Beim Internationalen PEN-Kongress liest er aus seinem großen Amerika-Roman "4321", in dem es auch um einen historischen Krisen-Moment geht – 1969: Vietnam-Krieg und Befreiungsbewegungen fordern das amerikanische Selbstverständnis. Pauls Frau, die Schriftstellerin Siri Hustvedt, präsentiert hier einen neuen Text, über den Widerstand gegen einen ur-amerikanischen Mythos, den Mythos des "Self-made-man" der nichts und niemanden braucht, sondern allein aus eigener Kraft erfolgreich und mächtig wird. Auster und Hustvedt sind die ersten von vielen weiteren Kulturstars, die uns später quer durch das ganze Land erzählen, wie die politische Situation ihr Werk beeinflusst. Paul Auster fasst mit typisch-kritischer Durchdringung die Situation so zusammen: "Das liberale Amerika hat zu lange nicht zuhört. Sie dachten, es kann nicht passieren, und so ist es passiert. Aber jetzt hören sie zu. Und zum ersten Mal seit langem – seit 50 Jahren, meiner Zeit bei der Friedensbewegung, spüre ich wieder diesen Kampfgeist. Eine Welle des Widerstands rollt das Land auf".

    Auf Dreh in Nevada

    "America is America is America" deklamierte die Lady in der altrosagetupften Bluse, und schlug bekräftigend dreimal auf den Holztisch mit den leeren Kaffeebechern. "Wir brauchen einen, der unser Land wieder groß macht". Ihre Nachbarin stimmte zu, laut und klar: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Präsident Trump weiß, wie viel wir Frauen arbeiten. Er wird die gläserne Decke einreißen, die uns daran hindert, es nach ganz oben zu schaffen!"

    Wir waren in Nevada, etwa eine Stunde nördlich von Reno im Wüstenstädtchen Gerlach. In dieser Gegend spielt der neue Roman von Willy Vlautin, dem Autor der schönsten Balladen des heutigen Westens. Er war in Reno aufgewachsen und hatte uns vorgewarnt, dass wir bestimmt einige ganz besondere Typen dort treffen würden. Die begegneten uns nun in Gestalt dreier Ladies, die feierten, dass sie sich vor genau 70 Jahren in der dritten Klasse kennengelernt hatten, beim Frühstück bei Bruno's, dem einzigen Café weit und breit.

    Sie waren in der Gegend aufgewachsen und geblieben, wegen der "Schönheit der Wüste" und weil sie sich da wohl fühlen wo jeder jeden kennt und man zusammenhält. Und von ihnen hörten wir nun eines der größten Rätsel der Trump-Wahl. Warum hatten so viele Frauen "Grab-them"-Donald gewählt? Nein, sie fühlten sich vollkommen von ihm repräsentiert. Wenn er nur etwas mehr Zeit hätte und die Medien ihn nicht immer so verteufeln würden, könnte er richtig arbeiten und dann würde es dem Land – und seinen hart arbeitenden Frauen – besser gehen. Sie konnten gar nicht mehr aufhören, ihren Präsidenten zu preisen. Kameramann Jan bewegte sich mit der Varicam auf der Schulter um den Tisch herum, denn ständig fiel eine der anderen ins Wort, um zu erklären, in welchem Aufschwung sich ihre Nation befand.

    Eine Szenerie wie in Willys Romanen, wo verlorene junge Helden von besorgten Hardlinern eines alten Amerika umgeben sind, das um seine Größe ringt. So verlieren sie sich immer mehr, umgeben von einem Netz aus Hass und Angst vor den Fremden, die Amerika verändern könnten. Da wirkt das Lächeln der Kellnerin im Koffeeshop wie ein Sonnenstrahl, oder, wie im neuen Roman, wird die Güte eines Farmer-Ehepaars zur rettenden Kraft.

    Um seine Helden und Heldinnen besser zu verstehen sind wir mit Willy Vlautin unterwegs – an die Orte seiner Kindheit in Reno, auf den endlosen Motelstraßen, wo seine ersten Teenager-Helden wohnten und wo draußen im Nirgendwo sein neuer junger Held Hector auf einer Farm arbeitet und den Entschluss fasst, als mexikanischer Boxer ein Champion zu werden. Und ja, eines verstehen wir hier sehr schnell: die Angst vor der Einsamkeit, die seine Stories durchzieht. Es ist das Amerika der verlorenen Seelen, irgendwo im Nirgendwo, vergessen von Washington und der Welt – würde nicht Willy Vlautin ihre Schicksale erzählen. Er selbst ist nach Oregon gezogen, als er Musik machen wollte, seine Lieder und Romane Liebeserklärungen an Nevada: "Utah ist ein Model, aber Nevada ist eine Kellnerin – ihr Lächeln ist authentisch, Ihre Freundlichkeit echt". Der Bob Dylan des heutigen Westens wird Willy Vlautin in den USA genannt. Mit ihm entdecken wir die Sehnsüchte eines Landes an Orten, die politisch oder wirtschaftlich verschwinden, aber kulturell viel von der Richtung prägen, die Amerika gerade einschlägt.

    Zehn Minuten mit Jane Fonda und Robert Redford
    Von ZDF-Autor Daniel Pontzen

    Die Minuten-Verwalter sind ziemlich aufgeregt heute Morgen. Rund ein halbes Dutzend von ihnen eilt durch die mit weichem Teppich ausgelegten Flure des Nobelhotels gleich neben dem Central Park in Manhattan. Robert Redford und Jane Fonda haben sich hier an diesem Septembervormittag im zwölften Stock eingefunden, noch sind sie nicht zu sehen, sie sitzen in einem der vielen von Netflix angemieteten Räume, denn bei dem Online-Stream-Dienst erscheint in Kürze der Film "Our Souls At Night". Jetzt müssen Redford und Fonda, die Hauptdarsteller, Werbung dafür machen, sie geben ein Interview nach dem anderen, jeweils wenige Minuten lang, an amerikanische Sender, australische, belgische, deutsche. Alles ist durchgetaktet, minutiös im Wortsinn, je nach Größe und Bedeutung des Senders gibt es mehr oder weniger Minuten. Das ZDF hat zehn bekommen, jeweils, also zehn Redford-Minuten und zehn Fonda-Minuten, was für Hollywood-Maßstäbe geradezu unanständig viel ist, am Anfang war von fünf Minuten die Rede, für beide zusammen.

    Es hat also etwas von Fließband-Arbeit, was Jane Fonda und Robert Redford heute zu erledigen haben, was der großen Würde und Anmut, die sie in ihrem neuen Film ausstrahlen, nicht wirklich gerecht wird, aber Geschäft ist Geschäft. Den Minuten-Verwaltern geht es jetzt also um einen möglichst reibungslosen Ablauf, sie sind präzise und unbestechlich, und schon als ich hineingerufen werde ins Interview-Zimmer, während ich mich hineinquetsche in den Raum, vorbei an Kameras, Scheinwerfern und jenem Reporter, der vor mir dran war, läuft die Uhr.

    Und dann bekomme ich ein Gespür dafür, was das Wort Aura bedeutet. Robert Redford, der sich als einziger von der Nervosität des Treibens um ihn herum nicht anstecken zu lassen scheint, erzählt, als er erfährt, dass nun das deutsche Fernsehen da ist, von einem Trip nach Berlin, den er kürzlich gemacht hat mit seiner deutschen Frau, und dass er sich mit Angela Merkel getroffen hat, der Kanzlerin, die es ja seit gestern auch nicht leichter habe, nach diesem Ergebnis – tags zuvor war die Bundestagswahl gewesen.

    Wenig später erzählt er dann davon, wie sich die politische Lage in seinem eigenen Land verändert hat, und warum er es müßig findet, sich nun an Trump abzuarbeiten. "Wir sind diejenigen, die es ihm erlaubt haben, Präsident zu werden. Das ist nicht sein Fehler", sagt Redford. "Er ist einfach die Person, die er immer war. Und jetzt plötzlich finden wir das bedrohlich, alarmierend, wir mögen nicht, was er tut? Da müssen wir, finde ich, das Objektiv, durch das wir schauen, umdrehen und auf uns selbst richten. Dass er nun da ist, ist unsere Tat." Viel zu schnell sind die zehn Minuten vorbei, am Ende werden es knapp zwölf, weil es mir gelingt, so zu tun, als würde ich die zunehmend raumgreifenden Warnzeichen eines Minuten-Verwalters gegen Ende des Interviews nicht mitbekommen. Doch irgendwann sagt er "Sorry, die Zeit ist abgelaufen, wir sind schon drüber", und sein Blick verrät, dass es bei diesen anderthalb Minuten Überhang bleiben wird. Das obligatorische Foto noch, fünfzehn Sekunden, ein Händedruck, ein Lächeln, das man aus dem Kino kennt, und dann geht es rüber, durch den Flur, einmal links, zu Jane Fonda.

    "Es ist noch weitaus schlimmer, als ich es mir je vorgestellt hätte. Und ich glaube, so geht es nun fast jedem hier: dass wir nicht realisiert haben, wie schlimm die Regierung von Trump und seinen Leuten sein würde", sagt Fonda, die immer noch großartig aussieht und das wohl auch täte, hätte sie nicht irgendwann angefangen, sich sogenannten Schönheitsoperationen zu unterziehen, weil sie es für ihren Job als notwendiges Übel empfand, wie sie einmal in einem Interview sagte. Wie bei Redford, der inzwischen 81 ist, hat auch Jane Fonda, 79, einen unfassbaren Drive, wie man das hier nennt, eine Energie und Wucht, die man vielen 30-Jährigen wünschen würde. "Was man in den täglichen Nachrichten sieht – die Ermittlungen und all das – das ist nur die Oberfläche", hebt sie an mit Blick auf Trump, "hinter den Kulissen geschehen derweil schreckliche Dinge, von denen viele gar keine Notiz nehmen: mit Blick auf die Umwelt, auf unsere Schulen oder die Arbeit der Polizei. Es ist sehr schlimm und gefährlich, was sich da gerade vollzieht – und wir müssen versuchen, dies zu stoppen."

    Bald sind auch diese zehn Minuten um. Wie schon Robert Redford zuvor sprach auch Jane Fonda davon, was ihr Mut mache und was helfen könne bei der Überwindung des Hasses, der Polarisierung, die sie wahrnimmt in ihrem Amerika 2017. Man hätte beiden gern noch sehr viel länger zugehört, beiden, aber geht nicht, schon klar, zumal noch ein Sammel-Interview mit Zeitungsjournalisten ansteht für die beiden und für Jane Fonda ein Skype-Interview nach Australien. Es ist anstrengend, keine Frage, aber die Minuten-Verwalter haben alles im Griff, freundlich, aber bestimmt.

    American Patriot – Aufstand gegen den Staat

    Mittwoch, 1. November 2017, 20.15 Uhr, ZDFinfo

    American Patriot – Aufstand gegen den Staat

    Film von Richard Rowley

    Produktion: PBS Frontline
    Redaktion: Jochen Leibig
    Länge: ca. 45 Minuten

    Aus dem seit über 20 Jahren schwelenden Streit einer amerikanischen Farmer-Familie mit der Regierung entstand in den vergangenen Jahren das US-regierungsfeindliche "Patriot Movement": Im Städtchen Bunkerville in Nevada begann vor Jahrzehnten eine lokale Auseinandersetzung zwischen dem Bureau of Land Management und der Farmer-Familie Bundy. Es geht um Nutzungsrechte von öffentlichen Weideflächen. Durch die US-weite Berichterstattung der Medien wurde das Städtchen Bunkerville zum Nährboden für die Verbreitung von extremistischem, regierungsfeindlichem Gedankengut und zur Geburtsstätte des "Patriot Movements". Ammon Bundy gilt den einen als Held und Patriot, für andere ist er schlicht ein Verbrecher und Terrorist.

    Trachten, Tradition und Trump

    Sonntag, 19. November 2017, 18.00 Uhr, ZDF

    ZDF.reportage: Trachten, Tradition und Trump
    Deutsche Auswanderer in den USA

    Film von Albert Knechtel

    Produktion: Rilana Film GmbH
    Redaktion: Heike Schnaar
    Länge: ca. 30 Minuten

    In den USA spielt die deutsche Sprache keine Rolle, denkt man. Doch neue Statistiken belegen: In vielen US-Staaten steht Deutsch nach Englisch und Spanisch an dritter Stelle.

    Über 45 Millionen US-Bürger gaben in der 2015 durchgeführten American Community Survey "German" als ihre Hauptabstammung an. Damit sind die Deutschamerikaner die größte ethnische Bevölkerungsgruppe in den Vereinigten Staaten. Noch verblüffender ist, dass offenbar weitaus mehr US-Bürger, als man bisher angenommen hat, tatsächlich noch Deutsch sprechen – zum Beispiel in Texas: In den von deutschen Auswanderern gegründeten Orten New Braunfels und Fredericksburg (auch "Fritztown" genannt) steht die "Vereinskirche" am "Marktplatz", das Restaurant "Lindenbaum" ist gleich gegenüber dem "Biergarten". Mitten in dem vielleicht amerikanischsten aller US-Bundesstaaten gibt man sich deutscher als in Deutschland.

    "Texanische Gastfreundschaft, deutsche Kultur" – so lautet auch das Motto des alljährlich in New Braunfels stattfindenden Oktober-Wurstfestes. Immer mit dabei ist die Familie Dirks. Sie sind erst vor zwölf Jahren aus Elmshorn dorthin ausgewandert und betreiben im Ort die deutsche Kneipe "Das Friesenhaus". Dort gibt es das Bier noch nach dem deutschen Reinheitsgebot und es wird noch "dutch gesnackt", also deutsch gesprochen, in einem ganz eigenen deutsch-texanischem Dialekt. Auch die Vorfahren von Präsident Trump kommen aus Deutschland. Vielleicht hat das dazu geführt, dass man dort im "deutschen" Süd-Texas mit überwiegender Mehrheit Trump gewählt hat.

    Nach einem Jahr Amtszeit des Präsidenten Trump schaut die "ZDF.reportage" bei dessen "deutschen" Wählern vorbei und fragt nach, wie es sich so lebt im Süden Texas und ob die Menschen dort heute noch mit ihrer Präsidenten-Wahl zufrieden sind. Zudem erkundet die "ZDF.reportage", wie die Deutschstämmigen dort aus der Ferne auf die alte Heimat Deutschland schauen.

    Fotohinweis

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/trump

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