Poker um die Deutsche Einheit

Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht?

Vor 25 Jahren klärten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow die noch offenen außenpolitischen Fragen zur Beendigung der Teilung Deutschlands: Würden die Sowjets zustimmen, dass das vereinigte Deutschland in der NATO bleibt? Was beim Treffen von Gorbatschow und Kohl im Kaukasus jeweils versprochen wurde, beleuchtet die Dokumentation "Poker um die Deutsche Einheit – Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht?", eine erste Koproduktion von ZDFinfo und phoenix. Filmautor Ignaz Lozo konnte dafür erstmals am Ort der Verhandlungen drehen: in der Datscha von Michail Gorbatschow.

  • ZDF info, Donnerstag, 16. Juli 2015, 18.45 Uhr

Texte

Sendetermine

phoenix: Dienstag, 14. Juli 2015, 21.00 Uhr

ZDFinfo: Donnerstag, 16. Juli 2015, 18.45 Uhr

Weitere Sendetermine in ZDFinfo:

Mittwoch, 22. Juli 2015, 4.45 Uhr
Donnerstag, 23. Juli 2015, 12.15 Uhr

Neben den Ausstrahlungen in phoenix (Leitung der Sendung: Jean-Christoph Caron) und ZDFinfo (Redaktion: Susanne Krause-Klinck) greift voraussichtlich Mitte Juli auch ein Beitrag fürs "heute-journal" das Thema 25 Jahre danach auf. 

Poker um die Deutsche Einheit – Wurde Russland in der NATO-Frage getäuscht?

Es ist ein brisanter Streitfall: Wurde der Sowjetunion im Zuge der Verhandlungen über die Deutsche Einheit im Jahr 1990 tatsächlich versprochen, die NATO würde Richtung Osten nicht expandieren? 

Präsident Putin begründet das russische Vorgehen in der Ukraine und bei der Annexion der Krim auch mit den angeblich gebrochenen Versprechen des Westens. So werden historische Ereignisse vor bald 25 Jahren zu einer explosiven Streitfrage heutiger Außenpolitik. Es wird sogar schon von einem neuen Kalten Krieg gesprochen.

In der Dokumentation "Poker um die Deutsche Einheit" kommen entscheidende Verhandlungspartner und maßgebliche Zeitzeugen aus Ost und West zu Wort, zum Beispiel Michail Gorbatschow.

Die Spurensuche an den historischen Orten der Einheitsverhandlungen von 1990 wird angereichert durch exklusives, bislang nicht gesendetes Filmmaterial des Kohl-Besuchs im Kaukasus.

Der Film widerlegt politische Mythen rund um die brisante Streitfrage, ob der Westen damals gegebene Versprechen zur NATO-Osterweiterung später gebrochen hat. 

Der erste Dreh in Gorbatschows Datscha – Von Filmautor Ignaz Lozo  

Das Präsidialamt Putins ist Herr im Moskauer Hotel President. Wir sind an dem Ort, an dem am 12. September 1990 das Ende der Teilung Deutsch­lands und Europas besiegelt wurde. In einem kleinen Vorraum, der auf den historischen Bildern sehr viel größer erscheint, setzten die beiden deutschen Außenminister und die der vier Siegermächte ihre Unterschrif­ten unter den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Deutschland vereint und souverän, Sekt beim Vertragsabschluss in dem Hotel, das damals noch Oktober hieß.

Moskau ist unsere erste Drehstation, bevor es weitergeht in den Kaukasus, wo der damalige Kremlchef Gorbatschow und Kanzler Kohl im Juli 1990 beim 'Strickjackentreffen' den Durchbruch schafften. Weltbekannt sind die Außenbilder von Kohl und Gorbatschow an der Tisch-Grup­pe aus Baumstümpfen sowie an der Flussböschung. Doch kein westliches Team hat bisher in der sogenannten Gorbatschow-Datscha gedreht, in der bei den finalen Deutschland-Verhand­lungen zwischen der Bundesrepublik und der UdSSR der Abzug der Russen aus der DDR und deren militärischer Status entschieden wurde.

Nach monatelangem zähem und direktem Bemühen auf Russisch und dem Hinweis, mehr Historiker als Jour­nalist zu sein, bekam ich die Erlaubnis für den Datscha-Dreh. Für eine andere Dokumentation hatte das im Jahr 2009 noch nicht geklappt.

Wir begaben uns auf Spurensuche an den historischen Orten und befra­gten die wichtigsten Zeitzeugen zu einer immer noch aktuellen Streitfra­ge: Wurde der Sowjetunion im Zuge der Verhandlungen über die Deutsche Einheit im Jahr 1990 tatsächlich ver­sprochen, die NATO würde Richtung Osten nicht expandieren? Neben dem ehemaligen deutschen Außenminis­ter Hans-Dietrich Genscher und dem ehemaligen US-amerikanischen Au­ßenminister James Baker ist es vor allem Gorbatschow, der mit diesem Mythos aufräumt: Solche Verspre­chen, versicherte er mir in einem Interview für das "heute-journal" vor einem halben Jahr, habe es nie gegeben.

Der Datscha-Dreh hielt übrigens vorab dann doch noch kurzzeitige Aufregungen bereit: Im Hotel President erhielt ich plötzlich folgenden Anruf: "Wir haben leider schlechte Nachrichten für Sie. (Pause) Die Admi­nistration des Präsidenten erlaubt nun doch nicht den Dreh in der Datscha." – "Das gibt's doch nicht! Team und Weiterflug sind gebucht. Das ist kein seriöses Vorgehen! Und die Begrün­dung?", frage ich. "Keine."

Ich bat die Anruferin, zu versuchen, die zuständigen Leute im Kreml doch noch umzustimmen. Und nach einer Stun­de kam wirklich der erlösende Anruf: Es gehe doch. Das soll verstehen, wer will. Man bietet mir in der streng bewachten Staats-Datscha, die eigentlich ein kleiner Pa­last ist, dann sogar an, in den Gorbat­schow- oder in den Kohl-Gemächern zu übernachten!

Valentina, Hauswirtin seit Eröffnung des Gebäudes im Jahr 1978, erzählt: "Das war früher ein KGB-Haus, jetzt untersteht es Putin. Die KP-Spitze machte hier Urlaub. Uns wurde nicht einmal gesagt, wer kommt. Dass Kohl und Gorbatschow kämen, verriet mir ein KGB-Mann dann in letzter Minute. An der Einrichtung hat sich seitdem nichts geändert, selbst die Tapeten sind gleich geblieben. Im Herbst ist die Datscha dann Geschichte. Sie soll komplett re­noviert und umgebaut werden."

Biografische Angaben zum Filmautoren 

Ignaz Lozo ist seit 1989 als Reporter und Redakteur für das ZDF tätig und berichtete unter anderem aus Moskau und dem belagerten Sarajevo sowie als Korrespondent aus München. Der promovierte Osteuropahistoriker ist Autor zahlreicher Dokumentationen zu Russland. 2014 legte er das wissenschaftliche Fachbuch "Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion" vor, das auch ins Russische übersetzt wurde.

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Am 5. September 2011 vollzog ZDFinfo seinen Neustart mit der crossmedialen Ausrichtung auf die Themenfelder Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service. Seitdem steigerte das neuprofilierte Angebot seinen Marktanteil kontinuierlich – auf mittlerweile knapp ein Prozent. Der junge und erfolgreiche Digitalsender legt seinen Schwerpunkt auf zeitgeschichtliche Dokumentationen und bietet seinem Publikum die nachgefragten Hardfacts auf allen verfügbaren Wegen an – über das Fernsehprogramm ebenso wie über online und Social Media. ZDFinfo, vor über drei Jahren als "Fernsehen zum Mitreden" neu durchgestartet, schlägt mit dieser konsequenten crossmedialen Ausrichtung den Weg zum "betreuten Fernsehen" ein.

Im Monat Mai 2015 hat ZDFinfo 1,0 Prozent Marktanteil erzielt, sowohl im Gesamtpublikum als auch bei den 14- bis 49-Jährigen. Bereits 2014 hatte ZDFinfo so viele Zuschauer erreicht wie nie zuvor: Bei den Zuschauern gesamt und bei den 14- bis 49-Jährigen hat der Digitalkanal seinen Marktanteil auf 0,9 Prozent gesteigert. Im Digitalmarkt ist ZDFinfo bei den jüngeren Zuschauern der erfolgreichste öffentlich-rechtliche Digitalkanal. Bezogen auf die Haushalte mit digitaler Fernsehnutzung erreichte er im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 1,2 Prozent bei allen Zuschauern und auch bei den 14- bis 49-Jährigen. Täglich schalteten 2,69 Millionen Zuschauer das Programm mit Fokus auf Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service ein.

Künftig will ZDFinfo parallel zu seinen Sendungen verstärkt auf die Social-Media-Kommunikation setzen. Die Zuschauer sollen sich vor, während oder im Anschluss an Fernsehprogramme des Digitalkanals in sozialen Netzwerken oder entsprechenden Plattformen über die Programminhalte informieren und austauschen können.

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