Copyright: ZDF / Erika Hauri
Copyright: ZDF / Erika Hauri

Nie mehr wie es war

Der Fernsehfilm der Woche

Nike (Christiane Paul) ist mit Tomas (Fritz Karl) glücklich. Das gemeinsame Leben mit ihrem Sohn Milan (Matti Schmidt-Schaller) scheint perfekt – bis Tomas durch Zufall Nikes verloren geglaubten Mutterpass findet: Ist Milan gar nicht sein Sohn? Das Leben der kleinen Familie gerät dramatisch durcheinander. Regisseur Johannes Fabrick inszenierte den Fernsehfilm nach dem Buch von Britta Stöckle.

  • ZDF, Montag, 18. September 2017, 20.15 Uhr

Texte

Lebenslüge und Vaterstolz

Ein dramatischer Kontrapunkt

Psychologische und soziale Dramen sind eine mittlerweile seit 15 Jahren gepflegte Tradition zwischen der Münchner Produktionsfirma Hager Moss und der ZDF-Redaktion Fernsehfilm I. Als sich die erfolgreiche Kino-Produzentin Kirsten Hager entschloss, sich auch Fernsehfilmen zu widmen, kam sie auf das ZDF zu und es entstand "Geht nicht gibt’s nicht", das zweifach prämierte Drama über ein junges Paar, das in die Schuldenfalle gerät.

Es folgten "Die Sache mit dem Glück" und "Ein riskantes Spiel", danach das beinahe dokumentarische Drama "Über den Tod hinaus", in dem es mit Erin Brockovich-Touch um sogenannte Schrott-Immobilien geht, dann das Beziehungs-Drama "Ich habe es dir nie erzählt" um eine Gerichtsvollzieherin und zuletzt das vielfach ausgezeichnete Krebs-Drama einer jungen Frau "Pass gut auf ihn auf".

All diese Dramen sind ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zu unserem breit gefächerten Krimi-Angebot. In diese Tradition reiht sich nun die neue Zusammenarbeit zwischen der Autorin Britta Stöckle und Regisseur Johannes Fabrick ein: "Nie mehr wie es war" lotet feinfühlig und aufwühlend den durch die Entdeckung einer Lebenslüge aufgebrochenen Konflikt zwischen verletztem Vaterstolz und menschlicher Verbundenheit aus. Tomas, als Betreiber einer gut laufenden Kulturkneipe glücklich mitten im Leben stehend, muss sich mit den schwer zu verarbeitenden Folgen einer tief greifenden Verletzung auseinandersetzen. Nike, seine Frau, hat ihm verschwiegen, dass ihr mittlerweile 16-jähriger Sohn nicht sein Sohn ist, sondern einer Affäre mit ihrem damaligen Professor entstammt. Kann das Paar die zerstörerische Kraft dieser zufällig entlarvten Lebenslüge überwinden? Und kann Tomas der biologischen Tatsache trotzen und 'seinen' Sohn weiterhin als seinen Sohn annehmen und lieben?

Fritz Karl spielt Tomas, Christiane Paul seine Partnerin Nike, und den Sohn der sehr talentierte Matti Schmidt-Schaller, Spross einer berühmten Schauspieler-Familie. Diese drei überzeugen in diesem psychologisch spannenden, hoch emotionalen Familien-Drama unter der fordernden, tief schürfenden Regie von Johannes Fabrick mit wahrhaftigem, intensivem Spiel.

"Nie mehr wie es war" hatte seine Premiere auf dem Filmfest Hamburg 2016 und wurde im letzten Jahr auch zu den Biberacher Filmfestspielen eingeladen.

Pit Rampelt
Redaktion Fernsehspiel I

Stab, Besetzung, Inhalt

Buch               Britta Stöckle
Regie          Johannes Fabrick
Kamera       Helmut Pirnat
Schnitt          Simon Blasi
Ton      Michael Wollmann
Musik           Manu Kurz
Music Supervision   Hansjörg Kohli
Szenenbild         Thilo Mengler
Kostüme       Janne Birck
Produktionsleitung        Andrea Bockelmann
Herstellungsleitung     Sabine Wenath-Merki
Produzentin     Kirsten Hager
Produktion           hager moss film
Redaktion       Pit Rampelt
Länge     ca. 89 Min.

                                    

Die Rollen und ihre Darsteller

Tomas Frese         Fritz Karl
Nike Frese           Christiane Paul
Milan Frese           Matti Schmidt-Schaller
Prof. Dr. Karoly Gaál       Michael Wittenborn
Clemens        Jan Messutat
Laila         Amanda da Gloria
Mia       Luise von Finckh
Mama Frese     Monika Manz
Malena Gaál         Leonie Brill
Paulina Gaál      Dagny Dewath
und andere 

 

"Nie mehr wie es war" lotet feinfühlig und berührend den Konflikt zwischen verletztem Vaterstolz und menschlicher Verbundenheit aus. Im Zentrum stehen Tomas und Nike, ein Paar in den mittleren Jahren, das sich mit den furchtbaren Folgen einer großen Lebenslüge auseinandersetzen muss – und eine neu zu findende Vater-Sohn-Liebe.

Tomas und Nike betreiben seit Jahren eine Musikkneipe. Während Nike ehrgeizig auch andere Perspektiven erwägt, ist Tomas glücklich in seiner Rolle als Ehemann, Selfmade-Gastronom und vor allem – Vater. Ihr gemeinsamer Sohn Milan ist 16 Jahre alt. Wenn Nike mal wieder auf einer Fortbildung ist, machen es sich die beiden Männer der Familie mit Pizza, Videospielen und Bier auf dem Sofa gemütlich.

Bis Tomas eine Entdeckung macht, nach der nichts mehr so sein kann, wie es war: Auf der Suche nach alten Unterlagen stößt er im Keller auf Nikes angeblich verlorengegangenen Mutterschaftspass. Das dort vermerkte Datum von Milans Empfängnis liegt mehr als einen ganzen Monat vor dem Datum, das Nike damals ihm gegenüber behauptet hatte. Eine nie gekannte Verzweiflung macht sich in Tomas breit. Hat Nike ihn damals betrogen?

Dann wird aus Tomas' Verdacht bittere Realität. Sein gekränktes Ego schlägt um sich und droht, alles kaputtzumachen. Er zerstört in seinem Schmerz mit archaischer Brutalität alle familiären und wirtschaftlichen Bindungen. Erst, als Milan ausreißt, um seinen biologischen Vater zu suchen, müssen Tomas und Nike sich gemeinsam unbequemen Wahrheiten stellen.

Kann der Mensch seine egozentrische Sippenhaftung überwinden?

Statement von Johannes Fabrick

Was zählt mehr – eine gute, liebevolle Beziehung, oder das eigene Ego, das eigen Fleisch und Blut? Das ist der Konflikt, der in "Nie mehr wie es war" den Protagonisten förmlich zerreißt. Für mich ist das ein äußerst wichtiges Thema, weil es im Kern die Frage stellt, ob der Mensch seine egozentrische Sippenhaftung überwinden kann, was in meinen Augen die einzige Chance für ein friedliches Zusammenleben auf Erden ist.

"Der Film ist sehr nah am wirklichen Leben"

Interview mit Christiane Paul

Frau Paul, was hat Sie an dieser Geschichte und Ihrer Figur Nike interessiert?

Ausschlaggebend war für mich die Zusammenarbeit mit Johannes Fabrick. Ich hatte schon viel von ihm gehört und kannte seine Filme. Mit ihm wollte ich unbedingt zusammenarbeiten. Die Art und Weise, wie das Buch beziehungsweise die Geschichte geschrieben war, hat mich fasziniert. Eine Tragödie, die Johannes Fabrick konsequent zu Ende erzählt. Das finde ich radikal und gut. Außerdem sollte Fritz Karl die männliche Hauptrolle übernehmen. Ich kannte Fritz bereits von einem anderen Projekt und wusste, dass ich auf einen Kollegen treffen würde, dem man beim Spielen komplett vertrauen kann, was bei einem solchen Stoff elementar ist.

Man hofft, Ihrer Figur Nike möge es gelingen, diese plötzlich instabile kleine Familie wieder zusammenzuführen.

Nike hat fast 18 Jahre mit einer riesigen Lüge gelebt. Das war für mich der Kern und am Anfang der Rollenerarbeitung das Schwierigste, mir vorzustellen, wie das geht. Wie kann man so über so lange Zeit leben? Wie funktioniert das? Welche Mechanismen sind dafür nötig, wie verändert man sich dadurch als Mensch? Ich habe lange mit einer befreundeten Psychiaterin darüber gesprochen, die solche Fälle aus ihrem Praxisalltag kennt, und darüber hinaus Bücher und Artikel darüber gelesen.

Können Sie persönlich das Verhalten von Tomas nachvollziehen?

Das Verhalten von Tomas ist bedingt durch seine tiefe Verletzung und Gekränktheit und entspricht im Endeffekt dem, was ich auch gelesen habe. Diese Art von Vertrauensbruch ist unüberwindbar. Man kann das sicher nur schwer verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ich glaube, es ist mehr als nur ein tiefer Schlag, dem man dann als Mann ausgesetzt ist. Es stellt alles in Frage, was man die letzten 20 Jahre getan hat, wer man war, woran man geglaubt hat. Es ist unverzeihlich. Das Interessante an dem Film ist, dass er sich für keine der Seiten wirklich entscheidet. Jeder ist zu verstehen, jede Not oder Notwendigkeit des Handelns jeder Figur ist nachzuvollziehen, das macht den Film in gewisser Hinsicht auch nicht leichter zu konsumieren, weil es keinen klassischen Helden gibt. Der Film ist sehr nah am wirklichen Leben.

Regen Sie persönlich solche Stoffe zum Nachdenken an oder schließen Sie nach Beendigung der Dreharbeiten mit den jeweiligen Projekten ab?

Natürlich setzt man sich durch solche Stoffe zum einen mit dem Thema, im Speziellen aber auch mit sich selbst noch mal anders auseinander. Die Figur der Nike, die ganze Problematik hat mich über die Drehzeit schon sehr beschäftigt, die schweren existenziellen Szenen, immer im emotionalen Ausnahmezustand zu sein. Aber das war es auch, was mich am Buch und an der Regiearbeit mit Johannes Fabrick interessiert hat: wirklich emotionale Tiefen auszuloten. Wir haben versucht, dem Konventionellen, dem Oberflächlichen zu entgehen. Aber ich war auch froh, als ich die Rolle der Nike nach Beendigung der Drehzeit dann endlich abstreifen konnte.

Bekommen Sie seit Ihrer Emmy-Auszeichnung andere Filmangebote als vorher, möglicherweise auch aus dem Ausland?

Ich denke, es hat sich nicht wirklich viel geändert. Ich hatte das große Glück, in all den Jahren immer kontinuierlich zu arbeiten, Johannes Fabrick oder auch Dani Levi haben mich schon vor dem Emmy gefragt. Und ich hoffe, dass das jetzt nicht abbricht. (lacht)

Das Interview führte Gitta Deutz

"Ich habe selten eine Film erlebt, der so gegensätzliche Reaktionen bei
Frauen und Männern hervorruft"

Interview mit Fritz Karl

Herr Karl, worin liegt für Sie die Besonderheit dieser Geschichte?

Ich habe selten einen Film erlebt, der so gegensätzliche Reaktionen bei Frauen und Männern hervorruft. Hier haben sich zwei Lager gebildet: Die Frauen finden die Reaktion meiner Figur Tomas völlig überzogen und unangemessen, die Männer sagen: "Recht so. Er muss mit dieser Härte und Konsequenz auf den Verrat seiner Frau reagieren". Das finde ich sehr interessant. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue oder von Scheidungen höre, bekomme ich häufig mit, dass es eher die Frauen sind, die gnadenlos reagieren, wenn sie sich verletzt fühlen, weil ihr Mann fremdgegangen ist. Sie sind es meistens, die ihre Männer regelrecht ‚ausziehen‘, wenn ihnen so etwas oder ähnliches widerfahren ist.

Milan ist zwar nicht der leibliche Sohn von Tomas, aber er wuchs von Geburt an bei ihm und Nike auf. Insofern könnte Tomas doch etwas milder reagieren.

Mit dem Sohn ist er ja auch nicht bös. Aber ihm wurde von seiner Frau der Teppich unter den Füßen weggezogen. Er verliert die Kontrolle, denn plötzlich ist er mit einer Situation konfrontiert, auf die er nicht vorbereitet war, mit der er niemals gerechnet hätte. Tomas ist hochgradig verletzt, auch in seiner Ehre, und muss das Erlebte erst einmal verarbeiten. Das macht er auf eine Weise, über die man diskutieren kann.

Gab Ihre Figur für Sie den Ausschlag, in diesem Film mitzuspielen?

Auch, aber es spielten mehrere Gründe mit. Dass eine intakte Familie, in der es allen gutgeht, plötzlich auseinanderbricht, weil sich unerwartet Abgründe auftun, fand ich sehr spannend und auch beklemmend. Nicht nur Tomas, alle Figuren in dieser Geschichte sind emotional sehr gefordert, alle müssen pur und sehr direkt gespielt werden. Das hat mich beim Lesen des Buches sehr angesprochen und gereizt. Ich fühle mich aber auch ein bisschen wie ein Ensemblemitglied von Johannes Fabrick, mit dem ich sehr gerne drehe, da er großen Wert auf schauspielerische Arbeit legt. Und die Aussicht, mit Christiane Paul dieses Paar zu spielen, war einfach toll. Wir harmonierten schon sehr gut in der Komödie "Mein gebrauchter Mann". Aus meiner Sicht ist uns mit dem Film "Nie mehr wie es war" ein feiner Ensemblefilm gelungen.

Welche Botschaft aus Ihrer Sicht vermittelt der Film?

Vielleicht die, dass man genau hinschauen sollte, wie man mit einem Konflikt umgeht. Es gibt meiner Meinung nach immer mehrere Lösungsansätze. Mit extremem Verhalten, mit unerbittlichen Reaktionen kann man vieles zerstören. Am Ende unseres Films gibt es eine Art Versöhnung zwischen Tomas und Nike, sie gehen aufeinander zu. Es wird zwar zwischen ihnen nie mehr so sein, wie es einmal war, aber immerhin nähern sich die beiden wieder einander an.

Sie sind seit vielen Jahren in nahezu allen Genres des Filmgeschäfts zu Hause. Was reizt Sie als Schauspieler mehr: Komödie, Krimi oder Drama?

Das lässt sich schwer beantworten, ich spiele tatsächlich alles gern. Eine gute Komödie zu schreiben und zu spielen, ist sehr schwer, sie bedarf einer ganz eigenen Dramaturgie. Krimis mag ich auch, aber qualitativ hochwertige Stücke wie "Nie mehr wie es war", ein Film, der ganz ohne Mord und Totschlag auskommt, sind eher rar geworden. Davon würde ich mir mehr wünschen.

Das Interview führte Gitta Deutz

Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information
Telefon: (06131) 70-16100 oder über
https://presseportal.zdf.de/presse/niemehrwieeswar

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2017 ZDF

Ansprechpartner

Name: Lisa Miller
E-Mail: presse.muenchen@zdf.de
Telefon: (089) 9955-1962